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Inhaltsverzeichnis:
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1 Einleitung 2
2 Romano Guardini 3
2.1 Sein Leben 3
2.2 Sein Werk 4
3 Das Ende der Neuzeit 5
3.1 Die Ausgangssituation: Das Mittelalter als komplexe Einheit 6
3.2 Charakteristik der Neuzeit: Streben nach Autonomie 7
3.2.1 Der neuzeitliche Begriff der Natur 9
3.2.2 Subjektivität als Persönlichkeit 9
3.2.3 Kultur als Schöpfung 10
3.3 Ende und Epochenbruch - Übergang von der Neuzeit zur Nachneuzeit 11
3.4 Anzeichen für das Kommende: Versuch einer Orientierung 11
3.4.1 Die Macht 12
3.4.2 Die Masse 12
3.5 Das Hervortreten der Person und die Religiosität der kommenden Zeit 14
4 Interpretation, Diskussion und Kritik zum Ende der Neuzeit 16
4.1 Idealisierung des Mittelalters und Ablehnung der Neuzeit? 17
4.2 Romano Guardini als ästhetische Existenz ? 18
4.3 Das Ende der Neuzeit eine undeutliche Skizze? 19
4.4 Das Verhältnis von Neuzeit und christlichem Bewußtsein 21
5 Ungeschichtlichkeit und Geschichtlichkeit 22
Literaturverzeichnis 28
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1 Einleitung
Unter dem Titel "Verlust der Persönlichkeit und Profilierung der Person" beschäftigt sich diese Arbeit mit dem Buch "Das Ende der Neuzeit" von Romano Guardini. Sie verfolgt die Linien, die Guardini zieht, vom Mittelalter über die Auflösung der mittelalterlichen Einheit und die Entwicklung der neuzeitlichen Diversifikation und Autonomie bis hin zum diagnostizierten Ende der Neuzeit. Auch Guardinis Zukunftsprognose wird dabei näher betrachtet. Die schon bald nach dem Erscheinen des Buches aufkommende Diskussion über Guardinis "Ende der Neuzeit" wird ebenfalls mit in die Arbeit einbezogen. So werden einzelne Kritikpunkte von Clemens Münster, Walter Dirks und Gerhard Krüger vorgestellt und auch ein erst sehr viel später erschienener Artikel von Michael Theunissen findet Berücksichtigung. Nicht zu vernachlässigen sind die zahlreichen wissenschaftlichen Ausarbeitungen, die über Guardini, über sein Wirken und seine Wirkung, erschienen sind. Hierbei soll unter anderem Bezug genommen werden, auf Eugen Bisers "Interpretation und Veränderung", auf den umfangreichen Band von Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz sowie auf Beiträge von Helmut Kuhn, Heinz Robert Schlette, Heinrich Lutz und Joseph F. Schmuckervon Koch. Das Spektrum der Einschätzungen reicht von der positiven Bewertung als treffende Analyse der Neuzeit und prägnanter Deutung der Gegenwart über den Vorwurf einer gewissen Undeutlichkeit und Ungenauigkeit in der historischen Charakteristik bis hin zur Einstufung als "falscher Alarm" bei Theunissen. Interessant wäre auch ein Vergleich von Guardinis "Das Ende der Neuzeit" und den davor oder danach erschienenen Zeitdeutungen von Karl Jaspers "Die geistige Situation der Zeit" (erste Auflage 1931, in späteren Auflagen teilweise überarbeitet), Martin Heideggers "Die Zeit des Weltbildes" (1938) und Hans Blumenbergs "Die Legitimität der Neuzeit" (Ersterscheinungsjahr 1966, später verändert und neu bearbeitet), der im Rahmen dieser Arbeit aber nicht möglich ist. Auf die sehr komplexe Debatte zur Frage "Moderne oder Postmoderne?" kann ebenfalls nicht näher eingegangen werden, obwohl sich zwischen Guardini, der zwar nicht Ausgangs- und Bezugspunkt dieser Debatte ist, und der genannten Problematik doch gewisse Verbindungen erkennen lassen. 1 Den Abschluß der vorliegenden Arbeit bildet ein zusammenfassendes eigenes Urteil. Zunächst darf aber ein knapper Überblick über Guardinis Leben und Wirken nicht fehlen.
