Soziale Normen im Internet
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1 Einleitung 3
2 Soziale Normen. 4
2.1 Klassifizierung von Normen. 4
2.2 Normenentwicklung in der Gesellschaft. 4
2.3 Rechtfertigung von Normen. 5
3 Handlungsfelder von Normen 6
3.1 Handlungsfeld Massenmedien 6
3.1.1 Medienschaffenden 6
3.1.2 Besitzer und Betreiber von Massenmedien. 6
3.1.3 Mediennutzer. 7
3.1.4 Freiwilligen Selbstkontrolle der Medien. 7
3.1.5 Institutionellen Kontrolle und Gestaltung. 7
3.2 Handlungsfeld „Hybridmedium“ 7
3.2.1 Ethische Aspekte. 8
3.2.2 Normenausprägungen der verschiedenen Internet-Dienste. 9
4 Virtuelle Interaktion im Chat 10
4.1 Soziale Gruppe - Virtuelle Gruppe. 10
4.2 Chat - „Virtuelle Schwatzbuden“ 11
4.2.1 Netiquette 13
4.2.2 „Verfassung“ der Netzkommunikation 13
4.3 Sanktionsmethoden in Chat-Channels 14
4.4 Rückkopplung auf reales Leben 15
5 Zusammenfassung. 17
6 Quellenangabe. 18
7 Anhang 20
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1 Einleitung
Das Internet hat begonnen, die Gesellschaft zu durchdringen. Sowohl im Geschäftsleben bei ökonomischen Interaktionen sowie im Privatleben sind Online-Dienste in den Alltag integriert worden. Die verschiedenen Online-Dienste wie World Wide Web, E-Mail, Newsgroups und Chat-Channels ermöglichen eine interpersonale Beziehung in einem virtuell geschaffenen Kommunikationsraum, die mit einer realen Beziehung vergleichbar ist.
Hierbei stellt sich die Frage, inwieweit soziale Normen der Gesellschaft auf die Kommunikationsstrukturen der interpersonalen Beziehungen im virtuellen Aktionsraum übertragen lassen?
Zuerst sollen hierbei begriffliche Grundlagen im Bereich der sozialen Normen erläutert werden, wobei speziell auf die Normenentwicklung, ihre Rechtfertigung sowie ihre Klassifizierung eingegangen wird. Soziale Normen werden weiterhin in verschiedene Handlungsfelder aufgegliedert, in denen sie sich erst etablieren müssen. Als Handlungsfelder dienen Gesellschaft, Massenmedien und das Hybridmedium Internet, wobei in dieser Arbeit nur die medialen Handlungsfelder spezifiziert werden. Von besonderem Interesse ist die virtuelle Interaktion in Chat-Channels, da sich die IRC-Kommunikation gut zum Vergleich mit der face-to-face Kommunikation eignet. Es werden die Verhaltensregeln, sowie mögliche Sanktionsmethoden beleuchtet - inwieweit sind diese sinnvoll? Des Weiteren wird analysiert, ob sich die Verhaltensnormen zwischen „real life“ und „virtual life“ strikt trennen lassen, oder ob es nicht zu Rückkopplungseffekten kommen kann.
