Inhaltsverzeichnis
Seite
Vorbemerkung 3
1. Die historische Entstehung und Entwicklung des Nationalismus in Katalonien und
im Baskenland 4
1.1. Baskenland 4
1.2. Katalonien 6
2. Vergleichende Analyse des Nationalismus im Baskenland und Katalonien 8
2.1. Historische Entstehung 8
2.2. Träger des Nationalismus 8
2.3. Eigenschaften des Nationalismus 9
2.4. Sprache 11
2.5. Gesellschaftliche Einflüsse 12
2.6. Widerstand und Entwicklungen während der Franco Ära 13
3. Ursachen der Entstehung des militanten Nationalismus im Baskenland 15
3.1. Die Besonderheiten des baskischen Nationalismus 15
3.2. Die Umstände der Entstehung 18
3.3. Umsetzungsmöglichkeiten des Gewaltpotenzials 18
3.4. Zusammenfassung 20
Kein Ende des Terrors in Sicht 20
Literaturverzeichnis 22
Anhang 23
2
Vorbemerkung
Im Jahre 1959 gründete ein kleine Gruppe baskischer Studenten an der Jesuiten Universität Bilbao eine Organisation Namens Euskadi ta Askatasuna (deutsch: Baskenland und Freiheit) kurz ETA. Zu diesem Zeitpunkt ahnte noch niemand, welch schicksalhafter Vorgang dieses für viele Tausend Spanier war, die in den kommenden Jahrzehnten in Folge unzähliger Terroranschläge ums Leben kommen sollten.
Doch dies war nur das vorläufige Ende einer folgenschweren Kette von Ereignissen und Umständen, welche in unglücklicher Art und Weise im Baskenland zusammenkamen. Der Nationalismus, welcher sich bereits Ende des 19. Jahrhunderts konstituiert hatte, entwickelte eine ganz eigene und gefährliche Dynamik. Auch in einer anderen Region Spaniens, in Katalonien, hatte sich ein Nationalismus herausgebildet. Dieser jedoch besitzt im Gegensatz zum baskischen Nationalismus gemäßigte Züge.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich primär mit der Entstehung beider Nationalismen Ende des
19. Jahrhunderts, deren Kräftigung während der spanischen Diktatur unter Francisco Franco Bahamonde zwischen 1939 und 1975, sowie ihren strukturellen Merkmalen. Im Wesentlichen soll herausgestellt werden, warum der baskische Nationalismus, trotz ähnlicher Grundvoraussetzungen beider nationalistischer Bewegungen, solch stark abweichende Entfaltungen erlebte.
Im 1. Kapitel werden zu diesem Zweck einleitend sowohl die Entstehung als auch die grundlegende Entwicklung der Nationalismen bis in die 70er Jahre in beiden Regionen kurz erläutert, um sie anschließend im 2. Kapitel detaillierter gegenüberstellen zu können. Ziel dieser Gegenüberstellung soll sein, konkrete Rückschlüsse über Gemeinsamkeiten und Unterschiede und deren Auswirkungen auf die Entwicklung ziehen zu können. Abschließend soll im 3. Kapitel im Besonderen auf die Entstehungsursachen des im Baskenland, entgegen dem gemäßigten katalonischen Nationalismus, entstandenen militanten Nationalismus eingegangen werden.
Nicht berücksichtigt werden die Entwicklungen beider Regionen nach der Franco-Diktatur, sowie historische Gesichtspunkte der Regionen vor der Entstehung der Nationalismen, da diese für die Beantwortung der zentralen Themen wenig zweckdienlich erscheinen. Weiterhin ist zu bemerken, dass sich die Ausführungen dieser Arbeit auf die wesentlichen Punkte beschränken um die Übersichtlichkeit der Analyse zu wahren und darüber hinaus den vorgegebenen Rahmen dieser Hausarbeit nicht zu überschreiten. So werden parteiliche Entwicklungen, soweit sie nicht notwendigerweise zur Argumentation benötigt,
3
weitestgehend ausgespart. Außerdem ließen sich aufgrund der Untergliederung geringfügige
inhaltliche Überschneidungen nicht vermeiden.
