Jugend , Film und Propaganda im Nationalsozialismus Seite 1 von 22
am Beispiel des Films „Hitlerjunge Quex“
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung. 2
2 Filmpolitik der Nationalsozialisten. 4
2.1 Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMPV) 6
2.2 Filmkreditbank und Reichsfilmkammer 8
2.3 Das Reichslichtspielgesetz von 1934 9
2.4 Film in der Schule 10
2.5 Jugendfilmstunden der HJ 10
3 „Hitlerjunge Quex“ 13
3.1 Inhalt. 13
3.2 Analyse. 14
3.2.1 Rollen 15
3.2.2 Kontrastierung und Bildsprache. 17
3.2.3 Symbole. 18
4 Schluss 20
5 Literatur und Quellen 22
1 EINLEITUNG
Propaganda soll “die gefühlsmäßige Vorstellungswelt der großen Masse begreifend, in psychologisch richtiger Form den Weg zur Aufmerksamkeit und weiter zum Herzen der breiten Masse“ finden. 1 So formulierte Adolf Hitler die Wirkungsweise von Propaganda in „Mein Kampf“. Die wichtigsten Punkte seien dabei ein geringer geistiger Anspruch, so dass auch der Dümmste noch erreicht werde. Der emotionale Appell sei entscheidend. 2 Welches Medium wäre da geeigneter als der Film? Verpackt in eine spannende oder anrührende Geschichte, besetzt mit talentierten Schauspielern, untermalt von stimmungsvoller Musik und emotionalen Bildern rückt der Film den Zuschauer in eine andere Welt. Film als Entspannung vom Alltag, als Unterhaltung, als Ablenkung - der Zuschauer lässt sich fallen, lässt sich berieseln: Das ideale „Opfer“ für nationalsozialistische Propaganda, die, zwar meist, aber nicht immer aufdringlich, direkt und pompös in Erscheinung getreten ist.
Adolf Hitler und NS-Reichspropagandaminister Joseph Goebbels haben früh erkannt, dass die Beeinflussung der Massen auch subtil funktionieren kann - wenn sie gekonnt und überlegt eingesetzt wird. Durch die zunehmende und schließlich totale Kontrolle der Filmindustrie hat sich die nationalsozialistische Regierung das Medium Film zu Diensten gemacht und geschickt für seine Zwecke eingesetzt. Die von den Nationalsozialisten produzierten Filme hatten unterschiedliche Zielgruppen und Zielsetzungen und setzten Bilder und Emotionen nach allen Regeln der Filmkunst ein.
Reine Propagandafilme zur „politischen“ oder „rassischen“ Bildung, Unterhaltungsfilme zur Aufrechterhaltung der Moral oder Spielfilme zur Vermittlung von Idealen und Haltungenjeder Film unterlief strengen Kontrollen. Nicht Systemkonformes wurde verboten und nicht gezeigt. Die wachsende Einflussnahme der Nationalsozialisten und schließlich die totale Kontrolle des Mediums Film waren Grundvoraussetzung für eine konsequente Propaganda im Bereich Kultur. Einrichtungen wie die Jugendfilmstunden der Hitlerjugend (HJ) und
1 „NS-Propaganda“, in: Deutsches Historisches Museum, URL: http://www.dhm.de/lemo/html/wk2/propaganda/index.html 2 Stahr, Gerhard: Volksgemeinschaft vor der Leinwand - der nationalsozialistische Film und sein Publikum, Berlin 2001, S. 20.
deren aufwändige Inszenierung machen deutlich, welche Bedeutung die Nationalsozialisten dem Film beimaßen.
Doch wie funktionierte dieses System? Welche Mittel nutzte man zur Vermittlung der „richtigen“ Bilder und Inhalte? Und welche Wirkung hatten Propagandaspielfilme auf die Bevölkerung?
In der vorliegenden Hausarbeit werde ich zunächst einen Überblick über die Filmpolitik der Nationalsozialisten geben und auf die politischen Einrichtungen und Maßnahmen zur Kontrolle des Films und der gesamten Kultur eingehen. Am Beispiel der Jugendfilmstunden der HJ und des Schulunterrichts werde ich diese Politik auf die Jugend bezogen weiter erläutern.
Am Beispiel des Jugendfilms „Hitlerjunge Quex“ als reiner Propagandaspielfilm der Nationalsozialisten werde ich die Methoden, Mittel und Möglichkeiten aufzeigen, die der Film zur Überzeugung der Zuschauer und Vermittlung bestimmter Ideale und Bilder nutzte. Die sich daraus ergebende und entscheidende Frage ist schließlich: Hat der Film sein Ziel erreicht? Wirkte „Hitlerjunge Quex“ in seiner Funktion als Vorbild für die deutsche Jugend und motivierte er diese, ihm nachzueifern?
