Inhaltsverzeichnis
I Abbildungsverzeichnis
II Abkürzungsverzeichnis
III Anlagenverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Der deutsche Mittelstand 3
2.1 Abgrenzung und Definition mittelständischer Unternehmen 3
2.2 Wachstumsunternehmen 7
2.3 Relevanz für den deutschen Wirtschaftsstandort 9
2.4 Fazit und Ausblick 10
2.5 Finanzierungssituation 14
2.5.1 Eigenkapitalquote 18
2.5.2 Ertragslage 19
2.5.3 Basel II und seine Folgen auf die Kreditvergabe 22
3 Grundlagen der Venture Capital-Finanzierung 26
3.1 Finanztheoretische Einordnung von Venture Capital 26
3.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung 26
3.3 Beteiligungsfinanzierung 28
3.4 Die Venture Capital-Finanzierung 29
3.4.1 Definition und Funktionsweise 29
3.4.2 Risiko- und Wagniskapital 32
3.4.3 Abgrenzung Venture Capital versus Private Equity 33
3.5 Idealtypischer Verlauf 35
3.5.1 Die Frühphase / „Early-Stage“ 37
3.5.1.1 Seed 38
3.5.1.2 Start-up 39
3.5.1.3 First-Stage 39
3.5.2 Die Expansionsphase 40
3.5.2.1 Second- und Third-Stage 40
3.5.2.2 Later-Stage 41
III
3.5.3 Besondere Finanzierungsanlässe 42
3.5.4 Exit - Desinvestition der Venture Capital-Beteiligung 43
3.5.4.1 Trade Sale und Secondary Purchase 44
3.5.4.2 Buy back 45
3.5.4.3 Going Public 45
3.5.4.4 Liquidation 46
4 Venture Capital-Beteiligungskonzepte 47
4.1 Venture Capital-Geber 47
4.1.1 Business Angels 48
4.1.2 Venture Capital-Gesellschaften und Inkubatoren 50
4.1.3 Corporate Venture Capital 52
4.1.4 Fördermöglichkeiten 53
4.2 Beteiligungsformen 55
4.2.1 Die offene und direkte Beteiligung 55
4.2.2 Indirekte Beteiligung: Das Beteiligungskonzept 56
4.2.3 Die stille Beteiligung 58
4.2.4 Beteiligungsähnliches Kapital 61
5 Voraussetzungen, Kontaktaufnahme, Leistungen 62
5.1 Voraussetzungen 62
5.2 Leistungen der Venture Capital-Geber 63
5.3 Kontaktaufnahme 66
5.3.1 Beachtenswertes 66
5.3.2 Auswahlprozess 69
5.4 Zusammenfassende Beurteilung 70
5.4.1 Merkmale der Venture Capital-Finanzierung 72
5.4.2 Vorbereitung zur Venture Capital-Finanzierung 73
6 Fazit 80
Literaturverzeichnis 82
Anhang 102
IV
I Abbildungsverzeichnis
Abb. 1 Quantitative Abgrenzungsmerkmale Mittelstand 4
Abb. 2 Mittelstand - Quantitativ 4
Abb. 3 Der Mittelstand in der deutschen Wirtschaft 6
Abb. 4 Unternehmensterminologie im Lebenszyklus 8
Abb. 5 Mittelstandskonjunktur, Prognoseszenario 2005 11
Abb. 6 ifo-Geschäftsklimaindex 12
Abb. 7 Überblick über die Finanzierungsarten 15
Abb. 8 Eigenmittelausstattung kleiner und mittlerer Unternehmen 19
Abb. 9 Entwicklung der relativen Insolvenzhäufigkeit in
Deutschland 20
Abb. 10 Risikotragfähigkeit von Finanzierungsinstrumenten 20
Abb. 11 Nominale Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften 2004 21
Abb. 12 Typisches Kreditportfolio einer mittelstandsorientierten
Bank 22
Abb. 13 Betrachtungsschwerpunkte des Rating 23
Abb. 14 Rolle von Finanzierungsquellen 24
Abb. 15 Finanzierungsalternativen in Abhängigkeit von der
Unternehmensgröße 25
Abb. 16 Job-Maschine Venture Capital finanzierte KMU 27
Abb. 17 Einteilung des Private Equity 34
Abb. 18 Finanzierungsphasen eines Wachstumsunternehmens 36
Abb. 19 Finanzierungsphasen, Volumina und VC Geber im
Überblick 1 37
Abb. 20 Finanzierungsphasen, Volumina und VC Geber im
Überblick 2 40
Abb. 21 Abgrenzung typischer Früh- und Spätphasen-Finanzierungen 42
Abb. 22 Entwicklung der Exitvarianten 44
Abb. 23 Phasenspezifische Merkmale einer VC Finanzierung 46
Abb. 24 Abschreibung als Exit in Deutschland (in Mio. Euro) 46
Abb. 25 Allgemeine Einteilung der Venture Capital Geber nach
ihren grundlegenden Unterscheidungsmerkmalen 47
V
Abb. 26 VCG bevorzugen die Expansionsphase
Abb. 27 Beteiligungsformen der VC-Finanzierung
Abb. 28 Venture Capital-Management als Finanzintermediär
Abb. 29 Die vier Mehrwert-Cluster der Venture-Kapitalgeber
Abb. 30 Bedeutung der Mehrwert-Leistungen bezogen auf die
Unternehmensphase
Abb. 31 Wo der Mehrwert seinen Schwerpunkt hat
Abb. 32 Wesentliche nicht-finanzielle Beiträge von VC-Investoren
Abb. 33 Venture Capital-Investmentprozess
VI
II Abkürzungsverzeichnis
€ Euro % Prozent Ø Durchschnitt
§ Paragraph Abs. Absatz ABS
AG Aktiengesellschaft avco Private Equity and Venture Capital Organisation BA Business Angel Bd. Band BDA Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände BDB Bundesverband deutscher Banken BDI Bundesverband der Deutschen Industrie e. V. BGB Bürgerliches Gesetzbuch
BVK
BWA bzgl. bezüglich bzw. beziehungsweise ca. circa CF Cashflow cmt
CVC d. h. DCF Discounted-Cashflow DB Der Betrieb DD Due Diligence
DIHT Deutschen Industrie- und Handelskammertag DVCA EK
etc. EU Europäische Union
EVCA exkl.
f. ff. F & E FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung FH Fachhochschule FI Finanzintermediär FK Fremdkapital Fn. Fußnote ggf. gegebenenfalls GK
GmbH hci/HCI VII
HGB
Hrsg. Herausgeber i.d.R. in der Regel i.e.S. im engeren Sinne
i.S.v. im Sinne von i.V.m. in Verbindung mit i.w.S. im weiteren Sinne IAS International Accounting Standards
IdW Institut der Wirtschaftsprüfer IfM Institut für Mittelstandsforschung ifo Institut für Wirtschaftsforschung IHK Industrie und Handelskammer IKB Deutsche Industriebank AG IHK Industrie- und Handelskammer inkl.
