Inhalt
S. 6
I. Einleitung
S. 10
II. Die zerebrale Bewegungsstörung
II. 1. Begriffsklärung 10
II. 2. Ursachen 10
II. 3. Pathologisch-anatomischer Befund 11
II. 4. Besonderheiten der stato-motorischen Entwicklung 12
II. 5. Veränderte Haltungs- und Bewegungsmuster 12
II. 6. Formen der zerebralen Bewegungsstörung 13
II. 7. Der Einfluß von zerebraler Bewegungsstörung und 14
hirnorganischer Schädigung auf andere Bereiche der Entwicklung
S. 16
III. Wahrnehmung
III. 1. Der Begriff Wahrnehmung 16
III. 2. Neurologische Grundlagen der Wahrnehmung 17
III. 2.1. Neurologie des visuellen Systems 19
III. 3. Psychologie der Wahrnehmung 21
III. 3.1. Elementarismus (Strukturalismus) 21
III. 3.2. Gestalttheorie 21
III. 3.3. Theorie der sozialen Wahrnehmung (Social Perception) 22
III. 3.4. Ökologischer Ansatz nach Gibson 22
III. 3.5. Resümee 23
III. 3.6. Entwicklungspsychologische Theorien 24
III. 3.6.1. Perzeptuell-motorische Prozeßtheorie nach Kephart 24
2
III. 3.6.2. Entwicklung der Wahrnehmungsfähigkeit nach Frostig S. 25 III. 3.6.3. Wahrnehmungsentwicklung nach Affolter S. 26 III. 3.6.4. Entwicklung der Wahrnehmungfähigkeit nach Ayres S. 27 III. 3.6.5. Resümee S. 28
IV. Beeinträchtigungen der Wahrnehmung IV. 1. Der Begriff Wahrnehmungsstörung S. 29 IV. 2. Sinnesbehinderungen - Ebene der Perzeption S. 30 IV. 2.1. Sehbehinderungen und -beeinträchtigungen S. 31 IV. 2.2. Sonstige Sinnesbeeinträchtigungen S. 32 IV. 3. Zentrale Wahrnehmungsstörungen - Ebene der Apperzeption S. 33 IV. 3.1. Bedingende Faktoren zentraler Wahrnehmungsstörungen S. 33 IV. 3.2. Verschiedene Symptome zentraler Wahrnehmungsstörungen S. 35 (Funktionsschwächen) IV. 3.3. Kritik des Konzeptes der Funktionsschwächen S. 38 IV. 3.4. Visuelle Wahrnehmungsstörungen auf zentraler Ebene S. 39
V. 1. Störungen der peripheren Sinnesaufnahme S. 42 V. 1.1. Störungen der Sehfunktion S. 42 V. 2. Zentrale Wahrnehmungsstörungen S. 43
VI. 1. Diagnostik S. 47 VI. 1.1. Förderdiagnostik S. 49
3
VI. 1.2. Spezifische Wahrnehmungstests S. 51 VI. 1.2.1. Der Frostig.Entwicklungstest zur visuellen Wahrnehmung (FEW) S. 51 VI. 1.2.2. SCSIT (Southern California Sensory Reintegration Test) nach Ayres S. 53 VI. 1.2.3. Überprüfung der visuellen Geschicklichkeit nach Kiphard S. 53 VI. 1.2.4. `Gezielte Einzelbeobachtung´ nach Kleinmann S. 54 VI. 2. Förderkonzepte S. 55 VI. 2.1. Das Frostig-Programm S. 55 VI. 2.2. Sensorische Intergrationstherapie nach Ayres S. 57 VI. 2.3. Das Konzept zur Förderung von Kindern mit Wahrnehmungsstörungen S. 59 nach Affolter VI. 2.4. Motopädagogik und Mototherapie nach Kiphard S. 60 VI. 2.5. Das Material von Montessori S. 62 VI. 2.6 Basale Förderung nach Fröhlich S. 63 VI. 2.7. Das PERTRA-Programm S. 65 VI. 2.8. Wahrnehmungsförderung als Erschließung sinnlich vermittelter Bedeutungen S. 66 nach Fischer
VI. 2.9. Praktische Hinweise zur Förderung durch Differenzierung im Unterricht S. 71 VI. 2.10. Beratung und Kooperation S. 74
VII. Fallbeispiel: Der Schüler Andreas VII. 1. Vorbemerkungen S. 75 VII. 2. Situation und Bedingungen S. 75 VII. 3. Bisherige Entwicklung S. 76 VII. 4. Eigene Beobachtungen zum Schwerpunkt `Wahrnehmung´ S. 80 VII. 5. Ergebnisse des Frostig Entwicklungstest zur visuellen Wahrnehmung S. 84 VII. 6. Ansätze zur Förderung der Wahrnehmung in der Schule S. 86
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I. Einleitung
„Zweifellos ist von allen physischen und psychischen Fähigkeiten des Menschen die Wahrnehmung in enger Verbindung mit der Motorik die wichtigste.“ 1
Auch wenn diese Stellungnahme Bundschuhs sich kaum in solcher Prägnanz in der sonderpädagogischen Diskussion widerspiegelt, „ ... so läßt sich dennoch nicht wegdiskutieren, daß visuelle, akustische und taktil-kinästhetische
Wahrnehmungsbesonderheiten im Schulalltag auffallen und in der Regel zunächst als Lernstörung bewertet werden.“ 2
Die Wahrnehmung des Selbst wie der Umwelt ist eine wichtige Grundlage der menschlichen Lebensvollzüge. Weder Motorik, kognitive Prozesse oder etwa emotionales Erleben, noch Kommunikation oder Sprache sind ohne diese Fähigkeit denkbar. Und wie alle Teilbereiche der menschlichen Persönlichkeit ist auch Wahrnehmung einer individuellen Ausprägung unterlegen. Jedes Kind, jeder Jugendliche oder Erwachsene entwickelt seine eigene Ausprägung von Wahrnehmung.