1 In Bezug auf den Postmoderne-Diskurs siehe unter anderem KOSLOWSKI, PETER, SPAEMANN, ROBERT, LÖW, REINHARD (Hg.), Moderne oder Postmoderne? Zur Signatur des gegenwärtigen Zeitalters, Weinheim 1986. Vgl. darin besonders im ersten Abschnitt "Statt einer Einleitung" S. 14f., wo Koslowski Guardinis "Das Ende der Neuzeit" zitiert und gedanklich einbindet. Siehe auch WELSCH, WOLFGANG, Neuzeit - Moderne - Postmoderne, in: ders., Unsere postmoderne Moderne, Weinheim 1987, S. 65 - 85, oder DERS. (Hg.), Wege aus der Moderne. Schlüsseltexte der Postmoderne-Diskussion, Weinheim 1988.
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2 Romano Guardini
Philosoph und Theologe, Kulturkritiker und Literaturinterpret, Hochschullehrer und Pädagoge, Priester und Seelsorger - in vielfältiger Weise war Romano Guardini, der große "Denker christlicher Existenz" 2 , tätig und wirksam. Er lebte von 1885 bis 1968.
2.1 Sein Leben
Am 17. Februar 1885 nahm Guardinis Lebensweg in der Stadt Verona seinen Anfang. Doch bereits ein Jahr später, 1886, siedelte die ganze Familie nach Mainz über, das für Guardini der Ort seiner Kindheit und Jugendzeit werden sollte. Im Anschluß an die Reifeprüfung 1903 begann Guardini mit dem Studium der Chemie in Tübingen, wechselte aber schon bald darauf zum Studium der Nationalökonomie in München beziehungsweise Berlin und entschied sich schließlich für das Theologiestudium in Freiburg im Breisgau und - für die folgenden Semester - in Tübingen. 1910 wurde er zum Priester geweiht und verbrachte in der Folgezeit seine Kaplansjahre an verschiedenen Stellen in der Diözese Mainz, unter anderem in Darmstadt, in Worms und in der Bischofsstadt Mainz. Um Religionsunterricht geben zu können, mußte er 1911 die deutsche Staatsbürgerschaft annehmen. Seine Promotion zum Doktor der Theologie erfolgte im Jahr 1915 in Freiburg im Breisgau. Sieben Jahre danach habilitierte Guardini sich an der Universität Bonn für katholische Dogmatik. In diesem Zeitraum ergaben sich auch die ersten Kontakte zur Benediktinerabtei Maria Laach in der Eifel, die sich allmählich zu einem Zentrum der liturgischen Erneuerung in Deutschland entwickelte, und zur Jugendbewegung des Quickborn auf der Burg Rothenfels am Main, wo sich Guardini, bis zu ihrer Schließung durch die Nationalsozialisten, noch oft und lange aufhielt, eine intensive Verbindung pflegend. Nach seiner Tätigkeit als Privatdozent in Bonn wurde Romano Guardini auf den neu eingerichteten Lehrstuhl für "Katholische Religionsphilosophie und Weltanschauung" an der Berliner Universität berufen, den er bis zu dessen Aufhebung im Frühjahr 1939 innehatte. Die letzten Jahre des zweiten Weltkrieges, in denen auch seine autobiographischen Aufzeichnungen entstanden, verbrachte er im Dorf Mooshausen im Allgäu bei dem dortigen Pfarrer Josef Weiger. 3
2 So heißt es auf dem Einband des Buches von KUHN, HELMUT, Romano Guardini. Der Mensch und das Werk, München 1961. Im Folgenden: KUHN, Guardini.
3 Vgl. unter anderem GUARDINI, ROMANO, Berichte über mein Leben. Autobiographische Aufzeichnungen, herausgegeben von Franz Henrich, Düsseldorf 1984, S. 134ff.