IPO IRB Kap. kfr. KfW KG KGV KMU KU Kleinunternehmen LBO Leveraged Buyout lt. laut
MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft mbH mbH MBI Management Buy-In
MBO Management Buy-Out Mio. Millionen Mrd. Milliarden NDA nondisclosure agreement (Vertraulichkeitserklärung) Nr. Nummer o. a. oben aufgeführte(n) o. J.
o. V. OECD Organisation for Economic Co-operation and Development
Rn. Randnummer VIII
ROI Return on Investment S.
T € VaR Value at risk VC
VCG Vgl. Vergleiche
WiSt Wirtschaftswissenschaftliches Studium WISU Das Wirtschaftsstudium z. B.
ZEW ZfB z. T. zum Teil
III Anhangsverzeichnis
Anhang 1 Bewertung der Interessenlagen nach Finanzierungsformen Anhang 2 Finanzierungswahrscheinlichkeit Anhang 3 Mögliche Einteilung von Finanzierungsinstrumenten der
Beteiligungsgesellschaften Anhang 4 Ausprägung der Auswahlkriterien für Frühphasen-VC Anhang 5 Finanzierungsstruktur, -form und Zielrendite Anhang 6 Die Teilnehmer am Venture Capital-Markt Anhang 7
Anhang 8 IX
1 Einleitung
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben eine erhebliche Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung und Konjunktur Deutschlands. Sie sind Träger der deutschen Marktwirtschaft. Der Konjunktur- und Strukturwandel in weiten Bereichen der Wirtschaft hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass das wirtschaftliche Umfeld für KMU komplexer und schwieriger geworden ist. Die sich immer gravierender verändernden Marktverhältnisse, eine ständig steigende Anzahl von Insolvenzen und die niedrige Eigenkapitalquote beeinträchtigen die Situation von KMU erheblich. Vieles deutet darauf hin, dass diese Probleme nicht nur durch die Ertragsschwäche sondern auch in hohem Maße durch eine unausgewogene Finanzierungsstruktur von KMU, die überwiegend durch die Aufnahme von Bankkrediten geprägt ist, verursacht werden. Die Finanzierungsalternativen von KMU werden durch eine restriktivere Kreditvergabepolitik der Banken eingeschränkt. KMU und Banken sind aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen gezwungen neue Wege zu gehen. Um KMU mit ausreichend Kapital zu versorgen und eine positive Unternehmensentwicklung zu gewährleisten, reicht für die Mittelstandsfinanzierung der Bankenkredit nicht mehr aus. Dies sind Herausforderungen, denen sich KMU stellen und zusätzlich zum Bankkredit alternative Wege, die die Eigenkapitalbasis stärken oder zumindest die Bilanz entlasten, finden müssen.
Die Eigenkapitalquote ist ein ausschlaggebender Punkt dafür, wie sich das Unternehmen am Markt positionieren und entwickeln kann. Eigenkapital ist somit für KMU in allen Unternehmensphasen ein enorm wichtiger Faktor, von dem die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft abhängt. Somit verhilft Eigenkapital zu einem dynamischen Wachstum. Vor allem für KMU sichert eine solide Eigenkapitalausstattung eine gewisse Unabhängigkeit in unternehmensrelevanten Entscheidungen.
Aufgrund dieser Tatsache muss sich eine Änderung der Finanzierungsart abzeichnen. Eine dieser Alternativen stellt die Venture Capital-Finanzierung dar. Hier stellen externe Beteiligungspartner in verschiedenen Wachstumsphasen, Wirtschaftszweigen und Regionen dem Unternehmen Kapital zur
1
Verfügung und erhalten dafür Anteile am Unternehmen. Das besondere an Venture Capital ist die Kombination der finanziellen Beteiligung an einem Unternehmen und der strategischen und operativen Unterstützung des Managements während des Beteiligungszeitraums. Insbesondere in der Frühphase von Unternehmensgründungen, aber auch bereits am Markt etablierte KMU, werden im weiteren Verlauf ihrer Entwicklung von Venture Capital-Gebern mit finanziellen Mitteln ausgestattet. Venture Capital kann als Teil der Eigenkapitalfinanzierung die EK-Quote des Beteiligungsnehmers verbessern und ermöglicht so die Finanzierung des Wachstums und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit.
Die vorliegende Arbeit behandelt das Thema „Venture Capital als Finanzierungsalternative für KMU“. Ziel dieser Arbeit ist es, den Leser ausgehend von den Problemen und schwierigen Rahmenbedingungen mittelständischer Unternehmen mit den Grundlagen der Venture Capital-Beteiligung als alternative Finanzierungsmöglichkeit für KMU vertraut zu machen.
Nach dieser Einleitung wird zunächst im folgenden Kapitel 2 der Begriff kleiner und mittlerer mittelständischer Unternehmen definiert und dabei auf qualitative und quantitative Abgrenzungsaspekte eingegangen, ehe die Relevanz von KMU für die deutsche Wirtschaft und dessen Finanzierungssituation durch die Auswirkung des Baseler Akkords (Basel II) auf die geänderten Bedingungen der Kreditvergabe der Banken verdeutlicht wird. Kapitel 3 widmet sich der Definition und Einführung in die Venture Capital-Finanzierung und gibt einen Überblick über die idealtypischen Entwicklungsphasen eines Unternehmens sowie deren Ausprägungsmerkmale. Anschließend werden auftretende Beteiligungspartner, private, industrielle oder staatliche Venture Capital-Geber, am Venture Capital-Markt und die Formen verschiedener Beteiligungsvarianten in Kapitel 4 beschrieben, ehe abschließend in Kapitel 5 die Kontaktaufnahme eines Venture Capital suchenden KMU und die dabei zu beachtenden Punkte auf der Grundlage der vorangegangenen Kapitel zusammengefasst dargestellt wird. Den Abschluss dieser Arbeit bildet Kapitel 6 mit einem kurzen Fazit zu den bis dato erläuterten Aspekten.
