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Inhaltsverzeichnis:
Seite
Einleitung 2
1 Der Text: Mk 12 1 12 2
1.1 Verortung 2
1.2 Gliederung und Strukturanalyse 3
1.3 Die Frage nach dem Schluß 6
2 Diverse Kontexte 7
2.1 Lebensweltlicher Hintergrund 7
2.2 Intertextuelle Bezüge 8
2.3 Aspekte des Markus-Evangeliums 10
3 Perspektiven einer Zusammenschau 11
Literaturverzeichnis 14
Anhang: Übersetzung zu Mk 12 1 12 17
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0 Einleitung
„… und er wird den Weinberg anderen geben.“ Wer ist in Mk 12,9 mit den „anderen“ gemeint, die den Weinberg bekommen werden? In welchem Verhältnis steht der „geliebte Sohn“, also der Erbe, zu ihnen und zum „verworfenen Eckstein“? Wofür gibt der „Weinberg“ das Motiv, wen stellen „die Pächter“ dar? Diesen und weiteren Fragen zum Abschnitt 12,1-12 des Markus-Evangeliums widmet sich die nachfolgende Arbeit. Sie beschäftigt sich zuerst mit der („äußeren“ und „inneren“) Gestalt des Textes. Am Anfang versucht sie eine ungefähre Verortung der Textstelle, auf die eine Gliederung und eine Analyse der Textstruktur folgen. Danach geht es kurz um die möglichen „Enden“ des erzählten Gleichnisses. Mit dem lebensweltlichen Hinter-grund des Gleichnisses, intertextuellen Bezügen speziell zur Septuaginta sowie einigen Aspekten des Markus-Evangeliums werden im zweiten Teil drei unterschiedliche, den Text bestimmende Kontexte ein wenig näher beleuchtet. Die ebenfalls relevanten und für eine Interpretation durchaus interessanten synoptischen Paralleltexte Mt 21,33-46 und Lk 20,9-19 kann diese Arbeit, um i(n ihre)m Rahmen zu bleiben, nicht weiter berücksichtigen. Den Abschluß bildet eine „Zusammenschau“ der vorangegangen Überlegungen.
1 Der Text: Mk 12,1-12
Vorrangig interessiert hier der Text als Ganzes, ohne daß detailliert auf Hypothesen über einzelne Bearbeitungsstufen und sekundäre Erweiterungen eingegangen wird.
1.1 Verortung
Die erzählte Handlung, in deren Zusammenhang Mk 12,1-12 steht, ist in Jerusalem situiert. Der Einzug Jesu in die Stadt und die „Tempelreinigung“ liegen noch nicht lange zurück. Es werden seine letzten Tage sein, die Jesus dort verbringt. Unmittelbar voraus geht dem zu analysierenden Abschnitt – innerhalb der gleichen Szenerie im Vorhof des Tempels – die Frage der Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten nach der Vollmacht (evxousi,a) Jesu (Mk 11,27-33). Im Folgenden vermeidet Jesus eine direkte Entgegnung, sondern stellt eine Gegenfrage, die wiederum unbeantwortet bleibt. Er selbst verweigert daraufhin ausdrücklich eine Antwort,
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erzählt aber (ihnen indirekt antwortend?) trotzdem ein Gleichnis. Wie es scheint anders als sonst bei Markus „üblich“ (vgl. Mk 4,10ff.) wird dieses von denen, die angesprochen sind, (teilweise) verstanden. Doch (noch) ist die Furcht der „Führer Israels“ vor der Menge – nicht etwa der Respekt vor Jesus – so groß, daß er zunächst frei weiter agieren kann. Das läßt den erzählerischen Raum unter anderem für die sich – in Markus 12,13-27 (bzw. 34) – anschließenden Streitgespräche mit Vertretern verschiedener jüdischer Gruppierungen (Pharisäer, Herodianer, Sadduzäer) und einen eschatologischen Ausblick (Mk 13), bevor sich dann die Situation Jesu endgültig zuspitzt.
1.2 Gliederung und Strukturanalyse
Einen Überblick über den Text selbst sollen nun erst einmal der folgende Gliede-rungsvorschlag und eine Untersuchung seiner sprachlichen wie erzählerischen Struktur geben.
1 Kai. h;rxato auvtoi/j evn parabolai/j lalei/n(
1 Fettgedruckte Wörter weisen auf Bezüge zum Text der Septuaginta hin. Vgl. dazu unten ausführlich
Abschnitt 2.2.
2 Kursivschreibung kennzeichnet Stichworte aus dem Markus-Evangelium. Vgl. Abschnitt 2.3.
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10 11 12 Kai. evzh,toun auvto.n krath/sai(
kai.
evfobh,qhsan to.n o;clon(
kai. avfe,ntej auvto.n avph/lqonÅ
Als Rahmung binden die Verse 12,1a und 12,12 den obigen Textabschnitt in den umgebenden Text ein. Das – für Markus durchaus charakteristische (vgl. zum Beispiel Mk 8,31) – „und er begann“ (kai.
h;rxato)
leitet zur Gleichnisrede Jesu über. Das Stichwort
parabolh.
