Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis II
Tabellenverzeichnis IV
Abbildungsverzeichnis V
Abk ürzungsverzeichnis. VI
Symbolverzeichnis. VIII
0 Einleitung 1
0.1 Problemstellung 1
0.2 Aufbau der Arbeit. 2
0.3 Begriffsbestimmung und Geschichte der Demographie 2
1 Aktuelle demographische Entwicklungen und
Prognosen bis zum Jahr 2020 7
1.1 Aktuelle demographische Entwicklungen in Deutschland und
Prognosen bis zum Jahr 2020 7
1.1.1 Konzept des demographischen Übergangs. 7
1.1.2 Alterung 11
1.1.3 Schrumpfung 12
1.1.4 Weitere Entwicklungen der Bevölkerung 14
1.2 Spezifische demographische Entwicklungen Sachsens und
Bev ölkerungsprognosen bis zum Jahr 2020. 15
1.2.1 Entwicklung der Fruchtbarkeit 15
1.2.2 Entwicklung der Abwanderung 17
1.2.3 Bevölkerungsprognosen für Sachsen bis zum Jahr 2020 und
Folgen der Bevölkerungsveränderung. 18
2 Auswirkungen des demographischen Wandels auf
das Wirtschaftswachstum und die öffentlichen
Finanzen 21
2.1 Überblick. 21
2.2 Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum 22
2.2.1 Neoklassisches Wachstumsmodell 22
2.2.2 Erweiterungen des Neoklassischen Wachstumsmodells 24
2.2.3 Konkrete Schätzungen zum Einfluss auf das Wirtschaftwachstum 28
2.3 Auswirkungen auf die öffentlichen Finanzen 29
2.3.1 Überblick. 29
2.3.2 Wirkungen auf die öffentlichen Ausgaben 29
2.3.3 Wirkungen auf die öffentlichen Einnahmen 31
2.3.4 Fazit der Wirkungen auf die öffentlichen Einnahmen 33
2.4 Zusammenfassung der Auswirkungen auf das
Wirtschaftswachstum und die öffentlichen Finanzen. 33
3 Einfluss des demographischen Wandels auf die
kommunalen Ausgaben 35
3.1 Allgemeine Wirkungen der Demographie 35
3.1.1 Überblick und methodische Vorbemerkungen. 35
3.1.2 Wirkungen durch die der Veränderung der Altersstruktur 38
3.1.3 Wirkungen der Kostenremanenz 40
II
3.1.4 Wirkungen der Konkurrenz um Einwohner 43
3.2 Auswirkungen auf die einzelnen Ausgabearten. 44
3.2.1 Auswirkungen auf die Personalausgaben 44
3.2.2 Auswirkungen auf den laufenden Sachaufwand. 47
3.2.3 Auswirkungen auf die Sozialausgaben. 49
3.2.4 Auswirkungen auf die Sachinvestitionsausgaben. 52
3.2.5 Auswirkungen auf die Zinsausgaben. 53
3.3 Zusammenfassung der Ausgabeprognosen. 54
4 Einfluss des demographischen Wandels auf die
kommunalen Einnahmen 56
4.1 Überblick. 56
4.2 Auswirkungen des demographischen Wandels auf die einzelnen
Einnahmearten der Kommunen. 59
4.2.1 Gebühren. 59
4.2.2 Steuern 62
4.2.3 Zuweisungen 68
4.2.4 Sonstige Einnahmen. 75
4.2.5 Kreditaufnahme 76
4.3 Zusammenfassung der Einnahmeprognosen. 76
5 Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick. 78
Literaturverzeichnis. 81
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1-1: Schema des ‚Ersten Demographischen Übergangs’ ................. 8 Abbildung 1-2: ‚Erster demographischer Übergang’ in verschiedenen
Weltregionen............................................................................ 10 Abbildung 1-3: Zunahme des Medianalters der deutschen Bevölkerung......... 12 Abbildung 1-4: Bevölkerungsvorausberechnungen bis zum Jahr 2050 ........... 14 Abbildung 1-5: Fruchtbarkeitsraten im Ost-West-Vergleich (1000 Frauen haben … Kinder)...................................................................... 16 Abbildung 1-6: Übersicht über die Höhe des Saldos der Zu- bzw. Fortzüge in Sachsen ................................................................ 17 Abbildung 1-7: Prozentualer Rückgang der Bevölkerung in Deutschland,
