Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. DIE GRENZEN DER VISUELLEN WAHRNEHMUNG. 4
3. EMPIRISCHE BEFUNDE ZUR WIRKUNG DER MEDIENSPEZIFISCHEN
PR ÄSENTATIONSWEISEN 5
3.1 DIE STEUERUNG DER AUFMERKSAMKEIT DURCH DIE ORIENTIERUNGSFUNKTION 5
3.2 DIE „TEXT-BILD-SCHERE“ 6
3.2 DIE AUSWIRKUNG VON TEXT-/BILDKOMBINATIONEN. 9
3.3 DER EINFLUSS DER REDUNDANZ AUF DIE BILDERINNERUNG 11
3.5 DIE TEXT-BILD-WAHRNEHMUNG BEI EMOTIONALEN BILDERN UND SACHLICHEM BEGLEITTEXT 12
4. DIE FEHLENDE HALBSEKUNDE 14
5. FAZIT. 16
LITERATURVERZEICHNIS 19
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1. Einleitung
Obwohl das Fernsehen im Gegensatz zu anderen Medien wie dem Radio, diversen Musikmedien sowie den Printmedien auf Grund seiner eingeschränkten Portabilität eigentlich weniger Chancen hat, genutzt zu werden, ist es das meistgenutzte Medium (Schramm & Hasebrink, 2004). Dies läge an der Möglichkeit des Fernsehens, als audiovisuelles Medium zwei Sinneskanäle gleichzeitigen anzusprechen, weswegen es ganzheitlicher wahrgenommen werden könne als beispielsweise das Radio. Da das alltägliche Sammeln von Sinneseindrücken, auch primär über die Augen und Ohren erfolge, dürfte für die meisten Menschen das Fernsehen ein vertrauter und habitualisierter Weg der Informationsaufnahme sein. Deshalb sei auch verständlich, warum sich das Fernsehen so eng in die Strukturen des alltäglichen Lebens einfüge. Das Fernsehen diene aufgrund seines Live-Charakters beziehungsweise seiner Eigenschaft, Menschen und Handlungen real abzubilden, als Fenster zur Welt. Ein weiterer Vorteil des Fernsehens liegt nach Schramm & Hasebrink (2004) in seiner Eigenschaft, in hohem Maße Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Betreten wir einen Raum, in dem eine Fernseher läuft, werde unsere Aufmerksamkeit fast zwangsläufig auf das „bewegte“ Fernsehbild gelenkt, da unsere Wahrnehmung durch auffällige Reize beeinflusst werde. Mit seinen oftmals sehr grellen Bildern, schnellen Schnitten und ungewöhnlichen Tönen und Lauten hätte das Fernsehen die besten Voraussetzungen, die individuelle Wahrnehmungsschwelle vieler Menschen zu überschreiten und die Aufmerksamkeit auch über einen längeren Zeitpunkt auf sich zu ziehen. Des Weiteren hätte das Fernsehen gegenüber anderen Medien den Vorteil, dass der Dekodierungsaufwand für die Rezipientenrelativ niedrig gehalten wird. Dies wird zum einen durch die Kombination von Ton und Bild erreicht, d.h. das Informationen, weclhe auditiv von den Zuschauern nicht aufgenommen werden, durch Bildinformationen kompensiert werden könnten. Zum anderen sei dies durch die vergleichsweise niedrige Informationsdichte der meisten Programme möglich, die im Gegensatz zu den anderen Medien in einem höheren Maße an einem Massenpublikum ausgerichtet seien.
Anhand all dieser genannten Vorteile des Fernsehens wundert es daher sehr, dass die Forschungsergebnisse über das Fernsehen als Informationsmedium eher trübe aussehen. So halten sich beispielsweise Nachrichtenseher im Allgemeinen für gut informiert, können sich aber zumeist bei freier Widergabe nur bis zu maximal 25% an die gezeigten Nachrichten erinnern (Winterhoff-Spurk, 2004). Selbst wenn die Zuschauer direkt nach der Ausstrahlung einer Sendung über die Nachrichteninhalte befragt wurden, konnten
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sie sich an nur sehr wenige Nachrichten erinnern und selbst diese wurden nicht fehlfrei wiedergegeben (Brosius, 1993).
