Darstellung und Bedeutung der Naturphänomene in Goethes Balladen
von Dominik Kemper
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Begriffsgeschichte und Entwicklung der Ballade 3
3. Sturm und Drang 4
3.1. Zeit des "Sturm und Drang" 4
3.2. Naturverständnis des Sturm und Drangs 6
3.3. Goethe als Stürmer und Dränger 7
4. Goethes Ballade "Der Erlkönig" 8
4.1. Quelle der Ballade 8
4.2. Formale Aspekte der Ballade 8
4.3. Analyse des Erlkönigs unter Berücksichtigung der Naturphämomene 9
5. Klassik 13
5.1. Zeit der Klassik 13
5.2. Naturverständnis der Klassik 14
5.3. Goethe als Klassiker 14
6. Goethes Ballade "Der Zauberlehrling" 16
6.1. Quelle der Ballade 16
6.2. Formale Aspekte der Ballade 16
6.3. Analyse des Zauberlehrlings unter Berücksichtigung der 18
Naturphänomene
7. Vergleich der Balladen und ihrer Naturauffassungen 20
8. Fazit 22
9. Literaturverzeichnis 24
1. Einleitung
Kaum ein zweiter Literat hat eine derartige Fülle an Werken, Ideen und Vorstellungen für die Nachwelt hinterlassen wie Johann Wolfgang von Goethe. Von herausragender Bedeutung sind seine Romane und Dramen, welche ihn zu einem Autor von europäischem Ruhm gemacht haben. Aber auch seine lyrischen Werke suchen in ihrer Vielzahl und Mannigfaltigkeit ihresgleichen. Besonders seine Balladen sprechen ein großes Publikum an. In ihnen spiegelt sich nicht nur die gesellschaftliche und geschichtliche Entwicklung des 18. Jahrhunderts wider, sondern auch die Veränderung der literarischen Formen und Tendenzen. Diese hat Goethe selbst entscheidend mitgeprägt. Goethes persönliche Entwicklung vom Stürmer und Dränger zum Klassiker läßt sich anhand seiner Balladen ebenso darstellen wie der Wandel seines Naturverständnisses.
Ziel dieser Arbeit ist es herauszustellen, was den jungen Goethe vom reifen Klassiker unterscheidet und wie sich seine Wandlung auf seine literarische Produktion ausgewirkt hat. Die Darstellung und Bedeutung der Naturphänomene in Goethes Balladen soll hierbei besonders berücksichtigt werden. Es wird versucht aufzuzeigen, wie ähnlich und doch unterschiedlich er die Natur erfährt und darstellt. Der Weg Goethes von einem sich in der Natur auflösenden Genie zum morphologisch betrachtenden Wissenschaftler soll an zwei Beispielen seiner Balladendichtung gezeigt und erläutert werden. Zu einem besseren Gesamtverständnis soll den Analysen der beiden Balladen "Der Erlkönig" und "Der Zauberlehrling" ein kurzer Überblick über die in der jeweiligen Zeit vorherrschenden gesellschaftlichen und literaturgeschichtlichen Umstände vorangestellt werden.
2. Begriffsgeschichte und Entwicklung der Ballade
Die Herkunft des Begriffs "Ballade" ist in der Forschung häufig kontrovers diskutiert worden. So gibt es Ansätze, nach denen der Begriff vom
englischen "ballad" (bezeichnet eine volkstümliche Erzählung in Liedform) abstammt , während andere der Meinung sind, der Ursprung liege im
romanischen Sprachkreis (ital. "ballare" = "tanzen").
Die Verwendung des Begriffs hat sich in Deutschland erst im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts durchgesetzt. Seit dem Erscheinen der Sammlung "Reliques of ancient English Poetry" (1756) von Thomas Percy in Deutschland dient das Wort zur Bezeichnung jener nach dem Vorbild der Volksdichtung geschaffenen, erzählenden Gedichten meist düsteren und unheimlichen Inhalts.