Abbildung 2-1: Neoklassisches Wachstumsmodell.......................................... 24 Abbildung 2-2: Erweiterung des neoklassischen Wachstumsmodells ............. 27 Abbildung 3-1: Stilisierte Darstellung der Altersstrukturkostenprofile nach
Abbildung 4-1: Einnahmestruktur der Kommunalhaushalte im Freistaat Sachsen (ohne Nettokreditaufnahme) ..................................... 58 Abbildung 4-2: Anteil der einzelnen Steuereinnahmen an den Gesamtsteuereinnahmen der Kommunen im Jahr 2002 ......... 62 Abbildung 4-3: Einkommensteuerzahlungen nach Lebensalter....................... 64 Abbildung 4-4: Berechnung der allgemeinen Finanzausgleichsmasse unter Berücksichtigung des Gleichmäßigkeitsgrundsatzes ..... 71 Abbildung 4-5: Wirkungskette eines Bevölkerungsrückgangs im Freistaat
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Abs. Absatz Aufl. Auflage Bd. Band BIB Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung BIP Bruttoinlandsprodukt BMF Bundesministerium für Finanzen BRD Bundesrepublik Deutschland BRR Bundesamt für Raumordnung bspw. beispielsweise bzw. beziehungsweise c. p. ceteris paribus d. h. das heißt d. der/die/das DB Deutsche Bank DDR Deutsche Demokratische Republik DIW Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DM Deutsche Mark Dr. Doktor engl. englisch etc. et cetera EU Europäische Union EW Einwohner EZB Europäische Zentralbank f. folgende GmbH Gesellschaft mit begrenzter Haftung HdWW. Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft Hrsg. Herausgeber IWF Internationaler Währungsfond IWH Institut für Wirtschaftsforschung Halle J. Jahr Kfz. Kraftfahrzeug LFA Länderfinanzausgleich M. W. Martin Wörner (Verfasser) Mio. Millionen
VI
Mrd. Milliarden No. Numero = number Nr. Nummer NS Nationalsozialismus o. J. ohne Jahr OECD Organisation for Economic Cooperation and Development ÖPNV öffentlicher Personennahverkehr Pkw. Personenkraftwagen Prof. Professor Prof. Professor RegBezirk Regierungsbezirk S. Seite SächsFAG Sächsisches Finanzausgleichsgesetz SächsGemO Sächsische Gemeindeordnung SächsLKrO Sächsische Landkreisordnung u. und u. a. unter anderem usw. und so weiter vgl. vergleiche Vol. Volume VZÄ Vollzeitäquivalente z. B. zum Beispiel
VII
Symbolverzeichnis
Großbuchstaben
I Kapitalnachfrage K Kapital L Arbeit N Grundgesamtheit R 2 korrigiertes Bestimmtheitsmaß S Kapitalangebot T technischer Fortschritt Y gesamtwirtschaftlicher Output gesamtwirtschaftlicher Output im Jahr 0 Y 0
gesamtwirtschaftlicher Output im Jahr 1 Y 1
Kleinbuchstaben
1-a Koeffizient der Kapitalproduktivität a Koeffizient der Arbeitsproduktivität und der Produktivität des technischen Fortschritts Wachstumsrate des Kapitals w K
Wachstumsrate der Beschäftigung w L w T Wachstumsrate des technischen Fortschritts w Y Wachstumsrate des gesamtwirtschaftlichen Outputs
Sonstiges
< kleiner als = gleich > größer als
VIII
0 Einleitung
0.1 Problemstellung
