Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Begriffsklärungen Kultur, Vorurteil, Ethnozentrismus,
Germanozentrismus Egozentrismus, Eurozentrismus
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und Nationalismus
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2.1 Kultur 4
2.2 Vorurteil
2.3 Ethnozentrismus, Germanozentrismus,
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Eurozentrismus , Nationalismus
3. Theoretische Erklärungsansätze zur Entstehung
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und Bedeutung von Vorurteilen
4.1 Die gesellschaftliche Funktion des sozialen Handelns
Die soziologische Handlungstheorie
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von Luckmann (1992 1993)
4.2 Die Frustrations-Aggressions-Hypothese
(Dollard et al. 1939) und Sündenbocktheorie 10
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4.3 Einstellungskonzept
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4.4 Intrapersonales Vorurteilskonzept
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4.5 Interpersonales Vorurteilskonzept
5. Deutsche über Franzosen - Franzosen über Deutsche
Empirische Ergebnisse zur Dynamik von
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Vorurteilen zwischen Deutschen und Franzosen
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5.1 Vorurteile von Jugendlichen (Nicklas Gabriel, 1996)
5.2 Qualitativer Beobachtungsbericht von Müller (2005) 19
6. Schlussfolgerungen
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Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Die schnell fortschreitende Globalisierung der Wirtschaftsprozesse löste seit den 1990er Jahren eine Diskussion um die Bedeutung kultureller Unterschiede für international tätige Unternehmen aus. Mitarbeiter international operierender Unternehmen sind zunehmend mit der Aufgabe konfrontiert im Ausland oder virtuell in Teams zu arbeiten, die sich aus Mitarbeitern unterschiedlicher Länder zusammensetzen. Ebenso führen Fusionen und die Gründung von Tochtergesellschaften dazu, dass plötzlich Mitarbeiter unterschiedlicher kultureller Herkunft
zusammenarbeiten. Hier zeigt sich, dass der Aspekt der unterschiedlichen kulturellen Herkunft auch die verschiedenen Unternehmenskulturen betrifft.
Diese Arbeit geht der Frage nach, was Vorurteile sind, wie sie entstehen und welche Bedeutung sie für die interkulturelle Zusammenarbeit haben. Der Focus liegt dabei auf Vorurteilen gegenüber Mitarbeitern anderer Länder, was am Beispiel von Deutschen und Franzosen dargestellt wird. Die Arbeit endet mit Schlussfolgerungen für eine erfolgreiche interkulturelle Zusammenarbeit.
2. Begriffsklärungen Kultur, Vorurteil, Ethnozentrismus,
Egozentrismus, Eurozentrismus und Nationalismus Vorurteile sind in Kulturen eingebettet. Daher wird im Folgenden zunächst der Kulturgebriff geklärt. Der Focus dieser Arbeit die Bedeutung von Vorurteilen für die interkulturelle Zusammenarbeit herauszuarbeiten erfordert auch eine begriffliche Klärung der Phänomene des Ethnozentrismus, Egozentrismus, Eurozentrismus und Nationalismus, da sie eine Art von Vorurteilen darstellen und Kategorien für die empirische Erfassung von Einstellungen bilden.
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2.1 Kultur
Vorurteile sind von Menschen gemacht, tradiert und kulturell verankert. Kultur wird allgemein als die für eine Gemeinschaft als typisch geltenden Ideen darüber, was gut, wahr, schön oder effizient ist verstanden (Huntington, 2004). Sie dient als Orientierungssystem, welches die Bewältigung einer komplexen Umwelt voraussetzt (Schlamelcher, 2003).
Mull (2005) sieht in den o. g. Kulturbegriffen die Gemeinsamkeit, dass sie sich auf Gesellschaften und Unternehmenskulturen anwenden lassen und aus den drei Komponenten Grundwerte, Normen und Struktur- und Ablauforganisation zusammensetzten. Unternehmen bilden ihre Grundwerte i. d. R. als Vision, Leitbild oder Leitlinie ab. Sie sollen ein Referenzsystem für Richtlinien und letztendlich für das Verhalten bilden (Mull, 2005). Sowohl in Gesellschaften wie auch in Unternehmen gibt es zusätzlich so genannte ungeschriebene Gesetzte, die in Form von Sitten und Gebräuchen gelebt werden.
Eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH betont die Bedeutung der Unternehmenskultur für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens und schreibt ihr dabei eine herausragende Rolle zu (vgl. Mull, 2005, S. 34).
