Einleitung - über die Ansprüche an den Wissenschaftsjournalismus
„Schämen sollten sich die Menschen, die sich gedankenlos der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst haben, als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.“
Was Albert Einstein beklagt, prangert auch so manch unverstandener Wissenschaftler an. Doch mittlerweile ist das Interesse an wissenschaftlichen Themen in den westlichen Industriestaaten gewachsen. Fachzeitschriften, Magazine, Fernseh-Sendungen,
Tageszeitungen und Radiosender - sie alle setzen auf die neue Wissensgesellschaft in der Wissen nicht nur Macht, sondern auch neue Märkte bedeutet. Im Rahmen der offenen Gastvortragsreihe des Lehrstuhls Wissenschaftsjournalismus am Institut für Journalistik wurde vermittelt, welche neuen Arbeitsfelder sich im Wissenschaftsjournalismus ergeben, welche Herausforderungen an sie gestellt werden und welche Gesichter hinter den großen Wissensformaten stecken.
Im Folgenden soll versucht werden anhand der Gastvorträge von Christiane Götz-Sobel, der stellvertretenden Redaktionsleiterin von „Abenteuer Wissen“ beim ZDF in Mainz und Claus Peter Simon, geschäftsführender Redakteur bei „GEO Wissen“ in Hamburg, herausgearbeitet werden, wo Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den von Ihnen vertretenen Medien auftauchen, wie unterschiedlich die daraus resultierenden Arbeitsfelder im Wissenschaftsjournalismus sind und wo eventuell Schnittstellen in der journalistischen Arbeit auftauchen können. Die beiden Referenten gewährten, wie viele andere interessante Gäste, Einblicke in ihre Aufgabengebiete, Lebensläufe und Redaktionen und der praktischen Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Forschern.
„Nichts zwingt so gründlich über eine Sache nachzudenken, wie die Verpflichtung, sie für Nichtfachleute interessant und verständlich darzustellen. Insofern kann man hier von einer Wechselwirkung zwischen populärwissenschaftlicher Darstellung und wissenschaftlicher Forschung sprechen, die für beide fruchtbar wird.“ 1 Hinter diesem Satz verbirgt sich die Verantwortung des Journalisten den Bürger über die Massenmedien Wissen zu vermitteln. Immer mehr wird das alltägliche Leben von Wissenschaft und Technik beeinflusst und zuweilen kommt es vor, dass politische Entscheidungen zur zukünftigen Forschungsvorhaben getroffen werden müssen. Solche politischen Entscheidungen stehen
1 Faulseit, Dieter/ Lade, Dietrich : „Wie man Wissenschaft populär vermitteln kann.“ Dietz Verlag Berlin, 1987
Anmerkung: Sehr DDR-ideologisch geprägt, doch gerade dadurch interessant zu lesen. Die Notwendigkeit, Wissenschaft zu verstehen, auch als Bürger im Arbeiter- und Bauernstaat, wird deutlich gemacht. Heute wirkt es etwas amüsant.
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im Mittelpunkt, wenn etwa von Themen wie Stammzellenforschung und genmanipulierten Lebensmitteln die Rede ist. Doch nur mündige, informierte Menschen sind in der Lage, Entscheidungen abwägen und treffen zu können. Um den hohen Anforderungen entsprechen zu können, eine breite Öffentlichkeit für ein Thema zu sensibilisieren, sollten Journalisten vor allen Dingen Fachkompetenz und Vermittlungskompetenz besitzen. „Eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Journalisten ist Voraussetzung für eine gute Wissenschaftsberichterstattung“ 2 Diese Ansprüche an eine solide Arbeit im Wissenschaftsjournalismus wurde auch seitens der Referenten unserer Gastvortragsreihe „Die Wissensmacher“ oft erwähnt. Doch nicht selten gehen die Interessen von Wissenschaftlern und Journalisten weit auseinander. Während Forscher sich gerne über mangelnde Kompetenz und Sensationslüsternheit der Journalisten beklagen, stöhnen diese über den Unwillen der Wissenschaftler, ihre Fachsprache in eine verständliche Alltagssprache zu übersetzen und das mangelnde Interesse „sich in die Karten gucken zu lassen.