Der Freistaat Sachsen hat zwischen dem Jahr 1990 und dem Jahr 2004 14 % seiner Einwohner verloren. Bis zum Jahr 2020 wird prognostiziert, dass die Bevölkerung um weitere 15 % schrumpfen wird. Der Freistaat wird dann innerhalb von nur 30 Jahren fast ein Drittel seiner Einwohner verloren haben. Gleichzeitig wird die Bevölkerung Sachsens derzeit auch erheblich älter. Schon heute hat Sachsen mit einem Durchschnittsalter von 42,3 Jahren den höchsten Altersdurchschnitt der Bevölkerung aller Bundesländer und es wird vorhergesagt, dass der Altersdurchschnitt bis zum Jahr 2020 auf 49 Jahre steigen wird. 1 Welche Auswirkungen diese beiden Elemente des demographischen Wandels auf die Finanzsituation der kommunalen Ebene haben werden, wurde bisher kaum in der wissenschaftlichen Literatur 2 und bis vor kurzem ebenfalls nicht in der politischen Praxis besonders beachtet. Dies ist umso erstaunlicher, weil davon ausgegangen werden muss, dass der demographische Wandel sich in erheblichem Umfang auf die kommunale Ebene auswirken wird. Die vorliegende Arbeit versucht, die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die finanzielle Situation der sächsischen Kommunen zu ermitteln und eine Prognose über die Art und Intensität der Auswirkungen bis zum Jahr 2020 aufzustellen. Im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen dabei die einzelnen Einnahmen und Ausgaben der Kommunen. Die Situation der sächsischen Kommunen verdient deshalb besondere Beachtung, weil gerade in Sachsen die demographischen Entwicklungen wie Bevölkerungsrückgang und Alterung im Vergleich zu den anderen Bundesländern besonders deutlich ausgeprägt sind. Für Sachsen ist es deshalb unerlässlich, über die Folgen des demographischen Wandels gut Bescheid zu wissen, denn Sachsen wird in den kommenden Jahren, gewollt oder ungewollt, ‚Pionier‘ beim Umgang mit dem demographischen Wandel sein. 3
1 Milbradt (2005).
2 Ausnahmen stellen folgende Veröffentlichungen dar: Seitz (2000), Seitz (2004a), Loeffelholz, (2002) Mäding (2004) und Miera (1994) dar.
3 Milbradt (2004), S. 9.
1
0.2 Aufbau der Arbeit
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Kommunalfinanzen bis zum Jahr 2020. Im Abschnitt 0.3 wird der Begriff Demographie zunächst definiert. Anschließend wird dargelegt, welche Bedeutung die Demographie als Wissenschaft in der deutschen Geschichte hatte. Insbesondere wird begründet, warum es lange Zeit tabuisiert war, sich mit demographischen Themen und Bevölkerungspolitik zu beschäftigen. Aussagen über die konkreten Wirkungen des demographischen Wandels erfordern die Kenntnis der einzelnen demographischen Entwicklungen. Diese werden im ersten Kapitel dargestellt und neben den Entwicklungen für Gesamtdeutschland werden die spezifischen Entwicklungen und Prognosen für Sachsen dargestellt. Im zweiten Kapitel werden anhand eines erweiterten Neoklassischen Wachstumsmodells die möglichen Wirkungen der Demographie auf das Wirtschaftswachstum vorgestellt und anschließend die Auswirkungen der Demographie auf die öffentlichen Finanzen des Gesamtstaates betrachtet. Das dritte Kapitel hat den Einfluss der demographischen Wandels auf die kommunalen Ausgaben zum Inhalt. Das Kapitel unterteilt sich in einen Abschnitt, der allgemeine Wirkungen der Demographie auf die kommunale Ebene beschreibt, und einen zweiten Abschnitt, der die Auswirkungen auf die einzelnen Ausgaben zum Inhalt hat. Der Einfluss auf die kommunalen Einnahmen ist der Gegenstand des vierten Kapitels, wobei die Wirkungen für jede kommunale Einnahmeart untersucht werden. In Kapitel 5 werden die Ergebnisse der vorherigen Kapitel zusammengefasst und es wird ein Ausblick auf die Situation der Kommunalfinanzen in den Kommenden Jahren gegeben.
