„Platzwechsel auf Langbänken“ - Kooperative Spiele
zur Schulung der Sozialkompetenz“
Inhalt
1. REFLEXIONEN ZUR LERNGRUPPE 1
2. ÜBERLEGUNGEN ZUR SACHE UND ZUM INHALT 2
3. KOMPETENZEN 3
4. DIDAKTISCH - METHODISCHE REFLEXION. 4
4.1 DIDAKTISCHE BEGRÜNDUNG DER THEMENAUSWAHL 4
4.2 BEZÜGE ZU DEN LEITGEDANKEN DER BILDUNGSPLÄNE 1994 UND 2004 4
4.3 DIDAKTISCH - METHODISCHE UMSETZUNG 5
5. LITERATUR 1
6. VERLAUFSPLANUNG 1
1. Reflexionen zur Lerngruppe
Die Klasse XXX setzt sich aus 22 Schülern, 9 Mädchen und 13 Jungen zusammen. Ich unterrichte mit großer Freude seit Beginn dieses Schuljahres in der Klasse und habe bis jetzt ausschließlich positive Erfahrungen gemacht. Die Schüler sind sportlich ausgesprochen motiviert und engagiert und nehmen jedes von mir gemachte Bewegungsangebot mit freudiger Erwartung an. Das Sozialverhalten innerhalb der Klasse ist im Allgemeinen gut, so konnte ich bis jetzt noch keine schwerwiegenderen Ausschreitungen und Konflikte beobachten. Es kommt jedoch nicht selten zu Problemen in der Gruppenbildung, ganz besonders bei den Mädchen, aber auch zwischen Mädchen und Jungen. Einige Schüler haben zudem große Probleme im Eingehen und vor allem Aushalten von engerem Körperkontakt mit Mitschülern, besonders mit andersgeschlechtlichen Mitschülern. So habe ich den Zusammenhalt in der Klasse zwar als unproblematisch, aber auch nicht als besonders stark erlebt.
In der Klasse XXX gibt es einige, sozial etwas auffälligere Schüler, die ich an dieser Stelle nennen möchte:
XXX ist erst seit diesem Schuljahr in der Klasse und aufgrund von mehrmaliger Nichtversetzung stark überaltert. Seine Eltern lehnen den Rat, ihn auf eine Förderschule zu überweisen ab. Daniel folgt Anweisungen oft nur nach mehrmaligem Ermahnen und handelt manchmal sehr unvorsichtig und wenig umsichtig.
Auch XXX muss ich öfters ermahnen und um Aufmerksamkeit und Vorsicht bitten. Ganz besonders XXX ist sehr oft unkonzentriert und macht nicht selten zwecks mangelndem Zuhören genau das Gegenteil von dem, was man zuvor gesagt hat. XXX ist etwas kräftiger gebaut und man spürt ihre oftmals mangelnde Motivation zum Sporttreiben. Hin und wieder muss sich sie zum Mitmachen auffordern, da sie sich sehr gerne davor „drückt“.
Für den Umgang mit Störungen haben wir in der Klasse folgende Regelung getroffen: In der ersten Unterrichtsstunde in dieser Klasse erhielt jeder Schüler zwei Zettel, auf die sie jeweils eine Maßnahme schreiben sollen, die getroffen wird, wenn ein Schüler den Unterricht erheblich stört oder hinaus gesetzt wird (Bsp.: 10 Runden in der Halle laufen, alle Turnbeutel ins Klassenzimmer tragen usw.). All diese Zettel wurden gefaltet und in die berühmt-berüchtigte „Black-Box“ geworfen. Hat ein Schüler den Unterricht erheblich
gestört oder wird er hinaus gesetzt, muss er einen Zettel aus der Box ziehen und die jeweilige Maßnahme ausführen.
Was den Leistungsstand der Klasse im Hinblick auf den Inhalt betrifft, so konnten die Schüler aufgrund einer zuvor durchgeführten Akrobatik - Einheit bereits einige Erfahrungen im Bereich Teamarbeit und Kooperation sammeln. Es gelingt ihnen bereits gut, in Kleingruppen kooperativ an Bewegungsaufgaben zu arbeiten, weniger jedoch in größeren Gruppen oder im ganzen Klassenverband. Auch ist der Klasse das zur Erwärmung gedachte Musik-Stopp-Spiel sowie das Fangspiel am Ende der Stunde in seiner Grundform bekannt.