Bei der Betrachtung interkultureller Unterschiede betonen die meisten Untersuchungen (vgl. ebd., S. 34), dass Kulturen nicht als statische Grössen zu verstehen sind sondern einer gewissen Dynamik unterliegen (ebd.). Gerade diesen dynamischen Aspekte kultureller Prozesse würde allerdings wenig Aufmerksamkeit geschenkt (ebd.). Beispielsweise merkt Huntington (1997, S. 29) an, dass Kulturen sich ändern können. In seinen
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Ausführungen geht er dann allerdings von weitgehend monolitischen und konstanten kulturellen Einheiten aus (vgl. Mull, 2005, S. 34). Aus ethnologischer Sicht wird eine starre kulturalistische Perspektive seit längerem abgelehnt mit Hinweis auf die Gefahr eines statischen und stereotypen Kulturwissens (Breitenbach, 2001, S. 70ff). Davon lässt sich ableiten, dass auch Vorurteile zwischen Deutschen und Franzosen einer gewissen Dynamik unterliegen können, da diese kulturell verankert sind. Die Annahme einer Dynamik bietet Chancen zur Veränderung, z.B. von tradierten Vorurteilen. Die unter Kapitel 5 dargestellten empirischen Ergebnisse geben Hinweise auf die Dynamik von Vorurteilen.
2.2 Vorurteil
Das alltägliche Leben ist die Vorurteilswerkstatt schlechthin (vgl. Markefka, 1993, S. 4). Durch z.B. Sprachhandlungen, Medien oder das Erzählen von Witzen werden Vorurteile und Vorurteilshandlungen produziert und distribuiert (ebd.) Ein Beispiel für das Transportieren von auf Menschen verschiedener Nationen bezogene Getränke-Stereotype, die den verschiedenen Nationen zugeschrieben werden ist folgender Witz: „Warum trinken die Franzosen Wein, die Russen Wodka und die Deutschen Bier? Damit man die Völker an der Fahne erkennt“. (http://www.witze-blitz.de/content/view/8686/83/. 18.07.2005). Definitorische Abgrenzungen des Begriffs Vorurteil unterscheiden zwischen dem Vorurteil als Einstellung, intrapersonalem
Orientierungsverhalten oder intrapersonalem Sprachverhalten. Ein Vorurteil ist eine Einstellung, die Menschen prädisponiert, von Gruppen oder ihren Mitgliedern in günstiger oder ungünstiger Weise zu denken. Diese Einstellung prädisponiert einen Menschen wahrzunehmen, zu fühlen und zu handeln (Secord & Backmann, 1976, S. 203). Andere Autoren, z.B. Newcomb (1959, S. 512) definieren Vorurteile als generell
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negative Einstellung, die sich daher als Prädisposition bei der Wahrnehmung und beim Handeln, Denken und Fühlen gegen andere Personen richtet.
Auch in der Umgangssprache werden mit dem Begriff Vorurteile negative Einschätzungen von Personen, Personengruppen oder Gegenständen bezeichnet (Ostermann & Nicklas, 1984, S. 15). Diese negative Einstellung wird auch als „abwertendes Urteil“, „abwertende Stellungnahme“ (Markefka, 1990, S. 42) oder stereotypes Urteil (Rüschemeyer, 1960, S. 31) bezeichnet.
Vorurteilshandlungen werden als in einer vergangenen Situation manifest gewordene Urteilshandlungen bezeichnet, die eine negative Bewertung von Personen enthält und bekannt oder überliefert wurde (Markefka, 1993, S. 13). Diese Definition, wie auch der Kulturbegriff weisen auf die Gewachsenheit und Tradiertheit von Vorurteilen hin. Vorurteile als intrapersonales Orientierungshandeln werden verstanden als das gedankliche Vorausurteilen oder Vorurteilen. Dies beinhaltet die individuelle Wahrnehmung und die Umwelteinschätzung und -bewertung aufgrund einer kognitiven Wissensdatenbank (Marefka, 1993). Diese verarbeitet, kategorisiert und speichert z.B. Eigenschaften und Verhaltensweisen von Personen. Menschen werden demnach auf Grund von bestimmten Erkennungsmerkmalen kategorisiert (Stereotypisierung). Solche Kategorisierungen beziehen sich auch auf Menschen bestimmter Nationalität.
Für die interkulturelle Zusammenarbeit kann aus dieser Begriffsklärung abgeleitet werden, dass sich Vorurteile sowohl auf die Wahrnehmung der Mitarbeiter wie auch auf ihr Denken und Fühlen auswirken und Vorurteilshandlungen verursachen können.
