Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Lesen als Schutz vor kulturellem und zivilisatorischen Rückschritt
2.1 Tiere sprechen Menschen schreiben 4
2.2 Ohne Schrift keine Kultur 4
2.3 Lesen schafft Speichermöglichkeit schafft Fortschritt 6
3 Die soziale Funktion des Lesens 7
3.1 Du willst Toleranz Weltoffenheit und Freude Dann lies 7
3.2 Je mehr Lesefähigkeit desto mehr soziale Kontakte 8
4 Eskapismusfunktion des Lesens 10
4.1 Auf der Flucht ein Ausweg: Lesen 10
4.2 Relax come read it Entspannungsoase Lesen 10
5 Information und Qualifikation durch Lesen 12
5.1 Lesen um des Esels willen 12
5.2 Der eifrigere Leser der mündigere Bürger 13
5.3 Soziale Ungleichheit nein danke Lesen ja bitte 14
6 Fazit 16
Literaturverzeichnis 18
II
1 Einleitung
Lesen ist wichtig. Das weiß jedes Kind. Es hört von Klein auf, dass es Lesen lernen bzw. können muss. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Doch warum? Warum ist es für eine Gesellschaft so wichtig, dass alle Mitglieder lesen können?
Die Antwort auf diese Frage wird in dieser Arbeit erläutert. Grundlage waren dabei in erster Linie Aufsätze, Bücher und Studien von Elisabeth Noelle- Neumann, Heinz Bonfadelli, Ulrich Saxer, Angela Fritz sowie der Stiftung Lesen, die sich alle mit einem oder mehreren Aspekten der Thematik auseinandergesetzt haben. Dabei ist auffällig, dass sie sich meist mit einer ausführlichen Zustandsbeschreibung unserer Lese-Gesellschaft begnügen und dann auch gleich zu einem Appell der Leseförderung ansetzen ohne sich ausführlich mit der Relevanz des Lesens für die Gesellschaft zu beschäftigen. Ein umfassendes Werk zu diesem Thema, das neben der Kommunikationswissenschaft auch Nachbarwissenschaften wie die Psychologie, Soziologie, Pädagogik, Politikwissenschaft und Anthropologie einschließt, fehlt bislang.
Dass meine Arbeit einem solchen Anspruch der Ausführlichkeit aufgrund ihres begrenzten Umfangs ebenfalls nicht genügen kann, ist mir bewusst, ich habe dennoch versucht, einen umfassenden Überblick über die Bedeutung des Lesens in unserer heutigen Gesellschaft zu bieten.
3
2 Lesen als Schutz vor kulturellem und zivilisatorischen Rückschritt
2.1 Tiere sprechen – Menschen schreiben
Lesen wird allgemein als Kulturtechnik bezeichnet 1 . Und in dem Wort „Kulturtechnik“ steckt bekanntlich das Wort „Kultur“. Wenn nun eine Gesellschaft nicht mehr liest, die Kulturtechnik Lesen irgendwann nicht mehr beherrscht? Was dann? Führt zunehmende Illiteralität zu einem kulturellen Entwicklungs-Rückschritt, irgendwann gar zum Verlust von „Kultur“? Solche oder so ähnliche Befürchtungen veranlassten viele Forscher – insbesondere Historiker, Anthropologen und Ethnologen – dazu, den Einfluss der Lesefähigkeit auf die Entwicklung von Gesellschaften zu untersuchen. Dabei verweisen einige Wissenschaftler auf den Einfluss der Schrift. Während Tiere ebenso wie Menschen über eine - wie auch immer geartete - „Sprache“ kommunizieren, „ist die geschriebene Sprache eine ausschließlich menschliche Kommunikationsform“ 2 . Sie markiert den deutlichen Unterschied zwischen kultiviertem Mensch und kulturlosem Tier.
2.2 Ohne Schrift keine Kultur?
Gegen einen solchen Versuch Illiteralität mit fehlender Kultur gleichzusetzen wehrte sich neben dem kanadischen Medientheoretiker Eric A. Havelock 3 insbesondere der langjährige Direktor der Frankfurter Buchmesse, Peter Weidhass: „Schriftlichkeit und Buchkultur haben ganz offensichtlich […] nichts mit Kulturfähigkeit zu tun.“ 4 Weidhaas verwies dabei auf das Volk der Inkas, das als Hochkultur gilt, ohne dass es ein schriftliches Alphabet kannte. Dieser Argumentation kann man heute – mehr als 20 Jahre nach dem Erscheinen von Weidhaas’ Artikel – entgegensetzen, dass die Inkas zwar kein richtiges Alphabet in unserem Sinn, dafür aber sehr wohl eine Schrift besaßen. So benutzte das 1 Vgl. u.a.: Fritz, Angela/Suess, Alexandra: Lesen. Die Bedeutung der Kulturtechnik Lesen für den gesellschaftlichen Kommunikationsprozeß. Konstanz 1986, S.11.
