Otto-Friedrich-Universität Bamberg Wintersemester 2000/2001 Hauptseminar: Max Frisch
Die Entwicklung von Walter Faber in Max Frischs „Homo faber“
Christian Weber
Semesterzahl: 06
Hauptstudienfach: Dipl.-Germanistik/Journalistik Nebenfach: Politik
2
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1. Einleitung 03
2. Stil und Inhalt 03
2.1. Zum Werk Homo Fabers 03
2.2. Inhalt des Romans 05
3. Fabers Grundeinstellung 05
3.1. Fabers technisches Weltbild 05
3.2. Fabers Verhältnis zur Natur 07
3.2.1. Der Mensch als Beherrscher der Natur 07
3.2.2. Wahrnehmung der Natur 09
4. Fabers Entwicklung 11
5. Fabers Wandlung 13
5.1. Abkehr von seiner Lebensweise 13
5.2. Neues Verhältnis zur Natur 15
6. Schluss 16
Literaturverzeichnis 17
3
1. Einleitung
Den Roman „Homo Faber - Ein Bericht“ von Max Frisch habe ich jetzt mehrfach gelesen - und trotzdem entdeckt man immer wieder etwas Neues. Ein neues Symbol, das mir nicht aufgefallen war - vielleicht weil zuvor noch die Handlung interessanter war - ein Satz von Faber, der plötzlich in einem ganz anderem Licht gesehen wird, weil man den Seelenzustand der Hauptfigur von mal zu mal besser durchschaut.
Es gibt viele Möglichkeiten, den Roman hinsichtlich der Veränderung des Protagonisten zu untersuchen. Mir ging es zunächst einmal darum, die wichtigen Veränderungen darzustellen und im Schwerpunkt anhand der Naturdarstellungen zu zeigen. Weil Frisch den Roman so konzipiert hat, dass Faber in der zweiten Station nochmals an die Orte der ersten Station zurückkehrt, ist ein Vergleich naheliegend. Mit Fabers Sicht der Natur offenbart sich gleichzeitig seine Weltanschauung, die ich vor und nach der Begegnung mit seiner Tochter Sabeth versuche darzustellen. Als kurze Einführung gebe ich den Inhalt wider und beschäftige mich mit einigen stilistischen Merkmalen.
2. Stil und Inhalt
2.1. Zum Werk Homo Faber
Die Hauptperson in Max Frischs Roman ist Walter Faber. Wie auch schon bei anderen Werken wie „Biedermaier“ oder „Don Juan“ gibt dieser Name einen Vorausblick auf den Konflikt im Buch: Die beiden lateinischen Begriffe deuten das Gegenüberstehen von Natur (homo: Mensch) und Technik (faber: Handwerker) bereits an. Max Frisch schreibt das Buch als Tagebuch aus Sicht des Protagonisten in der Ich-Perspektive. Dabei wendet er den Trick an, dass der Erzähler zu dem Zeitpunkt, als er den Bericht verfasst, alle Ereignisse kennt, weil der Bericht erst im Nachhinein verfasst wird - wir haben es so mit einem allwissenden Erzähler zu tun. Der Bericht ist in zwei Stationen unterteilt, und
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damit zeigt sich eine gewandelte Lebensperspektive. „6RZRKO LP 6WLOOHU DOV DXFK LP +RPR )DEHU IKUW HLQH HQWVFKHLGHQGH (UIDKUXQJ GHV 3URWDJRQLVWHQ ]XU WHLOZHLVHQ :DQGOXQJ VHLQHV &KDUDNWHUV XQG GDPLW VWLOLVWLVFK ]X HLQHP *H
1 Der gesamte erste Teil des Berichts von Homo Faber (Station JHQ%HULFKW“
eins) wirkt auf den Leser wie eine Rechtfertigung, der Protagonist sieht sich immer wieder in der Defensive und versucht nachzuweisen, dass er an den Ereignissen keinerlei Schuld besitzt. Erst in der zweiten Station ist ein abgeschlossener Wandel im Weltbild des Protagonisten erkennbar. Max Frisch verwendet immer wieder größere Zeitsprünge und arbeitet mit verschiedenen Zeitebenen. Er erreicht damit, dass der Leser am Ende des Buches einen Gesamtüberblick über das gescheiterte Leben des Protagonisten hat. Frisch steigt in die Handlung des Romans an einer Stelle ein, an dem das Leben Homo Fabers an einem Wendepunkt steht. In Rückblicken erfährt der Leser die Vergangenheit. Aber durch die verschiedenen Zeitebenen erfährt der Leser auch bereits auf Seite 22 wie die Handlung ausgehen wird. Damit lenkt Frisch die Spannung weg von der Frage, wie es mit der Handlung an sich weitergeht. Der Leser kann sich mehr darauf konzentrieren, wie es überhaupt zu den Ereignissen kommt und betrachtet die Charaktere aus der Distanz. Mit diesem Verfremdungseffekt lehnt sich Frisch an das epische Theater Brechts an. Frisch schreibt dazu im Tagebuch I: „'HU=XVFKDXHUVROOVLFKQLFKWHLQIKOHQ HVVROOYHUKLQGHUWZHUGHQGDGDV6SLHOLKQLQ7UDQFHYHUVHW]WVHLQ9HUJQJHQ VROOYLHOPHKUGDULQEHVWHKHQGDLKPLP6SLHOJHZLVVH9RUJlQJHGLHLKPYHU
2 WUDXWVLQGXQGJHOlXILJYHUIUHPGHWZHUGHQ...“
1 Jurgensen, Manfred: Max Frisch. Die Romane. S. 102.
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Diplom-Germanist Christian Weber, 2001, Abkehr vom technischen Weltbild: Die Entwicklung von Walter Faber in Max Frischs 'Homo faber', Munich, GRIN Publishing GmbH
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