Titelbild: Feldkreuz, Standort bei Muckenreuth, Foto: Gerhard Reiß, 1993
©Gerhard Reiß, Laubenweg 3 c, 92637 Weiden
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Inhaltsverzeichnis
WAS ES ZU DIESER ARBEIT ZU SAGEN GIBT 4
MEINER HEIMAT GEWIDMET 5
DIE FRÜHE GESCHICHTE DER NÖRDLICHEN OBERPFALZ 7
AUSGANG DES MITTELALTERS 15
DIE REFORMATION 21
DER 30JÄHRIGE KRIEG 29
DIE GEGENREFORMATION 47
DER WEG IN DIE NEUZEIT 53
LISTE DER ABKÜRZUNGEN 56
ARCHIVQUELLEN 57
REGESTEN - EDITIONEN - PERIODICA 63
LITERATUR 64
3 NA
WAS ES ZU DIESER ARBEIT ZU SAGEN GIBT
Die ersten Schritte in die Richtung der Heimat- und Sippenforschung hätte ich nicht gewagt, wenn nicht mein Freund, Herr StD Georg Stoll, in seiner geduldigen Art mich 1974 "bei der Hand genommen" und mir die ersten "Weihen" im Umgang mit den Matrikeln verliehen hätte.
In der Folge verdanke ich den Stadtarchivarinnen Annemarie Kraus und Petra Vorsatz vom Stadtarchiv Weiden viele nützliche Hinweise. Frau Vorsatz konnte mir z.B. helfen, die erste urkundliche Erwähnung des Namens Reiß 1 in der Oberpfalz in seiner damaligen Form (Rîs) ausfindig zu machen.
Ein treuer Begleiter war mir auch Herr Eugen Hierold, der stets unangemeldet, aber immer gerne erwartet erschien und mir einige Kilogramm von Kopien der verschiedensten Archivalien transkribierte.
Den Damen und Herren der Staatsarchive Amberg, Bamberg und Nürnberg gebührt besonderer Dank - allen anderen Mitarbeitern in den diversen Stadtarchiven ebenso.
Meine Arbeit mit der Gruppe für Familien- und Wappenkunde im BSW förderte den Willen, der Kurs zum Gästeführer bei der VHS Weiden/Neustadt trug zur Realisierung bei.
Last but not least möchte ich meiner Frau Helga für das fast immer gezeigte Verständnis für 21jährige Forschungsarbeit herzlich danken.
Diese Arbeit ist für den Heimatforscher wegen der reichhaltigen Angabe von Quellen und Literaturhinweisen bestens geeignet.
Weiden, den 30.04.1995
1 Leuchtenberger Lehenbuch, ca. 1399
4
Eine Spur
Alles
ist Bestimmung -
Vielleicht ab und zu eine Spur meiner selbst -
Manches
ist offen -
Viel
ist zu tun -
Nichts
hält den Zeiger der Uhr. 2
2
Margarethe Biedermann, in: Der Neue Tag,Wochenendbeilage 10.07.1993
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DIE FRÜHE GESCHICHTE DER NÖRDLICHEN OBERPFALZ
Das nordöstliche Oberfranken und die nördliche Oberpfalz sind hin- sichtlich ihrer Siedlungsgeschichte relativ schwierige Gebiete. Die Geschichte der Oberpfalz reicht in ihren Anfängen weit über jene Zeiten hinaus, die uns noch schriftlich überliefert sind. Die ältesten Urkunden stammen aus dem 9. Jahrhundert; der erste archäologische Beleg für die Anwesenheit des Menschen ist über 100.000 Jahre alt.
Die Frühgeschichte des heutigen Regierungsbezirkes Oberpfalz ist ei- gentlich nicht zu trennen von der der angrenzenden Gebiete, denn der Mensch der Vorzeit orientierte sich an Naturgegebenheiten und geographischen Räumen, die mit der neuzeitlichen politischen Entwicklung nicht übereinstimmen müssen. Auch verschiebt sich im Laufe der Zeit das Siedlungsbild. Das ist schon durch die geologische Gliederung der Oberpfalz bedingt, die drei charakteristische Bereiche umfaßt:
x im Osten das siedlungsfeindliche Urgebirge mit Oberpfälzer Wald
und Bayerwald;
im Westen den wasserarmen, aber höhlenreichen Jura der Fränkischen Alb;
im Süden einen kleinen Ausschnitt des Donautales, das vom frucht- baren Löß des Gäubodens bereichert wird.
