Die Pressefotografie - Inhalt
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1. Einleitung 5 9
2. Definitionen
Pressefotografie 2 1 10 12
Printmedien 2 2 12 13
3. Geschichtlicher Hintergrund
3.1 Die historische Entwicklung der Fotografie
Einführung 14
Die Vorläufer der Fotografie 3 1 1 14 16
Die Erfindung der Fotografie 3 1 2 16 18
Die Verbreitung der Fotografie 3 1 3 18 20
3.2 Die historische Entwicklung der Pressefotografie
Einführung 21
Die Reisefotografie 3 2 1 21 22
Die Kriegsfotografie 3 2 2 22 23
Die Sozialdokumentation 3 2 3 24
3.2.4 Der Beginn der Pressefotografie
3.2.4.1 Prägende Fotografen
Dr. Erich Salomon 3 2 4 1 1 25 27
Felix H. Man 3 2 4 1 2 27 28
Robert Capa 3 2 4 1 3 28 29
Heinrich Hoffmann 3 2 4 1 4 29 30
3.2.4.2 Einflussreiche Veröffentlichungen
Life 3 2 4 2 1 30 32
Vu 3 2 4 2 2 32 33
3.2.4.3 Bildagenturen
Dephot 3 2 4 3 1 33
Magnum 3 2 4 3 2 33 35
3.2.4.4 Technischer Fortschritt
Ermanox 3 2 4 4 1 35
Leica 3 2 4 4 2 35 36
Rolleiflex 3 2 4 4 3 36
Die Pressefotografie - Inhalt
4. Der aktuelle Stand der Pressefotografie
4.1 Der World Press Photo Award 2005
4.2 Bildagenturen
62 - 64 4.3 Die digitale Fotografie
Die Pressefotografie - Inhalt
5. Gesellschaftliche Aspekte
65 - 67 5.1 Der gesellschaftliche Stellenwert der Fotografie 5.2 Die Ethik der Pressefotografie
85 - 90 6. Zusammenfassung und Schluss
7. Anhang 7.1 Glossar
94 - 104 7.2 Abbildungsverzeichnis
105 - 108 7.3 Fotografien der World Press Photo Award - Gewinner 2005
109 - 116 7.4 Literatur 7.5 Materialien
Die Pressefotografie - Einleitung
1. Einleitung
„Ein nacktes Mädchen, mit Napalm bedeckt, V für Victory, die fünf Marines mit der Flagge auf dem Berg Suribachi - das Foto kennt man noch in 50 Jahren, den Krieg hat man vergessen.“
In Barry Levinsons Film „Wag the Dog“ nutzt der Berater des Präsidenten diese Argumentation, um einen Filmproduzenten aus Hollywood für die Inszenierung eines fiktiven Krieges zu gewinnen. Der Krieg, der nur in den Medien stattfinden wird, soll die Öffentlichkeit von einem Sexskandal im weißen Haus ablenken und dem Präsidenten die Wiederwahl sichern. Als Kriegsschauplatz wählt man Albanien, ein Land, über das in den Medien nicht berichtet wird und das deshalb auf den Rezipienten fremd und bedrohlich wirkt. Die Kriegsgegner sind Terroristen, die im Untergrund agieren und sich demnach nicht an die Öffentlichkeit wenden. Ein Video, das ein flüchtendes, albanisches Mädchen vor einem brennenden Dorf zeigt, wird im Studio gedreht und landesweit ausgestrahlt. Schnell befindet sich ganz Amerika im Kriegszustand - zumindest rein medial.
Levinsons überzeichnete Politsatire ist reine Fiktion, zeigt jedoch einen realen Aspekt unserer Medienlandschaft: Die Macht der Bilder.
Bei einer Umfrage im Internet 1 wurden folgende Fragen gestellt:
1. Wenn Du an Marilyn Monroe denkst, welches Bild hast Du vor Deinem geistigen Auge?
2. War Albert Einstein humorvoll? Wenn ja, wie kommst Du darauf?
3. Gibt es ein Foto, das Dich an den Vietnamkrieg erinnert? Wenn ja, welches?
Bei der dritten Frage beschreiben 39 von 100 Probanten die Fotografie von Nick Ut 2 , für die er 1973 den Pulitzerpreis bekam und die dem Berater des Präsidenten im Film „Wag the Dog“ als Argumentationsgrundlage dient. Während des Vietnamkrieges war Ut in der Nähe des Ortes Trang Bang, als südvietnamesische Flugzeuge Vietcongstellungen mit Napalm angriffen. Sie
1 Siehe Anhang/Materialien/Umfrage, S. 117 ff.
2 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 1, S. 94
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Die Pressefotografie - Einleitung
verfehlten die Stellungen und das Napalm ging auf Zivilisten und südvietnamesische Soldaten nieder. Seine berühmte Fotografie entstand, als mehrere Menschen schreiend aus dem angegriffenen Dorf flüchteten. Unter ihnen Phan Thi Kim Phuc, ein nacktes Mädchen, dass sich die brennenden Kleider vom Leib gerissen hatte.
Nick Ut fuhr die Neunjährige und ihren Vater ins Krankenhaus, bevor er in die Redaktion zurückkehrte. Dort wurde über die Veröffentlichung des Fotos heftig debattiert: Ein nacktes Mädchen würde von keiner Zeitung abgedruckt werden, argumentierten einige Journalisten. Horst Faas, leitender Kriegsberichterstatter der Associated Press, ließ das Bild nach New York schicken. Dort entschied man, dass der Nachrichtenwert des Fotos über alle anderen Einwände zu stellen sei und man es veröffentlichen sollte. Das Foto wurde zum Symbol für die Schrecken des Krieges 3 und ist, wie man an der Umfrage sehen kann, noch immer bei vielen Menschen präsent.
Die Geschichte dieser Fotografie ist im Rahmen dieser Arbeit von besonderem Interesse: Hier hat der Fotograf aktiv ins Geschehen eingegriffen. Er hat eine Aufnahme gemacht und das dargestellte Opfer anschließend versorgt. Dieser Umstand wird im Kapitel „Ethik der Pressefotografie/ Fotografie und Gewalt“ vertieft.
Wie verbreitet interne Repräsentationen populärer Fotografien sind, wollte die Ausstellung „Bilder im Kopf“, die 1986 in Hamburg gezeigt wurde, belegen. In der Ausstellung wurden keine Bilder gezeigt. Lediglich der Text „Marilyn Monroe mit wehendem Kleid“ oder „Albert Einstein mit ausgestreckter Zunge“ sollte den Besuchern die entsprechenden Fotografien in Erinnerung rufen. 4
In der bereits erwähnten Internet-Umfrage beschreiben 65% der Teilnehmer Marilyn Monroe sinngemäß wie folgt: Sie steht mit einem weißen Kleid über einem Lüftungsschacht 5 . Bei der Frage nach Albert Einsteins Humor weisen 69 der 100 Teilnehmer auf die Fotografie mit der Zunge 6 hin, 52 von 100 Befragten halten Albert Einstein aufgrund der Fotografie für humorvoll.
3 vgl. Zeitbilder: 45 Jahre Pulitzer-Preis-Fotografie, S. 102
4 vgl. X für U - Bilder, die lügen, S. 10
5 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 2, S. 94
6 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 3, S. 94
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Die Pressefotografie - Einleitung
Dies zeigt neben der Macht der Bilder noch einen weiteren Aspekt, der in der folgenden Arbeit wichtig ist: Die Tendenz der Menschen, ihre Umwelt zu vereinfachen und dadurch greifbarer zu machen. Bei genauerem Überlegen käme man mit Sicherheit zu dem Schluss, dass man eine fundamentale Charaktereigenschaft eines Menschen nicht von einer einzigen Fotografie ableiten kann. Dass trotzdem mehr als die Hälfte der Befragten das getan haben, liegt an dem Wunsch, die Realität auf ein verständliches Maß zu reduzieren. Daraus resultiert eine große Verantwortung der Pressefotografie, da sie auf den Rezipienten auf unterschiedliche Art und Weise beeinflussend wirkt. Mit diesen gesellschaftlichen Implikationen beschäftigt sich der dritte Teil dieser Arbeit.
Den wenigsten Menschen ist bewusst, dass es sich bei der Fotografie von Einstein um ein manipuliertes Bild handelt: Es ist eine Ausschnittsvergrößerung, von ihm selbst gewählt und veröffentlicht.
Auch heute tendiert man noch dazu, Fotografien Glauben zu schenken. 7 Man geht davon aus, dass eine Kamera nur abbildet, was tatsächlich vorhanden ist. Während frühere Abbildungen der Natur, wie Malerei oder Kupferstich, eindeutig subjektiven Einflüssen unterlagen, weist man Fotografien einen „objektiven Wahrheitsgehalt“ zu. Diesem Urglauben fehlt jedoch das Fundament, wie wir in den Kapiteln „Die Ethik der Pressefotografie/ Das objektive Bild“ und „Die Ethik der Pressefotografie/ Bildmanipulation“ sehen werden. Bereits kurz nach der Erfindung der Fotografie wurde die Retusche zu einem wichtigen Werkzeug des Fotografen: Portraitaufnahmen wurden geschönt, damit der Kunde mit dem Endergebnis zufrieden war und dem Fotografen als zahlender Kunde erhalten blieb. Die ersten Kriegsfotografien zeigen den Krimkrieg als Abenteuer, dem die Soldaten entspannt und souverän gegenüber stehen. Damit sollte der Krieg legitimiert und die Angehörigen der Soldaten in Sicherheit gewiegt werden. Dagegen setzen sich in der Bilderflut des heutigen Medienzeitalters emotionsauslösende Bilder in ihrer Funktion als „Eyecatcher“ besser durch als sachliche Aufnahmen, was zu Manipulationen führen kann. Dies wird im erwähnten Kapitel am Beispiel der Fotografie vom Tempel des Hatschepsut deutlich.
7 vgl. X für U - Bilder, die lügen, S. 6
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Die Pressefotografie - Einleitung
Aber zunächst geht es in dieser Arbeit um die historischen Aspekte der Fotografie. Es wird hinterfragt, wie und warum die Fotografie entstanden ist. Die permanente, technische Weiterentwicklung wurde durch ein gesellschaftliches Interesse an der Fotografie motiviert und vorangetrieben. Demnach werden die Vorläufer der Fotografie mit berücksichtigt.
„Die Geschichte der Pressefotografie“ fokussiert anschließend die Entwicklungen im Bereich der professionellen Fotografie, überwiegend im Bereich der Printmedien. Dabei werden ebenfalls die Vorläufer der Pressefotografie berücksichtigt. Ihre Verbreitung und Etablierung wird an der Geschichte berühmter Fotografen, Veröffentlichungen und Agenturen aufgezeigt.
Es gibt eine Fülle an Literatur zur Geschichte der Fotografie und der Pressefotografie, allerdings ist sie in sich oftmals redundant. Diese Arbeit hat demnach überwiegend die in der Sekundärliteratur zitierten Standardwerke als Grundlage. Zur Geschichte der Fotografie empfiehlt sich Walter Koschatzkys „Die Kunst der Photographie“, zur Geschichte der Pressefotografie „Die ersten Photoreporter“ von André Barret. Interessante Einblicke in die gesellschaftlichen Zusammenhänge gewährt Gisèle Freunds 8 Abhandlung „Photographie und Gesellschaft“.
Zum aktuellen Stand der Pressefotografie ist die Literaturlage eine gänzlich andere: Es gibt kein Überblickswerk über die heutigen Strömungen, prägende Personen oder die wirtschaftlichen Aspekte. Eine Berücksichtigung aller Pressefotografen der heutigen Zeit ist unmöglich. Demnach musste in dieser Arbeit eine Auswahl getroffen werden: Sie orientiert sich an den Fotografen des World Press Photo Award 2005, einem der renommiertesten Wettbewerbe im Bereich der Pressefotografie. Vorgestellt werden die Preisträger anhand einer kurzen Biographie und einer Beschreibung des prämierten Fotos. Außerdem ergab sich die Möglichkeit, einige Fragen per e-Mail an die Fotografen direkt zu stellen. Ihre Antworten sind ebenfalls ausführlich erörtert.
8 Siehe Anhang/Glossar/Autoren, S. 91
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Die Pressefotografie - Einleitung
Bei der Darstellung der aktuellen Bildagenturen sind die großen Weltagenturen Associated Press (AP), Reuters, Agence France Presse (AFP) und die Deutsche Presse-Agentur (DPA) berücksichtigt. Zusätzlich werden kleinere Bildagenturen vorgestellt, die ebenso wie die genannten Weltagenturen mit den Preisträgern des World Press Photo Award 2005 in Verbindung stehen.
Das Kapitel „Die digitale Fotografie“ behandelt den technischen Fortschritt im Bereich der Digitalfotografie und die Auswirkungen dieser Entwicklung auf den Berufsstand des Pressefotografen.
Der dritte Teil dieser Abhandlung beschäftigt sich zunächst mit dem Stellenwert der Fotografie in unserer Gesellschaft. Bereits 1979 konstatierte Gisèle Freund: „Die Photographie ist (…) zu einer Alltagserscheinung geworden. Sie ist so weitgehend ein Bestandteil des sozialen Lebens, dass man sie nicht mehr wahrnimmt, weil man sie ständig sieht.“ 9 Dementsprechend ist es von Interesse, das als selbstverständlich wahrgenommene Alltagsphänomen Fotografie genauer zu untersuchen und zu hinterfragen.
Anschließend rücken die Pressefotografie und ihre gesellschaftliche Dimension, ihre Wirkung und ihre Verantwortlichkeit in den Fokus. Hier ist von Interesse, wie der Fotograf eine Situation in Szene setzt und wie der Betrachter diese Darstellung aufnimmt. Wenn man davon ausgeht, dass die abzubildende Realität nicht mit dem Eindruck des Betrachters übereinstimmt, ist die Frage nach den Störfaktoren im Informationstransfer essentiell. Dabei können diese Störungen unbewusst und ungewollt auftauchen. Der Fotograf kann nach bestem Wissen und Gewissen die Realität darstellen und dennoch ein verzerrtes Abbild entstehen lassen. Manipulationen können jedoch auch bewusst und zielgerichtet eingesetzt werden. Mit diesen Überlegungen beschäftigt sich das Kapitel „Die Ethik der Pressefotografie“.
9 Gisèle Freund: Photographie und Gesellschaft, S. 6
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Die Pressefotografie - Definitionen
2. Definitionen
Im Folgenden werden die Begriffe „Pressefotografie“ und „Printmedien“ definiert und gegen semantisch ähnliche oder verwandte Ausdrücke abgegrenzt. Diese Definitionen sind notwendig, um das Interessengebiet dieser Arbeit, ihre Schwerpunktsetzung und ihre Untersuchungsgegenstände deutlich zu machen. Dabei erheben diese Arbeitsdefinitionen nicht den Anspruch, alle
wissenschaftlichen Anforderungen an eine empirisch valide Definition zu erfüllen. Vielmehr dienen sie zur Festlegung eines Arbeitsraumes innerhalb der Begrifflichkeiten der Thematik. Begriffe, die nicht nach einer Arbeitsdefinition verlangen, aber dennoch erklärt werden müssen, sind im Anhang/ Glossar/ Begriffserklärungen zu finden.
2.1 Pressefotografie
Der Beruf des Pressefotografen ist in Deutschland nicht gesetzlich geschützt. Demnach ist eine Abgrenzung des Arbeitsgebietes gegenüber Hobby-, Laien- oder Spartenfotografen schwierig. Aus diesem Grund liegt dieser Abhandlung eine eigene Arbeitsdefinition von Pressefotografie zugrunde:
Die Pressefotografie bezieht sich auf das Pressefoto. Ein Pressefoto ist eine gezielt aufgenommene Fotografie eines professionellen Fotografen mit einem gesellschaftlich relevanten und dokumentarischen Sujet und der Intention des Fotografen, das Bild im Bereich der visuellen Medien zu vermarkten.
Um diese Definition zu verdeutlichen, wird das Pressefoto von anderen Fotografien abgegrenzt:
- Das zufällig entstandene Bild
1954 wurde Virginia Schau mit dem Pulitzerpreis für eine Aufnahme ausgezeichnet, die die Rettungsaktion eines verunglückten
Truckerfahrers zeigt. 19 Schau war Amateurfotografin, die zufällig im
19 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 4, S. 94
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Die Pressefotografie - Definitionen
entscheidenden Moment Zeuge des Unfalls wurde. Sie ist die erste Frau, die einen Pulitzerpreis erhielt. 20
Dennoch fällt ihre Aufnahme nicht in den hier zugrunde liegenden Definitionsbereich, da das Foto nicht im professionellen Bereich der Pressefotografie entstand und der Ort des Geschehens nicht zielgerichtet aufgesucht wurde. Die Fotografie wurde nicht mit der Intention aufgenommen, sie anschließend den visuellen Medien zur Veröffentlichung anzubieten.
- Die künstlerische Fotografie
1983 fotografierte sich Cindy Sherman als verängstigte Orientalin. 21 Sie kommentierte ihre Arbeit folgendermaßen: „Ich will, dass der Betrachter einen Kloß im Hals bekommt.“ 22 Das Sujet ist politisch und gesellschaftlich relevant. Dennoch wird eine Fotografie wie die ihre aus dieser Definition ausgeklammert: Der Dokumentationsgehalt ist fragwürdig, da es sich um eine spezielle Inszenierung handelt, die zwar eine gesellschaftliche Situation, jedoch keine wahre Begebenheit dokumentiert.
Außerdem folgt die Fotografie dem Selbstzweck als Kunstobjekt und ist nicht primär für den Verkauf an Printmedien vorgesehen. Bernd Weidenmann definiert „künstlerische Bilder“ wie folgt: „Künstlerische Bilder zeichnen sich - entsprechend der These von der Unauslegbarkeit des Kunstwerkes und der Autonomie des Kunstwerkes gegenüber dem Künstler - durch die Offenheit für unterschiedlichste Rezeptionsweisen aus. In künstlerischen Bildern spielt die ästhetische Dimension eine zentrale Rolle. Informierende Bilder dagegen sollen möglichst eindeutig sein; Klarheit und Informativität sind ungleich wichtiger als Ästhetik.“ 23
In dieser Abhandlung werden Pressefotografien als eben diese „informierenden Bilder“ gesehen, die dem Rezipienten im Hinblick auf das
20 vgl. Zeitbilder: 45 Jahre Pulitzer-Preis-Fotografie, S. 38 f.
21 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 5, S. 95
22 vgl. Jörg-Uwe Albig: Sieg der schönen Lügnerin. In: art - Das Kunstmagazin, S.20 ff.
23 Bernd Weidenmann: Wissenserwerb mit Bildern, S. 9
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Die Pressefotografie - Definitionen
abgebildete Sujet nur einen eingeschränkten Interpretationsspielraum lassen.
- Spartenfotografie
Der in Berlin als Helmut Neustädter geborene Helmut Newton 24 war einer der berühmtesten Fotografen unserer Zeit. Seine Fotografien 25 sind in dieser Arbeit jedoch nicht weiter berücksichtigt, da es sich überwiegend um Modefotografie und damit um Spartenfotografie handelt. Das Gleiche gilt für reine Landschaftsfotografie, Werbefotografie oder
Portraitaufnahmen, die von privaten Kunden in Auftrag gegeben werden und kein aktuelles, gesellschaftlich relevantes Sujet abbilden.
Das Pressefoto wird im Rahmen dieser Arbeit als Fotografie definiert, die bevorzugt im Bereich der visuellen Medien vermarktet wird. Zu den visuellen Medien zählen Print-, Online- oder filmische Veröffentlichungen. Das Hauptaugenmerk dieser Abhandlung liegt auf den klassischen Printmedien, da diese zu Beginn der Pressefotografie bereits Relevanz besaßen und für die Verbreitung der Fotografie ausschlaggebend waren. Aus diesem Grund folgt eine Definition von „Printmedien“.
2.2 Printmedien
Diese Arbeit setzt eine sehr enge Definition des Begriffs „Printmedien“. Unter „Printmedien“ werden hier die klassischen Druckmedien „Zeitung“ und „Zeitschriften“ verstanden. Nicht in den Definitionsbereich fallen dagegen folgende Druckmedien: Bücher, Kataloge, geografische Karten und Pläne, Postkarten, Kalender, Poster, Plakate, Prospekte und Flugblätter. Zur Verdeutlichung werden die klassischen Druckmedien im Anschluss gezielt definiert:
- Zeitung
Zeitungen sind periodisch erscheinende Massenmedien mit dem Ziel, den Rezipienten über aktuelles Geschehen zu informieren. Man kann zwischen Tages-, Wochen- und Sonntagszeitungen, sowie zwischen
24 Siehe Anhang/Glossar/Fotografen, S. 90
25 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 6, S. 94
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Die Pressefotografie - Definitionen
Lokal-, Regional- und überregionalen Zeitungen unterscheiden. Außerdem gibt es Abonnement- und Boulevardzeitungen. 26
Die Zeitung zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:
- Zeitschrift
Die Kommunikationswissenschaft kann keine allgemeine Definition von „Zeitschrift“ liefern. Aus diesem Grund wird „Zeitschrift“ in Anlehnung an die vorangegangene Definition als eine periodische Presse, die jedoch keine Zeitung ist, erklärt. 28
26 vgl. Clarissa Blomqvist: Sprache in der Gesellschaft, S.52 f.
27 vgl. http://www.ilexikon.com/Tageszeitung.html, Zugriff: 06.09.2005
28 vgl. http://www.ilexikon.com/Zeitschrift.html#Definition, Zugriff: 06.09.2005
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Die Pressefotografie - Geschichtlicher Hintergrund - Die historische Entwicklung der Fotografie
3. Geschichtlicher Hintergrund
Heutzutage besitzt fast jeder Mensch einen Fotoapparat. Aufnahmen der Angehörigen stecken im Portemonnaie oder zieren den Schreibtisch. Eltern, die ihren Nachwuchs nicht fotografieren, ereilt schnell der Ruf von Rabeneltern. Reisende, die ihre Erfahrungen im Ausland nicht auf Film bannen, erscheinen als schrullige Ausnahmen. Die Fotografie hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft und ist ein selbstverständlicher Teil unseres Zusammenlebens geworden. Bevor wir uns nun mit der Pressefotografie und ihrer Geschichte beschäftigen, ist es interessant zu sehen, wie die Fotografie an sich zu ihrem heutigen Status gekommen ist. Dabei ist es unabdingbar, einen Blick auf den historischen Hintergrund zu werfen: Welche Strömungen führten zur Erfindung der Fotografie? Wer hat sie entwickelt und wie hat sich diese Innovation durchgesetzt? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das folgende Kapitel.
3.1 Die historische Entwicklung der Fotografie
Die historische Entwicklung der Fotografie wurde von zwei Faktoren entscheidend beeinflusst: der gesellschaftlichen Veränderung und dem technischen Fortschritt. Es musste eine Nachfrage nach Fotografien geben, der die Technik zu entsprechen hatte. Andererseits konnten durch neue Technologien Bedürfnisse in der Gesellschaft geweckt werden. Da sich diese beiden Faktoren wechselseitig beeinflussten, werden sie im folgenden Kapitel nicht separat behandelt.
3.1.1 Die Vorläufer der Fotografie
Ein entscheidender Impuls zur Entwicklung der Fotografie kam aus dem Bereich der Portraitaufnahmen. Um 1750 begann der soziale und politische Aufstieg der bürgerlichen Mittelschicht. In diesem großen Bevölkerungssegment stieg die Nachfrage nach Portraitdarstellungen schnell an. Bis zu diesem Zeitpunkt waren entsprechende Gemälde der wohlhabenden Oberschicht vorbehalten. Nun wollte
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Die Pressefotografie - Geschichtlicher Hintergrund - Die historische Entwicklung der Fotografie
der Bürger durch sein Konterfei verdeutlichen, dass er sich den Respekt, der der oberen Schicht entgegen gebracht wurde, auch verdient hatte.
Eine Portraitform, die der höfischen Kultur entwachsen war und von der aufsteigenden Bürgerschicht aufgegriffen wurde, war die Miniaturmalerei. 39 Sie passte sich schnell den Ansprüchen des neuen Kundenkreises an und wurde damit zu einem erfolgreichen Kunsthandwerk. In nahezu jeder Stadt gab es eine Gruppe von Miniaturisten, die 30 bis 50 Portraits im Jahr fertigten. Doch auf längere Sicht konnte damit die Nachfrage nicht gestillt werden. Die Verbreitung der Portraitdarstellung schritt weiter voran und verlangte nach Techniken, die den wachsenden Bedarf befriedigten.
1786 gelang Gilles-Louis Chrétien die Erfindung einer Apparatur, die seine Arbeit als Kupferstecher leichter und effektiver machen sollte. Basierend auf der Silhouette - dem Nachschneiden von Profilen in schwarzem Glanzpapier - und dem Kupferstechen erschuf er eine neue Art der Portraitkunst. Seine Erfindung nannte er Physionotrace. 40 Sie gibt den Schatten des Portraitierten auf einer Leinwand beliebig verkleinerbar wieder. Das Schattenbild wird nachgezeichnet und der Umriss auf eine Metallplatte übertragen und graviert.
Nach und nach verdrängten die Physionotracisten die Miniaturmaler und Kupferstecher, weil sie die Portraits in Serienarbeit erstellen und sie somit für jedermann erschwinglich machen konnten. Kritisch betrachtet zeigt sich hier bereits eine Bedrohung für kreative und künstlerische Arbeit, die mit der Erfindung der Fotografie noch stärker wird: Während die Miniaturisten noch die Möglichkeit hatten, ihren handgearbeiteten Portraits charakteristische Züge des Portraitierten zu verleihen, ist das Physionotracebild 41 der Versuch einer mathematisch exakten Widergabe der Realität. Im Bereich der Portraitkunst kann sie demnach aufgrund dieser „Objektivität“ als ideologischer Vorreiter der Fotografie verstanden werden. 42
Vom technischen Blickwinkel aus betrachtet ist die Lithographie, auch Steindruck genannt, von großer Wichtigkeit für die Erfindung der Fotografie. Die Lithographie
39 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 7, S. 95
40 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 8, S. 95
41 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 9, S. 96
42 vgl. Gisèle Freund: Photographie und Gesellschaft, S. 13 ff.
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Die Pressefotografie - Geschichtlicher Hintergrund - Die historische Entwicklung der Fotografie
wurde 1798 von Alois Senefelder entwickelt und zunächst für den Druck von Text und Noten verwendet. Dabei werden die Vorlagen mit einer fetthaltigen Substanz auf Kalkstein aufgebracht. Nach mehreren Arbeitsschritten ist es möglich, Druckerschwärze auf die Platte aufzutragen, die nur noch von den fetthaltigen Stellen angenommen wird. Somit wird die Platte zur Druckvorlage. Bald schon wurden auch Grafiken mit dieser Technik vervielfältigt. Für die Presse war dies die erste Möglichkeit, aktuelles Zeitgeschehen bildhaft wiederzugeben. 43
3.1.2 Die Erfindung der Fotografie
Es gibt vier Forscher, denen das Recht zugesprochen werden kann, die Fotografie erfunden zu haben: Niépce, Daguerre, Bayard und Talbot. 44
Den Anfang machte Nicéphore Niépce im Jahre 1826. Niépce gehörte zum gehobenen Bürgertum und verfügte über ausreichend finanzielle Mittel und Muße, die ihm die Beschäftigung mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ermöglichten. 1814 wurde die Lithographie nach Frankreich importiert und erregte Niépces Interesse. Er hatte jedoch Schwierigkeiten, in seiner ländlichen Heimat die notwendigen Materialien zu beschaffen, um die neue Erfindung auszuprobieren. So kam er auf die Idee, die Steindruckplatte durch eine Metallplatte zu ersetzen und den Stift durch das Sonnenlicht. 1826 erhielt er ein erstes verwertbares Resultat. Durch das Kombinieren einer Camera Obscura 45 mit dem von ihm entdeckten Asphalt, der durch Lichteinwirkung aushärtet, gelang ihm um 1827 die weltweit erste Fotografie. 46 Sie hatte eine Belichtungszeit von acht Stunden. Niépces Verfahren ist heute noch unter dem Namen „Heliographie“ bekannt.
Doch Niépce fand für seine Errungenschaften keine Anerkennung und starb 1833 völlig verarmt, da er sein ganzes Vermögen in seine Versuche investiert hatte. Der Maler Daguerre, der mit Niépce in Verbindung stand und über die Entdeckung der Heliographie informiert war, schloss mit Niépces Sohn und Erben Isidore einen Vertrag über das gemeinsame Verbreiten der Erfindung ab. 47 Daguerre hatte sich in
43 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Lithographie, Zugriff: 09.10.2004
44 vgl. Walter Koschatzky: Die Kunst der Photographie, S. 47
45 Siehe: Anhang/Glossar/Begriffserklärungen, S. 93
46 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 10, S. 96
47 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 30 f.
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Die Pressefotografie - Geschichtlicher Hintergrund - Die historische Entwicklung der Fotografie
Paris mit der Erfindung des „Dioramas“ 48 einen Namen gemacht und mit Niépce schon im Jahr 1829 einen Vertrag „zur Verbesserung der Erfindung Niépces“ abgeschlossen. Diese Verbesserung trat 1831 durch die Entdeckung der Lichtempfindlichkeit von Jodsilber ein. Die Entwicklung kam für Niépce zu spät, Daguerre konnte jedoch davon profitieren und entwickelte 1837 das Verfahren der „Daguerrotypie“: Er stellte eine Aufnahme in der Camera Obscura her, entwickelte die Jodsilberplatte in Quecksilberdampf und fixierte sie in warmer Kochsalzlösung. Das Ergebnis war ein Unikat auf einer Metallplatte, das allerdings noch nicht reproduziert werden konnte. So blieb zunächst das kaufmännische Interesse an diesem Produkt aus. Der rentable Charakter der Fotografie konnte durch die ersten Bilder nicht erkennbar gemacht werden, und so fand Daguerre anfänglich keine Unterstützung oder Geldgeber für das Projekt.
Gegen Ende der dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts jedoch wurde die Fotografie für die exakten Wissenschaften, die sich zu dieser Zeit entwickelten, interessant. 49 Daguerre wandte sich an den Leiter des Pariser Observatoriums, den Physiker und Deputierten Dominique François Arago. Dieser trat am 7. Januar 1839 an die Akademie der Wissenschaften heran und empfahl der Regierung den Ankauf der Erfindung Daguerres und Niépces. Dieser Antrag wurde am 30. Juli 1839 mit 237 zu drei Stimmen angenommen. Die Anerkennung als Erfinder wurde Daguerre, nicht Niépce, zugesprochen. 50
Einen Monat zuvor, am 24. Juni 1839, stellte Hippolyte Bayard öffentlich Bilder auf lichtempfindlich gemachten Papieren vor. Seine Methode war folgende: Er überzog Papier mit Chlorsilber und ließ es in der Sonne so schwarz wie möglich werden. Dann ließ er dieses Papier auf einer Jodkaliumlösung schwimmen und brachte es in die Kamera. Der Lichteinfall bleichte es und Bayard erhielt direkt ein positives Bild. Bayard konnte bereits 1837 erste Ergebnisse verzeichnen, sein Geschäftssinn war jedoch nicht mit dem Daguerres vergleichbar. Als er sich schließlich am 20. Mai dazu durchrang, bei Arago vorzusprechen und ihm seine Erfindung vorzustellen, war Arago bereits mit der Daguerrotypie beschäftigt und lehnte Baynards Erfindung ab.
48 Siehe Anhang/Glossar /Begriffserklärungen, S. 93
49 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 30 f.
50 vgl. Walter Koschatzky, a.a.O., S. 51 f.
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Die Pressefotografie - Geschichtlicher Hintergrund - Die historische Entwicklung der Fotografie
Ebenfalls 1839 ereignete sich ein weiterer entscheidender Vorfall für die Erfindung der Fotografie: Professor Michael Faraday, ein berühmter Physiker seiner Zeit, beschrieb am 25. Januar 1839 in der Royal Institution in London ein von William Henry Fox Talbot entwickeltes Verfahren. Hierbei werden ebenfalls mittels der Camera Obscura Bilder der Natur auf Papier hergestellt. Faraday nannte diese Bilder „Photogenic Drawings“, also „durch Licht entstandene Zeichnungen“. Eine Woche später führte Talbot selbst in einem Vortrag alle Einzelheiten seiner Ergebnisse aus. Er hatte sich seit 1835 mit der Camera Obscura beschäftigt. Er stellte kleine, mit lichtempfindlichem Papier ausgestattete Kameras rings um sein Haus auf. Diese zeigten schließlich auf dem nass eingelegten Papier die unterschiedlichsten Ansichten des Gebäudes.
Diese Negative sind der Ausgangspunkt für die spätere Negativ-Positiv-Fotografie, die reproduzierbare Aufnahmen ermöglicht. Damit ist die Erfindung Talbots der Daguerrotypie, die lediglich Unikate herstellt, überlegen. Die Vermarktung allerdings war dem geschäftstüchtigen Daguerre vorbehalten, so dass Talbot genau wie Bayard die gesellschaftliche Anerkennung als Erfinder der Fotografie versagt blieb. 1841 erhielt Talbot das Patent auf die sogenannte „Kalotypie“: Durch das Transparentmachen des Negativs kann eine positive Kontaktkopie hergestellt werden. Damit legt die Erfindung Talbots die wichtigsten Grundlagen für die heutige Fotografie: Das Aufnehmen auf Papier, die Erzeugung eines Positivs nach dem entstandenen Negativ und die Möglichkeit zur Vervielfältigung. 51
3.1.3 Die Verbreitung der Fotografie
Am 30. September 1839 konnte man in der Wiener Zeitung Der Österreichische Zuschauer folgendes über die Daguerreotypie lesen: „Hier muss der Zeichner seinen Griffel, der Kupferstecher seinen Grabstichel aus der Hand legen, offen gestehend, dass er dergleichen nun und nimmer zu leisten vermöge.“
Diese Betrachtungsweise war zu jener Zeit weit verbreitet. Ungeachtet der äußerst schädlichen und giftigen Jod- und Quecksilberdämpfe breitete sich die Daguerreotypie immer weiter aus. Zudem wurde bei den Portraitaufnahmen von
51 vgl. Walter Koschatzky, a.a.O., S. 56 ff.