Weicht diese Art wahrzunehmen von einer angenommenen Norm erkennbar ab, so wird von Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, bzw. von Wahrnehmungsstörungen gesprochen. Diese wiederum können auf unterschiedlichen Ebenen, angefangen bei den Sinnesorganen, ihre Ursachen haben und sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen. Besonders bei Kindern mit einer Behinderung wird von einer erhöhten Häufigkeit solcher Wahrnehmungsbeeinträchtigungen ausgegangen. Dieses Phänomen ist somit auch für die zahlenmäßig stärkste Gruppe der Kinder und Jugendlichen mit einer Körperbehinderung, denen mit einer zerebralen Bewegungsstörung, von Relevanz.
Für den pädagogisch-therapeutischen Prozeß der Förderung dieser Kinder stellt sich somit die Frage, wie es zur Ausbildung v on beeinträchtigter Wahrnehmung kommt, welche unterschiedlichen Störungen der Wahrnehmung vorliegen, in welcher Art und Weise körperliche Einschränkung und Wahrnehmungsstörungen miteinander in Verbindung stehen und wie diese Besonderheiten der Wahrnehmung berücksichtigt werden können.
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Die vorliegende Arbeit soll insbesondere der Klärung dieser Fragen nachgehen. Bei der großen Anzahl möglicher Beeinträchtigungen der Wahrnehmung wurde an einigen Stellen die spezifische und ausführliche Berücksichtigung von Störungen etwa des auditiven oder taktil-kinästhetischen Bereiches zugunsten einer detaillierteren Betrachtung des visuellen Bereiches zurückgestellt. Dieses geschah primär wegen des begrenzten Umfangs dieser wissenschaftlichen Hausarbeit sowie der hohen Bedeutung der visuellen Wahrnehmung für den schulischen Bereich. Damit soll jedoch keineswegs die Bedeutung der übrigen Bereiche und deren grundsätzlich enge Verflechtung untereinander in Abrede gestellt werden. Zu Beginn wird eine Charakterisierung des Behinderungsbildes der zerebralen Bewegungsstörung vorgenommen. Dieses erfolgt in erster Linie aus medizinischer Sicht. Im daran anschließenden Kapitel werden die neurologischen und psychologischen Grundlagen der Wahrnehmungstätigkeit aufgezeigt. Eine besondere Stellung innerhalb der psychologischen Grundlagen soll dabei den entwicklungs-psychologischen Theorien zukommen.
Das vierte Kapitel widmet sich den unterschiedlichen Beeinträchtigungen von Wahrnehmung. Sowohl Störungen der sogenannten Perzeption (periphere Wahrnehmungsstörungen), wie der Apperzeption (zentrale Wahrnehmungsstörungen) werden behandelt. Der Rückschluß auf das hier beschriebene Klientel erfolgt im darauf folgenden Kapitel, in dem das Bedingungsgefüge zwischen zerebralen Bewegungsstörungen und Beeinträchtigungen der Wahrnehmung thematisiert wird.
Im sechsten Kapitel, dem innerhalb dieser Arbeit umfangreichsten, soll dann auf die Möglichkeiten pädagogisch-therapeutischer Förderung in Bezug auf Wahrnehmungsstörungen eingegangen werden. Es wird, angefangen bei der Diagnostik, ein kritischer Überblick über die zahlreich vorhandenen Konzepte gegeben.
Um bei aller notwendigen Theorie einen direkten Bezug zur Praxis zu wahren, beschäftigt sich der vorletzte Abschnitt mit einem anonymisierten Fallbeispiel. Es sollen sowohl die Situation eines Jungen mit einer zerebralen Bewegungsstörung und
Wahrnehmungsstörungen, als auch praktizierte, bzw. denkbare Ansätze zur Förderung seiner Wahrnehmung beschrieben werden. Zum Abschluß der vorliegenden Arbeit wird ein kurzes Resümee gezogen.
