Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur zweiten Dienstprüfung für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen
Thema: Spiel und Spaß mit Alltagsmaterialien
Inhalt
1. REFLEXIONEN ZUR LERNGRUPPE 1
2. ÜBERLEGUNGEN ZUM INHALT UND ZUR SACHE 2
2.1 DEFINITION ALLGEMEINE SPIELFÄHIGKEIT 2
2.2 DEFINITION SOZIALKOMPETENZ : 2
2.3 DEFINITION KREATIVITÄT : 2
3. ZIELE 3
4. DIDAKTISCH-METHODISCHE REFLEXION 3
4.1 DIDAKTISCHE BEGRÜNDUNG DER THEMENAUSWAHL 3
4.2 BEZÜGE ZU DEN LEITGEDANKEN DES BILDUNGSPLANS 4
4.3 EINBETTUNG DES STUNDENTHEMAS IN DEN UNTERRICHTLICHEN KONTEXT 5
4.4 DIDAKTISCH METHODISCHE UMSETZUNG 6
5. LITERATUR 10
6. UNTERRICHTSSKIZZE 12
7. VERSICHERUNG 15
8. ANLAGEN 16
Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur zweiten Dienstprüfung für das Lehramt an Grund-und Hauptschulen Thema: „Spiel und Spaß mit Alltagsmaterialien“
1
1. Reflexionen zur Lerngruppe
Die Klasse XXX setzt sich aus 21 Schülern, 9 Mädchen und 12 Jungen zusammen. Ich unterrichte mit großer Freude seit Beginn dieses Schuljahres in der Klasse und habe bis jetzt ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Die Schüler sind sportlich ausgesprochen motiviert und engagiert und nehmen jedes von mir gemachte Bewegungsangebot mit freudiger Erwartung an. Das Sozialverhalten der Klasse hat sich seit einer hier durchgeführten Akrobatik-Einheit deutlich verbessert, es gibt aber dennoch einige sozial etwas auffälligere Schüler, die ich an dieser Stelle nennen möchte: XXX ist erst seit diesem Schuljahr in der Klasse und aufgrund von mehrmaliger Nichtversetzung stark überaltert. Seine Eltern lehnen den Rat, ihn auf eine Förderschule zu überweisen, ab. XXX folgt Anweisungen oft nur nach mehrmaligem Ermahnen und handelt manchmal sehr unvorsichtig und wenig umsichtig.
Auch XXX benimmt sich häufig sehr übermütig und ebenfalls wenig umsichtig. Er nimmt in der Klasse eher eine Außenseiterrolle ein, da die anderen Kinder aufgrund seiner Überschwänglichkeit und geringen Verlässlichkeit nicht so gerne mit ihm Sport treiben.
XXX und XXX muss ich ebenfalls öfters ermahnen und um Aufmerksamkeit und Vorsicht bitten. Ganz besonders XXX ist sehr oft unkonzentriert und macht nicht selten zwecks mangelndem Zuhören genau das Gegenteil von dem, was man zuvor gesagt hat.
XXX ist ein sehr guter Sportler, jedoch bei Konflikten äußerst empfindlich. Er verweigert nicht selten das weitere Sporttreiben nach einem Streit ganz, setzt sich dann auf die Bank und weint. Ich habe herausgefunden, dass er in solchen Momenten kurz seine Ruhe braucht und dann von alleine wieder zu uns kommt, daher lasse ich ihm in solchen Situationen die Zeit, die er braucht. Für den Umgang mit Störungen haben wir in der Klasse folgende Regelung getroffen: In der ersten Unterrichtsstunde in dieser Klasse erhielt alle Schüler zwei Zettel, auf die sie jeweils eine Maßnahme schreiben sollen, die getroffen wird, wenn ein Schüler den Unterricht erheblich stört oder hinaus gesetzt wird (Bsp.: 10 Runden in der Halle laufen, alle Turnbeutel ins Klassenzimmer tragen usw.). All diese Zettel wurden gefaltet und in die berühmt-berüchtigte „Black-Box“ geworfen. Hat ein Schüler den Unterricht in hohem Maße gestört, sich unfair verhalten oder wird er hinaus gesetzt, muss er einen Zettel aus der Box ziehen und die jeweilige Maßnahme ausführen. Was den Leistungsstand der Klasse im Hinblick auf den Inhalt angeht, so ist den Schülern die Arbeit in Kleingruppen vertraut. Bereits im letzten Schuljahr erhielten die Kinder hin und wieder den Auftrag, Gerätestationen zu erfinden und zu variieren. Das Erfinden von Spielen stellt jedoch eine neue Herausforderung für sie dar.
Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur zweiten Dienstprüfung für das Lehramt an Grund-und Hauptschulen Thema: „Spiel und Spaß mit Alltagsmaterialien“
2
2. Überlegungen zum Inhalt und zur Sache
2.1 Definition „allgemeine Spielfähigkeit“
Nach DIETRICH beinhaltet die allgemeine Spielfähigkeit sich auf Spiele zu einigen, die Spielbedingungen zu organisieren, ein Spiel in Gang zu setzen, ein Spiel aufrecht zu erhalten, bzw. bei Störungen wieder herzustellen (vgl. DIETRICH 1984, 19).
„Die allgemeine Spielfähigkeit verlangt […] ein genetisches Spielkonzept, das die Spielenden befähigt, ein Spiel selber zu initiieren und den Spielprozess aufrecht zu erhalten bzw. zu verändern […]“ (RÖTHIG 1992, 415).
2.2 Definition „Sozialkompetenz“:
„Die „soziale Kompetenz“ gehört theoretisch wie empirisch zu den eher wenig fundierten, vor allem aber nur unscharf definierten psychologischen Konstrukten“ (LANGMAACK 2004, 21). LANGMAACK führt folgende Definition von sozialer Kompetenz an: „Soziale Kompetenz ist ein Bündel von Fähigkeiten, um in sozialen Situationen auf der zwischenmenschlichen Ebene zu kommunizieren und zu kooperieren[…]“ (LANGMAACK 2004, 23). Unter anderem sind folgende Kenntnisse und Fähigkeiten für eine erfolgreiche soziale Interaktion erforderlich: Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein, Empathie, Konfliktfähigkeit und Integrationsfähigkeit (vgl. KELLER / HAFNER 1999, 10). In besonderem Maße eignet sich die Gruppenarbeit zur Schulung von Sozialkompetenz: „Die Kleingruppenarbeit ermöglicht […] ein Einüben in entdeckendes und problemlösendes Lernen, sie ermöglicht Selbsttätigkeit, Arbeitsteilung, Kooperation und fördert die Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit, sowie die soziale Handlungskompetenz […]“ (GÜNZEL 2001, 44).
2.3 Definition „Kreativität“:
„Allgemein dient Kreativität oft als Bezeichnung für ein außerhalb der gewöhnlichen Bahnen liegendes Erkennen von Problemen und das Auffinden neuer und origineller Lösungen. Als besonders geeignet zur Förderung von Kreativität durch sportliches Handeln werden Formen des Spiels, des Tanzes sowie der (Ausdrucks-) Gymnastik angesehen. Wie in diesen sportlichen Aktivitäten gilt Kreativität immer dann als Voraussetzung für optimales Handeln, wenn offene Fertigkeiten realisiert werden sollen. In der Folge werden Umlernen, Flexibilität und Vielseitigkeit, eine Orientierung an Bewegungsaufgaben, problemorientierter Unterricht oder auch Unterrichtsinszenierungen zur Förderung einer allgemeinen sowie sportspezifischen Kreativität vorgeschlagen“ (RÖTHIG 1992, 264).
Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur zweiten Dienstprüfung für das Lehramt an Grund-und Hauptschulen Thema: „Spiel und Spaß mit Alltagsmaterialien“
3
3. Ziele
Folgende Ziele sollen in dieser Stunde erreicht werden:
Die Kinder erweitern ihre Spielkompetenz: Sie erfinden und entwickeln Spielideen, lösen Spielaufgaben, organisieren die Spielbedingungen, setzen ihr Spiel in Gang, halten sich an Regeln, überdenken und verändern diese im Bedarfsfall.
Die Schüler kooperieren bei der Lösung der Aufgabe, helfen und beraten sich gegenseitig.