0.3 Begriffsbestimmung und Geschichte der Demographie
Der Begriff Demographie hat seine sprachliche Herkunft in der altgriechischen Sprache. Dem Begriff Demographie entspricht der deutsche Begriff Bevölkerungswissenschaft. Diese beiden Begriffe werden synonym verwendet. 4, 5 Demo-
4 Brockhaus Die Enzyklopädie (1996), Bd. 5, S. 208.
5 Eine Ausnahme macht dabei das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB). Das Institut bezeichnet Demographie als den engeren Begriff, mit dem man nur die Beschreibung der Bevölkerung bezeichnet. Dagegen ist laut BIB Bevölkerungswissenschaft der weitere Begriff, der auch die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Bevölkerung und gesellschaftlichen Bereichen wie Wirtschaft, Politik, sozialen Sicherungsystemen etc. umschließt. Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) (2004), S. 7.
2
graphie ist die Wissenschaft der menschlichen Bevölkerung. 6 Das Gebiet der Demographie kann jedoch unterschiedlich abgegrenzt werden. Unter Demographie im engeren Sinne, gleichbedeutend mit formaler Demographie, versteht man „die Beschreibung von Zustand und Veränderung der Bevölkerungszahl und -zusammensetzung mit Hilfe der Bevölkerungsstatistik“. 7 Der Kern der Demographie ist damit die Beschreibung der Größe, Verteilung, Struktur und Veränderung der Bevölkerung. 8 Die Demographie im weiteren Sinne hat zusätzlich Ursachen und Folgen der Bevölkerungsbewegung zum Thema und behandelt die Bevölkerungsentwicklung im Kontext mit sozioökonomischen, medizinischen, politischen und weiteren Variablen. 9 Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass die demographische Forschung durch große Interdisziplinarität geprägt ist. 10 Deutlich wird die wechselseitige Beeinflussung der Demographie auf Nachbarwissenschaften wie Soziologie, Ökonomie, Biologie, Anthropologie, Geographie u. a. durch die vielfältigen Teildisziplinen der Demographie. 11 Dazu zählen unter anderem: Bevölkerungssoziologie, Bevölkerungsstatistik, Bevölkerungsmathematik, Bevölkerungsgeographie, historische Demographie, medizinische Demographie, Bevölkerungsökologie, 12 Bevölkerungspolitik, Demoökonomie, Paläodemographie und Familiendemographie. 13 Diese Arbeit hat die Demoökonomie und damit die Wechselwirkungen von Wirtschaft und Bevölkerung zum Inhalt. 14
Die Anfänge der Bevölkerungswissenschaft liegen weit zurück. So gab es bereits im Altertum bei den Chinesen, Ägyptern und Juden Volkszählungen. 15 Der Zweck dieser Volkszählungen lag insbesondere in der Erhebung von Daten über die genaue Größe der Bevölkerung. Ziel war die Ermittlung der Wehrfähigkeit und der Steuerkraft. 16 Triebfedern für die Volkszählungen waren demnach militärische und fiskalische Gründe. Von Bevölkerungswissenschaft in heutigem Sinne kann erst seit der Zeit der Aufklärung gesprochen werden. Der Beginn der Demographie als wissenschaftliche Disziplin wird in einer Veröffentlichung 17 von GRAUNT
