0. Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
1.1. Modalität und ihre Reduktion auf mögliche Welten 3
1.2. Mögliche Welten 5
2. Hauptteil 7
2.1. Lewis’ Modaler Realismus 7
2.2. Der sprachliche Aktualismus 9
2.3. Lewis’ Einwände gegen den sprachlichen Aktualismus 11
2.3.1. Der erste Einwand: Primitive Modalität 12
2.3.2. Der Diskurs zum ersten Einwand 12
2.3.3. Der zweite Einwand: Begrenzte Beschreibungskraft 16
2.3.4. Der Diskurs zum zweiten Einwand 17
3. Schluss 22
4. Bibliographie 23
1
1. Einleitung
Robert Musil überschreibt ein Kapitel seines Manns ohne Eigenschaften mit den Worten „Wenn es einen Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch einen Möglichkeitssinn geben.“ Im Zusammenhang mit dem obigen Zitat ergibt sich nun eine von Musil intuitiv begründete Überleitung vom Wirklichen, also dem „was ist“, zum Möglichen, also dem „was nicht ist“, wobei Wirklichkeit und Möglichkeit nicht kategorial differente Entitäten sind. 1 Auch die Überleitung von unserer Welt zu Möglichen Welten erscheint dann unter der Zuhilfenahme des Möglichkeitssinns intuitiv: „Was ist“ wird durch unsere aktuale Welt repräsentiert und „was nicht ist“ durch die nicht-aktualen möglichen Welten. Doch mag man einwenden, dass es etwas absurd klingt, dass Nicht-Wirkliches innerhalb irgendwelcher Welten existiert und somit doch wirklich ist. Und damit wären wir auch schon am entscheidenden Punkt aller Diskussion um Mögliche Welten, den ich aber später weiter ausführen werde. Zunächst möchte ich aber noch einmal klarstellen, worin die entscheidende Annahme einer Theorie der Möglichen Welten (ab jetzt TMW) besteht:
(1) Es existiert neben der für uns aktualen Welt eine Pluralität von nicht-aktualen (möglichen) Welten mit nicht-aktualen (möglichen) Entitäten. 2
Um (1) etwas plausibler zu machen, werde ich im nun folgenden Teil versuchen, zu skizzieren, wie man damit das Problem der Modalität erklären kann. Dabei werde ich soweit möglich versuchen einige grundlegende Unterscheidungen zu treffen, die für den Fortgang recht nützlich sein könnten.
1.1. Modalität und ihre Reduktion auf mögliche Welten
Das Phänomen der Modalität gilt gemeinhin als die wichtigste Applikation einer TMW. 3 Modale Kategorien wie Möglichkeit (kann sein), Notwendigkeit (muss sein), Unmöglichkeit
1 Jedes Wirkliche ist möglich, aber nicht jedes Mögliche ist wirklich.
2
(kann nicht sein) oder Kontingenz (könnte sein und könnte nicht sein) zählen ebenso zur Modalität wie die Arten derselben: physikalische, logische, doxastische, usw. Die entscheidende Anforderung an eine TMW muss es also sein, diese Unterscheidungen nichtmodal zu erklären.
Modalität als solche wurde aber von vielen Theoretikern bezweifelt, insofern eine vollständige Beschreibung der Welt auch ohne modale Aussagen auskomme. 4 Dem muss man entgegenhalten, dass uns ohne modale Aussagen wie z.B. Kontrafaktische Sätze usw. viele Wahrheiten in der Welt gar nicht zugänglich wären. Es scheint also etwas zu fehlen, wenn man die Modalität außer Acht lässt. Nehmen wir zum Beispiel einmal folgende Sätze:
(1) a) Peter ist schlau.
b) Peter ist menschlich.
