Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quinquennium Neronis - woher kommt der Ausdruck?
3. Nero: Familie - Hintergrund - Werdegang
4. Quinquennium Neronis - was macht es zu einem goldenen Zeitalter?
5. Der Weg zum Muttermord - das Ende des Quinquennium Neronis
6. Fazit
Quellen - und Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Nero gehört zweifelsfrei zu den berühmtesten und berüchtigtsten Persönlichkeiten der Weltgeschichte. Er gilt gemeinhin als die Personifikation des Bösen, der Inbegriff des dem Caesarenwahn verfallenen Tyrannen. Nur wenige andere Persönlichkeiten haben es im Laufe der Jahrhunderte geschafft, ihn an schlechtem Ruf zu übertreffen.
Er war jedoch auch eine facettenreiche Person, musisch begabt und vielseitig interessiert, mit einem Hang zum Theatralischen und zur Selbstüberschätzung. Diese Arbeit soll sich vor allem mit Neros „goldenem Zeitalter“, also mit den ersten (fünf) Regierungsjahren Neros als Kaiser beschäftigen. Es sollen hierbei die positiven Aspekte dieser Zeit an Hand von Quellen aufgezeigt werden sowie durch das Skizzieren von Neros Weg zum Tyrannen ein Gesamteindruck seines Prinzipats vermittelt werden.
Die wichtigsten Quellen hierzu liefern P. 1 Cornelius Tacitus (ca. 55-116), C. 2 Suetonius Tranquillus (ca. 70-150) und Cassius Dio (ca. 150-235). Tacitus, ein Mann ritterlicher Herkunft, bekleidete während seines cursus honorum die höchsten Ämter bis hin zum Prokonsulat in der Provinz Asia unter Nerva. Er vermittelt in seinen Annalen ein detailliertes, umfassendes und objektiv scheinendes Bild des julisch-claudischen Kaiserhauses. Da sein Werk jedoch im 16. Buch abbricht, kann auf ihn für die letzten beiden Jahre der Regierungszeit Neros nicht mehr zurückgegriffen werden.
Sueton, der möglicherweise aus Nordafrika stammte, gehörte ebenfalls dem Ritterstand an und wurde, wie in diesem Stand üblich, in der Rhetorik ausgebildet, bevor er als Advokat tätig war. Von seinen Werken sind die Kaiserbiographien fast vollständig erhalten; er schildert darin das Leben der Kaiser, Caesar eingeschlossen, bis hin zu Domitian. Seltsamerweise sind seine Abhandlungen über die julisch-claudische Dynastie sehr viel ausführlicher als die über die flavische Dynastie, obwohl diese ihm zeitlich näher stand. Er berücksichtigte bei seinen Darstellungen sowohl die politische Wirkung der Herrscher als auch ihre private Lebensführung. 3 Im Unterschied zu Tacitus schien Sueton eher auf Unterhaltung bedacht zu sein. Dies zeigt sich unter anderem in seiner Vorliebe für
1 Der Vorname ist laut DkP unsicher; häufig wird jedoch Publius angegeben.
2 Laut DkP ist der Vorname auch hierbei unsicher; möglicherweise Gaius.
3 Vgl. Waldherr, G.H.: Nero. Eine Biografie. Regensburg 2005, S.11
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Anekdoten und in seinen umfangreichen Beschreibungen allzu menschlicher Züge. Trotz allem gelang es ihm doch weitgehend kritische Distanz zu bewahren und sowohl die positiven wie auch die negativen Seiten der Herrscher aufzuführen.
Auch der aus Bithynien stammende Cassius Dio bekleidete die höchsten römischen Ämter und hatte zweimal das Konsulat inne. Als einziger der drei Autoren schreibt er in griechischer Sprache und gibt auch einige Information zu seiner eigenen Person. Von seinen literarischen Werken ist wohl die Darstellung der von ihm selbst miterlebten Zeit unter Marc Aurel die wertvollste. Seine ehemals 80 Bände umfassende „Römische Geschichte“ ist nur noch in den Bänden 36-60 und in Teilen der Bände 78 und 79 enthalten. Seine Biografie über Nero gilt als umstritten, da seine Quellen im Dunklen bleiben. Diese Arbeit stützt sich deshalb hauptsächlich auf Tacitus und Sueton sowie auf Sekundärliteratur.