„umschließt“ den Text. Der „Ansprache“ Jesu zu Beginn des Abschnitts, steht am Ende der ganzen Szene die Reaktion, das Handeln bzw. Nicht-Handeln, der „Obersten des Volkes“ gegenüber. Die Bemühungen der jüdischen Führungsschicht, Jesus auszuschalten, holen somit in das Umfeld der gesprochenen Worte zurück (vgl. bereits Mk 11,18 und wieder Mk 14,1). Nach Vers 1b ist der Initiator des Geschehens, einem unbestimmten „jemand“ gleichbedeutend, „ein Mensch“ (a;nqrwpoj). Dieser stellt im Folgenden, da die „Knechte“ und der Sohn in den Mittelpunkt rücken, nicht (mehr) die zentrale Figur dar, bleibt aber als mittelbar involvierter und betroffener Akteur beständig im Hinter-grund der Ereignisse präsent. In Vers 9, als „der Herr des Weinbergs“ (o`
ku,rioj tou/ avmpelw/noj)
spezifiziert, der er (immer noch) ist – und nicht etwa irgendwer, tritt er wieder in Erscheinung und es heißt von ihm, daß er aufgrund dessen, was sich zugetragen hat, entsprechende Konsequenzen ziehen wird. Recht unspektakulär beginnt das Gleichnis mit dem Anlegen des Weinbergs bzw. Weingartens. Ein Einschub berichtet dann die „umfassende“, wenn nicht gar komplette Ausstattung desselben mit Zaun, Kelter und Wachturm vor der Übergabe an (irgendwelche) Pächter und der Abreise des Verpächters. Dessen Einfordern eines Anteils an der Ernte erscheint nicht ungewöhnlich. Doch ab der Zurückweisung des ersten „Knechts“ durch die Pächter nehmen die Ereignisse einen dramatischen Fortgang. Die Zuspitzung der Handlung auf den Höhe- bzw. Tiefpunkt des Geschehens hin spiegelt sich auch in der Gestaltung des Textes wider. Neben der zunächst pa-
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DasSchriftzitat (fett und kursiv) entstammt Psalm 118,22f. (in der Übersetzung der Septuaginta).
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rallelen Darstellung des Verlaufs der Sendung der „Knechte“, lassen sich deutliche Merkmale einer sprachlichen Reduktion und Konzentration erkennen. So kommt zwar jeweils dreimal „er schickte“ (avpe,steilen) vor, doch bereits wen der „Herr des Weinbergs“ schickte, nämlich „einen Knecht“ (dou/lon), fällt beim dritten Mal weg. Ebenso heißt es beim ersten Versuch, seinen Anspruch einzulösen und einen Anteil an den Früchten des Weinbergs zu erhalten, daß er jenen „zu den Weinbauern“ (pro.j tou.j gewrgou.j) schickte, beim zweiten Anlauf steht nur noch „zu ihnen“ (pro.j auvtou.j), und beim dritten Versuch fehlen die Adressaten der „Sendung“ ganz. Die Zahl der Wörter verringert sich dabei von 25 in den Versen 2 und 3, wo auch das Anliegen der Sendung des Knechtes formuliert wird, über 11 in Vers 4 auf 5 in der ersten Hälfte von Vers 5.
An dieser Stelle ist ein vorläufiger Höhepunkt im Verhalten der Weinbauern erreicht. Nachdem sie den ersten „Knecht“ ergriffen (labo,ntej), „bloß“ verprügelt (e;deiran) und mit leeren Händen davongejagt (avpe,steilan keno,n) haben, den zweiten immerhin schon „auf den Kopf geschlagen“ (evkefali,wsan) und „entehrt“ (hvti,masan) – das heißt beschimpft oder gröber mißhandelt – haben, töten (avpe,kteinan) sie den dritten sogar. Auch hier findet die sich steigernde Heftigkeit des Umgangs der Weinbauern mit dem „Knecht“ sprachlich ihren Ausdruck in einer quantitativen Verminderung. Sind zu Anfang noch drei „Aktionen“ aufgeführt, welche die Verhaltensweise der Weinbauern beschreiben, wird deren (zeitweilig) stärkste „Reaktion“ allein mit einem Wort genannt. Der Weinbergbesitzer läßt sich davon jedoch keineswegs abschrecken. Er bleibt beharrlich und schickt „viele weitere“ Knechte (pollou.j a;llouj), mit denen die Pächter des Weinbergs aber verfahren wie mit den vorangegangenen.
Eine nochmalige Steigerung scheint hier kaum vorstellbar. So denkt wohl auch der „Herr des Weinbergs“, als er zuletzt seinen ihm verbliebenen Sohn – überzeugt von dessen „Autorität“ und Durchsetzungsvermögen gegenüber den Weinbauern – losschickt, um den ausstehenden Ernteertrag einzutreiben. Doch entgegen den Erwartungen ergeht es selbst dem Sohn nicht anders. Der Text greift dabei genau die gleichen, schon bekannten Stichworte wieder auf. Die Pächter packen (labo,ntej) den Sohn, töten (avpe,kteinan) ihn – und werfen seinen Leichnam überdies aus dem Weinberg hinaus.
Nun wechselt die Erzählebene des Textes und der Erzähler (respektive Jesus) wendet sich mit zwei (rhetorischen) Fragen an die Adressaten des Textes. Die erste
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Dipl.-Theol. Christoph Körner, 2005, Wer erhält den Weinberg? Zur Auslegung des Winzergleichnisses in Mk 12,1-12, Munich, GRIN Publishing GmbH
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