Wenn diese Sätze wahr sind, dann werden sie Teil einer vollständig wahren
Weltbeschreibung im oben genannten Sinne sein. Es lassen sich jedoch über diese Sätze Wahrheiten aussagen, die eben nicht in so einer Beschreibung zu finden sind, weshalb diese wohl nicht vollständig genannt werden kann. Ich meine hier die weithin anerkannte Unterscheidung von Modalität de re und de dicto.
Nach (2) hat Peter eindeutig zwei Eigenschaften, doch er hat diese auf unterschiedliche Weise: Menschlich ist er notwendigerweise, schlau kontingenterweise. Diese verschiedenen Modi, eine Eigenschaft zu besitzen, nennt man Modalität de re. Weil Peter nun kontingenterweise schlau ist, folgt daraus, dass die Aussage (2) a) selbst kontingenterweise wahr ist, während 2) b) notwendigerweise wahr ist, da Peter notwendigerweise menschlich ist. Dass eine Proposition notwendigerweise oder kontingenterweise wahr sein kann, nennt man Modalität de dicto.
Da aber diese Wahrheiten de re und de dicto Melia zufolge weniger etwas über unser Verhältnis der Welt als etwas über die Welt selbst aussagen, muss man Modalität als objektives Phänomen annehmen, ohne deren modale Wahrheiten unsere Beschreibung der Welt niemals vollständig genannt werden kann. 5
2 Cf. Lycan, 1994, 3.
3 Daneben gibt es aber unzählige andere Applikationen wie z.B. Intensionen. Für einen Einblick siehe
Divers, 2002, 9-14 und Sider, 2003, 6.
4 Cf. u. a. WVO Quine (1960): Word and Object, Cambridge, MA: MIT Press. Diese Art der vollständig
wahren Weltbeschreibung nennt Melia auch „categorical hypothesis“ (Melia, 2003, 1).
5 Melia, 2002, 2ff.
3
[...] Many workers in modality think, that realism about such modal truths is not best understood
as the view that what were missing from such a categorical description were further truths about
the necessary and the contingent; rather, what were missing were further truths about what things
existed (Melia, 2003, 18).
.
Der Realismus gegenüber modalen Aussagen führt also viele Theoretiker zur Erweiterung des Bereichs des Existierenden - also zu möglichen Welten. Der entscheidende Punkt ist die Reduktion modaler Aussagen auf nicht-modale mindestens hinsichtlich der Identität in Extension und Wahrheitswert. 6 Das Grundschema ist dabei folgendes: Mögliche Welten fungieren als Entitäten (Possibilia), über die modale Aussage eine Quantifizierung darstellen. 7 Wie das genau gemeint ist, zeigt sich an den Leibnizschen Bikonditionalen: 8
(2) a) Eine Proposition P ist notwendig (€P), gdw. sie in allen möglichen Welten wahr ist. oder
b) €P ⇔ ∀x((x∈W 1 ∧ x∈W 2 ∧ ... ∧ x∈W i ) ∧ Px), wobei w i = alle möglichen Welten.
(3) a) Eine Proposition Q ist möglich (◊Q), gdw. sie in einer möglichen Welt wahr ist. oder
b) ◊Q ⇔ ∃x(x∈W i ∧ Qx), wobei w i = alle möglichen Welten.
Damit sei die Reduktion für die zwei Kategorien der alethischen Modalität Notwendigkeit und Möglichkeit gezeigt. Die TMW kann aber auch die Arten der Modalität mit Hilfe einer Zugänglichkeitsrelation fassen, was hier nur beispielhaft für die logische Notwendigkeit skizziert sei:
(4) Für jede Welt w gilt, p ist logisch notwendig in w gdw in allen Welten W i , in denen dieselben logischen Gesetze gelten wie in w, und p wahr in W i ist.