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Die hier praktizierte Art der Betrachtung von zerebraler Bewegungsstörung oder Wahrnehmungsstörung ist gängig. Wird von der Schädigung oder Störung linear auf den Komplex der Behinderung geschlossen (medizinisch-defektologische Sichtweise), so ist dies aber durchaus kritisch zu betrachten. Dieser Schluß, der noch bis vor wenigen Jahrzehnten auch in der Sonderpädagogik vorherrschend war, wird mittlerweile als unzureichend gewertet. Die Behinderung eines Menschen kann nicht nur auf das Individuum zentriert und somit losgelöst von seinen Lebensbedingungen gesehen werden. Dazu gehören nach Sander 3 untrennbar auch jene, die zum unmittelbaren Umfeld des Kindes gehören (Mikrosystem), als auch zu Systemen größerer Reichweite bis hin zu gesamtgesellschaftlichen Bedingungen (Ökosystemischer Ansatz). Als grundlegend kann der Behinderungsbegriff der Weltgesundheitsorganisation WHO von 1980 gesehen werden. 4 Hier wird unterschieden zwischen einer Schädigung (impairment) auf organischer Ebene, einer Leistungsminderung (disability) relativ zur Norm sowie einer eventuell resultierenden Behinderung (handicap) auf der sozialen Ebene. Erst durch eine solch umfassende Sicht läßt sich Behinderung pädagogisch bestmöglich erfassen. Vor dem Hintergrund dieser Problematik soll an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, daß das Kapitel über den Komplex zerebrale Bewegungsstörung sich bewußt primär auf den Ebenen der Schädigung, aber auch der Leistungsminderung bewegt. Ähnlich verhält es sich mit den Ausführungen über Wahrnehmungsstörungen, bzw. -beeinträchtigungen, wobei hier der Ebene der Leistungsminderung eine hervorgehobene Rolle zukommt. Diese begrenzte Sichtweise wurde gewählt, um die Themenstellung der Arbeit in einem angemessenen Rahmen bewältigen z u können. Die prinzipielle Ganzheit einer jeden Persönlichkeit sowie die Eingebundenheit in den vielschichtigen sozialen Kontext soll damit nicht bestritten werden.
Die Literatur zu den Themen Wahrnehmung und Wahrnehmungsstörungen ist sehr reichhaltig, in der Vielfalt ihrer theoretischen Ansätze bisweilen gar verwirrend. Jedoch gibt es kaum Werke, die sich explizit mit dem Zusammenhang zwischen einer (zerebralen) Bewegungsstörung und Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, bzw. mit einer spezifischen
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Form der Förderung befassen. Die angeführten theoretischen Erklärungsansätze, bzw. Förderkonzepte entstammen somit meist anderen Bereichen, wie der allgemeinen Pädagogik, der Psychologie, der Geistig- oder Lernbehindertenpädagogik u.s.w. . Ihre Übertragbarkeit auf das Klientel von Kindern und Jugendlichen mit einer zerebralen Bewegungsstörung ist nach Erachten des Autors jedoch gegeben. Im Folgenden wird meist die maskuline Form, etwa `die Schüler´ oder `man´ gewählt, sofern die betreffende Person nicht eindeutig als weiblich bekannt ist. Diese Einseitigkeit ist dem Autor bewußt. Auf eine Geschlechterdifferenzierung gemäß den Formen `die Schülerinnen und Schüler´ oder `die SchülerInnen´ wurde aber aus Gründen des Leseflusses und damit zugunsten einer besseren Lesbarkeit verzichtet.
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Die zerebrale Bewegungsstörung 5 II.
Die bei den Kindern und Jugendlichen an Schulen für Körperbehinderte am häufigsten anzutreffende Schädigung ist die zerebrale Bewegungsstörung (Infantile Zerebralparese). Es soll im Folgenden eine Charakteristik dieser senso-motorischen Störung insbesondere aus medizinisch-defektologischer Sichtweise erfolgen.
II. 1. Begriffsklärung
Als Definition soll hier die Variante gewählt werden, die Udo Kalbe in seinem Standardwerk `Die Cerebral-Parese im Kindesalter´ verwendet: Eine zerebrale Bewegungsstörung ist eine senso-motorische Störung als Folge einer frühkindlichen Hirnschädigung.
Dabei meint `frühkindlich´ vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende etwa des zweiten Lebensjahres, d.h. die Phase der wesentlichen Wachstums- und Differenzierungsvorgänge im zentralen Nervensystem. Unter Hirnschädigung wird die Entstehung eines irreparablen und im wesentlichen konstanten Defekts verstanden. Es handelt sich daher nicht um fortschreitende zerebrale Prozesse oder T raumen. Die resultierende senso-motorische Störung äußert sich in mangelhafter, bzw. abnormer Regulierung des Muskeltonus und der Koordination der verschiedenen Muskelgruppen. Diese Störung kann zu einer Behinderung führen.
