Robert Owen - Symbiose von
Unternehmergeist und sozialem Bewusstsein
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Seite
1. Einführende Bemerkungen 3
2. Biografie von Robert Owen 3
2.1 Kindheit und Jugend 3
2.2 Von Manchester nach New Lanark 5
2.3 New Lanark und die Milieutheorie 6
2.4 Politische und gewerkschaftliche Aktivitäten 7
2.5 New Harmony und das Alter 8 9 3. New Lanark
3.1 Stellenwert New Lanarks in Owens Leben 9
3.2 Zeitgenössische Probleme 9
3.3 New Lanark in der Zeit vor Owen 10 11 3.4 Zahlen zu New Lanark und wie Owen diese beeinflusste 3.5 Owens Änderungen und deren Auswirkungen (ökonomische Zielsetzung) 13 14 3.6.Weitere Neuerungen (sozialer Art) 4. Das Experiment New Harmony 15
4.1 Voraussetzungen und Bedingungen der Gründung 15
4.2 Die Anfänge der Siedlung 17
4.3 Schule und Wissenschaft in New Harmony 18
4.4 Entwicklung und Scheitern der Produktivgenossenschaft 19
5. Frühsozialistische Konzeptionen Owens 20
5.1 Owen in der Verfolgung radikaler Ziele der Gesellschaftsreform 21
5.2 Owens reformistische Haltung 22
5.3 Owen als Künder einer modernen Weltanschauung 24 5.4 Die Owenisten 24
6. Abschließende Bemerkungen 25
7. Bibliografie 26
2
1. Einführende Bemerkungen
Unternehmertum und Sozialismus - Begrifflichkeiten, die man nicht in einer Person vereinigt vermutet. Friedrich Engels, sonst den frühen Sozialisten gegenüber eher kritisch eingestellt, hält aber in seinem Werk „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ 1 dem Unternehmer Robert Owen immerhin zugute, dass er der „Stifter des englischen Sozialismus sei“. Er habe frühzeitig versucht, der „vollziehenden Gewalt die Notwendigkeit gesetzlicher Garantien für die Gesundheit der Arbeiter“ nachdrücklich darzustellen. 2
Intention der folgenden Arbeit ist, einen Eindruck von Leben und Wirken Robert Owens zu vermitteln. Im Blickpunkt sollen deshalb vier zentrale Aspekte stehen: Einführend die Biographie, dann die Phase der praktischen Arbeit als Unternehmer in New Lanark, darauffolgend die experimentelle Umsetzung seiner sozialistischen Vorstellungen, am Projekt New Harmony und schließlich Owens reformistische Ansätze, durch die Versuche gestaltend auf die Gesellschaft einzuwirken.
2. Biografie von Robert Owen
Bei der Darstellung der Biografie von Robert Owen im Folgenden soll die Frage im Vordergrund stehen, was einen erfolgreichen Geschäftsmann und Industriellen im Zeitalter der Industrialisierung dazu motiviert, sich für die Belange der Arbeiter einzusetzen.
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Besonderes Gewicht bei der Beantwortung dieser Frage hat die Kindheit und Jugend im Zeitalter der Aufklärung, deren Gedankengut die Person des Robert Owen ein Leben lang prägen wird.
Am 14. Mai 1771 wird er als sechstes von sieben Kindern im walisischen Newton geboren. Sein Vater bekleidet in der Kleinstadt das Amt des Postmeisters, ist aber auch als Sattler und Eisenwarenhändler tätig. Schon während seiner frühen Kindheit lässt sich seine
1 Friedrich Engels (1845): „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“, in: Karl Marx/Friedrich Engels -Werke, herausgegeben vom Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung, Berlin 1990.
