Inhalt
Einleitung 1
1. Aspekt vs Tempus eine Distinktion 2
2. Aspekt 4
3. Aktionsarten 8
3.1. Klassifikation des Aktionsartensystems 8
3.2. Aktionsart und Zeitkonstitution 9
4. Bibliographie 11
II
Einleitung
In jeder Sprache können Sachverhalte in zeitliche Relationen zueinander gesetzt werden. Dabei gibt es nicht nur die Möglichkeit auszudrücken, ob sich ein Ereignis oder Zustand gerade ereignet, ereignet hat oder noch ereignen wird. Diese, durch die verschiedenen Tempora (Präteritum, Präsens, Futur) ermöglichte, Einordnung in die Zeit kann noch ergänzt werden durch Beschreibungen der „inhärent temporalen Ei- genschaften“ 1 von Sachverhalten. Solch eine Art der zusätzlichen Grammatikalisie- rung von Zeit nennt man ‚Aspekt’. Interessanterweise sind sich jedoch die Benutzer bzw. Benutzerinnen der jeweiligen Sprachen eines solchen zeitlichen Ausdrucks oft gar nicht bewusst und wissen zum Teil mit dem Terminus ‚Aspekt’ nichts anzufan- gen. Das mag unter Anderem daran liegen, dass selbst in einschlägiger Fachliteratur die Definition des Begriffes ‚Aspekt’ nicht sonderlich griffig ist. Im Angelsächsi- schen Sprachraum gibt es zum Beispiel eine practice of using the term aspect for both the grammatical aspect category as well as those lexical semantic verb classes which other call "aktionsarten". The term aspect is sometimes even used in a third sense, namely for verbs denoting different phases of states of affairs (begin, start, continue, accomplish, end, etc.). 2 Außerdem kommt gerade im Deutschen erschwerend hinzu, dass diese Sprache keine grammatische Distinktion für den Aspekt kennt – hier muss mit Hilfe anderer Mittel und Wege versucht werden auszudrücken, ob ein Ereignis etc. zu dem intendierten Abschluss gekommen ist oder (noch) nicht.
In der vorliegenden Arbeit werden ‚Aspekt’ und ‚Aktionsarten’ terminologisch abgegrenzt und somit eine unnötige und verwirrende Ambiguität des Aspektbegriffs aufgehoben. Nach einer Einführung in das Aspektsystem, die im ersten Teil der Ar- beit erfolgt, wird im zweiten Teil die deutsche Sprache auf ihre Aspektualität hin untersucht. Wegen der fehlenden durchgängigen Aspektoppositionen aufweist, soll deshalb hier das Zusammenwirken der Kategorien ‚Aspekt’, ‚Aktionsart’ und ‚Tem- pus’ transparent gemacht werden. 3
1 GLAVINA-IVANUS, „Aspekte und Aktionsarten als Möglichkeiten zur Unterstützung des tempora- len Ausdrucks der Sprache“, S. 2.
2
ASSE, „Aspect and Aktionsart. A Reconciliation“, S. 44.
3
GLAVINA-IVANUS, „Aspekte und Aktionsarten als Möglichkeiten zur Unterstützung des tempora- len Ausdrucks der Sprache“, S. 1.
1
1. ‚Aspekt’ vs. ‚Tempus’ – eine Distinktion
COMRIE nennt ‚Aspekte’ „different ways of viewing the internal temporal constitu-
ency of a situation.“ 4 ‚Aspekt’ ist also durchaus im eigentlich Sinne zu verstehen, d. h. als Sichtweise die man auf etwas hat. In unserem Falle ist es eine Sichtweise auf Situationen, Aktionen etc., die innerhalb eines Zeitraumes einzuordnen und dort nä- her zu bestimmen sind. 5 Die Einordnung dieser Situationen oder Aktionen geschieht dabei mittels des Tempus-Konzeptes – mit diesem werden Sachverhalte in Vergan- genes, Gegenwärtiges oder Zukünftiges unterschieden. Dabei bezieht sich die gram- matische Zeitlokalisierung immer auf einen Referenzpunkt und ist demnach deik- tisch. Typischerweise ist dabei der Bezugspunkt die Sprechzeit. Wie diese Sachverhalte aber nun an sich zeitlich bewertet werden müssen (z. B. andauernd oder zeitlich punktuell) wird durch die verschiedenen Tempora noch nicht ausgedrückt.
Beispiel 1: 6
1) John was reading when I entered.
2) Ivan cital, kogda ja vosel.
3) Jean lisait quand j’entrai.
4) Johannes war gerade am Lesen, als ich eintrat.
An diesem Beispiel erkennt man, dass das Konzept ‚Aspekt’ auf unterschiedliche Art und Weise realisiert werden kann. Im Englischen wird das Progressive benutzt, um zu verdeutlichen, dass ein Sachverhalt, wie hier das Lesen, als andauernd, d. h. ohne klaren Anfangs- oder Endpunkt, zu sehen ist. Im Unterschied dazu ist das Ereignis des Eintretens, das nicht in der Continuousform ausgedrückt wird, als in sich abge- schlossen und darüber hinaus als in den Sachverhalt des Lesens eingebettet zu be- trachten.
4 VATER, „Einführung in die Zeit-Linguistik“, S. 87.
5
In dieser Arbeit werden für die Erläuterung zeitlicher Abläufe die im Seminar eingeführten be-
kannten Kategorien Sprechzeit (S), Ereigniszeit (E) und Referenzzeit bzw. Betrachtzeit (B) von
Reichenbach herangezogen.
6
VATER, „Einführung in die Zeit-Linguistik“, S. 87 (Beispielsätze 1 bis 3).
2
Arbeit zitieren:
Eva Forster, 2003, Aspektualität im Deutschen, München, GRIN Verlag GmbH
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