II. 2. Ursachen
Die Ursachen einer zerebralen Bewegungsstörung sind oftmals unklar, jedoch kann meist eine `Noxenkette´ angenommen werden (manche Störungen führen zu einer erhöhten Disposition für weitere Komplikationen, schädigende Faktoren addieren oder potenzieren sich damit). Der Zeitpunkt der Schädigung kann vor, während oder nach der Geburt liegen. Die meisten Schädigungen des Gehirns treten perinatal auf (je nach Quelle in 30-70% der Fälle). Es folgen in der Häufigkeit pränatale Schädigungen mit 10-40% und postnatale Schädigungen m it unter 10-20% aller Fälle. In neuerer Zeit tragen jedoch bessere
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geburtshelferische und neonatologische Maßnahmen zu einem Rückgang der perinatal bedingten Schäden bei.
Unter den Schädigungsfaktoren spielt die Hypoxie wohl die größte Rolle (Ablauf: Anhäufung saurer Metaboliten, Dysosmose und Zirkulationsstörungen führen zum Untergang von Neuronen). Seltener sind intrakranielle Blutungen durch Traumen. Genetische Faktoren erscheinen zahlenmäßig von untergeordneter Bedeutung, wobei diesen am ehesten ein Einfluß bei der Entstehung einer Ataxie zukommt. Ein weiterer Faktor ist in möglichen Infektionen zu sehen.
II. 3. Pathologisch-anatomischer Befund
Der pathologisch-anatomische Befund wird weniger durch die Art der Ursache, als vielmehr durch den Zeitpunkt der S chädigung bestimmt. Zwei Gruppen können unterschieden werden:
• Fehlbildungen, die meist als Folge von Störungen in der frühen Schwangerschaft auftreten. Diese kommen nur selten in Form grober Malformationen vor. Häufiger sind Differenzierungsstörungen embryonaler Neuroblasten und Migrationsstörungen ausschlaggebend, die zu Heterotopien (Inseln grauer Substanz im Marklager) sowie Pachy- oder Agryen (abnorm breite oder fehlende Hirnwindungen) führen können. Den Fehlbildungen fällt zahlenmäßig allerdings nur eine untergeordnete Rolle zu.
• Residuen destruktiver Prozesse (Folgen von Zelluntergängen) sind dahingegen häufiger anzutreffen. Ihre Ausprägung ist wiederum vom Reifegrad des Gehirns zum Zeitpunkt der Schädigung abhängig:
è Bei sehr unreifem Gehirn kommt es zu Höhlenbildungen, Marklagerzysten, Porenzephalien mit sekundär kleinen Hemmungsmißbildungen in abhängigen Strukturen.
è In späteren Stadien herrschen bindegewebige Reaktionen (wie Gliose oder Sklerose) vor, die ihrerseits z.B. zu narbigen Schrumpfungen im Rindenbereich führen können.
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Der exakte Ort der Schädigung ist oft schwer zu bestimmen. In Abhängigkeit von der Art der Bewegungsstörung sind charakteristische Schädigungen bekannt: Eine Spastik, die den ganzen Körper betrifft, ist meist Folge von hypoxisch bedingten Läsionen im Kortex (Großhirnbereich). Ein rigider Hypertonus impliziert meist eine Beteiligung der Basalganglien, wohingegen eine Athetose meist mit Läsionen im Stammganglienbereich (oft durch Hypoxie hervorgerufen) einhergeht. Spastische Hemiplegien sind auf Schädigungen der kontralateralen Gehirnhälfte zurückzuführen (Hypoxie und gefäßbedingte Ursachen). Die neurologische Bestimmung einer isolierten Schädigung ist bei der Ataxie oft unmöglich.
II. 4. Besonderheiten der stato-motorischen Entwicklung
Bei einer Schädigung des unausgereiften Gehirns ist grundsätzlich zu bedenken, daß es nicht nur zum Verlust bereits vorhandener Funktionen, sondern auch zur Beeinträchtigung der noch zu erwartenden Funktionen kommen kann.
Charakteristisch für alle Formen der zerebralen Bewegungsstörung ist eine veränderte zentrale Steuerung von Tonus und Koordination. Der Tonus kann hierbei zu niedrig oder zu hoch sein, bzw. in einem abrupten unkontrollierten Wechsel vorliegen. Eine schlechte Koordinationsfähigkeit ist vor allem durch einen Mangel an inhibitorischer Kontrolle bedingt. Es liegt die Schwierigkeit vor, Bewegungsabläufe auf bestimmte Körperregionen zu beschränken. Zudem ist oft eine relativ geringe Anzahl von Bewegungskonzepten vorhanden.
Grundlegende Mechanismen zur Haltungskontrolle können sich nur schwer entwickeln (Stell-, Stütz-, Balancereaktionen). Diese bilden jedoch die Basis für eine adäquate Willkürmotorik. Aus diesem Zusammenhang wird die Notwendigkeit einer physiotherapeutischen Frühförderung ersichtlich, zumal für die Ausbildung der motorischen `Grundausstattung´ eine sensible Phase (etwa die ersten beiden Lebensjahre) angenommen wird.