2. Überlegungen zur Sache und zum Inhalt
In der Literatur finden sich viele unterschiedliche Definitionen und Erläuterungen darüber, was unter dem Begriff „Sozialkompetenz“ genau zu verstehen ist. „Die „soziale Kompetenz“ gehört theoretisch wie empirisch zu den eher wenig fundierten, vor allem aber nur unscharf definierten psychologischen Konstrukten“ (LANGMAACK 2004, 21).
LANGMAACK führt folgende Definition von sozialer Kompetenz an: „Soziale Kompetenz ist ein Bündel von Fähigkeiten, um in sozialen Situationen auf der zwischenmenschlichen Ebene zu kommunizieren und zu kooperieren. Mit fachlichem und methodischem Können zusammen bildet die soziale Kompetenz den Dreiklang, aus dem Handlungsfähigkeit entsteht. Alle drei zusammen werden eingesetzt, um eine erwünschte oder geforderte Wirkung unter Einbeziehung persönlicher und kollektiver Werte zu erzielen“ (LANGMAACK 2004, 23).
RÖTHIG führt folgende Definition von Kooperation auf:
„K. zwischen Personen und Gruppen liegt vor, wenn ein Ziel in gemeinsamer Anstrengung erreicht […] wird“ (RÖTHIG 1992, 250).
Kooperative Spiele zeichnen sich meist durch eine komplexe Problemstellung aus, die von einer Gruppe in Zusammenarbeit gelöst werden soll. Hierbei sind die Aufgaben so gestellt, dass die Zusammenarbeit der Teilnehmer absolut notwendig ist. Die Qualität der
Ergebnisse hängt im Allgemeinen von dem Niveau der Kooperation ab. Die Gruppe wird dabei neben den oft hohen motorischen Anforderungen vor allem vor kognitive (Planungs-und Entscheidungsprozesse) und soziale Herausforderungen gestellt (vgl. GILSDORF & KISTNER 2005, 12).
3. Kompetenzen 1
Folgende Kompetenzen sollen in dieser Stunde angebahnt werden:
Soziale Kompetenzen:
Die Schüler kommunizieren problembezogen und zielorientiert miteinander. Sie bewältigen durch Absprachen und Kooperation mit anderen an sie gestellte Bewegungsaufgaben und -probleme.
Die Schüler stellen ihre eigenen Interessen in den Hintergrund bzw. in den Dienst der Gruppe, um ein gemeinsam gestecktes Ziel zu erreichen. Sie können sich an Regeln und Absprachen halten.
Die Schüler haben einen „natürlichen“ Umgang mit Körperkontakt mit anderen. Sie übernehmen Verantwortung für sich selbst und für ihre Mitschüler. Die Schüler können bei ihren Partnern Vertrauen schaffen und selbst auch aufbauen. Sie gehen verantwortungsbewusst mit dem Vertrauen ihrer Partner um. Die Schüler tragen Konflikte friedlich aus und suchen gemeinsam nach Lösungen.
Persönliche Kompetenzen:
Die Schüler erleben sich als Teil eines Ganzen und als wichtiges Element für das Gelingen eines Vorhabens.
Fachliche Kompetenzen:
Die Schüler schulen durch die an sie gestellten Aufgaben ihre motorischen Fähigkeiten (ganz besonders die koordinativen Fähigkeiten).
1 Zwar ist im Bildungsplan 1994 noch von „Zielen“ die Rede, ich verwende jedoch im Hinblick auf den im nächsten Jahr auch in Klasse 4 gültigen „neuen“ Bildungsplan bereits den Begriff „Kompetenzen“.
Arbeit zitieren:
Ina Schröder, 2005, Unterrichtseinheit: Platzwechsel auf Langbänken – Kooperative Spiele zur Schulung der Sozialkompetenz, München, GRIN Verlag GmbH
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