Je nach Bedürfnis und Fähigkeiten des vorgeschichtlichen Menschen, diese natürlichen Verhältnisse zu nutzen, änderte sich auch das Siedlungsbild. Eine gewisse Kontinuität bewahrte sich unser Raum dagegen als "Verkehrsknotenpunkt" Mitteleuropas. Denn trotz der geologischen Zerrissenheit weist er eine geographische Geschlossenheit auf.
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S. Rieckhoff-Pauli, Die Oberpfalz in frühgeschichtlicher Zeit, Regensburg 1985
Zwischen 15 v. Chr. und 50 n. Chr. eroberten die Römer allmählich das Alpenvorland bis zur Donau. Gegen Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. wurde auch im Raum Regensburg das erste römische Kastell angelegt. Ein schlimmer Krieg zwischen 166 und 180 n. Chr., in dem für die Oberpfalz die Einfälle der germanischen Markomannen aus dem heutigen Böhmen katastrophale Folgen hatten, löschte die Spuren der römischen Kolonisation im Donauraum fast aus. Der Einfallsweg der Markomannen auf der uralten Fernstraße von Böhmen in den Donaubogen, die schon mehrfach in der Frühgeschichte eine Rolle gespielt hatte, veranlaßte Kaiser Marc Aurel, gegenüber der Regenmündung eine riesige Befestigung bauen zu lassen. Das Legionslager Castra Regina beherbergte 6.400 Soldaten und war damit die größte Kaserne der Provinz Rätien, die einen Großteil des heutigen Bayern einnahm. Im Schutze dieses Lagers wurde der südliche Donaubogen im Laufe des 3. Jahrhunderts n. Chr. total ro-manisiert; aber die nördliche Oberpfalz blieb Feindesland, denn die Reichsgrenze war die Donau. Die wenigen germanischen Bewohner in den Flußtälern von Naab und Regen trieben friedlichen Handel mit den Römern, wurden zuweilen auch als Soldaten angeheuert. Schon unter Marc Aurel finden wir germanische Söldner im römischen Heer. Seit dem späten 4. Jahrhundert, als das untergehende Weltreich andere Sorgen hatte, als Rätien noch zu halten, diese nur noch unbequeme und wenig einträgliche Provinz, scheinen diese germanischen Söldner sogar ganz allmählich zu den inoffiziellen Herren des Legionslagers geworden zu sein.
Im 5. Jahrhundert n. Chr. hatten die römischen Truppen die Festung Castra Regina endgültig verlassen, und in den ehemaligen Offiziers- wohnungen lebten nur noch germanische Familien, die sich aufgrund ihrer Keramik ganz eindeutig als Einwanderer aus Böhmen oder dem thüringischen Raum zu erkennen geben. Diese "Männer aus Baia" oder "Baiuvarii", wie sie in späteren Schriftquellen genannt werden, sind offenbar als Herren der größten und uneinnehmbaren Festung in der Lage gewesen, ihren Namen dem ganzen bunten Gemisch von germanischen Eindringlingen aufzuprägen, die damals das alte Rätien bevölkerten: neue Zuwanderer aus Böhmen, Alemannen aus Südwestdeutschland und Thüringer, die vor den Franken flohen; Goten, die aus dem Osten ka- men. Aus diesem Gemisch entwickelte sich insbesondere unter dem Druck der Franken der Stamm der Bajuwaren. 4
Regensburg tritt jetzt in das Licht der Geschichte.
Die nördliche Oberpfalz blieb dagegen noch längere Zeit im Schatten dieser glanzvollen Entwicklung. Die typisch bajuwarischen Reihengrä- ber, reich ausgestattete Beisetzungen von Frauen und Männern in Schmuck und Waffenausrüstung in regelmäßig angelegten Friedhöfen, scharen sich um das alte Römerlager Regensburg. In der nördlichen Oberpfalz fehlen sie fast ganz.
