1
Inhaltsverzeichnis:
Seite
1 Einleitung 2
2 Zur Biographie von René Descartes 2
3 Das Cogito, ergo sum 4
3.1 Ansatzpunkt: Der methodische Zweifel 5
3.2 Das Ich als res cogitans oder was Descartes unter cogitare versteht 7
3.3 Die Frage nach dem Sein 9
3.4 Die erste Gewißheit - unbezweifelbar? 10
3.5 Interpretation und Kritik 11
4 Vom Zweifel über das Denken zur Gewißheit des Seins 12
5 Ausblick: Selbstgewißheit und Gottesgewißheit 13
Literaturverzeichnis 16
2
1 Einleitung
"Vom Zweifel über das Denken zur Gewißheit des Seins" will diese Arbeit dem gedanklichen Weg folgen, den René Descartes gegangen ist, um zur Gewißheit des Selbst zu gelangen. Ausgehend vom methodischen Zweifel, der im ersten Abschnitt dargestellt wird, soll dann im zweiten Abschnitt die Subjektivität der Aussage des "Cogito, ergo sum", also das "Ich", näher betrachtet werden. Im weiteren Verlauf wird untersucht, was Descartes eigentlich unter "cogitare", "denken", versteht und was "sein" bzw. "Existenz" für ihn heißt. Die Frage, ob denn die eigene Existenz, für Descartes die erste Gewißheit, wirklich so unbezweifelbar ist, stellt sich dann im folgenden Abschnitt. Danach sollen zunächst, vor einer eigenen Bewertung, verschiedene Interpretationen des "Cogito, ergo sum" kurz vorgestellt werden. Ein Ausblick auf den engen Zusammenhang zwischen der Erkenntnis der Selbstgewißheit und der Gottesgewißheit bei Descartes erfolgt schließlich im letzten Teil. Grundlage für die Arbeit sind die "Meditationes de Prima Philosophia" ("Meditationen über die Erste Philosophie"), eines seiner philosophischen Hauptwerke.
2 Zur Biographie von René Descartes
Einige Anmerkungen zu Leben und Werk von René Descartes am Beginn dieser Arbeit sollen nicht fehlen. Wer war jener Mann, den Wilhelm Weischedel in seinem Buch "den Philosophen hinter der Maske" 1 nennt?
René Descartes, latinisiert Renatus Cartesius, wurde am 31. März 1596 im französischen La Haye (Touraine) geboren. Er entstammte sowohl väterlicherseits, sein Vater war Jurist, als auch mütterlicherseits einer alten Adelsfamilie. In den Jahren von 1604 bis 1612 besuchte er das renommierte Collège Royal der Jesuiten in La Flèche (Anjou), wo er unter anderem die scholastische Philosophie, wie sie in der damaligen Zeit gelehrt wurde, kennenlernte. Anschließend begab er sich zu mathematischen und juristischen Studien nach Paris, bevor er, wohl von seinem Vater geschickt, 1618 in Holland mit einer Ausbildung in der Armee des Prinzen Moritz von Oranien begann. In der folgenden Zeit kam René Descartes entweder mit dem Militär - es ist die Zeit des beginnenden dreißigjährigen Krieges - oder auf privaten Reisen durch weite Teile Europas, so im
1 WEISCHEDEL, W., Descartes oder Der Philosoph hinter der Maske, in: ders., Die philosophische Hintertreppe. Die großen Philosophen in Alltag und Denken, München (1966, 1973) 29 1999, S. 114 - 124, hier S. 114. Im Folgenden: WEISCHEDEL. Ob die Bezeichnung wirklich zutreffend ist, die Descartes in einer ähnlichen Formulierung selbst gebraucht hat, soll an dieser Stelle nicht näher untersucht werden.
