seine Frau in Innsbruck hingerichtet. Die Aufzeichnung des Richters von Sonnenburg beweisen, dass schon damals Sitzungsgelder bei Gericht verrechnet wurden: „.... mir und dem Gerichtsschreiber unser Sitzgeld jedem zwei Gulden, facit 4 Gulden. Dem Züchtiger von beiden Personen zu richten 1 Gulden 4 Pfund...“ 2
Der Regensburger Geheimvertrag zwischen Kaiser Karl V., König Ferdinand I. und dem Herzog Wilhelm IV. von Bayern wird am 07. Juni 1546 gegen die Hartnäckigkeit der protestantischen Fürsten und Stände beschworen. Herzog Wilhelm stellt seine bedeutende Artillerie zur Verfügung, nimmt aber mit Wissen des Kaisers den Schmalkalden gegenüber eine neutrale Haltung ein, ebenso unterstützt er die Rüstungsausgaben des Kaisers. Der Augsburger Religionsfriede wird als Reichsgesetz am 25. September 1555 verkündet. Der Religionsfriede beendet die Auseinandersetzungen mit dem Protestantismus. Den Protestanten des Augsburger Bekenntnisses wird Religionsfreiheit und politische Rechtsgleichheit zugesichert, der Landesherr bestimmt jedoch die Religion seiner Untertanen. Diejenigen Untertanen, die diese Religion ablehnen, müssen Hab und Gut verkaufen und haben freien Abzug.
Kaiser Karl V. stirbt am 21. September 1557 in San Jeronimo de Yuste (Spanien) in der von ihm selbst gewählten Zurückgezogenheit.
Kaiser Ferdinand I. lässt dem Konzil von Trient am 06. Juni 1562 sein „Reformationslibell“ vorlegen. Er verlangt vertretbare Zugeständnisse gegenüber den Protestanten. Die Kirchenversammlung lehnt ab. Trotzdem erreicht der Kaiser von Papst Pius IV das Zugeständnis, dass in seinen Ländern das Abendmahl in beiderlei Gestalt gereicht werden darf. Er zeigt somit den Protestanten, dass es einen Weg zur Verständigung geben kann. Die neue Lehre nimmt in Österreich stark zu; Hernals bei Wien wird unter dem Schutz der hier begüterten Freiherren von Jörger zu einem Zentrum.
Die „Gewährung des Laienkelches“ 3 wird am 18. Juni 1564 feierlich im Bistum Wien verkündet. Kaiser Maximilian II. erklärte am 28. Dezember auf dem Landtag von Linz den Ständen des Landes, dass er ihrem Begehren um Freistellung des Augsburger Bekenntnisses nicht nachkommen kann, da er die Religionspolitik seines Vaters fortsetzen möchte. Ferdinand II. von Tirol beginnt mit der Gegenreformation im Land. Kaiser Maximilian der II. bewilligt am 07. Dezember 1567 den adeligen Ständen, Herren und Rittern im Lande ober und unter der Enns die freie Ausübung der Augsburger Konfession.
Auf dem innerösterreichischen Landtag von Graz erklärt im Frühjahr 1571 Erzherzog Karl II. von Innerösterreich, dass er allen Herren und Rittern von Innerösterreich volle Gewissensfreiheit und Religionsausübung gestatte, wenn sie ihm den schuldigen Gehorsam leisten und die katholische Religion nicht schmähen würden. Dies wird in der sogenannten „Grazer Religionspazifikation“ festgehalten.
Kaiser Maximilian II. starb am 12. Oktober 1576 in Regensburg. Er war den Protestanten sehr freundlich gesonnen und neigte persönlich auch sehr zum Protestantismus 4 .
