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1. EINLEITUNG
In meiner Arbeit geht es darum, zu zeigen, warum die kubanische Revolution siegreich ausgegangen ist und welche Rolle dabei insbesondere Havanna eingenommen hat. Die Literatur hierzu ist umfangreich, wobei die Schwerpunktlegung variiert und Ursachen und Gründe des Erfolges unterschiedlich gedeutet werden. Ganz deutlich ist dies am Beispiel der Erschießungskommandos zu sehen. Werden diese bei der Russin Emilia Grinewitsch vollkommen unter den Tisch gekehrt, lassen sich die US-Amerikaner Leo Huberman und Paul M. Sweezy in ihrem Buch ausführlich dazu aus, jedoch in einer Weise, die den Leser von der Notwendigkeit dieser Aktionen ganz klar zu überzeugen sucht. Emilia Grinewitsch stellt die Rebellen in ihrem Werk äußerst heldenhaft dar. Ihre kommunistische Haltung wird deutlich, da sie die besondere Bedeutung der kommunistischen Partei und der Arbeiter für die Revolution ständig hervorhebt.
Ich habe mich jedoch hauptsächlich auf die Aussagen von Jon Lee Anderson und Peter G. Bourne gestützt, da mir ihre Werke als relativ objektiv und differenziert erscheinen, was sicherlich unter anderem auf ihre umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Thema zurückzuführen ist. Peter G. Bourne war in den USA im demokratischen Lager politisch aktiv und galt als Befürworter einer Präsidentschaft Jimmy Carters. Im Jahre 1959 traf er als Stellvertreter der US-amerikanischen Regierung mit Fidel Castro zusammen und konzentrierte sich nach einer dreijährigen Beschäftigung bei den Vereinigten Staaten auf die Arbeit als Autor. Der Journalist Jon Lee Anderson hat für die Recherchen zu seiner Che-Biographie drei Jahre auf Kuba gelebt. Aleida March, die Witwe Ches, erklärte sich erstmals zu einem Interview bereit und ermöglichte Anderson einen Einblick in ganz persönliche Dokumente Ches, was ich für äußerst wertvoll halte. Bleibt der Journalist und Reporter Enrique Meneses zu nennen, der sich besonders dadurch auszeichnet, dass er Che Guevara und Fidel Castro als erster Reporter während der Revolution in der Sierra Maestra begleitete. Er erwähnt in seinem Werk immer wieder gesondert die Geschehnisse in
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Havanna während der gesamten Revolutionsbewegung der Rebellen, wohingegen ich den Weg Fidel Castros, Che Guevaras und ihrer Anhänger in den Vordergrund stelle und mich erst nach ihrer Ankunft in der Stadt auf die dortigen Geschehnisse konzentriere, da sich die Rebellen aus der Sierra Maestra schließlich gegenüber denen aus dem Flachland haben durchsetzen können und die Opposition in der Stadt, trotz der internationalen Bedeutung Havannas, keine bemerkenswerte Rolle spielte.
2. DER WEG NACH HAVANNA
Seit Beginn des Jahres 1954 kamen die Anhänger Fidel Castros aus ihrem Exil in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern einer nach dem anderen nach Mexiko, um sich dort zu sammeln. Denn hier wollte Castro eine Bewegung mit bewaffneten Freiheitskämpfern gründen, die dann nach Kuba zurückkehren und einen Guerillakrieg führen sollten, um Batista zu stürzen. Fidel selbst traf im Juli 1955 in Mexiko ein. Er lernte bereits am folgenden Tag den argentinischen Arzt Ernesto Che Guevara kennen und lud ihn nach wenigen Stunden ein, sich als Arzt seiner Guerillabewegung anzuschließen. Ernesto erklärte sich umgehend einverstanden. 1 Nach fünfmonatigem Aufenthalt in Mexiko reiste Castro in die USA, um dort bei den Exilkubanern Geld für die revolutionäre Sache zu sammeln. Die Reise war ein voller Erfolg, sowohl hinsichtlich der Mittel, die ihm zuflossen, als auch hinsichtlich der Basis der Bewegung, die sich deutlich verbreiterte. 2
Da Castro öffentlich verkündet hatte, noch im Jahre 1956 nach Kuba zurückzukehren, ließ er sich nicht davon abbringen und trat Ende November mit 82 Mann die Fahrt nach Kuba an. Er hielt es für wichtiger, seine Glaubwürdigkeit zu erhalten, als die mangelnde Organisation einer Invasion zu berücksichtigen. Zudem sah er sich gezwungen, rasch zu handeln, da sich immer mehr Rivalen aus den verschiedensten Lagern formierten. Am 30.November, an dem Tag, an dem die Granma, die Motorjacht der Rebellen, planmäßig in Kuba hätte eintreffen sollen, inszenierte Frank País,