“ Dennoch scheint es den Vortragenden in ihrer alltäglichen Arbeit immer wieder aufs Neue zu gelingen Kompromisse zu finden und mit ihren Redaktionen ein Wissensformat zu schaffen, dass ebenso in der Lage ist zu informieren, wie zu unterhalten. Claus-Peter Simon stellte uns vor, wie Wissenschaft im Magazin verwirklicht wird; Christiane Götz-Sobel brachte uns Wissenschaft im Fernsehen näher. Vorab sei erwähnt, dass beide Vortragende betonten, dass sie zwar Wissensformate vertreten, keinesfalls jedoch trockene Themen vermitteln. Wissen erlangen soll für die Leser bzw. Zuschauer unterhaltsam sein. In monothematischen Heften und Sendungen werden einzelne Themen bearbeitet und von den verschiedensten Seiten beleuchtet. Hauptunterschiede in der Arbeitsweise der beiden Wissenschaftsjournalisten ergeben sich in erster Linie durch die verschiedenen Formate und die verschiedenen Erscheinungstermine. Während sich zweimal jährlich ein komplett neues Redaktionsteam um Claus Peter Simon bildet, um GEO Wissen zu produzieren, geht Abenteuer Wissen wöchentlich mit einer festen Redaktion auf Sendung. In beiden Medien werden jedoch auch immer wieder freie Journalisten eingesetzt. Mit der Einschränkung, dass diese sich meist schon hausintern, also in den Redaktionen anderer GEO-Hefte im einerseits und in Fernsehredaktionen anderer ZDF-Sendungen andererseits, bewährt haben.
2 Krüger, Jens: Wissenschaftsberichterstattung in aktuellen Massenmedien aus der Sicht der Wissenschaftler. In:
Flöhl, Rainer und Fricke, Jürgen: Moral und Verantwortung in der Wissenschaftsvermittlung. Die Aufgabe von
Wissenschaftler und Journalist. Mainz, Hase & Koehler Verlag, 1987
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Kurzinfo zum Gastvortrag von Claus Peter Simon
Thema: Wissenschaft im Magazin (Print)
zu Gast: Claus Peter Simon, Geschäftsführender Redakteur GEO Wissen, Hamburg
zum Magazin:
Das Magazin GEO Wissen wurde im Jahr 1987 gegründet und erscheint seitdem zweimal jährlich zu einem Verkaufspreis von 8,00 € und erzielt eine Auflage von 160.000 verkauften Exemplaren. 3 Wie auch die Stammredaktion GEO erscheint GEO Wissen im Hamburger Verlag Grunner & Jahr. Kennzeichnend für das Heft sind großflächige Fotos, leichtverständliche Texte und das Fehlen von Werbe-Anzeigen (abgesehen von den Hinweisen auf andere Hefte aus der GEO-Reihe) 4 . Eine bestechende Bebilderung ist bei der Illustrierten der wichtigste „Blickfang“, um ein Wissenschaftsthema unterhaltsam zu gestalten. Fotos, Zeichnungen und Grafiken sind auch beim schnellen Blättern durch das Heft bereits rezipierbar.“ 5 Diese Meinung wird von der Redaktion GEO Wissen offensichtlich auch vertreten. Im Gegensatz zu täglich erscheinenden Zeitungen, sind Magazine, wie GEO Wissen weniger auf Nachrichten, denn auf Hintergrundberichte ausgerichtet.
Die Wissensmacher - wie sie wurden, was sie sind - II
Die Vorliebe für die Arbeit in Printmedien wird bei Betrachtung der Biografie von Claus Peter Simon auf den ersten Blick deutlich. Er besuchte uns am 2. November 2005. Während er in der klassischen Fächerkombination Geschichte und Sozialwissenschaft in Bochum studierte, leitete Simon die bundesweit erscheinende Studentenzeitschrift „Unicum“. Anschließend besuchte er die Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg, wo der Weg zum Redakteur im Wissenschaftsressort des „Stern“ nicht weit war. Getreu seinem Motto "Das Bessere ist der Feind des Guten!" wurde Simon 1994 stellvertretender Chefredakteur des „Greenpeace-Magazins“ und wechselte kurze Zeit später als Wissenschaftsedakteur zu der Wochenzeitung „Die Woche“, bevor er im Jahr 2000 geschäftsführender Redakteur bei
3 Informationen entnommen aus der Homepage von GEO.de am 31.10.2005, 8:53 http://www.geo.de/GEO/magazine/GEO_wissen/ueber_wissen/?linkref=geode_teaser_medium_text&SDSID= 33470800000011130744994
