Einleitung
Die Sozialisation erfolgt bei jedem Menschen in einer aktiven Form, indem er sich mit seiner materiellen sowie sozialen Umwelt auseinandersetzt. Nicht nur die Aufnahme von Gegebenheiten, sondern deren Be- und Verarbeitung prägt jeden einzelnen Charakter.
Da die Sozialisation der Prozess ist, der die Menschen auf die Gesellschaft, in der sie leben, vorbereitet, ist es für mich interessant zu erfahren, ob es eine geschlechtsspezifische Sozialisation in der Familie wirklich gibt und wenn ja, welche Unterschiede diese mit sich bringt.
Unsere Gesellschaft hat klare Vorstellungen von Eigenschaften des jeweiligen Geschlechts. Der Frau wird mit ihrer zärtlichen, hilfsbereiten und sozialen Art traditionell der Mutterrolle zugeschrieben, während dem Mann die nötige Macht zugestanden wird, mit seinem direkten und initiativen Verhalten Führungspositionen in der Politik und Wirtschaft einnehmen zu können. Wieso nehmen Frauen immer wieder diese als minderwertig angesehene Position ein? Warum verstecken sie sich und beschränken ihre Fähigkeiten auf das Hausfrau- und Muttersein? Kann das einzige Ziel der Frau sein, ihrem Partner zu gefallen, indem sie versucht attraktiv auszusehen, eine gute Gesprächspartnerin zu sein und zugleich noch seinen Haushalt zu erledigen? Was ist mit den eigenen Bedürfnissen der Frau?!
In unserem Zeitalter, indem der Frau so gut wie alle Bereiche offen stehen, indem es kleinere Männer und auch schwächere Männer gibt und die Kraft und der Körperbau eines Mannes nicht mehr im Vordergrund stehen, wieso kann sich die Frau nicht von der Opfer-Rolle freimachen?
Mit diesen Fragen und der Fragestellung im Hinterkopf, ob Frauen zum Opfer-Sein erzogen werden, werde ich mich im Weiteren beschäftigen.
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Die familiäre Sozialisation findet in der heutigen Zeit in einer Familienstruktur statt, die sich in den letzten Jahren sehr gewandelt hat. Der Begriff Familie umfasst weniger die traditionellen Kleinfamilien, als viel mehr Patchwork-Familien und Alleinerziehende.
Die Frau hat seit den zwanziger Jahren eine soziale, berufliche und gesellschaftliche Emanzipation erreicht. 1918 wurde das Frauenwahlrecht für Frauen eingeführt. Sie konnten studieren und berufstätig sein 1 .
Mittlerweile hat sich die Bildung der Frau erheblich verbessert, allerdings ist die Stellung der Frau in der Gesellschaft speziell in der Wirtschaft immer noch nicht so angesehen wie die des Mannes. Ein Grund dafür ist die tradierte Rollenverteilung, speziell die Zuschreibung der Mutterrolle. Die Situation der Frau ist von einer gewissen Widersprüchlichkeit geprägt, so gibt Frau Hannelore Faulstrich-Wieland in ihrem Text zu verstehen 2 . Zum einen möchte die Frau ihre führsorgliche Art ausleben, indem sie die Mutterrolle einnimmt, zum anderen möchte sie jedoch auch den Anspruch auf ein eigenes Leben und eigene Interessen erheben. Dieser Widerspruch wird laut Faulstrich-Wieland auch in der Sozialisation deutlich. Aufgrund dessen, dass die Eltern in der heutigen Zeit meistens beide arbeiten gehen, besteht die Grundlage der Erziehung der eigenen Kinder somit aus Selbstständigkeit. Darüber hinaus haben die Eltern jedoch auch genaue Verhaltensweisen gegenüber ihren Kindern, die sich von Mädchen zu Jungen unterscheiden. Auch wenn die meisten Eltern diese Unterscheidung unbewusst ausführen, so haben sie dennoch von Beginn an geschlechtsspezifische Anforderungen an die Kinder.
Eine Umfrage zu Erziehungszielen 3 kam zu dem Ergebnis, dass bei Mädchen Zärtlichkeit und die Haushaltsführung als wichtig angesehen wurden, während bei den Jungen handwerkliches Können, Technik-, Computerverständnis, Ehrgeiz, politisches Interesse, Flexibilität und Wissensdurst im Vordergrund standen. Auffällig ist, dass den Jungen viel mehr abverlangt wird als den Mädchen. Des Weiteren wird die geschlechtstypische Erziehung über die Auswahl des Spielzeugs laut Faulstrich-Wieland weiter fortgeführt. Es findet eine klare Unterteilung statt, die sowohl von den Eltern als auch von den Großeltern
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eingehalten wird. Den Jungen wird mehr Aktionsspielzeug als Mädchen geschenkt, wiederholt mit der Idee, die technischen Fähigkeiten des Jungen zu schärfen. Mädchen hingehen erhalten eher Plüsch und Puppen. Dieses Spielzeug fördert keineswegs das technische Wissen, es ist eher auf soziale und häusliche Eigenschaften abgestimmt.
Die geschlechtsspezifische Sozialisation ist auch ein dauernder Prozess sozialer Interaktion, welcher von vorstrukturierten Wahrnehmungen bzw. bestimmten Erwartungen geprägt und beeinflusst wird. Angelika Müller-Heisrath spricht in ihrem Text von sozialen Konstruktionsprozessen, aus denen die männliche und weibliche Identität hervorgeht 4 .
Vor dem Hintergrund familiärer Interaktion gehe ich im Folgenden auf drei Konstruktionsprozesse ein. Der Erste ist ein Prozess der emotionalen Verhaltensweisen in der Familie.
Zu Beginn ist zu sagen, dass Müller-Heisrath der Auffassung ist, die Erwartungen über emotionale Verhaltensweisen seien geschlechtsbezogen. Sowie auch die Erziehungsziele, so sind folgernd auch die Erwartungen an Mädchen von einem emotionalen, etwas ängstlichen und hilflosen Verhalten geprägt. Jungen wird eher ein aggressiveres Verhalten zugestanden.
Diese Erwartungen der Eltern äußern sich nach Müller-Heisrath in der Interaktion und nehmen so wieder Bezug zum Verhalten der Kinder.
Mütter antworten ihren Töchtern sehr viel emotionaler, somit wird auch bei den Mädchen das Gefühlsrepertoire erweitert. Jungs hingegen werden von der Mutter als verwundbarer angesehen, daher verhalten sie sich ihnen gegenüber nicht so emotional, wodurch das Gefühlsrepertoire, abgesehen von dem
Aggressionsverhalten , bei den Jungen gehemmt wird. Kann der Junge den Druck der Anforderungen, die auf ihm lasten, nicht bewältigen, äußert er seine Gefühle in Form von Aggressionen. Diese Verhaltensweisen zeigen sich auch in der Gesellschaft wieder. Während die Frau ihre Rolle als zärtliche Ehefrau und fürsorgliche Mutter einnimmt, beherrscht der Mann die notwendige Aggressivität und Stärke, um im Berufleben bestehen zu können.
Die Vorbildfunktion innerhalb der Familie, so betont Müller-Heisrath, hat ebenfalls einen großen Stellenwert in der Sozialisation.
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Arbeit zitieren:
2006, Geschlechtsspezifische Sozialisation in der Familie - Werden Frauen zum Opfer-sein erzogen?, München, GRIN Verlag GmbH
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