2 Ebd., S.94.
3 Vgl. Havelock, Eric A.: The Coming of Literature Communication to Western Culture. In: Journal of Communication, 1980, Heft 57, S. 90ff; sowie: Havelock, Eric A.: The literate Revolution in Greece and its cultural Consequences. Princeton 1982, S.50.
4 Weidhaas, Peter: Kühler Kopf für „heiße“ Medien. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, 1984, Heft 71, S.2051.
4
südamerikanische Indianervolk die Knotenschrift Quipú nicht - wie bisher vermutet - nur zur numerischen Buchhaltung, sondern später auch als vollständig entwickelte Schrift 5 .
Berücksichtigt man diese neuen Erkenntnisse, kann man feststellen, dass alle heute bekannten Hochkulturen – seien es die Ägypter, die Indus-Kultur des indischen Subkontinents, die Mayas, die Inkas, oder die Sumer in Mesopotamien
- eine Schrift benutzten und lasen. Der Schluss, Kultur und Zivilisation eben doch eng mit Schrift und Lesen verbunden zu sehen, liegt nahe.
5
Vgl. Mann, Charles C.: Cracking the Khipu Code. In:Science, 2003, Heft 300, S.1650-1651.
5
2.3 Lesen schafft Speichermöglichkeit schafft Fortschritt
Es stellt sich dann nur die Frage, wie Lesefähigkeit beziehungsweise Schrift zu zivilisatorischem Fortschritt beitragen kann. Marshall McLuhan, Jack Goody, Ian Watt und Eric A. Havelock 6 argumentierten, dass Literalität nicht nur als Mittel zur Kommunikation, sondern auch als Mittel zur Archivierung von Wissen zu betrachten ist. Diese Möglichkeit Wissen zu speichern und für die Nachwelt festzuhalten, ermöglicht laut David R. Olson Weiterentwicklung der Gesellschaft: „The use of written records for preserving important cultural information both relaxed the constraints imposed by oral memory and encouraged the development of other forms, incuding the extended expository commonly found in encyclopaedias and textbooks“ 7 .
Dies gilt auch heute noch: Dieter Baacke geht davon aus, dass Lesekompetenz Medienkompetenz schafft 8 . Nur wer die Grundfertigkeit des Lesens beherrscht, ist auch in der Lage andere Medien wie das Fernsehen oder das Internet gewinnbringend zu nutzen. So ergab die Studie „Auswirkungen des Fernsehen ins Deutschland – Lebensgewohnheiten, Interessen und Bild der Politik vor und nach Anschaffung eines Fernsehgeräts“, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Jahr 1968 (im Auftrag des Süddeutschen Rundfunks und Südwestfunks) durchgeführt hatte, dass fleißige Leser auch verständigere Fernseher sind. Dazu Noelle-Neumann: „Man konnte erkennen, daß [sic] nur jene Zuschauer einen Informationsgewinn durch das Fernsehen hatten, die neben dem regelmäßigen Fernsehen weiter regelmäßig Zeitung lasen“ 9 . Michael Krapp geht noch einen Schritt weiter, und bezeichnet Lesekompetenz deshalb als „Primärkompetenz“ 10 .
6
Vgl. Fritz/Suess 1986, a.a.O., S.102.
7 Olson, David R.: On the Language and Authority of Textbooks. In: Journal of Communication. 1980, Heft 57, S.187.
8 Vgl. Fritz/Suess 1986, a.a.O., S.152f.
9 Noelle-Neumann, Elisabeth: Wegweiser. Wie Jugendliche zur Zeitung finden. Bonn 1997, S.21. Vgl. hierzu auch: Saxer, Ulrich: Führt ein Medienangebot an Programmen zu selektivem Rezipientenverhalten? Thesen zu gesellschaftlichen Folgen erhöhter Publikumsselektivität. In: Media Perspektiven, 1980, Heft 6, S.402f .
10 Krapp, Michael: Rede anlässlich des 9. Thüringer Bibliothekstags „Lesen fördern – Zukunft fördern“ in Eisenach am 15. September:
http://www.thueringen.de/tkm/hauptseiten/grup_minist/min_reden/re031015.htm, letzter Zugriff am 15. September 2005.
6
Quote paper:
Frederik Obermaier, 2005, Die gesellschaftliche Relevanz des Lesens, Munich, GRIN Publishing GmbH
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