Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kurze Zusammenfassung von Todorovs Einführung in die
phantastische Literatur
3. Kritische Betrachtung von Einführung in die Fantastische Literatur
3.1. Definition der Gattung und Abgrenzung von benachbarten
Gattungen
3.2. Das Kriterium der Unschlüssigkeit
3.2.1. Der implizierte Leser
3.2.2. Die Figuren
3.3. Ausschluss von Allegorie und Poesie
3.4. Die enge Fassung der Gattung
3.5. Infragestellen der Beispiele für das unvermischt Fantastische
3.5.1. La Venus d’Ille
3.5.2. The Turn of the Screw
3.6. Implikation des Zweifels
3.7. Einteilung der Themen der Fantastik
3.8. Tod der Gattung
4. Schluss
Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Diese Hausarbeit ist eine kritische Auseinandersetzung mit der häufig unter Beschuss geratenen Definition des Fantastischen von Tzvetan Todorov. Was sie nicht leisten kann, ist einen Überblick über die Fülle an anderen Definitionen zu dieser Gattung zu geben oder gar einen eigene Definition zu formulieren. Stattdessen sollen sowohl die Aussagen Todorovs als auch die Argumente seiner Kritiker und Befürworter kritisch beleuchtet werden. Es ist daher unumgänglich seine Theorie kurz zu umreißen. Die Zusammenfassung beschränkt sich dabei auf die grundlegenden Aussagen und stellt diese im Zusammenhang dar, um später detailliert auf die Stärken und Schwächen der Definition näher eingehen zu können.
2. Kurze Zusammenfassung von Todorovs Einführung in die Fantastische Literatur
Grundlage für eine literarische Gattung ist „une règle qui fonctionne à travers plusieurs textes“ (7). Basis für die Theoriebildung ist dabei eine beschränkte Anzahl an Werken. Die somit aufgestellten Hypothesen werden dann anhand anderer Werke verifiziert oder verworfen. Für die fantastische Literatur werden drei Bedingungen formuliert: Der Text „oblige le lecteur à considérer le monde des personnages - commeun monde de personnes vivantes et à hésiter entre une explication naturelle et surnaturelle des événements évoqués.“ (37) Dabei ist es wichtig, dass es sich dabei nicht um «tel ou tel lecteur particulier» (36) handelt, sondern um eine «fonction» (36) dem Text immanent ist.
Die Unschlüssigkeit kann von den handelnden Person geteilt werden. - Dieallegorische und poetische Lesart ist auszuschließen - Diepoetische und allegorische Sichtweise muss deshalb ausgeschlossen werden, weil beim Lesen der Poesie „on refuse toute représentation et qu’on considère chaque phrase comme une pure combinaison sémantique“ (65), das Fantastische bedarf jedoch der Fiktion. Die Allegorie sieht Todorov als fortgesetzte Metapher, die der Illustration einer Idee dient.
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Er sieht das Fantastische somit an der Grenze zweier benachbarten Gattungen: dem Unheimlichen und dem Wunderbaren. Dies lässt in Anlehnung an Todorovs Schaubild so verdeutlichen:
Das Fantastische bildet die Trennlinie zwischen dem Fantastisch-Unheimlichen und dem Fantastisch-Wunderbaren. Dort bleibt die Ambivalenz der Ereignisse über den Schluss hinaus aufrecht erhalten.
Als Mittel, um die Zweideutigkeit zu erzeugen, nennt er die Verwendung des Imperfekts und Modalisation.
In Bezug auf die strukturale Einheit der fantastischen Werke betrachtet Todorov 3 Aspekte. Der erste ist der bildliche Diskurs. Das Übernatürliche entsteht dadurch, dass eine übertragende Bedeutung wörtlich genommen wird. Der zweite Aspekt ist die Funktion des Erzählers. In fantastischen Erzählungen wird häufig der Ich-Erzähler verwendet, da dadurch eine Identifizierung des Lesers wahrscheinlicher wird. Seinen Aussagen wird daher mehr Glauben geschenkt, jedoch besteht immer die Möglichkeit, dass dieser wahnsinnig ist und durch die getrübte Wahrnehmung sind seine Aussagen unglaubwürdig. Der dritte Aspekt ist die Komposition des Werkes. Der Aufbau der fantastischen Werke ist so konzipiert, dass eine Identifizierung des Lesers kontinuierlich aufgebaut wird. Todorov schließt daraus, dass bei einer zweiten Lektüre die Identifikation nicht mehr möglich ist.
Danach geht Todorov auf die Themen der fantastischen Literatur ein. Er trennt diese in die ich- und du-Themen.
