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1. EINLEITUNG
In dem Buch ´A Relíquia` von Eça de Queiroz wird der Protagonist Teodorico von seiner Tante Dona Patrocínio beauftragt, eine Pilgerfahrt ins Heilige Land zu unternehmen. Da er um jeden Preis zum Erben seiner reichen Tante gemacht werden will, versucht er, ihren Wünschen so gut es eben geht gerecht zu werden und begibt sich trotz anfänglicher Bedenken auf die lange Reise.
In dieser Arbeit geht es darum, wie der Orient in dem Roman dargestellt wird. Dabei verarbeitet Queiroz die Eindrücke seiner eigenen Orientreise, die ihn 1869 anlässlich der Eröffnung des Suezkanals nach Ägypten führte. In der portugiesischen Literatur jener Zeit ist Queiroz mit seiner Ironie herausragend. „In den Werken von Eça de Queiroz sind die menschlichen Widersprüche insofern gegenwärtig, als der Autor selten etwas erzählt oder beschreibt, erzählen oder beschreiben lässt, ohne in die Haut der jeweiligen Person, eines fiktiven Erzählers in der ersten Person oder auch einer historischen Gestalt geschlüpft zu sein.“ (Lopes, in: Queiroz, 1984, S. 293) So ist denn auch in ´A Relíquia` die Beschreibung des Orients stets aus den Augen Teodoricos zu sehen, wodurch sie an Objektivität einbüßt und den Effekten der Ironie obliegt. Im Kontext der portugiesischen Literatur am Ende des 19. Jahrhunderts ist diese „focalilização de uma personagem parcial, imperfeita, errática e dialógica, inserida dentro do próprio tecido ficcional” (Campos Matos, 2000, S. 562) etwas ganz Neues. “O ´último Eça` [...] pode pois ser definido pela novidade, originalidade e poder de sedução. Neste contexto A Relíquia constitui uma história mutação de sensibilidade na maneira de se fazer ficção, antecipando o romance modernista.” (ebd., S. 566)
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2. DIE IDEE DER REISE
Eines Sonntags beim gemeinsamen Abendessen bei der Senhora Patrocínio das Neves ergibt es sich, dass die Freunde von ihren Sehnsüchten zu sprechen beginnen. Als Teodorico schließlich nach seinem Lieblingswunsch gefragt wird, gibt er zu, dass er unheimlich gerne Paris sehen würde. Daraufhin empört sich die Senhora Patrocínio geradezu, da ihr dieser Ort als nicht ehrwürdig erscheint. Sogleich bekommt sie Unterstützung von Doktor Margaride, welcher sich für eine Reise ins Heilige Land ausspricht. So kommt es, dass Teodorico im Auftrag seiner Tante nach Jerusalem reisen soll. Er gibt sich dankbar, ist jedoch zunächst kein bisschen von der Idee angetan.
„Ir a Jerusalém! E onde era Jerusalém? (...) ...comecei a procurar Jerusalém lá para o lado onde vivem os Infiéis, ondulam as escuras caravanas, e uma pouca de água num poço é como um dom precioso do Senhor.
O meu dedo errante sentia já o cansaço de uma longa
jornada: e parei à beira tortuosa de um rio, que devia ser o devote Jordão. Era o Danúbio. E de repente o nome de Jerusalém surgiu, negro, numa vasta solidão branca, sem nomes, sem linhas, toda de areias, nua, junto ao mar. Ali estava Jerusalém. Meu Deus! Que remoto, que ermo, que triste!” (Queiroz, 1887, S.77)
Sein Bild von Jerusalem ist demnach im Vorfeld schon sehr negativ. Doch tröstet er sich mit der Aussicht, über spannendere Orte in das Heilige Land zu gelangen.
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3. ALEXANDRIA
So sieht er denn auch Alexandria, die erste Station seiner Orientreise mit ganz anderen Augen. Hier betritt er nun „a terra do Oriente, sensual e religiosa”, wo er sich sofort wohl fühlt.
„… eu sentia-me envolvido num bafo morno como o de uma estufa, amolecedormente tocado de aromas de sândalo e rosa.” (Oueiroz, 1887, S.85)
Die Gegend wird hell und freundlich beschrieben. Die Erwähnung von Blumen findet auffallend oft im Zusammenhang mit Frauen Eingang in die Geschichte. Seine positiven Gefühle gegenüber der Gegend werden dadurch zum Ausdruck gebracht, dass er hier nun bei der Beschreibung der Gegend vom Duft nach Rosen und vom sinnlichen Orient spricht.
„Amei logo esta terra de indolência, de sonho e de luz.” (Queiroz, 1887, S. 86)
Die Tatsache, dass Teodorico dann auch ein Liebesverhältnis mit einer englischen Verkäuferin eingeht, lässt ihn die Umgebung mit den Augen eines Verliebten sehen. Alle Beschreibungen scheinen stark von seinem subjektiven Empfinden geprägt. Es liegt auf der Hand, dass er als sehr sinnliche Person den Orient, der mit seinem Harem als Ort der Freizügigkeit gilt, schon von vornherein liebt. Demgegenüber blickt er dem religiösen Jerusalem voll negativer Gefühle entgegen. Am liebsten würde er in Alexandria bleiben…
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„Ah! Se pudesse! Mas irrecusáveis eram os
mandados da titi! E, por amor do seu ouro, lá tinha de ir à negra Jerusalém, ajoelhar diante de oliveiras secas, desfriar rosários piedosos ao pé de frios sepulcros...” (Oueiroz, 1887, S. 95)
4. JERUSALEM UND DAS HEILIGE GRAB
So macht sich Teodorico schließlich zusammen mit seinem deutschen Freund Topsius auf nach Palästina. Mit einem Postdampfer werden sie zunächst nach Jaffa gefahren. Dort suchen sich die beiden einen Reiseführer, der ihnen sogleich eine Karawane organisiert, um sie nach Jerusalem führen zu können. Die Beschreibung der Umgebung fällt positiver aus als erwartet. Teodorico scheint wohl gestimmt und genießt den Ritt durch die Natur. Erst bei Ankunft in Jerusalem werden Teodoricos negative Gefühle wieder deutlich. Ein Indiz dafür ist, dass sie die Stadt des Herrn nicht nur bei tristem Nieselregen erreichen, sondern der Regen auch weiterhin eine tragende Rolle spielt. Interessant ist auch, dass Teodorico bei der Beschreibung des Hotelzimmers einen religiösen Bezug herstellt.
„O nosso quarto, no Hotel do Mediterrâneo, em Jerusalém, com a sua abóbada caiada de branco, o chão de tijolo, semelhava uma rígida cela de rude mosteiro.” (Queiroz, 1887, S. 113)
Hier wird wieder einmal deutlich wie subjektiv Teodorico seine Umgebung wahrnimmt. Er sieht das Hotelzimmer wie die Zelle eines Klosters, da er sich hier an einem heiligen Ort befindet. Beim Blick durch das Fenster ragen denn auch die weißen Wände „de um convento silencioso“ im melancholischen Regen auf. Ansonsten wird die Gegend als düster beschrieben, die
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Diplom-Regionalwissenschaftlerin Male Thienken, 2004, Die Konstruktion des Orients in: A Relíquia, Munich, GRIN Publishing GmbH
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