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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1. Europa im ausgehenden 19.Jahrhundert 2
2. Gustav Klimt - Ein komplizierter Charakter 4
2.1 Klimt und die Frauen 6
2.2 Das forsche Oeuvre Gustav Klimts 7
1.Frauen der hohen Gesellschaft 9
2. Die mythologische Rollenträgerin 11
3. Klimt und seine Berufsmodelle 13
3.1 Das „Unglück“ der Herma 15
Schlussbemerkung 16
Literatur 17
Abbildungsverzeichnis 18
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Einleitung
Wir befinden uns im Wien um die Jahrhundertwende. Die viertgrößte Metropole Europas ist die Hauptstadt der Habsburger, die durch die Doppelmonarchie Österreich - Ungarn und den Vielvölkerstaat geprägt ist. Hier konnten die schöpferischen Ideen auf das Beste gedeihen. Die Stadt war vor allem vom Historismus eines Hans Makart geprägt. Wie auch in anderen Teilen Europas überwand man den vorherrschenden Mix vergangener Stile. Eine neue Kunstrichtung trat ihren Vormarsch , wegweisend für die Moderne, an: so war es der Sezessionsstil in Österreich, der Jugendstil in Deutschland, der Modern Style in England und Art Nouveau in Frankreich. Mit ihr schloss man den Historismus ab und wies den Weg ins 20.Jahrhundert. Gustav Klimt war der Maler, der in seinem forschen Oeuvre die Frau in Goldmosaiken verschwinden ließ oder sie von ihrer mystischen Seite darstellte und sie zur „femme fatale“ machte.
1. Europa im ausgehenden 19.Jahrhundert
Das Europa im ausgehenden 19. Jahrhundert war eine bewegte Zeit. Im Geist des Fin de siècle stand der feudal-bürgerlichen Gesellschaft einer Wandlung zum sozial-bürgerlichen gegenüber. Um die Jahrhundertwende suchte man nach der verlorengegangenen „heilen Welt“ der Romantik und des Historismus. Gesellschaft, Kultur und Kunst waren von resignativen Tönen und Flucht der Künstler aus der Gegenwart in selbstgeschaffene romantische Welten bestimmt. Neben diese Endzeit- und Weltuntergangsstimmung trat zeitgleich eine Aufbruchstimmung, die zugleich Nährboden starker künstlerischer Aussagen wurde. Der „neue Mensch“, wie ihn Nietzsche in „Also sprach Zarathustra“ ankündigte, ist befreit von den alten geistigen und körperlichen Normen. Man strebte nach dem Extravaganten, dem ÄsthetischÜberhöhten. Dies regte vor allem Künstler an einen neuen Lebensstil, ohne gesellschaftliche Zwänge, in Harmonie mit Kunst und Natur zu führen. Ein neues Körperbewusstsein trat damit ein. Der Körper sollte nicht mehr in enge
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Korsagen und Kleider gezwängt werden, sondern sich frei in seinen Kleidern bewegen können. Der Leib wurde als Ausdrucksmittel entdeckt. Die Nacktheit und damit die verbundene schöne Jugend und Erotik wurde zum Motiv. Sigmund Freud brachte 1900 sein Werk „Die Traumdeutung“ heraus, entwickelte die Psychoanalyse und die Tiefenpsychologie, die mit der Entdeckung des Unbewussten einhergeht. Das Unbewusste wird von sexuellen Wünschen und Trieben geleitet. Ein Großteil unseres Verhaltens unterliegt nicht der bewussten Kontrolle, sondern wird unbewusst gesteuert. „Die Psychoanalyse Freuds befruchtete das gesamte Geistesleben, aber auch sie war keine von den Tagesproblemen unabhängige Wissenschaft, sondern zutiefst mit den Nöten und Anliegen der Menschen ihrer Zeit verknüpft. Dass sie hier in Wien entstand, entstehen konnte und entstehen musste, charakterisiert bereits die Seelenlage der Metropole, die hellsichtig einerseits, andererseits ihre unterdrückten Sehnsüchte in Symbole kleidete.“ 1 Die gesellschaftlichen Veränderungen zogen auch mit dem
wirtschaftlichen Fortschritt einher. Die Industrialisierung schritt so rasant voran, dass das traditionelle Handwerk um seinen Platz bangte, dem es letztendlich der Massenproduktion, mit ihrer billigeren Fertigung, den Vortritt lassen musste. Die eigenständigen Betriebe der Handwerker, Bauern und Kaufleute mittlerer Größe verloren ihren Status an die Industrie. Die arbeitende Gesellschaft zog vom Land in die Industriezentren. Die Industriearbeiter wurden zur größten Berufsgruppe. Die politisch-sozialen Veränderungen verlagerten sich auf Literatur, Kunst und Theorie, da das Bürgertum die Verwirklichung dieser Veränderungen nur langsam verwirklichen konnte. Die ersten
Gegenbewegungen gab es in England („Arts & Crafts“), die das traditionelle Handwerk am Leben erhalten wollten.