6 Handbuch der Wirtschaftswissenschaft (HdWW) (1988), S. 610.
7 Brockhaus Die Enzyklopädie (1996), Bd. 5, S. 208.
8 Dinkel (1989), S. 1.
9 HdWW (1988), S. 610.
10 Dinkel (1989), S. 1.
11 HdWW (1988), S. 610.
12 Birg (2004a), S. 29.
13 HdWW (1988), S. 611.
14 HdWW (1988), S. 611.
15 Meyers Großes Taschenlexikon (1998), S. 146.
16 Gabler (2004), S. 3222.
17 Graunt, John (1665).
3
im Jahre 1665 gesehen 18 . GRAUNT und PETTY hatten Sterberegister ausgewertet und dabei die Methode der Sterbetafeln 19 entwickelt, die noch heute zu den wichtigen Analyseinstrumenten der Bevölkerungswissenschaft gehört. 20 Ziel der Forscher war es, die Ursachen der Sterblichkeit zu ermitteln und die Lebenserwartung zu berechnen. 21 Das erste systematische Werk der Bevölkerungswissenschaft wurde 1741 von einem Probst der Lutherisch-Brandenburgischen Kirche, SÜßMILCH, veröffentlicht. „Sein Ziel war jedoch nicht die Entwicklung der Demographie als Wissenschaft, sondern der unwiderlegbare Beweis der Existenz Gottes mit den empirischen Daten der Bevölkerungsstatistik.“ 22 In den massenstatistischen Regelmäßigkeiten der demographischen Ereignisse sah er einen Beweis für die vom Schöpfer vorgesehene Harmonie des Universums. Dieses Ziel mag heute sonderbar erscheinen. Zur Zeit der Aufklärung waren viele führende Wissenschaftler jedoch Universalwissenschaftler. So beschäftigten sich GRAUNT und PETTY auch mit Physik, Mathematik und Astronomie. Die Harmonie mit der sie sich beschäftigten, wollten sie auch in den sozialen Zusammenhängen finden. 23 MALTHUS postulierte in seinem Hauptwerk 24 , das 1798 erschien, zwei Thesen und begründete damit den ökonomischen Bezug der Demographie. 25 Die Thesen sind, dass die Lebensmittelproduktion linear wachse, die Bevölkerung exponentiell und damit dynamischer als die Lebensmittelproduktion. Der Bevölkerungszuwachs führe deshalb dazu, dass die wirtschaftlichen Erfolge aufgezehrt würden. 26 Außerdem behauptete er, dass durch den Bevölkerungszuwachs die Tragfähigkeit der Erde, also die Fähigkeit der Erde auch in Zukunft alle auf ihr lebenden Menschen zu ernähren, überschritten werden könne. 27 MALTHUS ging dabei von einem gleichgerichteten Zusammenhang der Höhe der Geburtenrate und des Niveaus der materiellen Lebensbedingungen aus. 28 Empirisch ist diese Annahme widerlegt, und es bestätigt sich vielmehr das
18 Dinkel (1989), S. 6.
19 Die Sterbetafeln bilden ab, wie sich ein fest vorgegebener Bestand an Neugeborenen sich mit voranschreitendem Alter durch den Einfluss der Sterblichkeit reduziert. Vgl. BIB (2004), S. 90.
20 Brockhaus Die Enzyklopädie (1996), Bd. 3, S. 260.
21 Birg (2004a), S. 30.
22 Mackensen (2000), S. 402.
23 Mackensen (2000), S. 402.
24 Malthus, Thomas Robert (1798): An essay on the principle of population, as it affects the future improvement of society, with remarks on the speculations of Mr. Godwin, M. Condorcet, and other writers, 1. Aufl., London; Deutsche Übersetzung: Barth, Christian. M. (Hrsg.) (1977): Das Bevölkerungsgesetz, München.