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Nach Kriegsende, im Herbst 1945, erhielt Guardini den Ruf an einen Lehrstuhl für christliche Weltanschauung, der an der Tübinger Universität speziell für ihn errichtet worden war. Schwierig gestaltete sich hier, wie vorher schon in Berlin und später dann auch in München, seine Stellung und seine Anerkennung im Rahmen der Universität, zum einen zwischen Theologie und Philosophie stehend, zum anderen gekennzeichnet von einer relativen Abgeschlossenheit und von einer großen Zurückhaltung der meisten anderen Professoren und Dozenten. Bereits wenige Jahre später wechselte Guardini von Tübingen nach München an die dortige Universität, wo er wiederum einen Lehrstuhl für Religionsphilosophie und katholische Weltanschauung "ad personam", für ihn ins Leben gerufen, einnahm. Seine Lehrtätigkeit in München dauerte von 1948 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1962. Daneben predigte Guardini in den akademischen Gottesdiensten an der Universitätskirche St. Ludwig und hielt zahlreiche Vorträge außerhalb des universitären Rahmens, wobei Vorlesung, Vortrag und Predigt für ihn immer ein eng miteinander verbundenes Ganzes bildeten. Ausgezeichnet wurde Guardini unter anderem 1952 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels und 1962 in Brüssel als Gestalt von europäischer Bedeutung mit dem Erasmus-Preis. Am 1. Oktober 1968 starb Romano Guardini im Alter von 83 Jahren in München. 4
2.2 Sein Werk
Das sehr umfangreiche und sehr komplexe Werk von Romano Guardini erlaubt an dieser Stelle nur einen Blick auf die wichtigsten Veröffentlichungen und Themen. Seine Schriften sind oft aus dem Gespräch heraus, aus Vorträgen und Vorlesungen entstanden, ohne vorher als systematisches Ganzes geplant gewesen zu sein. Und doch ist sein Werk nicht Fragment geblieben, sondern bildet eine "innere, sich durchhaltende Einheit". 5 Im Bereich der Theologie sind zu erwähnen die "Unterscheidung des Christlichen", eine Sammlung verschiedener Studien zum Christentum, die 1935 das erste Mal aufgelegt wurde, das Buch "Jesus Christus. Sein Bild in den Schriften des Neuen Testaments" aus dem Jahr 1940, der 1948 veröffentlichte Band "Freiheit, Gnade, Schicksal", die Schrift "Religion und Offenbarung", 1958 erschienen, und das Werk "Wunder und Zeichen" von 1959. Zu nennen
4 Zur Biographie vgl. GERL, HANNA-BARBARA, Romano Guardini 1885 - 1968. Leben und Werk, Mainz 1985, an dieser Stelle vor allem S. 330ff. und S. 343ff. Im Folgenden kurz: GERL, Guardini. Siehe auch SCHMUCKER- VON KOCH,JOSEPH F., Romano Guardini: Christlicher Realismus und menschliche Selbstbestimmung, in: Speck, Josef (Hg.), Grundprobleme der großen Philosophen. Philosophie der Gegenwart VI, Göttingen 1984, S. 189 -
226, hier S. 189 - 191. Im Folgenden: SCHMUCKER-VON KOCH, Guardini.
5 Vgl. SCHLETTE, HEINZ ROBERT, Romano Guardini. Werk und Wirkung, Bonn (1973) 2 1985, S. 9. Im Folgenden: SCHLETTE, Guardini.
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sind ferner das Buch "Die Annahme seiner selbst", die "Briefe vom Comer See", geschrieben in den Jahren von 1923 bis 1925, publiziert 1927, "Der Herr. Betrachtungen über die Person und das Leben Jesu Christi", ein Band über "Die Lebensalter" und die Werke "Vom Sinn der Kirche" und "Vom Sinn der Schwermut". Interpretationen von Romano Guardini, literarischer und auch theologischer Art, existieren unter anderem zu den "Confessiones" von Augustinus und dem darin geschilderten Vorgang seiner Bekehrung, zu Texten des Philosophen Blaise Pascal, zu Dantes göttlicher Komödie, zu einzelnen Stellen aus dem Neuen Testament, zu den Dichtungen von Hölderlin und Mörike, zu den Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke und seiner Deutung des Daseins, zu Gestalten aus dem Werk Dostojewskis und, unter dem Titel "Der Tod des Sokrates" zu einem Teil der platonischen Schriften. Es gibt außerdem eine von Guardini verfaßte Psalmen-Übersetzung und eine deutsche Version vom "Sonnengesang" des Franz von Assisi. An philosophischen Werken finden sich, um nur einige aufzuführen, "Der Gegensatz. Versuche zu einer Philosophie des Lebendig-Konkreten", ursprünglich aus dem Jahr 1917, in einer überarbeiteten Fassung 1925 erschienen, das wichtige anthropologische Werk "Welt und Person. Versuche zur christlichen Lehre vom Menschen", 1939 erstmalig veröffentlicht, und "Die Macht. Versuch einer Wegweisung" von 1951. 6
3 "Das Ende der Neuzeit"
Im Jahr 1950 erschien Romano Guardinis Buch "Das Ende der Neuzeit". Ursprünglich fungierten die Kapitel dieses Buches als Einleitung zu einer Vorlesung über Blaise Pascal, die Guardini im Wintersemester 1947/48 in Tübingen und im Sommersemester 1949 in München gehalten hat. 7 Er beschäftigt sich in seinem Werk mit der Neuzeit, mit ihrer Entstehung, mit den Merkmalen, die kennzeichnend für sie waren und sind, und wie der Titel es bereits sagt, mit ihrem Ende, einschließlich eines Blicks in die kommende Zeit. Dem Buch ist eine Dreiteilung vorgegeben - Guardini kündigt sie selbst im Vorwort an 8 und das
6 Vgl. die Zusammenstellung von Gerhard Wagner in: KUHN, Guardini, S. 106 - 112. Eine umfassendere, aber ebenfalls nicht mehr ganz aktuelle Übersicht findet sich in: KATHOLISCHE AKADEMIE IN BAYERN (Hg.), Bibliographie Romano Guardini (1885 - 1968). Guardinis Werke. Veröffentlichungen über Guardini. Rezensionen, erarbeitet von Hans Mercker, Paderborn 1978.