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Die Pressefotografie - Geschichtlicher Hintergrund - Die historische Entwicklung der Fotografie
den abgebildeten Personen viel verlangt: Man bestäubte ihr Gesicht mit weißem Puder, um einen ausreichenden Kontrast zu schaffen und spannte ihren Kopf in ein Schraubgestell. Außerdem wurden die Portraitierten einer großen Hitzebelastung ausgesetzt, da sie aufgrund der Lichtverhältnisse so nahe wie möglich unter dem Glasdach des Ateliers sitzen mussten.
1841 gelang es Antoine François Jean Claudet, die Portraitsitzungen von 15 auf fünf Minuten zu verkürzen, indem er zusätzliche Chlordämpfe auf die Jodschicht aufbrachte und damit die Empfindlichkeit der Platte erhöhte. Zur gleichen Zeit entwickelten die Brüder Johann und Josef Natterer in Wien eine empfindlichere Beschichtung aus Jod, Brom und Chlor.
Diese chemischen Versuche zur Verbesserung der Daguerreotypie brachten nur geringe Erfolge. Die Weiterentwicklung der Optik allerdings führte zu bedeutenden Fortschritten: Der Physiker Andreas von Ettingshausen identifizierte die geringe Leistung der Kameralinse als der eigentliche Schwachpunkt der Daguerreotypie. In Zusammenarbeit mit Josef von Petzval, Professor für Physik und Mathematik am Polytechnischen Institut in Wien, gelang ihm die wissenschaftlich-mathematische Berechnung eines Linsensystems. Das Ergebnis war 1840 ein Objektiv, das etwa zwanzigmal lichtstärker ist als jenes in Daguerres Kamera. Die Belichtungszeit konnte von 15 Minuten auf 45 Sekunden reduziert werden. Diese Errungenschaft war entscheidend für die darauf folgende Demokratisierung der Fotografie. 52
Ein weiterer Schritt zur Benutzerfreundlichkeit und damit Weiterverbreitung der Fotografie war der Wechsel von der Nass- zur Trockenplatte. 1878 erkannte Charles Benett, dass Bromsilbergelatine, die mit einem Bromkaliüberschuss hergestellt wird, an Empfindlichkeit zunimmt, wenn man die beschichtete Platte mehrere Tage bei etwa 32 Grad Celsius lagert. Aus diesem Reifungsprozess gehen Trockenplatten hervor, die die Nassplatten an Lichtempfindlichkeit um ein Zehnfaches übertreffen. Damit war die Möglichkeit zur „Momentaufnahme“ geboren und der Weg zur modernen Fotografie geebnet. 53
52 vgl. Walter Koschatzky, a.a.O., S. 54 ff.
53 vgl. ebda., S. 126
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Die Pressefotografie - Geschichtlicher Hintergrund - Die historische Entwicklung der Fotografie
Das zeigte sich bereits zehn Jahre später. 1888 kam es zu einer Sensation, die die Fotografie für jedermann zugänglich machte: George Eastman brachte die Kodak heraus. Die Kodak ist eine kleine, für Rollfilm konstruierte Kamera, deren Auslöser eine Belichtungszeit von 1/20 Sekunde ermöglicht. Ein Apparat mit etwa 100 Aufnahmen kostete 25 Dollar. War der Film restlos belichtet, konnte man die komplette Kamera an die Firma Kodak schicken, die im Gegenzug die entwickelten Abzüge und eine „neu geladene“ Kamera zum Preis von zehn Dollar zurück sendete. Dieses Vorgehen spiegelt der damalige Werbespruch des Unternehmens „You press the button, we do the rest“ wider.
Sieben Jahre später kam die Kodak-Pocket-Kamera auf den Markt. Sie kostete fünf Dollar und konnte bei Tageslicht be- und entladen werden. Am Ende des 19. Jahrhunderts besaßen bereits vier Millionen Engländer einen Fotoapparat. Die Fotografie war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr nur den Profis und begeisterten Amateuren vorbehalten und die Kamera wurde zu einem immer alltäglicher werdenden Gebrauchsgegenstand für Millionen von Menschen. 54
Da die technische Weiterentwicklung der Aufnahmetechnik insbesondere auf den Berufsstand des Fotografen großen Einfluss hat, werden die Fortschritte bis zur heutigen digitalen Fotografie in den nächsten Kapiteln im Zusammenhang mit der Entwicklung der Pressefotografie und ihrem aktuellen Stand beschrieben.
54 vgl. André Barret: Die ersten Photoreporter, S. 8 f.
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Die Pressefotografie - Geschichtlicher Hintergrund - Die historische Entwicklung der Pressefotografie
3.2 Die historische Entwicklung der Pressefotografie
In den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte sich ein neuer Industriezweig: die Bildbänder. Ein Pionier in diesem Bereich ist der Fotograf Blanquart-Evrard, der 1851 eine fotografische Druckanstalt gründete, die einen Produktionsausstoß von 300 bis 500 Drucken pro Tag ermöglichte. Er veröffentlichte das Album photographique de l’artiste et de l’amateur, das einmal monatlich ausgeliefert wurde.
Die Fotografen stellten fest, dass sich ihre Werke kommerziell verwerten ließen, da sich in der Gesellschaft ein Interesse an fremden Kulturen und der fotografischen Berichterstattung, die Abbilder dieser Kulturen liefern kann, entwickelt hatte. Die Reisefotografie wurde somit für sie zu einer wichtigen Einnahmequelle.
3.2.1 Die Reisefotografie
Kurz nach der Gründung seiner fotografischen Druckanstalt gab Blanquart-Evrard mehrere Fotoalben heraus: die Bildbände über Ägypten, Nubien, Palästina und Syrien von Maxime du Camp (1852), Greens Fotografien des Nils und Bildbände von den Pyrenäen und Paris, eine Gemeinschaftsarbeit von Marville, Regnault, Steward und Ferrier. Die zur Fotoreproduktion angewandten Techniken, die manuelle und die fotomechanische Gravur, brachten nicht immer zufrieden stellende Ergebnisse. Doch die Drucke ließen sich schnell und gewinnbringend in den Handel bringen, was den Unternehmungsgeist der Fotografen anstachelte. Roger Fentons Expedition zur Krim (siehe: „Die Kriegsfotografie“) fand einen Financier. Die englischen Verleger Negretti und Zambra schickten den Fotografen Francis Frith in den Jahren 1856 bis 1859 dreimal nach Ägypten und in den Mittleren Osten. Daraus entstand 1860 ein Bildband mit rund 100 Abbildungen von Ägypten, Syrien und Palästina. 71
1830 wurde die Royal Geographical Society gegründet, die noch heute großen Wert auf die fotografische Dokumentation legt. So begleitete der Fotograf William
71 vgl. André Barret, a.a.O., S. 9
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Henry Jackson den Geologen Ferdinand V. Hayden bei seiner Expedition in das Yellowstone-Gebiet und fotografierte als Erster die Geysire von Yellowstone. Herbert Ponting nahm als offizieller Fotograf an der Antarktis-Expedition von Robert Falcon Scott (1910 - 1912) teil. 72 73
Die Nachfrage in der Bevölkerung nach spektakulären Bildern blieb nicht auf den Bereich der Reisefotografie beschränkt. Vielmehr gab es eine generelle Nachfrage nach Dokumenten, die Situationen abbilden konnten, die außerhalb des direkten Erfahrungsbereichs der Rezipienten lagen. Die Kriegsfotografie entstand.
3.2.2 Die Kriegsfotografie
Im Februar 1855 reiste Roger Fenton, Rechtsanwalt und Gründer der Royal Photographic Society, mit zwei Gehilfen und einer umfassenden Fotoausrüstung zur Krim, um den Krimkrieg fotografisch zu dokumentieren. Er überstand die Choleraepidemie, die die Truppen dort dezimierte, und kehrte im Juni desselben Jahres mit 360 Bildern nach England zurück.
Er gilt als der erste Kriegsberichterstatter, obgleich seine Fotografien den Krieg in malerischen und friedfertigen Bildern wiedergeben. 74 Dafür gibt es unterschiedliche Erklärungen: zum einen musste Fenton zwischen vier und acht Uhr morgens arbeiten, da die Hitze des Tages das Kollodium (Beschichtung der Glasplatten) zum kochen brachte. 75 Gisèle Freund nennt einen weiteren Grund: die Expedition Fentons sei nur unter der Bedingung finanziert worden, nicht die Schrecken des Krieges zu fotografieren, um die Familien der Soldaten in Sicherheit zu wiegen. 76 Diese Tendenz ist in heutigen Propagandafilmen zu Kriegseinsätzen, wie zum Beispiel in Afghanistan, wieder zu finden.
Der Historiker Helmut Gernsheim verweist darauf, dass es vor Fenton bereits fotografische Kriegsberichterstattung gab. Der aus Bukarest stammende Maler und Fotograf Carol Pop de Szathmary war schon 1853 in die Walachei gereist, um das
72 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 11, S. 96
73 vgl. Helmut Blecher: Fotojournalismus, S. 14
74 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 12, S. 96
75 vgl. André Barret, a.a.O., S. 9 ff.
76 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 118
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dortige Lagerleben zu fotografieren. Seine 200 Fotografien stellte er 1855 auf der Pariser Weltausstellung aus. Seine Reportage ist heute allerdings nicht mehr auffindbar. 77
1861 brach der amerikanische Bürgerkrieg aus, den der Fotograf Mathew B. Brady mit 8000 Daguerreotypien dokumentierte. Im Gegensatz zu Fenton bereiste er ohne Beauftragung das Kriegsgebiet und lieferte realistische und grausame Aufnahmen vom Schlachtfeld. 78 Die Regierung zeigte kein Interesse an seinen Arbeiten, ebenso wenig die Bevölkerung. Brady war bei Kriegsende finanziell ruiniert, da er seinen Einsatz im Bürgerkrieg selbst bezahlt und anschließend keinen Käufer für seine Aufnahmen finden konnte.
Dennoch folgten einige Fotografen seinem Beispiel. Sie verließen ihre Ateliers und schlugen ihre Zelte bei den Militärposten auf. Man nennt sie „frontier photographers“. In der Folgezeit wurden militärische Auseinandersetzungen vermehrt fotografisch dokumentiert. 79 Auch heute ist die Kriegsfotografie ein entscheidender Teil der Pressefotografie. Durch die Entwicklung digitaler Medien ist eine weitere Instanz der Dokumentation dazugekommen: die Soldaten selbst halten ihre Kriegseinsätze filmisch oder fotografisch fest. Erklärungen dazu gibt es viele: zum einen wollen die Soldaten aufzeigen, dass das in ihrer Heimat bekannte Propagandamaterial nicht die Realität widerspiegelt. Zum anderen sagen Soldaten selbst, dass sie das Kriegsgeschehen besser verarbeiten können, wenn sie es anschließend auf Film ansehen. Die dadurch entstehende Distanz zum Erlebten ermöglicht es den Soldaten, ihre Einsätze nicht als ihren Alltag, sondern eher als Teil einer Hollywoodfiktion wahrzunehmen.
Während Kriegsfotografen versuchten, die Geschehnisse auf den Schlachtfeldern dieser Welt fotografisch zu dokumentieren, entschied sich eine andere Gruppe sozial engagierter Fotografen dafür, Missstände im eigenen Land aufzudecken und publik zu machen. Die Sozialdokumentation wurde ein weiterer wichtiger Teilbereich der Fotografie, der ebenso wie die Kriegsfotografie die Arbeit der Fotojournalisten bis heute beeinflusst hat.
77 vgl. André Barret, a.a.O., S. 48
78 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 13, S. 97
79 vgl. André Barret, a.a.O., S. 13
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3.2.3 Die Sozialdokumentation
Jacob A. Riis (1849 - 1914) war Polizeireporter an der New York Tribune und dokumentierte von 1888 bis 1896 die Mietskasernen und Slums der East Side. Er war dem Hauptkomissariat in der Mulberry Street zugeordnet, das inmitten des ärmsten New Yorker Viertel liegt. Er fotografierte die Lebensbedingungen in diesem Stadtteil, um zu verdeutlichen, wie dringlich eine Veränderung der gegebenen sozialen Umstände war. Er nutzte damit als Erster die Fotografie als sozialkritisches Instrument. 80 81
Der mit ihm befreundete Soziologe Lewis W. Hine (1874 - 1940) übernahm Riis’ Aufgabe beim National Child Labour. In seinem Kampf gegen die weit verbreitete Kinderarbeit in den USA setzte er ebenfalls die Fotografie ein. 82 Zwischen 1908 und 1914 fotografierte er Kinder, die in Fabriken oder auf Feldern arbeiteten. Seine Veröffentlichungen führten zu einer Revision der Gesetze über Kinderarbeit. 1918 wurde sie gesetzlich verboten. 83
3.2.4 Der Beginn der Pressefotografie
Für Jacob A. Riis und Lewis W. Hine war die Fotografie ein Mittel, um ihren Artikeln mehr Überzeugungskraft zu geben. Aus der Sicht der heutigen Pressefotografie sind sie keine professionellen Fotografen, da ihr Hauptaugenmerk nicht auf der Fotografie an sich lag.
Der Berufsstand des Pressefotografen entstand durch die vermehrte Veröffentlichung von Fotografien in der Presse Ende des 19. Jahrhunderts. Die ersten Fotoreporter genossen allerdings einen schlechten Ruf: sie benutzten Magnesiumpulver, um in Innenräumen Aufnahmen machen zu können. Dieses erzeugt ein blendendes Licht, beißenden Rauch und einen unangenehmen Geruch. Die Portraitierten, geblendet vom Lichtschein, standen oft mit offenem Mund da oder nahmen eine ungünstige Haltung ein. Ästhetische Gesichtspunkte dieser Art waren allerdings zu jener Zeit zweitrangig. Den Fotografen kam es darauf an, dass das Foto scharf, reproduzierbar und somit gut zu verkaufen war.
80 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 14, S. 97
81 vgl. André Barret, a.a.O., S. 23
82 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 15, S. 97
83 Vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 119
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Die ersten großen Bildreporter, die dem Metier zu einem besseren Ansehen verhalfen, arbeiteten in Deutschland zur Zeit der Weimarer Republik. Während der Kriegsjahre stand die Presse unter einer scharfen Zensur. Die liberale Republik sorgte für einen Aufschwung im Bereich der Printmedien. Illustrierte Zeitschriften erschienen in allen großen Städten Deutschlands. Die beiden wichtigsten unter ihnen, die Berliner Illustrierte und die Münchner Illustrierte Presse, konnten zu ihren Hochzeiten fast zwei Millionen Exemplare pro Auflage verkaufen. Die Fotografen, die für diese Medien arbeiteten, stammten überwiegend aus der bürgerlichen Gesellschaft oder aus der Aristokratie. Der berühmteste unter ihnen: Dr. Erich Salomon.
Im Folgenden werden er und weitere Fotografen der Anfangszeit vorgestellt, die großen Einfluss auf die Entwicklung der Pressefotografie hatten. Außerdem wird die Laufbahn Heinrich Hoffmanns gezeigt, die verdeutlicht, wie mächtig die Fotografie sein kann, wenn sie von einer einzelnen Person kontrolliert und als Propagandawerkzeug eingesetzt wird.
3.2.4.1 Prägende Fotografen
3.2.4.1.1 Dr. Erich Salomon
Salomons Kamera war eine Ermanox, die mit einem lichtstarken Objektiv ausgestattet war und somit ein Arbeiten ohne Blitzlicht ermöglichte. Sein Ziel war es, Personen in Innenräumen zu fotografieren, ohne dass sie es bemerkten. Er ließ sich einen geräuschlosen Spezialauslöser konstruieren, und veröffentlichte 1928 in der Berliner Illustrirten sein erstes Bild. Es ist in einem Gerichtssaal aufgenommen. Zu dieser Zeit war das Fotografieren im Gerichtssaal in Deutschland streng untersagt. Salomons Aufnahme ist das einzige Foto eines Prozesses (der 17jährige Gymnasiast Krantz ist des Mordes an einem Freund angeklagt), der in unzähligen Printmedien behandelt wurde. Salomon verdiente mit dieser einen Fotografie mehr als sein übliches Monatsgehalt und entschied, ausschließlich als Fotograf zu arbeiten. Im gleichen Jahr fotografierte er den Mordprozess Hein 84 , bei dem er seine Kamera in einer Schachtel und das Stativ unter einem Tuch versteckte.
84 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 16, S. 97
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Bei der Unterzeichnung des Briand-Kellogg-Paktes 1928 in Den Haag notierte er: „Ich saß auf dem Platz, der für einen polnischen Minister reserviert war; dieser war aber nicht gekommen.“ Salomon bewies große Kreativität bei seinen Versuchen, ungewöhnliche Situationen fotografisch festzuhalten. Seine Arbeit bei der ersten Haager Konferenz 1929 beschrieb er folgendermaßen: „Als ich im Sommer 1929 zur ersten Haager Konferenz kam, erfuhr ich, dass die so genannten Räumungsminister: Henderson, Stresemann, Briand, Wirth und der belgische Außenminister Hymans jeden Nachmittag um 4 Uhr auf Hendersons Balkon auf der Rückseite des Grand Hotels Scheveningen zusammenzukommen pflegten. (…) Da ich also den Balkon nicht von innen photographieren konnte, blieb mir nur übrig, die Aufnahme von außen zu machen. Der Balkon lag aber sechzehn Meter über einem Autoparkplatz, dann kam der Strand und dahinter die Nordsee, also kein gegenüberliegendes Haus. Ich mietete deshalb eine neunzehn Meter hohe, auf Rädern montierte Feuerleiter und ließ mir von der vier Männer starken Begleitmannschaft einen Malerkittel, einen Eimer und einen Pinsel bringen, um der holländischen Polizei gegenüber die Auffrischung einer Reklamefläche vorzutäuschen.“ 85 Salomon gelang es trotz dieses Aufwandes nicht, einen Blick auf die Verhandlungen zu werfen: Hendersons Pressechef Mr. Steward entdeckte ihn und hinderte ihn daran, Aufnahmen zu machen.
Im darauf folgenden Jahr hatte der Fotograf mehr Glück: Bei der zweiten Haager Konferenz 1930 verschaffte er sich Zutritt zu den Innenräumen und fotografierte dort deutsche und französische Minister während einer Nachtsitzung um elf Uhr abends und abermals um ein Uhr morgens, als einige der Teilnehmer bereits eingeschlafen waren. 86 Diese „geheimen“ Fotos waren ein großer Erfolg und wurden zu einer Hauptattraktion der illustrierten Presse. 87
Salomon lieferte in fünf Jahren etwa 350 Reportagen. Es handelte sich meist um Fotografien von internationalen Konferenzen und aus den gesellschaftlichen Zentren der Weimarer Republik, Westeuropa und den USA. Aber Salomon war Jude und so musste er 1933 ins holländische Exil flüchten. Er unterschätzte die Gefahr, die von den Nationalsozialisten ausging und kehrte immer wieder in seine
85 Gisèle Freund, a.a.O., S. 128 f.
86 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 17 und 18, S. 97
87 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 125 ff.
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Heimatstadt Den Haag zurück. Hier wurde er schließlich verhaftet und gemeinsam mit seiner Frau und dem jüngeren Sohn ins Konzentrationslager Theresienstadt, anschließend nach Auschwitz deportiert, wo er und seine Familie 1944 ermordet wurden. 88
3.2.4.1.2 Felix H. Man
Hans Baumann alias Felix H. Man wurde 1893 als Sohn eines Bankiers in Breisgau geboren. Er studierte Kunst, wurde 1914 jedoch eingezogen und musste sein Studium unterbrechen. Danach fehlten ihm die finanziellen Mittel, seine Hochschulausbildung zu beenden. 1926 nahm er eine Stelle als Zeichner bei der Berliner Zeitung an. Diese begann, wie alle anderen Printmedien auch, vermehrt Fotografien abzudrucken und Baumann beschloss, selbst Fotograf zu werden. 1929 arbeitet er unter dem Pseudonym Felix H. Man für die Münchner Illustrierte Presse und andere Illustrierte. Das Pseudonym diente zur Abgrenzung seiner Arbeiten von seinen früheren Zeichnungen.
Unter dem Titel „Von Mitternacht bis Morgen auf dem Kurfürstendamm“ machte Man die erste bei Nacht fotografierte Bildstrecke. Die Münchner Illustrierte garantierte ihm ein Monatsgehalt von 1000 DM, vorausgesetzt, er würde seine Reportagen immer zuerst ihrer Redaktion vorlegen - für die damalige Zeit ein hohes Gehalt (ein Beamter verdiente damals etwa 500 DM im Monat). Felix H. Man erstellte zwischen 1929 und 1933 circa 80 Bildreportagen und war somit der erste Fotoreporter, der in enger Zusammenarbeit mit Stefan Lorant die moderne Form der Reportage verwirklichte. Lorant, Chefredakteur der Berliner Illustrirten, kam als Erster auf die Idee, eine Geschichte in einer Folge von Bildern zu erzählen, die einen Anfang und ein Ende hat und eine Bildstrecke über mehrere Seiten beinhaltete. Damit legte er den Grundstein für Magazine wie das erfolgreiche Life-Magazine.
Anfang der 30er Jahre ging Man nach Rom, um einen ganzen Tag mit Mussolini zu verbringen. Der Duce war bis dato auf Fotografien nur in theatralischen Posen 89 zu sehen. Mans entlarvende Momentaufnahmen 90 machten auf die Pressefotografen seiner Zeit großen Eindruck. 91
88 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Salomon, Zugriff: 06.08.2005
89 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 20, S. 98
90 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 19, S. 98
91 Vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 131 ff.
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1934 emigrierte Man nach London und wurde dort führender Mitarbeiter der neu gegründeten Weekly Illustrated. Ab 1948 reiste er für die Picture Post durch Europa, West-Indien und Südamerika. In den fünfziger Jahren waren Zeitschriften wie Life, Sports Illustrated und die Sunday Times seine Auftraggeber.
Für seine Verdienste als „Wegbereiter des Bildjournalismus“ wurde er 1965 mit dem Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie ausgezeichnet. 1968 erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland, 1980 das große Bundesverdienstkreuz. 92 Felix H. Man starb 1984 im Alter von 91 Jahren.
3.2.4.1.3 Robert Capa
Endre Ernö Friedmann alias Robert Capa wurde 1913 in Budapest geboren. Im Alter von 16 Jahren machte er die Bekanntschaft von Lajos Kassák, der ein Jahr zuvor die Zeitschrift Munka (Arbeit) und eine politische Künstlergruppe namens Munkakör (Arbeitskreis) gegründet hatte. Munka veröffentlichte ungarische Fotografen, die von Jacob Riis und Lewis W. Hine beeinflusst waren und auf Armut und soziale Ungerechtigkeit aufmerksam machen wollten. Capa nahm an Aktionen von Munka teil und beschloss, selbst Journalist zu werden. Am 12. Juli 1931 verließ Capa Ungarn und ging nach Berlin, um dort seine erste Stelle in der Dunkelkammer der Dephot (Deutscher Photodienst) anzutreten. Ein Jahr später, am 27. November 1932, gelang es Capa, eine Bilderserie von Trotzki 93 bei dessen Rede in Kopenhagen zu erstellen. Sie nahm im Weltspiegel eine ganze Seite ein und verbesserte Capas Position bei der Dephot deutlich. Seine Karriere wurde jedoch durch die politischen Umstände unterbrochen: 1933 floh er vor den Nationalsozialisten nach Paris, wo er zunächst in großer Armut lebte. 1934 trat er eine Assistentenstelle bei Hug Block an. 94
Capas Durchbruch kam 1937 während des spanischen Bürgerkrieges: dort entstand die Aufnahme vom Tod eines Soldaten, 95 die heute als die berühmteste Kriegsfotografie der Geschichte gilt. 96 Capa zog es immer wieder zu
92 vgl. Felix H. Man: Photographien aus 70 Jahren, Vorwort
93 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 21, S. 98
94 vgl. Richard Whelan: Die Wahrheit ist das beste Bild, S. 9 ff.
95 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 22, S. 98
96 vgl. Rainer Fabian/ Hans Christian Adam: Bilder vom Krieg, S. 253
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Kriegsschauplätzen. 1944 begleitete er die Landung der Alliierten in der Normandie. 97 Sein Ausspruch „Wenn ein Bild schlecht ist, warst Du nicht dicht genug dran“ wird weltberühmt.
1947 gründete Capa zusammen mit Henri Cartier-Bresson 98 , David Seymour 99 , Maria Eisner, George Rodger und William und Rita Vandivert die Fotoagentur Magnum. 100 Der Grundgedanke dabei war, eine Agentur zu gründen, die von Fotografen selbst geleitet wird und ihnen dadurch die Möglichkeit gibt, sich von Auftragsarbeiten zu lösen und ihre Themen selbst zu bestimmen. 101 (Mehr zur Agentur Magnum im Kapitel: Bildagenturen)
Am 25. Mai 1954 wurde Robert Capa bei einem Einsatz in Indochina von einer Mine getötet. 102
Zu Capas Ehren wurde die Auszeichnung “Robert Capa Gold Medal Award” ins Leben gerufen. Sie wird in Zusammenarbeit mit Time and Life Magazines vom Overseas Press Club of America verliehen und honoriert „die beste publizierte, fotografische Berichterstattung, die von außergewöhnlichem Mut und Engagement zeugt“. 103
3.2.4.1.4 Heinrich Hoffmann
Heinrich Hoffmann, geboren 1885 in Furth im Odenwald, war der mächtigste Mann in der nationalsozialistischen Illustriertenpresse. Seine Eltern besaßen ein Fotogeschäft, was Hoffmann früh mit der Materie vertraut machte. 1908 ließ er sich als selbstständiger Fotograf in München nieder. Als Hitler 1919 seine Partei gründete, bot die Zeitungsgruppe Hearst Hoffmann 5000 Dollar für Aufnahmen von Hitler. Um diesen Auftrag ausführen zu können, trat Hoffmann der Partei bei. Hitler wurde ein enger Freund und ließ sich von Hoffmann in verschiedenen Redeposen fotografieren 104 , um die Wirkung seiner Gestik beurteilen und verstärken zu können.
Bei der Machtergreifung Hitlers 1933, überließ der Diktator Hoffmann das Alleinrecht zur Veröffentlichung von Hitler-Fotografien. Im gleichen Jahr wurde
97 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 23, S. 98
98 Siehe Anhang/Glossar/Fotografen, S. 92
99 Siehe Anhang/Glossar /Fotografen, S. 92
100 vgl. Zeitblende, S. 7
101 vgl. Helmut Blecher, a.a.O., S. 40
102 vgl. http://www.wdr.de/themen/kultur/stichtag/2004/05/25.jhtml, Zugriff: 14.08.2005
103 vgl. http://www.opcofamerica.org/opc_awards/2004/application/application_04.pdf, Zugriff: 27.11.2005
104 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 24, S. 99
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Hoffmann Mitglied des Reichstages. Alle Zeitungen und Illustrierten mussten Fotografien von Hitler über Hoffmann beziehen, was ihn sehr vermögend machte. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges organisierte Hoffmann Fotozentralen, an die alle Fotografien, die an der Front gemacht wurden, eingesandt werden mussten. Aus diesen Bildern suchte er diejenigen aus, die für die deutsche Propaganda am geeignetsten waren. Die Einnahmen aus den Reproduktionsrechten gingen vollständig an ihn.
1945 kam es zur Beschlagnahmung der Archive Hoffmanns durch die Alliierten. Er selbst wurde zwei Jahre später als typischer Nutznießer des Dritten Reiches zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sein Vermögen wurde eingezogen. In der Folgezeit gab es mehrere Verfahren gegen Hoffmann. 1957 wurden Sie allerdings alle eingestellt. Hoffmann starb im gleichen Jahr im Alter von 72 Jahren. Kopien des Hoffmann-Archivs sind mittlerweile weltweit bei diversen Fotoagenturen einsehbar. 105
Die Pressefotografie wurde durch ihren vermehrten Einsatz in den Printmedien gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu einem eigenständigen Wirtschaftszweig. Neben den, bereits erwähnten, illustrierten Tageszeitungen haben einige Magazine dazu beigetragen, der Pressefotografie einen besonderen Stellenwert als eigenständige Branche und bisweilen auch unabhängige Kunstform zu geben. Die einflussreichsten Veröffentlichungen, Life und Vu, sollen hier aufgeführt werden.
3.2.4.2 Einflussreiche Veröffentlichungen
3.2.4.2.1 Life
Am 23. November 1936 erschien die erste Ausgabe des Life-Magazines mit einer Auflage von 466 000 Exemplaren. Life bestand fast ausschließlich aus Fotografien. Dieses Konzept war nicht neu: die New York Times gab bereits seit 1896 eine wöchentlich erscheinende Fotobeilage heraus. Andere Zeitschriften, wie die Midweek Pictorial, Panorama oder Parade folgten diesem Beispiel. Keine dieser Zeitschriften hatte jedoch einen mit Life vergleichbaren Erfolg: Die Auflage des Life- 105 vgl.Gisèle Freund, a.a.O., S. 137 ff.
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Magazines stieg im ersten Jahr bereits auf eine Million, im Jahr 1972 lag sie bei mehr als acht Millionen.
Die Gründung des Life-Magazines durch Henry R. Luce traf den Zeitgeist der dreißiger Jahre: das Medium Film zog Tag für Tag Millionen von Zuschauern ins Kino und steigerte die Nachfrage an visuell erfassbaren Informationen. Weitere Voraussetzungen waren viel versprechend: die populären Fotografen Salomon und Man wurden von Life engagiert. Außerdem war es war nun möglich, Bilder telegraphisch zu übertragen, und die Qualität des Farbdrucks verbesserte sich dramatisch.
Der wichtigste Erfolgsfaktor war allerdings die Werbung. Die Umwandlung Amerikas vom Agrarstaat zur Industrienation und die damit einhergehende Massenproduktion von Konsumgütern machte Produktwerbung notwendig. Zeitschriften wie Life, die im Gegensatz zu Lokalzeitschriften landesweit verbreitet und gelesen wurden, waren für die Produzenten dieser Güter als Werbeträger besonders interessant. Die erste Ausgabe von Life bestand aus 96 Seiten, ein Drittel davon Werbung.
Die erste Seite zeigte eine Fotografie, auf der die Geburt eines Kindes dargestellt ist. 106 Die Bildunterschrift: „Das Leben beginnt.“
Der Erfolg von Life war neben den Fotografien eng mit der Themenauswahl Henry R. Luces, Gründer und Besitzer der Dachgesellschaft Time inc., verknüpft. Luce galt als konservativ und patriotistisch, in Life wurden schockierenden Berichte oder Fotografien vermieden. Und der Erfolg gab im Recht. Die Krise kam gegen Ende der sechziger Jahre. Die Werbeeinnahmen gingen zurück, da Life langfristige und fest dotierte Werbeverträge geschlossen hatte, die Produktionskosten als Folge der Inflation jedoch deutlich anstiegen. 1971 schätzte man die Kostensteigerung für Papier, Druck, Löhne und Versandkosten im Vergleich zum Vorjahr auf ungefähr 35 Prozent. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Life für die Muttergesellschaft Time inc. den größten Gewinn abgeworfen. Nun wurden Verluste eingefahren.
106 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 25, S. 99
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Am 9. Dezember 1972 titelte der International Herald Tribune: „Life Magazine ist im Alter von 36 Jahren gestorben.“ Die letzte Ausgabe des wöchentlich herausgegebenen Life-Magazines erschien am 28. Dezember 1972. 107 Bis zu diesem Zeitpunkt galt Life als die führende Fotoillustrierte der Welt. 108 1978 wurde Life als Monatsmagazin neu gestartet, im Jahr 2000 endgültig eingestellt. 109
3.2.4.2.2 Vu
Das französische Magazin Vu wurde 1928 von dem Verleger, Journalist, Maler und Zeichner Lucien Vogel gegründet. Vogel beschäftigte die besten Fotografen seiner Zeit, unter anderem André Kertesz, Laure Albin-Guillot, Felix H. Man, Lucien Aigner und Robert Capa. Dessen berühmtestes Foto, die Aufnahme eines spanischen Republikaners in dem Moment, als er von einer Kugel getroffen wird, erschien 1936 zum ersten Mal in Vu.
Die erste Ausgabe von Vu (28. März 1928) enthielt bereits mehr als 60 Fotografien und wurde von Vogel folgendermaßen eingeleitet: „In einem neuen Geist und mit neuen Mitteln realisiert, bringt Vu ein neues Prinzip nach Frankreich: die Bildreportage mit Informationen aus aller Welt.“
Vogels Affinität zur politischen Linken wurde durch seine Themenauswahl und die Art ihrer Präsentation deutlich: 1932 erschien ein Sonderheft mit dem Titel „Das deutsche Rätsel“. Auf 125 Seiten und mit Hilfe von über 430 Fotografien wurde Frankreich vor dem Nazismus gewarnt. Ein Jahr später gab Vogel „Das Jahr XI des Faschismus“ mit ähnlicher Intention heraus. Diese Linkstendenz missfiel den Vertretern der Grossindustrie, die als Werbekunden maßgeblichen Einfluss auf das Bestehen von Vu hatten. Als Vogel schließlich 1936 ein Sonderheft veröffentlichte, in dem er den spanischen Bürgerkrieg aus republikanischer Sicht schilderte, wurde er entlassen. Zwei Jahre später kam es zur Einstellung des Vertriebs. Als Henry Luce, Gründer von LIFE, vom Tod Vogels im Jahr 1954 erfuhr, telegrafierte er an Vogels Familie: „Ohne Vu hätte es LIFE nie gegeben.“ 110
107 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 149 ff.
108 vgl. Helmut Blecher, a.a.O., S. 26
109 Wikipedia; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Life, Zugriff: 21.08.2005
110 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 139 ff.
