Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung Seite 3
II. Bartolomé de Las Casas Seite 6
III. Der geschichtliche Kontext Seite 7
1. Spanien im 16. und 17. Jahrhundert Seite 6
2. Die Legitimationsfrage Spaniens Seite 8
3. Der Schmalkaldische Krieg Seite 9
IV. Die Brevísima Relación Seite 10
1. Allgemeines Seite 10
2. Die Semantik Seite 11
3. Die Pragmatik Seite 11
4. Politische Folgen Seite 11
V. Die Leyenda Negra Seite 12
1. Allgemeines zur Leyenda Negra Seite 12
2. Deutschland und die Leyenda Negra Seite 14
3. Die Niederlande und die Leyenda Negra Seite 16
4. Die wichtigsten Topoi Seite 18
5. Las Casas, die BR und die Leyenda Negra Seite 19
6. Die deutsche Streitschriftenliteratur und Flugtexte
und die Leyenda Negra Seite 20
VI. Buchdruck Seite 23
1. Der Buchdruck und die Neue Welt Seite 23
2 Bücherzensur Seite 23
3. Buchdruck und öffentliche Meinung Seite 24
1
VII. Übersetzungsgeschichte Seite 26
1. Allgemeines Seite 26 2. Spanische Übersetzungen in Deutschland Seite 26 3. Die Brevísima Relación Seite 27
VIII. Die deutschen Übersetzungen der BR Seite 29
1. Die erste deutsche Übersetzung 1597 Seite 29 2. Die Übersetzung von 1613 Seite 30 3. Die Übersetzung von 1665 Seite 31 4. Vergleich der Prologe Seite 32
IX Zusammenfassung Seite 35
X Anhang Seite 38
1. Originaler Aufbau der BR Seite 38 2. Der Miggrodsche Prolog Seite 39 3. Der Prolog von 1665 Seite 40
XI Bibliographie Seite 41
1. Primärliteratur Seite 41 2. Nachschlagewerke Seite 42 3. Sekundärliteratur Seite 42
I Einleitung
El dominico Bartolomé de Las Casas con su Brevísima relación de la destrucción de las Indias (1552) puso en marcha lo que, a la postre, sería la vertiente americana de la leyenda negra. Esta obra, impresionante descripción de los comportamientos violentos y crueles de los conquistadores, sirvió perfectamente a los intereses extranjeros. Sus reiteradas ediciones, la flagrante manipulación de muchas de ellas o las tendenciosas ilustraciones que acompañaron al texto, constituyen un fenómeno sin igual en la publicística europea. Nunca una obra había sido objeto de una atención tal, ni había contribuido en ese alto grado a la propagación de los sentimientos antihispánicos. Desde entonces, el carácter español quedó marcado por el estigma de la codicia y la crueldad. 1
Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte eine Übersetzungswissenschaftlerin in diesem Zitat nur die Bestätigung gefunden, dass ein Übersetzungsvergleich von immanenter Bedeutung ist.
Auch für mich stellt sich die Frage nach dem Treuegrad der Übersetzungen der Brevísima relación (die ich im Folgenden mit BR abkürzen werde). Original und Übersetzung scheinen laut Martinez voneinander abzuweichen.
Doch wäre es einfach zu beschränkend und nicht erschöpfend, sich nur im engen Feld des Übersetzungsvergleichs aufzuhalten.
Vielmehr lenkt das Zitat von Martinez den Blick auf die historische Situierung - wann wurden die Übersetzungen wo angefertigt und vor allem: warum. Diese drei Fragen stellen mein Erkenntnisinteresse für die vorliegende Arbeit dar.
Zu diesem Zweck habe ich mich den europäischen Übersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts zugewendet.
Von 6 deutschen Übersetzungen aus diesem Zeitraum konzentriere ich mich auf drei. Zum einen die erste deutsche Übersetzung überhaupt von 1597 mit dem Titel „Newe Welt“, die Version von 1613 „Warhafftiger und gründlicher Bericht“ und von 1665 die Übersetzung „Umbständige warhafftige Beschreibung“.
Ausgehend von meinem Erkenntnisinteresse und in Bezug auch zu Martinez Zitat kristallisierte sich schnell mein Untersuchungsschwerpunkt heraus: die Wirkung der BR auf und der Zusammenhang mit der Leyenda Negra.