25 HdWW (1988), S. 612.
26 HdWW (1988), S. 612.
27 Birg (2004a), S. 31.
28 Birg (2004a), S. 30.
4
Gegenteil. 29 Manche Demographen sprechen deshalb vom demo-ökonomischen Paradoxon, mit dem das Phänomen beschrieben wird, dass Menschen umso weniger Kinder haben, je mehr sie sich Kinder aufgrund ihres Realeinkommens und Vermögens objektiv leisten könnten. 30 Im frühen 20. Jahrhundert prägten Gedanken der Biologie und Medizin die Bevölkerungswissenschaft. In den bevölkerungswissenschaftlichen Diskurs floss zu dieser Zeit rassistisches Gedankengut und das Gedankengut der Eugenik ein. 31 Eugenik ist die Lehre von den Unterschieden der erbbedingten Eigenschaften der Menschen und ihrer gezielten Beeinflussung durch Maßnahmen zur Förderung der Fortpflanzung von Menschen mit erwünschten Eigenschaften (positive Eugenik) bzw. zur Verhinderung der Fortpflanzung von Menschen mit unerwünschten Eigenschaften (negative Eugenik). 32 Bekannte Eugeniker unter den Bevölkerungswissenschaftlern waren zum einen BURGDÖRFER, der prognostizierte, dass die weißen Völker aufgrund des Geburtenreichtums farbiger Völker erdrückt würden 33 und zum anderen FISCHER, der forderte ‚Volksschädlinge’ durch den Staat an der Fortpflanzung zu hindern, um so die Wurzel des Übels von Verbrechen und Erbkrankheiten zu bekämpfen. 34 Diese Bevölkerungswissenschaftler waren Vordenker der nationalsozialistischen Rassenideologie und Vernichtungspolitik und so sahen manche Eugeniker in der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik die Erfüllung ihrer Träume. Wie sehr das Menschenbild der Eugeniker Einfluss auf die NS-Ideologie gehabt hat wird daran deutlich, dass HITLER im Jahre 1923 die 2. Auflage der Veröffentlichung ‚Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene‘ 35 von BAUR/FISCHER/LENZ las, die als wissenschaftliche ‚Bibel’ der Eugeniker galt, und diese Veröffentlichung während seiner Festungshaft in sein Buch ‚Mein Kampf’ einarbeitete. 36 Die Nationalsozialisten setzten später die menschenverachtenden „‚sozialhygienischen’ Gesellschaftsutopien“ 37 der damaligen Bevölkerungswissenschaftler mit aller Gewalt und Perfektion um. Die ‚Encyclopedia of Population’ ressümiert: „The country in which eugenics was both the most highly developed and the most destructive was Germany.“ 38 Nach MACKENSEN hat sich die Verbindung von Eugenik und Bevölkerungsforschung als mörderisch erwie-
29 Birg (2000), S. 29.
30 Birg (2000), S. 29.
31 Brocke (o. J.), S. 2.
32 Birg (2004a), S. 30.
33 Burgdörfer (1928), S. 248-262.
34 Brocke (o. J.), S. 2.
35 Baur (1923).
36 Brocke (o. J.), S. 2-3.
37 Haar (o. J.), S. 2.
38 Encyclopedia of Population (2003), S. 321.
5
sen. 39 Vor diesem Hintergrund wird es verständlich, dass die Beschäftigung mit demographischen Fragestellungen aller Art wegen ihrer Nähe zur ‚Rassenhygiene’ des Nationalsozialismus nach 1945 in Deutschland weitgehend tabuisiert war. 40 Bis heute ist Demographie an deutschen Universitäten eine Randdisziplin. Wegen der praktischen Relevanz vieler demographischer Entwicklungen und deren spürbaren Auswirkungen ist das Interesse an demographischen Fragestellungen in den letzten Jahren in Deutschland allerdings wieder stärker geworden. 41