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2 Soziale Normen
2.1 Klassifizierung von Normen
Normen lassen sich in zwei große Gruppen aufteilen, welche sich wiederum jeweils in weitere Untergruppen aufspalten lassen (siehe Abb. 1). So unterscheidet man zwischen rechtlichen und sozialen Normen. Rechtliche Normen sind zum Beispiel Gesetze oder Rechtsverordnungen. Soziale Normen unterteilen sich in moralisch-ethische Normen, sowie Normen des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Rechtliche und soziale Normen unterschieden sich vor allem darin, dass soziale Normen meist weniger formalisiert und kodifiziert sind. Sie beziehen ihre Geltung aus rechtfertigenden Gründen. Rechtliche Normen erhalten durch formale Legitimierungsverfahren ihre Geltung. Da der Fokus dieser Arbeit auf sozialen Normen liegt, dienen folgende Definitionen zur weiteren Erläuterung:
"Soziale Normen bezeichnen Verhaltensregelmässigkeiten, wobei die Adressaten erwarten, dass Normabweichnugen mit positiver Wahrscheinlichkeit negativ sanktioniert werden." 1 In der Sozialwissenschaft sind soziale Normen „die empirisch feststellbare Regelmäßigkeit eines sozialen Verhaltens in den verschiedenen Formen des menschlichen Zusammenlebens. Der Einzelne wird von der sozialen Norm als gesellschaftlich mehr oder weniger feste und genaue Forderung nach einem bestimmten Verhalten betroffen [...]. Die Übereinstimmung von Normen und tatsächlichem Verhalten hängt ab vom Grad der Verinnerlichung und Anerkennung der Normen durch die Individuen, von der Strenge und Wirksamkeit der Sanktionen gegen normwidriges Verhalten und von der Wirksamkeit der Normen für Handlungs-ziele.“ 2
2.2 Normenentwicklung in der Gesellschaft
In der Sozialwissenschaft ist es unumstritten, dass ein großer, wenn nicht der größte Teil unseres Verhaltens durch Normen gesteuert wird. Es gibt eine Vielzahl von Hypothesen über die Entstehung von sozialen Normen, allerdings sind diese unklar formuliert oder beziehen sich lediglich auf die Entstehung bestimmter Arten von Normen. Dieses Feld ist somit viel umforscht, doch noch nicht klar abgesteckt.
Drei Formen der Normenentstehung lassen sich unterscheiden, es handelt sich allerdings nicht um präzise theoretische Aussagen, sondern eher um orientierende Hypothesen: Erstens können Institutionen wie z.B. Parlamente oder Behörden, aber auch Vorstände von Unternehmen oder Freizeitklubs zur Regulierung bestimmter Verhaltensweisen legi-
1 Voss(2001): S. 105-136
2 Meyers Großes Taschenlexikon
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timiert sein. Dies wird als institutionelle Normenentstehung bezeichnet, da Institutionen oder befugte Personen Normen setzen oder an deren Setzung beteiligt sind. Zweitens können Normen dadurch entstehen, dass Gruppen Vereinbarungen treffen, die bestimmte Verhaltensweisen der Gruppenmitglieder erlauben oder einschränken. Hierbei wird von Normenentstehung durch freiwillige Übereinkunft gesprochen. Diese Art liegt beispielsweise vor, wenn sich zwei Nachbarn darüber einigen, dass die Obstbäume jeweils über das Grundstücks des anderen Nachbarn hinüberwachsen dürfen. Bei diesen beiden Arten werden Regelungen zur Durchsetzung explizit eingeführt; entsprechend könnte man von einer geplanten Normenentwicklung sprechen. Jedoch entwickelt sich eine Vielzahl von Normen ungeplant. 3
Eine zentrale These von F.A. von Hayek ist, dass viele Normen spontan in einer evolutionären Weise entstehen. Ein Beleg für diesen Ansatz ist die von N. Elias durchgeführte Studie „Über den Prozess der Zivilisation“. Zu diesen Normen gehören etwa die Esssitten, zu denen Elias u.a. ausführt: „Weder Löffel, noch Gabel, oder Serviette werden einfach, wie ein technisches Gerät, mit klar erkennbarem Zweck und deutlicher Gebrauchsanweisung eines Tages von einem einzelnen erfunden; sondern durch Jahrhunderte wird unmittelbar im gesellschaftlichen Verkehr und Gebrauch allmählich ihre Funktion umgrenzt. [...]“ 4 Auch Normen über die Art des Sprechens, Beziehungen zwischen Mann und Frau, Konversation über sexuelle Beziehungen gehören zu den Normen, die in langjährigen, evolutionären Prozessen entstanden sind.
Die drei genannten Entstehungsansätze können in verschiedenen Kombinationen vorkommen. So kann eine evolutionär entstandene Norm von einer Institution kodifiziert oder modifiziert werden.