4 Zur Betrachtung lag hier die Ausgabe Nr. 32 des Jahres 2003 zu Grunde.
5 Ruß-Moll, Stephan (Hrsg.):Wissenschaftsjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis, 2. Auflage, List Verlag München (1987), S.138
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GEO Wissen in Hamburg wurde. Für seine Medizinberichterstattung wurde Simon mit dem Publizistik-Preis der Smith-Kline-Beecham-Stiftung ausgezeichnet. 6 In seiner Arbeit als Journalist bei GEO Wissen sieht er die Chance, einen Journalismus zu betreiben, der sich der Profanisierung des Medienangebotes entgegenstemmen kann 7 . Mögliche Diskussionsansätze:
GEO bringt neben GEO Wissen noch GEO Kompakt, GEO Saison, GEO Special und GEOlino heraus. Was sind ihrer Meinung nach die grundlegenden Unterschiede zwischen den Magazinen? An welche Zielgruppe richten sich die unterschiedlichen Magazine?
Was macht GEO Wissen notwendig, was ist das Ziel dieses Magazins? Bei Franz Dröge ist die Rede von drei Wissensmomenten, die sich in Faktenwissen, Wertewissen und Normenwissen unterteilen, wobei „in das Normenwissen [...] Fakten- und Wertewissen ein[gehen] und [...] in ihm eine dialektische Einheit [bilden].“ 8 In wie weit ist der Name GEO Wissen Programm? Wie definieren Sie „Wissen“?
GEO Wissen erscheint nur zweimal jährlich. Ist das ein Vollzeit-Job von dem Sie leben können, oder arbeiten Sie auch in anderen GEO-Redaktionen? Wie sieht ihr Tagesablauf aus? Was finden Sie daran positiv und was würden Sie gerne ändern?
Sie haben einmal geschrieben, dass es zu wenig Initiative von Wissenschaftlern gibt, in populären Printmedien zu veröffentlichen. 9 Aus welchen Bereichen kommen die Redakteure von Geo Wissen? Sie haben bei namenhaften Medien, wie „Unicum“, „Stern“ und „Die Woche“ gearbeitet. Was hat Sie dazu bewegt, bei GEO Wissen zu arbeiten? Worin bestand der besondere Reiz? Das Magazin hat kaum Anzeigen. Wie finanziert sich GEO Wissen?
Wie wichtig ist Wissenschaft im Magazin? Welches ist Ihrer Meinung nach die geeignetste Form, (Zeitung, Fernsehen, Radio, Magazin) um wissenschaftliche Themen journalistisch aufzuarbeiten und warum?
Verfolgt GEO Wissen einen Bildungsauftrag? Wie könnte eine Blattline des Magazins lauten? Wie werden Themen festgelegt? Wer bestimmt das? Welchen Vorlauf hat GEOWissen? Kann ein halbjährlich erscheinendes Magazin aktuell sein? Wie reagiert die Redaktion auf aktuelle Schwankungen? Kommt es vor, dass Themen, die bereits bearbeitet und druckreif sind aus bestimmten Gründen doch nicht erscheinen können?
Wie oft reisen Sie für GEO Wissen? Was sind die Themen, die Ihnen besonders am Herzen liegen? Sind Sie bei Ihrer Arbeit Idealist oder Realist?
6 Als Quelle hat die Homepage von Geo.de gedient, am 31.10.2005, 8:46
http://www.geo.de/GEO/wissenschaft_natur/2004_09_GEO_intern_simon/?linkref=geode_teaser_archive_ text&SDSID=
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http://www.geo.de/GEO/wissenschaft_natur/2004_09_GEO_intern_simon/?linkref=geode_teaser_archive_ text&SDSID
8 Dröge, Franz „Wissen ohne Bewusstsein“Athenäum Verlag, 1973, Frankfurt/M., S.71
9 Wildt, Johannes/ Gaus, Olaf (Hrsg.): Journalistisches Schreiben für Wissenschler, Lutherhand (2001)Neuwied/Kriftel, S.82
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Arbeit zitieren:
Katalin Vales, 2006, Arbeitsfelder im Wissenschaftsjournalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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Wissenschaft im Fernsehen am Beispiel des Magazins "Newton"
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