39 Mackensen (2000), S. 413.
40 Dinkel (1989), S. 2.
41 Dinkel (1989), S. 2.
6
1 Aktuelle demographische Entwicklungen und Prognosen bis zum Jahr 2020
1.1 Aktuelle demographische Entwicklungen in Deutschland und Prognosen bis zum Jahr 2020
1.1.1 Konzept des demographischen Übergangs
Dieses Kapitel behandelt die aktuellen Entwicklungen der Bevölkerung in Deutschland und Bevölkerungsprognosen bis zum Jahr 2020. In Bezug auf demographische Veränderungen sind 15 Jahre eine kurze Zeitperiode. Die derzeitig stattfindende Alterung und die prognostizierte Schrumpfung der Bevölkerung sind Elemente und Folgen eines Prozesses, der in Europa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann und folglich schon 150 Jahre andauert. Es handelt sich um einen globalen, langsam und langfristig verlaufenden Wandel in einigen grundlegenden demographischen Verhaltensmustern. 42 Dieser Prozess wird heute im Allgemeinen mit dem Begriff ‚Erster demographischer Übergang’ bezeichnet. Dieser Begriff geht auf Frank NOTESTEIN zurück, der für das ‚Office for Population Research’ der Universität Princeton arbeitete und dabei im Jahre 1945 das Konzept des demographischen Übergangs formulierte. Bei diesem Konzept handelt es sich um ein Erklärungsmodell für die Gemeinsamkeiten im Muster von demographischen Veränderungen, die sich sowohl im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts, wie auch in Entwicklungsländern des 20. Jahrhunderts und weiteren Ländern beobachten ließen und beobachten lassen. 43 Vom ‚Ersten Demographischen Übergang’ wird gesprochen, um ihn vom ‚Zweiten demographischen Übergang’ abzugrenzen, der gerade stattfindet und damit begonnen hat, dass seit den 70er Jahren des vorherigen Jahrhunderts die Fertilitätsraten in Europa auf ein niedrigeres Niveau als das der Bestandserhaltung gefallen sind. 44 Der ‚Erste Demographische Übergang’ bezeichnet den Prozess des Übergangs einer Bevölkerung mit hohen Geburten- und Sterberaten zu einer Bevölkerung mit niedrigen Geburten- und Sterberaten. Dieser Übergangsprozess verläuft laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) idealtypisch in fünf Phasen. 45 Ein
42 Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BIB) (2004), S. 9.
43 Münz/Ulrich (2000), S. 10.
44 BIB (2004), S. 21.
45 BIB (2004), S. 10.
7
Schema des ‚Ersten Demographischen Übergangs’ ist in Abbildung 1-1 dargestellt.
Abbildung 1-1: Schema des ‚Ersten Demographischen Übergangs’
Quelle: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2004), S. 10.
• In der ersten Phase, der Vortransformationsphase, befinden sich Geburten-
und Sterbehäufigkeit auf einem hohen Niveau, wobei die Geburtenhäufigkeit im Trend etwas höher als die Sterbehäufigkeit ist. Die Menschheit befand sich über lange Zeiträume in dieser Phase, in der es zu einem allmählichen, immer wieder durch Kriege, Seuchen und Hungersnöte unterbrochenen Anstieg der Bevölkerungszahl kam. Die Gesellschaften waren dabei agrarisch geprägt.
• In der zweiten Phase, der Phase der Frühtransformation, die in die Zeit der einsetzenden Industrialisierung fällt, beginnt zunächst die Sterbeziffer 46 zu sinken, während die Geburtenziffer unverändert hoch bleibt und erst gegen Ende dieser Phase einem leicht rückläufigen Trend folgt. Der Rückgang der Sterblichkeit ist vor allem im Rückgang der Säuglingssterblichkeit begründet. Der Rückgang der Sterblichkeit führt zu einem Anstieg der Lebenserwartung.
46 Der Begriff Geburtenziffer bzw. Geburtenhäufigkeit oder auch (rohe) Geburtenrate gibt die Zahl der Geborenen eines bestimmten Zeitraumes bezogen auf 1000 Einwohner an. Entsprechendes gilt für die Sterbeziffer.
8
• In der dritten Phase beginnt nun die Geburtenhäufigkeit schnell zu sinken,
wobei die Geburtenhäufigkeit noch deutlich höher ist als die Sterbehäufigkeit. Gerade während der zweiten und dritten Phase kommt es zu einem starken Wachstum der Bevölkerung. Im Durchschnitt aller Länder gesehen, nähert sich die Weltbevölkerung laut BIB heute dem Ende der dritten Phase des demographischen Übergangs. 47
• In der vierten Phase sinkt die Geburtenhäufigkeit weiter ab und nähert sich
dem bereits niedrigen Niveau der Sterblichkeit an. Das Tempo des Bevölkerungswachstums geht zurück.