Sie schulen ihre Kreativität und Fantasie und gewinnen Einsicht in die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten der Gegenstände und Kleingeräte.
4. Didaktisch-methodische Reflexion
4.1 Didaktische Begründung der Themenauswahl
Der Schwerpunkt der Stunde liegt weniger auf der Schulung der motorischen Fähigkeiten der Kinder, als vielmehr auf der Schulung ihrer allgemeinen Spielfähigkeit, ihres Sozialverhaltens und ihrer Kreativität und Fantasie.
Die Schulung der allgemeinen Spielfähigkeit, welche u.a. auf die komplexen Anforderungen der Sportspiele vorbereiten soll, ist vor allem in der Grundschule von besonderer Bedeutung. Sie „[…] ist die wichtigste Grundlage für ein wirksames Spielverhalten […] und stellt somit die zentrale Forderung einer zeitgemäßen Sportspielvermittlung dar“ (BEUG 2005, 10). Die allgemeine Spielfähigkeit beinhaltet u.a. die Fähigkeit, Regeln zu verändern und anzupassen, Spiele zu organisieren, zu erfinden und überhaupt erst in Gang zu setzen. Spezielle Spiel- und Sportgeräte lassen jedoch oft nur normierte oder begrenzte Bewegungserfahrungen zu und regen wenig zum „Neuerfinden“ an. „Oftmals fallen dadurch ganze Handlungssequenzen weg (erkunden, erproben, probieren, verwerfen und neu beginnen)“ (MERTENS 2005, 8), die jedoch besonders für die Entwicklung der allgemeinen Spielfähigkeit eine besondere Rolle spielen. Der Vorteil von Alltagsmaterialien hingegen liegt darin, dass hier keine vorgegebenen normierten Bewegungen oder feste Zuordnungen bestehen und sie dadurch zum „Neuerfinden“ von Spielideen geradezu einladen. Selbst herkömmliche und bekannte „klassische“ Spiele erhalten durch die Kombination mit Alltagsmaterialien einen ganz neuen Reiz. Durch diese Freiräume, die nicht alltäglichen Spielaufgaben und die unkonventionelle Nutzung der Materialien, die spannend wirkt und zum Mitmachen anregt, wird die Fantasie, Kreativität und Spontaneität gefördert (die in unserer Konsumwelt, in der es alles vorgefertigt zu kaufen gibt,
Ausführlicher Unterrichtsentwurf zur zweiten Dienstprüfung für das Lehramt an Grund-und Hauptschulen Thema: „Spiel und Spaß mit Alltagsmaterialien“
4 so oft untergeht). Alltagsmaterialien haben einen sehr hohen Aufforderungscharakter sind leicht und günstig zu beschaffen, lassen sich in vielen Variationen kombinieren und einsetzen, eröffnen vielfältige Bewegungsherausforderungen und ermöglichen so eine vielseitige sportmotorische Entwicklungsförderung (vgl. MERTENS 2005, 8). Nicht das Erkunden von Eigenschaften der jeweiligen Gegenstände steht heute im Mittelpunkt der Stunde, denn diese haben wir bereits in den letzten Stunden „erforscht“. Es geht heute vorrangig darum, die Alltagsgegenstände im sportlichen Sinne zu „funktionalisieren“ und durch die Kombination unterschiedlicher Materialien (auch mit herkömmlichen Sportgeräten) weitere neue Spiel- und Verwendungsmöglichkeiten zu entdecken und zu erfinden.
Die Fähigkeit der Kinder zu „pro-sozialem Verhalten“ ist nicht nur für deren „gegenwärtiges Leben in Familie, Schule und Freizeit wichtig, sondern besitzt ist auch für das zukünftige (Berufs-) leben der Schüler eine besondere Bedeutung (vgl. PÜHSE 2001, 215). Besonders der Gruppenunterricht als Grundform des sozialen Lernens ist für die Schulung der Sozialkompetenz der Kinder geeignet.