Erst der systematische Land- und Straßenausbau unter Karl dem Großen, der dem Kampf gegen die Slawen galt, überliefert uns hier Ortsnamen und dokumentiert sich in frühgeschichtlichen Grab- und Siedlungsfunden.
4 S. Rieckhoff-Pauli, W. Torbrügge, Regensburg - Kelheim - Straubing, Bd. I u.II. In: Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Bd. 5 und 6, 1984
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Aber als die ältesten Bewohner des alten Nordgaues, die uns Spuren hinterlassen haben, sind die Kelten anzusprechen. Spuren der Kelten finden wir auf dem Eichelberg bei Pressath mit ausgedehnten Grabanlagen. Auch die auf dem Rauhen Kulm befindlichen Ringwälle zeugen von diesem Volk. Gerade diese Ringwälle gelten als spezielle keltische Befestigungen. Die hier und da anzutreffenden Viereckschanzen sind jedoch einer nachkeltischen Zeit zuzuordnen. Auch die Sagenstadt Mirga oder Mocka, die sich in der Gegend von Mockersdorf-Barbaraberg-Preissach befunden haben soll, ist auf dieses Volk zurückzuführen.
Es steht nicht fest, warum und wann die Kelten diese Gegend verlassen haben. Wahrscheinlich wichen sie dem Druck der Germanen, und so sehen wir zur Zeit der Römereinfälle in das alte Germanien die Narisker im Nordgau, die besonders im Fichtelgebirge und an den Naabquellen sitzen. Aber auch sie blieben nicht. Im Zuge der Völkerwanderung im 4. Jh. n. Chr. bevölkerten verschiedene Horden den Nordgau. Im 5. Jh. n. Chr. drangen von Norden her die Sachsen ein und mußten dann den von Osten kommenden Wenden weichen, die bis zur Pegnitz vordrangen. Auch die Wenden hinterließen ihre Spuren. 1920 wurde bei Mockersdorf (Mocka) ein Skelett und verschiedene Gerätschaften gefunden. Prof. Dr. Birkner untersuchte diese Reste wissenschaftlich. Es handelt sich um eine slawische Begräbnisstätte aus dem 10. Jahrhundert. 5
Viele Ortsnamen weisen auch noch heute auf die damalige slawisch- wendische Besiedlung hin. So Trabitz, Döllnitz usw. Windisch oder Wendisch weisen auf wendische Gründungen, so Windischlaibach. Aller- dings darf man nicht verallgemeinern. So stammt der Ortsname Sigritz oder Trausnitz nicht von den Slawen und Wenden. So nannte man den Hof des Sighar kurzweg "bei Sigharts", woraus dann Sigritz entstand. Trausnitz 6 z. B. aus "Traues nicht".
Die ersten wirklich kräftigen Siedlungsimpulse kamen nicht von den Thüringern, sondern erst ab dem 7. Jahrhundert - und sicher auch noch im 8. Jahrhundert - durch eine starke fränkische Einwanderung von Westen her; 7 eine Wanderbewegung, die ausging von den klassischen fränkischen Territorien am Rhein und die über Würzburg unser Gebiet erreichte. Die richtige Bezeichnung für diese Besiedelung wäre "Staatskolonisation", und Herrmann meint, daß diese sogar nach einem übergeordneten Plan stattgefunden habe. 8
Um das Jahr 900 begann dann von Westen und Süden her das Vordringen der Bajuwaren. Schon im 10. Jahrhundert befand sich dann die Gegend bis nach Weiden in deren Hand. Die Slawen und Wenden wurden nach Osten abgedrängt. Der Markgraf des Nordgaues konnte seinen Sitz von Nabburg nach Eger verlegen.
5 L. Böhm, Vulkanausbruch, Hunnen und der Riese vom Kulm, in: Der Neue Tag 1992 6 Trausnitz bei Wernberg-Köblitz in der Oberpfalz, nicht die bekannte Burg Trausnitz bei Landshut 7 W. Herrmann, Frühe Siedlungen und Herrschaftsstrukturen in der mittleren Oberpfalz, in VHO Bd. 123 (1983), S. 7-33 8 W. Herrmann, a.a.O.
