Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 2-3
I. Die Umstellung von Friedens- auf Kriegswirtschaft. 4-12
1. Zahlen und Fakten. 4-7
2. Das Werben um die Industrie. 7-10
3. Finanzierung des Kriegs und Folgen der wirtschaftlichen Entwicklung. 10-12
II. Lenkung der Wirtschaft. 13-19
1. Die Anlaufphase der Wirtschaftskoordination. 13-15
2. Das Jahr 1942 - Beginn relativer Sicherheit im Planungssektor. 15-16
3. Mobilisierung von Arbeitskräften. 17-19
III. Soziale Veränderungen. 20-23
1. Bildung, Familie, Kriminalität. 19-21
2. Wohnungsmangel, Gesundheit und staatliche Maßnahmen im Überblick. 21-23
IV. Zusammenfassung der Ergebnisse. 24-25
Literatur. 26-27
1
Einleitung
Mit der Kriegserklärung an Japan, am 8. Dezember 1941 begann für die USA der offizielle Eintritt in den Zweiten Weltkrieg. Doch schon lange zuvor schien der amerikanische Präsident Roosevelt eine Beteiligung seines Landes am Kriegsgeschehen zu forcieren. Sowohl seine Sorge um die Hegemonie auf dem europäischen Kontinent als auch eigene Sicherheitsinteressen ließen ihn die neutrale und isolationistische Politik seiner Vorgänger in Richtung einer nach außen gerichteten, internationalistischen Vorgehensweise umlenken. Die aktive Beteiligung der USA am Krieg machte jedoch grundlegende wirtschaftliche Reformen nötig. Der bisherige Produktionsschwerpunkt ziviler Güter, musste zugunsten einer Produktionssteigerung auf dem militärischen Sektor verschoben werden. Diese Umstellung von Friedens- auf Kriegsproduktion, die damit zusammenhängenden Schwierigkeiten und schließlich die sozialen Veränderungen sollen im Zentrum der vorliegenden Arbeit stehen. Das erste Kapitel wird sich zunächst mit statistischem Material beschäftigen und einen kurzen faktischen Überblick über die Kriegsfinanzierung geben, ihre Folgen für den Arbeitsmarkt und die Staatsverschuldung zu vermitteln. Hier wird auch die zahlenmäßige Aufrüstung der US-amerikanischen Armee in den Blick rücken. Um die Bedeutung der amerikanischen Industrie für die Aufrüstungspolitik zu verdeutlichen, werden außerdem die staatlichen Maßnahmen beschrieben, welche die Kooperationsbereitschaft der Industrie erhöhen sollten. Das zweite Kapitel versucht sich dann der Frage nach der staatlichen Wirtschaftslenkung weiter zu nähern, indem einige der wichtigsten Behörden genannt und ihre Aufgabenbereiche erläutert werden. Sowohl die Anfangszeit als auch die weitere Organisation während der ’heißen Phase’ des Krieges werden genauer untersucht. In besonderer Weise werden an dieser Stelle die mit der Produktionslenkung zusammenhängenden Probleme umrissen. Als weiterer wichtiger Untersuchungsaspekt der Koordination der Kriegswirtschaft wird dann die Frage nach den Arbeitskräften gestellt, wobei die besondere Rolle von Frauen- und Jugendarbeit sowie andere Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft berücksichtigt werden. Darüber hinaus wird das Problem steigender Inflation und die staatlich eingeleiteten Steuerungsmaßnahmen dargestellt.
2
Aufgabe des letzten Kapitels ist die Untersuchung der sozialen Folgen der sich entwickelnden Kriegswirtschaft. Sowohl die einsetzende Wohnungsnot und ihre Bekämpfung, als auch bildungs- und gesundheitspolitische Verbesserungsmaßnahmen werden die sozialen Aspekte amerikanischer Innenpolitik näher beleuchten.