Diese Hausarbeit stützt sich zu einem großen Teil auf die Ausführungen des Autors Peter
Waldmann 1 da diese, bezüglich des Themas dieser Arbeit, entgegen den überwiegend
deskriptiven Ausführungen der übrigen Autoren, zum größten Teil analytisch sind
1. Die historische Entstehung und Entwicklung des Nationalismus in Katalonien und im
Baskenland
1.1. Baskenland
Das heutige Baskenland umfasst die Provinzen Guipúzcoa, Vizcaya und Álava und liegt im
äußersten Norden Spaniens. 2 Das traditionelle Gebiet der Basken erstreckte sich jedoch über
den Südwesten Frankreichs mit den Gebieten Labourd, Basse-Navarre sowie Soule und die
spanische Provinz Narrava. Vor und nach einer sehr kurzen Phase der Eigenständigkeit
zwischen 999 und 1035 gab es eine häufig wechselnde Zugehörigkeit der einzelnen
baskischen Provinzen zu verschiedenen Königreichen. 3
Seit dem 13. Jahrhundert wurde das Baskenland teilweise in das kastilische Königreich
eingegliedert. Die Basken erhielten einen besonderen Status innerhalb des Königreiches und
besaßen Sonderrechte (fueros) Diese wurden jedoch nach den Karlistenkriegen 4 abgeschafft
Um 1880 setzte in insbesondere in der Provinz Viscaya eine rapide Industrialisierung ein,
welche unter anderem eine enorme Zuwanderung von nicht-baskischen Arbeitern ins
Baskenland mit sich zog. 5
„Die städtischen Mittelschichten, vor allem aber das agrarische Hinterland, die durch den
Industrialisierungsprozess ihre frühere soziale und politische Position einbüßten, wurden zu
den Trägern des baskischen Regionalismus. Als antimoderne Bewegung vertrat dieser
1 Waldmann, Peter: Militanter Nationalismus im Baskenland, Vervuert Verlag, Frankfurt am Main 1990 und
Waldmann, Peter: Katalonien und Baskenland: Historische Entwicklungen der nationalistischen Bewegungen
und Formen des Widerstands in der Franco-Zeit, in: Waldmann, Peter Bernecker, Walther L López-Casero,
Francisco (Hrsg ): Sozialer Wandel und Herrschaft im Spanien Francos, Paderborn u a. 1984 (es ist
anzumerken, dass die Inhalte des ersten Kapitels des ersten Werkes und des Beitrages Waldmanns im zweiten
Werk identisch sind)
2 siehe auch Abbildung I im Anhang
3 Vgl. Brinck, Renate: Regionalistische Bewegungen zwischen internationaler Integration und regionaler
Eigenständigkeit: Baskenland und Katalonien, Hamburg 1996 , S 40
4 Konflikt um die Thronfolge im 19 Jahrhundert, welche bürgerkriegsähnliche Zustände annahm. Die Karlisten,
welche besonders in den baskischen Gebieten große Anhängerschaft besaßen, wurden jedoch besiegt (Vgl
Karlisten Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001 . 1993 2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte
vorbehalten )
5 Vgl. Valandro, Franz: Das Baskenland und Nordirland: Eine vergleichende Konfliktanalyse, Innsbruck 2001 ,
S 26 28
4
gegenüber der Überfremdung [...] durch Industrialisierung und Liberalisierung eine Rückbesinnung auf die ethnischen, sprachlichen und kulturellen Besonderheiten des Baskenlandes und forderte neben einer Wiederherstellung der [...] Sonderrechte den Erhalt der traditionell agrarischen Gesellschaftsform.“ 6
Begründer dieses Nationalismus im Baskenland war Sabino de Arana y Goiri. Beeindruckt von der katalanischen Regionalbewegung, erfand er um 1900 eigene Symbole, wie die Flagge und eine Hymne für das Volk der Basken sowie das Kunstwort „Euskadi“ für das Baskenland. Es entstand die erste baskisch-nationalistische Partei, die Partido Nacionalista Vasco (kurz: PNV).
Im Jahre 1936 erhielt das Baskenland erstmalig einige seiner Sonderrechte innerhalb eines Autonomiestatuts zurück. Dieses war jedoch auf Grund des einsetzenden spanischen Bürgerkrieges 1936 praktisch nie aktiv. 7
Nachdem die Basken im Bürgerkrieg an der Seite der Republikaner kämpften, welche ihnen zuvor den Autonomiestatus zugesprochen hatten, wurden sie nach Ende des Krieges 1939 mit „überaus harten Repressionsmaßnahmen des aus dem Bürgerkrieg siegreich hervorgegangenen Franco-Regimes [...]“ 8 bestraft. „Die Rache der Sieger war fürchterlich. Zehntausende von Basken wurden von den frankistischen Autoritäten inhaftiert, Tausende ermordet. Zehntausende flohen vor dem Terror ins Exil.“ 9 Der öffentliche Gebrauch der baskischen Sprache wurde verboten.