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Um 520 Bajuwaren wandern aus Böhmen ein. Ihre Herzöge aus der Familie der Agilolfinger residieren im Herzoghof zu Regensburg. Sie werden Vasallen des Frankenkönigs. In der südlichen Oberpfalz dringen die Bajuwaren bis zu einer Linie Pegnitz-Nabburg- Furth i.W. vor. Auf dem neugewonnenen Land entsteht die Markgrafschaft auf dem Nordgau.
7. Jh. In der nördlichen Oberpfalz siedeln sich Slawen an.
Um 650 Der hl. Emmeram lebt in Regensburg. Über seinem Grabe entsteht ein Kloster.
696 Der hl. Rupert wirkt in Regensburg.
739 Der hl. Bonifazius errichtet das Bistum Regensburg.
Um 740 Herzog Odilo gründet Chammünster.
788 Der letzte Agilolfinger, Tassilo III., wird von Karl dem Großen abgesetzt, Bayern wird von Grafen verwaltet.
843-911 Regensburg wird jetzt Mittelpunkt des ostfränki- schen Reiches unter Ludwig dem Deutschen, Arnulf und Ludwig dem Kind.
891 Kaiser Arnulf schenkt dem Kloster St. Emmeram den Codex Aureus.
895 Alle Fürsten Böhmens unterwerfen sich auf einer Reichsversammlung in Regensburg dem ostfränkischen König Arnulf.
907 Das Stammesherzogtum Bayern wird wieder herge- stellt.
9. u. 10. Jh. 905 wird Luhe, 929 Nabburg, 1034 Amberg, 1052 Parkstein, 1061 Eger und 1071 Sulzbach erwähnt.
"Nordgau", "Neuböhmen" und "Oberpfalz", so nannte man die Landschaft zwischen Böhmerwald und Fränkischer Alb, zwischen Fichtelgebirge und Donau zu unterschiedlichen Zeiten. Daß sie heute Oberpfalz heißt und ein Regierungsbezirk des Freistaates Bayern ist und nicht der Westbereich der Tschechischen Republik, ist ein Ergebnis seiner Herrschaftsgeschichte.
Vom 6. bis ins 12. Jahrhundert wurden immer wieder neue Ortschaften angelegt, bald nicht mehr nur an den fruchtbaren Flußufern, sondern auch durch Rodung der großen Wälder. Siedlungsnamen auf "reuth" und "schwand" deuten auf diese Zusammenhänge (Tischenreuth, Püchersreuth, Kürmreuth, Altenkreith, Neuenschwand, Schwandorf, Großenschwand usw.). Die "reuth"-Orte sind an einer Linie Hersbruck- Weiden-Neuenhammer fast ohne Mischzone gegen "rieht" und "richt" weiter südlich abgegrenzt. 9 Ursprünglich war dies nicht der Fall. 9 H. Muggenthaler, Die Besiedlung des Böhmerwaldes, Passau 1929
10
Denn all diese Endungen haben sich aus der gleichen Grundlage entwickelt, dem uns in den Urkunden des Mittelalters begegnenden - rint, das einst einheitlich viel weiter nach Süden reichte. Die Unterscheidung in reuth/rieht wurde erst sehr viel später an jener Linie bewußt, die auch heute noch als "Dialektgrenze" gilt. "Die Umwandlung des -rieht in -richt ist jedoch jünger." 10 So kann man feststellen, daß das heutige Ullersricht (bei Weiden) in den Jahren 1415, 1454 und noch 1500 als Ullresreuth genannt wird; jedoch seit 1476 setzt sich die Form von Ullesrieht durch. Ermersricht (bei Weiden) hieß zuerst Ermersreut/Ermanreut u.ä., seit 1467 jedoch Ermersriet. So könnten noch weitere Beispiele angeführt werden.
Zu den mächtigsten Adelsgeschlechtern auf dem Nordgau zählten die Babenberger in Schweinfurt, die Grafen von Hirschberg im Altmühltal, die Herren von Velburg und die von Helfenberg. Die Diepoldinger oder Rapotonen, welche zeitweise als Markgrafen in Cham, in Vohburg und in Nabburg saßen, hatten auch Besitzungen in Eschlkam, Haidstein, Runding, Wetterfeld, in Neuhaus/WN, in Falkenberg, Liebenstein und Hohenburg.