Im Rahmen dieser Arbeit soll veranschaulicht werden, worauf dieser Widerspruch, zurückzuführen ist. Dabei werden zunächst die wahrnehmungspsychologischen Grundlagen der audiovisuellen Informationsverarbeitung dargestellt. Darauf folgend soll anhand Untersuchungen, wie beispielsweise der „Text-Bild-Schere“ und der „fehlenden Halbsekunde“, die Grenzen der visuellen Wahrnehmung beschrieben werden und inwieweit und in welchen Bereichen sich diese speziellen Präsentationsformen der Laufbilder im Fernsehen auf den Zuschauer auswirken können.
2. Die Grenzen der visuellen Wahrnehmung
Nach Winterhoff-Spurk (2004) wendet sich der Zuschauer beim Fernsehen nur während eines Teils der vor dem Medium verbrachten Zeit seinen Inhalten zu. Diese selektive Informationsaufnahme werde im Wahrnehmungssystem auf der Ebene der Sinnesorgane fortgeführt. Da die Fovea centralis, das für die Detailerkennung zuständige Zentrum der Netzhaut, nur ein Zehntausendstel des gesamten Sehfeldes einnimmt, kann nur in einem geringen Ausschnitt unseres Gesichtsfeldes scharf gesehen werden. In einem Abstand von 6,5 Grad seitlich dieses Zentrums beträgt die Sehschärfe nur noch ein Viertel der Sehfähigkeit in der Fovea. Um dennoch das gesamte Gesichtsfeld explorieren zu können, wird das Auge mehrfach in der Sekunde neu ausgerichtet und im Gehirn werden die Einzelinformationen zu einem Gesamtbild integriert. So lassen sich nur wenige und einfache Objekte auf einen Blick erfassen lassen. Um komplexe Szenen oder Gegenstände wahrzunehmen, müsse das Auge Blicksprünge oder Blickbewegungen durchführen. Dabei würden Informationen nur während der Fixation (also nicht während der Blickbewegung) aufgenommen werden. Des Weiteren sei die Kapazität des Auges auf ca. fünf Fixationen pro Sekunde begrenzt. Die Informationsaufnahme ist demnach selektiv und folgt laut Winterhoff-Spurk (2004) dem „Bottom-up“ oder „Top-Down“- Prinzip. Bei erstgenannten erfolgt die Wahrnehmung anhand spezifischer Merkmale des Wahrnehmungsgegenstandes. Dazu zählen die Neuartigkeit, Komplexität, Reizgröße und - intensität, Bewegung und Farbigkeit des Wahrnehmungsgegenstandes und dessen Kontrast zur Umgebung, eine Position an ausgezeichneter Stelle des Gesichtsfeldes (z.B. links oben) oder Reize mit Signalfunktion (z.B. erotische Reize), welche die Blicksprünge leiten können (Winterhoff-Spurk, 2004). Bei der „Top-down“-Wahrnehmung würden die
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Blickbewegungen durch die Bedürfnisse, Motive, Zielsetzungen und Erwartungen der Person selbst gesteuert werden.
Alle so gewonnen Informationen würden für 250 bis 500 Millisekunden fast vollständig behalten werden. Würde die Aufmerksamkeit auf die Informationen gerichtet werden, blieben diese jedoch 15 Sekunden im Arbeitsgedächtnis verfügbar, was allerdings nur für eine begrenzte Informationsmenge möglich wäre. Wäre die Aufmerksamkeit allerdings nicht auf diese gewonnen Informationen gerichtet, gingen diese ungenutzt verloren. Die Kapazität könne durch Klumpenbildung, oder das Herstellen von Assoziationen („Eselsbrücken“) deutlich verbessert werden. Wenn auch diese Zeit ungenutzt verstreiche, würde die Information vergessen, oder durch neue Informationen verdrängt werden. Häufig wiederkehrende, relevante oder mit Aufmerksamkeit betrachtete Informationen würden im Langzeitgedächtnis abgespeichert und mit anderen, auch nicht-visuellen Kognitionen verbunden werden. Eine Kognition würde demnach umso besser behalten werden, je intensiver sie bearbeitet, d.h. in das vorhandene Wissen eingebunden werde.
