Der Elysée-Vertrag
von Aurélie Cahen
INHALTSVERZEICHNIS
I. Einleitung 3
II. Ausdruck des Willens zur Versöhnung 4
1. Entwicklung vor 1958 4
2. Die Begegnung zweier Persönlichkeiten 6
III. Ausdruck verschiedene politische Interessen 9
1. verschiedene außenpolitische Ziele 9
2. verschiedene Vorstellungen Europas 12
3. Die Weltpolitischen Veränderungen 1958-1962 14
IV. Der Text 17
1. Die Entstehung 17
2. Kritiken 19
3. Inhalt 22
V. Erfolgen und Grenzen 24
VI. Anhang 27
1. Literaturverzeichnis 27
I. Einleitung
Die Geschichte der deutsch - französischen Beziehungen ist geprägt von Gegensätzen.
Die drei blutigen Kriege, in denen sich Frankreich und Deutschland in 70. Jahre bekämpften, führten zu einer außerordentlich negativen Beeinflussung des Bildes des jeweiligen Nachbarn und zur Entstehung der mehr als fragwürdige Legende der "Erbfeindschaft". Dennoch hat sich dieses Bild nach dem Zweiten Weltkrieg sehr schnell gewandelt. Frankreich und Deutschland entwickelten eine bevorzugte Partnerschaft und bereits zwanzig Jahre nach Ende des schrecklichen Krieges waren die beiden Völker unzertrennliche Verbündete geworden. Die früher für kaum möglich gehaltenen Aussöhnung vollzog sich innerhalb einer einzigen Generation. Die Geschichte bietet wenige Beispiele für einen derart raschen Wandel in der Beziehungen zweier Nationen. Die deutsch-französische Entente erscheint jedoch heute genauso selbstverständlich wie vor noch nicht allzu langer Zeit die deutsch-französische Feindschaft.
Der am 22. Januar 1963 im Paris unterzeichnete Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit, oft auch als "Elysée - Vertrag" oder "Freundschaftsvertrag" bezeichnet, wird allgemein als Symbol der Versöhnung beider Völker gefeiert. Er wird als das Werk zwei Männer, das General Charles de Gaulles und des Bundeskanzlers Konrad Adenauer, als selbstverständlicher Höhepunkt einer Freundschaft, die sich seit ihren erste Begegnung in Colombey-les-deux-Eglises immer verdichtet hatte, verstanden. Doch das Wohlwollen, mit dem der Vertrag heutzutage beurteilen wird, täuscht. Denn beim genaueren Hinsehen zeigt sich, daß jenes was von Willy Brandt zur Zeit seiner Kanzlerschaft gern als "entente élémentaire" gekennzeichnet worden ist, zur Zeit seine Unterzeichnung als anderes als eine Selbstverständlichkeit war. Es wird auch deutlich, daß es nicht der Sinn und Zweck des Vertrages war, einen Schlußstrich unter die Aussöhnung der beider Nationen zu setzten.
Um heute ein gerechtes Bild dieses Vertrag zu zeichnen, muß man sich die Entstehungssituation und die Absichten der Vertragsväter auf der Grundlage des sehr umfangreichen Quellenmaterials sehr genau vor Augen führen. Außerdem darf nicht unerwähnt bleiben, daß der Deutsch - Französische Vertrag zur Zeit seines Abschlusses nirgendwo in der Welt (nicht einmal in Deutschland oder Frankreich) Zustimmung gefunden hatte: es war ein heftig umstrittener Schritt, den Adenauer und de Gaulle damals gegen die Widerstände ganz bewußt vollzogen, um einen Weg in die Zukunft zu weisen, um neue Perspektive zu öffnen. Schließlich muß man mit Erstaunen dem merkwürdigen Umstand Rechnung tragen, wie kurzfristig, fast muß man sagen, improvisiert, es zum Vertrag gekommen ist: tatsächlich ist der Vertrag das Ergebnis von Überlegungen gewesen, die sich auf wenige Tage im Januar 1963 zusammendrängten.
Schließlich gilt es, fast 35 Jahre danach, eine Bilanz seiner tatsächliche Wirkung zu ziehen. Welche Ziele der Väter des Vertrages wurden erreicht? Inwieweit wurden die Bestimmungen des Vertrages, insbesondere der Zwang zur regelmäßigen politischen Konsultationen der Regierungs- und Staatschefs, eingehalten? Was hat die deutsch-französische "Achse" für den europäischen Integrationsprozeß bewirkt? Welche Tragweite haben die daraus geschaffene Einrichtungen, wie z. B. das Deutsch - Französische Jugendwerk?...
I. Ausdruck des Willens zur Versöhnung
1. Entwicklung vor 1958
Nach dem II. Weltkrieg war das Ziel der französischen Regierung klar: es galt als erstes kompromißlos darüber zu wachen, daß Deutschland nicht zur erneuten Bedrohung Frankreichs werden konnte. Die Sicherheit Frankreichs solle durch eine dauernde Schwächung Deutschlands erreicht werden; absolute Dezentralisierung, Abtrennung und Internationalisierung des Ruhrgebiets, Besetzung des Rheinlands sollten dazu dienen. Diese Politik, aus psychologischen Gründen zwar verständlich, war jedoch politisch nicht durchsetzbar. Denn indem Westdeutschland als strategische Zone US-amerikanischer Sicherheit gegen den Kommunismus interessant wurde, drohte der französische Regierung mit dieser Deutschlandpolitik die politische und vor allem die wirtschaftliche Isolierung. Da aber Frankreich wirtschaftlich dringend auf die Unterstützung seiner Alliierten angewiesen war, mußte es seine Politik revidieren: im Zeichen des sich anbahnenden Ost - West- Konflikts ging also Frankreich, halb gezwungen, halb überzeugt, seinen Weg zur Verständigung. Die Integrationspolitik erwies sich dann, unter anderem, als glücklicher Rettungsanker für die französische Deutschlandpolitik. Sie gab Frankreich die Möglichkeit doch an der Gestaltung der europäischen Nachkriegsordnung mitzuwirken und, noch wichtiger, Deutschland wenigsten durch Partnerschaft zu kontrollieren . Adenauer, der schon im November 1946 (nur sechs Wochen nach seiner Wahl zum Bundeskanzler) sich entschlossen erklärt hatte, die deutsch-französische Verständigung zum Ausgangspunkt seiner Politik zu machen, sah seinerseits im Schumans Vorschlag die Möglichkeit, der Bundesrepublik eine gleichberechtigte Stellung zu verschaffen, den Westen insgesamt zu stärken und einen Ausgleich mit Frankreich auch über das Saarproblem zu erreichen.
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Arbeit zitieren:
Aurélie Cahen, 1997, Der Elysée-Vertrag, München, GRIN Verlag GmbH
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