II. 5. Veränderte Haltungs- und Bewegungsmuster
Eine Störung der Haltungs- und Bewegungsmuster kann einerseits im Bereich spontaner Bewegungen, andererseits bei verschiedenen Reflexen vorliegen.
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Spontanbewegungen können quantitativ (Zuviel/Zuwenig an Motorik) und qualitativ (Form der Bewegungsabläufe, Ausmaß, Tempo) gestört sein. Als wichtigste Merkmale beeinträchtigter Spontanbewegungen sind die Eintönigkeit, der Mangel an Variation und ein unterschiedlich starker Einfluß von Massenbewegungen zu sehen. Unter Totalsynergien werden Beuge- oder Streckschablonen verstanden, bei denen sich der zentral-nervöse Impuls weitgehend unbegrenzt ausbreitet und damit nicht nur an den gewünschten Stellen wirkt.
Tonische Reflexe liegen bei einer überwiegend normalen Entwicklung nur in den ersten Lebensmonaten vor. Werden sie beim Vorliegen einer zerebralen Bewegungsstörung ungenügend gehemmt, können sie die Motorik negativ beeinflussen. Zu dieser Art der Reflexe, die meist nicht einzeln auftreten, zählen der tonische Labyrinthreflex (TLR), der asymmetrisch tonische Nackenreflex (ATNR), der symmetrisch tonische Nackenreflex (STNR) und überschießende Stützreaktionen der Beine.
Als assoziierte Reaktionen werden unwillkürliche, nicht unterdrückbare tonische Mitbewegungen in anderen Körperbereichen bezeichnet. Diese stehen meist im Zusammenhang mit den beabsichtigten Bewegungen, die eine besonders hohe Willkürleistung benötigen. Ein bekanntes Beispiel ist das Verkrampfen der hemiplegischen Seite bei einer normalen Tätigkeit der andersseitigen Hand.
II. 6. Formen der zerebralen Bewegungsstörung
Je nach V erteilung der Tonusstörung werden Quadriplegie (Tetraplegie), Diplegie und Hemiplegie unterschieden (etwas ungünstig aus dem Griechischen: plegé = Schlag). Allerdings gilt es zu bedenken, daß meistens Mischformen vorkommen, die lediglich dem am deutlichsten hervortretenden Erscheinungsbild zugeordnet werden. Eine weitere gebräuchliche Unterscheidung erfolgt nach der Art der Tonusstörungen: Unter dem Begriff Spastik (60% aller zerebralen Bewegungsstörungen) werden alle Formen der Tonuserhöhung zusammengefaßt. Bei schwereren Formen ist eine Tonuserhöhung immer gegeben, bei leichteren nur im Zustand der Aktivität (Anstrengung, Erregung) und bei Co-Kontraktionen (gleichzeitige Spannung von Agonisten/Antagonisten).
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Ausgeführte Bewegungen wirken mühsam, zähflüssig, in ihrem Ausmaß eingeschränkt und nur in wenigen Schablonen ablaufend.
Spastische Quadriplegien sind durch Hypertonie und Bewegungsarmut geprägt. Betroffene Kinder kommen oft nicht zum freien Gehen und sind kognitiv in der Regel mehr eingeschränkt als Kinder mit anderen Formen der Spastik. Die Kopfkontrolle ist erschwert, Rumpf und Beine neigen zum Beugemuster.
Kinder mit einer spastische Diplegie erwerben meistens die Fähigkeit zu Laufen. Es gibt eine Tendenz zum Zehenspitzengang sowie zu schlechter Balance beim Gehen (die durch die weniger betroffenen Arme aber ausgeglichen werden kann). Die spastische Hemiplegie ist auffallend durch ein typisches Gangbild geprägt. Die betroffene Seite wirkt verkrampft und wird leicht nachgezogen oder schleifend vorgebracht. Bei Handlungen, die dem Einsatz der Hände bedürfen, ist eine deutliche Bevorzugung der nicht betroffenen Hand festzustellen.
Charakteristisch für eine Athetose ist ein starker Wechsel des Muskeltonus. Die Bewegungen sind überschießend und wirken gewunden.
Eine Ataxie zeichnet sich durch das Vorliegen mangelnder Bewegungskoordination, Gleichgewichtsstörungen und eines `gestelzten´ Gangs aus. Darüber hinaus kommen hypotone Formen, Mischformen aus den vorgenannten Typen sowie die sogenannte minimale Zerebralparese vor.