Ende der 50er Jahre kam es erneut zu einem wirtschaftlichen Entwicklungsschub im Baskenland, welcher wiederum einen sozialen sowie ökonomischen Wandel und eine damit einhergehende Wiederbelebung des defensiven baskischen Nationalismus hervorbrachte. Vor diesem Hintergrund entstand 1959 die Organisation Euskadi ta Askatasuna aus einer kleinen Gruppe von Studenten, welche sich zuvor der Jugendorganisation der PNV angeschlossen hatten. Sie kritisierten vor allem die Passivität der baskischen Nationalisten gegenüber der Verdrängung der baskischen Kultur und Sprache durch das Kastilische. Nachdem die ETA vorerst nur durch kleinere Sabotageakte und Wandmalereien in Erscheinung trat, ging sie ab 1968 zu systematischem Terror gegen das Militärregime
6 Nohlen, Dieter; Gonzáles Encinar, José Juan (Hrsg.): Der Staat der Autonomen Gemeinschaften in Spanien, Leske+Budrich, Opladen 1992, S.18
7 Vgl. Ebd. S.18
8 Baumer, Andreas: Rock radical: Musik und ethnisch-nationalistische Mobilisierung im Baskenland, in: Leitzke-Ungerer; Eva und Andrea Pagni (Hrsg.): Europäische Regionalkulturen im Vergleich, Frankfurt/Main, Berlin, Bern u.a. 2002, S.72
9 Ebd. S.72
5
Francos über. Während dieser Zeit erhielt die ETA große Unterstützung innerhalb der baskischen, teilweise auch nicht-baskischen Bevölkerung Spaniens. Nach dem Tod Francos 1975 wurde Spanien demokratisiert und innerhalb dieses Prozesses erhielt das Baskenland durch ein Autonomiestatut 1979 zahlreiche Kompetenzen der Regierung übertragen. Die ETA lehnte dieses Statut jedoch ab und fuhr, trotz sinkender Unterstützung in den folgenden Jahren durch die baskische Bevölkerung, mit ihrem immer stärker werdenden Terror gegen die Regierung fort. 10
1.2. Katalonien
Katalonien ist ein Gebiet im äußersten Nordosten Spaniens und setzt sich aus den Provinzen Barcelona, Gerona, Lérida und Tarragona zusammen. 11
In der Antike stand dieses Gebiet unter römischer Herrschaft, im Mittelalter war es auf Grund seiner sowohl an Spanien als auch an Frankreich angrenzende Lage, teils unter französische und teils unter spanischer Herrschaft. Dennoch besaß es bis ins 19. Jahrhundert stets einen Sonderstatus innerhalb der Königreiche. 12
„Erst nach dem Spanischen Erbfolgekrieg verlor Katalonien unter der zentralistischen Politik Philipp V. 1716 seine auf das frühe Mittelalter zurückgehenden Sonderrechte (fueros) und eigenständigen Institutionen [...]. Im Zuge von Romantik und wirtschaftlicher Prosperität der Region kam es im 19. Jahrhundert zu einer Wiederentdeckung [...] der katalanischen Sprache und Kultur durch das selbstbewusste und einflussreiche Bürgertum.“ 13 Die Ursachen für diese Wiederbelebung des traditionellen Brauchtums liegen jedoch nicht allein in dem enormen Wirtschaftsaufschwung in Katalonien. Als das Bürgertum auf Grund seiner wirtschaftlichen Macht auch politisches Mitspracherecht auf zentralstaatlicher Ebene einforderte um die Wiedereinführung der traditionellen Sonderrechte durchzusetzen, wurde dieses rigoros zurückgewiesen. Als Folge dieser Niederlage zog sich die Bourgeoisie sowohl wirtschaftlich als auch politisch in das katalanische Gebiet zurück. Das Bürgertum entfaltete seine eigene Art um der kulturellen Eigenständigkeit Kataloniens Ausdruck zu verleihen. In Folge dessen entwickelte sich der Katalanismus, welcher sich in zwei zu unterscheidenden Phasen konstituierte. Zunächst kam es zu einer Wiederentdeckung der katalanischen Kultur und im Besonderen der katalanischen Sprache, welche zwar nie ganz ausgestorben war,
10 Vgl. Baumer: Rock radical, in: Leitzke-Ungerer: Europäische Regionalkulturen im Vergleich, S.72-75 und Kasper, Michael: baskische Geschichte, Primus Verlag, Darmstadt 1997, S.174/175
11 siehe auch Abbildung I im Anhang
12 Vgl. "Katalonien."Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993-2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.
13 Nohlen; Gonzáles Encinar: Der Staat der Autonomen Gemeinschaften, S.16/17
6
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B.A. Janin Zippel, 2004, Regionalismus in Spanien - Nationalismus im Baskenland und in Katalonien im Vergleich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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