Robert C Millenet Hausarbeit Unternehmensführung 25 08 2006
Hausarbeit
EU Osterweiterung Chancen für Direktinvestitionen
Fragestellung: Sind durch die EU Osterweiterung neue Motive für Unternehmen
entstanden in Polen direkt zu investieren
1. Aufgabenstellung 3
2. Direktinvestitionen von KMU 4
3. Motive für deutsche KMU in den MOEL zu investieren
3.1. Kosten 6
3.2. Absatz 7
3.3. Unternehmenssicherung 8
3.4. Motivationshemmnis Korruption 9
4. Polen als Direktinvestitionsland für deutsche KMU
4.1. Relevante Wirtschaftsdaten 10
4.2. Jüngste wirtschaftliche Entwicklungen in Polen 11
4.3 Polen als Land für Investitionen für deutsche KMU 13
5. Ergebnis 15
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Robert C. Millenet Hausarbeit Unternehmensführung 25.08.2006
1. Aufgabenstellung
Die EU befindet sich derzeit in einem Erweiterungsprozess. Polen ist, wie neun andere Staaten, am 01. Mai 2004 der EU beigetreten. Insgesamt ist die EU um 10 MOEL (mittel- und osteuropäische Länder) erweitert worden.
Nachstehend soll kurz aufgezeigt werden, welche Wirkungen durch diese Erweiterung auf deutsche Klein- und Mittelbetriebe (KMU) ausgehen könnten. Außerdem wird versucht, Motive dafür zu finden, dass deutsche Klein- und Mittelbetriebe direkt in die EU-Ostländer investieren, um z.B. den durch die Öffnung nach Osten für sie möglicherweise entstehenden Wettbewerbsproblem begegnen zu können.
Motive könnten auch bei den deutschen KMU bestehen, die diesem Wettbewerb vielleicht nicht ausgesetzt sind, die aber eine Möglichkeit suchen, eine ertragreiche Investition dort durchzuführen.
Eine Beschränkung auf die deutschen KMU erfolgt in diesen Ausführungen, weil große Unternehmungen schon häufig infolge globaler Strategien in den EU-Ostländern bereits vor der EU-Osterweiterung vertreten waren, z.B. VW in Tschechien.
Durch die Öffnung der Grenzen nach Osten, gelten nun auch die vier Grundfreiheiten des Binnenmarktes für die 10 MOEL. Zu den Grundfreiheiten gehören:
- der freie Warenverkehr, der eine mengenmäßige Beschränkung im Handel verbietet,
- die Freizügigkeit und Niederlassungsfreiheit, die Arbeitskräften erlaubt, sich eine Stelle innerhalb der Mitgliedsstaaten zu suchen und auch selbständig zu werden
- die Dienstleistungsfreiheit, die das Erbringen einer Dienstleistung fördern soll
- freier Kapital- und Zahlungsverkehr, d.h., dass Kapitalbewegungen, Investitionen und ähnliches nicht limitiert werden darf 1
Durch die Geltung dieser sog. Grundfreiheiten werden für Unternehmungen z.T. bisher bestehende Hemmnisse abgebaut und so neue Investitionsmöglichkeiten in den MOEL geschaffen.
Da die einzelnen Beitrittsländer unterschiedliche wirtschaftliche Ausgangssituationen haben, werden die naschstehenden Ausführungen primär auf ein Land, nämlich Polen, beschränkt.
1 vgl. hierzu: Brasche, „Europäische Integration“, Seite 49, Tabelle 5 „Vier Grundfreiheiten des Binnenmarktes“
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Robert C. Millenet Hausarbeit Unternehmensführung 25.08.2006
Es soll nun die Frage behandelt werden, welche konkreten Anreize es für die deutschen KMU geben könnte, in Polen zu investieren.
Dazu wird zunächst der Begriff KMU und der Begriff „Direktinvestition“ erläutert. Es folgt ein kurzer Überblick über die Motive von KMU zur Direktinvestition in den MOEL. Die Aufzählung möglicher Motive von KMU zur Direktinvestition wird ergänzt durch einen Hinweis auf das Motivationshemmnis Korruption. Die wirtschaftlichen Standortfaktoren Polens beschreiben das Umfeld für eine mögliche Investition der KMU.
2. Definitionen
2.1 Abgrenzung von KMU
Nach einem Amtsblatt der Kommission der Europäischen Gemeinschaft werden klein- und mittelständische Unternehmen (KMU) in drei Gruppen unterteilt und wie folgt definiert:
1. Kleinstunternehmen sind Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern und einem
Jahresumsatz und/oder Bilanzsumme von weniger als 2 Mio. Euro.