2.3 Rechtfertigung von Normen
Im vorigen Abschnitt wurde das „Wie“ der Entstehung von sozialen Normen untersucht, nun werden die die expliziten Gründe - also das „Warum“ betrachtet. Gesellschaftliche Gründe und Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, die dazu veranlassen Verhaltensregelungen und Normen durchzusetzen und zu festigen. Über die Rolle des Individuums in seinem sozialen Umfeld zeichnet Thomas Hobbes in der Schrift „Vom Menschen“ ein illusionsloses Bild von der Unfreiheit des Menschen, der in seinen Handlungen gesteuert wird von der Macht der Affekte, also einem natürlichen, auf Selbsterhaltung und Lustgewinn gerichteten Egoismus. Es ist daher ein Gebot des recht verstandenen Selbsterhaltungstriebs, dass die Menschen aus Vernunft übereinkommen, sich Gesetze zu geben 5 , im rechtlichen wie auch im sozialevolutionären Sinne. Ohne solche Regelungen käme es zu
3 Vgl.: Opp, K.-D. (1983), S. 205ff.
4 Elias (1976), Bd. 1, S. 144
5 Hobbes, Gawlick (Hrsg.) (1994)
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einem Kampf „jeder gegen jeden“, ein Leben in der Gemeinschaft wäre unmöglich. Stör-faktoren wie z.B. Ungleichheit („battle of sex“), Ungerechtigkeit, Verlogenheit, Hinterhältigkeit sowie Koordinationsprobleme („Rechtsverkehr“) veranlassten die Begründung von Normen, welche zu einer zunehmenden Disziplinierung führen.
3 Handlungsfelder von Normen
Soziale Normen allerdings sind wiederum in Handlungsfelder aufzuteilen. In jedem Handlungsfeld, sei es in der Gesellschaft oder in den Massenmedien müssen sich soziale Normen erst etablieren 6 . Wie eingangs in der Definition erwähnt, sind Normen etwas, dass auf Grund der Tatsache entsteht, dass eine große Anzahl von Menschen sie erwünscht, lebt oder für notwendig befindet. Konzentrieren wir uns einmal darauf, am Beispiel der Massenmedien zu zeigen, wie viele unterschiedliche Arten von Normenausprägungen es hierbei gibt.
3.1 Handlungsfeld Massenmedien
3.1.1 Medienschaffenden
Die moralische Verantwortung der Medienschaffenden wie der Journalisten, Redakteure, Korrespondenten, Autoren und Agenturen bezieht sich zunächst auf Fragen der Wahrheit von Informationen, der Vielfalt von Meinungen und der Authentizität von Darstellungen. Moralisch sensibel sind dabei gleichermaßen die Gewinnung von Informationen und Meinungen, wie ihre Selektion und ihre Verarbeitung. Als handlungsleitende moralische Normen dienen professionsspezifische Werte wie Wahrheit, Richtigkeit, Sorgfalt, Kritikfähigkeit, Fairneß und Achtung, welche auch im Pressekodex verankert sind 7 .
3.1.2 Besitzer und Betreiber von Massenmedien
Medienunternehmer und -betreiber tragen zunächst die Verantwortung für die Kontinuität ihrer Organisation, die Qualität ihrer Produkte und die gesellschaftlichen Folgen ihres Handelns. Ihre zentrale Aufgabe besteht darin, durch entsprechende korporative Selbstverpflichtungen die organisationellen Rahmenbedingungen für moralisches Handeln der Medienschaffenden bereitzustellen, da sie aufgrund von Konkurrenz nach wirtschaftlichen Leitlinien arbeiten müssen 8 .
6 Debatin (1998): S. 113-130
7 Debatin (1997a): S. 281-290
8 Wössner (1996): S. 71-84
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Arbeit zitieren:
Stephan Adrion, 2003, Soziale Normen der Medienkommunikation - Interpersonale Kommunikation im Wandel - vom "real life" ins "virtual life", München, GRIN Verlag GmbH
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