2
2 Der deutsche Mittelstand
Mittelständische Unternehmen bilden den Kern jeder Marktwirtschaft und haben auch eine zentrale Bedeutung für Deutschland. In Deutschland wie auch der Europäischen Union fallen etwa 99 % aller Unternehmen unter die Bezeichnung der Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen (KMU). Es sind selbstständige und unabhängige gewerbliche Betriebe unterschiedlichster Branchen und Betriebsgrößen, d. h., sie befinden sich im Eigentum einzelner Personen, einer Familie oder eines eng begrenzten Personenkreises. KMU produzieren knapp die Hälfte der Bruttowertschöpfung des Unterneh-menssektors und bieten ca. 80 % aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten einen Arbeitsplatz. Aus diesem Grund sind KMU eine wichtige Quelle unternehmerischer Initiative und Innovation, 1 sozial wie auch wirtschaftlich wichtig, da die Gesamtheit aller KMU einen starken Einfluss auf die wirtschaftliche Konjunktur ausübt. Die Höhe des Wirtschaftswachstums sowie die des Einkommens und der Stabilität der öffentlichen Finanzen sind unmittelbar mit der wirtschaftlichen Leistungskraft des Mittelstands verknüpft. Um speziellen Schwierigkeiten entgegenzuwirken und diese auszugleichen, bewilligen gemeinschaftliche und nationale Rechtsvorschriften den KMU verschiedene Vorteile. Dazu ist jedoch eine rechtlich sichere und leicht anzuwendende KMU-Definition notwendig 2 .
2.1 Abgrenzung und Definition mittelständischer Unternehmen
Der Begriff Mittelstand fasst üblicherweise alle Unternehmen bis zu einer bestimmten Größe zusammen. Eine Unterscheidung in kleine und mittlere Unternehmen, wie sie in vielen Ländern üblich ist, wird im deutschen Sprachgebrauch nicht gemacht. Dennoch ist es ökonomisch sinnvoll, zwischen „kleinen“ und „mittleren“ Unternehmen zu unterscheiden. Die Abgrenzung anhand von Größenmerkmalen stellt sich zunächst als Problem des geeigneten Maßstabes dar. Theoretisch kann man verschiedene betriebliche Faktoren in Betracht ziehen: Mitarbeiterzahl, Umsatz, Bilanzsumme,
1 Vgl. KfW (2004).
2 Vgl. Europa (2005a).
3
Gewinn, Anlagevermögen, Lohn- und Gehaltssumme, Marktanteile und einige mehr. In der Regel wird bei statistischen Erhebungen auf die Einteilung nach Umsatz und/oder Beschäftigtenzahl zurückgegriffen.
Da es für den Begriff Mittelstand keine gesetzliche oder allgemein gültige Definition gibt, wird im Folgenden die Empfehlung der seit 1. Januar 2005 3 gültigen Definition der EU Kommission, die die Unterteilung in Kleinst-, kleine, mittlere und große Unternehmen vorsieht, zu Grunde gelegt: 4
Abb. 1: Quantitative Abgrenzungsmerkmale Mittelstand
Quelle: Darstellung in Anlehnung IfM-Bonn (2005), § 267 HGB, IHK (2004a).
Demnach wird die statistische Abgrenzung kleiner und mittlerer Unternehmen anhand der Kriterien „Umsatz pro Jahr“ und „Anzahl der Beschäftigten“ gemessen.
Abb. 2: Mittelstand - Quantitativ 5
Quelle: Kayser (2001).
3 Beträchtlich angehoben wurden die finanziellen Schwellenwerte (Umsatz oder Bilanzsumme), um Inflation und Produktivitätssteigerungen gerecht zu werden.
4 Vgl. IfM-Bonn (2005).
5 Großunternehmen machen bezogen auf die Gesamtzahl der Unternehmen in Deutschland einen relativ kleinen Teil aus.
4
Zur weiteren Abgrenzung zieht die EU Kommission das Unabhängigkeits-kriterium 6 heran, wonach kleine oder mittlere Unternehmen nicht zu 25 %
oder mehr des Kapitals oder der Stimmanteile im Besitz eines oder mehrerer
Unternehmen sein dürfen, die die Definition für kleine und mittlere Unter-
nehmen nicht erfüllen. 7
Die Bedingung der Unabhängigkeit der EU Kommission, die Branchenbe-zogenheit der Bestimmung des IfM-Bonn sowie das Kriterium des mehr-heitlichen Privatbesitz im Mittelstandsprogramm der KfW 8 deuten darauf
hin, dass eine rein quantitative Definition nicht ausreicht und ebenso quali-
tative Aspekte beachtet werden müssen. 9
Der herausragende qualitative Aspekt bei der Betrachtung des Mittelstands
ist die enge Verbindung zwischen Unternehmen und Inhaber(in), d. h. der
soziologische Bezug der Stellung des Unternehmensinhabers und die Be-
rücksichtigung rechtlicher und organisatorischer Besonderheiten.
Gerade die Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko verdeutlicht
dies. Ein weiterer Anhaltspunkt sind die vom Inhaber selbst getroffenen un-ternehmenspolitisch relevanten Entscheidungen. Daraus resultiert die unmit-telbare Einwirkung der Leitung auf alle strategisch bedeutsamen Vorgänge
und Entscheidungen, was Konsequenzen für die Beziehung zwischen Mitar-
beitern und Führung, die Organisationsstruktur und der Entscheidungsfin-
dung, die Finanzierung, das Verhalten am Markt und die Beziehung zwi-
6 „Alsunabhängig gelten Unternehmen, die nicht zu 25 % oder mehr des Kapitals oder der
Stimmenanteile im Besitz von einem oder mehreren Unternehmen gemeinsam stehen, welche die Definition der KMU bzw. der kleinen Unternehmen nicht erfüllen.“ NRW.Bank (2005); Vgl. auch Europa (2005b); EG 70/2001 (2001).