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Einige populäre Fotografen standen im direkten Kontakt zu den veröffentlichenden Medien, zum Beispiel Salomon und Man, die direkt von Life engagiert wurden. In den meisten Fällen gab und gibt es jedoch ein Bindeglied zwischen den visuellen Medien und den Fotografen: die Bildagenturen. Die historisch bedeutendsten Agenturen werden im Folgenden kurz vorgestellt.
3.2.4.3 Bildagenturen
3.2.4.3.1 Dephot
Die Bildagentur Dephot (Deutscher Photodienst) wurde 1928 von Simon Guttmann gegründet. Sie unterschied sich in ihrer Arbeitsweise von anderen Fotoagenturen, deren Hauptaugenmerk auf der Katalogisierung und dem Vertrieb von Fotomaterial lag. 111 Die Dephot dagegen nahm Fotografen unter Vertrag und stellte eigenständige, journalistische Recherchen an. Bereits ein Jahr nach der Gründung konnte Guttmann Felix H. Man für den Posten als Leiter der Produktionsabteilung „Bildbericht“ gewinnen.
In enger Zusammenarbeit mit Stefan Lorant, dem Begründer und Förderer der Fotoreportage, beschäftigte die Dephot nach und nach mehrere Fotografen, die heute Berühmtheit erlangt haben: Robert Capa, Umbo, Kurt Hübschmann, Walter Bosshard und andere. Dennoch litt die Agentur ständig an Liquiditätskrisen: 1932 musste Guttmann Konkurs anmelden. 112
3.2.4.3.2 Magnum
Die Bildagentur Magnum Photos, Inc. wurde 1947 von Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, Maria Eisner, David Seymour (Chim), George Rodger und William und Rita Vandivert gegründet. Die Gründer suchten nach einer Möglichkeit, ihr Eigentumsrecht an Fotonegativen zu schützen und die Kontrolle über die publizistische Verwendung ihrer Fotografien zu übernehmen. Romeo Martinez, Kenner der Fotografie des 20. Jahrhunderts, formuliert dies wie folgt: „Capa hatte eine fixe Idee, die sich als vernünftigster Gedanke in der Geschichte der Photographie herausstellen sollte: dass der Journalist nichts ist, wenn er nicht die
111 vgl. Jose Macias: Die Entwicklung des Bildjournalismus, S. 14 f.
112 vgl. Richard Whelan: Die Wahrheit ist das beste Bild, S. 54
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Rechte an seinen Negativen besitzt. Die Kooperative war die beste Form, diese Rechte zu sichern und die Handlungsfreiheit eines jeden Photoreporters zu garantieren. Kurz gesagt, Capa und seine Freunde haben das Urheberrecht in der Photographie erfunden.“
Außerdem sollte eine eigene Agentur den direkten Verkauf ihrer Arbeiten an Zeitschriften ermöglichen. Am 22. Mai 1947 wurde die neu gegründete Agentur ins Handelsregister eintragen. Robert Capa übernahm die Präsidentschaft. Nach seinem Tod 1954 leitete Chim die Agentur. Zwei Jahre später starb er in Ägypten, vier Tage nach dem Waffenstillstand, durch den Schuss eines arabischen Soldaten.
Trotz dieser Verluste entwickelte sich Magnum stetig weiter. Laut Pierre de Fenoyl vereinigte die Kooperative zehn Jahre nach ihrer Gründung die fünfundzwanzig besten Fotografen der Welt unter einem Dach. Die geschäftliche Führung übernahm für vier Jahre Cornell Capa, Robert Capas Bruder. Er geriet jedoch mit Henry Cartier-Bresson in einen Konflikt, die weitere Entwicklung Magnums betreffend. Henry Cartier-Bresson plädierte gegen eine große Expansion und setzte sich durch: Magnum blieb eine Agentur mit weniger als 50 Mitarbeitern und einer lockeren Büroorganisation mit etwa 17 Angestellten.
Diese unbürokratische Organisation ist noch immer ein wichtiger Teil von Magnum. Der 1989 amtierende Präsident Burt Clinn: „Da die Photographen niemandem das Recht einräumen wollen, über ihr Leben zu bestimmen, hat Magnum niemals eine rational strukturierte Organisation mit einem Mitglied an der Spitze gehabt. Der Vorsitzende dient als einheitstiftende Kraft, und die verschiedenen Abteilungen berichten ihm, etwa wie aufsässige Fürsten einem auf Zeit gewählten König berichten. Es ist nicht leicht, und es ist kein gutes Management, aber es ist Magnum, und wir können damit leben… Kurz, der Präsident ist der Letzte unter Gleichen.“ 113
Ein Fotograf, der Mitglied von Magnum werden will, muss drei Phasen durchwandern, die insgesamt mindestens vier Jahre dauern: Nominierter, Mitarbeiter, Mitglied. Ebenso wie der Präsident und die Vorstandmitglieder wird er auf dem „Annual General Meeting“ (AGM) nominiert bzw. für die nächst höhere
113 vgl. Zeitblende, S. 7ff.
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Position empfohlen. Das AGM 2005 fand vom 23. bis 26. Juni statt. Dort wurde Paolo Pellegrin zum Mitglied ernannt. Mark Power und Trent Parke avancierten zum Mitarbeiter, Maya Goded wurde als Nominierte bestätigt und Christopher Anderson, Geert Van Kesteren, Simon Wheatley und Cristina Garcia Rodero neu nominiert. Thomas Hoepker wurde zum Präsidenten gewählt. 114
Beim historisch interessierten Blick auf die Entwicklung der Pressefotografie darf neben der Beschreibung einflussreicher Personen, Veröffentlichungen oder Agenturen das Voranschreiten der technischen Entwicklung nicht unberücksichtigt bleiben. Die Meilensteine der frühen Fototechnik werden im folgenden Abschnitt detaillierter erörtert.
3.2.4.4 Technischer Fortschritt
3.2.4.4.1 Ermanox
1924 sorgte die Firma Ernemann in Dresden für eine Sensation: sie präsentierte die Ermanox, einen kleinen, handlichen Apparat für Platten in der Größe 4,5 x 6 cm. Dazu das zu dieser Zeit lichtstärkste Objektiv, konstruiert von Ludwig Berthele. Der wohl berühmteste Kunde der Firma Ernemann war Dr. Erich Salomon, der die Vorzüge der Ermanox im Hinblick auf Diskretion, Lichtempfindlichkeit und Schnelligkeit besonders schätzte. 115 Er nutzte die Ermanox bis etwa 1932, dann stieg er gänzlich auf das Kamerasystem der Firma Leica um. 116 Nachteil der Ermanox war ihr Aufnahmematerial. Die auszuwechselnden Glasplatten nahmen zuviel zusätzliche Zeit beim Fotografieren in Anspruch. 117
3.2.4.4.2 Leica
1925 wurde die Leica 118 von der Firma Leitz zum ersten Mal auf der Leipziger Messe vorgestellt. Ihr Erfinder war Oskar Barnack, ein Spezialist für Präzisionsgeräte. Die kleinformatige und handliche Leica bedeutete eine Revolution für die Arbeit des Berufsfotografen: der verwendete Film ermöglichte es, 36 Bilder
114 vgl.
http://www.magnumphotos.com/c/htm/StaticPage_MAG.aspx?page=../../Static/media/MAGNUM%20AGM%20PRESS%
20RELEASE.pdf, Zugriff: 31.08.2005
115 vgl. Walter Koschatzky, a.a.O., S. 304
116 vgl. Erich Salomon: Der unsichtbare Photograph, S. 7
117 Vgl. Christian Ferber: Bilder vom Tage, S. 163
118 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 26 S. 99
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Die Pressefotografie - Geschichtlicher Hintergrund - Die historische Entwicklung der Pressefotografie
ohne Unterbrechung zu belichten. Die Produktionszahlen verdeutlichen die Marktdurchsetzung der Leica: 1927 wurden tausend Apparate verkauft, 1928 bereits zehntausend. 1931 stieg die Zahl auf 50 000 an und 1933 erreichte sie eine Stückzahl von 100 000. 1980 überstieg die Produktionsziffer weit die Millionengrenze. 119
3.2.4.4.3 Rolleiflex
1929 kam die Rolleiflex auf den Markt. 120 Die erste zweiäugige Spiegelreflexkamera für Rollfilm wurde von der Firma Rollei, ursprünglich Franke & Heidecke Fabrik Photographischer Prazisionsapparate, entwickelt. Die Kamera war so erfolgreich, dass das Unternehmen aus Braunschweig die Anzahl seiner Mitarbeiter von 40 auf 800 steigern konnte. 121 Zwei Jahre später kam die „Baby-Rolleiflex“, die Rolleiflex 4x4 als verkleinerte Version der Rolleiflex auf den Markt. Sie belichtete im Format 4x4 cm. 122 Ihr Nachfolgermodell, die Rolleicord, war eine etwas preiswertere Version der recht teuren Rolleiflex. 123 1937 gewann die Rolleiflex den großen Preis der Weltausstellung. 124
Die technische Weiterentwicklung der Kameras ist auch heute noch längst nicht abgeschlossen. Im nächsten Kapitel wird im technischen Teil das Hauptaugenmerk auf der digitalen Fotografie liegen. Dabei kommen auch Berufsfotografen zu Wort, die erläutern, wie sich ihre Arbeit durch die Entwicklung der Digitalfotografie und der daraus resultierenden, wachsenden Konkurrenz durch Amateurfotografen verändert hat.
119 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 133 ff.
120 vgl. Christian Ferber, a.a.O., S. 163
121 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Rollei, Zugriff: 23.08.2005
122 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Rollei_Rolleiflex#Geschichte_der_Rolleiflex-Kameras, Zugriff: 23.08.2005
123 vgl. http://www.rollei.de/index_d.html, Zugriff: 23.08.2005
124 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Rollei, Zugriff: 23.08.2005
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
4. Der aktuelle Stand der Pressefotografie
4.1 Der World Press Photo Award 2005
Der jährlich verliehene World Press Photo Award gilt als einer der renommiertesten Preise im Bereich der Pressefotografie. Er wurde 1955 zum ersten Mal verliehen. Die Auszeichnung „World Press Photo of the Year“ gewann damals der Däne Mogens von Haven. 179
Die für den Wettbewerb 2005 eingereichten Arbeiten (69 190 Einsendungen von 4266 Fotografen) ermöglichen einen aktuellen Überblick über die heutigen Pressefotografen und ihre Arbeitsweise, Themenauswahl und ästhetische Sichtweise. Im Folgenden werden stellvertretend für diesen Berufszweig Arko Datta, der Preisträger des World Press Photo Award 2005, sowie die Gewinner des ersten Preises in den 20 Kategorien kurz vorgestellt.
Die Informationslage zu den einzelnen Fotografen ist nicht homogen. Einige sind ausschließlich aufgrund des World Press Photo Awards in den Medien vertreten, andere, James Nachtwey zum Beispiel, sind Stars der aktuellen Fotografenszene. Dementsprechend sind einige Biographien oder Beschreibungen ausführlicher als andere. Dies ist jedoch mit keiner Wertung verbunden, sondern lediglich auf die Möglichkeiten zur Recherche zurückzuführen, die in einigen Fällen sehr beschränkt ist. Aus diesem Grund habe ich alle Fotografen per e-Mail kontaktiert. 180 In meinem Anschreiben habe ich ihnen folgende vier Fragen gestellt:
1. Why did you decide to become a press photographer?
2. What - in your opinion - is the duty of press photography?
3. Was there one assignment you'll never forget? And why?
4. What changes make digital photography? What about the future of professional photographers?
179 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 27, S. 99
180 Anm. d. Verf.:Ich danke an dieser Stelle dem Komitee des World Press Photo Award für die Bereitstellung der im Internet nicht auffindbaren e-Mailadressen
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Die Antworten auf die ersten drei Fragen, die ich erhalten habe, sind in der jeweiligen Kurzbeschreibung der preisgekrönten Fotografie bzw. in den Kurzbiographien der Fotografen zu finden. Frage vier wird im Kapitel „Die digitale Fotografie“ von Belang sein und dementsprechend dort aufgeführt. Im Anhang kann man alle e-Mails im Original lesen.
Die Kategorien beim World Press Photo Award und die jeweiligen Preisträger sind: 181
1. Spot News singles 2. Spot News stories Preisträger: Arko Datta (World Press Preisträger: Dean Sewell Photo Award Winner)
3. General News singles 4. General News stories Preisträger: J.F. Diorio Preisträger: James Hill
5. People in the News singles 6. People in the News stories Preisträger: Kristen Ashburn Preisträger: Christopher Morris
7. Sports Action singles 8. Sports Action stories Preisträger: Bob Martin Preisträger: David Burnett
9. Sports Features singles 10. Sports Features stories Preisträger: Adam Pretty Preisträger: Daniel Silva Yoshisato
11. Contemporary Issues singles 12. Contemporary Issues stories Preisträger: James Nachtwey Preisträger: Michael Wolf
13. Daily Life singles 14. Daily Life stories Preisträger: David Guttenfelder Preisträger: Jan Grarup
15. Portraits singles 16. Portraits stories Preisträger: Francesco Zizola Preisträger: Adam Nadel
17. Arts and Entertainment singles 18. Arts and Entertainment stories Preisträger: Tommaso Bonaventura Preisträger: Lars Tunbjörk
19. Nature singles 20. Nature stories Preisträger: Jahi Chikwendiu Preisträger: Carsten Peter
Alle Siegerfotos sind im: „Abbildungsverzeichnis - Gewinner des World Press Photo Award 2005“ zu finden.
181 vgl. http://www.worldpressphoto.nl/, Zugriff: 31.08.2005
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
4.1.1 Der Gewinner des World Press Photo Award 2005 & Spot News/ 1. Preis Einzelfotos: Arko Datta
Arko Datta wurde 1969 in Delhi, Indien geboren. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften absolvierte er ein Aufbaustudium im Bereich Journalistik und Massenkommunikation und arbeitete anschließend beim Indian Express in Madras, bevor er zur AFP in Kalkutta und schließlich, 2001, zu Reuters wechselte. Er hat bereits mehrere Auszeichnungen gewonnen, darunter die beiden höchsten Preise des Indian Express-Fotowettbewerbs und den jährlichen Fotojournalismus-Wettbewerb in Bombay 2004. 182
Das Siegerfoto des World Press Photo Award zeigt eine Frau in Cuddalore, Indien. Sie kniet im Sand und hat ihren Kopf auf den Boden gelegt. Ihre Handflächen zeigen nach oben, eine Körperhaltung, die an Gebet oder Anklage erinnert. Neben ihr liegt ein einzelner Schuh, am linken Bildrand sieht man eine Hand.
Die Frau trauert um ein Familienmitglied, das durch den Tsunami getötet wurde. Es ist interessant, wie Datta die Entstehung des Fotos beschreibt: „Ich musste schnell handeln, während ich gleichzeitig im Hinterkopf über die Komposition nachdachte. Zuerst machte ich ein Foto von der ganzen Szene, aber die Leiche war aufgequollen, kein angenehmer Anblick, und ich hatte den Eindruck, dass es nicht der Sache diene, dies zu zeigen. Grausigkeit kann die Aufmerksamkeit vom Hauptthema eines Bildes oder vom ganzen Foto ablenken. Also machte ich nach ein paar Fotos eine Aufnahme, auf der nur die Hand zu sehen ist.“ 183
4.1.2 Spot News/ 1. Preis Fotoserien: Dean Sewell
Die Fotoserie von Dean Sewell entstand in der indonesischen Provinz Aceh, am Westzipfel von Sumatra. Dieses Gebiet ist dem Epizentrum des Erdbebens vom 26. Dezember 2004 am nächsten. Mehr als 70 Prozent der Einwohner mancher Küstendörfer in Aceh verloren ihr Leben durch den Tsunami. 184
Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen Trümmer, in denen Leichen verborgen sind. Überlebende tragen Mundschutz und Verbände. Einzelne Kinder wirken verloren
182 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 7
183 vgl. ebda.
184 vgl. ebda., S. 131
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
und hilflos in diesem Chaos. Dennoch fokussiert jede Fotografie die abgebildete Person oder Personengruppe, so dass ein distanziertes Betrachten der Aufnahme erschwert wird.
Der 1971 geborene Dean Sewell begann seine Karriere beim Sydney Morning Herald. Heute arbeitet er als Freelancer für australische und internationale Magazine und ist Mitbegründer der Fotoagentur Oculi, 185 über die im Kapitel „Bildagenturen“ noch detaillierter berichtet wird. Er wurde mehrmals mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet: 2000 für seine Arbeiten in Ost Timor, 2002 für seine Aufnahmen des australischen Buschfeuers und schließlich 2005 für die Aufnahmen aus dem Erdbebengebiet Aceh. Außerdem wurde er 1994 und 1998 zum Australian Press Photographer Of The Year gewählt. 186
4.1.3 General News/ 1. Preis Einzelfotos: J.F. Diorio
Diorio fotografierte am 30. August 2004 ein Feuer im Elendsviertel Buraco Quente im Süden von Sao Paulo, Brasilien. Innerhalb weniger Minuten wurden 200 Hütten zerstört, es kam jedoch niemand ums Leben. Das Foto entstand im Auftrag der brasilianischen Zeitung O Estado de São Paulo. 187
Die Aufnahme zeigt eine heruntergekommene Häuserfront, in deren Hintergrund das Feuer wütet. Im rechten, unteren Bildabschnitt ist eine einzelne Person zu sehen. Eine junge Frau ist gegen die Häuserwand gelehnt, mit ihrer rechten Hand schützt sie die Augen vor dem Rauch. Ihr Gesicht ist demnach verdeckt, auch ihre restliche Gestalt ist wenig belichtet und unauffällig. Dennoch zieht sie den Blick des Betrachters auf sich: Sie ist auf sich allein gestellt und verkörpert damit die Machtlosigkeit der betroffenen Bevölkerung gegenüber der Naturgewalt.
Diorio hat Grafik-Design studiert. Während des Studiums kam er mit den Arbeiten von Henry Cartier Bresson, Robert Capa, Helmut Newton und anderen berühmten Fotografen in Berührung und beschloss, selbst Fotograf zu werden. An der Pressefotografie im Speziellen reizte ihn die Möglichkeit, im entscheidenden Moment vor Ort sein zu können und Emotionen direkt einzufangen. Die Aufgabe
185 vgl. http://www.oculi.com.au/oculi.html, Zugriff: 10.10.2005
186 ebda., Zugriff: 20.11.2005
187 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 10
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
der Pressefotografie besteht seiner Meinung nach darin, klar und objektiv zu dokumentieren, was wirklich geschehen ist. Diese Objektivität macht er sich selbst bei seiner Tätigkeit zur Aufgabe. Er sagt: „I have to register the history, never make the history, sometimes in few specific situations I can fell part of the history, never be the history. The photographer to get a great picture have to be invisible in the scenery of the history.” 188
4.1.4 General News/ 1. Preis Fotoserien: James Hill
James Hill dokumentierte 2004 für die New York Times die Auswirkungen der Geiselnahme von Beslan auf das Schulwesen in dieser Region. Tschetschenische Freiheitskämpfer hatten in der Schule 1 mehr als 1200 Schüler, Eltern und Lehrer als Geiseln genommen. Über 330 Menschen verloren ihr Leben. 189
Seine Fotoserie besteht aus Momentaufnahmen in Schwarz-Weiß. Man sieht zwei Jungen im Anzug und Fliege, die in einem leeren Schulkorridor stehen. Der Physiksaal der Schule 1 ist verwüstet, vor Schule 6 stehen bei Schulbeginn Wachposten, ein Polizist und ein bewaffneter Mann in Militärkleidung. Der Mann, der wie ein Soldat aussieht, entpuppt sich als Vater einer der Schüler. Zum Gedenken an die exekutierten Männer sind auf einem Stuhl unzählige Zigaretten aufgetürmt und angezündet worden, in den Trümmern finden sich einzelne Schuhe oder Stofftiere und zwischen den Ruinen sind gut sichtbar die Reste der Habseligkeiten der Opfer aufgetürmt. Um die Erlebnisse besser verarbeiten zu können, haben die Kinder Bilder von der Geiselnahme gemalt und aufgehängt.
Der in London geborene James Hill begann seine Karriere nach dem Studium in Oxford und am London College of Printing. Von 1991 bis 2001 arbeitete er in Russland, ab 1995 für die New York Times in Moskau. Er erhielt unter anderem 2003 den Pulitzer Preis für seine Aufnahmen aus Afghanistan und arbeitet nach wie vor für die New York Times und zahlreiche andere wichtige Nachrichtenmagazine in Europa und den Vereinigten Staaten. 190
188 Originaltext siehe Anhang/Materialien/e-Mails, S. 127 f.
189 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 15
190 vgl.
http://www.laif.de/de/article/10586.html?mode=infos&WGSESSID=076267fb9df5a6dcb70e666cb1577f1a&POTID=8500f474 d9e048d59b1a020c7b01d389, Zugriff: 11.10.2005
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Seine Entscheidung, Pressefotograf zu werden, lag in seinem Wunsch begründet, international als Journalist zu arbeiten. Die Fotografie erschien ihm dabei als der interessanteste Weg. Er hat einen sehr nüchternen Blick auf seinen Berufsstand: Er hält die Pressefotografie für selbstsüchtig und es demnach für unangemessen, ihr eine „Aufgabe“ beizumessen. Schließlich sind Nachrichten ein Gut der Medienwirtschaft. Er erwartet nicht, mit seinen Fotografien etwas zu verändern, vielmehr sind sie eine „Erleuchtung“ für ihn selbst, nicht für andere. Er gibt jedoch zu, dass es einige wenige Fotografien gibt, die eine Veränderung herbeiführen konnten. Im Hinblick auf seine eigene Arbeit räumt er mögliche Effekte beim Betrachter ein: „If people look at the work and find something in it, a voice, an emotion that they recognise or understand then that is a plus but I don't believe that it is a public service”. 191
4.1.5 People in the News/ 1. Preis Einzelfotos: Kristen Ashburn Das Foto von Kristen Ashburn zeigt den 22-jährigen Mohammed Jaber Daffallah in der Leichenhalle. Der junge Mann wurde von der israelischen Armee mit einem Kopfschuss getötet, als er im Gazastreifen aus seinem Schlafzimmerfenster schaute. 192
Auffällig sind die Geometrie und die starke Ästhetisierung der Aufnahme. Das Grau der Bahre und das Weiß des Raums kontrastieren mit der einzigen wirklichen Farbigkeit des Bildes, dem Rot des Blutes. Die klaren Formen strahlen eine große Ruhe aus, die im Gegensatz zur Dramatik des Sujets steht. Dieser Widerspruch macht die starke Wirkung des Bildes aus.
Kristen Ashburn wurde 1973 in Pennsylvania geboren. 2002 wurden ihre Arbeiten über die AIDS-Verbreitung in Südafrika mit dem Marty Forscher Stipendium für Humanistische Fotografie ausgezeichnet. Sie wird seit 2001 von der Agentur Contact Press Images vertreten. 193
4.1.6 People in the News/ 1. Preis Fotoserien: Christopher Morris Die Farbfotografien von Christopher Morris verdeutlichen die gewaltige Dimension von Wahlkämpfen in den USA. Personen verlieren sich in großen Hallen,
191 Originaltext siehe Anhang/Materialien/e-Mails, S. 128 f.
192 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 110
193 vgl. http://www.contactpressimages.com/portfolios/ashburn/ashburn_bio.html, Zugriff: 11.10.2005
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
gewaltigen Säulen und Menschenmassen. Im Vergleich zu Politikern und ihren Fotografien rücken sie in den Hintergrund, sie sind nur schemenhaft zu erkennen oder bis auf den Flagge schwenkenden Arm gar nicht sichtbar.
Christopher Morris, 1958 in den USA geboren 194 , beobachtete 2004 den Wahlkampf und die Wiederwahl von George W. Bush im Auftrag des Time Magazines. 195 Drei Jahre zuvor hatte er, gemeinsam mit Alexandra Boulat, Ron Haviv, Gary Knight, Antonin Kratochvil, James Nachtwey und John Stanmeyer die Agentur VII gegründet 196 , die im weiteren Verlauf dieser Abhandlung noch detaillierter beschrieben wird.
Morris ist „war photographer“ und gehört damit zu einer kleinen Gruppe von weniger als 20 Fotografen, deren selbst gewählte Aufgabe das weltweite Dokumentieren bewaffneter Konflikte ist. In seiner Karriere hat Morris mehr als 18 Konflikte fotografisch begleitet, unter anderem die brutalen Machenschaften im Drogenhandel Kolumbiens, den Guerillakrieg in Afghanistan, die amerikanische Invasion in Panama und die Revolutions- und Widerstandskämpfe in Chechnya, Russland. Seine Arbeit wurde häufig prämiert: Neben mehreren World Press Photo Award-Auszeichnungen erhielt er den Robert Capa Gold Medal Award und den Olivier Rebbot Award vom Overseas Press Club, den Magazine Photographer Of The Year Award der Universität von Missouri und The Infinity Photojournalist Award des International Center of Photography. 197
4.1.7 Sports Action/ 1. Preis Einzelfotos: Bob Martin
Die prämierte Fotografie zeigt den an allen Gliedmaßen amputierten spanischen Schwimmer Xavi Torres. 198 Er ist gerade gestartet, sein Oberkörper taucht in das Wasser ein. Hinter dem Sprungturm steht eine Kiste, auf der seine Beinprothesen abgelegt wurden. Torres startete im September 2004 bei den Paralympics in Athen und gewann eine Silbermedaille bei den 150 m-Lagen und Bronze in der 50 m-Lagen-Staffel. Diese Dualität zwischen sportlichem Erfolg und körperlicher Beeinträchtigung wird bei der Aufnahme deutlich: Der Betrachter erkennt eine Aufteilung in zwei nahezu gleichgroße Teile. Links sieht man die Prothesen vor
194 vgl. http://de.photography-now.de/artists/k16360.html, Zugriff: 12.10.2005
195 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 115 ff.
196 vgl. http://www.micr.ch/D/EXHIB/explore_current_d_war4.html, Zugriff: 12.10.2005
197 vgl. http://www.viiphoto.com/photographer-bio.php?photographer=Christopher%20Morris, Zugriff: 20.11.2005
198 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 60
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
einem einfarbigen Hintergrund, rechts den Schwimmer und das ihn umgebende Wasser. Der gekachelte Beckenrand und der Sprungturm stellen die Trenn- oder Verbindungslinie dar.
Bob Martin fotografiert seit etwa 20 Jahren bevorzugt sportliche Ereignisse in Großbritannien und gewann über 40 nationale und internationale Wettbewerbe. 199 Seine Laufbahn als Fotograf begann als Assistent eines Industriefotografen in Teddington. 200
4.1.8 Sports Action/ 1. Preis Fotoserien: David Burnett
Einige der Fotografien David Burnetts, die 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen entstanden sind, 201 wirken wie Aufnahmen eines Tischhockeyspiels. Die Mitglieder der australischen und neuseeländischen Feldhockey-Damenmannschaften erinnern an Kunststoffminiaturen und wirken gänzlich künstlich und surreal.
David Burnett wurde 1946 in Salt Lake City geboren 202 und startete seine Karriere 1968 als Freelancer bei Time und später beim Life Magazine. Er war der letzte angestellte Life-Fotograf, bevor die Produktion des Magazins eingestellt wurde, und ist Mitbegründer der 1975 entstandenen Contact Press Images in New York. 203 Er hat in über 60 Ländern gearbeitet, unter anderem 1973 in Chile zur Zeit des Putsches und sechs Jahre später im Iran während der Revolution. Er dokumentierte 1984 die Hungersnot in Äthiopien, den Fall der Berliner Mauer 1989 und die amerikanische Militärintervention in Haiti 1994. 1973 gewann er die Robert Capa Gold Medal und 1984 den Olivier Rebbot „Best Reporting From Abroad“ Award des Oversea Press Clubs. Mit dem World Press Photo Award wurde er zum ersten Mal 1979 ausgezeichnet. 204
199 vgl. http://www.bobmartin.com/index1.html, Zugriff: 12.10.2005
200 Originaltext siehe Anhang/Materialien/e-Mails, S. 129
201 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 64
202 vgl. http://www.contactpressimages.com/portfolios/burnett/burnett_bio.html, Zugriff: 20.11.2005
203 vgl. http://www.davidburnett.com/content.html?page=1, Zugriff: 12.10.2005
204 vgl. http://www.contactpressimages.com/portfolios/burnett/burnett_bio.html, Zugriff: 20.11.2005
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
4.1.9 Sports Features/ 1. Preis Einzelfotos: Adam Pretty
Adam Prettys Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt den Startsprung bei den 200 m-Freistil-Wettkämpfen aus der Vogelperspektive. 205 Die Körper der Sportler sind alle leicht nach rechts gedreht, ihre Schatten spiegeln sich auf der Wasseroberfläche und ihre Beine und die Trennlinien zwischen den Bahnen sind verschwommen. Perspektivisch erwächst der Eindruck, die Schwimmer würden nach oben springen. Dadurch wirkt die Fotografie verwirrend, surreal und spannend.
Prettys Laufbahn als Sportfotograf begann bereits während seiner Schulzeit: Er fotografierte das Rugbyteam und verkaufte seine Abzüge an Klassenkameraden. Mit 16 Jahren besuchte er eine Ausstellung von Tim Clayton und Craig Golding, zwei australischen Fotografen, die ihm anboten, sich seine Fotografien anzusehen und zu kommentieren. 206 Dieses Erlebnis beeinflusste maßgeblich seine Berufswahl. 207
Seine professionelle Karriere begann schließlich beim Sydney Morning Herald, wo er Mitte der neunziger Jahre vom Bildbearbeiter zum eigenständigen Fotograf aufstieg. Heute arbeitet er für Getty Images. 208
4.1.10 Sports Features/ 1. Preis Fotoserien: Daniel Silva Yoshisato Yoshisatos Bilderserie entstand in Churubamba, einem Bauerndorf in Peru. Die dort lebenden Frauen kombinieren ihre bäuerlichen Tätigkeiten leidenschaftlich mit Fußballspielen. 209
Die intensiven, leuchtenden Farben unterstreichen die naive und unschuldige Ausdruckskraft der Fotografien. Es ist auffällig, dass Yoshisatos Fotografien keinen sozialkritischen Anspruch haben und sich damit vom Gros der eingereichten Arbeiten abheben. Jurymitglied Diego Goldberg beschreibt die Arbeit Yoshisatos folgendermaßen: „It’s such a naïve story. That picture caused some reaction from some of the jury because it was not very sophisticated. It was not shot how a
205 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 49
206 vgl. http://contributors.gettyimages.com/article.asp?article_id=509, Zugriff: 20.11.2005
207 Originaltext siehe Anhang/Materialien/e-Mails, S. 129 f.
208 vgl. http://www.photoreview.com.au/Articlexasp/a083ab2c-82d3-4e05-9a98-5ac54fd0e796/Default.htm, Zugriff:
12.10.2005
209 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 53
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Western European or American photographer would have done it, but I thought the style reflected the substance of the story very, very well.”
4.1.11 Contemporary Issues/ 1. Preis Einzelfotos: James Nachtwey James Nachtwey dokumentierte 2004 das Elend der schwarzafrikanischen Bevölkerung im Sudan. Nach Angriffen arabischer Milizen starben etwa 100 000 Menschen. 2 Millionen flüchteten vor dieser Form der ethnischen Säuberung.
Nachtweys ausgezeichnete Fotografie zeigt eine Flüchtlingsfrau, die sich im Krankenhaus in West Darfur um ihren Sohn kümmert, der an Hepatitis E erkrankt ist. 210 Ausschlaggebend für die sakrale Optik der Schwarz-Weiß-Aufnahme sind die abgebildeten Tücher, die das Bild dominieren. Ihr Faltenwurf ist fotografisch herausgearbeitet, was an klassische Ölgemälde erinnert. Zusätzlich verstärkt die Körperhaltung der Mutter die Assoziation mit Marien-Abbildungen.
Nachtweys Engagement in Krisen- und Kriegsgebieten hat ihm zu großer Popularität verholfen. Er selbst sieht sich als Zeitzeuge. Den Besucher seiner Website begrüßt er mit den Worten: „I have been a witness, and these pictures are my testimony. The events I have recorded should not be forgotten and must not be repeated.” 211 Nachtwey wuchs in Massachussetts auf und studierte Kunstgeschichte und Politikwissenschaft. 1976 begann er seine Laufbahn als Fotograf in New Mexico, vier Jahre später ging er als Freelancer nach New York. Sein erster Auslandsauftrag war die Dokumentation des IRA-Hungerstreiks in Nordirland 1981. Nachtweys Arbeit umfasst bis heute die Darstellung von Kriegen, Hungersnöten, Naturkatastrophen und sozialen Brennpunkten. 212
Einen beeindruckenden Einblick in die Arbeit des Kriegsfotografen liefert die oskarnominierte Dokumentation „War Photographer“ von Christian Frei. 213 Frei beobachtete Nachtwey bei seinen Einsätzen in Kriegsgebieten. Eine zusätzliche Filmkamera wurde auf dem Kopf des Fotografen befestigt, so dass der Zuschauer dem Blick Nachtweys folgen und die bewusste Motivauswahl miterleben kann. Freis
210 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 23
211 vgl. http://www.jamesnachtwey.com/; Zugriff: 29.10.2005
212 vgl. http://www.jamesnachtwey.com/bio.html; Zugriff: 29.10.2005
213 Details zum Film: Siehe Literaturverzeichnis, S. 110
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Film ist fesselnd und schonungslos und ermöglicht einen ungeschönten Blick hinter die Kulissen der Pressefotografie.
4.1.12 Contemporary Issues/ 1. Preis Fotoserien: Michael Wolf Chinas Wirtschaft verzeichnet eine der größten Wachstumsraten der Welt. Der Deutsche Michael Wolf dokumentierte für Laif Photos und das Stern Magazin die Bedingungen, unter denen die Fabrikarbeiter leben und arbeiten. 214 Viele Aufnahmen aus dieser Serie sind von einem Hauptmotiv geprägt, der Gleichförmigkeit der Masse. Hunderte Arbeiter stehen in blauen Einheitsanzügen aufgereiht im Flur der Fabrik oder sitzen in identischer Kleidung nebeneinander vor ihren Arbeitsgeräten. Die von außen fotografierten Schlafblocks der Fabrik erscheinen wie ein geometrisches Muster. Hier teilen sich acht Personen eine Fläche von zehn Quadratmetern. Ihre Individualität bewahren sich die Arbeiter auf sehr makabere Art und Weise auf einer einzigen Fotografie: Sechs Arbeiter stehen in einer Reihe und zeigen dem Fotograf die unterschiedlichen Gliedmaßen, an denen aufgrund von Arbeitsunfällen Amputationen vorgenommen werden mussten.