3
I. Die Umstellung von Friedens- auf Kriegswirtschaft
I. 1. Zahlen und Fakten
Die Amerikaner erlebten die Realität des Krieges anders als die europäischen Staaten. Im Vergleich mit ihnen herrschte in Amerika zur Zeit des Krieges keine wirtschaftliche Not. Obwohl bestimmte Güter wie Reifen, Benzin und Zucker rationiert wurden, war die amerikanische Wirtschaft geprägt von Vollbeschäftigung, relativer Preisstabilität, wachsender Kaufkraft und Produktionssteigerungen immensen Ausmaßes, was wiederum positiv auf das ‘soziale Wohlbefinden‘ der Bevölkerung zurückwirkte. 1 Die Kriegsmobilisierung und Rüstungsproduktion führte die amerikanische Wirtschaft wirksamer aus ihrer Lethargie als die zuvor eingeleiteten Maßnahmen des “New Deal“ und halfen dem Land aus seiner zehnjährigen Dauerkrise. 2
Folgen der Umstellung der Wirtschaft waren eine verdoppelte Industrieproduktion im Zeitraum zwischen 1939 und 1945 und eine Senkung der Arbeitslosenzahlen von zehn Millionen auf unter eine Million. 3 Im Jahr 1944 arbeiteten ungefähr 59 Prozent der
1 Barry W. Poulson weist ausdrücklich darauf hin, dass die Expansion der Güterproduktion auf militärischem Sektor - im Vergleich mit Zahlen des Ersten Weltkriegs - nur mit minimalen Produktionseinschränkungen im zivilen Sektor verbunden war. Vgl. Barry W. Poulson, Economic History of the United States (New York: Macmillan Publishing Co., 1981), 613.
2 Vgl. J. R. Vernon, “World War II Fiscal Policies and the End of the Great Depression“, in: The Journal of Economic History 54:4 (December 1994), 850-67 und Sean Dennis Cashman, America, Roosevelt, and World War II (New York: New York University Press, 1989), 241f.
3 Zu der Entwicklung der Arbeitslosenzahlen vgl. die Tabellen in: Karl Georg Zinn, Preissystem und Staatsinterventionismus: Geschichte und Theorie der privaten Preiskontrolle in Großbritannien und den USA (Köln: Bund-Verlag, 1978), 51 und 192.
Die Sekundärliteratur spricht davon, dass die amerikanische Produktion des Jahres 1943 bereits den output aller anderen Kriegsführenden Nationen übertraf und knüpft daran die These, dass damit die ökonomische Vormachtstellung des Landes für die folgenden 25 Jahre gesichert wurde. Rüstungsproduktion bildet somit die Grundlage langfristiger wirtschaftlicher Expansion. Vgl. Alan S. Milward, Der Zweite Weltkrieg: Krieg, Wirtschaft und Gesellschaft 1939-1945 (München: Deutscher Taschenbuchverlag, 1977), 88.
4
Beschäftigten in der amerikanischen Industrie für die Kriegsausrüstung. 4 Ein Jahr zuvor war der Anteil der Kriegsproduktion am Gesamtausstoß der Wirtschaft von 2 Prozent im Jahr 1939 auf 40 Prozent gestiegen. 5 Das Bruttosozialprodukt stieg in den Vorkriegsjahren von 1933 bis 1944 von 56 auf 91 Milliarden Dollar und von da an bis zum Juni 45 auf 211 Milliarden. 6 Im gleichen Zeitraum stiegen die jährlichen Ausgaben des Bundes - die noch in den 1920er Jahren drei Milliarden betragen hatten - auf neun Milliarden in den 1930er Jahren und im Zeitraum des Kriegseintritts der USA bis zur deutschen Kapitulation, sukzessive von 13 auf ungefähr 100 Milliarden US-Dollar. 7 Die Staatsverschuldung stieg von 40 Milliarden Dollar auf mindestens 250 Milliarden US-Dollar um das Sechsfache. 8 Damit gab Amerika in der Zeit zwischen 1940 und 1945 doppelt soviel Geld aus wie in den 150 Jahren zuvor und produzierte 40 Prozent aller Kriegsgüter der Welt. 9
Besonders auffallend ist, dass in den Jahren des Krieges der prozentuale Anteil der Militärausgaben am Bruttosozialprodukt extrem anstieg. 10 Bis 1941 verzeichneten sowohl der militärische als auch der zivile Produktionssektor Gewinnzuwächse. Dann stagnierten die Zivilproduktionsgewinne, während die Gewinnrate der militärischen Industrie rasant weiter wuchs. Einen nicht geringen Anteil daran hatten die Lieferungen der USA im Rahmen des im März 1941 beschlossenen Lend-Lease Act, dessen Finanzierung sich von seinem Inkrafttreten bis zum Dezember 1941 auf rund 50 Milliarden Dollar belief. 11
4 Vgl. Christopher T. Saunders, “Manpower Distribution 1939-1945“, in: The Manchester School of Economic and Social Studies 14 (1946).