II. 7. Der Einfluß von zerebraler Bewegungsstörung und hirnorganischer Schädigung auf andere Bereiche der Entwicklung
Die Besonderheiten der Entwicklung eines Kindes mit einer zerebralen Bewegungsstörung liegen nicht ausschließlich im senso-motorischen Bereich. In der Entwicklung des Kindes greifen die verschiedenen Bereiche (Motorik, Wahrnehmung, Emotion etc.) ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Daher wirkt sich eine Beeinträchtigung der Sensomotorik innerhalb der Gesamtpersönlichkeit auch notgedrungen auf diese anderen Aspekte aus. Zusätzlich kann die bestehende Schädigung des Gehirns ebenfalls verschiedene Bereiche der Persönlichkeit betreffen. Ob nun eine mögliche Begleitstörung `direkt´ durch die
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Hirnschädigung hervorgerufen wird oder aber als Folge der sensomotorischen Einschränkung und dem damit einhergehenden Erfahrungsmangel zu sehen ist, ist meistens nicht genau zu ermitteln. Diese unterschiedlichen Bedingungen potenzieren sich in ihrer Wirkung häufig.
Beschrieben sind etwa Sensibilitätsstörungen, die sowohl die Tiefensensibilität als auch die Oberflächensensibilität betreffen können sowie Beeinträchtigungen der Nahrungsaufnahme und der Sprache. Rund ein Drittel der Kinder mit einer zerebralen Bewegungsstörung weist eine Epilepsie auf. Neben Einschränkungen im kognitiven Bereich sind ferner Beeinträchtigungen der Sinnesorgane und der zentralen Wahrnehmungsprozesse, der Apperzeption, häufig. Zwischen eingeschränkter Motorik und Wahrnehmung besteht ein enger Zusammenhang. „.Ein korrektes Sammeln von Informationen setzt eine korrekte Ausführung von Bewegung voraus Wahrnehmung und Bewegung sind daher die beiden Kehrseiten ein und derselben Medaille.“ 6 Aufgrund einer `sekundären Neurotisierung´ oder als Folge eines hirnorganischen Psychosyndroms können Verhaltensstörungen auftreten. Beeinträchtigungen der Motivation, der Aufmerksamkeit, der Neugierde oder Kreativität sind nicht selten. Auch die Entwicklung von sozialen Beziehungen zu Personen der Umwelt ist unter Umständen erschwert oder verändert. Das Mutter-Kind-Verhältnis erscheint oft als stark symbiotisch. Als wichtige Erkenntnis aus diesen Zusammenhängen läßt sich die Eingebundenheit vermeintlich isolierter Auffälligkeiten oder Störungen in die Gesamtpersönlichkeit des jeweiligen Kindes oder Jugendlichen mit einer zerebralen Bewegungsstörung festhalten. Wie bereits ausgeführt wurde, ist selbstverständlich darüber hinaus die stete Wechselwirkung der Umwelt mit den betroffenen Menschen zu beachten.
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III. Wahrnehmung
III. 1. Der Begriff Wahrnehmung
Wahrnehmung ist als Begriff der Alltagssprache entnommen. Dabei hat der Wortbestandteil `Wahr´ keine Verbindung zu dem Begriff `Wahrheit´. Der eigentliche Ursprung ist in dem mittlerweile ungewöhnlichen Substantiv `Wahr´ zu sehen, daß der Bedeutung von Aufmerksamkeit, Acht oder Hut nahekommt („etwas gewahr werden“). 7 Eine verbindliche Definition für `Wahrnehmung´ existiert nicht. Im folgenden werden deshalb zunächst einige Varianten angeführt, bevor eine Arbeitsdefinition gewählt wird.
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Bundschuh 8 sieht Wahrnehmung als einen „... Prozess, durch den sich ein Mensch in Form von Informationsübertragung über die Sinnesorgane an das Gehirn Welt aneignet.“ Neben der Aufnahme, der Umwandlung und Weiterleitung von Reizen (Bereich der Perzeption) g ehören hierzu auch das Erkennen, Benennen und Einordnen in ein Bezugssystem (Apperzeption). Diese Verarbeitung des im Menschen befindlichen wie ihn umgebenden Informationsmaterials verläuft im günstigen Fall dergestalt, daß sich für das Individuum Bedeutung und Sinn ergeben.
Als „ ... das Gewahrwerden unserer selbst wie der Umwelt ...“ bezeichnet Leyendecker 9 analog den Komplex Wahrnehmung. Zunächst geschieht Wahrnehmung mit verschiedenen Sinnen. Diese können in Interozeptoren (Empfindungen der Organe), Propriozeptoren (Lage und Stellung des Körpers, der Gelenke, der Muskelspannung und der Körperbewegung) und Exterozeptoren (körpernahe Tast-, Druck-, Temperatur-, Schmerz- und Geschmacksempfindungen) sowie Distanzrezeptoren (Auge, Ohr und Nase) unterschieden werden. Ein verbreitetes Ordnungssystem ist des weiteren die Unterteilung in fünf Sinnessysteme (visuelles, akustisches, chemisches, vestibuläres System und das Sinnessystem der Haut). 10
An anderer Stelle führt Leyendecker 11 eine Definition von Drever und Fröhlich an, die auf die Eingebundenheit von Wahrnehmung hinweist. Hier erscheint Wahrnehmung als „... Prozeß des Informationsgewinns aus Umwelt- und Körperreizen einschließlich der damit verbundenen emotionalen Prozesse und der durch Erfahrung und Denken erfolgenden Modifikationen.“ Ein wichtiger Aspekt ist die Notwendigkeit der Interpretation von Wahrnehmungen.