7 Im Bereich der Mittelstandsförderung sind bei der quantitativen Abgrenzung auch Aus-
nahmen gestattet. Vgl. Merlini (2004) und weiterführend auch im Detail die Verordnung EG 70/2001 (2001): „Dieser Schwellenwert kann in zwei Fällen überschritten werden: Wenn das Unternehmen im Besitz von öffentlichen Beteiligungsgesellschaften, Risikokapitalgesellschaften oder institutionellen Anlegern steht und diese weder einzeln noch gemeinsam eine Kontrolle über das Unternehmen ausüben; wenn aufgrund der Kapitalstreuung nicht ermittelt werden kann, wer die Anteile hält, und das Unternehmen erklärt, dass es nach bestem Wissen davon ausgehen kann, dass es nicht zu 25 % oder mehr seines Kapitals im Besitz eines oder mehrer Unternehmen steht, die die Definition für kleine und mittlere Unternehmen nicht erfüllen.“
8 Auch im Mittelstandsprogramm „Unternehmerkredit“ der KfW sind in der Regel alle
Unternehmen antragsberechtigt, deren Jahresumsatz 500 Mio. Euro nicht überschreitet. Zusatzbedingung ist allerdings, dass die Unternehmen sich mehrheitlich im Privatbesitz befinden. Vgl. KfW (2003b); IHK (2001).
9 In Praxis und Literatur werden üblicherweise sowohl qualitative als auch quantitative
Kriterien herangezogen.
5
schen Unternehmen und seinem Umfeld hat. Neben den quantitativen Aspekten steht damit auch der Aspekt der weitestgehenden Unabhängigkeit von Konzernen bzw. Großunternehmen, was ebenso als Kriterium für die Mittelstandsdefinition herangezogen werden kann. 10
Auch Besonderheiten in Bezug auf die Ziele mittelständischer Unternehmen, welche nicht notwendigerweise wachstumsorientiert sein müssen, sondern sich mehr durch ihre gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Bedeutung zeigen, sind feststellbar. 11
Die Mittelstandsstudie „mind“ 12 aus dem Jahr 2004 zeigt, dass sich der Mit-telstand seiner Verantwortung gegenüber der Gesellschaft 13 bewusst ist.
Abb. 3: Der Mittelstand in der deutschen Wirtschaft
Quelle: Wolf/Hill/Pfaue (2003), S. 5.
Die wichtigsten qualitativen Abgrenzungsmerkmale kurz zusammengefasst: S Verknüpfung von Eigentum und Risiko,
S Verknüpfung von wirtschaftlicher Existenz des Inhabers und Existenz des Unternehmens,
S Verknüpfung von Leitung und Entscheidungsverantwortung, S Selbständige wirtschaftliche Tätigkeit des Unternehmens, die völlige oder weitgehende Konzernunabhängigkeit voraussetzt. Der EU Kom-
10 Vgl.Günterberg/Wolter (2002).
11 „Mittelstand ist eine Frage der Geisteshaltung, der Entscheidungsstrukturen und der Bereitschaft, unternehmerisches Risiko zu tragen“. DIHT, zitiert in Berens/Högemann/Segbers (2005), S. 11.
12 Vgl. mind 04 (2005).
13 Sechs von zehn mittelständischen Unternehmen fühlen sich gegenüber der Gesellschaft stärker verantwortlich als andere Gesellschaftsgruppen.
6
mission zufolge ist dies der Fall, wenn die Kapitalbeteiligung eines
Großunternehmens unter 25 % liegt, 14
S Soziales Engagement und Bestreben, bestehende Arbeitsplätze zu erhal-
ten und neue zu schaffen.
2.2 Wachstumsunternehmen
Im Gegensatz zu dem in der Vergangenheit herangezogenen Kriterium des
Gewinnwachstums wird nach heutiger Auffassung das Umsatzwachstum als
maßgebliche Bestimmungseinheit gesehen. 15
Wachstumsunternehmen generieren häufig noch keine oder kaum Umsätze
und sind in den meisten Fällen noch nicht rentabel, sodass sie sich nicht
selbst von innen heraus finanzieren können. 16 Daher müssen zunächst ein-
mal umfangreiche Investitionen getätigt werden, hauptsächlich in den Be-reichen Forschung & Entwicklung (F & E), Produktentwicklung und Mar-
keting, um überhaupt Wachstum erzielen zu können. 17
Der ökonomischen Betrachtungsweise zufolge kann Wachstum ebenso
durch einen Produktivitätsanstieg 18 wie auch als Folge von Innovationen 19
(„Transparenz + Innovation = Wachstum“) 20 generiert werden. 21
„Entscheidend ist der innovative Produktvorteil, die sogenannte „Unique
Market Position“.“ 22
14 Vgl. FH-Osnabrück (o. J.).
15 Vgl. Rudolf (2001), S. 25/26.
16 Vgl. Betsch/Groh/Lohmann (1998), S. 321 und weiterführend zum Begriff der Finanzie-
rung und über einzelne Finanzierungsarten Bonn/Horsch (o. J.).
17 „Wachstum braucht Risikokapital: (…) wachsen Unternehmen, die durch Venture
Capital unterstützt werden, schneller als nicht unterstützte Unternehmen und schaffen dabei wesentlich mehr Arbeitsplätze. Dies verdeutlicht die enorme Bedeutung der Wachstumsfinanzierung.“ Englisch/Rettig/Richter (2005), S. 23 mit Bezug auf Hommel/Schmittat (2005) Vgl. Achleitner/Nathusius (2004), S. 4-8; Erpehlivan (2001), S. 4; Prüher-von Au (2002), S. 8; Säuberlich/Bochinger (2005); Trezzini (2005), S. 27-29.
18 Von Produktivitätsanstieg ist die Rede, wenn gleiche Produkte oder Dienstleistungen mit
geringerem Faktoreinsatz in kürzerer Produktionszeit angeboten werden können.
19 „Innovation heißt wörtlich "Neuerung" oder "Erneuerung" (…) etwas neu Geschaffenes.“
in Wikipedia (2005).
20 Englisch/Rettig/Richter (2005), S. 42.
21 Vgl. Weitnauer (2001), S. 8; Rudolf/Witt (2002), S. 7; Joseph Alois Schumpeter, zitiert in
cmt (o. J.): „Innovation ist die kreative Zerstörung des Bestehenden durch Unternehmer.“ Tillmann/Kluge (2002); „Die Fähigkeit zur Innovation entscheidet über unser Schicksal.“ Roman Herzog in seiner Rede „Aufbruch ins 21. Jahrhundert“ zitiert in Stern.de (2004); „Innovationen sind der Motor einer Volkswirtschaft.“ Creditreform (2003), S. 27.
22 Weitnauer (2001), S. 8.
7
Da sich Wachstumsunternehmen noch am Beginn ihres Lebenszyklus befinden, sind Vergangenheitsdaten (z. B. Jahresabschluss- und Bilanzdaten) für diese Unternehmen nur sehr begrenzt repräsentativ und für ihre zukünftige Entwicklung nur bedingt oder auch gar nicht verfügbar. 23 Vor der recht-
lichen Gründung eines Unternehmens kann noch nicht von gleichem gesprochen werden und lediglich die natürliche Person des Existenzgründers kommt während der Seed-Phase in Betracht.
