Inhaltsverzeichnis
1. Definition von Sexualität 2
2. Definitionen sexueller Störungen 3
3. Die Klassifikation und Epidemiologie sexueller Störungen 3
3.1 Symptomatik 5
3.1.1 Sexuelle Funktionsstörungen 5
3.1.2 Störungen der Geschlechtsidentität 6
3.1.3 Störungen der Sexualpräferenz 6
3.2 Epidemiologie 7
3.3 Verlauf 8
4. Diagnostik 8
4.1 Sexualmedizinische Diagnostik 9
4.2 Testpsychologischer Befund zum Fragebogen zu Sexualität und Partnerschaft (ASP, TSST,
NSP) 14
4.3 Testpsychologischer Befund zum Sexual Interaction Inventory (SII) 19
4.4 Multiphasic Sex Inventory 21
4.5 Kritik und Zusammenfassung 23
5. Literatur 25
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Abstract
Sexualität, sexualle Probleme und Störungen gehören zu den häufigsten psychologischen Problemen bei Männern, Frauen und insbesondere bei Paaren. Wenngleich diese Probleme nicht alle behandlungsbedürftig sind, besteht dennoch ein großes Defizit an Beratern und Therapeuten für sexuelle Störungen. Seit der ersten Hälfte des 20. Jh. gibt es vermehrt Veröffentlichungen zu Sexualanamnesen und Sexualfragebögen, allerdings haben sich nur wenige davon in der sexualmedizinischen Praxis durchgesetzt.
In dieser Belegarbeit erfolgt zunächst eine kleine definitorische Darstellung des Phänomens „Sexualität“, gefolgt von einem kurzen Überblick zur Klassifikation und Epidemiologie sexueller Störungen.
Nach einem historischen Überlick über psychologische Testverfahren, die auch in der sexualmedizinischen Diagnostik einsetzbar sind, und einer Übersicht der wichtigsten sexualwissenschaftlichen Fragebögen in Mitteleuropa werden zwei psychologische Testbefunde - zum Sexual Interaction Inventory und zum Fragebogen zu Sexualität und Partnerschaft - ausfühlich vorgestellt.
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1. Definition von Sexualität
Sexualität hat vorrangig eine instrumentelle Funktion und dient der Vertiefung von Beziehungen, der Selbstbestätigung oder des Sich-Lebendig-Fühlens. Sie ist oft Ausdruck von Liebe, Vertrauen und Nähe. Befriedigende Sexualität wird teilweise zur Sucht, unbefriedigende Sexualität führt oft zu Lustlosigkeit (Hoyndorf, 1995). Es gibt keine scharfe Grenze zwischen "normaler", "üblicher" oder "abnormer", devianter, Sexualität. Es sind vor allem die soziokulturellen Normen, die die Grenzen setzen und die immer häufiger zeitgebundenen Beurteilungsschwankungen unterworfen sind. Diese Grenzen waren stets variabel und scheinen immer fließender zu werden.
2. Definitionen sexueller Störungen
Im Bereich der sexuellen Variationen gibt es keine allseits anerkannten Definitionen, Klassifikationen oder gar Fachbegriffe. Unter sexuellen Störungen werden alle Störungen verstanden, die in erster Linie Auswirkungen im Bereich des sexuellen Verhaltens haben. Zu dieser Störungsklasse gehören sexuelle Funktionsstörungen, wie Störungen der sexuellen Appetenz, der sexuellen Erregung und der Orgasmusfähigkeit. Psychiatrisch bedeutsam sind zudem Störungen der Geschlechtsidentität und Störungen der Sexualpräferenz (vgl. Deister, 2001). Eine sexuelle Deviation (Perversion bzw. Paraphilie 1 , Störungen der Sexualpräferenz 2 ) ist ein dauerhaft fixiertes Sexualverhalten, das auf ein unübliches Sexualobjekt gerichtet ist oder eine unübliche Art sexueller Stimulierung anstrebt. Eine sexuelle Delinquenz ist eine Handlung gegen die sexuelle Selbstbestimmung des Partners, unabhängig davon, ob sie mit einer sexuell "perversen" Praktik einhergeht oder nicht. 3
3. Die Klassifikation und Epidemiologie sexueller Störungen
Im Folgenden wird die Klassifikation sexueller Störungen nach ICD-10 (WHO, 1996) und DSM-IV (APA, 1996) dargestellt (vgl. Tabelle 1) sowie deren Symptomatik (nach Deister, 2001; Hoyndorf et al., 1995) kurz beschrieben. Des Weiteren werden Informationen zur Auftretenshäufigkeit und zum Verlauf von Sexualstörungen dargestellt.
1 Verankert in der Terminologie der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung (APA) und ihrem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-IV).
2 Verankert in der Terminologie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10).
3 http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/sexuellevariation.html (letzer Zugriff am 17.3.2006)
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3.1 Symptomatik
3.1.1 Sexuelle Funktionsstörungen
Bei Störungen der sexuellen Appetenz kommt es zur Veränderung des sexuellen Verlangens, wobei gesteigertes sexuelles Verlangen sehr selten vorkommt. Bei Störungen der sexuellen Erregung hingegen kommt es zum Mangel bzw. Verlust der genitalen Reaktionen, die die Durchführung eines befriedigenden Geschlechtsverkehrs behindern. Eine Orgasmusstörung betrifft den Zeitpunkt oder das subjektive Erleben des sexuellen Höhepunktes. Die Diagnose einer Orgasmusstörung wird nur vergeben, wenn eine normale sexuelle Erregungsphase erreicht wird.