Die deutsche Kunstballade tritt zum ersten Mal bei Ludwig C. H. Höltys "Adelstan und Röschen" (1772) und Gottfried August Bürgers "Lenore" (1773) auf. Von da an hat sie fast anderthalb Jahrhunderte den Weg der deutschen Literatur begleitet und die meisten Wandlungen mitgemacht. Im "Erlkönig" (1782) lebt sie aus dem Naturgefühl und der Stimmung des Sturm und Drangs. In Goethes und Schillers Dichtungen des selbst ernannten Balladenjahres 1797 (u.a. "Der Zauberlehrling", "Der Taucher") ist die Nähe zur klassischen Kunstauffassung zu erkennen. In der Romantik kommen die Einflüsse des neuentdeckten Volkstümlichen bei Autoren wie Clemens Brentano, Joseph von Eichendorff und auch Heinrich Heine zum Ausdruck.
Erste Vertreter der modernen Ballade sind Arno Holz und Frank Wedekind. Den Höhepunkt des neuen Balladentypus bilden die erzählenden Gedichte Berthold Brechts.
3. Sturm und Drang
3.1. Die Zeit des "Sturm und Drang"
Der Sturm und Drang umfaßt den Zeitraum vom Erscheinen der Herderschen Fragmente (1767) bis zu Goethes Italienreise (1785-1787), die den Beginn der Klassik einleitet.
Obwohl der Sturm und Drang in vielerlei Hinsicht als Fortführung der Aufklärung zu verstehen ist, so gibt es dennoch wesentliche Unterschiede.
Da das Vernunftdenken die emotionale Seite des Menschen unberücksichtigt läßt, stellt man dem Verstand nun Herz, Gefühl und Trieb gegenüber. Man bricht mit der Tradition und verliert den Glauben an den Kulturfortschritt.
Naturoptimismus und Naturidealismus gehen nun einher mit einem Kulturpessimismus. Dieses neue Weltgefühl vergöttlicht die Natur, welche durch die naturwissenschaftlichen Betrachtungen der Aufklärung entgöttert worden ist. Der Künstler des Sturm und Drang sympathisiert daher mit kleinen Kindern, der Landbevölkerung und den Griechen Homers, aber auch mit den alten Germanen.
Der Sturm und Drang ist vor allem als eine Jugendbewegung zu sehen, welche die ältere Literatur attackiert. Goethe stellt in dieser Bewegung einen verbindenden Faktor dar. Um ihn sammeln sich mehrere junge Autoren wie Jakob Michael Reinhold Lenz und Johann Georg Schlosser. Sie finden in den von Johann Heinrich Merck herausgegebenen Frankfurter Gelehrten Anzeigen ein geeignetes Publikationsorgan. Aufgrund des vorherrschenden Despotismus muß man auf schriftstellerische Betätigung und theoretisches Bemühen ausweichen.
Die Anhänger der neuen Bewegung lehnen die Fremdbestimmung durch Moral, Konvention und Tradition ab und fordern die freie Entfaltung ihrer seelischen und körperlichen Kräfte. Diesem Gedanken liegt ein ganzheitliches Menschenbild zugrunde, in dem Emotion und Leidenschaft nicht mehr als gegen die Harmonie der Vernunft handelnde Störelemente, sondern als produktive Kräfte begriffen werden. Folglich geht es im Sturm und Drang nicht darum, Verstand gegen das Gefühl auszuspielen, sondern um die Verwirklichung und Entfaltung aller menschlichen Fähigkeiten.
Das neue Lebensgefühl wird geprägt durch eine bis zum Rausch gesteigerte Gefühlsintensität , welche nicht nur positiv zu sehen ist, sondern auch zerstörerische Züge aufwies.
Weiterhin spielt der Geniebegriff in dieser Epoche eine große Rolle. Als Genie wird der sich frei entfaltende Mensch angesehen, der ohne Fremdbestimmung schöpferisch und kreativ handelt und dadurch die wahre menschliche Natur verkörpert.
Ohne nachzuahmen schöpft das Genie aus seinem eigenen Inneren. Dadurch wird Dichtung zur Offenbarung der schöpferischen Individualität.
Die Merkmale der Bewegungen kommen besonders in Goethes bedeutendsten Werken des Sturm und Drangs, dem Roman Werther und dem Drama Götz von Berlichingen, zum Ausdruck.
[...]
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Dominik Kemper, 1998, Darstellung und Bedeutung der Naturphänomene in Goethes Balladen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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