Wolf wurde 1954 in München geboren und siedelte ein Jahr später mit seinen Eltern in die USA über. Erste fotografische Erfahrungen sammelte er während der Studentenunruhen in Berkeley, wo er von 1972 bis 1973 studierte. Er brach das Studium ab, um wieder nach Deutschland zurück zu kehren. Dort belegte er Bildjournalistik an der Folkwangschule in Essen. Nach seinem Examen 1977 arbeitete er zunächst als freier Fotograf für Zeitschriften wie Geo, Stern und Merian. Seit 1994 ist er Stern-Vertragsfotograf in Asien. 215
4.1.13 Daily Life/ 1. Preis Einzelfotos: David Guttenfelder
Am 9. Oktober 2004 wählten die Afghanen zum ersten Mal in der Geschichte direkt ihren Präsidenten. Die Aufnahme Guttenfelders zeigt Frauen vor einem Wahllokal. Eine von ihnen lüftet ihren Schleier, damit der Wahlhelfer ihren Ausweis kontrollieren kann. 216 Die Aufnahme ist verwirrend, denn sie scheint nur die Spiegelung in einer Fensterscheibe festzuhalten. Ein interessanter Aspekt dabei ist das Absperrband, das vor dem Wahllokal angebracht ist. Durch die Spiegelung
214 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 28
215 vgl. http://www.stern.de/unterhaltung/fotografie/fotografen/174026.html?eid=502710, Zugriff: 29.10.2005
216 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 97
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wirkt die Absperrung wie eine Fessel, die um die wählenden Frauen geschlungen wurde. Die Wählenden, die ihren Schleier gelüftet haben, sind unscharf. Einzig eine komplett Verschleierte ist deutlich im Vordergrund zu erkennen. David Guttenfelder wird von der Nachrichtenagentur Associated Press vertreten.
4.1.14 Daily Life/ 1. Preis Fotoserien: Jan Grarup
Grarup portraitiert das Leben der Roma in der Slowakei. Diese Bevölkerungsgruppe stellt dort die zweitgrößte Minderheit, die unter erbärmlichen Bedingungen in Elendsvierteln leben muss. 217 Im Mittelpunkt der Aufnahmen stehen Kinder. Die Armut spiegelt sich in den heruntergekommenen Häusern, verlassenen Gegenden oder zu engen Wohnungen.
Der 1968 geborene Grarup hatte zuvor bereits dreimal den World Press Photo Award gewonnen, war zweimal Finalist beim W. Eugene Smith memorial fund for humanistic photography und gewann zweimal den UNICEF children’s award. Er lebt in Dänemark, wo er dreimal zum Fotografen des Jahres gewählt wurde und für die Zeitung Politiken arbeitet. Seine Fotografien werden zudem international veröffentlicht, unter anderem im Stern, Newsweek, Sunday Times Magazine und L’Express. 218
4.1.15 Portraits/ 1. Preis Einzelfotos: Francesco Zizola
Zur Fotografie: Die heute 24-jährige Lilian wurde mit 12 Jahren von der Lord’s Resistance Army aus ihrem Dorf in Uganda entführt. Ein Rebellenführer nahm sie sich zur Frau und vergewaltigte sie bereits in der ersten Nacht. Mit 14 gebar sie ihr erstes Kind. Als ihr Sohn neun Jahre alt war, floh sie und fand Unterschlupf in einem Heim für ehemalige Soldatenmädchen. 219 Zizolas Portrait der jungen Frau ist eindrucksvoll komponiert: Die junge Mutter befindet sich in einem dunklen Raum, auf ihr Gesicht fällt das Licht einer Fensteröffnung. Sie ist unscharf aufgenommen. Der eigentliche Fokus des Bildes, geht man von der Tiefenschärfe aus, ist das Kind, das einige Meter hinter ihr ebenfalls in einem Lichtkreis steht. Dennoch fokussiert der Betrachter die Frau im Vordergrund, die ihn direkt ansieht. Ein
217 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 103
218 vgl. http://www.jangrarup.com/frame_jg.html, Zugriff: 29.10.2005
219 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 36
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Interpretationsansatz hierfür wäre, dass ihre Vergangenheit deutlich sichtbar und für sie immer präsent sein wird.
Der in Rom geborene Zizola wurde siebenmal mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet, unter anderem 1996 mit dem World Press Photo of the Year. Er hatte ein Jahr zuvor die Auswirkungen von Landminen in Angola fotografisch dokumentiert und für eine dieser Fotografien die begehrte Auszeichnung erhalten. 220
4.1.16 Portraits/ 1. Preis Fotoserien: Adam Nadel
Wie Nachtwey beschäftigte sich auch Nadel 2004 mit der schwarzen Bevölkerung im Sudan. 221 Auffällig bei seinen Portraits ist die Tatsache, dass alle Abgebildeten direkt in die Kamera schauen. Der Betrachter wird dadurch emotional angesprochen. Eine einzelne Fotografie der Serie bricht mit diesem Muster: Hier ist eine Mutter abgebildet, die auf ihr Neugeborenes schaut, das sie in den Armen hält.
Seine, im Jahr 2002 entstandene Reihe „Three weeks with the palestinian people“ wurde mit dem POYi (Pictures of the Year International) ausgezeichnet. 222 Der 1967 geborene Adam Nadel studierte Anthropologie an der Universität von Chicago. Seit 1999 arbeitet er als Freelancer und Mitarbeiter der Associated Press in New York. Die Agentur Polaris Images vertritt ihn seit 2002. 223
4.1.17 Arts and Entertainment/ 1. Preis Einzelfotos: Tommaso Bonaventura
Bonaventura fotografierte in Russland die jährliche Pilgerfahrt von Kirow zum Fluss Velikaja. Die 240 km lange Prozession findet sich auf einem Hügel zur Abendmesse zusammen. 224 Der 1969 in Rom geborene Fotograf hat eine klassische Ausbildung im Bereich Fotografie: Er belegte mit 18 Jahren einen Kurs für Fotografie am Europäischen Institut für Design in Rom und graduierte als einer der Besten seines Jahrgangs. Fünf Jahre später begann er, nach einer Trainingsphase auf verschiedenen Gebieten der Fotografie in London, seine
220 vgl. http://www.zizola.com/home.htm, Zugriff: 29.10.2005
221 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 40
222 vgl. http://www.polarisimages.com/nadel.html, Zugriff: 30.10.2005
223 vgl. http://www.polarisimages.com/Portfolios/Photographers/Adam_Nadel/, Zugriff: 30.10.2005
224 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 84
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Karriere als Pressefotograf. Er wird unter anderem von der Agentur Contrasto in Italien vertreten. 225
4.1.18 Arts and Entertainment/ 1. Preis Fotoserien: Lars Tunbjörk Tunbjörks Fotoserie entstand bei der Pariser Modewoche im März 2004. 226 Die Aufnahmen sind hinter den Kulissen entstanden: Ein Model steht allein in einem großen Saal, der die Spuren einer Party aufweist. Der Kontrast zwischen Haute Couture, der perfekten Figur, schweren Kronleuchtern und edlen Vorhängen auf der einen Seite und dem schmutzigen Fußboden, einem unbeteiligt wirkenden Kellner und der einsamen Gestalt in der Ecke ruft ein Gefühl von Isolierung hervor. Auch die anderen Fotografien kontrastieren zum Glamour der Modewoche: Models und Mitarbeiter wirken gestresst, die Nacktheit eines Models zeigt, was unter den edlen Stoffen wirklich verborgen ist. Die Illusion des Übermenschlichen wird zerstört.
Tunbjörk wurde 1956 in Schweden geboren und lebt und arbeitet in Stockholm. 227 Er wird von der französischen Presse- und Bildagentur L’Agence Vu vertreten. 228
4.1.19 Nature/ 1. Preis Einzelfotos: Jahi Chikwendiu
Ebenfalls im Sudan entstand Chikwendius Aufnahme eines Sandsturms, der an den provisorischen Hütten der Flüchtlinge vorbei fegt. 229 Die geometrische Ausgewogenheit der Fotografie erzeugt ein Gefühl der Ruhe. Die Gewalt des Sandsturms ist nur durch seine Dimension zu erahnen: Zwei Drittel des Himmels sind von ihm bedeckt.
Chikwendiu unterrichtete für ein Jahr Mathematik, bevor ihm The Lexington Herald-Leader eine Vollzeit-Festanstellung als Fotograf anbot. Chikwendiu hatte zuvor in den Sommerferien als Freelancer bei dieser Lokalzeitung gearbeitet. Bereits drei Monate nach seiner Anstellung wurde er von der Kentucky News Photographer’s
225 vgl. http://www.contrasto.it/eng/photographers/dettaglio.asp?idf=8&b=1, Zugriff: 19.11.2005
226 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 91
227 vgl. http://de.photography-now.com/artists/K08456.html; Zugriff: 19.11.2005
228 vgl. http://www.agencevu.com/fr/photographes/default.asp?Photographes=80, Zugriff: 19.11.2005
229 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 72
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Association zum „Fotografen des Jahres“ gekürt. Zwei Jahre später wurde er Mitarbeiter bei der Washington Post. 230
4.1.20 Nature/ 1. Preis Fotoserien: Carsten Peter
Carsten Peter dokumentierte 2004 die Arbeit von Tornado-Forschern im Auftrag der National Geographic Deutschland. 231 Der Münchner hatte in Zusammenarbeit mit dem Ingenieur Tim Samaras mehr als drei Jahre lang Sonden zur Wettermessung und gepanzerte Kameras mit Selbstauslöser auf den Weg dieser Stürme gelegt. Am letzten Tag des Projekts waren die Bedingungen perfekt: Ein Tornado raste auf sie zu, es regnete nicht und das Tageslicht genügte zum Fotografieren. Peter lichtete den Sturm ab, bis er sich auf 200 m genähert hatte. Erst dann brachte Peter sich in Sicherheit. In Erinnerung an dieses Erlebnis sagt er: „Diesen Tag, es war der 24. Juni 2003, würde ich gern noch einmal erleben. Da war eine ungeheure Energie." 232
Die Arbeiten der Preisträger haben einen Aspekt gemeinsam: Sie sind von großem ästhetischem Wert. Klassische Bewertungskriterien der Bildenden Künste, wie Komposition, Farbgebung, Kontrast und Bildausschnitt können hier bei der Besprechung der Fotografien angewandt werden. In Verbindung mit den einzelnen Sujets der Arbeiten, die überwiegend im Bereich der Krisen- und Kriegsfotografie angesiedelt sind, ist dies erstaunlich und führt gleichzeitig zu Überlegungen, die im Kapitel „Die Ethik der Pressefotografie/ Gewalt und Fotografie“ von Belang sein werden: Wie ist es möglich, ein schönes und ansprechendes Bild von einem sterbenden Menschen, einem Toten oder hungernden Kindern zu machen?
Des Weiteren zeigen die Aufnahmen, dass die Pressefotografie mehr als nur ein Berufsstand ist. Sie hat es geschafft, als eigenständige Kunstrichtung bestehen zu können, wobei ihr dokumentarischer und journalistischer Auftrag nicht vernachlässigt wird.
230 vgl. http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/photo/bestofthepost/chikwendiujahi/; Zugriff, 19.11.2005
231 vgl. Katalog zum World Press Photo Award 2005, S. 77
232 vgl. http://www.nationalgeographic.de/php/magazin/redaktion/2005/05/redaktion_intern.htm, Zugriff: 20.11.2005
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
4.2 Bildagenturen
Im Folgenden werden Organisationen aufgeführt, die für das Vermarkten von Fotografien oder die Vermittlung von Fotografen zuständig sind. Im Bereich der Nachrichtenagenturen, an die eigene Bildagenturen angegliedert sind, werden in dieser Arbeit die drei populärsten der so genannten Weltagenturen vorgestellt. Eine Weltagentur ist nach einer Definition der UNESCO „ein Unternehmen, das über die erforderlichen personellen und technischen Voraussetzungen verfügt, um jedes bemerkenswerte Ereignis von jedem Ort der Erde zu erfahren und in alle Welt zu verbreiten.“ 233 Dazu gehören die Nachrichtenagenturen Associated Press (AP), Reuters und die Agence France Press (AFP). Von großer nationaler Bedeutung ist die Deutsche Presse-Agentur (DPA), die international auch mit den Weltagenturen in Konkurrenz steht.
Da das spezielle Interesse in dieser Abhandlung Bildagenturen gilt, werden keine weiteren Nachrichtenagenturen beschrieben. Vielmehr werden im Folgenden kleinere, fotospezifische Organisationen, die von den Preisträgern des World Press Photo Award 2005 gegründet wurden oder mit ihnen in direkter Verbindung stehen, ins Auge gefasst.
4.2.1 Associated Press (AP)
Das Unternehmen Associated Press entstand in seiner heutigen Form nach einer Neuorganisation im Jahr 1902. Zuvor hatte die Agentur rein national, d.h. ausschließlich in Amerika gearbeitet. Eine Kooperation mit Reuters ermöglichte zu dieser Zeit einen Austausch von amerikanischen Meldungen gegen Nachrichten aus dem Ausland. Der erste Generalmanager von AP, Melville Stone, strebte eine Unabhängigkeit von Reuters an. Er reiste zu diesem Zweck 1902 nach Europa und verhandelte mit den dortigen Postverwaltungen um günstige
Telegrafiebedingungen. Die Folge war die bereits erwähnte Neuorganisation mit der Einrichtung von Zentralen in Europa 234 und einem Büro in Berlin.
Vorläufig war der AP jedoch aufgrund des bestehenden Kartellvertrags 235 , der die Zuständigkeiten der Nachrichtenagenturen in bestimmten Regionen regelte, die Verbreitung ihrer Nachrichten in Europa nicht gestattet. Nach der
233 vgl. Hansjoachim Höhne: Report über Nachrichtenagenturen, S. 134
234 vgl. ebda., S. 156 ff.
235 vgl. Martina Schumacher: Ausländische Nachrichtenagenturen in Deutschland vor und nach 1945, S. 19 ff.
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Vertragsauflösung von 1934 blockierten die Pressegesetze der Nationalsozialisten den Ausbau des bestehenden Netzwerks: Ein Jahr zuvor waren AP-Mitarbeiter in über 60 deutschen Städten vertreten. Nach der Machtübernahme der Nazis reduzierte sich ihre Zahl drastisch, da einige Informanten Angst hatten, für ein ausländisches Medium zu arbeiten. In den Folgejahren waren AP-Journalisten immer wieder mit der Gefahr einer Ausweisung aus Deutschland konfrontiert, die aber ohne tatsächliche Konsequenzen blieb.
Anders sah die Lage für den AP-Bilderdienst aus: Er konnte bereits 1931 als Gesellschaft deutschen Rechts ohne formalrechtliche Einschränkungen mit deutschen Verlagen Verträge schließen. Bis 1942 belieferte der AP-Bilderdienst zahlreiche deutsche Zeitungen und Zeitschriften. 236
1946 erhielten AP und United Press die ersten Lizenzen der amerikanischen Besatzungszone, ihre Nachrichten direkt an die deutsche Lizenzpresse der US-Zone zu verkaufen. Die AP startete ihren deutschsprachigen Dienst mit 5000 Worten, die täglich über Fernschreiber verbreitet wurden. 237
Heute präsentiert sich der deutsche Dienst der Associated Press als Zulieferer von rund 85 Prozent der Tageszeitungsauflage in Deutschland. 238 Der Bilderdienst der AP liefert täglich etwa 200 tagesaktuell wichtige Bilder aus dem In- und Ausland. Als Knotenpunkt zwischen dem internationalen Bilderdienst und den Ländern in Mittel- und Osteuropa fungiert die Bildredaktion in Frankfurt. 239
4.2.2 Reuters
Die britische Weltagentur Reuters ist, nach DPA und der amerikanischen Associated Press (AP), die drittstärkste Agentur in Deutschland. Weltweit ist sie, im Bezug auf Umsatz und Angestelltenzahlen, die größte der so genannten Weltagenturen.
Ihren Platz in Deutschland behauptete sie, im Vergleich zu anderen Agenturen, erst recht spät. Zunächst war Reuters hierzulande nur mittelbar verfügbar, das heißt, es bestand ein Vertrag mit der DPA, die Reuters mit Auslandsnachrichten belieferte.
236 vgl. Martina Schumacher, a.a.O., S. 67 ff.
237 vgl. ebda., S. 115
238 vgl. http://www.ap-online.de/Ueber/uberap.htm, Zugriff: 9.11.2005
239 ebda., Zugriff: 9.11.2005
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
1971 löste sich Reuters aus dieser vertraglichen Bindung. Zu diesem Zeitpunkt stellte die amerikanische Nachrichtenagentur United Press International (UPI) ihren deutschsprachigen Dienst ein. Reuters ergriff die Gelegenheit, die diese neu entstandene Lücke auf dem deutschen Nachrichtenmarkt bot und stellte einige ehemalige UPI-Mitarbeiter ein. 240 Die neue deutsche Nachrichtenagentur Deutscher Depeschendienst (DDP) hatte Reuters zuvor eine Beteiligung angeboten, um die Konkurrenzsituation auf dem deutschen Nachrichtenmarkt zu entschärfen. Reuters lehnte ab, obwohl das DDP-Angebot vorsah, Reuters 51 Prozent der Unternehmensanteile zuzusprechen. 241
Neun Jahre zuvor hatte Reuters als weltweit erste Agentur damit begonnen, Informationen über Satellit zu versenden und die eigene Kompetenz im Bereich der Wirtschaftsnachrichten auszubauen. Den Beginn machte der, zunächst eher primitive Stock-master-Dienst, der die Kurse amerikanischer Aktien weltweit übermittelte. 1973 ging dann der Reuter Monitor Money Rates Service an den Markt, der mit einem selbst entwickelten Monitor-System den Durchbruch auf dem Devisenmarkt schaffte. Die Entwicklung auf diesem Sektor der
Nachrichtenübermittlung ging unaufhaltsam weiter: 1981 ermöglichte Reuters Händlern, über ihren Monitor Dealing Service Käufe direkt per Videoterminals abzuschließen.
Die Konzentration auf Wirtschaftsservices hatte allerdings auch zur Folge, dass die Versorgung der Medien mit Nachrichten für Reuters in den Hintergrund trat. Der Wunsch nach einer Reorganisation der Agentur gab 1984 den Ausschlag für den Börsengang Reuters’ unter dem Namen Reuters Holding PLC. Die damaligen Hauptaktionäre waren The Press Associated Limited, Australian Associated Press Proprietary Limited, John Fairfax Limited Group, The Herald and Weekly Times Limited Group, News International PLC, Fleet Holdings PLC, Associated Newspaper Holdings PLC, Pergamon Holding Foundation und die Abu Dhabi Investment Authority (Stand: 1993).
Durch eine Aufspaltung der Aktien in A- und B-Aktien wurde ein freier Wertpapierhandel mit der Wahrung treuhänderischer Grundsätze verbunden. Der
240 vgl. Jürgen Wilke, a.a.O., S. 14
241 vgl. Ulrich Schenk: Nachrichtenagenturen als wirtschaftliche Unternehmen mit öffentlichem Auftrag, S. 76
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Treuhänderrat war 1941 gegründet worden, um sicherzustellen, dass die Agentur „zu keiner Zeit unter den Einfluss einer Gruppe oder Partei gerät und ihre Unabhängigkeit gesichert bleibt“. 242 A-Aktien machten 25 Prozent des Kapitals aus, beinhalteten aber ein vierfaches Stimmrecht. Diese Aktien verblieben bei den Eigentümern und wurden nicht an der Börse angeboten. Hier wurde mit B-Aktien gehandelt, die jeweils nur einer Stimme entsprachen. 243 Die heutige Unternehmensstruktur lässt sich dem Geschäftsbericht vom Juli 2005 entnehmen: Hauptaktionäre sind Fidelity Investments (mit 7,3 Prozent), Invesco Perpetual (5,4 Prozent), Legal & General Investment Mgt. (4,8 Prozent), Threadneedle Asset Management (4,8 Prozent), Merrill Lynch Investment Managers (3,9 Prozent) und Schroder Investment Management (3,7 Prozent). 244
Zusätzlich hält Reuters heute Beteiligungen an Unternehmen, die sich in ihre Gesamtstruktur einfügen. Dabei reichen diese Beteiligungen von
Tochtergesellschaften (AG mit Mehrheitsanteil) bis zu Minderheitsbeteiligungen. Die zwei größten Beteiligungen sind aktuell Instinet (www.instinetgroup.com), eine elektronische Wertpapierhandelsplattform und Factiva (www.factiva.com), ein Joint Venture mit Dow Jones. 245 Auf der deutschen Website von Reuters wird außerdem noch Radianz (www.radianz.com) aufgeführt, der weltweit größte Anbieter für ein Finanzdienstleistungsnetzwerk. 246
Der internationale Bilderdienst von Reuters wurde am 1. Januar 1985 ins Leben gerufen. Dafür kaufte die britische Nachrichtenagentur die Fotoorganisation der UPI außerhalb der USA auf. Zusätzlich schloss Reuters einen Zehnjahresvertrag mit UPI ab, der es ermöglicht, die UPI-Fotos aus den Vereinigten Staaten in den Reuters International News Picture Service aufzunehmen. 247
Heute bietet der Reuters-Bilderservice folgende Dienstleistungen an: das Archiv, News-Fotografien, Sportaufnahmen, spezielle Fußballfotografie und Bilder aus dem Entertainment-Bereich. Das online verfügbare Fotoarchiv umfasst mehr als eine Million Fotografien. Die nach 1995 entstandenen Aufnahmen stehen für registrierte
242 vgl. Hansjoachim Höhne, a.a.O., S. 164
243 vgl. Jürgen Wilke, a.a.O., S. 18 f.
244 vgl. http://about.reuters.com/investors/corpinfo/material/Investor_Factsheet_v8.pdf, Zugriff: 6.11.2005
245 vgl. http://about.reuters.com/aboutus/overview/groupstructure.asp, Zugriff: 6.11.2005
246 vgl. http://about.reuters.com/aboutus/DE/overview/groupstructure.asp, Zugriff: 6.11.2005
247 Jürgen Wilke, a.a.O., S. 20
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Kunden zum Download bereit. Täglich werden über 650 neue Aufnahmen eingepflegt. Der News Picture Service stellt die Verbindung zwischen Medienkunden und Fotografen in 154 Ländern her, die ihre Aufnahmen zeitnah über Satellit versenden. Über 250 Sportfotografien werden täglich produziert und über Reuters Global Sports Pictures vertrieben. Dazu kommen täglich 50 Fotografien von Fußballspielen, bei besonderen Ereignissen sogar, wie einer Weltmeisterschaft, können bis zu 500 Fotos pro Tag verfügbar sein. Abschließend werden noch etwa 50 Bilder pro Tag aus den Bereichen Film, TV, Theater, Prominente und Ähnliches bereitgestellt. 248
4.2.3 Agence France Press (AFP)
Die Nachrichtenagenturen entstanden in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die älteste Agentur, die Agence Havas, wurde 1835 gegründet und ist die Vorläuferin der Agence France Press. 249 Diese wurde mit der Befreiung Frankreichs 1944 ins Leben gerufen und nimmt, gemessen an der Zahl der Vertretungen in den verschiedenen Ländern der Welt durch Büros und Korrespondentenplätze, den ersten Platz unter den Weltagenturen ein. Gemessen an der Anzahl der Beschäftigten und dem Umsatz steht die AFP an dritter Stelle hinter Associated Press und Reuters. 250
Seit 1957 ist sie als „öffentlich-rechtliche Körperschaft“ ein unabhängiges Unternehmen. Ihr Status verlangt, „dass keinerlei Einflüsse oder Erwägungen zugelassen werden dürfen, die die Genauigkeit oder Objektivität ihrer Nachrichten beeinflussen könnten und dass sie verpflichtet ist, ihren Abonnenten in Frankreich und im Ausland einen regelmäßigen, ununterbrochenen, genauen und zuverlässigen Dienst zu liefern.“ 251 Dieser Status wurde vom Parlament als Schutzgesetz erlassen.
Seine Einhaltung wird vom achtköpfigen Aufsichtsrat überwacht, der wie folgt zusammengesetzt ist: Jeweils ein Mitglied des Staatsrates und des Obersten Gerichtshofes, zwei Verlegervertreter und je zwei Vertreter von den Verbänden der Zeitungs- und der Rundfunkjournalisten. Außerdem werden noch zwei unabhängige
248 vgl. http://about.reuters.com/pictures/pictures/products.htm, Zugriff: 6.11.2005
249 vgl. http://www.agenturjournalismus.de/index.php?option=content&task=view&id=4, Zugriff: 12.11.2005
250 vgl. Sigrun Schmid: In Jürgen Wilke, a.a.O., S. 57
251 vgl. Hansjoachim Höhne, a.a.O., S. 151
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Mitglieder vom Aufsichtsrat selbst gewählt. Einer von ihnen muss Frankreich auf einem hohen Posten im Ausland vertreten haben. Im 15köpfigen Verwaltungsrat sitzen acht Vertreter der französischen Presse, drei Vertreter der von der Agentur belieferten Behörden, zwei Vertreter des französischen Staatsrundfunks sowie zwei Personalvertreter. Dieses Verwaltungsdirektorium wählt den Generaldirektor, der die Agentur leitet und mit mindestens zwölf der 15 Stimmen bestätigt werden muss.
Der französische Ministerpräsident Michel Debré versuchte bereits 1960, die Anzahl der Regierungsvertreter im Verwaltungsrat zu erhöhen. Seine Bestrebungen, die die Unabhängigkeit der Agentur hätten negativ beeinflussen können, scheiterten jedoch an der französischen Presse und den Ministern für Äußeres, Finanzen und Erziehung, die befürchteten, dadurch ein „wertvolles Instrument der französischen Kulturwerbung im Ausland“ zu verlieren.
Dennoch erschwert der Einfluss der französischen Regierung die objektive Berichterstattung. Ein Beispiel hierfür ist der Versuch von höchster Stelle, 1979 Nachrichten über ominöse Diamantenschenkungen des Kaisers Jean Bedel Bokassa aus Zentralafrika an den französischen Staatspräsidenten Giscard d’Estaing zurück zu halten. 24 Stunden lang lag die Meldung unbearbeitet in der AFP-Redaktion, bis es der Agentur schließlich gelang, dem Verbot auszuweichen. 252
Seit 1987 ist die deutsche Tochterfirma, die Berliner AFP-GmbH, am Markt vertreten 253 . Zwei Jahre zuvor wurde der eigene Bilderdienst ins Leben gerufen. Der Vertrieb läuft über die European Pressphoto Agency (EPA), ein Zusammenschluss von neun Foto-Agenturen mit Sitz in Frankfurt am Main. 254
Heute ist die AFP in 165 Ländern vertreten und beschäftigt 1200 fest angestellte Journalisten, unter ihnen 250 Fotografen und mehr als 2000 freie Mitarbeiter. Der AFP-Fotodienst liefert täglich rund 1000 internationale Fotos, die via Satellit oder das Internet vertrieben werden. Speziell für Deutschland produziert die Agence France Press einen Europadienst mit rund 250 bis 500 Bildern täglich. Die AFP-
252 vgl.Hansjoachim Höhne, a.a.O., S. 151 f.
253 vgl. http://www.afp.com/deutsch/afp/?pid=uber, Zugriff: 12.11.2005
254 vgl. Martina Schumacher, a.a.O., S. 156 f.
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Bilddatenbank IMAGEFORUM (bzw. der Relaunch ImageForum 2) bietet Zugang zur gesamten Produktion von AFP-Foto und AFP-Infografik (aktuelle Grafiken zu den wichtigsten Ereignissen des Tages im In- und Ausland). 255
4.2.4 Die Deutsche Presse-Agentur (DPA)
Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in den westlichen Besatzungszonen folgende Nachrichtenagenturen: der German News Service (GNS) im amerikanischen Sektor, aus dem die deutschsprachige Deutsche
Nachrichtenagentur (DENA) hervorging und der German News Service - British Zone (GNSBZ) in der britischen Zone, der später zusätzlich die Bezeichnung Deutscher Presse Dienst (DPD) erhielt. In der französischen Besatzungszone war die Basis für den Aufbau einer eigenen Agentur recht schmal, da es lediglich 21 lizenzierte Zeitungen gab. Diese wurden von der Rheinischen Nachrichtenagentur (RHEINA) in Baden-Baden, der AFP und der Südena GmbH beliefert. 256
Diese Konkurrenzsituation war aus Sicht der verantwortlichen Personen im deutschen Nachkriegs-Agenturwesen nicht tragbar. So gab es bereits 1946 Bestrebungen, eine Fusion zwischen den einzelnen Agenturen zu erreichen. Die Besatzungsmächte wollten jedoch nicht den Einfluss auf die
Nachrichtenverbreitung verlieren und so verzögerte sich die Zusammenlegung der Agenturen bis 1949, als der wirtschaftliche Druck durch die Währungsunion zu groß wurde. Vorreiter bei der Fusion waren die DENA und der DPD, der zuvor die Südena GmbH übernommen hatte. Am 18. August 1949 wurde die Deutsche Presse-Agentur (DPA) als GmbH gegründet. Dabei hielten die Genossenschaften DENA und DPD jeweils 50 Prozent der Anteile. Eine Neufassung des DPA- Gesellschaftsvertragesvom 26. August 1950 ordnete die Eigentumsverhältnisse grundlegend neu: Die Genossenschaften wurden aufgelöst und die Anteile an einzelne Eigner verteilt.
Die DPA errang schnell die nationale Vorreiterstellung und somit auch internationales Gewicht: 1968 waren 150 der 153 Vollredaktionen Bezieher von
255 vgl. http://www.afp.com/deutsch/products/?pid=image, Zugriff: 12.11.2005
256 vgl. Ulrich Schenk, a.a.O., S. 67 ff.
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
DPA. 257 Im Ausland erreichte die Agentur im selben Jahr mit 80 Akkreditierungen ihren Höchststand. 258
Heute ist die DPA, nach eigener Aussage, die einzige deutsche Nachrichtenagentur, die einen kompletten Nachrichtendienst mit Basisdienst, Landesdienst (regionale Ergänzung), Kurznachrichten-, Hörfunk-, Themendienst und Bilderservice anbietet. Der DPA-Bildfunk sendet täglich aktuelle Farbfotos aus der ganzen Welt. Allein im Jahr 2001 wurden fast 88 000 Bilder verbreitet. Die DPA-Bilddatenbank im Internet ist mit über zwei Millionen Fotografien international konkurrenzfähig. 259
4.2.5 Oculi
Die in Australien angesiedelte Agentur Oculi wurde 2001 von neun Fotografen gegründet und wird in Europa von L’Agence Vu (http://www.agencevu.com) und in Nordamerika von Redux Pictures (http://www.reduxpictures.com) vertreten. 260 Leider sind über Oculi keine weiteren Informationen verfügbar. 261
4.2.6 VII
Der Name „VII“ (sprich: „Seven“) hat seinen Ursprung in der Anzahl der Agenturgründer: Alexandra Boulat, Ron Haviv, Gary Knight, Antonin Kratochvil, Christopher Morris, James Nachtwey und John Stanmeyer riefen 2001 die Agentur ins Leben. Lauren Greenfield schloss sich ihnen 2002 an, zwei Jahre später folgte Joachim Ladefoged.
Nach eigener Aussage sehen sie ihre Aufgabe in der Dokumentation von Krisensituationen und politischen und sozialen Brennpunkten. Sie möchten Belege für Ungerechtigkeit sammeln, die von Menschen verursacht oder erduldet wird.
Die Gründung der Agentur wurde am 9. September 2001 bekannt gegeben und kam damit, auf makabere Art und Weise, zur rechten Zeit: Am nächsten Tag kehrte James Nachtwey in sein Apartment in Manhattan zurück, das sich in der Nähe des World Trade Centers befand. Am Morgen des 11. Septembers gelangen Nachtwey
257 vgl. ebda., S. 71 ff.
258 vgl. Hansjoachim Höhne, a.a.O., S. 190
259 vgl. http://www.dpa.de/de/unternehmenswelt/unternehmen/dpa_deutschland.html, Zugriff: 14.11.2005
260 vgl. http://www.oculi.com.au/oculi.html, Zugriff: 19.11.2005
261 Meiner Bitte nach einer Pressemitteilung wurde leider nicht entsprochen. Die Agentur ist der Vollständigkeit halber hier aufgeführt.
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
eindringliche Bilder vom Terroranschlag auf die Twin Towers. 262 Diese sind auf seiner Website veröffentlicht. 263
2004 ging VII mit der Nachrichtenagentur Associated Press einen Kooperationsvertrag ein. Klienten von AP erhalten Zugang zum Archiv der Agentur VII und zu einer wöchentlich erscheinenden Exklusivstory, die über das AP PhotoArchive und AP Wide World Photos zugänglich gemacht wird. 264
4.2.7 Contact Press Images
Die Agentur Contact Press Images wurde 1976 von Robert Pledge und David Burnett in New York gegründet. Die beiden Gründungsmitglieder lernten sich 1973 durch den gemeinsamen Freund Raymond Depardon, Filmemacher und Fotograf, kennen. Pledge, ein französisch-britischer Journalist, war zu jener Zeit auf die Berichterstattung über Afrika spezialisiert. Burnett war der letzte angestellte Life- Fotograf,bevor sich Life 1972 auflöste. Er war vom Life-Magazine eingestellt worden, um den Krieg in Südostasien zu dokumentieren. Alle drei, Depardon, Pledge und Burnett, wurden 1973 durch die Agentur Gamma vertreten. Der Vietnam-Krieg veränderte ihre Sicht auf die Aufgabe des Journalismus: Ihre Agentur und ihre journalistische Arbeit sollte, nach eigener Aussage, die Unabänderlichkeit der grundlegenden Menschenrechte bekräftigen und die Notwendigkeit aufzeigen, Autoritäten in Frage zu stellen.