7 Vgl. GUARDINI, ROMANO, Das Ende der Neuzeit. Ein Versuch zur Orientierung, (Basel 1 1950) Mainz / Paderborn 11 1989, S. 9. Im Folgenden: GUARDINI, Neuzeit. Die darin veröffentlichten Überlegungen stehen in engem Zusammenhang mit den Gedanken in den vorausgehenden Werken "Briefe vom Comer See" (1927), "Welt und Person" (1939), "Freiheit, Gnade, Schicksal" (1948), in dem späteren Werk "Die Macht" (1951), sowie in den nachfolgenden Reden "Der unvollständige Mensch und die Macht" (1956) und "Die Kultur als Werk und Gefährdung" (1957).
8 Vgl. ebd.
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Inhaltsverzeichnis vermerkt ebenfalls drei Hauptteile 9 . Den Ausgangspunkt bildet das Mittelalter. Um nämlich die sich anschließende Darstellung der Neuzeit entsprechend klar und deutlich abzugrenzen und hervorzuheben, schildert Guardini sehr ausführlich die charakteristischen Züge des Mittelalters, nicht ohne vorher die Grenze zwischen Mittelalter und Antike gezogen und das Unterscheidende beider Epochen herausgearbeitet zu haben. Als Gemeinsamkeit des antiken und des mittelalterlichen Menschen sieht Guardini zunächst dessen Vorstellung von der Welt als begrenztes Gebilde. 10
3.1 Ausgangssituation: Das Mittelalter als komplexe Einheit
Das Mittelalter ist für Guardini dann aber, im Gegensatz zur "Freizügigkeit der menschlichkulturellen Bewegung" in der Antike, geprägt durch ein Gestützt-Sein, ein Gegründet-Sein auf Autorität. Zum einen ist das die Literatur der Antike, sind es die Schriften des Aristoteles, zum anderen, entscheidend und unterscheidend, ist das die Autorität der biblischen Offenbarung. Diese stellt einen Stützpunkt außer und über aller Gegebenheit des Weltdaseins dar. Der antike Mensch hatte keinen solchen festen Punkt außerhalb der Welt. 11 Der mittelalterliche Mensch dagegen vollzieht eine "Bewegung über die Welt hinaus" und ist bestimmt durch eine absolute Gottesgewißheit. Er weiß Gott als souveränes Gegenüber zur Welt. 12 Von da aus konstruiert er sein Dasein, konstruiert er die Ordnung der Welt als Ganzes. Dies geschieht in Staat und Gesellschaft durch die zwei Ideen von Kirche und Reich, verkörpert in Papst und Kaiser, letztlich verbunden durch die Idee einer großen Einheit, der Hierarchie. In Philosophie und Theologie ist dafür die durchkonstruierte Ordnung der Summen, der philosophischen und theologischen Systeme, charakteristisch. Die Gesamtordnung des Daseins findet sich außerdem auch im Kult wieder - einerseits in der Liturgie, zum Beispiel im Nacheinander der Feste und Zeiten des Kirchenjahres, andererseits im Kirchenbau als Ganzes, in der Komplexität der mittelalterlichen Kathedralen. Diese Ordnung ist kennzeichnend für das Nacheinander der Geschichte und prägend für das Verhältnis von Ewigkeit und Zeit. 13 Für den mittelalterlichen Menschen hat das Dasein einen
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Dies sind: Daseinsgefühl und Weltbild des Mittelalters - Die Entstehung des neuzeitlichen Weltbildes - Die Auflösung des neuzeitlichen Weltbildes und das Kommende. Vgl. auch GUARDINI, Neuzeit, S. 5.