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Fidels Koordinator in Oriente, eine Erhebung in Santiago de Cuba. Da die Granma jedoch erst am 2.Dezember die Küste erreichte, verhalf die als Ablenkungsmanöver gedachte Erhebung dem Militär, die Rebellen aufzuspüren. Nur wenige konnten sich in die Berge retten, doch Castro blieb zuversichtlich. 3 Er war nicht bereit aufzugeben, und konnte die Übriggebliebenen überzeugen, ihm willig zu folgen. 4 Am 30. Juli 1957 wurde Frank País in Santiago de Cuba verhaftet und umgebracht. Che Guevara war zu dieser Zeit bereits von Castro zum comandante 5 befördert worden und hat das Kommando über die Kolonne 4 übertragen bekommen, weshalb er seinen Aufgabenbereich als Arzt der Rebellenarmee aufgab und womit er eine Position innehatte, die der Castros fast ebenbürtig war. 6
Mit der Zeit konnten die Rebellen dank ihres wachsenden Selbstvertrauens und der größeren Erfahrung immer mehr Siege für sich verbuchen. Zudem war die Moral der Regierungstruppen eindeutig angeschlagen, immer mehr Soldaten desertierten oder liefen zur Guerilla über. Als Anfang August 1958 dann auch noch heftige Regenfälle einsetzten, blieb die Offensive der Regierungstruppen stecken und die Armee zog sich aus der Sierra Maestra zurück. Castro sah die Zeit gekommen, die Kampfhandlungen über die Provinz Oriente hinauszutragen. Seinem Plan nach sollte Camilo Cienfuegos, ebenfalls comandante der Rebellenarmee, seine Kolonne nach Pinar del Río, also an das andere Ende der Insel, führen. Che Guevara sollte mit einer 148 Mann starken Abteilung nach Las Villas marschieren und versuchen, dabei durch Unterbrechung aller wichtiger Verkehrs- und Kommunikationsverbindungen, das Land in zwei Hälften zu teilen. Demnach befänden sich am Ende alle ländlichen Gebiete in Rebellenhand, die Städte hingegen wären eingeschlossen und isoliert. Castro selbst sollte in der Provinz Oriente bleiben und versuchen, Santiago einzuschließen.
3 In der von mir verwendeten Literatur wird die Zahl der Überlebenden meist mit etwa zwanzig
angegeben. Laut Anderson gibt es keine Angaben über die genaue Zahl, offiziell wurde sie
jedoch mit zwölf angegeben- der Zahl, die symbolisch für die Apostelgeschichte steht.
4 Vgl. Bourne, Peter G., Fidel Castro, Düsseldorf / Wien / New York 1988, S. 173 ff.
5 entspricht dem Rang eines Majors, höchster Dienstgrad innerhalb der Rebellenarmee
6 Vgl. Bourne, Peter G., Fidel Castro, Düsseldorf / Wien / New York 1988, S. 192 f.
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Da sich die militärische Lage zu seinen Gunsten entwickelte, konzentrierte er sich darauf, die Oberherrschaft über all die verschiedenen Gruppierungen aufrechtzuerhalten, die der Macht nachjagten. 7 Die Kolonnen von Guevara und Cienfuegos trafen Anfang Oktober 1958 in Las Villas ein. Dabei ist die Leistung der gut 200 Soldaten und Offiziere der Rebellenarmee kaum vorstellbar. Sie hatten es trotz Erschöpfung durch die schwierigen Märsche geschafft, die etwa 600 Kilometer in einer unbekannten, von feindlichen Truppen nur so wimmelnden Gegend zurückzulegen, dem Feind zudem Verluste beizubringen, und unter Wahrung von Kampfkraft und hoher revolutionärer Moral in den Bergen von Escambray anzulangen. 8 Sie bekamen Anweisungen von Castro, dort vorerst zu verharren und dabei zu helfen, die Kontrolle über die revolutionären Kräfte abzusichern, da er sich Sorgen machte, interne Streitigkeiten könnten den letzten und entscheidenden Schlag gegen das Batista-Regime beeinträchtigen. Ende Oktober starteten die Rebellen eine Großoffensive im ganzen Land, und in Las Villas konnte der Plan realisiert werden, das Land in zwei Hälften zu teilen. Gegen Ende Dezember begann Guevara mit der Erschließung Santa Claras.
Bereits zu Beginn des Monats war die Regierung der Vereinigten Staaten zu dem Schluss gelangt, dass Batista nicht mehr zu retten sei und versuchte, ihn zu überzeugen, das Land zu verlassen, um einen anderen als Castro an die Macht bringen zu können. Doch ließ Batista sich erst in der Silvesternacht zu einer Flucht bewegen, womit er Castro ermöglichte, die Kontrolle über das Land weiterhin für sich zu vergrößern. Die wichtigste Aufgabe Castros bestand nun darin, das Militär an der Machtübernahme zu hindern. Am 1. Januar 1959 rief er zum sofortigen Generalstreik auf und erteilte Cienfuegos und Guevara den Befehl, nach Havanna zu marschieren. 9
7 Vgl. ebd., S. 199 f.
8 Vgl. Grinewitsch, Emilia, Kubas Weg zur Revolution, Frankfurt am Main 1978, S. 270
9 Vgl. Bourne, Peter G., Fidel Castro, Düsseldorf / Wien / New York 1988, S. 202 ff.
Arbeit zitieren:
Diplom-Regionalwissenschaftlerin Male Thienken, 2004, Die Eroberung der Metropole 1959: Castro und Ché auf dem Weg nach Havanna, München, GRIN Verlag GmbH
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