5 Vgl. Milward, Der Zweite Weltkrieg, 89.
6 Vgl. Hugh Rockoff, “The United States: from ploughshares to swords“, in: Mark Harrison (ed.), The economics of World War II: Six great powers in international comparison (Cambridge: University Press, 1978), 82f.
7 Poulson spricht von Ausgaben in Höhe von ungefähr 360 Milliarden US-Dollar im Zeitraum vom ersten Juli 1940 bis Juni 1946. Gemessen am Gesamtbudget betrug der Anteil der Militärausgaben damit etwa 95 Prozent. Vgl. Poulson, Economic History, 613.
8 Andere Berechnungen gehen von bis zu 312 Milliarden US-Dollar aus.
9 Vgl. Hans Jaeger, Geschichte der amerikanischen Wirtschaft im 20. Jahrhundert (Wiesbaden: Franz Steiner Verlag, 1973), 127.
10 Der Anteil der Militärausgaben am Bruttosozialprodukt stieg von 1,5% 1939 auf 45% im Jahr 1944; ging dann im Jahr 1946 bereits wieder auf 8,5% zurück.
11 Vgl. Rockoff, “The United States“, 95-97. Detaillierte Zahlen zum Thema der Leih-Pacht-Exporte liefert Milward, Der Zweite Weltkrieg, 98-100.
5
Betrachtet man Statistiken zur Waffen- beziehungsweise Kampfmittelausrüstung der USA, so wird die Notwendigkeit einer industriellen Mobilmachung, zur Schaffung einer effektiven Armee mit angemessener Kampfkraft, deutlich. 12 Im Vergleich mit den beiden Ländern Großbritannien und Canada lagen die USA ein halbes Jahr nach ihrem offiziellen Eintritt in den Zweiten Weltkrieg, zahlenmäßig sowohl in Bezug auf ihre militärischen Waffenvorräte, als auch bezüglich der Waffenproduktion noch weit zurück. Wie die Zahlen belegen, gelang es nicht vor Ende der 42er Jahre dieses Defizit auf das Niveau Canadas und Großbritanniens anzuheben. 13 In einem Bericht an den Präsidenten vom September 1941 wurden solche Mobilisierungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen von den US-amerikanischen Oberbefehlshabern wie dem damaligen Generalstabschef George C. Marshall und Admiral Harold Stark erkannt und ausdrücklich gefordert. 14 Ein Blick auf die Größe und Ausstattung der amerikanischen Armee bei Ausbruch des Krieges in Europa, belegt die Notwendigkeit militärischer Aufrüstung, die schließlich im Juni des Jahres 1940 eingeleitet wurde. 15 Zu dieser Zeit beschloss der amerikanische Kongress im Zuge von Verteidigungsmaßnahmen einen Aufrüstungsplan, der die Vergrößerung der Armee von lediglich 200 000 Mann und zusätzlichen 200 000 Nationalgardisten auf eine Stärke von 2 000 000 Soldaten bis zum Ende des Jahres 1941 vorsah. 16 Begleitend dazu musste die Armee mit Waffen ausgerüstet- und veraltetes Kriegsmaterial ausgetauscht werden. Außerdem galt es, die Luftwaffe mit nur 1800 - teilweise veralteten - Flugzeugen zu stärken. Hier hatte sich die Regierung das ehrgeizige
12 Vgl. die Tabelle in: Richard Clarke, Anglo-American Economic Collaboration in War and Peace 1942-1949 (Oxford: Clarendon Press, 1982), 6-8.