10 Vgl. GUARDINI, Neuzeit, S. 11.
11 Vgl. GUARDINI, Neuzeit, S. 12f.
12 Vgl. GUARDINI, Neuzeit, S. 15ff. Neben der transzendenten Bewegung spricht Guardini auf S. 18f. außerdem von der Immanenz, dem "Überschritt in die Welt hinein", in das "tiefste Innen" für ihn auch ein "Ort Gottes".
13 Vgl. GUARDINI, Neuzeit, S. 23.
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tiefen symbolischen Gehalt. Unzählige Symbole finden sich im Kult und in der Kunst, im Volksgebrauch und im gesellschaftlichen Leben. Das Symbol weist in seiner als real angesehenen Existenz über sich selbst hinaus, oder wie Guardini auch formuliert, es "kommt von über sich herab" 14 , von jenseits seiner hervor.
In Bezug auf die Autorität ist Guardini der Ansicht, daß es falsch sei, von "Unfreiheit" zu reden. Das einheitliche Daseinsgefühl des mittelalterlichen Menschen empfinde "Autorität nicht als Fessel". Als die vier Elemente des "mittelalterlichen Grundwillens" benennt Guardini die tiefe und vielfältige, aber trotzdem "im Grundsätzlichen" eindeutige Religiosität, das gewaltige "Verlangen nach Wahrheit", das grundlegende "Bewußtsein vom Symbolgehalt des Daseins" und das künstlerische Element, in dem sich der "Wille zur Wahrheit" und der Wille zur Gestaltung verbinden, und so die Wahrheit nicht nur gesagte sondern auch geformte Wahrheit ist. 15 Alles in allem sieht Guardini das Mittelalter als eine zur Einheit geformte Weltfülle, wo "das Jetzt des Existierens einen deutlich empfundenen Ort in der Weltzeit" 16 hatte.
3.2 Charakteristik der Neuzeit: Streben nach Autonomie
Dieses von Guardini skizzierte mittelalterliche Daseinsgefühl löst sich jedoch in der Folgezeit, beginnend bereits im 14. Jahrhundert, sich durch das 15. und 16. Jahrhundert ziehend, nach und nach auf. Grundlegend gekennzeichnet ist dieser Wandlungsprozeß durch ein Herauslösen aus den Bindungen des Glaubens und die Abkehr von vorgegebenen Autoritäten, durch das aufkommende Verlangen nach individueller Bewegungsfreiheit und das Streben nach Autonomie. Sichtbar wird dies vor allem in der Wissenschaft. Die Welt wird nicht mehr, wie im Mittelalter, konstruiert, sie wird erforscht. Wissenschaft bedeutet nicht einfach weiter, wie bisher entscheidend, "Versenkung" in die Wahrheit der "autoritativen Quellen". Vielmehr drängt "der Erkenntnistrieb ... unmittelbar zur Wirklichkeit der Dinge. Er will, unabhängig von vorgegebenen Mustern, mit eigenen Augen sehen, mit eigenem Verstand prüfen und zu einem kritisch begründeten Urteil gelangen." 17 In der Naturwissenschaft entstehen auf diese Weise das neuzeitliche Experiment und die rationale
14 GUARDINI, Neuzeit, S. 27. Zum Symbolverständnis vgl. auch S. 32 und S. 44. Der "extensiven Endlichkeit" der mittelalterlichen Welt steht für Guardini die "intensive Unendlichkeit", ausgedrückt im Symbol, gegenüber.
15 Vgl. GUARDINI, Neuzeit, S. 26ff.
16 GUARDINI, Neuzeit, S. 23.
17 GUARDINI, Neuzeit, S. 30.
Quote paper:
Dipl.-Theol. Christoph Körner, 2000, Verlust der Persönlichkeit und Profilierung der Person. Über "Das Ende der Neuzeit" von Romano Guardini, Munich, GRIN Publishing GmbH
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