Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kommunikation
2.1 Kommunikation und Bewusstsein
2.2 Dreifache Selektion
2.3 Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation
3. Medium und Form
4. Sprache
5. Verbreitungsmedien
6. Erfolgsmedien
6.1 Funktion
6.2 Differenzierung 0
6.3 Strukturen
7. Zusammenfassung
Literaturhinweise
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1. Einleitung
Niklas Luhmanns Lebenswerk war es eine „Theorie der Gesellschaft“ zu entwickeln. Dabei geht er von einem systemtheoretischen Ansatz aus und veröffentlichte dazu zehn Bücher zu den verschiedenen Teilsystemen. Ein Hauptmerkmal setzt er dabei auf die Selbstbeschreibung, daher handelt es sich um Beschreibungen über die Gesellschaft in der Gesellschaft. Im Folgenden gehe ich zunächst auf den Begriff ‚Kommunikation’ ein, wie er von Niklas Luhmann definiert wird und beschreibe seine Auffassung von der Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation. Im Anschluss an diesen ersten Punkt erläutere ich kurz die Bedeutung von ‚Medium’ und ‚Form’ sowie deren Anwendungsbereiche. Im letzten Teil, der die Punkte vier bis sechs umfasst, gehe ich auf das zweite Kapitel aus Niklas Luhmanns Buch „Die Gesellschaft der Gesellschaft“, das die Überschrift „Kommunikationsmedien“ trägt, ein. In diesem Kapitel sind zwei Schwerpunkte gesetzt - zunächst auf Verbreitungsmedien und im Anschluss daran auf Erfolgsmedien. Innerhalb der Verbreitungsmedien werde ich kurz die Massenmedien anschneiden, verweise aber schon hier auf das Buch von Niklas Luhmann „Die Realität der Massenmedien“, da ich diesem umfangreichen Thema in dieser Arbeit nicht gerecht werden kann. Abschließend werde ich kurz zusammenfassen worin Niklas Luhmann die Lösung für das Problem der Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation sieht.
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2. Kommunikation
Niklas Luhmann bezeichnet die Gesellschaft als soziales System, das aus Kommunikation besteht. Er sieht die Gesellschaft nicht als eine Masse von Menschen, denn beispielsweise Gefühle wie Wut oder Liebe kommen erst zum Ausdruck, wenn sie kommuniziert werden und nur dann können Reaktionen darauf folgen. Nur die Kommunikation kann kommunizieren und in diesem Netzwerk entsteht dann das, was allgemein unter ‚Handeln’ verstanden wird.
2.1 Kommunikation und Bewusstsein
Luhmann differenziert zwei Disziplinen. Zum einen nennt er die Psychologie mit dem dazugehörigen psychischen System, zum anderen, die Soziologie und dem dazu analogen sozialen System. Das erste basiert auf dem Bewusstsein, das zweite operiert auf der Basis von Kommunikation. Beide Systeme sind in sich geschlossen und selbstreferentiell oder autopoietisch wie das Fachwort dafür heißt. Dies bedeutet, dass sich die Elemente und Strukturen des Systems durch sich selbst spezifizieren. Zwischen den beiden Systemen liegt eine strukturelle Kopplung vor, da das psychische System in der Lage ist die Kommunikation zu beeinflussen. Das Kommunikationssystem lässt sich vom Bewusstsein reizen, stören oder irritieren. Jedoch nur in der Form, dass es die Störung kommunikativ behandeln kann. Zur Verdeutlichung ein Beispiel:
In einer Stadtratsdebatte kommuniziert die Kommunikation über den Bau einer neuen Schnellstraße. Dezernent Meyer fliegt morgen in Urlaub und ist mit seinen Gedanken schon am Strand. Im nächsten Moment kann er sich aber auch wieder zurückbesinnen und an der Diskussion teilnehmen. Er kann die Kommunikation stören, reizen oder irritieren. Sein Bewusstseinssystem wiederum wird durch die Kommunikation irritiert, da diese das psychische System dazu veranlasst ständig weitere Gedanken zu formen. Das soziale System erzeugt ständig Kommunikation, während das psychische Gedanken produziert.
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Jedoch lässt sich aus der Kommunikation nicht erschließen, was die Beteiligten der Debatte während der Diskussion denken. Dass der Dezernent Meyer von seinem Urlaub träumt, bleibt den anderen Teilnehmern verborgen, da die psychischen Systeme nicht miteinander kommunizieren können. Dies können nur die sozialen Systeme. Diese wiederum können nicht denken.