Für die weiteren Ausführungen soll folgende Definition Anwendung finden: Wahrnehmung beschreibt einen äußerst komplexen Vorgang, der die aktive Aufnahme von Reizen mittels unterschiedlicher Sinnesorgane, die adäquate Umwandlung und Weiterleitung zum zentralen Nervensystem sowie die dortige Verarbeitung auf der Grundlage des zur Verfügung stehenden Bezugssystems umfaßt.
Bisweilen wird in der Literatur der Teilaspekt der Apperzeption, die zentrale Verarbeitung, als eigentliche Wahrnehmung charakterisiert. In dieser Arbeit soll jedoch die weiter gefaßte Definition von Wahrnehmung verwand werden.
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Zur möglichst exakten Beschreibung dieses Grundphänomens des Lebens erscheint es notwendig, neurologische wie auch psychologische Erkenntnisse heranzuziehen. Dieses erfolgt im Bewußtsein der lediglich konstruierten Trennung der Wahrnehmungsfähigkeit von anderen Bereichen der menschlichen Entwicklung. Jedoch soll aus Gründen der Praktikabilität der Fokus in den weiteren Ausführungen im Sinne dieser theoretischen Abgrenzung gerichtet werden.
III. 2. Neurologische Grundlagen der Wahrnehmung
Nach Dudel 12 unterscheidet man eine objektive und eine subjektive Sinnesphysiologie. Erstere beschäftigt sich mit der Analyse der Leistungen von Sinnesorganen. Rezeptorpotentiale sowie Impulsfrequenzen sensorischer Gehirnzentren und Nervenzellen sind mit naturwissenschaftlichen Methoden meßbar.
In den verschiedenen Sinnesorganen sind bestimmte Rezeptoren darauf spezialisiert, auf eine gewisse Gruppe von Reizen optimal zu reagieren. Hierzu sind in den Rezeptoren bestimmte Zellorganellen (z.B. die lichtabsorbierende Pigmentschicht in den Sehzellen) entwickelt. Diese Spezifität der Rezeptoren ist jedoch nur eingeschränkt wirksam, da auch andere Reize (elektrische Spannung, Druckänderung oder Änderung des chemischen Milieus) eine Reaktion hervorrufen können.
Die resultierenden Impulsmuster gelangen über Nervenbahnen, die mittels einer Vielzahl von Synapsen verschaltet sind, zu den sensorischen Gehirnzentren. 13 An diesen Synapsen treten bei der Weiterleitung sog. Hemmungen oder Summationen (Bahnungen) auf. Der Mechanismus der Hemmung, der unterschiedlichen Typs sein kann, 14 verhindert die ungebremste Ausbreitung einer Erregung. Die resultierenden Hemmzonen um die jeweils maximal erregten Neuronen können von der Ebene der Rezeptoren bis hin zu den verarbeitenden sensorischen Gehirnzentren auftreten. Durch diesen Vorgang ist etwa die Justierung der Empfindlichkeit eines Sinnesorgans möglich. Die `Gegenspielerin´ der Hemmung, die Summation, erklärt sich aus den Effekten der Divergenz, bzw. der Konvergenz. Unter Divergenz wird der Vorgang verstanden, durch den z.B. ein erregter Rezeptor durch Verschaltung mit angrenzenden Rezeptoren auch diese zu einer Erregung führen kann. Einerseits wird zwar somit die Lokalisierbarkeit eines
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Reizes verschlechtert, die Empfindlichkeit für schwache Reize jedoch verbessert. Konvergenz entsteht, wenn viele benachbarte Rezeptoren oder Neuronen durch die Hinleitung von Erregungen an ein bestimmtes Neuron das dortige synaptische Potential summieren, bzw. bahnen. Somit wird auch die Schwelle der Weiterleitung für schwächere Impulse anderer benachbarter Rezeptoren, bzw. Neuronen gesenkt, bildlich wird ihnen `der Weg gebahnt´.
Eine bestimmte Nervenzelle wird von einer Vielzahl von Rezeptoren erregt. Alle Punkte des Körpers, von denen ein Neuron erregt wird, werden unter dem Begriff rezeptives Feld zusammengefaßt. Diese Felder überlappen sich in der Regel stark. Die Bestimmung des jeweiligen Reizortes ist durch den Vergleich der rezeptiven Felder benachbarter Neuronen möglich. Zentrum und Peripherie jener Felder sind in der Regel meist unterschiedlich reaktiv. Wirkt das Zentrum bahnend, so kommt es an der Peripherie zum Mechanismus der Hemmung (seltener auch umgekehrt). Diese Umfeldhemmung bewirkt eine Verbesserung der Kontrastschärfe eines Reizes und des räumlichen Unterscheidungsvermögen der Gehirnzentren. Die entstehende Grenze zwischen Zentrum und Peripherie reagiert besonders gut bei der Aufnahme von sich bewegenden Reizen.