1 Martinez, Miguel Molina (1991): La leyenda negra. Editorial, Madrid. S. 16-17.
3
Folgende Fragestellungen scheinen mir im Hinblick auf die Übersetzungswissenschaft der Americanatexte, hier im Speziellen die BR, als fundamental und doch bisher noch nicht beachtet:
Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den deutschen Übersetzungen der BR und der Leyenda Negra? Warum wurden die deutschen Übersetzungen angefertigt, welche Wirkungen hatten sie in ihrer Zeit und wo zeigten sich diese? Welches Bild der Spanier hatten die Deutschen, wurde dies in den Übersetzungen widergespiegelt?
Selbst renommierte Las Casas - Forscher wie Hanke oder Wissenschaftler der Leyenda - Negra - Forschung wie Andersson und Juderías haben zwar immer wieder die Bedeutung der BR für die europäische Leyenda Negra betont und sogar die Wirkung der Übersetzungen erwähnt, sind aber nie intensiver in die Untersuchung der einzelnen Übersetzungen eingestiegen.
Und auch innerhalb der Übersetzungswissenschaft - hier sind vor allem Hart und Durán Luzio zu nennen - sind die deutschen Translationen der BR eher stiefmütterlich behandelt worden.
Für die deutsche Leyenda - Negra - Forschung ist Hoffmeister hervorzuheben, der sich zwar intensiv mit der Textproduktion in diesem Zusammenhang beschäftigt hat, es jedoch leider versäumte, gezielter auf die in Deutschland angefertigten Übersetzungen im 16. und 17. Jahrhundert einzugehen.
Für mich leitet sich aus der Tatsache, dass immer wieder der Name Las Casas im Zusammenhang mit der Leyenda Negra genannt wird und auch, dass interdisziplinär die Bedeutung der Übersetzungen der BR für die europäische und speziell die deutsche Leyenda Negra - Bildung anerkannt wird, ab, dass die deutschen Übersetzungen der BR nicht nur Teil der deutschen Leyenda Negra sind.
Vielmehr beeinflusste das darin vermittelte Spanierbild grenzüberschreitend die Menschen; so wie die Übersetzungen selbst unter ausländischen Einflüssen, besonders niederländischen, entstanden. Aber auch die deutschen Auseinandersetzungen mit den Spaniern wie beispielsweise der Schmalkaldische Krieg gaben Übersetzern Anlass dazu, sich der BR zuzuwenden und für ein breites deutsches Publikum zugänglich zu machen.
4
Um meine obengenannten Hypothesen zu verifizieren (oder eventuell auch zu falsifizieren), werde ich im Folgenden eine historische Situierung der drei obengenannten Übersetzungen vornehmen.
Besonders interessant erscheinen mir die Prologe, die ich schwerpunktmäßig in Augenschein nehmen werde.
Wer die Grundzüge der Geschichte der betroffenen Länder und die parallelen Entwicklungen der Leyenda Negra in Europa nicht kennt, kann meiner Meinung nach nicht die komplexen Zusammenhänge meines Themengebietes erfassen.
Daher erachte ich es als unumgänglich, neben dem Autoren auch auf die spanische Geschichte, die Buchdruck- und Übersetzungsgeschichte sowie die allgemeine europäische Leyenda Negra einzugehen, bevor ich dann explizit die einzelnen Übersetzungen analysieren und ihren Zusammenhang mit der deutschen Leyenda Negra aufzeigen kann.
5
II Bartolomé de Las Casas
Im Jahre 1484 kam Bartolomé de Las Casas in Sevilla zur Welt. Sein Vater, Kaufmann von Beruf, war wahrscheinlich bei der zweiten Entdeckungsreise Kolumbus dabei. Als Geschenk für seinen Sohn brachte er einen indigenen Sklaven mit. 2 So verwundert es nicht, dass nach Studien der Theologie und Rechtswissenschaften auch Bartolomé de Las Casas 1502 als Eroberer der Neuen Welt anheuerte. Die nächsten 12 Jahre lebte er wie die meisten anderen Spanier als Encomendero, Priester und Gruben- und Plantagenbesitzer, die er zum Dank für seinen Einsatz bei der Eroberung Kubas zugesprochen bekam.
Er selbst übte viele Jahre später Kritik an sich und seinem Umgang mit den Eingeborenen zu jener Zeit.