4.2 Bezüge zu den Leitgedanken des Bildungsplans
Bildungsplan 1994
Die Thematik der heutigen Stunde ist sowohl dem Sportbereich 1: Spielen – Spiel (Individualerfahrungen / Erfahrungen mit Partner und Gruppe) als auch dem Sportbereich 2: Sich bewegen mit und ohne Gerät (Individualerfahrungen / Erfahrungen mit Partner und Gruppe) zuzuordnen. Im Abschnitt „Erziehungs- und Bildungsauftrag“ werden u.a. folgende Ziele aufgeführt: „Soziale und integrative Verhaltensweisen und Regeln fairen Miteinanders entwickeln“ sowie „Handlungsfähigkeit im und durch Sport erwerben“ (MINISTERIUM FÜR KULTUS UND SPORT 1994, 28), die u.a. auch beim „kreativen Lösen von Bewegungsaufgaben“ (MINISTERIUM FÜR KULTUS UND SPORT 1994, 27) geschult wird. Weiter wird hier geschrieben: „Im spielerischen und kreativen Umgang mit Objekten, Hand-, Klein- und Großgeräten gewinnen die Kinder wichtige Einsichten in deren unterschiedliche Beschaffenheiten und Verwendungsmöglichkeiten“ (MINISTERIUM FÜR KULTUS UND SPORT 1994, 28). Folgende Ziele werden u.a. aufgeführt: „Die Kinder erweitern ihre Spielkompetenz, entwickeln Spielideen und lösen Spielaufgaben. Sie organisieren selbstständig kleine Spiele. Sie entwerfen, organisieren und gestalten Spielsituationen unter Vorgabe eines Bewegungsthemas“ (MINISTERIUM FÜR KULTUS UND SPORT 1994, 215).
Quote paper:
Ina Schröder, 2006, Unterrichtseinheit: Spiel und Spaß mit Alltagsmaterialien - Wir erfinden selber Spiele - Prüfungslehrprobe im Sportunterricht einer 4. Klasse, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Vielseitige Bewegungserfahrungen mit Alltagsmaterialien
Durchgeführt in einer Unterric...
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Examination Thesis, 59 Pages
"Perspektivrahmen Sachunterricht" - ein Vorschlag der GDSU
Regional History and Geography (Basic Primary School Pedagogy)
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 15 Pages
Unterrichtsstunde für eine 2. Klasse: Handlungsorientierter Umgang mit...
Der Umgang mit einem Bauplan -...
Mathematics For Pre-University Students
Lesson Plan, 20 Pages
Sinnentnehmendes Lesen - Eine Piratengeschichte!
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Lesson Plan, 17 Pages
Unterrichtsstunde: Werfen auf feste Ziele im Stationsbetrieb (2. Klass...
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Lesson Plan, 13 Pages
Das Spiel "Takeshi" im Sportunterricht einer Berufsschule
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Lesson Plan, 24 Pages
Temporal- und Lokaladverbiale erkennen und richtig verwenden - Lehrpro...
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Lesson Plan, 29 Pages
Chancengleichheit im dreigliedrigen Schulsystem?
Soziale Benachteiligung auf Gr...
Pedagogy - School System, Educational and School Politics
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Gesamtplanung von Unterricht: Busch, Wilhelm - Fink und Frosch (8. Kla...
Lesson Plan, 10 Pages
Einführung in koordinative Fähigkeiten als generalisierte körperliche ...
Sport - Kinematics and Training Theory
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 17 Pages
Unterrichtseinheit: Messen mit willkürlichen Maßeinheiten (2. Klasse)
Lesson Plan, 14 Pages
Unterrichtsstunde: Balancieren auf labilen Gerätearrangements – unter ...
Sport - Sport Pedagogy, Didactics
Lesson Plan, 11 Pages
Die Agenda 2010 - Reform des Sozialstaats
Überblick zu ihren Zielen und ...
Politics - Political Systems - Germany
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 18 Pages
Ina Schröder has published the text Unterrichtseinheit: Spiel und Spaß mit Alltagsmaterialien - Wir erfinden selber Spiele - Prüfungslehrprobe im Sportunterricht einer 4. Klasse
Ina Schröder has uploaded a new text
Lieblingsspiele für drinnen un...
Petra Durst-Benning, Carola Kusch, Alice Rieger
Kleine Spiele im Sportunterricht Spaß, Spannung & Erfolgserlebnisse
Spaß, Spannung und Erfolgserle...
0 comments