Störungen mit sexuell bedingten Schmerzen sind zum einen Dyspareunie, also genitale Schmerzen, vor, während oder nach dem Geschlechtsverkehr und zum anderen nicht-organischer Vaginismus. Dyspareunie wird überwiegend durch Pilzinfektionen oder Phimosen bedingt und sollte von mangelnder physiologischer Erregung abgegrenzt werden. Eine Störung mit sexuell bedingten Schmerzen sollte nur diagnostiziert werden, wenn keine andere primäre Sexualstörung vorliegt. Unter Vaginismus versteht man anhaltende unwillkürliche Spasmen im äußeren Vaginaldrittel, wodurch der Scheideneingang verschlossen wird.
Sexuelle Funktionsstörungen können nach Sigusch (1996) nach folgenden formalen Kriterien klassifiziert und beschrieben werden:
- Beginn: Eine sexuelle Funktionsstörung kann initial sein, das heißt, nur am Beginn des Sexuallebens auftreten. Sie wird als primär bezeichnet, wenn sie vom Beginn des Sexuallebens an besteht und von diesem Zeitpunkt andauert. Wenn eine Störung nach einer Phase ohne Funktionsstörung auftritt, wird dieser Fall als sekundär bezeichnet.
- Verlauf: Der Verlauf einer sexuellen Funktionsstörung kann akut, d.h. plötzlich auftreten und nicht chronifiziert sein, oder chronisch, d.h. allmählich auftretend und chronifiziert sein.
- Kontinuität: eine Funktionsstörung kann entweder immer auftreten, dann wird sie als obligatorisch bezeichnet oder sie tritt nur manchmal auf; in diesem Fall handelt es sich um eine fakultative Störung
- Ausmaß: die Funktionsstörung kann sowohl sexuelle Funktionen beeinträchtigen, also partiell sein, oder zum Ausfall von Funktionen führen, was als total bezeichnet wird.
- Praktik, Partner, Situation: eine sexuelle Funktionsstörung kann von diesen Faktoren abhängig sein, d.h. sie tritt nur bei bestimmten Praktiken, Partnern oder Situationen auf oder sie ist unabhängig, d.h. auf verschiedene Umstände generalisiert.
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3.1.2 Störungen der Geschlechtsidentität
Störungen der Geschlechtsidentität beinhalten die Unzufriedenheit mit dem eigenen Geschlecht sowie den dringenden und anhaltenden Wunsch, die Rolle des anderen Geschlechts teilweise oder vollständig anzunehmen. Transsexualität beschreibt eine Sexualstörung, bei der die betroffenen Personen das Gefühl haben, „im falschen Körper geboren zu sein“. Sie wünschen in den meisten Fällen eine Geschlechtsumwandlung, wobei hormonelle und chirurgische Behandlungen, die einen biologischen Mann in eine Frau umwandeln, zwei- bis dreimal häufiger sind. Transvestitismus hingegen beinhaltet nicht den Wunsch nach einer langfristigen Geschlechtsumwandlung, sondern das zeitweise Tragen von gegengeschlechtlich typischer Kleidung. Diese Störung kommt fast nur bei Männern vor.
3.1.3 Störungen der Sexualpräferenz
Die früher als Paraphilien oder Perversionen bezeichneten Störungen der sexuellen Präferenz bezeichnen fixierte Formen der sexuellen Befriedigung, welche an außergewöhnliche Bedingungen geknüpft ist. Im ICD-10 sind Störungen der Sexualpräferenz als wiederholt auftretende intensive sexuelle Impulse und Fantasien mit Bezug auf ungewöhnliche Gegenständen oder Aktivitäten definiert. Im DSM-IV ist hingegen spezifiziert, dass diese Fantasien über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten bestehen müssen. Häufig nehmen diese sexuellen Fantasien, dranghaften Bedürfnisse oder Verhaltensweisen einen suchtähnlichen Charakter an und sind oftmals mit dem Verlust von Impulskontrolle und einer ausgeprägten sexuellen Unsicherheit assoziiert. Unter Fetischismus versteht man den Gebrauch unbelebter Objekte als Stimuli für sexuelle Erregung und Befriedigung. Die Diagnose wird jedoch nur vergeben, wenn der betreffende Fetisch die wichtigste Quelle der sexuellen Erregung darstellt und für diese unerlässlich ist. Fetischistischer Transvestitismus bzw. transvestitischer Fetischismus bezeichnet die Erlangung sexueller Erregung und Befriedigung durch das Tragen von Bekleidung des anderen Geschlechts. Exhibitionismus ist eine Form der Störung der Sexualpräferenz, bei welcher der Betroffene seine Genitalien öffentlich entblößt, wobei er keinen Kontakt zu den fremden Personen sucht. Beim Voyeurismus verspüren die betroffenen Personen den Drang, andere Personen in intimen Situationen, z.B. beim Entkleiden oder beim sexuellen Akt, heimlich zu betrachten.
Pädophilie bezeichnet eine Störung, bei der sexuelle Handlungen mit einem meist präpubertären Kind vollzogen werden, das jünger ist als 13 Jahre. Im DSM-IV ist weiterhin spezifiziert, dass die Person mindestens 16 Jahre und fünf Jahre älter als das Kind sein muss, um die Diagnose einer Pädophilie zu vergeben. Laut ICD-10 versteht unter Pädophilie die Präferenz für Kinder in der Vorpubertät oder im frühen Stadium der Pubertät.
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Arbeit zitieren:
Katarina Bobkova, A. K. Ludwig, A. Münch, 2006, Sexualmedizinische Diagnostik, München, GRIN Verlag GmbH
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