Man begegnet diesen adeligen Familien des Mittelalters heute noch in ihren Burgen, deren Ruinen kaum irgendwo so zahlreich erhalten sind wie in der Oberpfalz.
973 Böhmen wird kirchenrechtlich vom Bistum Regensburg getrennt.
1003-4 Markgraf Heinrich empört sich gegen König Heinrich II. Das Landgericht Hirschberg wird vom Nordgau getrennt.
1007 Das Königsgut zwischen Pegnitz, Regnitz und Vils wird dem Bistum Bamberg zugewiesen.
1098 Das Benediktinerkloster Kastl bei Amberg entsteht, Gründer ist Graf Berengar von Sulzbach.
1109 Der hl. Otto, Bischof von Bamberg, gründet das Benediktinerkloster Prüfening.
1118 Markgraf Diepold gründet das Benediktinerkloster Reichenbach.
1119 Das Benediktinerkloster Michelfeld wird durch den hl. Otto gegründet.
Nicht nur die Adelsgeschlechter muß man erwähnen, wenn man ergründen will, wie die Oberpfalz zu einer für die mittelalterliche Zeit rela- tiv dicht besiedelten Landschaft geworden ist. Insbesondere die Kir- che hat hier mitgewirkt. Schon sehr früh finden wir eine Häufung von Kloster- und Kirchenstiftungen durch Könige, Herzöge und Adelige. Güter, Teiche, Wälder wurden geschenkt, und die Klöster begannen 10 Heinrich Klotz, Die Umwandlung der Endung "rieht" in "richt" in den heimischen Ortsnamen, in: Heimatblatt für den oberen Naabgau, Jg. 11/12., Weiden 1933/34, S. 69 f.
11
ebenso ihren "Machtbereich" durch Rodungen und Ansiedelungen auszu-
weiten.
1121 Der Pfalzgraf Otto von Wittelsbach gründet das
Benediktinerkloster Ensdorf.
1133 Als Gründer für das Zisterzienserkloster Waldsassen
wird Markgraf Diepold genannt.
1143 Der Burggraf Otto I. von Regensburg gründet das
Zisterzienserkloster Walderbach.
1145 Das Prämonstratenserkloster Speinshart wird durch
die fränkischen Adeligen Adelvolk von Reiffenberg
und dessen Brüder gegründet.
Die Politik des Adels und der Klöster war, das ganze Land
untereinander territorial aufzuteilen. Das offensichtlich verfolgte
Ziel war die Reichsunmittelbarkeit.
Dieses Ansinnen brachte den Adel und die Klerikalen in Konflikt mit
den bayerischen Herzögen. Die Herzöge hatten Glück: Eine Reihe der
großen Adelsgeschlechter ist im 12. und 13. Jahrhundert
ausgestorben, und die bayerischen Herzöge haben - zu Recht oder
[und] mit Gewalt - ihr Erbe angetreten. Und so blieb der Nordgau ein
Teil des bayerischen Herzogtums. Doch nicht überall. Eine Reihe von
Herrschaften konnten über viele Jahrhunderte hinweg ihre
Reichsunmittelbarkeit behaupten. In der Oberpfalz waren es mehr als
im gesamten sonstigen altbayerischen Raum. 11
1147 König Konrad III. schifft sich in Regensburg zum
zweiten Kreuzzug ein.
1149 Auflösung der Markgrafschaft auf dem Nordgau. Sie
zerfällt in einzelne Herrschaften. Die Mehrzahl von
ihnen wird in den nächsten Jahrzehnten von den
Wittelsbachern erworben.
1156 Auf dem Reichstag zu Regensburg trennt Kaiser
Friedrich Barbarossa Österreich von Bayern.
1180 Auf dem Reichstag zu Regensburg verleiht Friedrich
Barbarossa das Herzogtum Bayern dem Pfalzgrafen
Otto v. Wittelsbach.
1189 Friedrich Barbarossa sammelt sein Kreuzheer in
Regensburg.
13. Jh. Regensburg wird unabhängig von Herzog und Bischof.
1256 tritt es dem Rheinischen Städtebund bei.
1230-40 Beginn des Dombaues in Regensburg.