2.2 Dreifache Selektion
Im Gegensatz zu Jürgen Habermas, der ein handlungstheoretisches Verständnis von Kommunikation erarbeitet hat, geht Luhmann von einem systemtheoretischen Ansatz aus, der „die Emergenz der Kommunikation selbst betont“ (Luhmann 1995, S. 117). Er beschreibt Kommunikation als ein dreifaches Auswahlverfahren, bestehend aus ‚Information’, ‚Mitteilung’ und ‚Verstehen’, deren Selektivität anhand eines zirkulären Sinnes erst durch Kommunikation festgelegt wird. Des Weiteren definiert er Kommunikation durch die Unterscheidung von dem Informationswert des Inhaltes und dem Grund des Mitteilens. Wird diese Unterscheidung nicht vorgenommen, handelt es sich um eine bloße Wahrnehmung, auf die man nicht reagieren kann. Die dritte Selektion, das Verstehen oder auch Missverstehen, ist die Anschlussvoraussetzung für weitere Kommunikation und Bedingung für die Autopoiesis des sozialen Systems. Außerdem sind die Selektionen erstens kontingent, d. h. man hat immer mehrere Auswahlmöglichkeiten der Information, der Mitteilung und des Verstehens und zweitens sind sie doppelt kontingent, denn jede Kommunikation setzt zwei Gesprächspartner voraus. Zu dieser Selektion ein Beispiel: Eine Frau trifft eine Bekannte in der Stadt und sagt zu ihr:„Hallo! Wir haben uns ja eine Ewigkeit nicht gesehen! Was machst du denn jetzt so?“ Die Begrüßung der Frau enthält die Information, dass sie gerne zu einem Gespräch mit ihrer Bekannten bereit ist. Die Frage ‚Was machst du denn jetzt so?’ signalisiert ihrem Gegenüber, dass diese nun etwas sagen kann. Auch dieser Teil enthält eine Information, nämlich die, dass die Frau eine Anschlusskommunikation erwartet. Im Grunde gibt es eine große Auswahlmöglichkeit, wie man eine Information einem anderen mitteilt.
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Die Frau hätte auch fragen können: „Wie geht es dir denn so?“ oder „Du weißt doch noch, wer ich bin?“. Die Information wäre dieselbe geblieben. Bevor man jetzt von Kommunikation reden kann, wird noch das Verstehen benötigt. Die Bekannte muss durch eine Anschlusskommunikation zeigen, dass sie die Information verstanden hat. Auch hier gibt es eine Reihe von Auswahlmöglichkeiten. Die Bekannte könnte antworten: „Ich habe eine neue Stelle angenommen.“ oder „Ich habe letzten Monat geheiratet.“.Verstehen heißt jedoch nicht unbedingt, dass der Sinn der vorangegangenen Aussage von dem Gesprächspartner verstanden worden ist. Es bedeutet nur, dass diese für die Bekannte anschlussfähig ist. Auch wenn sie „heute Mittag um zwölf Uhr“ geantwortet hätte, wäre die Kommunikation nach Luhmann erfüllt gewesen, jedoch hätte sich die Frau wahrscheinlich kopfschüttelnd umgedreht und wäre gegangen, da die Antwort für sie nicht anschlussfähig gewesen wäre. Kommunikation beinhaltet immer das Risiko einer Ablehnung. Es schafft daher nur zwei Versionen der Anschlusskommunikation. Sie selektiert nach ‚Ja’ oder ‚Nein’. Die Autopoiesis des sozialen Systems kann daher auch als Zuspitzung auf Annahme oder Ablehnung definiert werden. 2.2 Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation Nach Niklas Luhmann ist Kommunikation sehr unwahrscheinlich. Im ersten Moment hört sich das für uns paradox an, denn wann immer wir in Kontakt mit anderen Menschen treten, geschieht dies meist durch Kommunikation. Die Unwahrscheinlichkeit, dass Kommunikation überhaupt stattfindet, registrieren wir gar nicht mehr. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, die auf drei Ebenen beschrieben werden können. Zunächst ist es unwahrscheinlich, dass die Kommunikation verstanden wird, denn „Sinn kann nur kontextgebunden verstanden werden“ (Luhmann 1981, S. 26). Auf der nächsten Ebene ist es unwahrscheinlich, dass die Mitteilung den Adressaten erreicht, vor allem, wenn es mehr als einen Empfänger gibt. Die letzte Ebene zeigt die Unwahrscheinlichkeit, dass die Kommunikation angenommen wird. Selbst, wenn die Mitteilung verstanden worden ist, heißt es nicht automatisch, dass sie auch akzeptiert wird.
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Arbeit zitieren:
Sonja Stallmann, 2003, Niklas Luhmanns Behandlung des Problems der Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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