2. Quinquennium Neronis - woher kommt der Ausdruck?
Unter dem Term Quinquennium Neronis versteht man im Allgemeinen die ersten fünf Jahre 4 der Regierungszeit des Kaisers Nero, also die Jahre 54-59. Dieses Jahrfünft wird als der positive Abschnitt der neronischen Epoche bezeichnet.
Mit diesem Ausdruck wird auf ein Zitat des spätantiken Autors Aurelius Victor Bezug genommen, der in seinen Kaiserdarstellungen aus dem vierten Jahrhundert berichtet, dass Kaiser Trajan oft fünf Jahre der Regierungszeit Neros als besonders positiv gerühmt haben soll:
„Eo modo L. Domitius (nam id certe nomen Neroni, patre Domitio, erat) imperator factus est. Qui cum longe adolescens dominatum parem annis vitrico gessisset, quinquennium tamen tantus fuit, augenda urbe maxime, uti merito Traianus saepius testaretur procul differre cunctos principes Neronis quinquennio; (...)” 5 .
4 Quinquennium als Ableitung von quinque anni = fünf Jahre.
5 S. Aurelius Victor, Liber de Caesaribus, 5,0-5,2: „Auf diese Weise wurde L. Domitius (denn so
hieß Nero eigentlich, nach seinem Vater Domitius) zum Kaiser gemacht. Er, der in noch sehr
jugendlichem Alter ebensolange an Jahren wie sein Stiefvater die Herrschaft innehatte,
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Problematisch hierbei ist, dass aus dieser Stelle nicht eindeutig geschlossen werden kann, ob es sich tatsächlich um die ersten fünf Regierungsjahre handelt. In anderen Quellen wird dieser Begriff nirgends erwähnt. Da dort jedoch immer von glücklicher Zeit oder positiven Errungenschaften im Zusammenhang mit den Anfangsjahren berichtet wird, nimmt man an, dass auch Aurelius Victor bzw. Trajan von der ersten Regierungszeit spricht.
3. Nero: Familie - Hintergrund - Werdegang
Nero wurde am 15. Dezember des Jahres 37 zur Stunde des Sonnenaufgangs 6 in Antium als Lucius Domitius Ahenobarbus geboren.
Sein Vater, Gnaeus Domitius Ahenobarbus, der im Jahre 32 n. Chr. Konsul war, gehörte der zum römischen Hochadel zählenden Familie der Domitii Ahenobarbi an. „Seit mehr als zwei Jahrhunderten besaßen die Ahenobarbi konsulare Würde und sie hatten das politische Geschehen in der ausgehenden römischen Republik nicht unwesentlich mitbestimmt.” 7 Neros Großvater Lucius Ahenobarbus hatte durch seine Heirat eine familiäre Beziehung zu Augustus hergestellt. Seine Frau Antonia (Antonia maior) war eine Nichte des ersten princeps. Lucius Ahenobarbus hatte sich als Feldherr und führender Militär einen Namen gemacht; er hatte sich die Gunst des Augustus gesichert und war von ihm als sein Testamentsvollstrecker eingesetzt worden. Sueton beschreibt die Persönlichkeit des Lucius Ahenobarbus als anmaßend, verschwenderisch und schroff. 8 Die Verbindung der Domitii Ahenobarbi mit der Herrscherfamilie wurde noch intensiviert, als im Jahre 28 n. Chr. der Sohn des Lucius, der spätere Vater Neros, Gnaeus Domitius Ahenobarbus mit Iulia Agrippina (Agrippina d. Jüngere) verheiratet wurde. Neros Vater beschreibt Sueton als einen ganz und gar verabscheungswerten Menschen. 9
zu 5 zeichnete sich immerhin fünf Jahre lang derart aus, zumal durch die Verschönerung der Stadt,
dass Trajan mit Recht des öfteren bekräftigte, alle Kaiser blieben weit hinter Neros ersten fünf
Jahren zurück. (...)“.
