Der Naturzustand bei Thomas Hobbes
Universit ät Hamburg
Institut für Politische Wissenschaft
Theoriekurs : Die politische Theorie des Thomas Hobbes
SS 2002
Inhaltsverzeichnis
Gliederung. 1
1. Einleitung. 2
2. Anthropologische Determinanten des Naturzustandes. 3
3. Der Mensch im Naturzustand. 4
3.1. Die „Gesetzlosigkeit“ - ius naturale. 4
3.2. Die „Besitzlosigkeit“ - natura dedit omnia omnibus. 5
3.3. Der „Kriegszustand“ - bellum omnium in omnes. 7
4. Beendigung des Naturzustandes und Erzeugung des Leviathan. 8
5. Fazit. 9
6. Quellen/Literatur. 11
1
1. Einleitung
Hobbes Entwurf einer umfassenden Philosophie (Elementa philosophiae), den er in Paris geschrieben hatte, bestand aus drei Teilen: Vom Körper, Vom Menschen, Vom Bürger, wobei besonders der dritte Teil über den Bürger Aufsehen erregte. Ihn sollte er in der Schrift Leviathan von 1651 weiter ausbauen. 1 Hier kommt die vielleicht berühmteste Formel aus dem Vermächtnis von Hobbes‘ politischer Philosophie vor: „Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ (homo homini lupus). Damit bezieht er sich nicht nur auf den Egoismus der Individuen, sondern auch auf den „Krieg aller gegen alle“. Dieser war für Hobbes Ausdruck des ungeregelten Naturzustandes - einer Art vorgesellschaftlicher Zeit, in der der Mensch lebt, solange es keine übergeordnete Staatsgewalt gibt.
Um den Naturzustand zu begreifen, muss man zuerst Hobbes´ Menschenbild verstehen, denn dort liegen die Wurzeln des Naturzustandes. Der Naturzustand ist einerseits Folge seiner Anthropologie, d.h. der Analyse der Leidenschaften des Einzelnen, und gleichzeitig ist er Ausgangspunkt zu seiner Politik und Staatstheorie.
„Was Hobbes über den Menschen denkt, kommt erst voll heraus in seiner Lehre vom Staat. Wir meinen seine berühmte Theorie vom Naturzustand und Staatsvertrag, durch die, mag man diese Begriffe historisch oder als Fiktion verstehen, eine Interpretation dessen gegeben werden soll, was wir Staat heißen.“ 2
Hobbes kontrastiert schroff zwischen Natur- und Gesellschaftszustand, zwischen Krieg und Frieden. Entweder die Menschen befinden sich im Natur- oder im Gesellschaftszustand, ein Drittes gibt es nicht. 3
Hobbes benutzt dabei die Fiktion vom Naturzustand als Hilfskonstruktion, um eine philosophische Begründung für die Möglichkeit und Notwendigkeit von Frieden zu liefern. 4 Wollte man diesem Werk einen Begriff zuweisen, um den es Hobbes besonders ging, so wäre das der Begriff ‚Sicherheit´. Gemeint ist ‚körperliche Sicherheit´ und die Sicherheit des ‚privaten Eigentums‘.
In der vorliegenden Arbeit soll das Wesen und die Bedeutung des Naturzustandes in der Lehre von Thomas Hobbes beschrieben werden. Zunächst wird überblicksartig die dem Naturzustand zugrunde liegende Anthropologie Hobbes‘ dargestellt, bevor Hobbes‘ Verständnis vom
1 Vgl. Münkler, 45ff.
2 Hirschberger, 195.
3 Vgl. Münkler, 110.
4 Vgl. Vom Bürger, 74.
2
Menschen im Naturzustand erläutert wird. Die Kapitelüberschriften „Die Gesetzlosigkeit“, „Die Besitzlosigkeit“ und „Der Kriegszustand“ sollen auf Hobbes‘ Bruch mit der klassischen Naturrechtstheorie hinweisen, die den Naturzustand nicht als konflikthaft begriffen hatte. 5 Die Beendigung des Naturzustandes, der Ausblick auf Frieden und die Entstehung der Staatsgewalt wird im letzten Abschnitt der Arbeit thematisiert.
2. Anthropologische Determinanten des Naturzustandes
Thomas Hobbes Anthropologie beruht auf einer naturwissenschaftlich-mechanistischen Methode. Hobbes Vorstellung vom Menschen ist die Vorstellung von einer Maschine: berechenbar und statisch. So schafft Hobbes eine berechenbare Größe als Fundament, von dem aus er seine Theorie des Naturzustandes entwickeln kann. Dabei stellen drei Annahmen die Eckpunkte in Hobbes Menschenbild dar: 1. Alle Menschen sind gleich; 2. Menschliches Handeln geht von Leidenschaften aus; 3. Menschen sind von Natur aus nicht zur Gemeinschaft bestimmt.
1. Die natürlichen Fähigkeiten aller Menschen gehen auf Körperkraft, Erfahrung, Vernunft und Leidenschaft zurück. Hobbes geht davon aus, dass alle Menschen in dieser Hinsicht gleich sindsowohl körperlich als auch geistig. Die Gleichheit der Menschen resultiert bei Hobbes aus der Formel: „Die einander Gleiches tun können, sind gleich; und die, die das Größte vermögen, nämlich zu töten, können auch Gleiches tun.“ 6
Kein Mensch kann sich im Vertrauen auf seine Kraft überlegen fühlen, denn selbst der Schwächste ist stark genug, den Stärksten zu töten - entweder durch Hinterlist oder durch ein Bündnis mit anderen. 7
2. Leidenschaften bestimmen und steuern die Menschen. Hobbes versteht die Leidenschaften als Auslöser aller willentlichen Bewegungen wie Gehen oder Sprechen oder anderer sichtbarer Handlungen. Bewegungen, die man sich vorher im Geist vorgestellt hat und bei denen es um das ‚wohin‘, ‚wodurch‘ und ‚was‘ geht. 8 Was er damit meint, ist ein zielgerichtetes Streben aus einem Trieb heraus - aus Verlangen oder aus Abneigung.
5 Vgl. Münkler, 115ff.
6 Vom Bürger I, 80.
7 Leviathan XIII, 94.
8 Vgl. Leviathan VI, S. 39.
3
Arbeit zitieren:
Jörg Hackhausen, 2002, Der Naturzustand bei Thomas Hobbes, München, GRIN Verlag GmbH
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