2 Ebd., S. 391.
3
Wissbegierigkeit erkennen 3 : Er liest alles, was er bekommen kann und kommentiert das im
hohen Alter in seiner Biografie „Life“ mit folgenden Worten: „ I was before seven years of
age fond of reading all books which came in my way, and thinking of their contents.“ 4 Seine
Belesenheit macht drei Damen 5 auf ihn aufmerksam, die ihm zum einen Bücher ausleihen,
zum andern aber auch mit dem Methodismus in Berührung bringen und ihn zum kritischen
Nachdenken anregen. Aus diesem Kontakt heraus, beginnt sich das Kind Robert Owen
intensiv mit religiösen Sachverhalten auseinander zusetzen und über die Welt und die Rolle
des Menschen darin zu reflektieren. 6 Mit etwa vier Jahren wird er in die Dorfschule
aufgenommen , die aber zur damaligen Zeit den Schülern kaum mehr als Lesen, Schreiben und
Rechnen vermitteln kann. 7 Da Owen dies aber bereits mit sieben vollkommen beherrscht,
wird er in diesem Alter zum Unterlehrer (usher) 8 gemacht. Es stehen dem neugierigen und
sensiblen Jungen dann jedoch auch noch die Bibliotheken des Arztes, des Pfarrers und des
Advokaten der Stadt offen. 9 Doch Owen gilt nicht etwa als Streber oder Außenseiter, er ist
im Gegenteil beliebt bei seinen Spielkameraden und gilt auch als sehr sportlich. 10
Mit zehn Jahren schließlich verlässt er seinen Heimatort und reist zunächst zu seinem Bruder,
der in London als Sattler tätig ist. 11 Von hier aus wird ihm eine Lehrstelle als Verkäufer bei
einem erfolgreichen Textilhändler in Stamford/Lincolnshire, bei einem Herrn namens
McGuffog , vermittelt. 12 Er lebt im Hause seines presbyterianischen Dienstherrn und seiner
Frau , die der anglikanischen Kirche angehört und nutzt die gut sortierte Bücherei für seine,
vor allem religiösen, Studien. 13 In diesem Umfeld, so schreibt er später in seiner
Autobiografie „Life“, sei er zu dem Schluss gekommen, dass alle Religionen aus „falschen
Vorstellungen“ hervorgegangen seien und seine eigenen religiösen Gefühle sich in den „Geist
der allgemeinen Nächstenliebe. zu der gesamten Menschheit und durch einen wahrhaften
und glühenden Wunsch, ihr Gutes zu tun.“ 14 ausdrückten. Diese offen ausgesprochene
Menschenfreundlichkeit , die ganz im Sinne der Aufklärung der ganzen Menschheit zugute
kommen soll, und aus dem heraus er die Religionen ablehnt, prägt all sein späteres Wirken.
3 Markus Elsässer (1984): Soziale Intentionen und Reformen des Robert Owen in der Frühzeit der
Industrialisierung, Berlin, S.47-48.
4 Aus G.D.H. Cole (1965): The Life Of Robert Owen, London, S.38.
5 Keine der zugrunde gelegten Quellen macht genauere Angaben über diese Damen.
6 Aus Cole (1965), S.39.
7 http://www.uni-koblenz.de/ gpko/projekt til/til/PdK/Paedagogen/Owen/biolang.html, 27.12.01/ 11.59.
8 Elsässer (1984), S.48.
9 http://www.uni-koblenz.de/ gpko/projekt til/til/PdK/Paedagogen/Owen/biolang.html, 27.12.01/ 11.59.
10 Aus Cole (1965), S.40.
11 Aus Cole (1965), S.44.
12 Elsässer (1984), S.48.
13 Aus Cole (1965), S.47-48.
14 Aus Thilo Ramm (1955): Die großen Sozialisten als Rechts- und Sozialphilosophen, Stuttgart, S.389.
4
Nach Abschluss der Lehre geht Owen zunächst nach London zu einem Tuchhändler (Firma Flint&Palmer) 15 , wo er aber mit der siebzehn- bis achtzehnstündigen Arbeitszeit nicht zufrieden 16 ist und schließlich nach Manchester zur Firma Satterfield wechselt, bei der er bis zu seinem achtzehnten Lebensjahr, also 1789 bleibt. 17 Das Jahr der Französischen Revolution hat für Owen lediglich eine Bedeutung in Hinblick auf seinen beruflichen Werdegang: Es markiert das Ende einer relativ gewöhnlichen kaufmännischen Angestellten-Laufbahn, die sich allerdings durch den Erwerb besonders fundierter fachspezifischer Kenntnisse innerhalb der Textilindustrie auszeichnet. 18 Owen besitzt also zu diesem Zeitpunkt durchaus gute Voraussetzungen, um selber Unternehmer zu werden.
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Der beispiellose Aufstieg vom walisischen Kleinhandwerker-Sohn zum Großindustriellen nimmt in Manchester seinen Anfang.