Die Reifung des Gehirns, somit auch der Wahrnehmung, erklärt sich aus der Zunahme der Verbindungen zwischen Nervenzellen. Je höher die Zahl der synaptischen Verknüpfungen innerhalb des Nervensystems ist, desto leistungsfähiger ist es.
Die subjektive Sinnesphysiologie befaßt sich mit Empfindungen und Wahrnehmungen (Apperzeption) als Tätigkeiten des menschlichen Geistes. Hierbei werden keine chemischen oder physikalischen Veränderungen gemessen, sondern menschliche Aussagen über innere Empfindungen oder Verhaltensäußerungen auf äußere Reize hin analysiert. Jede Empfindung oder Wahrnehmung hat vier Grunddimensionen 15 : Räumlichkeit, Zeitlichkeit, Qualität und Intensität. Während die ersten beiden Dimensionen eine Einordnung in der Welt zulassen, gibt die Qualität Informationen über die Auswahlkriterien unter den möglichen Sinnesempfindungen. Hierbei lassen sich die Modalität (Gruppe ähnlicher Sinneseindrücke, die über ein bestimmtes Organ vermittelt werden) einer
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Empfindung sowie die Qualität im engeren Sinne (Differenzierung innerhalb einer Modalität, z.B. Helligkeit und Farben bei visuellen Empfindungen) unterscheiden. Oft untersuchter Gegenstand ist der Schwellenwert als kleinster Wert einer Sinnesreizung, der eine Empfindung beim aufnehmenden Individuum auslöst. An Realitätsnähe gewinnt eine Untersuchung, bei der sich mehrere Grunddimensionen gleichzeitig ändern. Ein bemerkenswertes Ergebnis ist z.B. die Tatsache, daß sich die Empfindungsintensität während der Dauer eines Reizes in der Regel verringert (Ausnahme: Schmerz). Diese Herabsetzung wird als Adaption bezeichnet. Im Umkehrschluß sind vor allem Reizänderungen besonders gut wahrzunehmen, wobei die Stärke und Dauer dieses Vorgangs von der Modalität abhängig ist. Dieser Umstand läßt sich auch mit Methoden der objektiven Sinnesphysiologie nachweisen. 16 Für den praktischen Bereich in der Pädagogik ließe sich hieraus etwa eine mögliche Begründung für die Darbietung des Unterrichtsstoffes über unterschiedliche Sinneskanäle ableiten.
III. 2. 1. Neurologie des visuellen Systems
Die Nervenbahnen des optischen Systems nehmen im Verhältnis zum gesamten zentralnervösen Leitungssystem einen Anteil von knapp 40% ein. Im Verhältnis zum auditiven System beträgt die vermittelte Informationsmenge etwa das Zehnfache. 17 Hieraus ergibt sich die prominente Stellung des visuellen Fernsinns für den Menschen. Das Auge als höchst komplexes System besitzt neben der rein optischen Funktion der Aufnahme von visuellen Reizen zusätzlich eine motorische Funktion, die über die Muskeln des Augapfels Ausrichtung und Stabilität des Auges bestimmen. Die visuellen Informationen werden zunächst von der Netzhaut über die Sehbahn zur primären Sehrinde geleitet. 18 Diese befindet sich an der Innenfläche und der hinteren Spitze des Okzipitallappens des Gehirns. Von hier aus gelangt die Information zu den sog. sekundären visuellen Rindenfeldern, die sich um die primäre Sehrinde gruppieren und sich im Temporallappen und Parietallappen befinden. Nach Goldenberg grenzen an der Unterseite des Temporallappens an das System der visuellen Verarbeitung Strukturen an, die von zentraler Rolle für das semantische und episodische Gedächtnis sind. Die sekundären visuellen Rindenfelder im Parietallappen wiederum grenzen an Strukturen, die
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Arbeit zitieren:
Jens Schotthöfer, 2002, Möglichkeiten pädagogisch-therapeutischer Förderung bei Kindern mit zerebralen Bewegungsstörungen und Wahrnehmungsstörungen unter besonderer Berücksichtigung visueller Wahrnehmungsstörungen - betrachtet an einem Fallbeispiel, München, GRIN Verlag GmbH
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Hausarbeit, 43 Seiten
Jens Schotthöfer's Text Möglichkeiten pädagogisch-therapeutischer Förderung bei Kindern mit zerebralen Bewegungsstörungen und Wahrnehmungsstörungen unter besonderer Berücksichtigung visueller Wahrnehmungsstörungen - betrachtet an einem Fallbeispiel ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Jens Schotthöfer hat den Text Möglichkeiten pädagogisch-therapeutischer Förderung bei Kindern mit zerebralen Bewegungsstörungen und Wahrnehmungsstörungen unter besonderer Berücksichtigung visueller Wahrnehmungsstörungen - betrachtet an einem Fallbeispiel veröffentlicht
Jens Schotthöfer hat einen neuen Text hochgeladen
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