3
Sommer 1619 nach Kopenhagen und Danzig sowie durch Böhmen, Ungarn, Österreich und schließlich nach Neuburg bei Ulm ins Winterquartier. An diesem Ort ging ihm, der Überlieferung nach, im sogenannten "Inauguraltraum der Cartesianischen Philosophie" mit der grundsätzlichen Frage "Quod vitae sectabor iter?" ("Welchen Lebensweg soll ich einschlagen?") bereits die Problematik der Methode durch den Kopf, mit der er sich später noch eingehender beschäftigen sollte. 2 Er diente dann als Freiwilliger in der Armee des bayerischen Kurfürsten Maximilian I. und weilte schließlich wieder einige Jahre in Frankreich, erst in seiner Heimatgegend und - nach einer Unterbrechung von 1623 bis 1625 durch eine längere Italienreise - bis 1628 in Paris. Auch während des Dienstes beim Militär seine Studien fortführend, arbeitete Descartes in dieser Zeit an dem Werk über die "Regulae ad directionem ingenii" ("Regeln zur Leitung des Geistes"), das aber erst 1701 in Amsterdam veröffentlicht wurde.
Im Jahr 1628 siedelte er nach Holland über, wo er sich in die Einsamkeit zurückzog und fast völlig abgeschlossen von der Außenwelt lebte. Der größte Teil seiner Schriften, in denen er sein philosophisches System darstellt beziehungsweise seine mathematischen und naturwissenschaftlichen Studien vorlegt, entstand in der Zeit des Holland-Aufenthaltes. So erschien 1637 der "Discours de la méthode pour bien conduire sa raison et chercher la vérité dans les sciences" ("Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs und der wissenschaftlichen Wahrheitsforschung"). Das schon erwähnte Buch, die "Meditationes de prima philosophia" ("Betrachtungen zur ersten Philosophie"), eine Ausführung seiner Gedanken zur Metaphysik, wie es der Titel in Anspielung auf die aristotelische Bezeichnung richtig vermuten läßt, brachte er 1641 heraus. Von Descartes' enzyklopädischem Anspuch, "die Summe aller Wissenschaften zu kennen und zu bearbeiten" 3 , zeugen das Fragment eines großen naturphilosophischen Werkes und die 1644 veröffentlichten "Principia philosophiae" ("Die Prinzipien der Philosophie"). Neben allen mathematischen und naturwissenschaftlichen Überlegungen kristallisiert sich zunehmend die besondere Stellung der Metaphysik in seinem Denken heraus, ersichtlich auch aus der sich abzeichnenden Verschiebung des Schwerpunktes in seinen Schriften. 4
2 Vgl. WICHMANN, T., Descartes, in: Bernd, L. (Hg.), Metzler-Philosophen-Lexikon, Stuttgart 1989, S. 180 -
186, hier S. 180. Im Folgenden kurz: Metzler-Philosophen-Lexikon.
3 Ebd.
4 Bekannt und interessant ist in diesem Zusammenhang das Bild, das Descartes in der Einleitung zur französischen Ausgabe der "Principia philosophiae" zeichnet: "Die gesamte Philosophie ist also einem Baume vergleichbar, dessen Wurzeln die Metaphysik, dessen Stamm die Physik und dessen Zweige alle übrigen Wissenschaften sind, die sich auf drei hauptsächliche zurückführen lassen, nämlich auf die Medizin, die Mechanik und die Ethik ..." Vgl. Metzler-Philosophen-Lexikon, S. 181.
4
Das letzte Werk von Descartes, "Les passions de l'âme" ("Die Affekte der Seele") erschien 1649. Daneben existieren zahlreiche Briefe, Quelle vieler Informationen über seine Philosophie und Beleg für Descartes' rege Korrespondenz mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten seiner Zeit. Zu den wichtigsten von ihnen gehörte sein langjähriger Freund und Mentor Martin Mersenne in Paris, auch "Sekretär des gelehrten Europa" genannt. 5
Immer wieder war Descartes, obwohl gläubiger Katholik und trotz aller Rücksichtnahme und Vorsicht gegenüber kirchlichen Autoritäten, den Anfeindungen von Seiten der Kirche, vor allem von Seiten der Vertreter der scholastischen Tradition ausgesetzt. Eine Philosophie auf nicht-aristotelischer, nicht-scholastischer Grundlage war unerwünscht, neue Erkenntnisse in den Naturwissenschaften und in der Philosophie wurden nicht zugelassen. Descartes' Einstellung gegen die Scholastik war "jedoch keinesfalls ein Kampf gegen die Religion und das cartesianische Projekt mithin auch ein Versuch, eine katholische Philosophie fortschrittlicheren, aber dennoch dogmatischen Charakters zu etablieren" 6 . Trotzdem wurden seine Werke schon bald auf den Index der römischkatholischen Kirche gesetzt.