Nach der Gründung und während der restlichen Frühphase sowie der beginnenden Expansionsphase wird das Unternehmen wegen seines noch jungen Alters als Jungunternehmen bezeichnet. Im späteren Verlauf spricht man dann von etablierten Unternehmen. 24
Unternehmen, deren Entwicklung sich über einen längeren Zeitraum hinweg positiv gestaltet und sie währenddessen überdurchschnittlich wachsen, werden im Allgemeinen als Wachstumsunternehmen bezeichnet. Zur besseren Bestimmbarkeit ihres Wachstums wird dafür die gesamtwirtschaftliche Wachstumsrate zur Beurteilung herangezogen. 25
Im Rahmen dieser Arbeit soll der Begriff Wachstumsunternehmen durch Innovationen gekennzeichnet sein und alle gegründeten Unternehmen mit der gleichen Zielsetzung zusammenfassen: 26
Abb. 4: Unternehmensterminologie im Lebenszyklus
Quelle: Engelmann/Juncker/Natusch/Tebroke (2000), S. 31/32.
23 Vgl. auch Sturm (2002), S. 5; Wipfli (2001), S. 112.
24 Vgl. Kapitel 3.5.
25 Vgl. Rudolf/Witt (2002), S. 19-22.
26 Vgl. Engelmann/Juncker/Natusch/Tebroke (2000), S. 31/32.
8
Prägendes Merkmal, das alle Wachstumsunternehmen kennzeichnet, ist eine sehr hohe Unsicherheit in deren Entwicklung: Hohen Chancen durch überdurchschnittliches Wachstum stehen auch große Risiken entgegen.
2.3 Relevanz für den deutschen Wirtschaftsstandort
KMU gehören in Deutschland zu der tragenden Gruppe der Unternehmen. In den letzten Jahren haben Fusionen und Globalisierungsgedanken oft zu dem Eindruck geführt, dass der Mittelstand ausgedient hat, jedoch ist gerade Deutschland auf einen soliden Mittelstand als Basis angewiesen, 27 denn KMU beschäftigen durchschnittlich zehn Arbeitnehmer pro Betrieb. 28 Diese Tatsache macht den Mittelstand mit nahezu 70 % aller Unternehmen zu den bedeutendsten Arbeitgebern und zu einer Stütze des Arbeitsmarktes in Deutschland. Zu diesem Ergebnis führte eine Befragung der Sparkassen-Finanzgruppe in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „Impulse“. 29
Der Blick auf die Fakten des Jahres 2000, herausgegeben von der Deutschen Bundesbank Ende 2003, verdeutlicht die große wirtschaftliche Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland: 30 S Es gab 2,89 Millionen umsatzsteuerpflichtige nichtfinanzielle KMU, was 99,7 % aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen entspricht. S Sie erwirtschafteten 43,4 % des Gesamtumsatzes, tätigten 46 % aller Bruttoinvestitionen und trugen 49 % zur Bruttowertschöpfung bei. S Sie beschäftigten im Jahr 2000 ca. 70 % aller Arbeitnehmer und bildeten 83 % aller Lehrlinge aus.
S Betont werden muss an dieser Stelle aber auch, dass nur 3 % des Umsatzes als Gewinn erzielt wurden und im Jahr 2000 ca. 30 % der KMU keinen Gewinn abwarfen. 31
27 Nicht nur im handwerklichen Bereich sind KMU zu finden, sondern vor allem im Dienst-leistungssektor, in dem etwa 43,3 % aller mittelständischen Unternehmen tätig sind. Auf den folgenden Plätzen rangieren das Handwerk mit 25,7 %, der Handel mit 21 % und die Industrie mit 10,1 %, wobei eine steigende Tendenz der Bereiche Dienstleistungen und Industrie feststellbar ist.
28 Das entspricht etwa 20 Millionen Beschäftigte in Deutschland.
29 Vgl. mind 04 (2005).
30 Vgl. Deutsche Bundesbank (2003), S. 32.
9
2.4 Fazit und Ausblick
Nach diesen Zahlen ist es nachvollziehbar, dass KMU in unserer Volkswirtschaft eine entscheidende Bedeutung für Wachstum und Beschäftigung zukommt. Die inländische Konjunktur kann eine schwere Krise mit weitreichenden Konsequenzen für alle Bereiche der Gesellschaft erleiden, wenn die Antriebskraft des Mittelstands ins Stocken gerät.
Laut KfW Mittelstandsmonitor 2005 hielt der 2003 ansatzweise begonnene Aufschwung 2004 weiter an: 32 Zwar erholte sich die Mittelstandskonjunktur wegen gesamtwirtschaftlich besserer Rahmenbedingungen seit dem Tief 2002 deutlich, allerdings verbesserte sich die tatsächliche Geschäftslage im Verlauf des Jahres 2004 nur langsam, denn Geschäftsklima und Auftragslage haben den langfristigen Durchschnitt noch immer nicht erreicht. Das mittelständische Geschäftsklima blieb wegen der ausgeprägten Schwäche der Inlandsnachfrage hinter demjenigen exportorientierter Unternehmen zurück. 33 Gerade binnenorientierte Wirtschaftsbereiche, wie der Dienst-leistungssektor, aber vor allem der Einzelhandel und der Bau, hinken der Entwicklung hinterher.
Die Investitionsbereitschaft von KMU verbesserte sich leicht gegenüber 2003 34 , jedoch gemessen am langjährigen Durchschnitt 35 immer noch zu wenig, um für einen kräftigen Aufschwung zu sorgen. Auch die, wegen der im Jahresverlauf 2004 eher zögerlichen Verbesserung der tatsächlichen wirtschaftlichen Situation, nach unten korrigierten Umsatz- und Ertragserwartungen trugen dazu bei.
Vor diesem Hintergrund reichte der konjunkturelle Aufschwung erneut nicht aus, um eine Beschäftigungswende einzuleiten. Per Saldo gingen 2004
31 Vgl. Hundt/Neitz/Grabau (2003), S. 2 ff.
32 Vgl. KfW (2005).
33 Diese konnten im Zuge der Konjunkturerholung von dem Aufschwung der Auslandsnachfrage profitieren.
34 Die Investitionsbereitschaft der Mittelständler, in den kommenden sechs Monaten in neue Projekte zu investieren, legte etwas auf 35 % zu, das sind 4 Prozentpunkte mehr als Ende 2003. Vgl. KfW (2005).