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2.3 Ethnozentrismus - Egozentrismus - Eurozentrismus -Nationalismus - Germanozentrismus
Unter Ethnozentrismus, auch Gruppenegoismus genannt, wird die Überbewertung von Merkmalen der ethnischen eigenen Wir-Gruppe und die Herabsetzung von anderen Gruppen verstanden (Hansen, 1993). Die Welt wird vom Mittelpunkt des „Ich“ oder „Wir“ aus wahrgenommen, bewertet und gesteuert und ist so auf die eigene Person oder Gruppe zentriert. Diese Haltung positiver Voreingenommenheit gegenüber der eigenen Gruppe bedeutet für die „anderen“, dass sie negativ und als minderwertig gesehen und beurteilt werden. Solche Wahrnehmungen bilden den Rahmen für gegenseitiges Beurteilen und Handeln von Menschen (Markefka, 1995, S. 5).
Der Egozentrismus ist die individuelle Entsprechung des Ethnozentrismus (ebd.).
Ethnozentrismen sind der Versuch, durch Selektion und Hervorhebung bestimmter Informationen sowie Leugnung und Missachtung anderer Informationen den Glauben an die Überlegenheit der eigenen ethnischen Gruppe aufrecht zu erhalten und sind daher eine Variante von Vorurteilen. Sie sind im Alltag häufig und weit verbreitet zu finden z.B. in den Medien und in politischen Äußerungen. Ethnozentrismen sind auch in der Literatur, sowohl in wissenschaftlicher wie in populärer und in Lehrmaterialien, z.B. Schulbüchern, vorzufinden. Der Verlag Ponds bietet beispielsweise aktuell ein deutsch-englisches Taschenwörterbuch mit dem Titel „Typisch deutsch - typisch englisch“ an, was zur Stereotypisierung anregt.
Ethnozentrismen verhindern die Verständigung mit Angehörigen anderen Ethnien und bilden Wahrnehmungssperren, in dem sie als Filter für Informationen fungieren und Unvoreingenommenheit nicht zulassen.
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In Konfliktsituationen können sie gegen andere eingesetzt werden, ohne beim Betroffenen ein Unrechtsgefühl hervorzurufen (Hansen, 1999 in: Leitfaden für interkulturelle Lesekurse). ”Ethnozentrismen sind eine Schutzimpfung gegen die realistische Einschätzung der eigenen ethnischen Gruppe” (ebd. S. ).
Ethnozentrismus kann allerdings auch als Integrationsmechanismus verstanden werden, der Gruppen erst zu Gruppen macht und von anderen Gruppen abgrenzt (Markefka, 1995, S. 5).
Übertragen auf international tätige Mitarbeiter kann angenommen werden, dass ihr Denken und Handeln durch Ethnozentrismen beeinflusst wird und sie sich im Spannungsfeld der notwendigen Orientierung und Identifizierung mit der Wir-Gruppe und dem unvoreingenommenen Zugehen auf andere internationale Gruppen bewegen. Speziell die Zusammenarbeit mit Mitarbeitern aus weniger entwickelten Ländern könnte vom Glauben an die Überlegenheit der eigenen Wir-Gruppe geprägt sein. Deutschland und Frankreich sind hoch entwickelte Industrienationen, womit dieser Aspekt hier weniger relevant zu sein scheint. Tradierte Vorurteile aufgrund z.B. der Kriegserfahrungen dürften hier relevanter sein. Ein sehr verbreitetes Vorurteil von Deutschen gegenüber Franzosen ist z.B. dass diese mit ihren Gesprächspartnern nicht gerne deutsch oder englisch sprechen, auch wenn diese Sprachkompetenzen vorhanden sind. Das unterschiedliche
Sprachverhalten von Deutschen und Franzosen wird im Kapitel aufgrund qualitativer Beobachtungsergebnisse näher erläutert. Der Begriff Germanozentrismus oder auch Teutozentrismus genannt ist als Ethnozentrismus der Gruppe der Deutschen zu verstehen (Hansen, 1993, S. 5).
Unter Eurozentrismus wird der Ethnozentrismus der Wir-Gruppe der Europäer bezeichnet (Hansen, 1993, S. 5).
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Arbeit zitieren:
MA Elke Kühnle, 2005, Vorurteile in der Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Franzosen, München, GRIN Verlag GmbH
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