1241 König Konrad IV. urkundet in Weiden.
1270 Erste Erwähnung des Bergbaues bei Amberg.
11 W. Volkert und E. Schremmer, Oberpfalz, in: Spindler M., Handbuch
der bayer. Geschichte, Bd. III, 2 München 1971
12
1305 Die Grafschaft Sulzbach fällt an die Wittelsbacher.
1314 Verpfändung des Egerlandes an Böhmen.
1322 Friedrich der Schöne von Österreich wird als Ge- fangener Ludwigs des Bayern auf die Burg Trausnitz im Pfreimdtal verbracht.
Im Jahre 1314 wird erstmals ein Wittelsbacher deutscher König; Herzog Ludwig von Oberbayern. Auf dem Rückweg nach Deutschland siegelt er einen Vertrag, in dem er seine Lande mit den beiden Söhnen und einem Enkel seines verstorbenen Bruders Rudolf teilt. Dieser Vertrag 12 ist unter der Bezeichnung "Hausvertrag von Pavia" in die Geschichte eingegangen und hatte für das Schicksal Deutschlands, Bayerns und der Oberpfalz außerordentlich weitreichende Bedeutung. Man weiß in der Oberpfalz nur recht vage von der alten Zusammengehörigkeit der Lande an Rhein und Neckar und jener an Naab und Vils während der Herrschaft der wittelsbachischen Kurpfälzer. 13
Die Herrschaftszersplitterung wurde noch größer. Die Wittelsbacher teilten das Gebiet, das sie eben erst mühsam erworben hatten, unter den verschiedenen Zweigen ihrer Familie auf. Ludwig behielt Oberbayern, den Nachkommen seines Bruders vermachte er die Pfalz und den bayrischen Nordgau nebst der Kurwürde, d.h. der jeweilige Chef des Hauses Pfalz-Wittelsbach hatte Stimmrecht bei der Wahl eines deutschen Königs. Zur Hauptstadt des neuen zweiteiligen Staatswesens wurde Heidelberg erkoren, und Amberg wurde die Landeshauptstadt auf dem Nordgau mit einem Viztumamt, wohin man mit Vorliebe den zukünftigen Kurfürsten schickte, um Regierungserfahrung zu sammeln. Von nun an bürgerte sich statt des alten Landnamens "Nordgau" die Bezeichnung "Obere Pfalz" als Gegenpart zur "Unteren Pfalz" am Rhein ein, woraus später dann unser heutiger Name "Oberpfalz" wurde. Die Oberpfalz hat einerseits den jüngsten und andererseits zugleich den ältesten Namen unter allen bayerischen Regierungsbezirken. Der Ausdruck "Pfalz" geht auf das Palatium, den Mons Palatinus, einen der sieben Hügel Roms, zurück.
Dieser Vertrag also, "die folgenschwerste aller Wittelsbachischen Teilungen" 14 , riß das mühsam erweiterte Staatsgebiet der oberbayerischen Linie samt den Erwerbungen im Nordgau abermals auseinander.
Ebenfalls im Jahre 1329 wurde das neue Viztumamt Amberg für "unser Land hieroben zu Bayern" 15 neugebildet. Nebst dieser einheitlichen Durchgliederung des Staatsraumes der Wittelsbacher, in der sich Ver- waltungsämter und Landgerichte im wesentlichen deckten, stellt die Organisation des Beamtentums für die Domänen- und Zinsgüterverwal- tung, für das Zoll-, Zehnt- Steuer- und Forstwesen die bedeutendste Leistung der Wittelsbachischen Staatsbildung dar. 12 1329 13 Otto Schmidt, Vom Palatinus zur Oberpfalz, Zur Geschichte und zum Namen unseres Regierungsbezirks, in: OH Bd. 27 (1983), S. 7-17 14 S. Riezler, Geschichte Bayerns II, S. 388 f.
15 Otto Schmidt: a.a.O.
13
1353 erwirbt Karl IV. die nördliche Oberpfalz (Neuböhmen) für Böhmen.
Dadurch entstanden nochmals neue Grenzen quer durch die Oberpfalz. Es braucht nicht besonders erwähnt zu werden, daß unter diesen Streitigkeiten innerhalb der Herzogfamilie auch die Bewohner zu leiden hatten. Vor allem bot sich so den Königen von Böhmen die Möglichkeit, in das Schicksal der Nachbarlandschaft einzugreifen. Eine Reihe von Adeligen aus dem Nordgau erwarb, neben den Wittelsbachern, Herrschaftsrechte, die unter der Bezeichnung "Neuböhmen" zusammen-geschlossen wurden.
