Inhaltsverzeichnis
1.Einf ührung. 1
2. Thematische Leitmotive in der Arbeit von Marlene Dumas. 2
2.1 Schwarz/Weiß auf Papier vs. Schwarz/Weiß als Rassenfrage 3
2.1.1 We ve got no colour. 3
2.2.2 Black Drawings. 4
2.2 Zwischen Blickerwartung und Blickerwiderung von
Geschlechtspezifischer Stereotypisierung und desillusionierender
Verweigerung. 4
2.1.1 „Females“ 1992-3. 5
2.1.2 „Female no. 97“ 1992. 7
2.3 „Strippingirls“: Durch Künstlerische erfahren die abgenutzte
photographische Nacktheit wieder für Erotik und Aura zurück
gewinnen. 7
2.3.1 „Glitter Bra“ 9
2.3.2 „Leather Boots“ 9
2.4 Kunstgeschichte als Reibefläche zur Selbstpositionierung. 10
2.4.1 „Against History“ 11
2.4.1 „Likeness 1 and 2 11
3. Schlusswort. 12
4. Literaturverzeichnis. 13
5. Liste der Abbildungen 15
Analyse der Leitmotive und Thematische Hauptthemen Anhand Ausgewählte Arbeiten 1
1. Einführung
Die Künstlerin Marlene Dumas wurde 1953 in Kapstadt, Südafrika geboren. Die Familie Dumas führte ein Leben geprägt durch die evangelische Kirche mit ihren strengen Sitten und dem dogmatischen Denken. Südafrika - zu dem Zeitpunkt im Spitzenzeiten der Apartheid - wurde von einem faschistischen Gedankengut regiert: Die Medien wurden sorgfältig kontrolliert und manipuliert. Das Fernsehen stand dem südafrikanischen Volk erst ab 1976 zu Verfügung. Die Printmedien wurden strengstens zensiert. In einer politisch angespannten ,
und sehr stark durch die evangelische Kirche geprägte, Umgebung, fing Dumas im sehr jungen Alter an ,sich in der Erforschung der Bildsprache zu entfalten. Ihre Position als weiblich weiße Südafrikanerin in einer streng konservativen Familie, führte zu einem dynamischen Drang Tabus zu brechen und einer erfrischenden Betrachtung der Kontext eines Objektes oder einer Situation zu liefern. In 1975 Absolvierte die Künstlerin die BA Visual Arts an der Universität Kapstadt, und immigrierte nach Holland. Während ihres Studiums der Kunst in Kapstadt, beschäftigte Dumas sich mit Zeichnungen, Collagen, mit der Malerei und hin und wieder auch mit Skulpturen. Ihr Hauptmotiv, die Figur, prägte sich schon während dieser experimentellen Zeit deutlich aus. In einer
kunsthistorischen Periode der Abstraktion, vertieft sich Dumas in das Figurative und deutet somit auch das Leitmotiv, die figurative Darstellung des Menschen, ihre zukünftigen Arbeiten an. Obwohl Apartheid nie zum Hauptthema ihrer Arbeit wird, setzt sich die Künstlerin sehr früh und sehr deutlich mit dem Konflikt zwischen Schwarz und Weiß, und somit auch mit der politischen Lage auseinander. Auch die Medienkultur und die Bilderkultur der westlichen Welt wird in ihrer Arbeit angesprochen: Erinnerungen, Assoziationen und Erwartungen, die bei dem Betrachter entstehen, formen einen großen Teil der Arbeit Dumas.
In den Niederlanden vertiefte Dumas ihr Studium der Kunst im Ateliers ´63 in Harleem unter anderen unter der Aufsicht des Bildhauers Carl Vissers und der zwei bedeutenden konzeptuellen Künstlern: Jan Dibbets und Ger van Elk. Das Studium in Harleem brachte eine kurze Phase, die von den figurativen Werken Dumas abweicht. Sie setzte sich mit informeller Malerei, der Photocollage und
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mit abstrakten linearen Arbeiten auseinander. Weiterhin, von 1979 bis 1980, erforschte Dumas auch ein ganz anderes Feld, nämlich das der menschlichen Psychologie. Obwohl sie das Studium der Psychologie kurz vor Abschluss abbrach, beeinflusste auch hier das erworbene Wissen die Arbeit der Künstlerin. Ab 1983 findet das Figurative endgültig zurück in dem Repertoire der Künstlerin. Seit 1979 zeigen sich die Arbeiten Dumas in Ausstellungen in aller Welt. 1982 wurde sie bereits zur Documenta eingeladen, zehn Jahre später erneut. Sie nahm an den Biennalen in Venedig teil, dann in Sao Paolo und Johannesburg. Ihre Werke befinden sich in Museen und anderen öffentlichen und privaten Sammlungen rund um den Globus. Heute lebt und arbeitet sie in Amsterdam.