6 Sueton, Kaiserbiographien, Nero 6
7 Vgl. Waldherr, S.13
8 Sueton Nero 4: “(…) uerum arrogans, profusus, immitis (…)”.
9 Sueton Nero 5: “patrem Neronis (…) omni parte uitae detestabilem (…)”.
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Gegen Ende der Regierung des Tiberius geriet er in den Strudel der politischen Affären und wurde wegen Majestätsverbrechen, mehrfachen Ehebruchs und einer angeblichen inzestuösen Beziehung zu seiner Schwester Domitia Lepida, bei der Nero einen Teil seiner Kindheit verbringen sollte, angeklagt. Der Tod des Tiberius im Jahre 37 n. Chr. rettete ihn vor der Verurteilung. Ohne nochmals politisch in Erscheinung zu treten starb er drei Jahre später. 10 Zu seinem Sohn hatte er keine sonderlich herzliche Beziehung. So soll er kurz nach dessen Geburt auf die Glückwünsche von Freunden erwidert haben: Aus der Verbindung zwischen ihm und Agrippina habe zwangsläufig nur etwas Abscheuliches und für den Staat Verderben Bringendes entstehen können. 11
Auch mütterlicherseits besaß Nero verwandtschaftliche Beziehungen zur Familie des Augustus. So war seine Mutter, Agrippina die Jüngere, die Tochter des berühmten Feldherrn Nero Claudius Drusus, auch bekannt unter seinem Beinamen Germanicus. Dieser war ein Großneffe des Augustus und wurde auf dessen Drängen hin im Jahre 4 n. Chr. von Tiberius adoptiert. Diese Adoption sollte gewährleisten, dass die Familie des Germanicus in der Öffentlichkeit als die wahre Linie der Nachfolger des Augustus angesehen würde. 12 Neros Großmutter mütterlicherseits war Agrippina die Ältere, eine leibliche Enkelin des ersten princeps und gleichzeitig noch Tochter seines besten Freundes und engstem Vertrauten Agrippa. Im Jahre 19 n. Chr. starb Germanicus unter mysteriösen Umständen und seine Witwe beschuldigte Tiberius des Mordes. Daraufhin wurde sie auf eine Insel verbannt und wählte dort selbst den Hungertod. Auch zwei ihrer Söhne fielen Tiberius zum Opfer. Agrippina die Jüngere hatte so bei den Machtspielen in Rom Vater, Mutter und zwei Brüder verloren. 13 Nach Tiberius’ Tod im Jahre 37 n. Chr. erbte Agrippinas Bruder Caligula den Kaiserthron. Es folgte für Agrippina und ihre beiden Schwestern eine Zeit im Luxus. Neun Monate nach dem Herrschaftsantritt des Caligula brachte Agrippina ihren Sohn, den späteren Kaiser Nero, zur Welt. Knapp zwei Jahre später, 39 n. Chr., wurden Agrippina, ihre Schwester Livilla und deren Schwager Lepidus, Witwer der Drusilla, wegen sexueller Ausschweifungen angeklagt, was für Agrippina eine Anklage wegen
10 Vgl. Waldherr, S.15f.
11 Sueton Nero 6: „(…) inter gratulationes amicorum negantis quicquam ex se et Agrippina nisi
detestabile et malo publico nasci potuisse.”
12 Vgl. Shotter, D.: Nero. London/New York 1997, S.6
13 Vgl. Waldherr, S. 20
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Arbeit zitieren:
Nina Valuta, 2005, Quinquennium Neronis - Neros erste Regierungsjahre, München, GRIN Verlag GmbH
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