Schule im Mittelalter am exemplarischen Beispiel
der karolingischen Bildungsreform
von: Patrick Gutsch
INHALT
1. Einleitung 3
2. Historischer Kontext 3
3. Karl der Große 5
4. Die karolingische Bildungsreform 7
4.1. Die Entstehung des Bilinguismus 7
4.2. Erlasse und Verordnungen Karls des Großen 8
5. Der Lehrplan der karolingischen Bildungseinrichtungen 12
5.1. Der Lehrkanon und die Bedeutung der Bibel 12
5.2. Die septem artes liberales 13
5.2.1. Das Trivium 14
5.2.2. Das Quadrivium 15
5.3. Der Unterricht an den Schulen 16
6. Ausblick 17
7. Zusammenfassung 19
8. Literaturverzeichnis 22
1. Einleitung
Gegenstand dieser Hausarbeit ist das Schulwesen im Mittelalter am exemplarischen Beispiel der karolingischen Bildungsreform. Es wird dazu im Folgenden zunächst der historische Kontext beleuchtet, der zu dem Impuls der karolingischen Renaissance führte. Im zweiten Abschnitt wird Karl der Große, der Begründer der Reformen, vorgestellt. Hierbei werden seine Ideale, Vorstellungen und Absichten erläutert, die letztlich ausschlaggebend für die von ihm erlassenen Verordnungen waren. Die grundlegenden Wesenszüge der „karolingischen Renaissance“ und deren Umsetzung durch Verordnungen und Erlasse werden im nachfolgenden Abschnitt der Hausarbeit behandelt. Des Weiteren wird der Lehrplan der Kloster- und Domschulen und die darin enthaltenden „septem artes liberales“ sowie deren Unterrichtsgliederung erläutert. Abschließend wird ein exemplarischer Einblick in die der karolingischen Renaissance folgenden pädagogischen Entwicklungen gegeben.
2. Historischer Kontext
Ausgangspunkt der karolingischen Bildungsreform ist der europäische Kulturraum im Media Aetas, dem Mittelalter, vom vierten bis achten Jahrhundert. Im Zeitalter der Völkerwanderung, nach dem so genannten Arabersturm auf die Mittelmeerregionen, strebten Nomadenhorden und von Königen regierte Kriegerkasten (vgl. Fuhrmann 2002, S.13) territoriale Vormachtstellungen in den zerfallenen Regionen des ehemaligen römischen Imperiums an (vgl. Brockhaus 2006, Mittelalter). So verlagerte sich der Schwerpunkt des politischen und kulturellen Lebensraums aus dem Mittelmeerraum in die Gebiete westlich und östlich des Rheins (vgl. Fuhrmann 2002, S.13).
In der Entstehungsphase des fränkischen Reiches gab es jedoch kaum Ansätze staatlich organisierter Administration oder kultureller Einrichtungen, wie beispielsweise einem Schulwesen. Als einzige Konstante zu einer fehlenden, staatlich geordneten Verwaltung stand zu dieser Zeit die christliche Kirche, die als einzige Organisation, mit ihrem Kern im römischen Patrimonium Petri, dem Vermögen Petrus (vgl. Brockhaus 2006, Kirchenstaat), überregional und hierarchisch gegliedert war. Die Kirche nahm dadurch den größten Stellenwert im Studium mit Urkunden, Briefen und Büchern ein, wobei sie sich ausschließlich auf die lateinische Sprache bezog, die sich jedoch nach dem Zerfall des Römischen Reichs in den verschiedenen Gebieten unterschiedlich entwickelte, wie beispielsweise in Italien zum Italienischen und in Gallien zum Französischen (vgl. Fuhrmann 2002, S. 14). So definierte sich der Erziehungsbegriff im Mittelalter hauptsächlich durch Disziplinierung des Menschen zu Demut, Glauben und christlicher Vollkommenheit, um ihn zum tätigen Glied der religiös-kirchlichen Gemeinschaft heranzubilden (vgl. Reble 1951, S. 59). Diese Form der Unterrichtung in Klöstern, Bischofssitzen und Pfarreien stand demnach ausschließlich dem Klerus und der Berufsausbildung dessen Nachwuchs zur Verfügung. Diese Konstellation war der Ausgangspunkt der Reformen die durch das fränkische Geschlecht der Karolinger, insbesondere durch Karl den Großen, ins Leben gerufen wurden. Der nun folgende Abschnitt befasst sich mit der Persönlichkeit Karl des Großen, seiner Überzeugungen und Absichten, die letztlich zur karolingischen Renaissance führten.
3. Karl der Große
Der 747 nach Christi geborene Karl der Große, lateinisch Carolus Magnus genannt, stammte aus dem Geschlecht der Arnulfinger, das nach ihm in das Geschlecht der Karolinger umbenannt wurde. Im Jahre 768 wurde er zum König der Franken und kurz darauf, nach seinem Sieg über die Langobarden im Jahre 774, auch zum König der Langobarden gekrönt. Zudem brachte er sieben Kinder aus sechs verschiedenen Friedelehen mit sich. „Das was wir heute von ihm wissen, deutet auf eine heterogene Persönlichkeit hin: grobschlächtig, gewalttätig und mitleidlos gegenüber seinen Feinden, großzügig in der Liebe zu seinen vielen Frauen und seinen Freunden, ungebildet (…) und gleichzeitig wiss- und lernbegierig, ein brutaler Kriegsherr und ein kluger und geschickter Organisator seines Reiches“ (Treml 2005, S.135). Zudem war Karl der Große stets bemüht, Fremdsprachen zu erlernen, wie Latein und Griechisch, und die „septem artes liberales“, „die sieben freien Künste“, zu praktizieren.
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Patrick Gutsch, 2006, Schule im Mittelalter am exemplarischen Beispiel der karolingischen Bildungsreform, Munich, GRIN Publishing GmbH
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