Bis zu seinem 30. Lebensjahr trat er also nicht auffällig in Erscheinung. Allerdings sprach er mehrere Indianerdialekte.
1514 schloss er sich bei seiner Predigt der Kritik der Dominikaner am Encomienda-System an und änderte sein Leben schlagartig. Auf seinen Grundbesitz verzichtete er und gab den für ihn arbeitenden Indigenen die Freiheit zurück.
Ein Jahr später fuhr er nach Spanien zurück, um beim König persönlich Beschwerde einzulegen. 1516 führte man für ihn den Titel „universaler Prokurator aller Indios in Westindien“ ein; er wurde so zur Vermittlerstelle zwischen dem Hof und den Indigenen und kehrte wieder nach Amerika zurück. Wieder in Spanien gelang es ihm allerdings erst im Jahre 1542, nachdem er in einem Gerichtsprozess des Hochverrats für unschuldig erklärt wurde, Schutzgesetze für die Eingeborenen zu bewirken, deren Umsetzung jedoch zumeist unterblieb. Keine drei Jahre später wurden sie dann aufgrund des Lobbydrucks der Kolonialisten wieder zurückgezogen. Bis zu seinem Tod im Jahre 1566 blieb er in Spanien und setzte sich durch öffentliche Dispute und seine Schriften für die Belange der Indigenen ein. 3
2 Vgl.: Hanke, Lewis (1951): Bartolomé de Las Casas - An Interpretation of his life and writings. Nijhoff, Den Haag. S. 19.
3 vgl.: Weyhofen, Hans-Theo (1996): Der Verteidiger der Indianer - Bartolomé de las Casas. http://www.wirtschaft.bos-muenchen.by.schule.de/~hsweyhof/kapitel5.htm
6
III Der geschichtliche Kontext
Spanien im 16. und 17. Jahrhundert 4 1.
Der Enkel Ferdinands II kam 1519 nach dessen Tode an die Macht in Spanien. Als Habsburger war Karl I (Karl V) zugleich auch Kaiser von Österreich, dem Burgund und den Niederlanden. Zudem wurde er zum König des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt.
Die Casa d´Austria regierte in Wien und Madrid, jedoch sahen sich die spanischen Könige als Mittelpunkt an.
Philipp II war von 1556 bis 1598 an der Spitze Spaniens.
Die spanische Aussenpolitik im 16. Jh. und zu Begin des 17. Jh. kannte zwei Hauptziele: Vorherrschaft Spaniens in der Welt und damit des Katholizismus. Die beiden Begriffe lassen sich nicht voneinander trennen [...].
Das letzte Ziel der spanischen Politik war also ein katholisches Universalreich spanischer Nation. 5
So beschreibt Christoph Schweitzer in seinem Buch „Spanien in der deutschen Literatur“ die politische Situation in den uns interessierenden Jahrhundert. Sieht er dies als objektive Wahrheit an, oder möchte er den Blickwinkel der damaligen protestantischen Länder wiedergeben? Denn genau diese Argumentation lief schon zu Mitte des 16. Jahrhunderts ab und wird heute zur Leyenda Negra gerechnet.
Im Jahr 1568 begann der spanisch-niederländische Krieg (nachdem die oppositionelle Bewegung in Flandern sich bereits 1561 bildete), der sich auch immer wieder auf die angrenzenden Länder ausweitete. In der abendländischen Geschichte war das erste stehende Heer das spanische in den Niederlanden. 6
Diese Niederländische Revolution ist als eine der größten Herausforderungen für Spanien zu jener Zeit zu zählen. Für Spanien bedeutete dies gleich zweierlei: zum einen galt das spanische Heer bis dahin als unbesiegbar ( eine Annahme, die sich dann endgültig mit der
4 vgl.: Meyers Lexikonredaktion (1999): Meyers Taschenlexikon; Band 9. Weltbild, Augsburg. S. 3227. und Kreienbrink, Axel: Arbeitsmigration und Exil. http://www.matices.de/16/16skreie.htm.
5 Schweitzer, Christoph (1954): Spanien in der deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts. Yale. S. 17.
6 vgl.: Valentin, Veit (1999): Geschichte der Deutschen. Von den Anfängen bis 1945. Kiepenheuer, Köln. S. 177.