Pledge und Burnett begannen eine Zusammenarbeit mit den Fotografen Alon Reininger, Douglas Kirkland und Gianfranco Gorgoni. Der in Israel geborene Reininger hatte sich mit der Apartheid in Südafrika beschäftigt, bevor die internationale Aufmerksamkeit 1976 auf die Aufstände in Soweto gelenkt wurde. In den frühen achtziger Jahren dokumentierte er die Ausbreitung von AIDS in Amerika, zu einem Zeitpunkt, als die Krankheit noch nicht benannt werden konnte. Kirkland machte sich mit Fotografien von Filmgrößen einen Namen und Gorgoni hatte sich auf die New Yorker Kunstszene spezialisiert. Es kamen weitere Fotografen dazu: 1977 schließlich schloss sich Annie Leibovitz Contact an, eine
262 vgl. http://www.viiphoto.com/photographer.php, Zugriff: 20.11.2005
263 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 28, S. 100
264 vgl. http://www.apwideworld.com/WWP_HOME/pages/press_releases/pr_vii.html, Zugriff: 20.11.2005
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Fotografin, die sich bis heute, aufgrund ihrer außergewöhnlichen Portraits von Stars 265 , einer große Popularität erfreut.
Die kleine Agentur pflegte bereits in den ersten Jahren eine enge Zusammenarbeit mit dem Time Magazine. Mit Hilfe des damaligen Bildredakteurs John Durniak konnten sie eine Kooperation mit einigen Vertragsfotografen des Time Magazines erreichen, unter ihnen Eddie Adams, Michael Evans, Dirk Halstaed, David Hume Kennerly und Bill Pierce.
1986, zehn Jahre nach ihrer Gründung, war Contact Press Images ihrem Status als „kleinere Bildagentur“ entwachsen. Fotografien von Contact-Fotografen zierten die Cover von Time, Newsweek, The New York Times Magazine und internationalen Zeitschriften. Die Ausstellung „Contact: Photojournalism since Vietnam“ markierte einen weiteren Höhepunkt in der Geschichte der Agentur.
1990 eröffnete Contact ein Büro in Paris, um den Vertrieb in Europa zu fördern. Die Agentur organisierte vermehrt Ausstellungen, unter anderem in Zusammenarbeit mit Médecins Sans Frontières oder Amnesty International. Heute kann man Contact Press Images zu einem der globalen Player im Bereich der Pressefotografie-Agenturen zählen. 266
4.2.8 Getty Images
Getty Images wurde 1995 von Mark Getty und Jonathan Klein gegründet. 267 Getty gelang der Aufkauf mehrerer Image-Marken wie Kodak’s Image Bank collection, Stone (früher: Tony Stone Images), Visual Communication Group und PhotoDisc. 268 Dadurch konnte Getty Images zur größten privaten Foto-Datenbank mit über 70 Millionen Bildern heranwachsen. Allein Kodak’s Image Bank collection umfasste 30 Millionen Fotografien. 269 Getty Images hat seinen Sitz in Seattle und weltweit 16 weitere Büros. Nahezu der gesamte Bildbestand steht digital über das Webportal der Agentur zur Verfügung. Die Website www.gettyimages.com verzeichnet im Monat etwa 161,4 Millionen Pageviews. 270
265 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 29, S. 100
266 vgl. http://www.contactpressimages.com/about.html, Zugriff: 20.11.2005
267 vgl. http://corporate.gettyimages.com/source/company/index.aspx?pageID=companyOverview, Zugriff: 20.11.2005
268 vgl. http://corporate.gettyimages.com/source/company/index.aspx?pageID=companyOfficers, Zugriff:20.11.2005
269 vgl. http://seattlepi.nwsource.com/venture/layoff.asp?id=235, Zugriff: 20.11.2005
270 vgl. http://corporate.gettyimages.com/source/company/index.aspx?pageID=factSheet, Zugriff: 20.11.2005
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Die deutsche Tochterfirma Getty Images Deutschland GmbH (Getty One) wurde im Jahr 2000 gegründet. Sie ist ein Zusammenschluss von Tony Stone Bilderwelten, PhotoDisc Deutschland und Energy Film. Auch hier liegt das Hauptaugenmerk auf der Verbreitung von Fotografien über das Internet. Der damalige Geschäftsführer Michael Luigs: „Bereits mit dem Entschluss, bei PhotoDisc konsequent auf digitale Bilder zu setzen, waren wir auf der richtigen Fährte. Jetzt setzen wir bei Getty One auf die Distribution über das Internet: Während viele Anbieter dafür erst die Weichen stellen, schreiben wir schon schwarze Zahlen.“ Da sich vor der Konsolidierung Tony Stone Bilderwelten, PhotoDisc und Energy Film etablieren konnten, werden die jeweiligen Markennamen beibehalten. 271
4.2.9 Agence Vu
L’agence Vu wurde 1986 von Christian Caujolle und Zina Rouabah als Presse- und Fotografen-Agentur gegründet. Dabei legt Vu großen Wert auf die Unterscheidung zwischen Foto-Agentur und Fotografen-Agentur: Bei Vu werden Fotografen als Autoren und Journalisten wahrgenommen, die die Agentur nicht nur mit Bildmaterial, sondern auch mit redaktionellen Inhalten versorgen. Dabei sind sie, wie die Agentur selbst, nicht zwangsläufig auf eine bestimmte Domain festgelegt: Vu ist in den Bereichen Sport, Kultur, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft tätig. 272 Eines der 35 fotografischen Mitgliedern ist Lars Tunbjörk, Gewinner des World Press Photo Award 2005 in der Kategorie „Arts and Entertainment stories“. 273
Zusammenfassend kann man sagen, dass die großen Weltagenturen schnell auf den Bedarf an Pressefotografien reagiert und eigene Bildagenturen gegründet haben. Die kleineren Agenturen, die von Fotografen ins Leben gerufen wurden, spiegeln das Geschäftsmodell von Magnum wider: Die Bildproduzenten sind zugleich verantwortlich für die Vermarktung und Verbreitung ihrer Aufnahmen. Damit sichern sie sich eine gewisse Kontrolle über die spätere Verwendung ihrer Arbeiten.
271 vgl. http://www.press1.de/ibot/db/948301647273940498n0.html, Zugriff: 20.11.2005
272 vgl. http://www.agencevu.com/fr/agence/, Zugriff: 18.12.2005
273 vgl. http://www.agencevu.com/fr/photographes/, Zugriff: 18.12.2005
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
4.3 Die digitale Fotografie
Durch die Entwicklung der digitalen Fotografie hat der Berufsstand des Fotografen in den letzten Jahren eine entscheidende Veränderung erfahren. Zum einen konnte der Produktionsablauf stark verkürzt werden: Fotografien können schneller und kurzfristiger in das Layout einer Zeitung integriert werden. Die Möglichkeit, Aufnahmen per Handy oder Internet/ UMTS zeitnah an die Redaktion zu schicken, verändert die Arbeitsweise der Fotoreporter entscheidend. Es ist möglich, eine Veranstaltung zu dokumentieren, die spät abends stattfindet und dennoch zu gewährleisten, dass die Bilder am nächsten Morgen schon veröffentlicht werden können. Außerdem garantiert die immer weiter fortschreitende Entwicklung hoch auflösender SLR-Kameras (Spiegelreflexkameras) die Möglichkeit einer qualitativ hochwertigen Arbeitsweise. Aus diesem Grund setzt der tagesaktuelle Foto-Journalismus heute nahezu ausschließlich auf die digitale Fotografie. 274
Das Fotografieren an sich wird durch das Display als Kontrollinstrument vereinfacht: Der Fotograf hat die Möglichkeit, seine Aufnahme direkt nach der Entstehung zu kontrollieren und Schwächen bei der Belichtung oder der Bildschärfe unmittelbar bei der nächsten Aufnahme auszugleichen. Diese technischen Errungenschaften haben jedoch, wie die meisten technischen Weiterentwicklungen, auch Schattenseiten. Zum einen ist die Versuchung bei digitaler Fotografie größer, Manipulationen am Bild vorzunehmen. Zur Zeit der analogen Fotografie konnten Bilder nur im Labor verändert werden, was technisches Wissen und Geschick voraussetzte. Heutzutage ist das Bearbeiten von digitalen Aufnahmen mit Bildbearbeitungsprogrammen am PC bedeutend einfacher. 275 Gewisse Manipulationen, wie Kontrasterhöhung oder Belichtung, sind sogar eher Standard als Ausnahme.
Wie die digitale Verfälschung allerdings zur Veränderung der eigentlichen Bildaussage führen kann, wird im Kapitel „Die Ethik der Pressefotografie/ Bildmanipulation“ detaillierter ausgeführt.
Auf der anderen Seite führen die verringerten Ansprüche an das technische Wissen des Bildproduzenten zu einem größeren Konkurrenzdruck durch Laien- oder
274 vgl. http://www.stern.de/media/presse/Leitfaden_digitale_Fotografie.pdf, Zugriff: 18.12.2005
275 vgl. http://www.stern.de/media/presse/Leitfaden_digitale_Fotografie.pdf, Zugriff: 18.12.2005
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Die Pressefotografie - Der aktuelle Stand der Pressefotografie
Hobbyfotografen. Gerade in den Redaktionen kleinerer Zeitungen bürgert es sich immer mehr ein, dass der schreibende Reporter mit einer Digitalkamera ausgestattet wird und zur Kostenersparnis zusätzlich die Aufgabe des Fotografen erfüllt. 276
Die Preisträger des World Press Photo Award 2005 äußern sich zu diesem Sachverhalt wie folgt: J.F. Diorio würdigt die Verbesserungen durch die digitale Fotografie. Sie erlaubt ihm ein leichteres und schnelleres Arbeiten. Im Hinblick auf die Zukunft des Berufsstandes der Pressefotografen sagt er: „ I don't know and don't like in think about it, each time more appears others kinds of technologies to take images (pictures or video) each time more there are people making images all the time and better and faster ... All people will be a press photographer for five minutes one day, (for example the camera in the mobile phone)(…).” 277 Die Bedrohung durch eine größere Anzahl an Fotografen und Fotografien sieht er allerdings gelassen: Professionelle Fotografen haben ihm zufolge ein Talent, dass sich nicht durch technische Errungenschaften wett machen lässt: „But we have our experience and sensibility and the sense stetical, and the majority of people haven't. The sensibility I think is the main difference between a common person and us.” 278
Kritischer beschreibt James Hill die Veränderungen durch die Digitalfotografie. Auch er erwähnt Fotohandys und äußert die Befürchtung, dass jeder mit einem solchen Gerät ein Pressefoto schießen kann. Zwar macht er ebenso deutlich, dass professionelle Fotografen Fähigkeiten besitzen, die Amateure nicht haben. Er stellt diese Überlegung aber dem Kostenfaktor entgegen: “Really quality work will somehow survive but the problems that both magazines and newspapers are having in making sales means that the money to continually covering international events is scarcer and scarcer.” Es steht für Hill außer Frage, dass Pressefotografen immer existieren werden. Allerdings ist unklar, wie ihre Arbeitsbedingungen in Zukunft aussehen werden. 279
276 Diese Entwicklung konnte ich als Online- und Bild-Redakteur eines regionalen Radiosenders beobachten. Allerdings führte die mangelhafte Bildqualität schnell wieder zu einem Revidieren dieser Arbeitsweise.
277 Originaltext siehe Anhang/Materialen/e-Mails, S. 127 f.
278 ebda.
279 Originaltext siehe Anhang/Materialen/e-Mails, S. 128 f.
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Der gesellschaftliche Stellenwert der Fotografie
5. Gesellschaftliche Aspekte
5.1 Der gesellschaftliche Stellenwert der Fotografie
Die Zeitschrift NEON fragt in ihrer November-Ausgabe 2005 Opfer des Hurrikans Katrina: „Was nimmt man mit, wenn man um sein Leben rennt?“. Die 55jährige Adna Nelson antwortet darauf: „Ich hatte auch wichtige medizinische Unterlagen im Haus, aber als ich geflohen bin, hab ich nur die Fotos geschnappt. Sie sind das Gedächtnis meiner Familie, sie zeigen glückliche Zeiten.“ 381 382
Nüchtern betrachtet erscheint diese Vorgehensweise als irrational. Dennoch überrascht sie uns nicht: Wir kennen in unserer Vorstellung das Bild von Brandopfern, die aus ihrem brennenden Haus nur die Fotoalben gerettet haben.
Eine mögliche Erklärung für dieses Verhalten kann man in dem wohl markantesten Merkmal der Fotografie finden: Sie bietet uns die tröstliche Illusion, die Vergänglichkeit revidierbar zu machen. Der menschliche Enthusiasmus für die Fotografie liegt in dem Wunsch begründet, die Realität zu fixieren und eine geliebte Person oder ein schönes Erlebnis dauerhaft verfügbar zu machen. Dabei dienen Fotografien als Gedächtnisstütze, aber auch als Belege für Erlebtes.
Gisèle Freund verdeutlicht diesen Umstand am Beispiel von Pauschaltouristen: „Sie reden in allen Sprachen und kennen sich nicht, doch sie haben ein gemeinsames Kennzeichen: sie tragen alle einen Photoapparat am Schulterriemen.“ 383 Tatsächlich sind Routen von Reisegruppen oft im Hinblick auf die Möglichkeit konstruiert, Fotos zu machen. „Der Bus hält an bestimmten Stellen, vor allem an solchen, die zuvor als besonders günstig zum Photographieren erkundet worden sind. Die Touristen haben gerade Zeit, auszusteigen und auf den Knopf zu drücken: in Paris Notre-Dame, in Jerusalem den Ölberg, in Ägypten die Pyramiden… Am
381 vgl. Roland Schulz: Das letzte Hemd. In: NEON, S.41 ff.
382 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 30, S. 100
383 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 217
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Der gesellschaftliche Stellenwert der Fotografie
nächsten Tag sind es dann andere Baudenkmäler, andere Gegenden, andere Länder.“ 384
Doch nicht nur Urlaubsfotos sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Eine Hochzeit zum Beispiel erscheint ohne einen Fotografen unwillkürlich als unvollständig. Soziologische Untersuchungen zeigen, dass es als Zeichen elterlicher Gleichgültigkeit gilt, vom Nachwuchs keine Aufnahmen zu machen. Demnach ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Haushalt eine Kamera besitzt, doppelt so groß, wenn die Familie Kinder hat. 385
Es gibt unzählige weitere Beispiele für die Allgegenwärtigkeit der Fotografie in unserer Gesellschaft. Gerade im privaten Bereich wird das Verlangen nach Fotografien durch die Veränderung der sozialen Strukturen verstärkt. Die Familie als feste Einheit ist im Zuge der Industrialisierung immer mehr aufgeweicht. Die einzelnen Familienmitglieder wohnen nicht mehr zwangsläufig im gleichen Haus oder gar im selben Ort. Die Fotografie kann dabei helfen, die gefährdete Kontinuität des Familienlebens auszugleichen: Das Fotoalbum wird zum Zeugnis familiärer Verbundenheit und Geborgenheit. 386
Sowohl Urlaubsfotos als auch Familienaufnahmen sind Ausdruck unserer Individualität und Existenz. Sie dienen uns als Orientierungshilfe, indem sie aussagen „ich war da“ oder „ich gehöre dazu“. Susan Sontags 387 Beschreibung fotografierender Touristen nimmt sarkastisch darauf Bezug: „Allein schon das Hantieren mit der Kamera ist beruhigend und mildert das Gefühl der Desorientierung, das durch Reisen oft verschärft wird. Die meisten Touristen fühlen sich genötigt, die Kamera zwischen sich und alles Ungewöhnliche zu schieben, das ihnen begegnet. Nicht wissend, wie sie sonst reagieren sollten, machen sie eine Aufnahme. So wird Erfahrung in eine feste Form gebracht: stehen bleiben, knipsen, weitergehen.“ 388
384 vgl. ebda.
385 vgl. Susan Sontag: Über Fotografie, S. 14 f.
386 vgl. ebda.
387 Siehe Anhang/Glossar/Autoren, S. 91
388 vgl. Susan Sontag: Über Fotografie, S. 15 f.
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Der gesellschaftliche Stellenwert der Fotografie
Die Tendenz, so viel wie möglich fotografisch festzuhalten, findet in der Grundidee der „Lomographischen Gesellschaft“ 389 ihren Höhepunkt: die gesamte Weltoberfläche fotografisch zu dokumentieren und damit archivierbar zu machen. 390 Die erste der zehn lomographischen Grundregeln lautet: „Nimm die Kamera mit, wo immer Du gehst!“. Die Lomographen, explizit keine Profi-Fotografen, fotografieren mit der Lomo, einer russischen Kamera. Dabei machen sie ihre Aufnahme bestenfalls „aus der Hüfte“, das heißt, ohne eine fokussierte Bildauswahl zu treffen. Es geht darum, sich von ästhetischen Konventionen freizumachen: Ein Bild muss im lomographischen Sinn nicht scharf sein, es muss kein Objekt in den Fokus rücken oder auf die Bildkomposition achten. Es soll einfach nur ein Dokument sein, das von subjektiven Einflüssen so frei wie möglich ist. Zugleich grenzen sich die Lomographen von den Fotografen ab, indem sie sich selbst das Recht zusprechen, alles zu fotografieren, ohne dabei auf technische Perfektion achten zu müssen. Die „International Lomographic Society“ bietet online ein Portal zum Upload von Lomographien an. Der sogenannte „World Browser“ besteht zurzeit aus 85 505 Fotografien aus 157 Ländern. 391
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Fotografie ein allgegenwärtiger und selbstverständlicher Teil unserer Gesellschaft geworden ist. Welche Auswirkungen hat dieser Umstand jedoch auf die Verantwortlichkeit von Fotografen gegenüber den Rezipienten?
Bereits in der Einleitung wurde auf die Macht der Bilder Bezug genommen. Die internen Repräsentationen berühmter Fotografien, der Wunsch des Menschen, seine Umwelt zu vereinfachen, um die Reizvielfalt zu reduzieren und das Grundvertrauen in die Objektivität der Fotografie - all diese Faktoren führen zu einer Verantwortung des Fotografen, des Bildredakteurs und des Publizisten gegenüber dem Betrachter der veröffentlichten Fotografie und werfen ethische Fragestellungen auf, die im nächsten Kapitel behandelt werden.
389 http://www.lomography.com/about/, Zugriff: 27.11.2005
390 vgl. Film: LOve & MOtion von Christian Schmidt-David
391 http://www.lomography.com/worldbrowser/, Zugriff: 27.11.2005
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
5.2 Die Ethik der Pressefotografie
Bevor wir uns damit beschäftigen können, welche ethischen Fragen bei der Produktion von Pressefotografie auftauchen, sollten wir unser Augenmerk auf die Frage richten, welche Einstellung beim Rezipienten zur Fotografie vorliegt. Ein wichtiger Faktor ist hier die Grundannahme, dass eine Fotografie die Wahrheit abbildet und man ihr demnach Glauben schenken kann.
5.2.1 Das objektive Bild
Wie im einleitenden Teil dieser Arbeit bereits erwähnt, genießen Fotografien noch immer einen gewissen Glaubwürdigkeitsbonus. Hermann Schäfer äußert sich dazu wie folgt: „Übrigens üben Geschichtsstudenten bis heute in den ersten Semestern im Pflichtprogramm Quellenkritik, die wenigsten ihrer Dozenten ziehen dabei jedoch auch bildliche Quellen heran. Die Objektivität der Bilder scheint vielen Menschen technisch verbürgt. Von diesem Vertrauensvorsprung zehren Fotografien und Fotografen noch heute.“ 403
Dem objektiven Wahrheitsgehalt von Fotografien stellt Hans Mathias Kepplinger so genannte Darstellungseffekte entgegen. Diese sind das Resultat eines Wirkungsprozesses, der in vier Stufen unterteilt werden kann:
1. Das reale Verhalten
2. Das dargestellte Verhalten
3. Das wahrgenommene Verhalten
4. Das attribuierte Verhalten. 404
Kepplingers Studien beziehen sich gesondert auf die Darstellung und die Wahrnehmung von Personen. Meiner Meinung nach ist jedoch eine Abstraktion auf gegenständliche Fotografie und ihre Sujets im Allgemeinen möglich. Die einzelnen Stufen des Wirkungsprozesses könnten demnach auch:
1. Die zugrunde liegende Realität
2. Die dargestellte Realität
403 vgl. X für U - Bilder, die lügen, S. 6
404 vgl. Hans Mathias Kepplinger: Darstellungseffekte, S. 9
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
3. Die wahrgenommene Realität
4. Die attribuierte Realität
genannt werden.
Stufe eins bezieht sich auf die tatsächliche Begebenheit. Bei einer abgebildeten Person können dies Faktoren wie Mimik, Gestik und Sprechweise sein. Bei der Darstellung eines Gebäudes wären das unter anderem seine Bauweise, Materialzusammensetzung und Zustand. Bei der Untersuchung von dargestellten Lebewesen muss im Gegensatz zu dargestellten leblosen Objekten beachtet werden, dass der Habitus lebendiger Aufnahmesujets von der Aufnahmesituation an sich beeinflusst sein kann.
Die anschließende Darstellung der Realität unterliegt verzerrenden Einflüssen, zum Beispiel einer bestimmten Kameraperspektive, die vom Fotografen gewählt wird. Demnach muss die dargestellte Realität, auch wenn sie zeitgleich mit der zugrunde liegenden Realität ist, von dieser unterschieden werden.
Beim Rezipienten und der Wahrnehmung der Darstellung gibt es weitere Verzerrungen: die Einstellung des Betrachters zur dargestellten Situation oder Person, sein Wissen über Darstellungstechniken und ähnliches.
Die attribuierte Realität schließlich ist das Ergebnis eines Interpretationsprozesses durch den Betrachter und seines anschließenden Urteils. Bei der Fotografie eines Politikers zum Beispiel könnte sich diese Attribuierung auf seine Glaubwürdigkeit und seine Intentionen beziehen. Der Rezipient spricht dem Abgebildeten diese Eigenschaften aufgrund der Darstellung zu oder ab. 405
Die Störfaktoren, die dazu führen, dass die zugrunde liegende Realität nicht mit der attribuierten Realität übereinstimmt, sind demnach auf Seiten des Produzenten und des Rezipienten zu finden.
405 vgl. Hans Mathias Kepplinger, a.a.O., S. 9 f.
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
Es lässt sich zusammenfassend feststellen, dass eine Fotografie niemals gänzlich objektiv sein kann. Dennoch wäre es unzulässig, der Fotografie im Allgemeinen ihren dokumentarischen Wert abzusprechen. Denn tatsächlich haben Fotografien die Fähigkeit, die Realität äußerst treffend wiederzugeben.
Rudolf Arnheim unterscheidet drei dokumentarische Qualitäten der Fotografie: Authentizität, Richtigkeit und Wahrheit. Unter Authentizität versteht er eine abgebildete Szene, die nicht manipuliert wurde. Sie ist also nicht gestellt, verändert oder retuschiert. Eine Fotografie ist richtig, wenn sie der festgehaltenen Wirklichkeit zum Beispiel im Hinblick auf die Farben und die Proportionen entspricht. Schwarz-Weiß-Aufnahmen oder Aufnahmen mit verzerrendem Objektiv können dazu also nicht gezählt werden. Die Dimension der Wahrheit ist am schwierigsten zu überprüfen: Als wahr gilt eine Fotografie, wenn sie das, was sie abbilden soll, charakteristisch erfasst. Die Bildaussage soll also der Realität entsprechen.
Dies führt jedoch zu Konflikten, die Arnheim wie folgt darstellt: „Eine Fotografie kann authentisch, aber unwahr sein, sie kann wahr und doch nicht authentisch sein.“ So kann eine authentische Fotografie der Realität konträr entgegenstehen. Beispiele hierfür wären ein für Sekundenbruchteile verzerrtes Gesicht eines generell souveränen Redners oder die friedfertige Pose eines gewalttätigen Rebellen während einer Kampfpause. Ein Foto kann jedoch sehr wahr sein, wenn es auf Authentizität verzichtet, beispielsweise eine extreme Weitwinkelaufnahme eines Erdbebengebietes oder ein nachgestellter Banküberfall. 406
Eine Fotografie kann also sehr wohl die Wahrheit wiedergeben, unterliegt in dieser Wiedergabe aber subjektiven Einflüssen. Ihren Wahrheitsgehalt verdankt sie der ethischen Auffassung und Arbeitsweise des Fotografen, seiner Wahrnehmung der zugrunde liegenden Realität und der Verwendung der Fotografie durch den Bildredakteur oder die Veröffentlichung an sich im richtigen Kontext. Der Glaubwürdigkeitsbonus gegenüber anderen Medien, wie zum Beispiel dem Pressetext, ist also nicht generell gerechtfertigt.
406 vgl. Sabine Holicki: Pressefoto und Pressetext im Wirkungsvergleich, S. 31
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
Fotografien unterliegen nicht nur den subjektiven Störeinflüssen, sie können zudem bewusst manipuliert werden. Im Folgenden soll darauf detaillierter eingegangen werden.
5.2.2 Bildmanipulation
1931 schrieb Bertolt Brecht zur Feier des zehnjährigen Bestehens der Arbeiter-Illustrirten Zeitung: „Die Fotografie ist in den Händen der Bourgeoisie zu einer furchtbaren Waffe gegen die Wahrheit geworden. (...) Der Fotoapparat kann ebenso lügen wie die Schreibmaschine.“ 407 Im folgenden Kapitel werden mehrere Möglichkeiten behandelt, wie die Presse Fotografien oder ihre ursprüngliche Intention verfälschen kann. Der Begriff „Bildrealität“ steht hierbei für die ursprüngliche Intention des Fotografen und den tatsächlichen Kontext, in dem die Aufnahme entstanden ist.
5.2.2.1 Die digitale Verfälschung
Nach dem Bombenattentat vom 17. November 1997 im ägyptischen Theben veröffentlichte das Schweizer Boulevardblatt Blick eine Aufnahme vom Tempel des Hatschepsut, vor dem eine große Blutlache zu sehen ist. 408 Vier Tage später wurde Blick vom Konkurrenten SonntagsZeitung der Bildmanipulation bezichtigt. Der Beweis für die Fälschung war schnell erbracht: Das Originalfoto 409 der Associated Press zeigt lediglich eine große Wasserpfütze vor dem Tempel, die von den Redakteuren der Blick mittels Bildbearbeitung rot eingefärbt wurde. Diese Bearbeitung sollte den Artikel dramatischer machen und die Sensationslust der Leser befriedigen. Es würde im Rahmen dieser Arbeit zu weit führen, auf die rechtliche Problematik der Verfälschung einzugehen. Sicherlich wurden hier die Rechte des Fotografen und die Rechte der Associated Press verletzt. Im Bezug auf Arnheim lässt sich jedoch zusammenfassend sagen, dass die Fotografie nach der digitalen Bearbeitung weder authentisch noch richtig oder wahr ist.
5.2.2.2 Die Bildunterschrift
Im Dezember 1956 veröffentlichte die Wochenzeitschrift L’Express eine doppelte Fotoserie mit dem Titel „Information oder Propaganda?“. Sie ist während des
407 vgl. Helmut Blecher, a.a.O., S. 19
408 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 31, S. 100
409 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 32, S. 100
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
ungarischen Aufstandes gegen Russland entstanden. Die Fotoreihe besteht aus zwei identischen Sätzen von Bilddokumenten, die von den Redakteuren lediglich unterschiedlich angeordnet und untertitelt wurden.
Ein Beispiel: Eine Fotografie zeigt einen russischen Panzer auf der Straße. Die erste Bildunterschrift lautet: „Unter Missachtung des Selbstbestimmungsrechts der Völker hat die sowjetische Regierung Panzerdivisionen in Budapest auffahren lassen, um den Aufstand niederzuschlagen“. Unter dem gleichen Foto steht in der zweiten Serie: „Das ungarische Volk hat das sowjetische Volk um Hilfe gebeten. Zum Schutz der Arbeiter und zur Wiederherstellung der Ordnung sind russische Panzer geschickt worden“.
L’Express wollte damit auf die Gefahr von möglichen Manipulationen hinweisen. 410 Elf Jahre später gab es ein reales Beispiel für eine derartige Verfälschung der Bildrealität: Der Stern veröffentlichte 1967 zur Zeit des Biafra-Krieges eine Reportage unter dem Titel „Die Söldner und ihr Paradies“. Ein Bild des Fotografen Paul Ribeau zeigt die verrenkten Körper zweier Afrikaner, die an den Armen an einem Baum aufgehängt wurden. Die Bildunterschrift lautet: „Soldaten der kongolesischen Nationalarmee haben diese beiden Katangapolizisten gefangen und an Bäumen aufgehängt, um sie dort Hungers sterben zu lassen. Die weißen Söldner Schrammes haben ihnen das Leben gerettet“. Eine Woche später druckte die Wochenzeitung Jeune Afrique, die in Paris erscheint und deren Leserschaft vorwiegend aus Afrikanern besteht, dasselbe Foto und Auszüge des Stern-Artikels ab. Die Bildunterschrift lautet hier allerdings: „Soldaten der kongolesischen Nationalarmee in der Gefangenschaft der Söldner“. Le Monde veröffentlichte daraufhin einen Brief des Fotografen Paul Ribeau, indem er erklärt: „Die Männer, die an dem Baum hängen, sind weder kongolesische Soldaten noch Polizisten Katangas. (...) Weiter möchte ich hinzufügen, dass ich nicht die Unterschriften für meine Photoreportage verfasst habe, die unlängst in verschiedenen Publikationen in Frankreich, England, Amerika, Deutschland, Italien usw. erschienen ist. Ich war sehr erstaunt, in Jeune Afrique die Reportage der deutschen Zeitschrift Stern zu lesen...“. 411
410 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 173
411 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 174 f.
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
Diese Beispiele zeigen, wie einfach es ist, die Bedeutung einer Fotografie durch eine Bildunterschrift zu verändern. Darin begründet sich ein weiteres ethisches Problem für die Fotografen: Sie sind im Normalfall nicht diejenigen, die ein Foto veröffentlichen. Sie werden meistens nicht an der Auswahl durch den Bildredakteur beteiligt und haben demnach auch keinerlei Einfluss auf die Verwendung ihrer Fotografie. Die Intention, mit der eine Fotografie aufgenommen wurde, kann durch eine entgegen gesetzte Bildunterschrift zunichte gemacht werden.
5.2.2.3 Die Zusammenstellung von Fotografien
Ein weiteres Mittel zur Verfälschung von Bildintentionen ist die Zusammenstellung von Bildmaterial bei der Veröffentlichung. Ein Beispiel hierfür liefert die Fotografin Gisèle Freund. Sie wurde 1936 von Life beauftragt, eine Reportage über die Elendsviertel in England zu machen, die sogenannten „depressed areas“. Sie fotografierte Arbeitslose, von denen es zu dieser Zeit fast zwei Millionen in England gab, und ihre Familien. Zur gleichen Zeit gab es den „Skandal Simpson“: König Edward hatte sich in eine geschiedene Amerikanerin verliebt, was von der englischen Presse aufs Schärfste verurteilt wurde. König Edward beugte sich der viktorianischen Strenge seines Volkes und dankte ab. Amerika hingegen fühlte sich von der öffentlichen Meinung Englands vor den Kopf gestoßen. In dieser Stimmung veröffentlichte Life die Bilder Gisèle Freunds unter dem Titel: „Was man in England unter notleidenden Gegenden versteht“. Zu den Fotografien Freunds wurde allerdings ein ganzseitiges Foto der Königin Mary gefügt, das die Königin im Spitzenkleid und mit viel kostbarem Schmuck zeigt. 412 Der Kontrast zwischen materiellem Überfluss und Elend machte jede weitere Bildunterschrift überflüssig. „Mrs. Simpson war in den Augen des liberalen Amerika gerächt“, so die Fotografin. 413
5.2.2.4 Die Retusche
Die Revue Photo brachte im Juni 1970 ein Beispiel für die Retuschierung und Fälschung von Fotografien. Bei den Bildern handelte es sich um tschechische Fotos, auf denen im Original Präsident Svoboda und Alexander Dubcek zu sehen
412 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 33, S. 101
413 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 175 f.
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
sind. Nachdem Dubcek in Ungnade gefallen war, wurde er von den Fotografien
entfernt. 414
Dies kommt öfter in der politisch verwendeten Fotografie vor. Die bekanntesten Beispiele kommen aus der ehemaligen Sowjetunion: Stalin ließ unliebsame Parteifunktionäre aus Fotografien entfernen, während er gleichzeitig in historische Szenarien eingeblendet wurde, an denen er in Wirklichkeit nie teilgenommen hatte. Auch Lenin bediente sich dieser Mittel. Bei seiner Rede zu Rotarmisten vor dem
Moskauer Bolschoi-Theater im Jahr 1920 war Trotzki mit anwesend. 415 Als Trotzki sieben Jahre später aus der Partei ausgeschlossen wurde, verschwand er von
dieser berühmten Fotografie. 416 417
Das Auslöschen der Erinnerung an Personen, die in Misskredit geraten sind, nennt man „Damnatio memoriae“. Diese Art der Bildmanipulation ist in unserer heutigen Gesellschaft nach wie vor von Relevanz. Gerade die Retuschen zur Legitimation des Marxismus-Leninismus sind das Bildmaterial, das in der DDR dazu verwendet
wurde, die innere Geschlossenheit der herrschenden Ideologie aufzuzeigen. 418
Es bedarf allerdings keines totalitären Systems, um Retuschen auf Pressefotografien zu entdecken. In der BRD sorgte 1998 eine Fotografie für Aufsehen, die bei einem Besuch von Bill Clinton in Eisenach entstand. Das Originalbild der Agentur Reuters zeigt US-Präsident Bill Clinton, Bundeskanzler Helmut Kohl und Ministerpräsident Bernhard Vogel vor einem großen Publikum. Über der Menschenmenge ist ein Plakat zu sehen, auf dem steht: „Ihr habt auch in
schlechten Zeiten dicke Backen“. 419 Unmittelbar nach dem Besuch Clintons veröffentlichte die Thüringer Landesregierung eine Broschüre, in der das Foto
abgebildet war - dieses Mal allerdings ohne das Plakat über dem Publikum. 420 Die Bild-Zeitung und die Süddeutsche Zeitung griffen die Manipulation thematisch auf. Die Bild veröffentlichte einen Artikel mit der Überschrift „Nanu, wo ist denn das Plakat geblieben?“. Die Süddeutsche versuchte, vom Regierungssprecher Hans Kaiser eine Stellungsnahme zu erhalten. Dieser lehnte jedoch jeden Kommentar ab. Bis heute ist nicht geklärt, wer letzten Endes für die Verfälschung der Fotografie
414 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 180
415 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 34, S. 101
416 vgl. http://www.raeterepublik.de/Stalins_Retuschen.htm, Zugriff: 14.10.2004
417 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 35, S. 101
418 vgl. X für U - Bilder, die lügen, S. 8 f.