In dieser Arbeit werden, anhand ausgewählter Kunstwerke von Dumas, die Hauptthemen und Leitmotive betrachtet und besprochen.
2. Thematische Leitmotive in der Arbeit von Marlene Dumas
Im Zentrum von Marlene Dumas’ künstlerischem Schaffen steht die Darstellung von Menschen. Eine der wichtigsten Merkmale der Werke Dumas ist der Prozess ,den sie wählt, um mit Photos statt mit Modellen zu arbeiten. Photos und das Spiel zwischen Photographie und Malerei als künstlerisches Medium, begleitet sie durch ihr ganzes Repertoire. Die photographischen Vorlagen werden frei vom Photographen oder seiner Herkunft gewählt 1 . So benutzt sie private Photos von Familienmitgliedern oder Freunden, schießt selber mit einer Polaroid Kamera oder verwendet Bilder aus den Medien. Sie bildet also ein vor geschaffenes Abbild ab.
Dabei kommentiert sie auch photographische Effekte, wie Unschärfe, Anschneiden und das Negativ Bild. Dumas erklärt diese Arbeitsweise mit der Aussage, dass sie sich in der Arbeit mit Modellen zu sehr beeinflusst fühlen würde von den Gedanken des Models über sie als Künstlerin, oder ihre Gedanken über ihr Modell. In dem sie also mit Photos arbeitet, schafft sie sich einen konfrontationsfreien Raum, und die zeitliche Freiheit, die sie braucht, in der Auseinandersetzung mit ihrem Subjekt. In einem Katalog zur Ausstellung in der Galerie Paul Andriesse, Amsterdam bemerkt sie: „ My people were all shot by a Camera, framed before I painted them. They didn’t know that I’d do this to
“On Beauty”, Ausstellungskatalog, Museum of Modern Art Gunna, Gunna, 1998 1
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them“ 2 Durch die Distanz ,die sie hiermit zu ihrem Modell gewinnt, entsteht ein Raum, in dem das gemalte Abbild eine autonome Existenz gewinnt. Dumas schafft also von einer Abbildung ein neues Bild, mit einem eigene Aura die im Prozess des „Abbildung vom Bild“ eine eigene Authentizität gewinnt. Die Benutzung von Vorlagen formt eine fast durchgehende Methode, womit verschiedene Motive und thematische Fragestellungen verarbeitet werden. . Dabei zeigt die Künstlerin ein fast zwanghaftes Interesse für dass Spannungsfeld zwischen Künstler, Kunstwerk und Betrachter. Die existenziellen Fragen zur Sexualität, Tod, Identität findet in Dumas Arbeiten eine sensuelle, introvertierte, aber offene Betrachtung.
2.1 Schwarz/Weiß auf Papier vs. Schwarz/Weiß als Rassenfrage Obwohl die Rassenfrage und Apartheid an sich nie zur Hauptthema Dumas Arbeit wurde, setzte sich sehr früh damit aus einander und tauchte es doch immer wieder, wenn auch nicht direkt in ihrer Arbeit auf. Durch Reduktion wird die Individualität oder Anonymität eines Menschen innerhalb ein stereotype Massa, ein durchgehendes Thema ihrer Bilder. 2.1.1 „We’ve got no colour“
1972 durcharbeitete die junge Marlene als Urlaubsprojekt ein Skizzenbuch voller Entwürfe, Zeichnungen, Comicfiguren und Textzeilen. In einer Serie von Zeichnungen „Iness and Mannes“ bemerkt der Betrachter, wie die junge Künstlerin ihre Stellung zu ihrer Umgebung zu beziehen sucht. In diesem Skizzenblock befindet sich die Zeichnung „We’ve got not colour“, Marker auf Papier, 27,5 x 18,9 cm, 1972 [siehe Abb. I]. Das Papier wurde mit Marker in drei Oberflächen aufgeteilt. Die obere Hälfte zeigt zwei grafisch gezeichnete Figuren. Einmal mit schwarzem Hintergrund ,einmal mit weißem. Dabei ist bei einer Figur der Hintergrund „weiß“/offen gelassen, bei der Andere schwarz eingemalt. Die dritte Oberfläche zeigt zwei Figuren - eine mit etwas dickeren dunklem Strich??? gezeichnet. Darunter befindet sich die Aussage: „We’ve got no colour / we’ve got no Name no Country/no voice/ we die and die and die…./because we try, Suzy. “
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Das Spiel zwischen Negativ und Positiv erinnert unmittelbar an Photographie. Die künstlerische Übung zwischen Licht und Schatten, Übermalung und des “ Offenlassens“ von Zeichenfläche, wird zur politischen Frage, da die Künstlerin unter die oberen zwei Figuren deutlich die Wörter „Whites“ und „Blacks“ schreibt. Die Figuren repräsentieren eindeutig einen Typus Mensch ,der nach der Hautfarbe Klassifiziert wird und kein Individuum mehr ist. Durch den Verzicht auf jegliche Details, bzw. die grafische Darstellung der Figur, deutet Dumas schon früh eine Hinterfragung des Stereotyps an. Diese Hinterfragung kommt später in der, mehr ausgereiften, Arbeit: „Black Drawings“ sehr deutlich an die Oberfläche. 2.1.2 “Black Drawings”