2. Kleinunternehmen sind Unternehmen, die zwischen zehn und 49 Mitarbeiter
beschäftigen und die einen Umsatz bzw. eine Bilanzsumme von 10 Mio. Euro nicht überschreiten.
3. Ein mittleres Unternehmen hat eine Beschäftigungszahl von weniger als 250
Personen, einen Jahresumsatz zwischen 10 und 50 Mio. Euro und eine Bilanzsumme von nicht größer als 43 Mio. Euro.
2.2 Direktinvestition
Die „Direktinvestition“ ist ein Teil des Oberbegriffes „Investition“. Unter Investition versteht man den (kapital-) mäßigen Input in eine Sache, um zu einem späteren Zeitpunkt einen höheren Output zu erhalten.
Frank Panetta definiert in seinem Werk, dass eine Direktinvestition folgende Kriterien erfüllen muss:
a.) es muss sich um eine grenzüberschreitende Transaktion zwischen zwei (zukünftig) verbundenen Unternehmen handeln
b.) die Transaktion muss auf einer Kapitalbewegung beruhen
c.) der Kapitaltransfer muss die Absicht einer dauerhaften Einflussnahme zugrunde liegen Weiter geht Panetta auf andere Quellen ein, die eine Beteiligung in Höhe von mindestens 10 Prozent nennen. Jedoch wird in anderer Literatur die Meinung vertreten, dass diese Mindesthöhe nicht zwingend erforderlich sei, um eine starke Einflussnahme zu besitzen. 2
2 Panetta, „Ausländische Direktinvestitionen und Welthandelsordnung“, Seite 3
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Robert C. Millenet Hausarbeit Unternehmensführung 25.08.2006
Nachstehend wird unter einer Direktinvestition eine Beteiligung an einem Unternehmen im Ausland verstanden, um Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen zu können.
Es gibt grundsätzlich zwei unterschiedliche Formen der Direktinvestition:
a) die Greenfield Investition, bei der ein Unternehmen neu gegründet wird.
b) die M&A (Mergers & Acquisitions), diese Form steht für Fusionen und Übernahmen. 3
Der Grund für eine Unternehmensneugründung im EU-Ostland ist das fehlende Vertrauen in bestehende alte Unternehmen, die bis dato noch nicht übernommen wurden.
Die bestehenden Firmen waren zum größten Teil einst in staatlicher Hand. Das bedeutete eine planwirtschaftliche Abhängigkeit des Unternehmens von einem Gesamtplan des Kombinats. Die Unternehmen in einem Kombinat waren keine Profit Center, die ihren eigenen Plan aufstellen und durchführen konnten, sondern sie waren eingefügt in das Planungssystem des Kombinats. Sie konnten demzufolge keine Eigeninitiative entwickeln und z.B. auch keine eigene Preispolitik betreiben. Da der Kombinatsplan wiederum mit dem volkswirtschaftlichen Gesamtplan abgestimmt war, gab auch keine Ausrichtung auf Marktbedürfnisse sondern nur die Aufgabe, die Planvorgabe zu erfüllen.
Daraus resultiert für einen interessierten Investor die Befürchtung, dass die Organisation, das Management und die Mitarbeiter eines ehemals planwirtschaftlich ausgerichteten Unternehmens sich nur schwer an ein gewinnorientiertes Wirtschaften gewöhnen werden können.
Mit einer Investition in ein EU-Ostland ist nicht nur die kapitalmäßige Investition verbunden, sondern es ist vor allem auch ein know how Transfer zu organisieren. Dies sollte gerade bei
KMU genau überlegt sein, weil die know-how-Träger zumindest temporär für die Einarbeitung
abgezogen werden müssen. (Mitarbeiterproblem).
Mit der Übertragung von Kapital muss zwangsläufig die Übertragung von know how in Produktion, Management, Organisation, evtl. Kundenberatung erfolgen, um den Erfolg der Investition sicher zu stellen. Dies kann für KMU mit dünner Personaldecke durchaus ein Problem darstellen. Auch die Kommunikation mit dem deutschen Mutterbetrieb ist so zu sichern, dass auch sehr zeitnah Probleme erkannt und beseitigt werden.
3 vgl. hierzu: Panetta, „Ausländische Direktinvestitionen und Welthandelsordnung“, Seite 8 f.
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Robert Millenet, 2005, EU-Osterweiterung - Chancen für Direktinvestitionen?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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