Inhalt
Einleitung 3
1. Zum historischen und literarischen Kontext 4
2. Historische Verdienste Athens in den Perserkriegen (1,73,3 - 75,1) 5
3. Die Entwicklung zur attischen Hegemonie in der Perzeption
Athens (1,75,2 - 76,2) 7
4.Ausübung der Herrschaft der Athener (1,76,3 - 77,6) 10
5. Epilog (78,1 - 4) 12
Quellen - und Literaturverzeichnis 13
2
Einleitung
Nach der Abwehr der persischen Invasion Griechenlands im großen Perserkrieg 480-79 v. Chr. durch den spartanisch geführten Hellenenbund zog sich Sparta aus dem Abwehrkampf zurück, was die ostgriechischen und ionischen Inselgriechen dazu veranlasste, einen Garant für ihre Freiheit angesichts eines möglichen Rachefeldzugs der Perser zu suchen. Sie fanden ihn in Athen, so dass es 478/77 zur Gründung des sowohl defensiv als auch offensiv ausgerichteten delisch-attischen Seebundes kam, dessen Ziel es war, Vergeltung gegen Persien zu üben und dem Sicherheitsbedürfnis der Inselgriechen auf der Grundlage von Athens Flottenstärke Rechnung zu tragen. Konzipiert war das Bündnis zunächst als Symmachie, wenn die Bündner auch ihre Zustimmung dazu gaben, dass Athen die militärische Führung übernahm. 1 Im Gegenzug verlangte Athen von jedem der Bündner entweder das regelmäßige Stellen eines Flottenkontingentes oder alternativ die Entrichtung eines individuell bemessenen Phoros. Dieser Schatz wurde zunächst auf Delos verwaltet, später jedoch nach Athen überführt.
Wie man jedoch u.a. aus den Unternehmungen des Seebundstrategen Kimon schließen kann, blieb es nicht bei dieser Symmachie. Mit dem enormen Machtanstieg der Athener kam es dazu, dass Bundesstädte „gegen die Satzungen geknechtet“ 2 wurden und neutrale Poleis mit kriegerischen Mitteln in den Seebund gezwungen wurden. Athen begann, den Seebund nicht nur militärisch, sondern auch politisch zu dominieren, so dass die Bundesgenossen ihre Autonomie größtenteils nicht gewahrt sahen. Um es mit Diodor zu sagen: „…Insgesamt erlebten die Athener einen bedeutenden Machtzuwachs und behandelten ihre Bündner nicht mehr so mild wie zuvor, sondern führten ein gewalttätiges und hochmütiges Regiment.“ 3 In der vorliegenden Arbeit soll anhand einer Rechtfertigungsrede der Athener in Sparta deren Eigenperzeption ihrer Hegemonialstellung und der daraus resultierenden Machtausübung dargestellt werden. Verwendet wurde hauptsächlich Thukydides 1,73 - 78, wenn auch weitere Quellen nach Bedarf hinzugezogen wurden.
1 Damit gaben die Bündner sofort ein Stück Autonomie preis, denn durch das militärische Übergewicht Athens
in Verbindung mit der Vertragsklausel „gleiche Freunde, gleiche Feinde“ war ein nur beschränkter politischer
Handlungsspielraum der Bundesgenossen nicht zu vermeiden.
2 Thuk. 1,98.
3 Diod. 11,70,3.
3
1. Zum historischen und literarischen Kontext
Im Zuge des Abfalls der Stadt Poteidaia und deren Belagerung durch die Athener wandte sich Korinth, das um die Freiheit der Stadt bangte, an Sparta, wo eine athenische Gesandtschaft zufällig in „anderen Angelegenheiten“ 4 anwesend war. In diesem Rahmen kam es zu einigen Reden, die Thukydides, der selbst jedoch nicht anwesend gewesen sein kann, in seinem Geschichtswerk anführt. Es ist also nicht erwiesen, ob die Reden in der Weise, wie Thukydides sie darstellt, tatsächlich gehalten wurden. 5 Insbesondere die Antwortrede der Athener wird in der Literatur für die am wenigsten glaubwürdige gehalten. 6 In der Rede der Athener werden die außenpolitischen Vorstellungen der Athener begründet bzw. deren Machtposition „aufklärend“ geschildert, 7 wobei der Charakter der Rede in der Literatur als umstritten gilt. Raubitschek und Stahl beispielsweise nehmen an, dass die Rede tatsächlich lediglich als Warnung und Drohung gemeint war, 8 während Antonios Rengakos und Clifford Orwin es als selbstverständlich ansehen, dass die Athener ihre Außenpolitik zu rechtfertigen suchten. 9 Es ist zu bemerken, dass die athenische Gesandtschaft scheinbar ganz unabhängig von der Regierung in Athen Stellung bezieht und ein schiedsgerichtliches Verfahren anbietet, 10 was auf eine kompetente und verantwortliche Vertretung Athens in Sparta schließen lässt. 11
Im Proömium wird vom Redner bemerkt, dass er diese Rede nicht in dem Sinne hält, wie es ein Angeklagter vor dem Richter tut, 12 sondern, dass sie eher eine Machtdemonstration darstellen soll. 13 Thukydides betont dadurch, dass er diese Worte dem Redner in den Mund legt, was er selbst schon in der Ankündigung der Rede schrieb: „…hielten sie [die Athener] es für richtig, ebenfalls zu den Lakedaimoniern zu sprechen, nicht etwa, um sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen…“. 14 Dennoch kann man davon ausgehen, dass der Charakter der Rede ein durchaus rechtfertigender ist, da dies schon der Aufbau der Rede stark suggeriert. 15
4 Thuk. 1,72,1.
5 vgl. Raubitschek, Antony E.: The Speech of the Athenians in Sparta. In: Philip A. Stadter [Hrsg.]: The
Speeches in Thucydides, Chapel Hill NC, 1973, S. 34.
6 vgl. Orwin, Clifford: The Humanity of Thucydides, New Jersey 1994, S. 44.
7 vgl. Stahl, Hans-Peter, Thukydides. Die Stellung des Menschen im Geschichtlichen Prozess, München 1966, S.
44.
8 vgl. Raubitschek, S. 34.
9 vgl. Antonios Rengakos: Form und Wandel des Machtdenkens der Athener bei Thukydides,
Wiesbaden/Stuttgart 1984, S. 23-24.
10 vgl. Thuk.1,78,4: „[…] beseitigt die Streitpunkte nach einem Schiedsverfahren […]“. Schwartz sieht dies
Angebot als eine „rednerische Alternative“, die jeder Athener „ohne ausdrückliches Mandat“ nutzen konnte, um
die Spartaner an die Abmachungen des 30jährigen Friedens zu erinnern. Vgl. Schwartz, Eduard: Das
Geschichtswerk des Thukydides, Bonn 1929, S. 107.
11 vgl. Raubitschek, S. 33.
12 vgl. Thuk. 1,73,1.
13 vgl. Stahl, S. 46.
14 Thuk. 1,72,1.
15 vgl. Rengakos, S. 23.
4
Arbeit zitieren:
Luise Fast, 2006, Die Herrschaft der Athener im delisch-attischen Seebund - Eigenperzeption der Athener in der Rede in Thukydides I,73-78, München, GRIN Verlag GmbH
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