„ Die Künstler bedienen sich der Modernen Massenmedien, die selber Bilder produzieren und damit die Welterfahrung steuern, so dass Bild und Welt nicht mehr zuverlässig unterscheidbar sind“ - Hans Belting 3 Knapp vier Jahre vor dem Ende der Minderheitsregierung in Südafrika (1994) zeigt Dumas eine Serie mit 112 kleinen Zeichnungen in indischer Tinte. „Black Drawings“ 1991-1992 kommentiert die Bilder ,die in den Medien zu sehen waren während der letzten Stufe der Bekämpfung der Apartheid. Überwiegend werden männliche Gesichter gezeigt ,und zwar in einem formellen Raster. Mit wenig Details und ohne der analytischen Erforschung der individuellen
Charaktereigenschaften ,wirkt das Gesamtbild wie ein Blick in eine Masse wortloser Gesichter. Die Künstlerin spielt mit dem Realismus, in dem sie jedes Gesicht unterschiedlich, fast individuell detailliert darstellt. Unter dem allgemeinen Hinweis: „Black“ wird die allgemeine Kategorisierung von Menschen nach ihre Hautfarbe, gegenüber die Individuum unterschtrichen, so dass die Arbeit damit politisch extrem geladen wirkt. Sie fordert Stereotype und, von den Medien manipulierte , Sichtweisen heraus. 2.2 Zwischen Blickerwartung und Blickerwiderung von Geschlechtspezifischer Stereotypie und Desillusionierender Verweigerung
Belting, 2005, S. 30 3
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Die Medien: Nachrichtenreportagen, Werbekampagnen und
Unterhaltungsformate im Fernsehen und in den Printmedien, formen die Gesellschaft und ihr Verständnis von der Welt in dem sie lebt. Jedes
Gesellschaftsmitglied wird mit einer Vorstellung von einer Welt konfrontiert, einer Person oder einer Situation, mit der er sich identifizieren kann ,oder durch die er sich vielleicht bedroht und entfremdet fühlt. Somit ist jeder zum einen oder anderen Zeitpunkt zwangsläufig gezwungen, Betrachter eines abgebildeten Objektes oder einer vorgetäuschten Welt zu sein. Die Beziehung zwischen Betrachter und Bild ist aus der Bilderkultur nicht weg zu denken. Provokativ und Verspielt, bewegt sich Dumas gerne zwischen diesen beiden Polen. Besonders früh (vor 1975) 4 in ihrer Entwicklung, schreibt sie in ihr Tagebuch: „ Me looking in the mirror/trying to draw myself/me the model/me the object/ I want subjects“ . Der weibliche Körper der Künstlerin ist ein Objekt, aber auch ein, von der Künstlerin selbst wahrnehmbares, Subjekt - und damit die Konfrontation und Provokation eine Jahrzehnte alte Sichtweise. Der klischeehafte Mythos Künstlers- Muse, das weibliche Sexualobjekt und der männliche Voyeur, wird in einer fast humorvollen Art und Weise ,ohne die Ernsthaftigkeit ihrer Suche zu untermalen, neu definiert. Dumas entschließt sich, selber Autorin ihrer Modelle zu sein ,und ihrer weiblichen Rolle, der Rolle einer Muse oder des Objektes ,den Rücken zu drehen. Die Schönheit ihrer weiblichen Modelle wird aus der weiblichen Perspektive geschöpft, und verweigert somit die Erwartungshaltung der Betrachter - eine Erwartungshaltung ,die nicht nur aus die Medienwelt ,sondern auch aus der kunsthistorischen Sicht, entstanden ist. 2.2.1 „Females“
„Auf geradezu feministische Weise durchkreuzen und desillusionieren ihre Inszenierungen des Weiblichen jeglichen männlichen Blick (insofern sich dieser als Besitz ergreifend oder im Besitz einer privilegierten Situationsdeutung wähnt). 5 - Bera Nordal
´Females´ ist eine Serie von Aquarellen und Zeichnungen, die momentan als eine aktuelle gleichnamige Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Baden
Arbeit zitieren:
Tinani van Niekerk, 2006, Marlene Dumas: Analyse der Leitmotive und thematische Hauptthemen anhand ausgewählter Arbeiten , München, GRIN Verlag GmbH
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