35 Der langjährige Durchschnitt beträgt 47 %. Vgl. KfW (2005).
10
durch kleine und mittlere Unternehmen keine positiven Impulse für den Arbeitsmarkt aus, jedoch hat sich die Talfahrt deutlich verlangsamt. 36
An sinkenden Geschäfts-, Umsatz-, Beschäftigungs- und Ertragserwartungen 2004 ist auch eine gewisse Unsicherheit beim Mittelstand zu erkennen, obwohl bessere Zahlen zur aktuellen Wirtschaftslage gegeben sind. Jedoch setzt die Zuversicht des Mittelstands weiterhin auf eine Fortsetzung der moderaten Erholung, wie aus dem KfW-ifo-Mittelstandsmonitor abgeleiteten Differenzindikator 37 hervorgeht. „Trotz Erwartungskorrekturen blieben die
Erwartungen besser als die Lageeinschätzung, was sich als Aufschwungsignal interpretieren lässt.“ 38
Abb. 5: Mittelstandskonjunktur, Prognoseszenario 2005
Quelle: KfW (2005).
Der Blick auf das Jahr 2005 zeigt, dass sich die gesamtwirtschaftlichen Konjunkturszenarien der Wirtschaftsforschungsinstitute, des Sachverständigenrates und internationaler Organisationen durch unsichere Prognosen widerspiegeln, allerdings sowohl eine Konsolidierung als auch eine Beschleunigung des konjunkturellen Grundtempos für möglich gehalten wird. Eine moderate Erholung setzt sich mit etwas mehr binnenwirtschaftlichem
36 Eine rasche Besserung ist eher nicht zu erwarten, da nur etwa jeder zehnte Mittelständler im 1. Halbjahr 2005 Personalaufstockungen plant, aber etwa jeder fünfte Personalabbau anstrebt. Diese vorsichtigen Beschäftigungspläne sind angesichts der nach wie vor unterdurchschnittlichen Investitionsbereitschaft nicht überraschend. Vgl. KfW (2005).
37 „Der Differenzindikator ist definiert als Saldo der Geschäftserwartungen abzüglich des Saldos der Geschäftslageeinschätzung. In der Vergangenheit zeigte er Wendepunkte in der Mittelstandskonjunktur recht zuverlässig an. (…) Obwohl (…) seit zwei Jahren abgeschwächt hat, blieb er selbst auf Quartalsebene bis zuletzt positiv und lässt so auf eine weitere Verbesserung des Geschäftsklimas im Prognosezeitraum hoffen.“ KfW (2005).
38 KfW (2005).
11
Aufschwung fort, was für den verhältnismäßig stark auf die Inlandsmärkte orientierten Mittelstand eine gute Nachricht bedeutet.
Der konjunkturelle Aufwärtstrend 39 ist allerdings auch in diesem Jahr zu schwach, um für eine wesentliche Entspannung auf dem Arbeitsmarkt zu sorgen, wofür auch die vorsichtigen Beschäftigungspläne des Mittelstandes ein Indiz sind. Das größte Hindernis für eine kräftige Ausdehnung des privaten Konsums stellt die hohe Arbeitslosigkeit dar.
Eine konjunkturelle Zuversicht spiegelt der im Jahresverlauf vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung ermittelte Geschäftsklimaindex wider.
Abb. 6: ifo-Geschäftsklimaindex
Quelle: BdB (2005).
Der Geschäftsklimaindex deutet darauf hin, dass sich die Konjunktur nach einer Stagnation der gesamtwirtschaftlichen Leistung zu Beginn des Jahres 2005 in der zweiten Jahreshälfte leicht erholt hat und mit einem Anstieg des BIP zu rechnen ist. Aber beachtet „man darüber hinaus, die konjunkturellen Belastungen, die von den hohen Ölpreisen ausgehen, dann bleiben die konjunkturellen Perspektiven für Deutschland weiterhin sehr verhalten“ 40 . Aus diesem Grund wird lediglich von einem realen Wirtschaftswachstum von rund 1 % für das gesamte Jahr 2005 ausgegangen.
39 Vgl. KfW (2005), S. 29. Die OECD (2004, S. 53) geht „davon aus, dass sich die Produktionslücke 2005 nochmals leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 2,5 % ausweiten wird. Dabei unterstellt sie für 2005 ein Realwachstum von 1,4 % in kalenderbereinigter Rechnung, nach
1,2 % für das vergangene Jahr.“
40 BdB (2005), Zitat aus dem Bericht zum Geschäftsklima vom 28.09.2005.
12
Mit Investitionen in wesentlich größerem Umfang sowie positiven Beschäftigungsimpulsen ist demnach allerdings erst dann zu rechnen, wenn der Mittelstand von der Tragfähigkeit des binnenwirtschaftlichen Aufschwungs überzeugt ist, was aber gegenwärtig noch nicht der Fall ist.
Durch das sich ständig ändernde wirtschaftliche Umfeld sind KMU gezwungen sich nicht nur im Finanzierungsbereich auf neue Strategien einzustellen, sondern weitere Herausforderungen, wie unter anderem den Generationenwechsel, immer kürzer werdende Innovationszyklen, schnell veraltete Produkte, sich wandelnde Märkte, Globalisierung und Deregulierung der Märkte, zu stellen und zu meistern. Immer mehr ausländische Wettbewerber drängen auf Grund der Deregulierung des deutschen und europäischen Marktes in die Kernmärkte deutscher Mittelstandsunternehmen. Das hat zur Folge, dass sich KMU den Veränderungen mit neuen Strukturen und Strategien stellen und im internationalen Wettbewerb ihre Effektivität weiter erhöhen müssen. 41 Die Unternehmensgröße ist kein Nachteil, da die Anpassung an neue Gegebenheiten schnell und flexibel von Statten gehen kann. Die Bundesregierung steht in der Verantwortung Reformen einzuleiten, um KMU zu unterstützen. Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes, der sozialen Sicherungssysteme und der Steuerpolitik 42 sind zu bewerkstelligen, um nur ein paar wenige Punkte zu nennen. Die große Bedeutung von KMU ist unbestritten, daher müssen weitere Reformen zur Entlastung des Mittelstands folgen, so z. B. eine Vereinfachung des Steuerrechts und Reduzierung der Buchführungspflichten für Kleinstunternehmen, Bürokratieabbau, Verbesserung von Arbeitsrecht, um Beschäftigungshemmnisse abzubauen.