13 Waffenvorräte und Produktionen der beiden Vergleichsländer Canada und Großbritannien sind in der ausgewerteten Tabelle allerdings zusammengerechnet.
14 Dieser Bericht findet sich in einem Dokument, das der damalige Präsidenten-Vertraute und Leiter des “Lend-Lease“- Programms Harry L. Hopkins in den sogenannten “White House Papers“ abdruckte. Vgl.: Clarke, Anglo-American Economic Collaboration, 9.
15 Zur Ergänzung der statistischen Angaben, der Steigerung der Industrieproduktion und den Hauptkategorien des amerikanischen Kriegsprogramms vgl. Milward, Der Zweite Weltkrieg, 90 und 95 und Cashman, America, 199f.
16 Vgl. Milward, Der Zweite Weltkrieg, 72. Genaueren Angaben zufolge stimmte Rossevelt im Januar 1942 dem War Department’s plan zu, der die Erweiterung des Truppenkontingents auf zunächst 3,6 Millionen im selben Jahr vorsah. Bis zum Juli 1944 sollte die Armee dann auf 8 Millionen Soldaten anwachsen. Vgl. Steven Casey, Cautious Crusade: Franklin D. Roosevelt, American Public Opinion, and the War against Nazi Germany (Oxford: Oxford University Press, 2001), 86.
6
Arbeit zitieren:
M.A. Markus Setzler, 2001, Die Kriegs- und Rüstungsökonomie der USA im Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Begriff 'Kultur' bei Norbert Elias - Die Soziogenese der B...
Soziologie - Kultur, Technik und Völker
Hausarbeit (Hauptseminar), 12 Seiten
Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus - ...
Hausarbeit, 18 Seiten
George Herbert Mead - Geist, Identität und Gesellschaft
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Seminararbeit, 19 Seiten
Symbolischer Interaktionismus (G. H. Mead): ein kurzer Überblick
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Referat (Ausarbeitung), 13 Seiten
Das Geschlechterverhältnis in der Moderne: Individualisierung und Plur...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Seminararbeit, 18 Seiten
Wirtschaftspolitik im WK II - Standardisierung in der deutschen Kriegs...
Seminararbeit, 27 Seiten
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Referat (Ausarbeitung), 7 Seiten
Sozialisationstheorie des Symbolischen Interaktionismus
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 13 Seiten
David Hume Kausalitäts- und Induktionsskepsis
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Seminararbeit, 18 Seiten
Zusammenfassung zu René Descartes: Meditationen oder Über die Grundlag...
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit (Hauptseminar), 8 Seiten
Föderalismus versus Federalism - ein zentrales Thema der Verfassungsdi...
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Emotionen zwischen Selbst- und Fremdzwängen - die Zivilisationstheorie...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Hausarbeit, 19 Seiten
Der kategorische Imperativ in Kants "Grundlegung zur Metaphysik d...
Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Thomas Hobbes und John Locke: Väter zweier unterschiedlicher Staatskon...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 16 Seiten
Sklaverei, Bürgerkrieg und Rekonstruktion
Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 54 Seiten
Markus Setzler's Text Die Kriegs- und Rüstungsökonomie der USA im Zweiten Weltkrieg ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Markus Setzler hat den Text Die Kriegs- und Rüstungsökonomie der USA im Zweiten Weltkrieg veröffentlicht
Markus Setzler hat einen neuen Text hochgeladen
Geschichte Der Vereinigten Staaten. Von Den Frhesten Zeiten Bis Zur Ad...
Jesse Ames Spencer
Die Studentenbewegung in den Vereinigten Staaten und der Bundesrepubli...
Eine Untersuchung hinsichtlich...
Ingo Juchler
Dokumente zur Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika
Herbert Schambeck, Helmut Widder, Marcus Bergmann
Das Recht in den Vereinigten Staaten von Amerika
Eine Einführung
Arthur T. von Mehren, Peter L. Murray, Wolfgang Sohst
0 Kommentare