2 Walter Kleindel, Österreich, Wien 1995, S. 119
3 Das Abendmahl in beiderlei Gestalt
4 Walter Kleindel, a.a.O.
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Josua Opitz, ein prominenter protestantischer Prediger wird 1578 aus Wien ausgewiesen. Die evangelischen Gottesdienste werden verboten und die protestantische Landhausschule geschlossen. Wien hat somit keinen protestantischen Gottesdienst mehr. Bereits im Jahr vorher sind bei Strafe der öffentliche protestantische Gottesdienst und das Schulehalten verboten worden.
Erzherzog Ernst wird im Sommer Statthalter im Lande ober und unter der Enns und beginnt fast unmittelbar mit der Gegenreformation, die von den Jesuiten und dem Geistlichen Melchior Klesl (auch Khlesl) stark gefördert wird. Klesl ist der Sohn eines protestantischen Wiener Bäckermeisters, er wird 1581 Offizial des Bischofs von Passau.
Die Stände des Landes ober der Enns überreichen am 13. Juli eine Protestnote, in der sie sich zur Erbhuldigung bereit erklären, jedoch unbedingt an der Augsburger Konfession festhalten wollen. Im Jahre 1578 wurde das „Auslaufen“ zum protestantischen Gottesdienst nach Hernals und Inzersdorf den Wienern verboten. 1581 überreicht Kardinal Madruzzo auf dem Reichstag zu Augsburg Mitte September dem Kaiser den von Papst Gregor XIII. verbesserten Kalender mit der Mahnung, ihn anzunehmen. Er soll ab 15. Oktober in den katholischen Ländern in Kraft treten. Die Protestanten sind wegen des diktatorischen Tons des Papstes vorerst nicht bereit, den Kalender anzunehmen.
Dann, 1594, beginnen im Land ober der Enns Bauernunruhen, die bis zum September 1597 andauern. Unzufriedenheit über mangelnde Religionsfreiheit und Unterdrückung ist der Grund. Zu Beginn des Jahres 1596 übernimmt Erzherzog Ferdinand II. in Innerösterreich die selbständige Regierung und beginnt sofort die Gegenreformation mit besonderer Schärfe durchzuführen. Der Kaiser erließ wieder ein Edikt, das unter anderem jeglichen unkatholischen Unterricht und jede Anstellung von evangelischen Predigern verbot. Doch die politische Lage, vor allem die Türkengefahr nötigten den Kaiser, Zugeständnisse auf religiösem Gebiet zu machen. "Der Türk ist der Lutherischen Glück!" lautet damals eine weit verbreitete Redensart. Die Resolution Kaiser Rudolfs II. für das Land ober der Enns vom 06. Oktober 1596 besagt, dass im Land ober der Enns nur noch die katholische Religion zu gelten habe. Erzherzog Ferdinand II. von Innerösterreich erlässt im Herbst eine Weisung, wonach alle Protestanten innerhalb von 14 Tagen das Land zu verlassen haben.
Am 29. Juli 1601 werden kaiserliche Patente gegen die Protestanten verlesen. Sie sind nun hart formuliert und lauten: entweder sofort katholisch werden oder auswandern. Einen Tag darauf kommt es wegen dieser Patente in Hallstatt (Oberösterreich) zum offenen Aufstand der Protestanten. In den folgenden Monaten verbreiten sich die Unruhen unter den Salzknechten und Bauern des Salzkammergutes. Im Land ober der Enns beginnt man mit der Durchführung der vorgenannten kaiserlichen Anordnungen.
Wegen des aufkommenden Misstrauens gegen Erzherzog Matthias schließen am 29. Juni 1608 die protestantischen Vertreter von Österreich, Ungarn und Mähren einen Geheimbund. Am 11. September sagen sich die Mitglieder der protestantischen Stände der Länder ober und unter der Ems in Horn (Niederösterreich) von Erzherzog Matthias los. Mit dem „Horner Bündnisbrief“ verbünden sich am 03.10. die protestantischen Stände der Länder ober und unter der Ems. Am 20. Januar 1612 stirbt Kaiser Rudolf II. in Prag. Erzherzog Matthias, der König von Böhmen, wird am 13. Juni zum römischen Kaiser gewählt. Im Dezember beginnt Erzbischof
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Markus Sitticus - fast unmittelbar nach seiner Wahl - mit der Gegenreformation im Lande Salzburg.