• Die fünfte Phase ist die so genannte Nachtransformationsphase, in der sich
Geburten- und Sterbeziffern auf einem gemeinsamen niedrigen Niveau eingependelt haben. 48
Bleiben die Geburten- und Sterbeziffern auch im Anschluss an die fünfte Phase auf dem erreichten niedrigen Niveau, dann kommt das Bevölkerungswachstum zum Stillstand, wobei sich die Bevölkerungszahl insgesamt auf einem viel höheren Niveau befindet, als in der Vortransformationsphase. Zudem ist die Altersstruktur durch die gestiegene Lebenserwartung und die geringere Anzahl an Geburten dahingehend verändert, dass das Durchschnittsalter stark ansteigt. Das Konzept des demographischen Übergangs erklärt, wie die Weltbevölkerung in den letzten 300 Jahren und auf eine so große Gesamtzahl wachsen konnte, wie nach heutigem Wissensstand noch niemals zuvor. 49 Es scheint, dass alle Gesellschaften dieser Welt den demographischen Übergang in dieser oder jener Form durchlebt haben, durchleben oder durchleben werden. 50 Die einzelnen Gesellschaften befinden sich dabei in unterschiedlichen Phasen des Übergangsprozesses. Die Stiftung Weltbevölkerung hat zur Verdeutlichung verschiedene Weltregionen den einzelnen Phasen des Modells zugeordnet. (vgl. Abbildung 1-232)
47 BIB (2004), S. 9.
48 BIB (2004), S. 9f.
49 Brockhaus-Enzyklopädie (1987), S. 243.
50 BIB (2004), S. 10.
9
Abbildung 1-2: ‚Erster demographischer Übergang’ in verschiedenen Welt-
Quelle:Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, in:
http://www.dsw-online.de/info-service/grafiken.shtml?navid=40, 16.02.2005.
In Abbildung 1-232 ist zu sehen, dass die Industriestaaten, in denen die Übergangsprozesse schon am längsten ablaufen, sich in der Posttransformationsphase befinden. Die demographische Situation der afrikanischen und zentralasiatischen Staaten unterscheidet sich zwar stark von der Situation in Europa, Japan oder Nordamerika, aber es ist nach dem Modell des demographischen Übergangs davon auszugehen, dass auch diese Länder sich demographisch ähnlich entwickeln werden und in wenigen Jahrzehnten sich dort eine vergleichbare demographische Konstellation einstellen wird, wie sie derzeit in Europa schon vor-gefunden werden kann. Mit anderen Worten kann man davon ausgehen, dass in wenigen Jahrzehnten in den meisten Staaten der Welt das Bevölkerungswachstum zum Stillstand kommen wird und die Gesellschaften stark gealtert sein werden. Gerade die süd- und osteuropäischen Länder und Deutschland erleben derzeit eine demographische Konstellation, die andere Länder möglicherweise erst in einigen Jahrzehnten erleben werden. Im Folgenden werden bedeutende derzeit in Deutschland stattfindende Bevölkerungsentwicklungen dargestellt.
10
1.1.2 Alterung
Die Zunahme der Lebenserwartung und eine geringe Geburtenrate haben dazu geführt, dass sich die Altersstruktur der deutschen Gesellschaft dahingehend verändert hat, dass der Anteil alter Menschen größer und der Anteil junger Menschen kleiner geworden ist. Die Verschiebung der Altersstruktur wird durch den Anstieg des Medianalters deutlich. Mit dem Begriff Medianalter bezeichnet man das Lebensalter, das eine Population statistisch in zwei gleich große Gruppen teilt. Laut der Abteilung für Bevölkerungsfragen bei den Vereinten Nationen lag das Medianalter in Deutschland 1950 bei 35,4 Jahren. (Vgl. Abbildung 1-313) Bis 1990 ist es nur gering auf 37,7 Jahre angestiegen. Bleibt die Anzahl der Kinder pro Frau auf dem derzeitigen Niveau, so wird das Medianalter im Jahr 2050 auf 51,2 Jahre gestiegen sein. Die Hälfte der Bevölkerung wird damit älter als 51,2 Jahre alt sein. Derzeit steigt das Medianalter zügig an. Allein zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2020 wird das Medianalter um 7,2 Jahre auf dann 47,2 Jahre zugenommen haben.
11
Arbeit zitieren:
Martin Wörner, 2005, Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf die Einnahmen und Ausgaben der Kommunen in Sachsen , München, GRIN Verlag GmbH
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