7
Niederlage der Armada gegen England revidierte ), zum anderen wurde der Verlust Amsterdams auch als indirekter ökonomischer Verlust gewertet. 7
Dabei wurde auf die Neutralität Deutschlands oft keine Rücksicht genommen. Der erschöpfte Zustand der spanischen Schatzkammer ließ schließlich einen zwölfjährigen Waffenstillstand als wünschenswert erscheinen (1609). Deutschland verfolgte die verschiedenen Phasen dieses Ringens vor seinen Türen und merkte sich ganz besonders den Namen Albas. 8
Spanien wurde zu dem Land des Katholizismus und der Gegenreformation. 1571 konnte die Seeherrschaft der Osmanen im westlichen Mittelmeer beendet werden. Neun Jahre später wurde Portugal annektiert (samt seiner Kolonien) und England trat als Hauptgegner Spaniens auf.
1640 sagte Portugal sich von Spanien los, 8 Jahre später musste Spanien im Westfälischen Frieden auf die Niederlande verzichten.
Die drei Hauptgegner Spaniens, nämlich Frankreich, England und die Niederlande hatten zwar auf europäischem Boden Friedensverträge mit Spanien; in der Neuen Welt brachten sie jedoch viele Kolonien an sich.
Die Legitimationsfrage Spaniens 9 2.
Papst Alexander VI ernannte im Jahre 1493 König Ferdinand und Königin Isabella zu den Herrschern der Neuen Länder mit aller Macht und Autorität und Berechtigung. Auch Karl V stellte sich noch 1519 hinter diesen Herrschaftsanspruch.
Fray Montesino bewirkte 1511 mit seiner öffentlichen Kritik an dieser Legitimation eine Untersuchung von Seiten der Krone, die natürlich für sie ausging.
Selbstverständlich gab es nicht nur Kritik aus den eigenen Reihen; besonders die feindlichen europäischen Staaten versuchten mit allen Mitteln, Spanien die Legitimation abzuerkennen. Auch für Las Casas stellte die Rechtfertigung der Herrschaft über die Neuen Länder und damit auch die Zwangsherrschaft über die Indigenen eine Leitfrage in seinen Werken dar. Für ihn war die päpstliche Zustimmung nichtig. Nur zu gern bedienten sich die Gegner Spaniens seiner Schriften und Argumente für ihre Anklagen. Als Antwort darauf entstanden gegen
7 vgl.: Schweitzer (1954): S. 17.
8 Schweitzer (1954): S. 18.
9 vgl.: Hanke (1951): S. 36-39.
8
Ende des 16. Jahrhunderts innerhalb Spaniens beispielsweise Geschichtsbücher über die Conquista mit Rechtfertigungsargumenten sowie weitere Verteidigungsschriften. Der spanische Versuch der Behauptung zog sich noch bis ins 19. Jahrhundert.
Der Schmalkaldische Krieg 10 3.
1531 wurde der Bund evangelischer Reichsstände unter Führung Kursachsens und Hessens in Schmalkalden (in Thüringen) geschlossen. Sein Ziel war die Ausbreitung der Reformation. Bundeswidriges Verhalten einzelner Reichsstände schwächte den Bund zusehends. Kaiser Karl V. begann, den Bund zu bekämpfen und läutete so 1536 die Gegenreformation ein, was 1546/47 im Schmalkaldischen Krieg mündete. Mit der Gefangennahme des Kurfürstens von Sachsen und des Landgrafs von Hessen wurde der Untergang des Bundes besiegelt.
Der politische - also religiöse - Neuaufbau Deutschlands misslang Kaiser Karl.
Das deutsche Volk wollte nicht von den Spaniern regiert werden, so dass die Deutschen hinter den Fürsten standen, als diese sich gegen das Kaisertum Philipps II. wehrten. Er läutete die Gegenreformation ein und brachte die Inquisition nach Deutschland und in die Niederlande.
10 Vgl.: Meyers Lexikonredaktion (1999): Meyers Taschenlexikon; Band 8. Weltbild, Augsburg. S. 3050. und Valentin (1999): S. 171-180.
9
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Katharina Heiß, 2004, Bartolomé de Las Casas und seine Brevísima Relación - Deutsche Übersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts im Kontext der Leyenda Negra, München, GRIN Verlag GmbH
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