419 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 36, S. 102
420 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 37, S. 102
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
verantwortlich war, die von der Pressestelle der Landesregierung Thüringen veröffentlicht wurde. 421
5.2.2.5 Die Ausschnittsvergrößerung
Im Allgemeinen folgt die Auswahl eines Bildausschnittes ästhetischen Überlegungen. Der Fotograf kann ablenkende oder unschöne Details eliminieren und damit die Bildwirkung steigern. Es ist jedoch auch möglich, die Bildrealität durch die Wahl des Ausschnitts zu verfälschen. Ein Beispiel hierfür ist die Aufnahme von G. David Schine und Robert Stevens von 1954. Schine war Adjutant des US-Senatoren Joseph McCarthy, Stevens der Heeresminister. McCarthy gab die Anweisung, aus der Originalaufnahme nur den Ausschnitt zu verwenden, der Stevens und Schine zeigt, die restlichen Personen wurden entfernt. 422 Dadurch erweckt das Foto den Eindruck, als würde Stevens ein gutes Verhältnis zu Schine haben und darum bemüht sein, dieses zu erhalten. Der Berater Stevens’, Joseph Welsch, gelangte an die Originalaufnahme und enthüllte den Betrug. Dieser Vorfall war unter anderem ein Grund für den Sturz McCarthys. 423
Ethische Überlegungen zur Fotografie beschäftigen sich nicht nur mit der Art der Darstellung eines Sujets, sondern auch mit der Wahl des Sujets an sich. Problemfelder sind hier die Darstellung von Gewalt oder Elend. Darauf wird im folgenden Abschnitt Bezug genommen.
5.2.3 Gewalt und Fotografie
Beschäftigt man sich mit Gewaltdarstellungen in der Pressefotografie, drängt sich unweigerlich ein diskussionswürdiger Aspekt auf: Ein Fotograf, der den Auslöser betätigt und damit eine Szenerie konserviert, bei der einem Lebewesen Schaden zugefügt wird. Überlegungen zur Rolle des „unbeteiligten Beteiligten“, wie Proust ihn nennt 424 , führen zum Dilemma des Fotografen: dem Opfer in der Situation zu helfen und auf die Aufnahme zu verzichten oder die Möglichkeit zu ergreifen, Informationen zu sammeln, zur Weiterverbreitung aufzuarbeiten und damit
421 vgl. X für U - Bilder, die lügen, S. 23
422 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 38 und Abb. 39, S. 102
423 vgl. Time-Life Books: Photojournalismus, S. 114 f.
424 vgl. Michael Ruetz: Bibliothek der Augen, S. 8
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
möglicherweise zur Behebung von Missständen beizutragen. Und
selbstverständlich Material zur Vermarktung zu erstellen. Susan Sontag beschäftigt sich unter anderem mit den moralischen Aspekten dieses Berufsstandes. Dabei interessiert sie sowohl das abgelichtete Sujet und die damit verbundene Nichteinmischung als auch die Aggressivität der Fotografen an sich. Im Hinblick auf diesen zweiten Aspekt ist ihrer Meinung nach die Fotografie per se ein Akt der Gewalt. „Menschen fotografieren ist ihnen Gewalt antun, indem man sie so sieht, wie sie selbst sich niemals sehen. (...) Es verwandelt Menschen in Objekte, die man symbolisch besitzen kann.“ 425
Betreffs der Einmischung bzw. Nichteinmischung bezeichnet sie Fotografen als „Supertouristen“, die sich nicht in das Leben anderen Menschen einmischen, sondern es nur besichtigen. Im Bezug auf die Pressefotografie und die Ablichtung von Gewaltakten ist es demnach für sie plausibel, „wenn ein Fotograf, der sich vor die Alternative gestellt sieht, eine Aufnahme zu machen oder sich für das Leben eines anderen einzusetzen, die Aufnahme vorzieht. Wer sich einmischt, kann nicht berichten; und wer berichtet, kann nicht eingreifen.“ 426
Daraus lässt sich allerdings folgende Überlegung ableiten: Ein Fotograf, der eine Aufnahme macht, während einem Lebewesen Gewalt angetan wird, mischt sich in diesem Moment nicht ein, indem er versucht, den Gewaltakt an sich zu beenden. Er ist jedoch auch nicht gänzlich unbeteiligt, da er die Situation konserviert und damit dem Opfer möglicherweise im Nachhinein helfen kann.
Wie verhält es sich jedoch mit der ersten Überlegung, dass das Fotografieren an sich ein Gewaltakt ist? Susan Sontag vertritt nicht als Einzige diese Meinung. Der kritische, zeitweise verurteilende Blick auf die Fotografie, losgelöst vom Sujet des Bildes, ist nicht auf den Paparazzi-Journalismus beschränkt. So sagte Michael Ruetz über Kollegen, die das Elend der Dritten Welt auf Film bannen: „Hunger-Kinder-Bilder haben etwas furchtbar Obszönes. Sie dienen uns mehr als den Betroffenen. Sie nehmen dem Opfer mehr, als sie ihm geben, sie nehmen ihm oft sogar das Letzte: das Recht am eigenen Bild, die private Sphäre.“ 427
425 vgl. Susan Sonntag, a.a.O., S. 20
426 ebda., S. 17 - 18
427 ebda., S. 47
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
Eines der populärsten „Hunger-Kinder-Bilder“ ist die Aufnahme von Kevin Carter 428 , für die er 1994 den Pulitzerpreis erhielt. Es zeigt ein erschöpftes und halbverhungertes Kind, hinter dem ein Geier lauert. Carter setzte sich mit dieser Aufnahme harter Kritik aus: Seine Moral wurde angezweifelt, er wurde selbst als ein „Geier“ bezeichnet und immer wieder gefragt, warum er dem Kind nicht geholfen habe. Carter beging kurz nach der Preisverleihung im Alter von 33 Jahren Selbstmord. In seinem Abschiedsbrief klagt er über Morde, hungernde Kinder,
Leichen und Schmerz, die er nicht mehr ertragen kann. 429
In der Literatur tauchen immer wieder Hinweise auf, dass Fotografen, insbesondere Kriegsberichterstatter, an Depressionen leiden und nicht verarbeiten können, was sie gesehen und fotografiert haben. Doch bedeutet das, dass sie ihre Arbeit moralisch nicht vertreten können? Oder ist das erlebte Leid an sich schwer zu verkraften? Der Kriegsfotograf Don McCullin gestand einmal: „Journalisten gehen anfangs nicht in den Krieg, weil sie gegen die Inhumanität des Krieges sind, sie
gehen meistens, weil sie den Krieg lieben.“ 430 Denn der Krieg bietet Fotografen unzählige Möglichkeiten, ein „gutes Bild“ zu bekommen. Dabei zählt das Prinzip „zur rechten Zeit am rechten Ort“ und das Festhalten von Grausamkeiten. Wie Thomas Höpker einmal formulierte: „Der Bildjournalismus hat sich vor allem durch die Darstellung des Schreckens hervorgetan. Das Erfreuliche und Normale taugt
selten als Nachricht.“ 431
Doch gerade Fotografien vom Krieg können eindringlich und plastisch die Gräuel
des Krieges vor Augen führen. Das Buch Krieg dem Kriege von Ernst Friedrich 432 besteht zu großen Teilen aus Bildern verstümmelter Kriegsopfer, die dem Betrachter die Möglichkeit nehmen, den Krieg als etwas Abstraktes und
Unwirkliches zu verdrängen. 433 Robert Capa, einer der berühmtesten Kriegsfotografen unserer Zeit, sagte einmal: „Der brennendste Wunsch eines
Kriegsfotografen ist der nach Arbeitslosigkeit." 434 Diese Überlegungen machen es unmöglich, die Darstellung von Gewalt in der Pressefotografie als „gut“ oder „böse“ zu deklarieren. Vielmehr verdeutlichen sie die
428 siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 40, S. 103
429 vgl. Zeitbilder: 45 Jahre Pulitzer-Preis-Fotografie, S. 225
430 vgl. Helmut Blecher, a.a.O., S. 37
431 vgl. ebda; S. 7
432 vgl. Ernst Friedrich: Krieg dem Kriege
433 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 41, S. 103
434 vgl. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,337784,00.html, Zugriff: 23.01.2005
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
Polarität, mit der man das Fotografieren von Gewalt (und Fotografie als Gewalt an sich) wahrnehmen muss. Es ist nicht möglich, die Fotografie unkritisch zu betrachten. Selbst die größte Begeisterung für die Fotografie kann nicht verhindern, dass beim Reflektieren über Gewaltfotografien, auch wenn sie mit den besten Absichten entstanden sind, ein bitterer Nachgeschmack bleibt. Und ein tiefer gehendes Beschäftigen mit der Fotografie an sich kann zu ähnlichen Resultaten führen. Susan Sontag zitiert die Fotografin Diane Arbus, die sagt: „Ich hielt das Fotografieren immer für etwas Unanständiges - das fand ich daran besonders kennzeichnend und als ich es zum erstenmal selbst tat, kam ich mir sehr pervers vor.“ 435 Wie kann man sich dem „perversen Aspekt“ der Fotografie nähern? Susan Sontag versucht es über die verwendeten Fachtermini: „(...) So vage wir uns solcher Phantasievorstellungen auch bewusst sein mögen - sie werden dennoch unverhohlen beim Namen genannt, wenn wir davon sprechen, dass wir die Kamera ‚laden’ und ‚zücken’ und ein Bild ‚schießen’.“ 436 Ihrer Meinung nach haftet dem Fotografieren etwas „Räuberisches“ an. 437
Im Bezug auf die Pressefotografie drängt sich hier die Vorstellung des klassischen „Blitzlichtgewitters“ auf: Fotografen, die versuchen, bei öffentlichen Events die größtmögliche „Beute“ zu machen. Es ist durchaus möglich, den Auftritt eines Künstlers zu fotografieren und ihn dabei zum Statisten des eigenen „Auftritts“ als Fotograf zu machen. Dabei „stiehlt“ man ihm, um im Terminus von Susan Sontag zu bleiben, einen Teil der künstlerischen Anerkennung, um sie sich selbst einzuverleiben. Doch die Kehrseite der Medaille ist ebenso klar zu erkennen: Man verhilft einem Künstler zu mehr Popularität. Politiker haben die Möglichkeit, sich beim öffentlichen Fototermin bestmöglich zu präsentieren und Opfern von Gewalt, politischen Missständen oder sozialer Ungerechtigkeit kann durch die Veröffentlichung ihres Fotos geholfen werden, indem die Gesellschaft über ihr Elend aufgeklärt wird.
435 vgl. Susan Sonntag, a.a.O., S. 18
436 vgl. ebda.
437 vgl. ebda., S. 20
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
5.2.4 Fotografie als Propagandawerkzeug
In dieser Arbeit tauchten bereits einige Hinweise darauf auf, dass die Fotografie ein bevorzugtes Mittel der politischen Propaganda ist. Die Aufnahmen Hoffmanns von Hitler und das Einsetzen der „Damnatio memoriae“ sind nur einige Beispiele hierfür. Dabei wird die angestrebte Wirkung der Fotografie durch die Tatsache verstärkt, dass einem Foto generell ein hoher Wahrheitsgehalt zugesprochen wird und Bilder eher als Pressetexte Emotionen auslösen. 438
Gisèle Freund stellt Folgendes fest: „Weil die Photographie sich an das Gefühl richtet, besitzt sie eine Überzeugungskraft, die ganz bewusst von denjenigen ausgenutzt wird, die sich ihrer als eines Instruments zur Manipulation bedienen.“ 439
Der Begriff „Propaganda“ wird meist automatisch mit Diktaturen oder Kriegen assoziiert. Ein Beispiel aus dem Jahr 1966 zeigt, dass Manipulation auch in einer Demokratie als Werkzeug zur Beeinflussung eingesetzt wird. Einen Monat vor den anstehenden Landtagswahlen in Deutschland befürchtete man in Frankreich einen Sieg der NPD. Paris-Match veröffentlichte eine achtseitige Reportage mit dem Titel: „Bei den Nazis von 66“. Der Opener zeigt einen jungen Mann mit einer Hakenkreuz-Armbinde, der vor einer Fahne der Nationalsozialisten steht. 440 Die Bildunterschrift lautet: „Nazipartei in Bayern; sie holen die Reliquien des Reiches hervor und beim Biertrinken singen ‚sie’ wieder im Chor das Horst-Wessel-Lied.“ Millionen Rezipienten sahen diese Aufnahmen und hielten sie für glaubwürdig. Es stellte sich im Anschluss jedoch heraus, dass ein Redakteur des Paris-Match beim Kostümverleiher die angeblichen Nazi-Reliquien erstanden hatte. Er schenkte einigen jungen Männern ein Fass Bier und überredete sie auf diesem Wege, für seine Fotografien zu posieren. 441
Unser Blick muss jedoch nicht über die Grenze schweifen, um Propaganda zu entdecken. In Deutschland ist die Bild-Zeitung ein Massenmedium mit hohem Bildanteil. Es wird allgemein angenommen, dass „die Bildzeitung bestimmt, was in Deutschland politisch gedacht wird.“ Diesem Vorurteil stellt sich Kai-Hinrich Renner
438 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 228
439 vgl. ebda., S. 229
440 Siehe Abbildungsverzeichnis; Abb.: 42 , S. 103
441 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 179 - 180
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
2003 in seinem Vortrag „’Florida-Rolf’ und Bohlens Lebensbeichte - Zum Agenda-Setting der ‚Bild-Zeitung’“ in der Landesvertretung NRW. 442
Renner kommt zwar zu dem Schluss, dass die Bild-Zeitung in politischen Fragen nicht mehr kampagnenfähig ist, ihre Methoden sind jedoch im Rahmen dieser Abhandlung von Interesse. Ein Beispiel für Falschdarstellungen mit dem Ziel, die Meinung der Leser zu beeinflussen, ist der Versuch der Bild-Zeitung im Jahr 2001, die so genannten Alt-68er zu verunglimpfen, allen voran Jürgen Trittin und Joschka Fischer.
Ein zu stark gerastertes und mit einer tendenziösen Bildunterschrift manipuliertes Foto zeigt Jürgen Trittin auf einer Demonstration. 443 Ein abgebildetes Seil wird von der Bild-Zeitung als Schlagstock identifiziert, ein Handschuh als Bolzenschneider. Es sollte der Eindruck erweckt werden, der damalige Bundesumweltminister marschiere gemeinsam mit gewaltbereiten Demonstranten. Die Folge war jedoch eine Diskreditierung des Chefredakteurs, Kai Diekmann, der sich öffentlich bei Trittin entschuldigen musste. Die Bild-Zeitung wurde vom Deutschen Presserat gerügt.
Die Personalkampagne gegen Fischer verlief noch erfolgloser: Da in Fischers WG in den siebziger Jahren einmal eine Terroristen übernachtet hatte, zeigte Bild den damaligen Außenminister nur noch in Verbindung mit einem RAF-Stern. 444 Fischers Umfrageergebnisse als einer der beliebtesten deutschen Politiker litten nicht darunter. 445
Dennoch zeigen diese Beispiele, dass Fotografien auch heute und in politisch stabilen Systemen zum Zwecke der Meinungsmache und Manipulation eingesetzt werden.
5.2.5 Fotografie und Privatsphäre: Die Paparazzi
Eine Subkultur der Pressefotografie ist der Paparazzi-Journalismus. Das wichtigste Arbeitsgerät des Paparazzo ist ein starkes Teleobjektiv. Diese Ausrüstung erlaubt es diesen Sensationsfotografen, Prominente aus der Ferne in Momenten
442 vgl. http://www.bpb.de/files/RPZTS8.pdf, Zugriff: 8.12.2005
443 Siehe Abbildungsverzeichnis; Abb. 43 , S. 103
444 vgl. http://www.bpb.de/files/RPZTS8.pdf, Zugriff: 8.12.2005
445 vgl. Der Spiegel, S. 26
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
abzulichten, in denen sie sich unbeobachtet fühlen. Auch detaillierte Nahaufnahmen von Verletzungen oder von Toten sind damit möglich. Die Nachfrage nach skandalösen Aufnahmen ist seit der Veröffentlichung von Fotografien in den Medien ungebrochen, die Tendenz sogar eher steigend. Wie bereits angesprochen sind erschreckende, dramatische oder heimliche Aufnahmen anziehend. Auf Grund der steigenden Anzahl an publizierten Fotografien, Veröffentlichungen und Berichten über Stars und Sternchen hat sich der Paparazzi-Journalismus drastisch verändert. Während man bei den Anfängen der Pressefotografie „das heimliche Bild“ noch mit Dr. Erich Salomon und damit mit einer künstlerisch wertvollen Aufnahme verknüpfte, ist der heutige Markt von einem stetig ansteigenden Zeit und Konkurrenzdruck für Fotografen und Publizisten geprägt.
Werfen wir dennoch einen Blick auf die Anfänge der Sensationspresse: Skandalzeitschriften wurden in den fünfziger Jahren in Italien populär. Die „Regenbogenpresse“, wie sie in Deutschland genannt wird, verbreitete sich in jedem kapitalistischen Land, während sie im Ostblock als unmoralisch galt und unterbunden wurde.
Die Paparazzi bedienen mit Aufnahmen von Berühmtheiten Bedürfnisse der meist weiblichen Leserschaft. Zum einen kann man am Privatleben eines Stars teilhaben und sich somit der Illusion hingeben, man führe ein vergleichbares Leben, da die Diskrepanz zwischen den verschiedenen Lebensweisen vermindert scheint. Zum anderen können mit Hilfe von unvorteilhaften Fotografien ungeschminkter, unfrisierter Hollywood-Diven Neidgefühle abreagiert werden. Auch wenn man die Reichen und Berühmten beneidet, man kann sich doch überlegen fühlen, wenn man eine Fotografie von einem betrunkenen, prügelnden Kinostar sieht. 446
Ein Pionier der Skandalfotografie ist Weegee, mit bürgerlichem Namen Arthur Fellig. Geboren wurde er 1899 in Polen. Zehn Jahre später wanderte er mit seiner Familie in die USA aus. Bis zur Volljährigkeit jobbte Weegee, um die Familie zu ernähren. Dann verließ er sein Zuhause und bekam mit 25 Jahren eine Anstellung bei Acme Newspictures, zunächst hauptsächlich in der Dunkelkammer. Durch gelegentliche fotografische Einsätze fand er jedoch Geschmack am Beruf des
446 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 197
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
Pressefotografen. Insbesondere Brände, die verheerende Auswirkungen hatten, zogen ihn an, da sich dort entstandene Fotos als finanziell rentabel erwiesen.
Elf Jahre später kündigte er seine Anstellung und wurde freier Fotograf, allerdings mit einem direkten Draht zum Polizeihauptquartier Manhattan. Er behauptete, neben dem berühmten Radioreporter Walther Winchell der Einzige zu sein, der mit polizeilicher Genehmigung den Polizeifunk abhören durfte. Dieser Umstand garantierte ihm, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Er legte sich den Künsternamen Weegee zu, welcher von Ouija abgeleitet ist. Ouija ist eine Art Brettspiel, mit dem man versucht, die Zukunft vorauszusagen. 1945 veröffentlichte er seinen Bildband „Naked City“, das großen Erfolg hatte. Das Museum of Modern Art wurde auf ihn aufmerksam, ebenso das Magazin Vogue. 447
Viele seiner Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen Mordopfer oder Celebrities. Seinem zweifelhaften Ruf als Vorreiter des Paparazzi-Journalismus kann man jedoch neben dem künstlerischen Wert der Aufnahmen auch seinen zynischen Blick auf die Sensationslust der Leser gegenüber stellen. Ein schöner Beleg für diese Sichtweise ist die Fotografie „Ihr erster Mord“. 448
Der heutige Paparazzi-Journalismus hat wenig mit seinen Anfängen gemein. Andreas Baier äußert sich in ProfiFoto folgendermaßen: „Paparazzifotos werden von Gestalten äußerst zweifelhaften Charakters für die Masse der Gewöhnlichen produziert. That’s the business. Die Auflage solcher Blätter (…) wird, wie wir alle wissen, ausnahmslos von Lesern bestimmt, die angeblich nur der Sportteil interessiert - und sonst nichts.“ 449
Die größte Ablehnung in jüngster Zeit erfuhr der Paparazzi-Journalismus 1997 beim Tod von Lady Diana. Der tödliche Autounfall der Princess of Wales soll von Paparazzi mitverschuldet worden sein, die dem Wagen von Lady Di und ihrem Geliebten Dodi al-Fayed folgten. Der Chauffeur fuhr zu schnell, um die Fotografen abzuschütteln und verlor dabei die Kontrolle über das Fahrzeug. Lady Diana, das
447 vgl. Allan Porter: Weegee 1899 - 1968, S. 7 ff.
448 Siehe Abbildungsverzeichnis; Abb. S. 44, S. 104
449 vgl. Helmut Blecher, a.a.O., S. 51
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
wohl beliebteste „Covergirl“ unserer Zeit, starb wenige Stunden später im Krankenhaus. 450
2003 wurden die drei verantwortlichen Fotografen Jacques Langevin, Fabrice Chassery und Christian Martinez von einem französischen Gericht freigesprochen. Sie sollen nicht gegen die französischen Gesetze zum Schutz der Privatsphäre verstoßen haben. Ihre Aufnahmen der tödlich verletzten Prinzessin und ihres Freundes wurden nie veröffentlicht. 451
Die gesellschaftliche Erregung über Paparazzi ebbte schnell wieder ab. Heute gilt das Motto „business as usual“ - die Boulevardpresse greift begierig enthüllende Fotografien von Prominenten, Nahaufnahmen von Toten oder Darstellungen von Gewalt auf. 452 Die aus der TV-Serie „Friends“ bekannte Schauspielerin Jennifer Aniston klagt aktuell (Dezember 2005) gegen einen Fotografen, der mit Hilfe eines Teleobjektivs Nacktaufnahmen der Schauspielerin durch die Fenster ihres Hauses gemacht hat. 453
Nach dieser kritischen Betrachtung der Fotografie und ihrer Ausläufer im Bereich der Sensationspresse rücken nun die Verdienste von Pressefotografie in den Vordergrund.
5.2.6 Verdienste der Pressefotografie
In dieser Arbeit wurden schon einige positive Effekte der Pressefotografie aufgeführt. Im Bereich der sozialkritischen Fotografie hat sich zum Beispiel der bereits erwähnte Lewis W. Hine verdient gemacht, der als fotografischer Mitarbeiter beim National Child Labour Committee arbeitete. Seine Aufnahmen 454 von Kindern, die in Baumwollspinnereien, auf Rübenfeldern oder in Kohlegruben arbeiten müssen, trugen dazu bei, dass Kinderarbeit 1918 gesetzlich verboten wurde. 455
Die Geschichte der Pressefotografie liefert weitere Beispiele für den positiven Einfluss von Fotografien auf die Gesellschaft. 1935 veröffentlichten Reporter der Farm Security Administration (FSA) eine Studie über die veränderten
450 vgl. http://www.mdr.de/brisant/koenigshaeuser/274506.html, Zugriff: 14.12.2005
451 vgl. http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/13/0,3672,2085517,00.html, Zugriff: 14.12.2005
452 vgl. Helmut Blecher, a.a.O., S. 51
453 vgl. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,388788,00.html, Zugriff: 14.12.2005
454 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 45, S. 104
246 vgl. Susan Sonntag, a.a.O., S. 65
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Die Pressefotografie - Gesellschaftliche Aspekte - Die Ethik der Pressefotografie
Lebensbedingungen in ländlichen Regionen als Folge der wirtschaftlichen Depression. Sie zeigten die menschenverachtenden Verhältnisse, in denen die amerikanische Unterschicht leben musste, und beeinflussten damit nachhaltig die öffentliche Meinung, die auf diesem Wege für die Zustände im eigenen Land sensibilisiert wurde. 456
Auch in der heutigen Zeit haben Fotografien das Bewusstsein der Leser geschärft oder Einstellungen geprägt. Der Fotoreporter Igor Kostin wird als „Tschernobyl-Fotograf“ weltberühmt. Er ist der Erste, der nach dem Reaktorunglück 1986 Fotografien vom Kernkraftwerk und der Umgebung macht. Seine Aufnahmen 457 verdeutlichen das Ausmaß der Katastrophe und gehen um die Welt. Sie werden unter anderem im Time Magazine, Paris Match und Stern veröffentlicht. In der Sowjetunion wird die Katastrophe allerdings tagelang geheim gehalten. Für seinen Mut und seinen Einsatz wird er mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet. Heute ist seine Strahlenbelastung seines Körpers viermal höher als die Menge, die ein Atomarbeiter in seinem Leben aufnehmen darf. 458
Auch die Beschreibung der World Press Photo Award-Gewinner und ihrer Aufnahmen zeigt die Notwendigkeit, Missstände in der Welt fotografisch festzuhalten und publik zu machen. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Verdienste der Pressefotografie als Mittel zum Informationstransfer unbestritten sind, jedoch eng mit dem verantwortungsbewussten Umgang auf Seiten der Produzenten und Publizisten verknüpft ist.
456 vgl. Helmut Blecher, a.a.O., S. 30
457 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 46, S. 104
458 vgl. http://www.greenpeace-magazin.de/magazin/reportage.php?repid=1055, Zugriff: 14.12.2005
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Die Pressefotografie - Zusammenfassung und Schluss
6. Zusammenfassung und Schluss
Dieser Abhandlung ist die Behauptung vorangestellt: „Bilder besitzen Macht“. Im Hinblick auf populäre Fotografien, die allgemein bekannt und weit verbreitet sind, neigt man dazu, dieser These Glauben zu schenken. Doch liefert diese Arbeit Indizien, die diese Annahme belegen können? Und wenn ja, welche?
Bereits in der Einleitung taucht ein Zitat von Gisèle Freund auf, indem sie behauptet, die Fotografie sei zu einem Alltagsphänomen geworden und derart omnipräsent, dass sie kaum noch hinterfragt wird. Dieser Gedanke ist nachvollziehbar, wenn wir versuchen, unsere eigenen Erfahrungen mit der Fotografie zusammen zu fassen. Wo tauchen in unserem Alltag Fotografien auf? Und gibt es Lebensbereiche, in die die Fotografie noch nicht vordringen konnte?
Im beruflichen Umfeld sehen wir gerahmte Fotografien von Familienangehörigen oder Freunden auf den Schreibtischen unserer Arbeitskollegen, das Portrait „Mitarbeiter des Monats“ ist im Flur aufgehängt, eine Galerie im Empfangsbereich zeigt den Werdegang der Firma in Form von Fotografien und die Präsentation von PowerPoint-Folien wird mit eingefügten Grafiken, Cartoons oder Fotos aufgelockert.
Im privaten Bereich tragen wir Fotografien unserer Liebsten im Geldbeutel, im Medaillon um den Hals, im Filofax oder als Schlüsselanhänger. Der Lebensabschnittsgefährte wird von den Eltern in die Familie aufgenommen, nachdem er einen zweistündigen Dia-Vortrag über die Schultheateraufführung der Tochter überstanden hat. Frischgebackene Eltern rächen sich an Weihnachten für den Umstand, dass nur noch ihr Kind mit Geschenken bedacht wird, indem sie jedem eine Fotografie des Nachwuchses überreichen und ihrerseits auf weitere Präsente verzichten.
Während uns diese Bilder des „Alltagsphänomens Fotografie“ zum Schmunzeln bringen, darf die eigentliche Bedeutung des Wortes „Macht“ jedoch nicht vergessen werden. Welche Eigenschaften einer Fotografie verleihen ihr Einfluss? Und welche Indizien für diese Eigenschaften liefert die vorliegende Arbeit? Im Folgenden
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Die Pressefotografie - Zusammenfassung und Schluss
werden die Charakteristika der Fotografie aufgelistet und Beweise für diese Wesensmerkmale gesammelt:
1. Die Fotografie ist allgegenwärtig
Die Geschichte der Fotografie belegt eindrucksvoll ihre kontinuierliche Verbreitung in unserer Gesellschaft. Bereits 70 Jahre nach der ersten Fotografie besaßen vier Millionen Engländer einen Fotoapparat. Der Trend der technischen Weiterentwicklung schreitet bis heute unaufhaltsam voran, was bedeutet, dass die gesellschaftliche Nachfrage nach Fotoapparaten und erweiterten fotografischen Möglichkeiten niemals stagniert oder verebbt ist. Die tägliche Konfrontation mit Pressefotografien ist für uns selbstverständlich geworden. Ein Printmedium, das auf Bildjournalismus verzichtet, ist eine Ausnahme und grenzt sich aufgrund dieses Alleinstellungsmerkmals deutlich vom Gros der Veröffentlichungen unserer Zeit ab. Auch im privaten Bereich ist der Verzicht auf Fotografie mittlerweile etwas Außergewöhnliches und Abnormes: Ein Urlaub, der fotografisch nicht dokumentiert wurde, das Heranwachsen des Kindes, das nicht mit der Kamera begleitet wurdedie Fotografie hat einen gesellschaftlichen Stellenwert erreicht, der dazu führt, dass ihr Fehlen als sonderbar wahrgenommen wird.
2. Der Rezipient hält die Fotografie für wahr
Wir gehen davon aus, dass eine Kamera nur das ablichtet, was wirklich vorhanden ist. Belege für diesen Vertrauensvorschuss liefert das Beispiel von Hermann Schäfer: Geschichtsstudenten, die Quellenkritik betreiben, dabei aber die Fotografien unkritisch als authentisch betrachten. Dabei besitzen Fotografien tatsächlich einen ausgeprägten dokumentarischen Wert. Dieser steht allerdings immer in Relation zur Arbeitsweise und Auffassung des Produzenten und schließlich des Publizisten.
3. Fotografien sprechen uns emotional an
Fotografien sind, im Gegensatz zu Texten, unmittelbarer. „Auf einen Blick“ erfassen wir eine Situation, die auf dem Bild dargestellt wird. Dieser Vorgang geht derart schnell vonstatten, dass Emotionen entstehen können, die nicht die Reflexion und kritische Auseinandersetzung voraussetzen, die das Lesen eines Textes mit sich bringt. Die vorliegende Arbeit erhebt nicht den Anspruch, empirische Daten zu
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Die Pressefotografie - Zusammenfassung und Schluss
sammeln und auszuwerten. Das würde den gegebenen Rahmen sprengen und sollte als Aufgabe den Psychologen vorbehalten sein. Eine Sichtung der Literatur allerdings lässt den Schluss zu, dass Emotionen eher durch die visuellen Reize eines Bildes als durch das Rezipieren eines Textes hervorgerufen werden. Diese Überlegung spiegelt sich im Arbeitsalltag der Printmedien wider. Der zunehmende Einsatz von Fotografien entspricht zum einen der Nachfrage innerhalb der Leserschaft. Zum anderen sind ökonomische Gesichtspunkte ausschlaggebend: Im Konkurrenzkampf zwischen den Veröffentlichungen wird gezielt auf das Prinzip „Eyecatcher“ gesetzt. Gut platzierte Fotografien erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass der potentielle Leser beim Kauf am Kiosk nach der Veröffentlichung greift, die ihn visuell am ehesten anspricht.
Ausgehend von der Macht der Bilder muss auf die Verantwortlichkeit des Publizisten und des Fotografen hingewiesen werden. Das Kapitel „Die Ethik der Pressefotografie“ listet Beispiele für Bildmanipulationen auf. Dabei wird im Bereich der professionellen Fotografie eines deutlich: Manipulationen werden durch ökonomischen Druck und Konkurrenzsituationen begünstigt. Die ersten Fotografen unserer Zeit bedienten sich dem Instrument der Retusche. Ihr Ziel war es, dem Portraitierten eine Fotografie zu liefern, die ihn positiv darstellt. Damit sollte der Kunde als solcher erhalten bleiben und nicht zur Konkurrenz wechseln, die ihm möglicherweise besser schmeicheln könnte. Bei der Masse heutiger Veröffentlichungen zielen Zeitungen und Magazine darauf ab, für ihre Leser attraktiv zu sein. Dabei kann es zur Verfälschung von Fotografien kommen, um diese eindrucksvoller und interessanter zu machen oder den Eindruck von Exklusivität entstehen zu lassen. Eine Folge dieser Sichtweise ist die Entstehung des Paparazzi-Journalismus - enthüllende und exklusive Fotografien, die möglicherweise die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten, während dessen jedoch umso wertvoller für den Paparazzo und seine Kundschaft oder Auftraggeber werden.
Ein weiteres Einsatzgebiet für Fotografien im Hinblick auf ihre emotionale und genuine Überzeugungskraft ist die politische Propaganda. Dabei können manipulierte Fotografien von den Machthabern selbst veröffentlicht oder als Instrument zum Machterhalt und zur Meinungsmache verwendet werden. Aber
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Die Pressefotografie - Zusammenfassung und Schluss
auch Publikationen, deren Geschäftsführer einer bestimmten politischen Richtung zugehörig sind, verwenden bestimmte Aufnahmen gezielt zur Meinungsbildung bei ihrer Leserschaft.