Der Weg in die Selbständigkeit beginnt mit einem Kredit von hundert Pfund und seinem Partner Ernest Jones, der von Beruf Techniker ist. Zusammen gründen sie eine Spinnmaschinenfabrik, aus der Owen jedoch nach einigen Monaten von seinem Partner hinaus gedrängt wird. Mit der Abfindung, drei Spinnmaschinen, einer Haspel- und einer Verpackungsmaschine, baut er, nun im Alter von neunzehn, eine Baumwollspinnerei auf 19 und damit fängt die eigentliche „romance of business“ 20 an. Seine Garnfabrik floriert schon nach kürzester Zeit, doch gibt er sie 1791 auf, um Direktor der größten und modernsten Feinspinnerei Manchesters (Firma Drinkwater) zu werden. 21 Schon nach kurzer Zeit kann er überdurchschnittliche Erfolge vorweisen, die auf seine Persönlichkeit und kluge Unternehmensführung zurückzuführen sind. Die Fabrik, in der ein hohes Maß an Ordnung, Sauberkeit und Disziplin herrscht und die ihren Arbeitern überdurchschnittliche Löhne zahlt, wird unter Owens Management durch die Qualität ihrer Produkte berühmt. 22 Nach einem Streit mit seinem Arbeitgeber wechselt er 1795 zur „Chorlton Twist Company“. Es ist, nach Thilo Ramm, vor allem die Bekanntschaft 23 mit der Tochter des schottischen
15 Elsässer (1984), S.48.
16 Cole bezeichnet die Arbeitsverhältnisse in seiner Biografie als „slavery“, also Sklaverei.
17 Aus Cole (1965), S.52-53.
18 Elsässer (1984), S.48.
19 Elsässer (1984), S.49.
20 Aus Cole (1965), S.55.
21 Vgl. Elsässer (1984), S.48-49.
22 Ramm (1955), S.388-390.
23 Elsässer widerspricht dieser „romantischen“ (S.54) Darstellung energisch und hält wirtschaftliche Aspekte für ausschlaggebend für die Kaufentscheidung.
5
Großindustriellen Dale, die dazu führt - um die Einwilligung zur Ehe zu bekommen - die Spinnerei New Lanark 1799 im Rahmen der „Chorlton Twist Company“ zu kaufen. 24
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Der Name New Lanark steht in den zitierten Biografien für den eigentlichen Beginn des Wirkens Owens als Unternehmer, der sich um sozioökonomische Fragen bemüht. Wie dargestellt, beschäftigte er sich seit seiner Kindheit und Jugend kritisch mit Religion und gelangt dadurch zu dem Schluss, dass es zur Verbesserung der Welt philantrophischer Maßnahmen bedürfe. In seiner Zeit in Manchester ist er Mitglied der renommierten „Manchester Literary and Philosophical Society“ in deren Rahmen er vier Vorträge hält, die im Ansatz spätere Überlegungen widerspiegeln. 25 In New Lanark wird es ihm möglich seine, philanthropischen Ideen zu entwickeln und auszuprobieren.
Er findet zunächst eine verwahrloste Spinnerei vor, deren Mitarbeiter er als „faul, unmäßig, unehrenhaft und als Bekennende einer Religion, von der sie annahmen, dass sie all ihre Mängel und unmoralischen Handlungen entschuldigen würde“ 26 bezeichnet. Nach der Übernahme setzt Owen zunächst betriebswirtschaftliche Akzente: Rationalisierung der Arbeitsprozesse, Kauf moderner Maschinen, Kontrollen zur Vermeidung von Unehrlichkeit und Steigerung der Pro-Kopf Arbeitsleistungen durch Bewertung der einzelnen Arbeiter. Aber er geht noch weiter: Kinderarbeit wird untersagt, es wird ein ausgefeiltes Schulsystem eingerichtet und die Arbeiter zu einer moralischen Lebensführung angehalten. 27 Darüber hinaus verkürzt er die tägliche Arbeitszeit bei gleichbleibendem Lohn und steigert im Jahre 1806 seine Popularität bei den Arbeitern zusätzlich, als er trotz vorübergehender Betriebsstillegung den vollen Lohn weiterbezahlt. 28 Die ungewöhnliche Art, wie er über seine Firma „herrscht“ 29 und vor allem die Erfolge sowohl im sozialen als auch im betriebswirtschaftlichen Bereich erregen Staunen und machen ihn international bekannt. Zu den Besuchern seines Betriebes gehören Herzöge und Botschafter. 30
24 Ebd.
25 Elsässer (1984), S.51-53.
26 Aus Ramm (1955), S. 391.
27 Ebd.
28 Ebd.
29 Vgl. bei Cole (1965), S.91: „I say ,government‘ for my intention was not be a mere manager of cotton mills, as such mills were at this time generally managed, but to introduce principles in the conduct of the people which I had successfully commenced with the work-peoplein Mr. Drinkwater’s factory, and to change the conditions of the people who, I saw, were surrrounded by circumstances having an injurious influence upon the character of the entire population of New Lanark.“
30 Aus Ramm (1955), S. 393.
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Arbeit zitieren:
Felix Hessmann, 2001, Robert Owen - Symbiose von Unternehmertum und sozialem Bewusstsein, München, GRIN Verlag GmbH
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