2 FILMPOLITIK DER NATIONALSOZIALISTEN
Sich der Bedeutung des verhältnismäßig neuen Mediums Films bewusst, sagte Joseph Goebbels in einer Rede am 9. Februar 1934:
„Wir sind der Überzeugung, dass der Film eines der modernsten und weitreichendsten Mittel zu Beeinflussung der Massen ist, die es überhaupt gibt. Eine Regierung darf deshalb den Film nicht sich selbst überlassen.“ 3
Goebbels, der wie Adolf Hitler, auch persönlich großes Interesse am Film hatte, erkannte den Film als wirkungsvolles Instrument zur Vermittlung von Werten und Haltungen. Im Gegensatz zu Hitler 4 war ihm dies wichtiger als die ausschließliche Übertragung nationalsozialistischer Ideen in Form von reinen Propagandafilmen. 5 „Ich wünsche nicht etwa eine Kunst, die ihren nationalsozialistischen Charakter lediglich durch Zurschaustellung nationalsozialistischer Embleme und Symbole beweist, sondern eine Kunst, die ihre Haltung durch nationalsozialistischen Charakter und durch Aufraffen nationalsozialistischer Probleme zum Ausdruck bringt. Diese Probleme werden das Gefühlsleben der Deutschen und anderer Völker um so wirksamer durchdringen, je unauffälliger sie behandelt werden. Es ist im allgemeinen ein wesentliches Charakteristikum der Wirksamkeit, dass sie niemals als gewollt in Erscheinung tritt. In dem Augenblick, da eine Propaganda bewusst wird ist sie unwirksam. Mit dem Augenblick aber, in dem sie als Propaganda, als Tendenz, als Charakter, als Haltung im Hintergrund bleibt und nur durch Handlung, durch Ablauf, durch Vorgänge, durch Kontrastierung von Menschen in Erscheinung tritt, wird sie in jeder Hinsicht wirksam.“ 6 und
„... Je schärfer völkische Konturen ein Film aufweist, desto größer sind die Möglichkeiten, die Welt zu erobern. Bei den gefährlichen Auswirkungen des Films hat der Staat die Pflicht, regulierend einzugreifen. (...) Allerdings ist Kunst nur dann möglich, wenn sie mit
3 Albrecht, Gerd: Nationalsozialistische Filmpolitik - Eine soziologische Untersuchung über die Spielfilme im Dritten Reich, Stuttgart 1969., S. 22.
4 „Filmminister Goebbels“, in: Filmportal.de, URL: http://www.filmportal.de
5 Lowry, Stephen: Pathos und Politik - Ideologie in Spielfilmen im Nationalsozialismus, Tübingen 1991, S. 7. 6 ebd., S. 6.
Wurzeln in das nationalsozialistische Erdreich eingedrungen ist. Ich warne davor, das deutsche Volk so billig einzuschätzen, wie es leider auch die anderen Künste vor dem Film getan haben. (...) bei diesem großen Umbruch muss der Film in die Lebensnähe des echten Volksdaseins rücken.“ 7
In diesen Aussagen wird deutlich, wie intensiv sich Goebbels mit der Bedeutung von Kunst im Allgemeinen und Film im Besonderen als Mittel zur Volkserziehung und -bildung beschäftigt hat. Wichtig ist ihm - die nationalsozialistische Weltanschauung niemals aus den Augen verlierend - vor allem an die Emotionen zu appellieren, um so tief in das Bewusstsein der Zuschauer einzudringen.
In den ersten Jahren nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurden dennoch vermehrt Propagandaspielfilme gedreht. Märtyrergeschichten wie „Hitlerjunge Quex“, „SA-Mann Brand“ und „Hans Westmar einer unter vielen“ wichen später eher Unterhaltungsfilmen, die beispielsweise durch die Überhöhung berühmter Deutscher (Friedrich Schiller, Robert Koch,...) das Führerprinzip deutlich machten. 8 Der Großteil der Filme jedoch diente überwiegend der Unterhaltung und sollte gute Laune, Optimismus und eine Verschönerung des Alltags vermitteln. So waren lediglich 96 von 1097 während der Nazizeit produzierten Spielfilme reine Propagandafilme. 9 Folgendes Beispiel zeigt deutlich die sich wechselnde Schwerpunktsetzung der nationalsozialistischen Filmpolitik: Vor dem Kampf um Stalingrad wurden 35 Prozent heitere Filme und rund 25 Prozent Propagandafilme gezeigt. Nach Stalingrad änderte sich das Bild dramatisch. Jetzt wurden 55 Prozent heitere und nur noch acht Prozent Propagandafilme vorgeführt. 10 Die Aufrechterhaltung der Moral und Stimmung im Land war wichtiger geworden als die Vermittlung nationalsozialistischer Ideen. Interessant ist hier auch die auffällige Unterscheidung der Gewichtung zwischen Jugendfilmen und „Erwachsenenfilmen“. Die Unterteilung von Albrecht 11 aufgreifend ergibt sich folgende Verteilung:
7 Auszug aus „Dr. Goebbels´ Rede im Kaiserhof am 28.3.1933“, in: Filmportal, a.a.O.
8 „Vom Hitlerjungen Quex zu Friedrich Schiller“, in: Filmportal, a.a.O. 9 Donner, Wolf: Propaganda und Film im „Dritten Reich“, Berlin 1995., S. 14.
10 Koch, Gertrud: Der NS-Film. Institutionen, Genres und Ästhetik. In: Sösemann, Bernd (Hg.) Der Nationalsozialismus und die deutsche Gesellschaft - Einführung und Überblick, , Stuttgart/München 2002, S. 215. 11 Stelzner-Lange, Barbara: „Der Jugend zur Freude“? - Untersuchungen zum propagandistischen Jugendspielfilm im Dritten Reich, Bonn 1994, S. 56 / Koch, G., a.a.O., S. 215.
Arbeit zitieren:
M.A. Viola Prickel, 2005, Jugend, Film und Propaganda im Nationalsozialismus am Beispiel des Films "Hitlerjunge Quex", München, GRIN Verlag GmbH
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