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Die ich-Themen betreffen die Beziehung Mensch/Welt und beinhalten die: spezielle Kausalität oder Pan-Determinismus - Vervielfältigungder Persönlichkeit - Durchbrechungder Grenze zwischen Subjekt und Objekt - Transformationvon Zeit und Raum - Diedu-Themen reflektieren die Beziehung des Menschen zu Unbewussten, insbesondere zu sexuellen Wünschen. Es finden sich darunter von der Norm abweichende Formen wie Inzest, Sadismus, Promiskuität und Nekrophilie. Sexualität steht dabei oft in Opposition zur Religion. Als letztes geht er auf die literarische und soziale Funktion des Übernatürlichen ein. In der sozialen Funktion sieht er die Möglichkeit, die Zensur, einmal als Institution und einmal als die geistige Selbstzensur der Autoren, zu umgehen und somit Tabuthemen zu thematisieren. Durch die Entwicklung der Psychoanalyse sei dieses Vorgehen überflüssig geworden und führe somit zum Tod der Gattung.
3. Kritische Betrachtung von Einführung in die Fantastische Literatur 3.1 Definition der Gattung und Abgrenzung von benachbarten Gattungen Im engen Zusammenhang mit dem Ausschluss vieler Werke steht die Kritik an der Definition der Gattung und deren benachbarten Gattungen. Laut Marzin wird deutlich
dass Todorov hier nicht die Gattung des Phantastischen definiert, sondern zwei andere Gattungen, nämlich das Unheimliche und das Wunderbare, die verschiedenen Formen des Auftretens haben; der jeweilige Text baut eine Unschlüssigkeit auf, welchem Genre er zuzuordnen sei, aber nach der Lektüre kann diese Zuordnung in den meisten Fällen getroffen werden. Damit ist das Phantastische ein Spezialfall jeweils einer der Gattungen und von Todorov auch als solcher bezeichnet (siehe graphische Darstellung), aber [...] keine eigenständige Gattung!
Diese Behauptung ist nur teilweise korrekt. Richtig ist, dass das Hauptaugenmerk tatsächlich mehr auf die benachbarten Gattungen gelegt wird, allerdings kann das Fantastische nicht als Sonderfall der angrenzenden Gattungen bezeichnet werden. Bedingung sowohl für das Unheimliche als auch das Wunderbare ist die Auflösung der übernatürlichen Ereignisse, da diese bei dem unvermischt Fantastischen aber nicht gegeben ist, kann man diese den Gattungen nicht zurechnen.
Zuerst werden das Wunderbare und Unheimliche als Gattungen definiert. Das Fantastisch-Unheimliche und Fantastisch Wunderbare werden als Untergattungen bezeichnet, mit denen sich das Fantastische überschneidet. Aus dem Schaubild jedoch wird ersichtlich, dass er diese als gleichrangige Gattungen betrachtet und nicht als Untergattungen. 1
3.2 Das Kriterium der Unschlüssigkeit
Todorov macht die Unschlüssigkeit des Lesers zum Kriterium, um die fantastische Literatur zu bestimmen. Dieses Kriterium ist im Gegensatz zum Kriterium der Angst oder auch übernatürlicher Ereignisse gut geeignet, die fantastische Literatur von benachbarten Genres wie Science Fiction oder Fantasy abzugrenzen, auch wenn Marzin anmerkt dass „Ambiguität nicht unbedingt eine der Phantastik immanente Erscheinung,“ sei, die sich „häufig auch bei anderen Gattungen, z.B. dem Detektivroman (etwa denen C. Doyles) nachweisen“ (61) lässt. Dies ist zwar richtig, doch betont Todorov, dass diese Ambigiuität auch bis zum Schluss aufrecht erhalten werden muss, was beim Detektivroman nicht der Fall ist.
Dennoch ist dieser Aspekt nicht unproblematisch. Es ergeben sich daraus zwei Problemfelder: die Unterscheidung zwischen dem implizierten und dem realen Leser sowie die Unschlüssigkeit des Lesers und der handelnden Personen. Auf diese zwei Aspekte soll im folgenden eingegangen werden.
1 In der deutschen Übersetzung ist daher auch zu lesen: „Beginnen wir mit dem Fantastisch-Unheimlichen. Ereignisse, die die ganze Geschichte hindurch unheimlich erscheinen, finden in dieser Gattung [...] (Todorov 43)
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Sabine Meisner, 2005, Tzvetan Toderovs Theorie der fantastischen Literatur, Munich, GRIN Publishing GmbH
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