Bisher haben wir bei dieser Zusammenfassung die Tatsache vorausgesetzt, dass die Fotografie ein selbstverständlicher und unverzichtbarer Teil unseres Alltags und der Medienwelt geworden ist. Die Frage ist nun: Wie kam es dazu? Wie wurde die Fotografie entwickelt, wer gilt als Erfinder dieser Technologie und wie kam es überhaupt zu ihrer Entstehung? Das Kapitel über den historischen Hintergrund beschäftigt sich mit den Vorläufern der Fotografie wie Kupferstich oder Miniaturmalerei und untersucht die Gründe, die zur Genese der Fotografie geführt haben. Dabei werden die Wechselwirkungen zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und Tendenzen und den daraus resultierenden Bedürfnissen in der Gesellschaft auf der einen Seite und der technischen Weiterentwicklung auf der anderen Seite beschrieben.
Die rasante Entwicklung der Fotografie zeigt deutlich die starke Nachfrage in der Bevölkerung nach Abbildern der eigenen Person oder Nahestehender. Allein die Tatsache, dass Niépce, Bayard und Talbot nahezu zeitgleich und dabei unabhängig voneinander die Fotografie erfunden haben, veranschaulicht das gesellschaftliche Verlangen nach dieser Technologie. Dass die Fotografie dabei recht schnell mit wirtschaftlichen Interessen verknüpft wurde, wird durch den Erfolgsweg des Geschäftsmanns Daguerre demonstriert, der sich im Hinblick auf die Verbreitung und Vermarktung der Fotografie gegen Bayard und Talbot durchsetzte.
Das Wertesystem im Bezug auf Fotografien hat sich seit den fotografischen Anfängen stark gewandelt. Bei ihrem Aufkommen überzeugte die Fotografie den Rezipienten durch die Möglichkeit, ein realistisches Abbild der aufgenommenen Situation liefern zu können. Schon dieses Kriterium genügte, um sich auf dem Markt gegen gemalte, gezeichnete oder radierte Portraits durchzusetzen. Zu Beginn der Fotografie schätzte man scharfe und reproduzierbare Bilder, ohne dabei die Ästhetisierung des Augenblicks als Ziel vor Augen zu haben. Dies änderte sich durch Fotografen wie Dr. Erich Salomon, Felix H. Man und Robert Capa, die einen höheren Anspruch an ihre Bilder hatten. Dabei ist ihr Erfolg von der allgemeinen
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Die Pressefotografie - Zusammenfassung und Schluss
Aufmerksamkeit beeinflusst worden, die den Fotografien am Ende des 19. Jahrhunderts durch ihre verstärkte Veröffentlichung in den Printmedien zuteil wurde. Im Rahmen dieser Verbreitung entwickelte sich die Fotografie zu einem wirtschaftlich vermarktbaren Gut, dessen Produktion und Reproduktion Gewinne einbrachte.
Dennoch kann man den großen Fotografen des 20. Jahrhunderts zugute halten, dass sich die Pressefotografie mit ihrer Hilfe zu einem künstlerischen Beruf entwickelt hat. Bei näherer Betrachtung der Arbeiten der World Press Photo Award- Gewinnerdes Jahres 2005 fällt die künstlerisch anspruchsvolle und ästhetische Behandlung politisch aktueller Themen ins Auge. Das Dogma „Zur rechten Zeit am rechten Ort“ genügt nicht, um sich aus der Masse der Pressefotografen besonders hervorzuheben. Die Weiterentwicklung der fotografischen Technologie bis zum heutigen Einsatz der Digitalfotografie hat den Konkurrenzdruck auf die Fotografen erheblich verstärkt. Das eigentliche „Handwerk“ des Fotografen, das mit Wissen über Laborarbeit, Entwicklung und Belichtung verwoben ist, wird nun von hoch technisierten Kameras übernommen und macht das Fotografieren an sich immer einfacher. Die Kamerakünstler unserer Zeit müssen also besonders ästhetische Aufnahmen produzieren. Dabei kommen sie nicht umhin, Situationen zu dokumentieren, die in keiner Weise als „schön“ oder „ansprechend“ bezeichnet werden können. Dies führt zu der Überlegung, wie es möglich ist, von einer grausamen Szenerie ein ästhetisch hochwertiges Abbild zu liefern.
Dieser Dualismus aus Grausamkeit und Schönheit wird in vorliegender Arbeit im Kapitel „Gewalt und Fotografie“ aufgegriffen. Dabei erhebt diese Abhandlung nicht den Anspruch, ein abschließendes Urteil über Fotografen und die Wahl ihrer Sujets oder Einsatzgebiete zu fällen. Vielmehr soll hier verdeutlicht werden, dass besagte Dualität überhaupt existiert. Im Hinblick auf die Überlegung, dass Fotografie weitestgehend unkritisch hingenommen wird, ist es notwendig, den Blick des Rezipienten auf die Fotografie als Informationsvermittler zu lenken und diesen Blick womöglich zu schärfen und kritischer zu machen.
Womit das eigentliche Ziel dieser Arbeit schon fast vollständig beschrieben wurde. Die Fotografie als ständig präsentes Mittel im Informationstransfer verdient eine
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Die Pressefotografie - Zusammenfassung und Schluss
kritische Auseinandersetzung, ebenso ihre Verwendung oder ihr Einsatz durch Bildredakteure und Veröffentlichungen. Der spontane Griff ins Zeitungsregal, der durch eine interessante Fotografie motiviert wurde, sollte hinterfragt werden. Beim Betrachten intimer Aufnahmen der Berühmtheiten unserer Zeit ist der Kontext in Frage zu stellen, in dem diese Fotografien entstanden sind. Abbilder von Politikern oder politisch relevanter Situationen sind in Bezug zum veröffentlichenden Medium zu setzen. Die Verbindung zwischen dem Pressefoto und dem dazugehörigen Pressetext darf nicht als zwangsläufig korrekt und konsistent wahrgenommen werden.
Gleichzeitig kann eine höhere Aufmerksamkeit auf die Fotografie an sich nicht nur eine schützende, sondern auch eine bereichernde Funktion haben: Der Genuss ästhetisch hochwertiger Bilder, die im Rahmen entsprechender moralischer und ethischer Grundsätze aufgenommen wurden und eine Brücke zwischen uns und dem Weltgeschehen schlagen möchten.
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Die Pressefotografie - Anhang - Glossar
7. Anhang
7.1 Glossar
7.1.1 Autoren
7.1.1.1 Susan Sontag
Susan Sontag wurde 1933 in New York geboren und gilt als eine der wichtigsten Literatur- und Kulturkritikerinnen Amerikas. 2000 erhielt sie den National Book Award, den höchsten Buchpreis der USA. Als Vermittlerin zwischen den Vereinigten Staaten und Europa wurde sie 2003 mit dem 54. Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. 515
Ihre Faszination für die Fotografie entstand 1945, als sie zufällig Aufnahmen aus Bergen-Belsen und Dachau entdeckte. Sie war damals 12 Jahre alt. Ihre Essaysammlung „Über Fotografie“ erschien in amerikanischer Erstausgabe 1977 unter dem Titel „On Photography“. 516
7.1.1.2 Gisèle Freund
1912 in Berlin geboren, studierte Gisèle Freund Sozial- und Kunstgeschichte in Frankfurt. Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers emigrierte sie nach Paris und arbeitete dort unter anderem als Fotoreporter für das LIFE-Magazin. Ab 1948 war sie zudem Fotografin für die Fotoagentur MAGNUM. 1978 erhielt sie den Kulturpreis der Deutschen Gesellschaft für Photographie. 517 Sie starb 2000 in Paris an Herzversagen. 518
7.1.2 Fotografen
7.1.2.1 Helmut Newton
Helmut Newton wurde 1920 in Berlin als Helmut Neustädter geboren. Seit 1956 arbeitete er für die „Vogue“, zunächst in England, dann in Australien und schließlich in Frankreich. 1964 kam eine redaktionelle Tätigkeit bei der französischen „Elle“ hinzu. 1976 erschien sein erster Bildband „White Women“. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: mit dem französischen „Grand prix national de
515 vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Susan_Sontag, Zugriff: 04. Oktober 2004
516 vgl. Gisèle Freund, a.a.O., S. 25
517 vgl. ebda.,Vorwort
518 Alle gefundenen Online-Quellen geben das Jahr 2000 als das Todesjahr von Gisèle Freund an. Allerdings gibt es zahlreiche Berichte online, die behaupten, dass Gisèle Freund 1908 geboren wurde. In dieser Arbeit werden die Daten aus dem veröffentlichten Buch „Gisèle Freund: Photographie und Gesellschaft“ vorgezogen, das als Geburtsjahr 1912 nennt.
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Die Pressefotografie - Anhang - Glossar
la photographie“ 1990, die Auszeichnung zum „Officier des Arts, Lettres et Sciences“ in Monaco sowie die Verleihung des Großen Bundesverdienstkreuzes zwei Jahre später und 1996 schließlich die Auszeichnung zum „Commandeur de l’Ordre des Arts et Lettres“ durch den französischen Kulturminister. Helmut Newton starb 2004. 519
7.1.2.2 Henri Cartier-Bresson
Henri Cartier Bresson studierte von 1927 bis 1928 Malerei bei André Lhote. 1936 wurde er Regie-Assistent bei Jean Renoir. Ein Jahr später nahm er als Freiwilliger am Spanischen Bürgerkrieg teil. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Korporal in einer Nachrichteneinheit. Nach Kriegsende 1945 drehte er einen Dokumentarfilm über die Rückkehr französischer Kriegsgefangener. 1947 gründete er mit Robert Capa, Maria Eisner, David Seymour, George Rodger und William und Rita Vandivert die Fotoagentur Magnum, die heute als die weltweit renommierteste Bildagentur gilt. Henri Cartier-Bresson gilt als der bekannteste französische Bildjournalist des 20. Jahrhunderts. 520
7.1.2.3 David „Chim“ Seymour
David Seymour besuchte von 1929 - 1931 die Akademie für Graphische Künste in Leipzig. Anschließend studierte er an der Sorbonne in Paris. 521 Er war ein enger Freund von Robert Capa und Henri Cartier-Bresson, 522 mit denen er 1947 die Fotoagentur Magnum gründete. Von 1954 bis 1956 war er Präsident von Magnum. Er starb ebenso wie Robert Capa bei einem Einsatz im Kriegsgebiet: während eines Bildberichtes über den Suez-Krieg wurde er am 10. November 1956 von ägyptischen Soldaten erschossen. 523
519 vgl. http://www.helmut-newton-stiftung.org/deutsch/biohn.htm, Zugriff: 06.09.2005
520 vgl. Jörg Krichbaum: Lexikon der Fotografen, S. 44 f.
521 vgl. ebda., S. 170
522 vgl. Richard Whelan, a.a.O., S. 82 ff. (hier David Shymin genannt)
523 vgl. Jörg Krichbaum, a.a.O., S. 170
92
Die Pressefotografie - Anhang - Glossar
7.1.3 Begriffserklärungen
7.1.3.1 Camera Obscura
Die Camera Obscura (lat. Camera - Kammer; obscura - dunkel) ist eine dunkle Kammer, die mit einem Loch versehen ist. Das Licht, dass durch dieses Loch einfällt, projiziert auf der Rückseite der Kammer ein farbiges, seitenverkehrtes Abbild der Außenwelt. 524
7.1.3.2 Diorama
Das Diorama ist eine beidseitig bemalte Leinwand, die je nach Auflicht oder Durchlicht verschiedene Wirkungen zeigt. Diese Bilder wurden dem Zuschauer in einem Theaterraum, kombiniert mit Geräuschen, präsentiert. Erfunden wurde sie von Louis Jacques Mandé Daguerre (1787 - 1851). 525
524 vgl. http://www.matheboard.de/lexikon/Camera_obscura,definition.htm, Zugriff: 09.10.2004
525 vgl. Walter Koschatzky, a.a.O., S. 49
93
Die Pressefotografie - Anhang - Abbildungsverzeichnis
7.2 Abbildungsverzeichnis
537 Zeitbilder: 45 Jahre Pulitzer-Preis-Fotografie; Seite: 102 - 103
538 Ebda; Seite: 10
539 X für U - Bilder, die lügen; Seite: 10
540 Zeitbilder: 45 Jahre Pulitzer-Preis-Fotografie; Seite: 39
541 art - Das Kunstmagazin; Nr.1, 1987, Seite: 37
94
Die Pressefotografie - Anhang - Abbildungsverzeichnis
542 http://www.designboom.com/history/helmutnewton.html; Zugriff: 06.09.2005
543 http://www.miniaturmalerei.net/facts/cont/wiss_detail_fr.php?lang=3&artikelid=11, Zugriff: 8.10.2004
544 Gisèle Freund: Photographie und Gesellschaft; Seite: 21
95
Die Pressefotografie - Abbildungsverzeichnis
Quenedy, 1809 553
553 ebda; Seite: 22
554 ebda; Seite: 36
555 http://www.photolib.noaa.gov/corps/corp2811.htm; Zugriff: 27.07.2005
556 André Barret: Die ersten Photoreporter; Seite: 51
557 Alexander Gardner: Gardner’s Photographic Sketchbook of the American Civil War 1861 - 1865; Seite 81
96
Die Pressefotografie - Abbildungsverzeichnis
Alexander Gardner, 1863 557
558 André Barret: Die ersten Photoreporter; Seite: 23
559 Russell Freedman: Kids at Work; Seite: 3
560 Erich Salomon: Der unsichtbare Photograph, Seite: 29
561 Erich Salomon: Der unsichtbare Photograph, Seite: 22
562 Erich Salomon: Der unsichtbare Photograph, Seite: 23
97
Die Pressefotografie - Abbildungsverzeichnis
Robert Capa, 1932 574
573 Felix H. Man: Photographien aus 70 Jahren; Seite: 69
574 Zeitblende; Seite: 17
575 Walter Koschatzky: Die Kunst der Photographie; Seite: 316
576 Gisèle Freund: Photographie und Gesellschaft; Seite: 141
577 Walter Koschatzky; Die Kunst der Photographie; Seite: 305
578 LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online
http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/ju002982/index.html; Zugriff: 14.08.2005
98
Die Pressefotografie - Abbildungsverzeichnis
Kamerawerkes Ernst Leitz, Wetzlar, 1929 577
579 Rainer Fabian/ Christian Adam: Bilder vom Krieg; Seite: 220
580 Gisèle Freund: Photographie und Gesellschaft; Seite: 148
581 http://www.worldpressphoto.nl/index.php?option=com_photogallery&task=view&id=152&Itemid=115&bandwidth=high;
Zugriff: 31.08.2005
99
Die Pressefotografie - Abbildungsverzeichnis
Abb.: 29 Abb.: 28
Adna Nelson, 55 und ihre Familienfotos 592
Abb.:31 Abb.: 32
Blick, 19.November 1997 594
591 http://www.jamesnachtwey.com/; Zugriff: 20.11.2005
592 NEON; Ausgabe: November 2005; Seite: 47
593 http://www.rollingstone.com/photos/gallery/image/_/image/0/imageSize/large/id/5392223/start/0/range/12/elvispresley?pagei d=rs.PhotosGalleryImage&pageregion=mainRegion; Zugriff: 20.11.2005
594 X für U - Bilder, die lügen Begleitbuch zur Ausstellung
Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Bouvier, Bonn, 3. Auflage 2003, Seite: 22
595 Ebda; Seite: 22
100
Die Pressefotografie - Abbildungsverzeichnis
Abb.: 33
„The Depressed Areas“ von Gisèle Freund, 1936 (Fotografie von Königin Mary: Fotograf unbekannt) 596
Abb.: 34 Abb.: 35
Fotografie von Lenin, Fotograf unbekannt, 1920 597
596 Gisèle Freund: Photographie und Gesellschaft
Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1979, Seite: 144
597 Newseum - the interactive museum of news http://www.newseum.org/berlinwall/commissar_vanishes/9_10.htm Zugriff: 14.10.2004
598 X für U - Bilder, die lügen Begleitbuch zur Ausstellung
Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Bouvier, Bonn, 3. Auflage 2003, Seite: 23
101
Die Pressefotografie - Abbildungsverzeichnis
Abb.: 36 Abb.: 37
Abb.: 38 Abb.: 39
Fotografie von Stevens und Schine, Fotograf unbekannt, 1954 600
599 Ebda; Seite: 23
600 Time-Life Books: Photojournalismus, 1971
Fifth German Printing 1980; Seite: 114 - 115
102
Die Pressefotografie - Abbildungsverzeichnis
Abb.: 40 Abb.: 41
Abb.: 42 Abb.: 43
601 Zeitbilder: 45 Jahre Pulitzer-Preis-Fotografie
Könemann Verlagsgesellschaft mbH, 2000; Seite: 225
602 Ernst Friedrich: Krieg dem Kriege
Zweitausendeins, Frankfurt 1980, Seite: 213
603 X für U - Bilder die lügen; Seite: 56
604 http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,346839,00.html; Zugriff: 8.12.2005
605 Allan Porter: Weegee 1899 - 1968; Seite: 77
606 http://www.time.com/time/reports/planet/viewpoint3.html; Zugriff: 14.12.2005
103
Die Pressefotografie - Abbildungsverzeichnis
Abb.: 45 Abb.: 44
Igor Kostin: „In der Todeszone“; 1986 606
607 Gisèle Freund: Photographie und Gesellschaft
Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1979; Seite: 8
104
Die Pressefotografie - Fotografien der World Press Photo Award - Gewinner 2005
Gewinner des World Press Photo Award 2005
World Press Photo of the Year 2004
Spot News: 1st prize singles
J.F. Diorio, Brazil, Jornal O Estado de São Paulo
People in the News: 1st prize singles
Kristen Ashburn, USA, Contact Press Images
105
Die Pressefotografie - Fotografien der World Press Photo Award - Gewinner 2005
Sports Action: 1st prize singles
Bob Martin, United Kingdom, Sports Illustrated
Die Pressefotografie - Fotografien der World Press Photo Award - Gewinner 2005
Portraits: 1st prize singles
Tommaso Bonaventura, Italy, Agenzia Contrasto
Die Pressefotografie - Fotografien der World Press Photo Award - Gewinner 2005
Alle Abbildungen entstammen dem Katalog “World Press Photo 05” des Gfw-Verlages
108
Die Pressefotografie - Literaturverzeichnis
Literaturverzeichnis
Bücher
Barret, André: Die ersten Photoreporter.
Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt am Main, 1978
Blecher, Helmut: Fotojournalismus.
Rotbuch 3000, Hrsg: Martin Hoffmann
Blomqvist, Clarissa: Sprache in der Gesellschaft - Beiträge zur Sprachwissenschaft. Band 27, Peter Lang GmbH, Frankfurt, 2002
Fabian, Rainer / Adam, Hans Christian: Bilder vom Krieg. 130 Jahre Kriegsfotografie - Eine Anklage.
Stern-Buch im Verlag Gruner + Jahr AG & Co, Hamburg, 1. Auflage, 1983
Ferber, Christian: Bilder vom Tage - Der Ullstein Bilderdienst 1842 - 1982. Ullstein Verlag Berlin, 1983
Freedman, Russell: Kids at work - Lewis Hine and the crusade against child labour. Clarion Books, New York, 1994
Freund, Gisèle: Photographie und Gesellschaft.
Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1979
Friedrich, Ernst: Krieg dem Kriege.
Zweitausendeins, Frankfurt 1980
Gardner, Alexander: Gardner’s Photographic Sketchbook of the American Civil War 1861 - 1865.
Delano Greenidge Editions, New York, 2001
Höhne, Hansjoachim: Report über Nachrichtenagenturen - Neue Medien geben neue Impulse (1. Auflage). Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden, 1984
Holicki, Sabine: Pressefoto und Pressetext im Wirkungsvergleich - eine experimentelle Untersuchung am Beispiel von Politikerdarstellungen. Verlag Reinhard Fischer, München, 1993
109
Die Pressefotografie - Literaturverzeichnis
Kepplinger, Hans Mathias: Darstellungseffekte - Experimentelle Untersuchungen zur Wirkung von Pressefotos und Fernsehfilmen. Verlag Karl Alber, Freiburg/München, 1987
Koschatzky, Walter: Die Kunst der Photographie.
Manfred Pawlak Verlagsgesellschaft mbH, Herrsching, Lizenzausgabe, 1989
Krichbaum, Jörg: Lexikon der Fotografen.
Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Originalausgabe, 1981
Macias, Jose: Die Entwicklung des Bildjournalismus.
München, 1990
Felix H. Man - Photographien aus 70 Jahren.
Deutsche Ausgabe des Werkes „Man with Camera“ von Felix H. Man Schirmer/ Mosel Verlag München, 1983
Porter, Allan: Weegee 1899 - 1968.
U. Bär Verlag, Zürich, 1991
Ruetz, Michael: Bibliothek der Augen.
Steidl Verlag 1997
Erich Salomon - Der unsichtbare Photograph
Ermanox-Aufnahmen von 1928 - 1932.
Erster Band, Greno Verlagsgesellschaft m.b.H., Nördlingen, 1988
Schenk, Ulrich: Nachrichtenagenturen als wirtschaftliche Unternehmen mit öffentlichem Auftrag. Vistas Verlag, Berlin, 1985
Schumacher, Martina: Ausländische Nachrichtenagenturen in Deutschland vor und nach 1945.
Böhlau Verlag GmbH & Cie, Köln, 1998
Sonntag, Susan: Über Fotografie.
Fischer Taschenbuch Verlag, 13. Auflage: April 2002
Time-Life Books: Photojournalismus, 1971
Fifth German Printing 1980
110
Die Pressefotografie - Literaturverzeichnis
Weidenmann, Bernd: Wissenserwerb mit Bildern - Instruktionale Bilder in Printmedien, Film/ Video und Computerprogrammen. Verlag Hans Huber, Bern, 1. Auflage, 1994
Whelan, Richard: Die Wahrheit ist das beste Bild - Robert Capa - A Biography. Verlag Kiepenheuer & Witsch, 1993
Wilke, Jürgen (Hg.): Agenturen im Nachrichtenmarkt.
Böhlau Verlag GmbH&Cie, Köln, 1993
World Press Photo 05
Katalog zum World Press Photo Award 2005, Gfw-Verlag 2005
X für U - Bilder, die lügen
Begleitbuch zur Ausstellung
Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland Bouvier, Bonn, 3. Auflage 2003
Zeitbilder: 45 Jahre Pulitzer-Preis-Fotografie
Könemann Verlagsgesellschaft mbH, 2000
Zeitblende - Fünf Jahrzehnte MAGNUM-Photographie
Schirmer-Mosel, München, 1989
Zeitschriften
Albig, Jörg Uwe: Sieg der schönen Lügnerin. In:
art - Das Kunstmagazin. Nr.1/Januar
Gruner & Jahr AG & Co., Hamburg, 1987
Schulz, Roland: Das letzte Hemd. In:
NEON. Ausgabe: November 2005 Verlag Neon Magazin GmbH, Hamburg, 2005
Pauly, Christoph: Die K-Frage. In:
DER SPIEGEL. Nr. 37
Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG, 2005
111
Die Pressefotografie - Literaturverzeichnis
Filmmaterial
LOve & MOtion
Regie: Christian Schmidt-David Produktion: 2004
Wag the Dog
Regie: Barry Levinson Darsteller: Dustin Hoffman, Robert de Niro Produktion: 1997
War Photographer
Regie: Christian Frei
Darsteller: James Nachtwey, Christiane Amanpour Produktion: 2001
Online-Quellen
Agence France Press
Presseagentur http://www.afp.com/deutsch/home/
Agence Vu
Bildagentur
http://www.agencevu.com/fr/default.asp
Agenturjournalismus.de
Das Webportal zu Nachrichtenagenturen http://www.agenturjournalismus.de
Associated Press Images
Bildagentur http://www.apimages.com/
Associated Press Deutschland
Presseagentur http://www.ap-online.de
Bob Martin
Website des Fotografen http://www.bobmartin.com
112
Die Pressefotografie - Literaturverzeichnis
bpb
Bundeszentrale für politische Bildung http://www.bpb.de/
Contact Press Images
Bildagentur http://www.contactpressimages.com/
Contrasto
Bildagentur http://www.contrasto.it
David Burnett
Website des Fotografen http://www.davidburnett.com/
db Designboom
http://www.designboom.com/eng/
Deutsches Historisches Museum
LeMO: Lebendiges virtuelles Museum Online http://www.dhm.de/lemo/
Deutsche Presse-Agentur GmbH
Presseagentur http://www.dpa.de/
Getty Images Contributors
Bildagentur http://contributors.gettyimages.com/
Getty Images
Bildagentur
http://creative.gettyimages.com/source/home/home.aspx
Helmut Newton Stiftung
http://www.helmut-newton-stiftung.org/
ZDF heute
http://www.heute.de
113
Die Pressefotografie - Literaturverzeichnis
Das Internet-Lexikon
http://www.ilexikon.com
James Nachtwey
Website des Fotografen http://www.jamesnachtwey.com/
Jan Grarup
Website des Fotografen http://www.jangrarup.com/frame_jg.html
Laif
Agentur für Photos & Reportagen http://www.laif.de/
Lomographic Society International
Website der lomographischen Gesellschaft http://www.lomography.com
Lexikon für Mathematik
http://www.matheboard.de/lexikon/Camera_obscura,definition.htm
Magnum Photos
Bildagentur
http://www.magnumphotos.com/c/Home_MAG.aspx
MDR
Website des mitteldeutschen Rundfunks http://www.mdr.de
Astrid Schöne
Agentur für Miniaturmalerei
http://www.miniaturmalerei.net/facts/cont/wiss_detail_fr.php?lang=3&artikelid=11
Musee International de la Croix Rouge et du Croissant-Rouge http://www.micr.ch/
National Geographic Deutschland
Magazin
http://www.nationalgeographic.de/
Newseum - the interactive museum of news
http://www.newseum.org/berlinwall/commissar_vanishes/9_10.htm
114
Die Pressefotografie - Literaturverzeichnis
Oculi
Bildagentur http://www.oculi.com.au/
Overseas Press Club of America
http://www.opcofamerica.org/
Photographie-now.com
Forum für Fotografie http://de.photography-now.de/index.php
NOOA Photo Library
http://www.photolib.noaa.gov
PhotoReview Australia
http://www.photoreview.com.au/
Polaris Images
Bildagentur http://www.polarisimages.com
Press1.de
http://www.press1.de/
Redux Pictures
Bildagentur http://www.reduxpictures.com
Reuters
Presseagentur http://www.reuters.com
Reuters Pictures
Bildagentur
http://about.reuters.com/pictures/index.aspx
Rollei
Website des Konzerns http://www.rollei.de/index_d.html
The Rolling Stone Magazine
Musik-Magazin http://www.rollingstone.com/
115
Die Pressefotografie - Literaturverzeichnis
Seattlepi.com
Website der Zeitung Seattle Post-Intelligencer http://seattlepi.nwsource.com/
Spiegel online
http://www.spiegel.de/
Stern
Magazin http://www.stern.de
Time Magazine
http://www.time.com/time/
Agency VII
Bildagentur http://www.viiphoto.com/
The Washington Post
Website der Zeitung http://www.washingtonpost.com/
WDR.de
Website des westdeutschen Rundfunks http://www.wdr.de/themen/homepages/homepage.jhtml
Wikipedia - die freie Enzyklopädie
http://de.wikipedia.org/wiki/
World Press Photo
Website zum World Press Photo Award http://www.worldpressphoto.nl/
Francesco Zizola
Website des Fotografen http://www.zizola.com/
116
Die Pressefotografie - Anhang - Materialien - Online-Befragung
7.5 Materialien
4.5.1 Online-Befragung
Die von mir durchgeführte Online-Befragung zum Thema „Die Macht der Bilder“ bedient sich keinem getesteten Befragungsinstrument und erhebt demnach nicht den Anspruch, empirisch valide und repräsentativ zu sein. Vielmehr ist die Umfrage ein rein qualitativer Versuch, Tendenzen aufzuzeigen.
Aufbau:
Die Umfrage wurde im Zeitraum vom 31.Oktober 2004 bis 24.November 2004 unter online der Adresse: http://server02.is.uni-sb.de/astrid_test/umfrage.html durchgeführt.
Screenshot:
Wie man dem Screenshot entnehmen kann, gibt es keinen Hinweis auf das Ziel der Befragung. Die Versuchspersonen wurden von mir per E-Mail darum gebeten, mir bei einer Umfrage zu meiner Magisterarbeit zu helfen. Der Titel der Arbeit wurde nicht erwähnt, es ist jedoch möglich, dass die Versuchspersonen das Thema kannten, da die meisten meinem Bekanntenkreis angehören.
Ein php-Skript hinter der abgebildeten Seite leitete die Antworten zu meiner E-Mail-Adresse weiter und ich wertete die ersten 100 Antworten aus.
117
Die Pressefotografie - Anhang - Materialien - Online-Befragung
Versuchspersonen:
Zunächst verfasste ich eine Rundmail an 15 Freunde und 25 Arbeitskollegen. Die Freunde sind zum größten Teil Studenten, die Arbeitskollegen Mitarbeiter eines regionalen Radiosenders. In dieser E-Mail bat ich meine Probanten, die Aufforderung zur Teilnahme an der Umfrage an ihre Bekannten weiterzuleiten. Demnach kann ich den Kreis derjenigen, die die E-Mail schließlich beantworteten, nicht exakt umreißen. Zusammenfassend könnte man jedoch sagen, dass die Versuchspersonen Studenten, Medienschaffende und Berufsanfänger sind. Ausgewertet wurden von mir die ersten 100 Antworten. Nachfolgend eintreffende E-Mails habe ich nicht mehr berücksichtigt.
Auswertung:
Ich wertete die Antworten auf die drei Fragen folgendermaßen aus:
1. Bei der Frage nach Marilyn Monroe teilte ich die Antworten in folgende Kategorien ein:
a) Die Beschreibung der Fotografie, die eine Filmszene aus „das verflixte siebte Jahr“ (Billy Wilder, 1955) und Marilyn Monroe über einem Lüftungsschacht stehend zeigt 625
b) andere Beschreibungen
2. Bei der Frage nach dem Humor Albert Einsteins traf ich folgende Unterteilungen:
a) Die Behauptung, Albert Einstein sei humorvoll gewesen, da er auf einem Foto die Zunge herausstreckt 626
b) Es wird keine Aussage über seinen Humor getroffen, aber das Foto mit der herausgestreckten Zunge wird dennoch erwähnt
c) Die besagte Fotografie wird nicht angesprochen
3. Bei der Frage nach einer berühmten Vietnam-Aufnahme unterschied ich zwischen:
a) Die Fotografie von Nick Ut 627 wird beschrieben
625 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 1, S. 94
626 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 2, S. 94
627 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 3, S. 94
118
Die Pressefotografie - Anhang - Materialien - Online-Befragung
b) Ein anderes Bild oder gar kein Bild wird beschrieben.
Die Ergebnisse dieser Umfrage sind als Tabellen mit dem genauen Wortlaut der jeweiligen Antwort angehängt. Aus Datenschutzgründen werden die betreffenden e-Mail-Adressen nicht aufgeführt.
Ergebnisse:
Die zusammengefassten Ergebnisse dieser Umfrage sind in der Einleitung der Arbeit ausformuliert.
Ich wollte mit dieser Befragung aufzeigen, dass es bestimmte Fotografien gibt, die populär und demnach einflussreich sind. Populär in dem Sinne, dass ohne Einflussnahme meiner Person die drei Fotografien, auf die ich mich insgeheim bezog, auch von der Mehrzahl der Teilnehmer beschrieben oder erwähnt wurden. Einflussreich bedeutet hier, dass man gewisse Personen oder Ereignisse mit einer Fotografie verknüpft und möglicherweise das eigene Urteilsvermögen durch diese Aufnahme beeinflusst sein kann. Da zum Beispiel niemand meiner Versuchspersonen Alfred Einstein persönlich kannte, ist es demnach für sie alle nahezu unmöglich, zu beurteilen, ob Einstein humorvoll war oder nicht. Die Probanten fällen in den meisten Fällen jedoch ein Urteil, beeinflusst durch eine Fotografie.
119
Die Pressefotografie - Anhang - Materialien - Online-Befragung
Frage: Wenn Du an Marilyn Monroe denkst, welches Bild hast Du vor Deinem
geistigen Auge?
(die Zahl 1 in der zweiten Spalte bedeutet, dass die Versuchsperson die Fotografie von Marilyn Monroe über dem Lüftungsschacht 631 erwähnt bzw. beschrieben hat)
ein bild wo sie auf dem broadway steht über dem gullideckel 1
Luftstrom aus U-Bahn Schacht, der ihren Rock hochweht
1
ich sehe eines dieser warholbilder (war es warhol) von marylin monroe.