1410 erfolgt die Teilung der Oberpfalz: An Kurfürst Ludwig III. fällt das Kurpräzipuum mit Amberg, an Pfalzgraf Johann der größere Teil mit Neumarkt und Neunburg vorm Wald.
14
AUSGANG DES MITTELALTERS
Der Papst kehrte 1377 von Avignon nach Rom zurück. Aber viele Jahrzehnte wurde neben dem in Rom gewählten Papst in Avignon ein von den Franzosen abhängiger Papst inthronisiert. In dieser Lage wurde die seit langem erhobene Forderung nach Berufung eines Konzils immer entschiedener vertreten. Schließlich trat das Konzil in Pisa zusammen, das die beiden alten Päpste absetzte und Johann XXIII. zum Papst wählte. Die abgesetzten Päpste verzichteten nicht, so hatte man jetzt drei Päpste.
Auf dem Nährboden der innerkirchlichen Mißstände und Wirren erwuchsen aus dieser Kritik am Papsttum in der zweiten Hälfte jenes Jahrhunderts sehr viel massivere Angriffe, darunter die aufrüttelnden Schriften über die Herrschaftsordnung aus der Feder des Oxforder Kirchengelehrten John Wyclif (1330-1384). Herrschaft, lehrte Wyclif, sei durch Recht legitimierter Besitz; während aber Besitz in der Sphäre der offensichtlich unvollkommenen weltlichen Reiche nicht gerechtfertigt zu werden brauche, könne Besitz in der Kirche, die eine vollkommene Gesellschaft sein solle, nur durch persönliche Rechtschaffenheit legitimiert werden.
"Da die Hierarchie sündig und durch weltliche Gier korrumpiert worden sei, habe sie das Recht eingebüßt, Macht auszuüben und das ihr überlassene Eigentum zu besitzen." 16
In Oxford erhob also John Wyclif einen Kampfruf gegen die absolute Autorität des Papstes. Seine Lehren wurden von Johann Hus 17 aufgenommen, bei dem sich eine nationaltschechische Bewegung in Böhmen, die gegen den deutschen Einfluß auftrat, mit den neuen kirchlichen Gedanken verband. Schließlich setzte König Sigismund die Berufung eines Konzils nach Konstanz durch, das von 1415-18 tagte und sich als dem Papst übergeordnet erklärte.
Hus erschien in Konstanz. Doch die Konservativen behalten die Oberhand, Sternstunden werden versäumt. König Sigismund, erst am 08.11.1414 zum deutschen König gekrönt, dem selbst an einem über die Kirche hinausgehenden Reformwerk gelegen war, hatte im Einvernehmen mit seinem Bruder Wenzel den auch von diesem geschätzten nationaltschechischen Reformator Magister Jan Hus zur Vertretung seiner von Wyclif'schen Ideen bestimmten Thesen nach Konstanz eingeladen.
Sein Geleitbrief 18 wird von der Kongreßleitung mißachtet, Hus beim gastgebenden Bischof in Haft gesetzt, einem "Ketzerprozeß" unterworfen und ohne wirksame Intervention Sigismunds, der den Kongreß nicht platzen lassen will, am 06. Juli 1415 verurteilt und noch am 06. öffentlich verbrannt. Von mancher Seite wird bezweifelt, ob der Geleitbrief die Sicherheit des Johann Hus auch für die Zeit 16 A.R. Myers. Europa im 14. Jahrhundert, Propyläen Weltgeschichte, Bd. 5, S. 603, Frankfurt 1991 17 geboren 1369 zu Husinetz in Böhmen 18 Josef Dollacker führt aus, daß Kaiser Sigismund Hus zum Schutze noch 3 böhmische Adelige mit auf den Weg gab, vgl. Ders. in: Einiges von den Hussitenkriegen, in: DO 27 (1933).
15
Quote paper:
Gerhard Reiß, 1995, Geschichte der nördlichen Oberpfalz, Munich, GRIN Publishing GmbH
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