Kaiser Matthias verbietet im Mai 1616 den Bau von protestantischen Kirchen in Nordböhmen und bei Prag. Die konfessionellen Gegensätze verschärfen sich zunehmend in Böhmen. Der Landtag der protestantischen Stände tritt am 06. März 1618 in Prag zusammen. Die königliche Regierung lehnt alle Beschwerden ab und spricht auch ein Verbot für die Wiederaufnahme des protestantischen Landtages aus. Trotz Verbotes treten die protestantischen Adeligen Böhmens am 21. Mai wieder zusammen und beschließen die Ermordung der königlichen Statthalter. Der offene Aufruhr der versammelten Protestanten beginnt am 23. Mai. Rund 100 Delegierte ziehen zur Burg, dringen ein und werfen nach einem Wortgefecht die Statthalter Jaroslav Graf Martinitz und Wilhelm Graf Slavata sowie den Geheimschreiber Fabrizius durch das Fenster der Staatskanzlei in den etwa 15 m tiefer gelegenen Burggraben. Den zum Teil nur leicht Verletzten gelingt die Flucht. Dieser Prager Fenstersturz ist der eigentliche Beginn des „Dreißigjährigen Krieges“. Die Aufständischen setzen fast unmittelbar danach eine provisorische Regierung ein und stellen unter Matthias Graf Thun ein Heer auf. Die evangelische Bewegung hatte keinen festen Rückhalt mehr im österreichischen Adel. 1624 erging das erste kaiserliche Mandat zur Ausweisung. Binnen 8 Tagen hätten alle protestantischen Prediger und Lehrer abzudanken. Sie müssten sofort das Land verlassen. Es mussten nicht weniger als 115 Familien in die Fremde ziehen und eine neue Heimat suchen. Ein weiteres Patent folgte, jedermann hat dem katholischen Glauben beizuwohnen. Wer bis Ostern 1626 "halsstarrig bleibt, muss das Land räumen - aber vorher 10% Freigeld und 10% Nachsteuer auf sein Vermögen entrichten.
Für die Gegenreformation gab es nach dem österreichischen Bauernaufstand keine Hindernisse mehr. Die Landung der Schweden und das Auftreten unter König Gustaf Adolf und die Wechselfälle des 30jährigen Krieges brachten zwar einen Aufschub nach dem anderen - jedoch die kurze Ruhe war mit dem für die Evangelischen unglücklichen Ausgang der Schlacht von Nördlingen im Jahre 1634 zu Ende. In dieser neuen Verfolgung wanderten viele nach Oberösterreich aus.
Der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648) setzte sich eigentlich aus vier kriegerische Perioden zusammen, wobei die beiden ersten rein religiösen Charakter hatten.