Ab 1647 stand Descartes im Briefwechsel mit der schwedischen Königin Christine, vermittelt durch den französischen Botschafter in Stockholm. Dem Drängen der Königin nachgebend, die unbedingt von ihm persönlich in Philosophie unterrichtet werden wollte, reiste er im Herbst 1649 in die schwedische Hauptstadt. Hier starb der große Denker, auf dem Gebiet der Mathematik Schöpfer der analytischen Geometrie und als Begründer der neuzeitlichen Philosophie geltend, vermutlich aufgrund der veränderten und für ihn ungewohnten Lebensbedingungen, bereits wenige Monate später, nämlich am 11. Februar 1650. 7
5 Vgl. OEING-HANHOFF, L., Descartes. Die Neubegründung der Metaphysik, in: Speck, J. (Hg.), Grundprobleme der großen Philosophen. Philosophie der Neuzeit I, Göttingen 2 1986, S. 35 - 73, hier S. 36. Im Folgenden kurz: OEING-HANHOFF.
6 Metzler-Philosophen-Lexikon, S. 182.
7 Zur Biographie vgl. auch BAUTZ, F. W., Descartes, René, in: ders. (Hg.), Biographisch-Bibliographisches-Kirchenlexikon, Bd. 1, Hamm (Westfalen) 1975, S. 1265 - 1272 sowie CORETH, E. UND SCHÖNDORF, H., Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts, Stuttgart 3 2000, S. 31 - 65. Im Folgenden: CORETH.
Quote paper:
Dipl.-Theol. Christoph Körner, 2000, Vom Zweifel über das Denken zur Gewißheit des Seins. René Descartes und das "Cogito, ergo sum", Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Willensfreiheit oder Determinismus
Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)
Scholary Paper (Seminar), 26 Pages
Zusammenfassung zu René Descartes: Meditationen oder Über die Grundlag...
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 8 Pages
Descartes: Prinzipien der Philosophie
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Friedrich Nietzsche - Die Geburt der Tragödie - Zusammenfassung und Er...
Cultural Studies - European Studies
Termpaper, 18 Pages
Kultureinrichtungen als Dienstleister
Darstellung der Anforderungen ...
Business economics - Business Management, Corporate Governance
Termpaper, 15 Pages
Traum und Realität in Arthur Schnitzlers "Traumnovelle"
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 11 Pages
John Locke: Versuch über den menschlichen Verstand
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Presentation (Handout), 11 Pages
Interpretation zum Sklavenschiff von Heinrich Heine
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 17 Pages
Die politische Lyrik Heinrich Heines unter besonderer Berücksichtigung...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 27 Pages
Das Dionysische und seine Gegenspieler in Nietzsches "Geburt der ...
German Studies - Miscellaneous
Termpaper, 19 Pages
Recht und Staat bei Hobbes und Locke
Ein Vergleich
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Termpaper, 16 Pages
Einführung in die Philosophie Descartes
Erkenntnistheorie
Philosophy - Philosophy of the 17th and 18th Centuries
Termpaper, 16 Pages
Horvath, Ödön von - Jugend ohne Gott
Research Paper (Pre-University), 10 Pages
Der Mensch als leib-seelisches Wesen bei Platon und Aristoteles - Eine...
Philosophy - Philosophy of the Ancient World
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Interpretation zu Ödön von Horváth "Jugend ohne Gott"
Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Eine Übersicht über die wichtigsten dualistischen Positionen im Leib-S...
Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
Scholary Paper (Seminar), 11 Pages
Arthur Schnitzlers "Die Traumnovelle" - eine Betrachtung und...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 14 Pages
Christoph Körner has published the text Vom Zweifel über das Denken zur Gewißheit des Seins. René Descartes und das "Cogito, ergo sum"
Christoph Körner has uploaded a new text
Rene Descartes' Meditations on First Philosophy in Focus
Rene Descartes, S. Tweyman, Stanley Tweyman
Rene Descartes' Meditations on First Philosophy in Focus
Rene Descartes, S. Tweyman, Stanley Tweyman
0 comments