41 Vgl. Kellersmann (2005).
42 Eine Umfrage der KfW brachte das Ergebnis, dass 69 % der mittelständischen Unternehmen eine Existenzbedrohung durch zu hohe Abgaben und Steuern fürchten.
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2.5 Finanzierungssituation
Der Begriff Finanzierung umfasst alle Maßnahmen zur Deckung des Kapitalbedarfs eines Unternehmens. Die Kapitalzufuhr kann aus dem betrieblichen Umsatzprozess heraus (Innenfinanzierung) oder von außen in Form von Eigen- und Fremdkapital (Außenfinanzierung) erfolgen. 43
Bei der Innenfinanzierung wird der Kapitalbedarf aus dem Unsatzprozess des Unternehmens erbracht. 44 Die Innenfinanzierung vollzieht sich durch Selbst- oder Umfinanzierung. 45 Im Gegensatz zur Innenfinanzierung spricht man bei Kapitalzufuhr von außerhalb des Unternehmens von Außenfinanzierung. 46 Mittels der Rechtstellung der Kapitalgeber kann man Eigen- und Fremdkapital unterscheiden. Daraus resultiert dessen Haftung bzw. Nichthaftung. 47
Eigenkapital schafft die Grundlage für die Aufnahme wirtschaftlicher Tätigkeiten und haftet im Konkursfall für Verbindlichkeiten des Unternehmens. Die Kapitalbeschaffung erfolgt durch Einlage der bisherigen Anteilseigner bzw. Gesellschafter oder durch Ausgabe von neuen Anteilscheinen und wird dem Unternehmen grundsätzlich zeitlich unbegrenzt zur Verfügung gestellt. Die Eigenkapitalgeber besitzen Eigentümerrechte, d. h. sie sind mit einem anteiligen Anspruch am Vermögen des Unternehmens, mit einem in der Regel begrenztem Mitbestimmungsrecht sowie am Gewinn, aber auch mit Verpflichtung zur Verlustbeteiligung und Anspruch auf einen Anteil am Substanz- und Liquidationswert, ausgestattet. Durch Fremdkapitalaufnahme entsteht ein Schuldverhältnis zwischen Unternehmen und Kapitalgeber, bei dem der Gläubiger im Konkursfall nicht haftet. 48
Der Außenfinanzierung durch Fremdkapital stehen viele Möglichkeiten zur Verfügung (in Form von Krediten oder Anleihen). Der Vorteil gegenüber Eigenkapital besteht darin, dass der Fremdkapitalgeber keine Mitbestim- 43 Vgl.Ermisch/Thoma (2002), S. 10; Nathusius (2001), S. 17; Wöhe/Bilstein (2002), S. 11.
44 Vgl. Breuer/Kleefisch (2003), S. 247.
45 Vgl. Hirth (2003), S. 475;
46 Vgl. o. V. (2003a), S. 51/52.
47 Vgl. Ermisch/Thoma (2002), S. 11; Nathusius (2001), S. 18.
48 Vgl. Ermisch/Thoma (2002), S. 11; Hirth (2003), S. 475; o. V. (2003b), S. 147.
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mungsrechte hat. Seine Ansprüche begrenzen sich auf Zinszahlungen und auf Rückzahlung des Kreditbetrages. Der Nachteil besteht in dem Rechtsanspruch auf Rückzahlung und der zeitlichen Befristung der Kapitalüberlassung. 49 Die Höhe des Fremdkapitals richtet sich nach Einschätzung des mit einer Investition in ein Unternehmen verbundenen Risikos. 50
Abb. 7: Überblick über die Finanzierungsarten
Quelle: Gugglberger/König/Mayer (2004), S. 128.
Im Gegensatz zu Großunternehmen verfügen viele KMU nicht über eine spezielle Unternehmensstruktur, wie etwa Organisation, Marketing, Unternehmensplanung oder Finanz- und Rechnungswesen. In aller Regel führt die Unternehmensleitung diese Funktionen selbst aus. Wegen der Wahl ihrer Rechtsform bleiben vielen KMU alternative Finanzierungsquellen, von Eigen- wie auch von Fremdkapital, verschlossen. 51 Möglichkeiten der Fremdkapitalbeschaffung durch direkten Zugang zum Kapitalmarkt 52 , z. B. durch Ausgabe von Anleihen, kommen für die meisten KMU nicht in Be- 49 Vgl.Hirth (2003), S. 475.
50 Vgl. Olfert (1999), S. 25 ff.
51 Vgl. Schüler (2002), S. 1 ff. und zu Basel II und dessen Auswirkung auf die Fremdfinanzierung vgl. Flacke/Siemes (2005), S. 81-96; Golland/Hans (2003), S. 563-573; Häring (2002); Hanker (2003); Lohneiß (2003), S. 545-562; Nolte (2003); Paul (2003).
52 IKB (2002), S. 30: „Das Mindestvolumen einer Anleihe sollte 100 Mio. Euro nicht unterschreiten.“ Beim BDB (2003), S. 27 ist von 150 Mio. Euro die Rede.
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tracht. 53 Aus diesem Grund ist nach wie vor die Kreditaufnahme bei Banken
eine wichtige Form der Kapitalbeschaffung. Eine enge Beziehung zur Hausbank, die über exklusive interne Informationen des Unternehmens und dessen Ertragslage verfügt, ist charakteristisches Merkmal für KMU. 54
Unternehmen konkurrieren auf dem Kapitalmarkt um die Kreditvolumina von Banken und Sparkassen. Deshalb ist es von entscheidender Bedeutung, sich gegenüber den Kreditinstituten in einer Weise präsentieren zu können, die zu einer günstigen Beurteilung der Kreditwürdigkeit führt. Der hohe Fremdkapitalanteil bedeutet nicht, dass KMU schlecht finanziert sind, sondern die stark ausgeprägte Fremdfinanzierung auf die steuerrechtliche Gesetzgebung zurückzuführen ist. 55
Als Fazit kann man also konstatieren, dass sich KMU mit den Herausforderungen einer sich immer stärker beschleunigenden Globalisierung schon seit Jahren konfrontiert sehen. Dieser Umstand bedeutet einen gestiegenen internationalen Wettbewerb um Produkte und Absatzmöglichkeiten, verstärkter Kostendruck, erhöhter Kapitalbedarf und Finanzierungsplanung, verschärfter Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter sowie mehr Verantwortung der Unternehmensführung und -kontrolle (Corporate Governance) 56 . 57
In diesem Zusammenhang ist für viele KMU die Frage nach der richtigen Finanzierungswahl von großer Bedeutung. Die häufig anzufindende Eigenkapitallücke macht KMU in besonderem Maße vom Bankkredit abhängig und kann nur geschlossen werden, wenn neben der Stärkung der Innenfinanzierung, das betrifft die Verbesserung der Ertragskraft, auch gleichzeitig die Zufuhr von Eigenkapital durch Beteiligungen vollzogen wird. 58
53 Vgl. KfW (2003a), S. 59.
54 Vgl. Lambrecht (2000), S. 29.
55 Durch das Halten von Fremdkapital wird, zugunsten einer höheren Ertragsorientierung, der Bilanzgewinn geschmälert und somit die Bemessungsgrundlage für die Besteuerung verkleinert, um die Steuerlast zu senken. Vgl. Koch/Wegmann (2003), S. 21.
