Inhalt
E i n l e i t u n g 2
1. Die Vorgeschichte des modernen Jerusalem 3
1.1. D a s a n t i k e J e r u s a l e m 3
1.2. Jerusalem im Mittelalter 4
1.3. Das osmanische Jerusalem 5
2. Auseinandersetzungen um das moderne Jerusalem 5
2.1. Unter britischem Mandat 5
2.2. 1948-67: Die geteilte Stadt 9
2.3. Die Wiedervereinigung Jerusalems 1967 11
2.3.1. Der Juni- oder Sechstagekrieg 11
2.3.2. D i e F o l g e n f ü r J e r u s a l e m 1 5
3. S c h l u s s 1 7
Quellen - und Literaturverzeichnis 18
1
Einleitung
Der Nahe Osten ist spätestens seit der Staatsgründung Israels einer der explosivsten Krisenherde weltweit und sorgt immer wieder für Aufsehen nicht nur in der arabischen, sondern auch in der westlichen Welt. Davon zeugen fünf zwischenstaatliche Kriege unterschiedlichen Charakters, 1 deren Auswirkungen sich nicht auf die Region beschränkten, sondern auch überregional von großer Bedeutung waren, und die ständige, schon fast zum nahöstlichen Alltag gewordene Konfrontation zwischen Israelis und Palästinensern.
Zentrales Konfliktobjekt ist seit jeher die Stadt Yerushalajim oder Al Quds, die „heilige Stadt des Friedens“, gewesen. Es fällt nicht schwer, das in diesen Namen implizierte Paradoxon zu erkennen: Historisch gesehen ist eine Bezeichnung Jerusalems als Stadt des Friedens schlichtweg falsch, denn „kaum eine Stadt auf der Welt hat in ihrer langen Geschichte so wenig Frieden erlebt wie gerade Jerusalem“. 2 Der Konflikt um die Stadt hat eine lange Vorgeschichte, die ebenso wenig friedlich verlief wie die des modernen Jerusalem. Nicht nur die religiöse Bedeutung der Stadt machte Jerusalem zu einem Zentrum, zu einem „Kleinod der Menschheit“ 3 für viele Kulturen, Nationen und Religionen. Sie faszinierte seit Menschengedenken als Ganzes. Jerusalem ist jedoch auch eine Stadt, in der Menschen einfach wohnen, ihren Glauben praktizieren und glücklich sein wollen. Die langjährigen Kriege, der ständige Streit um die Stadt machte es diesen Menschen bislang schwer, was jedoch die Liebe und Verehrung, die Jerusalem entgegengebracht wird, nicht im Geringsten schmälert, wenn nicht sogar verstärkt. 4
In dieser Arbeit soll eine Analyse des Jahrtausende alten Konflikts um die Stadt mit dem Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert vom Beginn der Mandatszeit bis zur Wiedervereinigung der Stadt im Sechstagekrieg 1967 erstellt werden. Ein knapper Überblick über die gesamte Geschichte Jerusalems soll zum Verständnis des modernen Streites beitragen, ebenso eine Erläuterung der Ereignisse, die zum Junikrieg von 1967 führten.
1 Vgl. Timm, Angelika: „Israel - kein Staat wie jeder andere“, in: Informationen zur politischen Bildung
Nr. 278/2003, S. 3.
2 Uri Avnery: „Jerusalem als Hauptstadt zweier Saaten“ in: Avnery, Uri/Bishara, Azmi (Hg.), Die
Jerusalemfrage: Israelis und Palästinenser im Gespräch, Heidelberg 1996, S. 10.
3 Ebd., S. 13.
4 Vgl. Wiesel, Elie: „Jerusalem, mein Herz“, in: Die Welt vom 9. April 2001,
www.welt.de/data/2001/04/09/485413.html, Aufrufdatum: 6. Oktober 2005, 13:14.