3. Empirische Befunde zur Wirkung der medienspezifischen Präsentationsweisen
3.1 Die Steuerung der Aufmerksamkeit durch die Orientierungsfunktion Solche wahrnehmungspsychologischen Kenntnisse können sich Fernsehproduzenten gezielt für die Programmplanung zu nutze machen. So wurde beispielsweise die „Sesamstrasse“ mit dem Ziel produziert, das Fernsehen zum Abbau von
Bildungsdefiziten bei benachteiligten sozialen Gruppen zu nutzen (Winterhoff-Spurk, 2004). Ein grundlegendes Problem dieser Kinder war, dass diese kaum ungestört und konzentriert Fernsehen schauen konnten. Aus diesem Grund sollt mit bestimmten akustischen und visuellen Reizen die passive Aufmerksamkeit des Kindes immer wieder gewonnen werden. Als visuelle Darstellungsformen bewiesen sich hierfür visuelle Spezialeffekte, Szenen-, Figuren- oder Themenwechsel und Inhalte wie physische Aktivität und Aktionen, Humor sowie attraktive und vertraute Akteure. Als akustische Darstellungsmittel wurden lebhafte Musik, Toneffekte, Kinderstimmen, ungewöhnliche Stimmen, nichtsprachliche Stimmäußerungen und häufige Sprecherwechsel als Orientierungsreaktion eingesetzt. Demnach wurde bei der Gestaltung des Programms auf viel Aktivität am Bildschirm geachtet, um die
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Aufmerksamkeit der Kinder zu halten, was in dieser Hinsicht auch zum Erfolg geführt hat. Zwar wurde diese Untersuchung mit Kindern durchgeführt, doch werden genau diese beschriebenen Darstellungsmittel mit einem noch schnelleren Tempo auch für Erwachsenen-Programme eingesetzt um die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu halten (Winterhoff-Spurk, 2004). Das Ziel der Einführung dieser Sendung war allerdings der Abbau von Bildungsdefiziten, d.h. das Fernsehen sollte hier als Bildungsmedium fungieren, was durch die immer wieder gewonnene Aufmerksamkeit erreicht werden sollte. Doch führt eine höhere Aufmerksamkeit denn auch automatisch zu besseren Lern- und Behaltensleistungen? Veranschaulicht man sich die Tatsache, dass die Selektivität bereits schon auf der Ebene der Sinnesorgane einsetzte, kann dies durch einen rasanten Szenen- und Figurenwechsel sicherlich nicht verbessert werden (Wember, 1976). Des Weiteren kann das Auge nur wenige und einfache Objekte auf einen Blick erfassen und muss Blicksprünge durchführen, um komplexe Szenen oder Gegenstände wahrzunehmen, wodurch verständlich wird, dass bei zu viel Aktivität auf dem Bildschirm nicht alle Informationen wahrgenommen werden können (Winterhoff-Spurk, 2004). Im Folgenden soll anhand Untersuchungen zur Text-Bild-Beziehung dargestellt werden, wie sich zu viel Aktivität auf dem Bildschirm, wie schneller Szenen, Figuren- oder Themenwechsel von Laufbildern auf den Zuschauer auswirken kann.
3.2 Die „Text-Bild-Schere“
Wember (1976) zeigte anhand seiner Fernsehnachrichtenanalysen, dass durch die meisten Bildinformationen die Aufmerksamkeit des Zuschauers mit technischen Tricks (wie Zoom, Schwenk, häufige Schnittfolge usw.) zu fesseln versucht wird, ohne dass diese Mittel in irgendeinem inhaltlichen Bezug zum Nachrichtentext stehen. Von ihm stammt auch das Schlagwort von der „Text-Bild-Schere“, was bedeutet, dass Text und Bild wie die Klingen einer Schere auseinander gehen und oft so weit voneinander entfernt seien, dass der Zuschauer sie nicht mehr sinnvoll gleichzeitig verarbeiten könne. Mit diesen Untersuchungen wollte Wember (1976) gegen den Anspruch von Nachrichtenpraktikern beweisen, dass die Nachrichten mit ihren Text-Bild-Kombinationen den Zuschauer nicht informierten. Nach seinen Untersuchungen wurden die Nachrichtenfilme von den zuschauern bis zu 80 Prozent besser erinnert, wenn Text und Bild eng aufeinander abgestimmt waren. Nicht zusammengehörige Informationen konnten dagegen nur bis zu 30 Prozent erinnert werden. Die Erinnerungswerte konnten zum einen durch die Einblendungen von Graphiken um 80 Prozent und durch die
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Arbeit zitieren:
Yvonne Schölzel, 2006, Die Auswirkungen der Laufbilddarstellung im Fernsehen auf die Zuschauer, München, GRIN Verlag GmbH
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