Stadtgeschichte Brüssels. Von den Anfängen bis zum 16. Jahrhundert
von Elisabeth Peham
Inhaltsverzeichnis
I.) Die Anfänge - Seite 3
II.) Das 11. - 13. Jahrhundert - Seite 5
III.) Das 13. - 14. Jahrhundert - Seite 7
IV.) Das 15. - 16. Jahrhundert - Brüssel und die Habsburger - Seite 10
V.) Brüssel - Der Große Markt und seine Gebäude - Seite 14
Literaturverzeichnis - Seite 22
I.) Die Anfänge:
Die Wiege Brüssels steht nicht dort, wo sie der ahnungslose Besucher wahrscheinlich vermutet. Nicht der weltberühmte Grand-Place ist der richtige Ort, sondern einige 100 m weiter nordwestlich hiervon, eine der lange wohl unattraktivsten Gegenden des alten Brüssel.
Der Sint Goriksplein/Place Saint Géry ist der Ort.
Erst einige 100 Jahre nach der ersten Besiedelung des Gebietes des Place St. Géry wird der Grand Place für die Entwicklung der Stadt bedeutsam.
Brüssels Gründung wird der Sage nach dem hl. Gaugerich oder St.-Géry, dem Bischof von Cambrai und angeblichen Apostel Belgiens, zugeschrieben, der um 580 auf einer Senneinsel die nach im benannte älteste Niederlassung gegründet haben soll.
Das Landschaftsbild im 7. Jh. n. Chr. beschreibt Hartmut Gaigl folgendermaßen:
"Eine flache, von Westen her leicht einfallende Landschaft, die an ihrer tiefsten Stelle etwa 100 m breite, sumpfige, immer wieder überschwemmte, vom mäandrierenden Bach der Senne durchflossene Talaue übergeht und nach Osten verhältnismäßig steil, d.h. innerhalb kurzer Entfernung um runde 80 m ansteigt, um dann in etwa 100 m NN in eine wellige Landschaft überzugehen, die von kleinen, letztlich zur Senne hin entwässernden Bächen durchzogen wird. Die in dieser amphibischen Tallandschaft heimische Sumpfiris wurde zum Emblem Brüssels."
Im Grunde weiß man wenig gesichertes über diese Zeit, da die erste urkundliche Erwähnung Brüssels erst für das Jahr 966 vorliegt. In einer Urkunde von Kaiser Otto I. wird von Bruoscella gesprochen - de Brugsels sind im Flämischen die Brückchen.
Diese Deutung ist jedoch nicht ganz sicher. Andere Erklärungen vermuten die Entstehung des Ortsnamens aus "broek" (Sumpf, Bruch) und "sele" (Haus), oder "bruog" (Brücke) und "sele".
Die Verlegung der Residenz des Herzogs von Niederlothringen im Jahre 979 von Cambrai auf die kleine, von der Senne umflossene Insel war ziemlich sicher der große Anstoß zur Entwicklung dieses Raumes.
Der Herzog Karl v. Lothringen (auch Charles de Lorraine bzw. Charles de France genannt) war bereits 977 Eigentümer des kleinen, befestigten Platzes auf der Senneinsel, den er bald als ständigen Wohnsitz nutzte. Offensichtlich versuchte er hiermit die Westgrenze seines Einflussgebietes gegen Eroberungsversuche der flandrinischen Markgrafen zu schützen. Wo der Wohnsitz von Karl v. Lothringen lag, ist nicht genau bekannt.
Am Nordrand der Insel war das Ende der die Senne aufwärts betriebenen Schifffahrt. Genau an dieser Stelle war auch eine Brücke über das Flüsschen für einen in Richtung Namur weiterführenden Nebenweg, der vom großen, schon in römischer Zeit betriebenen Fernhandelsweg Brügge-Gent-Köln abzweigte. Dieser Weg band den landwirtschaftlichen Raum im Einzugsgebiet des Senneüberganges an den großen Handelsweg an, was bei zunehmend vielfältiger wirtschaftlicher Entwicklung des Raumes von entsprechend zunehmender Bedeutung war.
Weitere Handelsstraßen wurden gebildet, und so waren also die Voraussetzungen geschafften, dass sich eine rege, lokale und überregionale bedeutsame Markt- und Händlertätigkeit entfalten konnte.
Auf dem rechten Senneufer entstand etwa im Bereich der heutigen Börse ein kleiner befestigter Platz, in dessen Schutz sich der Handel entwickeln konnte. Dieser Platz - gelegentlich als "Castellum" bezeichnet - ist aber wieder schnell der weiteren Entwicklung gewichen. Es ist heute so gut wie nichts mehr über diesen Platz gekannt.
Der Handel selber fand auf dem damaligen Nedermarkt statt, der etwa vor der heutigen Kirche St. Nicholas lag. Er war der funktionelle Vorläufer des späteren Grand Places.
II.) Das 11. - 13. Jahrhundert:
Ab der Jahrtausendwende setzte eine stürmische Entwicklung ein - Brüssel besaß um 1300 bereits etwa 30.000 Einwohner. Unter dem Schutz des Landesherrn entwickelten sich Handwerk und Handel, vor allem die im 12. Jahrhundert entstehende Tuchindustrie.
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Elisabeth Peham, 2000, Stadtgeschichte Brüssels - Von den Anfängen bis zum 16. Jahrhundert, Munich, GRIN Publishing GmbH
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