2
Zu diesem relativ großen Themenkomplex findet man in der Forschungsliteratur eine breit gefächerte Vielzahl von Schriften, Dokumenten, Zeitzeugenberichten und Lösungsvorschlägen sowohl aus arabischer als auch aus israelischer Perspektive. Man stößt jedoch besonders in der Literatur zu der Zeit nach dem Sechstagekrieg auf Hinweise auf noch nicht veröffentlichte oder verschollene Quellen, deren Lektüre einige Unklarheiten oder Ungenauigkeiten in Bezug auf die sehr brisante und stets aktuelle Jerusalemfrage klären könnte. Schon deshalb kann diese Arbeit wohl nicht dem Anspruch auf Vollständigkeit genügen und verfolgt daher eher das Ziel, einen kurzen Überblick zum derzeitigen Forschungsstand und einen Einblick in die Hintergründe des Konflikts um Jerusalem im Rahmen einer Proseminararbeit zu vermitteln.
1. Die Vorgeschichte des modernen Jerusalem
Die Geschichte Jerusalems beginnt im Vergleich zu der der meisten Städte in der Alten Welt recht früh. Die wichtigste Quelle für die Anfänge Jerusalems ist das Alte Testament der Bibel, es gibt jedoch noch weitere Quellen, wie zum Beispiel die Briefe von Tel el Amarna aus dem 14. Jahrhundert vor Christus.
1.1. Das antike Jerusalem
Jerusalem war „der Bibel nach […] schon eine alte Stadt, als Abraham ins Land kam“. 5 Für die Hebräer, oder biblisch das „Volk Israel“, wird die Stadt zum ersten Mal politisch interessant, als die israelitischen Stämme nach ihrer spektakulären Flucht aus Ägypten und der vierzigjährigen Wüstenwanderung in das gelobte Land Kanaan einfielen und es sich zu Eigen machten. Das muss ungefähr 1230 v. Chr. gewesen sein. Jerusalem wurde damals von dem kanaanitischen Stamm der Jebusiter bewohnt, deren König Adoni-Zedek in Jerusalem residierte. 6 Die Jebusiter wurden von den vordringenden Israeliten zunächst nicht vertrieben, Jerusalem aber, der „Berghang der Jebusiter“ 7 und das judäische Bergland wurde dem hebräischen Stamm Juda, der später seiner Religion den Namen gab, zugeteilt. Von einer Eroberung des Berges Zion und damit Jerusalems durch die Israeliten ist erst die Rede, als der Stammesfürst David, besser bekannt als König David, seine Hauptstadt Hebron verlegte. „David aber eroberte die Burg Zion; das ist Davids Stadt […] So wohnte David auf der Burg und nannte sie
5 Vgl. Avnery, S. 10-11.
6 Vgl. Die Bibel, Altes Testament nach der Übersetzung von Martin Luther, revidierte Fassung von 1984,
Josua 10,1; 15,8.
7 AT, Josua 15,8.
3
‚Stadt Davids’“. 8 Das ist der Teil Jerusalems, der heute noch die Davidsstadt genannt wird - zwischen dem Kidrontal im Osten und dem Hinnomtal im Westen, südlich des Tempelberges. Die Mauerzüge der Jebusiter- bzw. Davidsstadt sind heute archäologisch gesichert.