Eine Modalität gegeben durch modale Kategorie und Art lässt sich also durch das charakterisieren, was in einem bestimmten Bereich der möglichen Welten der Fall ist. 9 Hiermit scheint die Reduktion sehr leistungsfähig zu sein, doch das Problem ist zunächst einmal verschoben, da jetzt die Frage nach der Ontologie möglicher Welten und nach der näheren Bestimmung dieser Quantifizierung zu klären ist. Problematisch ist dabei zum einen,
6 Lycan, 1994, 4f.
7 In modalen Aussagen wird also der Bereich der Quantifizierung ausgedehnt auf das Nicht-Aktuale.
8 Cf. Lycan, 1994, 4-6.
9 Divers, 2002, 5.
4
ob Aussagen über mögliche Welten wirklich nicht-modaler Natur sind 10 und ob mögliche Welten alle Möglichkeiten repräsentieren können .
1.2. Mögliche Welten
Nachdem nun skizziert wurde, wie eine TMW das so schwierige Phänomen der Modalität zunächst einmal relativ einfach erklären kann, werde ich nun die Positionen zu dieser Theorie erläutern. Roy schildert das Dilemma, in dem sich der Theoretiker befindet: Einerseits ist es unplausibel, eine vorher akzeptierte Ontologie durch Welten zu erweitern (sich also auf alle möglichen Arten von Possibilia wie sprechende Esel usw. festzulegen), andererseits ist es ebenso unplausibel anzunehmen, dass Entitäten in dieser akzeptierten Ontologie das leisten, was eigentlich Mögliche Welten leisten sollten (nämlich z.B. die Erklärung der Modalität). 11 Diese dilemmatische Situation hat ihre Ursache in der kategorialen Differenz der Annahme möglicher Welten von der Annahme irgendwelcher abstrakter Entitäten 12 :
„We understood the quantificational part of quantifying over abstract entities, even if we did not
understand the nature of the entities themselves.”(Lycan, 1994, 11).
Denn die Quantifizierung über etwas, das nicht aktual existiert, enthält eine Kontradiktion, da die Existenz von Nicht-Existierendem ein offensichtlicher Widerspruch ist, wodurch die Quantifizierung (über Nicht-Existierendes) als solche problematisch wird. Und genau an diesem Punkt - an der Interpretation der zugegebenermaßen problematischen Quantifizierung - trennen sich die Versionen des Realismus über mögliche Welten und der Anti-Realismus. 13 Die Versionen des Realismus sind vor allem der Konkretismus im Sinne von David Lewis’ Modalen Realismus 14 und der Aktualismus, 15 wobei der Hauptunterschied in der Bestimmung dessen liegt, was eine mögliche Welt ist und infolgedessen unterschiedliche Interpretationen der Quantifizierung geliefert werden. Während der Aktualist, indem er mögliche Welten mit abstrakten Entitäten der aktualen Welt (oder der „accepted ontology“ wie Roy sagen würde) identifiziert, 16 nur über aktuale Entitäten quantifiziert und somit der Kontradiktion aus dem
10 Ob also Modalität irgendwie als primitiv angenommen werden muss.
11 Roy, 1995, 217.
12 Mengen, Eigenschaften, usw. mit deren Hilfe man dann z.B. mathematische Theorien erklären kann.
13 Lycan, 1994, 10-11.
14 Das zentrale Werk ist Lewis 1986, aber Bricker, selbst Konkretist, betont, dass es viele Arten gibt, ein
„Lewisian“ zu sein (Bricker, 2005a, 6)
15 Diese Unterscheidung ist jetzt im Hinblick auf mein Thema stark verkürzt. Eine genauere treffen Lycan,
1994, 14-16 und Divers, 2002, 19-21.
16 Dabei sind alle Arten von abstrakten Entitäten denkbar wie z.B. Fiktionen, Propositionen, Sätze, usw.
aus denen die Welten bestehen. Alle diese Welten existieren aktual, unter ihnen ist aber nur eine
5
Arbeit zitieren:
Matthias Bode, 2005, David Lewis Einwände gegen den sprachlichen Aktualismus - Eine kritische Diskussion, München, GRIN Verlag GmbH
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