Wien war wohl eines der bedeutendsten Zentren des Jugendstils in Europa. Einer der führenden avantgardistischen Maler der neuen Generation nach Makart war Gustav Klimt (1862-1918). Klimt war der Präsident der „Vereinigung bildender Künstler Österreichs - Secession“, der Wiener Secession. Mit dem Leitgedanken „Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit“ 1 Hofstätter, Hans H.: Jugendstil : Graphik und Druckkunst, St.Gallen, 2004, 209
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protestierten sie gegen den Historismus und bildeten eine Alternative zu den althergebrachten Kunstvorstellungen. Sie spalteten sich von der konservativen Künstlervereinigung, der „Genossenschaft bildender Künstler Wiens“ ab. Sie strebten, wie ihr Vorbild in England, die Kombination von traditioneller, handwerklicher und industrieller Herstellung an. Unter der Führung der Architektur stellte man sich das Gesamtkunstwerk in enger Verbindung mit Malerei und Kunsthandwerk zum Ziel.
2. Gustav Klimt - Ein komplizierter Charakter
Gustav Klimt war zu Lebzeiten schon eine geheimnisvolle Gestalt und blieb es über seinen Tod (1918) hinaus bis heute. Was die Person Klimt betrifft, ist nur wenig von ihm selbst überliefert, da er an extremer Schreibscheu litt: „Das gesprochene wie das geschriebene Wort ist mir nicht geläufig, schon gar nicht dann, wenn ich mich über mich oder meine Arbeit etwas äußern soll. Schon wenn ich einen einfachen Brief schreiben soll, wird mir Angst und bang wie vor drohender Seekrankheit.“ 2 In Bezug auf seine Bilder oder sein Leben schwieg er beziehungsweise äußerte sich sehr reserviert: „Ich interessiere mich nicht für die eigene Person als ‚Gegenstand eines Bildes’, eher für andere Menschen, vor allem weibliche, noch mehr für andere Erscheinungen.“ 3 In seinem Oeuvre findet man kein ernstzunehmendes Selbstportrait: „Ich bin überzeugt davon, daß ich als Person nicht extra interessant bin. ... Wer über mich - als Künstler, der allein beachtenswert ist — etwas wissen will, der soll meine Bilder aufmerksam betrachten und daraus zu erkennen suchen, was ich bin und was ich will.“ 4 Für den Wiener Malerfürsten Gustav Klimt waren Gemälde und Zeichnungen von Frauen die wichtigste Werkgruppe. Er maskierte sie als mythologische Göttinnen und Heroinen, schuf Porträts der Damen der hohen Wiener Gesellschaft und zeichnete erotische Bilder der „Wiener Mädel“. In Anbetracht, dass in seinen weiblichen Aktzeichnungen die Erotik eine große
2 Brandstätter, Christian: Gustav Klimt und die Frauen, Wien, 1994 , 7
3 ebenda, 7
4 Partsch, Susanna: Gustav Klimt : Maler der Frauen, München, 1994, 10
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Rolle spielte, machte er den femininen Körper und somit die Frau zum Gegenstand männlichen Genusses. Die zeichnerische Meisterschaft Klimts wurde schon frühzeitig bewundert, aber seine dekorativ-ornamentale Malerei stand bis über seinen Tod hinaus zur Diskussion - einerseits extrem in den Himmel gehoben, andererseits bedingungslos attackiert. Seine persönlichen Formungen standen unter dem Einfluss Puvis de Chavannes’ und der Symbolisten Fernand Khnopff und Jan Toorop. Diese Eigenheiten stießen mit der Zeit immer mehr gegen die Mauer der konventionellen Auffassung von Kunst im Wien der Jahrhundertwende. Klimt bildete den unterschwelligen Gegenpol zur Überbewertung des Formalen an den Akademien und stellte sich auch gegen den Impressionismus, der in sich alle Formen auflöst. In der Mehrzahl seiner Werke setzt er sich mit Erotik und Sexualität auseinander. Dieses für die Jahrhundertwende forsche Œuvre regte nicht nur zur Diskussion in Künstlerkreisen an. Am schärfsten wurde er von den Akademikern kritisiert und abgelehnt. Mit der Zeit wich er von der Manier seines Lehrmeisters, Hans Makart, ab. Makart war der Künstler des Historismus der Ringstrasse in Wien. Die frühen Arbeiten Klimts, in Gemeinschaftsarbeit mit seinem Bruder Ernst und seinem Freund Franz Matsch, wie 1891 die Zwickelbilder für das Treppenhaus des Wiener Kunsthistorischen Museums, brachten die erste offizielle Anerkennung. Jeder erwartete von Klimt in den vom Ministerium für Kultur und Unterricht beauftragten Fakultätsbildern für die Wiener Universität den makartschen Stil. Diese Allegorien auf die „Medizin“, die „Philosophie“ und die „Jurisprudenz“ stießen jedoch durch die ungewöhnliche Allegorisierung auf Ablehnung und Entrüstung und so währte der Streit um die Fakultätsbilder, die 1900, 1901 und 1903 ausgestellt waren, jahrelang, bis ihm das Ministerium den Auftrag 1903 schlussendlich entzog. Schon seit 1900 brach Klimt mit seinen radikalen sezessionistischen Werken den Konservativismus des Historismus der Wiener Ringstrasse. Nachdem die staatlichen Auftraggeber der Fakultätsbilder ihm den Auftrag um die Jahrhundertwende entzogen und sich immer wieder in seine Werke einmischten, entschied er sich nur noch für private Auftraggeber zu arbeiten. Von nun an sollten nur noch persönliche Vorlieben an erster Stelle stehen.
Arbeit zitieren:
Sandy Alami, 2006, Gustav Klimt - Frauen auf Goldgrund und femmes fatales, München, GRIN Verlag GmbH
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