0 Blondes Gift, JFK!! 0
Marylin über dem Lüftungsschacht mit wehendem Rock 1
auf U-Bahnschacht mit weißem Kleid 1
Das Bild, auf dem sie über dem Lüftungsschacht steht. 1
... das mit dem fliegenden Rock über dem Lüftungsschacht, auf dem sie lacht. 1
Blondine mit rot geschminkten Lippen, speziell das Bild auf dem Lüftungsschacht. 1 rock/luftschacht 1
das weisse Kleid ueber dem U-Bahnschacht 1
Portraitfoto schwarz-weiss. 0
Sie im weissen hochgewehten Kleid auf dem Luftschacht 1
Blond, schwarzes Kleid, große Brust 0 Einen schwebenden Rock 1
Marylin im weißen Kleid über dem Luftschacht 1 Andy Warhol 0
weisses kleid das von einer lütungsanlage hochgeweht wird! 1 Rock wirbelt in die Luft 1
Marylin auf dem Gebläse mit hochfliegendem Rock 1
Nunja, das wo sie in einem weissen Kleid auf diesem Gitter steht 1 Blond mit roten Lieben 0
Ein blondes Vollweib im weißen Neckholder-Kleid und hohen Pumps 0
Blond, Schmollmund und \"Bub bub bi du\" aus Diamonds best friends 0
Das Bild auf dem sie über einem U-Bahn Lüftungsschacht steht 1
MM über dem \"U-Bahn\" Schacht
1 s.http://web.ukonline.co.uk/classic.jsrpages/classic/monroe/monroe.jpg Das auf dem Lüftungsschacht der U-Bahn, mit fliegendem Rock. 1
die wo die gute auf dem luftschachtsteht und der rock hoch geweht wird 1
Mir fällt zuerst ein, wie sie durch den Film \"Manche mögens heiß\" wirbelt - das berühmte Bild, wie sie über dem Ventilator steht, kommt bei mir erst an zweiter Stelle 0
das mit dem falten röckchen vor dem flat-iron building 0
auf dem Lüftungsschacht stehen und dem hochwehenden Rock 1
Natürlich das überm Lüftungsschacht! 1 Diamanten 0
blonde frau mit zu roten lippen über einem lüftungsschacht 1
Weisser, fliegender Rock über Heizungslüftung, blonder Lockenkopf mit rotem Schmollmund 1 eine traurige blonde Frau 0
das mit dem rock über dem lüftungsschacht 1
Natürlich das mit dem hochfliegenden Rock. 1
Das Coverfoto des ersten Playboy... 0
Das wo ihr Rock hochgeweht wird und sie ihn unten hält. Weisses Kleid, rote Lippen 1
das mit dem Rock über dem Luftschacht 1
im weißen, hochfliegenden Kleid 1 über dem lüftungsschacht 1
Schwarz-weiße Portrait-Aufnahme von Gesicht und Schultern 0 Weisser Rock 1
Großaufnahme ihres in die Kamera lachenden Gesichts, Perlenkette, entblößte Schultern 0
631 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 1, S. 94
120
Die Pressefotografie - Anhang - Materialien - Online-Befragung
Nur die Klischees... eine blonde Frau, die den Rock festhält, mit großem Ausschnitt, hauchender
1 Stimme und Schlafzimmerblick
Weiß-blondierte Locken, vollbusige und singende Frau, die versucht mit ihren Blicken die Männer
0 verrückt zu machen Die Popart-Versionen von Andy Warhol 0
Foto aus The Last Sitting: Marilyn nackt mit riesiger Narbe auf dem Bauch und von ihr mir rotem
0 Lippenstifft durchgestrichen
Blonde, Küsse zuwerfende Frau mit Sexappeal und fülligem Haar, halb geschlossenen Augen und
0 langen dunklen Wimpern... roten Lippen
Marylin mit dem weißen Kleid über dem Schacht
1
Blonde, blasse Frau - wenig bekleidet.
0
ein großer blonder wuscheliger Kopf mit einem dunklen Pigmentfleck an der Oberlippe 0
das mit dem hochwehenden rock 1
Da wo die auf dem Luftauslassschacht steht un ihr Kleid in die Luft geblase wird 1
Sie hält Ihren Rock fest, weil von unten die Luft den Rock hochbläst 1
wie sie auf dem lüftunsschacht steht und durch den wind ihr rock hochwirbelt 1
Blonde Frau auf einem Lüftungsschacht stehend 1
Die Monroe steht über dem Lüftungsschacht und ihr Rock wird nach oben geblasen, während sie
1 versucht diesen unten zu halten !!! jugendliche Erscheinung, wie in \"Manche mögens heiss\" 0
Gemälde, ganz bunt. oder eine blonde Dame ganz in weiß 0
Eine blonde Frau, stark geschminkt mit Schönheitsfleck über der Oberlippe. 0
Luftschachtszene aus \"Das verflixte 7. Jahr\" 1 Sie, blond lacht 0
das weiße Kleid über dem Lüftungsschacht 1
Blonde Locken - feuerrote Lippen - schneeweiße Haut 0
Das Bild, auf dem sie ein weißes Kleid trägt und der Rock von der Luft des Luftschachtes (?) unter
1 ihr hochgeweht wird.
das Bild, auf dem Sie dem Publikum einen Kuss zuwirft 0
fliegende Röcke und lachender Blondschopf 1
Schöne klassisch gekleidete Blondiene deren Kleid über der Lüftung hochgeweht wird :o) 1
Marilyn im weissen Kleid, das hochgewirbelt wird 1 auf dem Lüftungssteg 1
Ein schwarz-weiss Portrait (typisches Lächeln mit Blick über die Schulter) 0
Eine phantastisch aussehende Frau in einem weißen KLeid! 1
Natürlich das mit dem wehenden Kleid über dem U-Bahn-Schacht 1 den hochfliegenden Rock 1
sie im weissen kleid über der lüftung 1
platinblonde Haare, rote Lippen und das weiße Kleid, welches über dem U-Bahn-Schacht flattert 1
pumps, flatternder rock, auf einem gitter stehend 1
Ds BIld an das jeder denkt: Die monroe auf dem gullideckel mit der luft von unten.......... 1
natürlich der hochfliegende rock 1
Premierenausgabe des Playboys, das Titelbild 0
Blond, Leberfleck im Gesicht, verführerische Stimme (weißes Kleid, über Lüftungsschacht stehend) 1
marilyn am strand in dem film \"blondinen bevorzugt [weiss nimmer genau ob der so heisst]\ 0
Weißes Kleid, auf U-Bahnschacht stehend 1
Die schicke Monroe und der smarte Kennedy 0
Das Bild, in dem sie ein weißes Kleid anhat, welches sie nach unten hält während sie auf einem
1 Lüftungsgitter steht.
zwei: einmal marylin im weissen auffliegendem kleid auf dem lüftungsschacht… 1
natürlich das mit dem Rock, welcher durch das GItter hochgeblasen wird und ihre weißen Beine
1 zum Vorschein bringt Die \"Rock über dem Lüfter Szene\" 1
Manche mögens heiß: weißes wehendes Kleid über Lüftungsschacht 1
Marilyn steht in dem weißen Faltenkleid auf dem U-Bahnschachtgitter und die warme Luft lässt ihr
1 Kleid fliegen.
Lachende Porträtaufnahme... von Andy Warhol als Serie gestaltet 0
Sie hat so ein weißes Kleid an das ihr vom Wind (oder was auch immer) hochgeweht, wird. 1 hochfliegender Rock ;-) 1
blondes, wallendes Haar, knallroter Lippenstift, ich glaube, es ist ein Szenefoto aus einem Film 0
121
Die Pressefotografie - Anhang - Materialien - Online-Befragung
Marylin über dem Lüftungsschacht 0
im ersten moment das falschfarbenportrait von warhol, dann das aus \"das verflixte siebte jahr\", wo
0 sie mit wehendem rock auf dem u-bahn-schacht steht
MM auf der Bühne \"Happy Birthday, Mr. President\" hauchend; MM mit rotem Mund im weißen
1 Kleid durch Luftgebläse hochgeweht
65
Ergebnis: 65 von 100 Befragten beschreiben Marilyn Monroe an hand des Szenenfotos aus Billy
Wilders „Das verflixte siebte Jahr“ von 1955.
Frage: War Albert Einstein humorvoll? Wenn ja, wie kommst Du darauf?
(1 in der zweiten Spalte bedeutet, dass die Fotografie von Einstein, auf der er die Zunge herausstreckt 632 , beschrieben wird. Bei der Auswertung wird dann noch unterschieden, ob die Beschreibung der Fotografie auch zu dem Ergebnis führt, dass Einstein humorvoll war. Wenn eine Versuchsperson einen anderen Beleg als die Fotografie für Einsteins Humor anführt, wird diese nicht gezählt.)
weil er mathematiker war 0
augehend von dem Bild auf dem er die Zunge rausstreckt, denke ich ja 1
das foto auf dem einstein mit herausgestreckter zunge zu sehen ist vermittelt den eindruck, dass er
1 lustig gewesen sein könnte.
ja, denke schon, ich sehe das berühmte Poster, wo er mit heraushängender Zunge abgebildet ist.
1 Sehr lustig
er hat zumindest auf den Fotos eine sehr positive Ausstrahlung. da ich ihn nicht persönlich kenne,
1 kann ich mehr dazu nicht sagen. ja- wegen des berühmten \"Zunge-heraus-strecken\"-Fotos 1
wegen seines Aussehens, rausgestreckter Zunge 1
...er streckt die Zunge auf dem einen Bild raus, außerdem habe ich ein Buch darüber gelesen: \"am
1 Sonntag küß ich dich mündlich!\" Ja, das Bild, auf dem er die Zunge rausstreckt 1
man könnte es annehmen, wg. dem bild mit der zunge 1
Vielleicht, zumindest sieht er auf dem allseits bekannten Foto so aus 1
Hm, keine Ahnung ob humorvoll war. 0
Ja! Auf dem Bild, das man von ihm kennt sieht er so aus. 1
Ja, vermutlich wg. des \"Zunge-Raus-Bilds\" 1
Nein, er hat für die Atombombe plädiert, wenn auch später widerrufen. 0
Ja! Wer so irre Theorien aufstellt, muss \"aus dem Rahmen\" denken können. Und wer das kann,
0 der hat auch Humor. Foto mit rausgesteckter Zunge 1
ja, ich hab den film mit Meg ryan gesehen:-)) 0
ja, denn er streckt die Zunge so lustig raus 1
Wegen dem berühmten Foto mit rausgestreckter Zunge. 1
Nee, nee! Der Einstein war Physiker und - bei Gott ich kenne viele Physiker - Der Humor ist dem Physiker seins nicht! Wenngleich er mit seinen wirren Haaren ganz drollig ausschauen kann… 0 Nein 0
Ich denke ja. Mir fällt das Bild ein, auf dem spitzbübig die Zunge rausstreckt 1
Ja. Allein schon auf die Relativitätstheorie zu kommen 0 weiss ich nicht 0
Ja, wegen des Bildes mit der ausgestreckten Zunge 1
Ja. Das Bild mit der rausgestreckten Zunge. Wer sich so fotographieren lässt, muss Humor
1 besitzen!
ich glaube ja, weil wer genial ist weiß, dass das leben an sich nur mit humor zu ertragen ist! 0
Kann ich nicht beurteilen. Man könnte es meinen wegen dem Bild, in dem er die Zunge rausstreckt,
1 aber das allein hat dafür nicht genug Aussagekraft
632 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 2, S. 94
122
Die Pressefotografie - Anhang - Materialien - Online-Befragung
ja, aufgrund seiner Darstellung auf T-Shirts etc... (sein klassisches Porträt) ausser wegen MAD / Alfred E.Neumann, wenn Du weisst was ich meine / Zudem fällt mir das Porträt von ihm mit der
1 Zunge ein.... Ja - Bild mit rausgestreckter Zunge 1
Wer würde sich sonst mit ausgestreckter Zunge ablichten lassen! 1
Breites Lächeln bei der Ankunft in New York 0
auf jeden fall...........weil er in unzähligen interviews zu erkennen gab, das er sich selbst nicht so
0 ernst nimmt.
Denke schon, siehe Foto mit der rausgestreckten Zunge 1
auch nicht mehr oder weniger als andere Menschen 0 weiß ich nicht. 0
Keine Ahnung, aber das Bild mit dem verstrubbelten Haar und der rausgestreckten Zunge lässt
1 vielleicht darauf schließen?! Er war zumindest für das Zungenfoto humorvoll... 1
Ich weiss schon auf welches bild die Frage abziehlt. Aber ich kenne Albert Einstein nicht, keine
1 Ahnung.
ich denke an das Bild, auf dem er die Zunge rausstreckt 1
ja, wegen dem bekannten Bild mit herausgestreckter Zunge 1
weil er die zunge herausstreckt 1
\"Don\'t worry about your difficulties in mathematics. I can assure you, that mine are still greater.\" 0
War er, wegen seinen coolen Sprüchen. Und wegen \"spukhafte Fernwirkung\" hahaha 0
Portrait mit herausgestreckter Zunge 1
hab wenig anhalt dafür ausser einem Foto mit viel Zunge. Insofern vielleicht ja. er war ja nicht
1 zuletzt auch ein recht intelligenter mann… Ja. Es gibt dieses Bild, auf dem er die Zunge herausstreckt 1
Ja. Wegen der wirren Haare und dem Zungenfoto. 1
vermutlich ja. Ein Mann der bereit ist seine hochkomplizierte Theorie für Kinder zu erklären und
1 sich in lustigen Posen ablichten lässt…
So gut kannten wir uns nun auch nicht! ;) - wenn Leute das denken, dann vielleicht von dieser
1 Zugenrausstreck-Postkarte
sein Gesichtsausdruck auf Bildern gibt mir den Eindruck, als wäre er humorvoll 1
Ja - Naturwissenschaftler haben immer Humor - nur verstehen den Humor die wenigsten 0
bestimmt. Er sieht sehr verrückt aus, vor allem auf dem Bild mit der herausgestreckten Zunge. 1
weiss nicht. wenn dann wegen des bildes mit der ´rausgestreckten zunge 1
Jop. Von dem eine Bild wo er sei Zung raus streckt un sein Haar so verwurschtelt isch 1
Klar! Hätte er sonst auf dem Bild die Zunge rausgestreckt 1
dazu kann ich leider keine angaben machen ... hab ihn niemals kennen gelernt, aber ernsthaft,
0 können erfinder auch humorvoll sein?! ja er war, Bild mit heraus gesteckter Zunge 1
JA !!! Immerhin hat ihn auch seine Genialität nicht davon abgehalten, die Zunge rauszustrecken !!! 1
Nein, guckt auf den meisten Bilder eher schier als lustig 0
Ich find den Kerl witzig. Allein schon das Aussehen ist bizarr... 0
Ja, er sieht so lustig aus. 0
Ja, es gibt einen fiktiven Film über ihn, wie er M.M. die Relativitätstheorie erklärt 0
Ja wegen dem Zungenrausstreckbild 1
Keine Ahnung, ist ein Bild mit rausgestreckter Zunge ein Zeichen von Humor?! 1
Ja - berühmtes Foto mit herausgestreckter Zunge!? 1
Keine Ahnung. Nur weil er auf einem seiner Bilder die Zunge rausstreckt, kann man das ja wohl
1 nicht einfach behaupten. Weiss ich nicht 0
Er lebte in einer anderen Welt, da gabs nicht viel zu lachen - nicht humorvoll 0
weiß nicht ob er das war, hab nur die Abbildung im Kopf wo er schelmig die Zunge rausstreckt und
1 dies wirkt einfach komisch
nur auf diesem schrägen Bild mit rausgestreckter Zunge 1
lachende Augen, das Bild mit der Zunge 1 nein 0
Keine Ahnung. Das Photo mit der ausgestreckten Zunge deutet aber zumindest darauf hin, dass er
1 Humor hatte.
Klar...Bild mit herausgestreckter Zunge 1
oh ja, war er ! ich sag nur : \" zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche
0 Dummheit, nur beim UNiversum bin ihc mir noch nicht ganz sicher denke, ja wegen dem bild mit der ausgestreckten zunge 1
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ja, wegen dem Bild, auf dem er die Zunge rausstreckt und einigen Zitaten 1 nein 0
Ich denke schon, denn zum einen hat er ständig bitterböse kommentare gegeben und wer würde sich mit rausgestreckter zunge photografieren lassen, wenn man keinen humor hätte. 1
weiß ich nicht, es gibt halt ein berühmtes Foto, wo er die Zunge rausstreckt und das hat ihn wohl
1 zum humoristen \"gemacht\" Ja. das Bild mit der Zunge 1
Ja, denke schon, wegen dem bekannten Foto, auf dem er die Zunge rausstreckt. 1
klar er hat gesagt \" es gibt 2 dinge die unendlich sind das universum und die menschliche
0 dummheit. bei einem bin ich mir noch nicht sicher. Dem universum\" Na klar. Bild mit rausgestreckter Zunge 1
keine Ahung ob er Humorvoll war,ist mir auch egal,aber er hat den Grundstein gelegt,welcher
0 Hawkins beflügelt m.m.n
Ich denke doch schon. Mathe-Genies sind oft humorvoll, ausserdem habe ich das Bild mit
1 ausgestreckter Zunge vor mir :-)
ja, wegen des schwarz-weiss bildes, auf dem er die zunge herausstreckt (echt oder fotomontage?) 1
Ja. Manche seiner Äußerungen zeugen zum. von einer gewissen Ironie was einem feinsinnigen
1 Humor entspricht. Bild mit Zunge
Ja, wegen des Photos mit den strubbeligen Haaren und der ausgestreckten Zunge 1
ja, wegen dem berühmten Foto, bei dem er die zunge rausstreckt und aussieht, als hätte er den
1 Schalk im Nacken
Weil er der Welt die Zunge herausstreckt... 1
Ja, er war humorvoll. Ich denke an das Foto mit herausgestreckter Zunge. 1
Ja, er sieht so aus. Und es gibt ein sehr bekanntes Plakat auf dem er eine Grimasse macht, das
1 trägt wohl dazu bei. Ja. (Bild mit herausgestreckter Zunge) 1
Ich denke schon! Meiner Erfahrung nach ist Intelligenz häufig gepaart mit Humor. Und humorlose Leute strecken nicht die Zunge raus, wenn sie fotographiert werden (oder lassen zumindest nicht
1 zu, dass dieses Bild publik gemacht wird) Ja - ohne Humor wäre seine Aufgabe nicht zu bewältigen gewesen 0
teils teils. der eindruck, dass er es war, resultiert wohl aus dem foto von ihm mit rausgestreckter zunge und der wirklich putzigen darstellung seines charakters von walter matthau in \"I.Q. - Liebe ist relativ\". Der eindruck, dass nein, kommt von seiner sturen, wissenschaftlich unbegründeten
1 ablehnung der quantenmechanik
Mit Sicherheit wahr er das! Man sieht es an seinen schelmischen Augen, man vergleiche nur seine
0 Zitate, Intelligenz und Humor passt gut zusammen.
Einstein war humorvoll, weil er auf dem Foto die Zunge herausstreckt 52
Erwähnen das Foto, auf dem Einstein die Zunge herausstreckt 69
Erwähnen das Foto nicht 31
Ergebnis: 52 von 100 Befragten gehen davon aus, dass Albert Einstein
ein humorvoller Mensch war, da er auf einer berühmten Fotografie die
Zunge herausstreckt. 69 von 100 Versuchspersonen erwähnen die
Fotografie, schließen aber nicht in jedem Fall daraus, dass Einstein
Humor hatte. 31 Versuchspersonen erwähnen die Fotografie überhaupt
nicht.
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Frage: Gibt es ein Foto, dass Dich an den Vietnam-Krieg erinnert? Wenn ja,
welches?
(Die Zahl 1 in der rechten Spalte bedeutet, dass der Proband die Fotografie von Nick Ut 633 beschrieben hat.)
die amerikanische nationalflagge 0
Das Bild von dem schreienden Mädchen, dass aus dem Napaln-Feuer läuft und schwere
1 Verbrennungen hat. Der Film Forest Gumb
nach dem angriff mit napalm wurde ein kleines mädchen fotografiert, dem schmerz, hilflosigkeit und entsetzen ins gesicht geschrieben standen. Das ist eines der bilder die mir vor augen kommen. 1
Ein sterbender Soldat, der die Arme in die Luft reißt und gerade hinfällt. Schaurig! 0 nein 0
weinende Kinder 0
Das Foto, wo ein Soldat einem Vietnamesen eine Pistole an die Schläfe hält. 0 nein 0 Nö 0
oh ja! die flüchtenden napalm-kinder! 1
Ja. Das arme Kind das von Napalm getroffen wurde und schreiend die Strasse entlang laeuft. 0
Der Klassiker mit dem \"why?\" darunter, von dem ich nicht mal sicher weiss, ob es wirklich vom
0 vietnamkrieg stammt, oder von platoon… Nein! 0
kleines Mädchen, nackt und mit Verbrennungen, läuft einen Feldweg entlang 1
Ein aus dem Helikopter aussteigender Soldat/Von Napalm getroffene Kinder 1
Kind auf Brücke laufend mit verbranntem Rücken, Napalmangriff auf Dorf, Kopfschuss eines
1 Vietkong auf offener Strasse nein 0
Nur ein Ausschnitt aus dem Film Apocalypse now! 0
Vietnam? Hab eher Golfkrieg-Bilder vor Augen 0
Why ? Das Plakat mit dem getroffenen, fallenden Soldaten. 0
Zuerstmal das Plakat- Aushangfoto von Apokalypse now, wo diese vielen Hubschrauber in den (Sonnen-) Untergang fliegen. Und natuerlich das Bild wo ein suedvietnamesischer Polizist einen
0 Nordvietnamesen erschiesst.... Das kleine Kind ohne Kleider und mit Brandverletzungen 1
Das rennen Mädchen, das um sein Leben rennt (die Haut hängt in Fetzen am Körper runter) 1
Soldat mit verbranntem Kind auf den Armen 0 nein 0 Das wohl bekannteste:
http://www.museumonline.at/1999/schools/classic/grg23/60er%20Jahre/deutsch/images/vietnam_1.
1 jpg
Das Cover von \"Apocalypse Now!\" 0
bei foto un dvietnamkrieg habe ich das bild eines covers einer zeitung im kopf von der ich aber nicht
0 weiß ob sie existiert
Kein bestimmtes (liegt wohl an der Bilderüberflutung des zweiten Weltkrieges in der Vergangenheit
0 und des Irak-Krieges in der Gegenwart) Ja, aber eher Filme ... reishüttenlandschaft im morgentau ... 0
das kleine Mädchen auf der Straße (Napalmopfer)/der brennende Mönch in Saigon (Cover von
1 Rage against the machine) so spontan - nö 0
Das kleine, schreiende Mädchen 1
ja, sehr wahrscheinlich das gleiche wie alle anderen auch, die neunjährige Kim Phuc läuft nackt und
1 mit brandverletzungen vor us soldaten davon
schreiendes Kleinkind das nackt eine Strasse entlang rennt, im Hintergrund bombardierte Siedlung 1
633 Siehe Abbildungsverzeichnis, Abb. 3, S. 94
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Die Pressefotografie - Anhang - Materialien - Online-Befragung
das Mädchen Kim Phuoc (rennt nach einem Napalm-Angriff mit verbrannter Haut auf der STrasse) 1
das bild mit dem nackten, flüchtenden kind, wobei ich nichtmal sicher weiß, ob das wirklich Vietnam
1 war. Kein bestimmtes... 0
Das kleine, weinende & nackte Mädchen, das mit verbrannter Haut über die Straße läuft… 1 Nein. 0
das Foto mit dem Mädchen, dass Napalm abbekommen hat 1
weiße Kreuze auf riesiger Wiese 0
mit napalm verbrannter wald 0 Kein konkretes. 0
Na, das übliche mit dem vietnamesischen Mädchen mit verbrannter Haut 1
nacktes Mädchen läuft weinend auf der Straße 1
das kleine nackte Mädchen, das aus dem Dorf rennt, das gerade mit Napalm bombardiert wurde.
1 Die Exekution des Gefangenen durch einen Offizier Ein privates Foto von den Co-Chi-Tunneln, war mal dort und hab sie besucht 0 Nein. 0
flüchtendes, schreiendes, nacktes Mädchen mit Verbrennungen von Napalm auf einer lehmigen
1 Strasse
Magnum-Photoagentur: Mann umringt von Panzern... 0
türkisfarbener Hintergrund, Kind auf Stelzen und nur einem Bein im Vordergrund 0
Ja - eine Foto-Einblendung aus dem Video des Songs \"19\" 0
Das nackte Mädchen, deren Kleider verbrannt sind und durch die Straße rennt 1 eigentlich nicht 0 noin 0 Nein 0
mir fallen jetzt nur ein paar bilder aus einem film ein, \"full metal jacket\" ... aber kein konkretes bild! 0 nein 0
Ein kleines Mädchen läuft heulend/schreiend mit anderen Kindern über die Straße. Im Hintergrund
1 stehen Soldaten. Nein, kein spezielles 0
Bei Vietnam muss ich immer irgendwie an Apocalypse Now denken. Ein Foto fällt mir nicht ein. 0
Eine Luftaufnahme der zerstörten Stadt. 0 Nein 0
ist dieses soldatenbild mit dem \"WHY?\" nicht aus der zeit 0
Das nackte Kind, welches nach dem Napalmanschlag weinend flieht. 1 Foto nein! 0
Ein nacktes Mädchen, das schreiend über die Straße läuft. 1
Das bild des nackten Kindes nach dem Napalmangriff 1
Bilder ja, Reportagen, nachträglich gedrehte Filme, kein Foto in meinem Kopf, sorry 0
Kein bestimmtes Foto, kenne nur Bilder aus Filmen über diesen Krieg 0 gibts keins 0 schreiende nackte Kinder 1
Es gibt da ein Foto von James Nachtwey (glaub ich..), welches ein weinendes nacktes Kind auf
1 einer Strasse zeigt
Das Photo mit einem unbekleideten Mädchen, das weinend und schreiend vor den Napalm-
1 Bomben der Amerikaner flieht (das war doch Vietnam, oder?)! ...hmm...durch Napalm verbranntes Mädchen 1
nein 0 nein 0
das schreiende, nackte Kind nach einem Napalm-Angriff 1 nein 0
da muss ich leider passen!so spontan ist ist mir keines bekannt! 0
keines, das mir jetz einfallen würde 0
Hanoi, Polizeioffizier erschießt Gefangenen auf offener Straße/Nackte Kinder vor brennender
1 Landschaft Nein. 0
gibt keins 0 Ja. Name keine Ahnung. 0
Nicht direkt,aber das Plakat von dem Film Platoon kommt da schon hin. 0
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Die Pressefotografie - Anhang - Materialien - Online-Befragung
Eine Szene aus Apocalypse Now, in der die Hubschrauber angreifen. 0
das foto von dem nackten, napalm verbrannten, schreienden Mädchen 1 Why? 0
Ja - 2: Das kleine, nackte, napalmverbrannte Mädchen / Erschiessung eines vermeintlichen Viet-
1 Cong durch den südvietnamesischen Polizeipräsidenten Der Helm von Full Metal Jacket 0
Fällt mir spontan keins ein - habe im Moment nur Szenen aus Platoon, Full Metal Jacket usw. vor
0 Augen
Das kleine verbrannte Mädchen, das dem Fotografen aus einem zerstörten Ort entgegen läuft. 1
Nein, nur Szenen aus irgendwelchen Filmen. 0 nein 0
Ja, es gibt ein Bild von Kindern, die nach einem Napalmangriff schreiend wegrennen. 1
Ein nacktes Kind auf der Straße (Autor unbekannt) 1
ja. das von dem napalmverbrannten schreienden mädchen... 1
Endlos grüne Reisfelder mit vietnamesischen Kindern mit Maschinengewehren, ein Bild jedenfalls,
0 in dem sich die Ungerechtigkeit der Amerikaner widerspiegelt.
39
Ergebnis: 39 von 100 Befragten beschreiben die Fotografie von Nick Ut.
Sie zeigt ein nacktes Mädchen in dem Ort Trang Bang nach einem
Napalmangriff.
127
Die Pressefotografie - Materialien - e-Mails
Materialien
e-Mails
Ich schrieb folgende e-Mail an die Gewinner des World Press Photo Award 2005:
Dear Mr. /Mrs. …….,
my name is Astrid Jacobi and I'm writing my thesis about Press Photography at the University of Saarbrücken, Germany.
I had to make a selection of photographers representing the contemporary press photography and I chose the World Press Photo Award Winners 2005. Now, I've got a request and I really hope you can help me: Would you answer me some questions about your work? I just add them here and I hope not to be ceremonious:
1. Why did you decide to become a press photographer?
2. What - in your opinion - is the duty of press photography?
3. Was there one assignment you'll never forget? And why?
4. What changes make digital photography? What about the future of professional photographers?
I thank you very much!
Greetings, Astrid
(Die e-Mails sind in der Reihenfolge ihres Eintreffens bei mir geordnet)
J.F. Diorio
Dear Miss Astrid,
I'm happy for you had select my name to repesent the comteporary press photography and hope to help you. Here you have the answers:
1- I studied grafic arts and worked with it, and after that i started to learn and loves photography seeing
pictures by Bresson, Salgado, Kertesz , Robert Capa, Weegee, Helmut Newton, Koudelka, Lartigue, William Klein, Eugene Smith, Doisneau, Depardon, etc...I had will of make pictures like them made, and here in Brasil, São Paulo where I've been living, you have three principal possibilities of choice to work as a photographer: -1be a studio photgrapher ( fashion, publicity, still etc...)-2- a social photographer (that make pictures of marriages, parties and social events)- 3- or press photographer , where I have the oportunity of get the instant decisive in diferents kinds of situations and can show the expressions and emotions.
2- the duty of the press photography is show what hapens sinthetic, clearly and impartially.
3- I have to register the history, never make the history, sometimes in few specific situations I can fell part of
the history, never be the history.
The photographer to get a great picture have to be invisible in the scenery of the history.
127
Die Pressefotografie - Materialien - e-Mails
4- With the digital photography our work turned more practical and faster than before, and the quality of image is getting better very quickly.
About the future? I don't know and don't like in think about it, each time more apears others kinds of tecnologies to take images (pictures or video) each time more there are people making images all the time and better and faster ...
All people will be a press photographer for five minutes one day, (for example the camera in the mobile phone) But we have our experience and sensibility and the sense stetical, and the majority of people haven't. The sensibility I think is the main diference between a comom person and us. And never forget, we have to pay atention in the inovations tecnologicals to continous existing as a photographer. If you have any doubt, ask me... Best regards, José Francisco Diorio
James Hill
1. Why did you decide to become a press photographer?
I started life by getting a job at a bank but just before I was supposed to start work I decided I couldn't face it and looked for something else. At that point I wasn't sure about becoming a photojournalist but I knew I wanted to do international news and felt that photography was the most interesting way to do it. I went on a post-graduate course in London for a year and after that went to the Soviet Union a few months before it broke up and gradually picked up assignments and contacts that enabled me to gradually make a living from press photography.
2. What - in your opinion - is the duty of press photography?
I think that the profession is too selfish to claim to have a duty. I, for example, do not expect my photographs to change the world and I think the images that have done that could be counted on two hands. I find that the work is as much an enlightenment for myself as it will be to others. If people look at the work and find something in it, a voice, an emotion that they recognise or understand then that is a plus but I don't believe that it is a public service. We work for organisations that need to make money to exist after all.
3. Was there one assignment you'll never forget? And why?
In 2001 immediately after the 9/11 attacks I went to Afghanistan to cover the war to dislodge the Taliban. I spent 4 months there in a place where the utmost beauty and the utmost savagery can exist side by side. There is nowhere else I ever felt that.
4. What changes make digital photography? What about the future of professional photographers? Digital photography has in many ways been the saviour of press photography simply because of the speed it allows photographers to transmit from fast moving stories and work in the most remote of places. I find that it does little to harm the sense of craft that photographers need either. As for our future though it is hard to say. Everyone who has a mobile phone these days is a photojournalist and the abundance of imagery is something that makes it harder to survive since the market is so saturated. Really quality work will somehow survive but the problems that both magazines and newspapers are having in making sales means that the money to continually covering international events is scarcer and scarcer. Professional photographers will always exist, simply the question of the form their work is what is unclear.
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Die Pressefotografie - Materialien - e-Mails
Bob Martin
Dear Astrid
I am writing in reply to your email and thank you for your interest in my career as a photographer.
As you will appreciate, I have a very heavy schedule as a freelance photographer, involving a lot of travelling, with very little time for attending to my emails. I hope you will therefore excuse me for sending you some basic information, which may not be exactly what you have asked for. However, this is the only way in which I can reply to the vast number of enquiries of this nature that I receive.
I started my photographic career working as an assistant for an industrial photographer based in Teddington.
For the last 20 years or so I have been a photographer specialising in Action & Sports Features, based in the UK. I have photographed every major sporting event, from the Summer and Winter Olympics to Elephant Polo and Horse Racing on Ice.
My work has been published in many high quality publications, such as Sports Illustrated, Time, Newsweek, Life, Stern, Paris Match, Bunte, L'Equipe, The Sunday Times, and New York Times. I am proud to be the only Sports Illustrated Contract Photographer to be based outside the USA.
My photography over the years has been recognised by over 40 National and International Awards. I am particularly proud to have won the British Sports Photographer of the Year Competition on three occasions (1992/93, 1998/99 and 2001/2). In 2005 I won the “Sports Picture of the Year” category in the World Press Photo Awards.
I trust that this information will be of use to you in your studies.
Kind regards
Bob Martin
Adam Pretty
1. Why did you decide to become a press photographer?
I saw and exhibition of two Australian Photographers Craig Golding and Tim Clayton, and after chatting to them about pictures I thought that is what I want to do, take pictures!
2. What - in your opinion - is the duty of press photography?
To convey the truth about a story to people who can not be there, and to create a feeling or impassion people to react to a story or feel some emotion about an event or set of pictures…. Also in the sports photography world, I think providing a fresh approach and capturing something unique and not recycled is important as well in order to keep people hungry for pictures and ideas.
3. Was there one assignment you'll never forget? And why?
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Die Pressefotografie - Materialien - e-Mails
Probably my first Olympics which was Sydney as it was the hardest I have ever worked in my life and so much was happening and I just wanted to be everywhere at once, it was incredible… and I was chasing everything that moved and it taught me a lot about what to go after and what to let go…. after the games I was sick for about two weeks as I was so run down.
4. What changes make digital photography? What about the future of professional photographers? I think digital is just another tool which photographers can master to help them work. I originally thought that it made my photography go backwards as it can encourage you to become lazy and complacent as you know when you have a shot and are not stressing about whether you have nailed a moment, which is good and bad as when I used to shoot film I was never sure as to whether I had captured a moment and pushed myself more and more to try and make sure I had a picture or a better picture. It is great with the immediacy of being able to get your pictures on the wire or to a client, but this has also devalued (in some clients eyes) photography as it takes some of the mystery out of photography and anyone can master a digital camera and take decent pictures…. This is also good as it pushes photographers harder and harder in order to differentiate their pictures from the ordinary, which is why I believe that no matter what advances take place auto focus etc… the good photographers are those who put their personality and life into their work and I believe it always shows in the results.
Quote paper:
Astrid Jacobi, 2006, Die Pressefotografie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Geschichte des Fotojournalismus
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