Jerusalem war die Residenz der Könige von Israel bzw. Juda, bis zur Zerstörung der Stadt im Jahre 587 v. Chr. durch den persischen König Nebukadnezar, der das gesamte Volk Israel endgültig ins babylonische Exil führte und das Land Kanaan verwüstet zurück ließ. 9 538 v. Chr. erließ der persische König Kyrus ein Edikt, das den Israeliten die Rückkehr in das Land Kanaan und den Wideraufbau des Tempels und der Stadtmauern erlaubte. 10 Bis Palästina 63 v. Chr. endgültig unter römische Herrschaft kam, lebte es unter makedonischer, ägyptischer und syrischer Oberherrschaft. In dieser Zeit wurde Jerusalem zum Zentrum des religiösen Lebens mit den Hebräern als „Basis für eine Schöpfung, der auch das Christentum und der Islam entsprungen sind“. 11 Bis 324 n. Chr. regierten die Römer in Jerusalem. 70 n. Christus wurde ein jüdischer Aufstand in Jerusalem vom römischen Feldherrn Titus niedergeschlagen, der dann auch den herodianischen Tempel zerstörte. Nach einem weiteren Aufstand unter der Führung Simon Bar Kochbas 132 - 135 n. Chr. wurde es den Juden unter Todesstrafe verboten, Jerusalem zu betreten. Jerusalem sollte romanisiert werden. 12 Seit dem Toleranzedikt von Mailand im Jahre 313 begann sich das Stadtbild Jerusalems zu verändern. Kirchen wurden gebaut und Ströme christlicher Pilger fluteten nach Jerusalem. Bei der Teilung des römischen Reiches fiel Palästina unter byzantinische Herrschaft. Besonders als 380 n. Chr. das Christentum unter Konstantin Staatsreligion wurde, kam es zu einer „antijüdischen Gesetzgebung“. 13
1.2. Jerusalem im Mittelalter
638 wurde Jerusalem durch die Muslime erobert. Unter der omaijadischen Dynastie wurde es sowohl den Christen als auch den Juden gestattet, in Jerusalem zu wohnen. In diese Zeit fällt auch die Errichtung des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Tempels. 14
8 AT, 2. Samuel 5,7-9.
9 Vgl. AT, 2. Chronik 36,17-21.
10 Vgl. AT, Esra 1, 1-11.
11 Avnery, S. 11.
12 Vgl. Durst, Stefan: Jerusalem als ökumenisches Problem im 20. Jahrhundert, Pfaffenweiler 1993 S. 20.
13 Ebd., S. 21.
14 Vgl. ebd., S. 21.
4
Das Jerusalem des Mittelalters ist geprägt von den Kreuzfahrern und ihren Konflikten mit der einheimischen Bevölkerung. Im Zuge des beginnenden, fast schon politisierten Religionskonfliktes zwischen Moslems und Christen, später auch den Juden, kam es immer wieder zu Plünderungen und Zerstörungen innerhalb Jerusalems. Bis ins 19. Jahrhundert hinein bildeten Muslime die Majorität in Jerusalem, die durch ihre Bauten das Stadtbild der Davidsstadt, das weitgehend noch erhalten ist, entscheidend prägten. 15
Die jüdische Minderheit war meist das größte Opfer der Auseinandersetzungen und hatte sowohl von den christlichen Pilgern als auch von den Moslems Verfolgungen und Unterdrückungen zu erdulden.
1.3. Das osmanische Jerusalem
Seit 1517 stand Jerusalem unter der Herrschaft der Osmanen, denen die Stadt die heutigen Mauerzüge zu verdanken hat. In dieser Zeit begann Jerusalem aus seinen Stadtmauern hinaus zu wachsen - die Gebiete außerhalb der Mauern wurden vor allem durch Juden besiedelt, so dass Jerusalem schließlich mit den bisher separat gelegenen Dörfern zusammenwuchs. Es wurde zunehmend schwer zu sagen, wo Jerusalem aufhörte und z. B. Bethlehem oder Abu Dis anfingen. Vor allem das Aufflammen des Zionismus als “a reaction to the twin challenges to Jewish identity of assimilation by the Christian European environment and persecution by the Christian European environment” 16 im 19. Jahrhundert hatte jüdische Einwanderungsströme nach Palästina zur Folge.
2. Jerusalem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
2.1. Unter britischem Mandat
Mit dem Sieg der alliierten Streitkräfte 1917 auf dem Nebenkriegsschauplatz Naher Osten mussten die mit den Mittelmächten verbündeten Osmanen Jerusalem im Dezember räumen und den Briten übergeben. Die britische Regierung versprach daraufhin in der so genannten Balfour-Deklaration, die Forderungen der zionistischen Juden unter der Führung Lord Rothschilds nach „a national home for the Jewish people
15 Vgl. ebd., S. 22.
16 Khalidi, Walid: “The Palestine Problem: An Overview”, in: Journal of Palestine Studies, Vol. XXI,
No. 1 (1991), S. 6.
5
Arbeit zitieren:
Luise Fast, 2005, Zankapfel Jerusalem Auseinandersetzungen um die Stadt im 20. Jahrhundert bis zum Sechstagekrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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