• Der Böhmisch-Pfälzische Krieg von 1618-1623
• Der Niedersächsisch-Dänische Krieg von 1623 bis 1629
• Der Schwedische Krieg von 1630 bis 1635
• Der Französisch-Schwedische Krieg von 1635 bis 1648
Nicht nur der Krieg dauerte lange, auch die Friedensverhandlungen. Als Vorverhandlungen sind Gespräche im Dezember 1641 anzusehen, denn der Wunsch nach Frieden war vorhanden. Jedoch Gespräche, eher Zusammenkünfte, beschäftigten sich allzu oft mit Etikett- und Kompetenzfragen. Doch der Frieden gelang. Der Westfälische Frieden legte u.a. folgendes fest:
Die Habsburger erhalten die Erblande garantiert, müssen aber große Teile Vorderösterreichs an Frankreich abtreten. Die österreichisch-habsburgische Länder, bisher ein lockeres
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Nebeneinander, werden zum „Haus Österreich“ - „Casa D‘Austria 5 “ im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Passauer Vertrag von 1552 und der Augsburger Religionsfriede von 1555 werden bestätigt und für alle „Reformierten“ gültig. Gleichberechtigung für alle Konfessionen. Das Jahr 1624 wird als „Normaljahr“ für den kirchlichen Besitz- und Bekenntnisstand festgesetzt. Österreich, die Oberpfalz und die Kurpfalz
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sind von diesen Bestimmungen ausgenommen. Nach dem Westfälischen Frieden kam es zu der größten und entscheidenden Auswanderung, die sich über eine Reihe von Jahren erstreckte. Denn von der Gleichberechtigung - vom "Normaljahr" waren die Österreicher - wie auch die Oberpfälzer - ausgenommen. In Oberösterreich verordnete der Kaiser am 02. Juni 1650, dass alle "Irrgläuber" abzustiften
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seien. So wurden in der Gegend von Linz, Eferding und Wels alle ausgewiesen, die nicht nach katholischer Weise beichten wollten. "Großjährige" Kinder mussten mit den Eltern das Land verlassen - minderjährige wurden nach Möglichkeit zurückbehalten. Auch Niederösterreich, das bisher eine gewisse Duldung und Schonung erfahren hatte, musste jetzt den kaiserlichen Machtwillen über sich ergehen lassen. Selbst der dortige Adel, der bisher noch gemäß dem Versprechen von 1620 frei über seinen Glauben entscheiden konnte wurde 1656 vor die Wahl gestellt, zwischen Glauben und Heimat zu wählen. Die Auswanderer aus Österreich gingen teilweise nach Ungarn und besonders gerne nach Siebenbürgen. In Siebenbürgen fanden sie sowohl eine deutsche als auch eine geschlossen evangelische Bevölkerung vor.
Die große Zahl der nach Westen ziehenden Exulanten wählte als Durchgangsort Ortenburg bei Passau, das Gebiet der einzigen evangelischen Grafschaft in Niederbayern und nach Regensburg, - jahrzehntelang geistiges Zentrum des österreichischen Protestantismus neben Nürnberg. Der österreichische Adel zog teilweise nach Nord- und Mitteldeutschland, viele verblieben auch in Süddeutschland. In der Reichsstadt Nürnberg haben sich in den Jahrzehnten nach 1629 etwa 1.000 adelige Familien niedergelassen. 8 Die Bürger und Handwerker zogen um ihres Gewerbes willen in die Städte Regensburg 9 , Nürnberg, Ulm, Nördlingen, Kempten, Memmingen, Lindau, Weißenburg und eben auch Neustadt am Kulm.
Die Glaubensflüchtlinge wurden aufgenommen. Das stellt sich auf Grund der Einträge in den Kirchenbüchern der Pfarrämter Neustadt am Kulm und Wirbenz eindeutig heraus. Im markgräflichen „Ampt Neustatt an Culmen“ fanden nicht wenige Vertriebene eine Zuflucht. Deren Namen aufzuführen, mit den entsprechenden, leider sehr spärlichen Angaben, ist das Hauptanliegen dieser Veröffentlichung.
Wir Deutschen haben die Vertreibung von deutschen Menschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten erlebt. Wer nach ähnlichen Vorgängen in der Weltgeschichte sucht, wird auch in unseren Tagen leider viele Beispiele finden. Heute ist es die Politik 10 - in früheren Zeiten war es
5 seit etwa 1400 übliche spanische Bezeichnung für das Haus Österreich
6 Rheinpfalz
7 auszuweisen
8 Ausstellungskatalog "Schloß Goldegg - Pongau - Land Salzburg", Salzburg 1981
9 dort waren 1626 schon ca. 300 Hausbesitzer aus Oberösterreich gemeldet.
10 und die Religion (sic!)
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Gerhard Reiß, 2001, Exulanten in den Kirchbüchern Wirbenz und Neustadt am Kulm, München, GRIN Verlag GmbH
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