Gliederung:
1. Einleitung
2. Die Theorie der Subjektorientierung
2.1. Begriffserklärungen
2.1.1. Objektive Prämissenlage
2.1.2. Die Handlungsbegründetheit
2.1.3. Subjektive Prämissenlage
2.2. Grundmodell menschlichen Handelns
2.2.1. Erklärungen zum Grundmodell menschlichen Handelns
3. Streetwork
3.1. Trägerschaft von Streetwork
3.2. Rechtliche Grundlage
3.3. Aufgaben und Arbeitsprinzipien
3.4. Zielgruppe und Problemstellung
4. Gibt es Subjetorientierung im Arbeitsfeld „Streetwork“ der
Mobilen Jugendarbeit?
4.1. Grundmodell menschlichen Handelns am Beispiel Streetwork
4.2. Subjektorientierung anhand der Arbeitsprinzipien
4.3. Zusammenfassung
5. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Während meiner Zeit als Zivildienstleistender in einem Kinderheim, kam es zu einer Begegnung mit einem Kind, das sehr aggressiv auf seine Umwelt reagierte. So kam es manchmal vor, dass es aus der Werkstatt ein Beil oder aus der Landwirtschaft eine Mistgabel holte, um damit auf die Mitarbeiter loszugehen. Einige Erzieher bestraften es daraufhin oder versuchten, seine Verhaltensweise mangels Liebe zu rechtfertigen. Als das Kind das 2. Mal auf mich losging, wurde mir bewusst, dass man sein Verhalten nicht bewerten (in der Form von Belohung oder Bestrafung) kann, sondern dass sein Verhalten einen Grund hat, den es gilt herauszufinden. Einige Zeit später habe ich mir selbst die Frage gestellt, wieso ich die Gründe des Kindes erfahren möchte - anders ausgedrückt: „Was gehen mich die Probleme dieses Kindes an? Ich bin sowieso nur der Zivi und in ein paar Monaten wieder weg. Was interessiert mich also die Ursache seines Verhaltens?“ Obwohl ich damals den Ursachen des Verhaltens nicht näher auf die Spur gekommen bin, haben diese Fragen meinen Berufsweg stark beeinflusst.
Natürlich antworten die meisten Erzieher, Pädagogen und Sozialarbeiter, dass ihr Verhalten Subjektorientiert sei, da sie ja nur das Beste für das Kind (Subjekt) wollen. So ähnlich wäre auch meine Antwort vor einiger Zeit noch gewesen. Durch die Vorlesung „Subjektorientierung in Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit“ konnte ich die Theorie der Subjektorientierung als etwas ganz neues kennen lernen. In meiner Hausarbeit möchte ich daher zuerst auf die Theorie der Subjektorientierung eingehen und danach ein Arbeitsfeld (Streetwork) in der Sozialen Arbeit näher beschreiben, um so am Schluss die Methoden und Prinzipien von Streetwork anhand dieser Theorie zu überprüfen. Das spezielle Arbeitsfeld Streetwork habe ich mir deshalb ausgesucht, da ich mich zum Einen damit in letzter Zeit intensiver auseinander gesetzt habe und zum Anderen ich mir die Durchführung der Theorie sehr gut vorstellen kann.
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2. Die Theorie der Subjektorientierung
Bis zur kognitiven Wende der 60er Jahre galt das Prinzip des Menschen als determiniertes Wesen: Der Mensch ist nur durch äußere Bedingungen abhängig und wird durch diese gesteuert. Dabei galt der Mensch als Objekt, was in dem Satz von Sig-mund Freud deutlich wird: „Patienten sind nichts anderes als Gesindel. Sie dienen zu keinem anderen Zweck als unserem Lebensunterhalt und als Lernmaterial. Helfen können wir ihnen jedenfalls nicht.“ 1
Durch die kognitive Wende durch Albert Bandura und Walter Mischel kam ein ganz neues Menschenbild zu Tage. Der Mensch gilt seitdem als leistungsorientiertes Wesen, welches Informationen verarbeitet, sich selbst steuert und dabei aktiv und problemlösend ist. 2
Mit der Zeit wurde dieses Menschenbild weiter entwickelt. Es entstanden Motivationsprozesse und Selbststeuerungsprozesse, die nach und nach die Sicht des Menschen als Subjekt festigten. Doch Bandura ist mit seiner Theorie der Selbststeuerung durch Belohnung oder Strafe noch nicht am Ziel der Subjekthaftigkeit des Menschen angekommen, da die Theorie der Subjektorientierung noch viel mehr als nur eine Bedürfnisbefriedigung ist. 3
Die Subjekthaftigkeit eines Menschen zeigt sich darin, dass der Mensch immer etwas aus einem Grund heraus macht. Dabei stehen vor allem die Fragen „Wieso“ und „Warum“ im Vordergrund. Dementsprechend bedeutet Subjekthaftigkeit, die Gründe zu erfahren. Nur wenn die Ursache dargestellt werden kann, kann man von Subjekthaftigkeit sprechen. Weiter geht es nicht um ein prognostizierbares Verhalten, sondern um die Handlung des Subjekts an sich, die nicht von irgendetwas determiniert bzw. abhängig sein darf.
1 HUNT, Die okkulte Invasion S. 438
2 HOBMAIR, Psychologie für Fachoberschulen S. 330
3 Selbststeuerung z.B. durch Belohnung ist keine Subjektorientierung, da pures Eigeninteresse besteht, indem der
Mensch durch die Belohnung nur seine Bedürfnisse rechtfertigen will.
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2.1. Begriffserklärungen
Um nun die Theorie der Subjektorientierung näher zu erläutern, möchte ich ein Grundmodell menschlichen Handelns beschreiben, mit dem man besser die Subjekthaftigkeit eines Menschen erfahren kann.
2.1.1. Objektive Prämissenlage
Die objektive Prämissenlage ist der Ausgangspunkt des menschlichen Handelns. Unter Prämisse versteht man die Bedingung, der eine bestimmte Bedeutung zugeschrieben wird. Die objektive Prämissenlage beschreibt daher die Lebenslage, in der sich ein Mensch befindet, mit der er sich auseinandersetzen muss und somit nicht ignorieren kann. Als Beispiel schreibt Scherr hierzu: „Ausgangspunkt einer subjekt-orientierten offenen Jugendarbeit ist die Auseinandersetzung mit den jeweiligen Lebenslagen konkreter Jugendlicher in einem Stadtteil bzw. einer Gemeinde...“ 4
2.1.2. Die Handlungsbegründetheit
Der Mensch lebt in einer Umwelt, mit der er sich auseinandersetzen muss, wie es auch schon Bandura in seinem Menschenbild beschreibt. Aus diesem Prozess ergeben sich für den Menschen Herausforderungen und Aufgaben (Handlungsnotwendigkeiten), welche an die objektive Prämissenlage gebunden sind, aber nicht von ihr determiniert werden. Somit ist jedes menschliche Handeln begründet.
2.1.3. Subjektive Prämissenlage
Die Subjektive Prämissenlage beschreibt im Gegensatz zur objektiven Prämissenlage, die eigentlichen Interessen und Bedürfnisse eines Menschen, die er verwirklichen will.
4 SCHERR, Subjektorientierte Offene Jugendarbeit S. 206
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Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz.Arb/Soz.Päd. (FH) Gerd Ruoß, 2002, Streetwork im Zusammenhang mit der Theorie der Subjektorientierung, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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