56 Vgl. Nippel/Houben (2003), S.107-110.
57 Vgl. Währisch (2003), S. 76/77.
58 Vgl. BDI (2002); Creditreform (2003), S. 17.
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Die Finanzierungsstrukturen zeigen, dass neben der Ausstattung mit Eigenkapital die Finanzierung überwiegend über eine Hausbank vorgenommen wird. Die Hausbankbeziehung existiert meistens schon seit Jahren und verfolgt langfristige Ziele. Gerade weil Eigenständigkeit und Unabhängigkeit besonders wichtig sind, scheuen sich viele mittelständische Unternehmer gegen eine Finanzierung durch Ausweitung des Gesellschafterkreises.
An diesem Punkt muss in der Folgezeit ein Umdenken ansetzen, da durch sich ändernde Umweltbedingungen für KMU der Wettbewerbsdruck und die Überlebenschancen verschlechtern können. Gerade eine angemessene Eigenkapitalausstattung erlangt durch die geänderten Kreditvergabebedingungen für Banken (Basel II) 59 und den damit
einhergehenden Rating- und Offenlegungsanforderungen der Banken sowie Bereitstellung von mehr Sicherheiten für die Kreditaufnahme eine höhere Bedeutung. 60 Aus diesem Grund ist es für KMU wichtig, dass neue und
kreative Finanzierungsalternativen genutzt werden, um die oftmals knappe Eigenkapitalausstattung zu erhöhen. Dazu gehören neue Finanzierungs-formen oder die Diversifizierung der Bankenfinanzierung sowie eine Erweiterung des Anteilseignerkreises durch Beteiligungskapital, durch die die Bonität des Ratings verbessert wird. Gerade „die Potenziale der Beteiligungsfinanzierung sind noch weitgehend ungenutzt.“ 61
59 Zu den Regelungen von Basel II und deren Auswirkungen auf die Fremdfinanzierung vgl. auch Flacke/Siemes (2005), S. 81-96; Golland/Hans (2003), S. 563-573; Häring (2002); Hanker (2003); Lohneiß (2003), S. 545-562; Nolte (2003); Paul (2003).
60 Vgl. BDI (2005e), S. 12.
61 BDI (2005b), S. 8.
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2.5.1 Eigenkapitalquote
Im Allgemeinen wird die unzureichende Eigenkapitalausstattung kleiner
und mittlerer mittelständischer Unternehmen beklagt und als „Achillesferse
des Mittelstandes“ 62 bezeichnet. Gerade Eigenkapital ist auf Grund seiner
Verlustausgleichsfunktion ein Hinweis für die Festigkeit des Unternehmens
in Krisenzeiten. 63 Für eine geringe Eigenkapitalquote können bilanzielle 64 ,
steuerliche 65 und finanzierungstechnische 66 Gründe verantwortlich sein. 67
Nach Angaben der Deutschen Bundesbank im Monatsbericht Oktober 2003
lag der Eigenmittelanteil an der Bilanzsumme bei KMU im Jahr 2001 ledig-
lich bei 7,5 % 68 . Die Eigenkapitalquote der meisten mittelständischen Unter-
nehmen liegt deutlich unter 10 % 69 , wobei auch die gewählte Rechtsform 70
eine Rolle spielt. 71 Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass je kleiner das Un-
ternehmen ist, desto geringer ist auch seine Eigenkapitalquote. 72
Der Eigenkapitalanteil an der Bilanzsumme bestimmt die Basis für Sicher-heit, Unabhängigkeit und Haftung des Unternehmens und somit auch den
Aktionsradius und die Anpassungsfähigkeit. Die Situation einer geringen
oder gar negativen Eigenkapitalquote bei KMU stimmt bedenklich, da dies
weitreichende einzel- und gesamtwirtschaftliche Konsequenzen haben kann.
62 BDI (2005b), S. 8.
63 Vgl. Berens/Högemann/Segbers (2005); Nathusius (2001), S. 20 ff.
64 Möglichkeit zum Aufbau stiller Reserven durch Bilanzierungsvorschriften.
65 Mittelständler führen in diesem Zusammenhang häufig an, dass die steuerliche Benach-
teiligung der Eigen- gegenüber der Fremdkapitalfinanzierung der Grund für die schwache Eigenkapitalquote ist, denn im Gegensatz zu Gewinnausschüttungen an Anteilseigner besteht bei Fremdkapitalzinsen eine steuerliche Abzugsfähigkeit. So gab es z. B. bis 2002 steuerliche Vorteile durch Gewinnausschüttungen im Vergleich zur Thesaurierung beim körperschaftssteuerlichen Anrechnungsverfahren.
66 Fremdkapitalaufnahme durch langfristig bestehende Hausbankbeziehungen.
67 Vgl. Berens/Högemann/Segbers (2005), S. 13 mit Bezug auf Creditreform (2003), S. 59.
68 Vgl. Deutsche Bundesbank (2003), S. 44.
69 „Eine Befragung des Instituts für Kredit- und Finanzwirtschaft (ikf) der Ruhr-Universität
Bochum und Creditreform bei 4000 Unternehmen ergab bereits 2004 ein nüchternes Bild: Drei von zehn Unternehmen haben eine Eigenkapitalquote von unter zehn Prozent.“ BDI (2005b), S. 8. Vgl. Güllmann (2005), S. 32.
70 Kapitalgesellschaften verfügen über eine höhere Eigenkapitaldecke als Personengesell-
schaften. Vgl. BDI (2002).
71 Vgl. Deutsche Bundesbank (2003), S. 41.
72 Vgl. BDI (2002).
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Timo Wardega, 2005, Venture Capital als Finanzierungsalternative für KMU, Munich, GRIN Publishing GmbH
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