Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 4
2 Irlands wirtschaftliche Probleme von den 50er bis 80er Jahren 5
3 Unternommene Maßnahmen zur Überwindung der Wirtschaftskrise 8
3.1 Fiskal- und Geldpolitik 8
3.2 Arbeitsmarktpolitik 10
3.3 Irlands Social Partnership 12
3.4 Standortpolitik 15
3.5 Bildungspolitik 18
4 Begünstigende Effekte und externe Faktoren 21
4.1 Transferzahlungen der Europäischen Union 21
4.2 Schaffung des gemeinsamen europäischen Marktes 24
4.3 Einführung des Euros 25
5 Ergebnisse des Aufschwungs 29
6 Zusammenfassung Ausblick 30
2
Abbildungsverzeichnis
2.1 Irisches Pro-Kopf Einkommen im europäischen Vergleich 7
3.1 Beschäftigungsrate in 14
3.2 Anteil von Bildungsabschlüssen in der irischen Bevölkerung unter 65 20
4.1 Transferleistungen der EU, Anteil am irischen BIP 22
4.2 Inflation in Irland Inflationsrate nominaler Wechselkursindex 26
3
1 Einleitung
Die wirtschaftliche Entwicklung Irlands repräsentiert den bemerkenswerten Aufholprozess eines Landes, welches noch bis in die 70er Jahre von mangelnden Perspektiven und starken Abwanderungstendenzen gezeichnet war. Vergleicht man die damalige Situation Irlands mit dem Bild des dynamischen und jetzt wohlhabenden “keltischen Tiger” von heute stellt sich automatisch die Frage, wie sich die Bewohner eines kleinen und ehemalig armen Landes in der europäischen Peripherie in die Bezieher eines der höchsten Pro-Kopf Einkommen in Europa konvertieren konnten. 1 Es ist die Hoffnung anderer Volkswirtschaften, kleiner sowohl wie großer, das irische Wachstumsmodell imitieren zu können. Dadurch erhält die Suche nach den Auslösern für Irlands nun zehnjährigem beständigen Wachstum zusätzliche Bedeutung. Allerdings deutet im vorliegenden Fall, wie später präsentiert wird, vieles darauf hin, dass es vor allem ambitionierte Wirtschaftspolitik war, die auf wirtschaftlich günstige Rahmenbedingungen traf und so das irische Wirtschaftswunder ermöglichte. 2 Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welche Faktoren und Maßnahmen Irlands Aufholjagd ermöglichten. Dabei erfolgt eine Trennung zwischen den von der irischen Regierung durchgeführten Maßnahmen und externen Effekten, wie zum Beispiel der Einführung der gemeinsamen europäischen Währung. Zur besseren Veranschaulichung werden außerdem die Kernprobleme der irischen Wirtschaft bis in die 80er Jahre aufgezeigt, um einen besseren Eindruck von der Tragweite der unternommenen Maßnahmen zu vermitteln. Abschließend erfolgt eine Darstellung der Ergebnisse des Wirtschaftsbooms und ein kurzer Ausblick auf eventuell zukünftig auftauchende Probleme.
1 Das irische Pro-Kopf Einkommen lag 2004 bei etwa $31.140 und nimmt damit in einem europäischen Ranking bereits den fünften, weltweit betrachtet den neunten Platz ein (Pocket World in Figures 2005, S. 28)
2 Der irische Premierminister Bertie Ahern warnt in einer Rede am 17. März 2003, vor Mitgliedern der Weltbank, von der Existenz eines irischen Modells mit allgemeiner Gültigkeit auszugehen (Ahern 2003)
4
2 Irlands wirtschaftliche Probleme
von den 50er bis 80er Jahren
Schon 1920, dem Jahr in dem Irland seine Unabhängigkeit erlangte, deutete sich der Beginn einer eher instabilen wirtschaftlichen Entwicklung an. Der irische Lebensstandard, heute einer der höchsten der Welt, 1 betrug lediglich 50% des englischen Niveaus (McCarthy 2001, S. 6). In den 50er und 60er Jahren versäumte Irland sich in Europa vollziehende Entwicklungen. So beendete das Land erst später als seine Nachbarn die protektionistische Politik der Importsubstitution durch Industrialisierung. Während der 50er Jahre betrug der Anteil der Exporte am BIP lediglich 32%, drei Viertel der Exporte gingen nach England (Powell 2003, S. 432). Zudem verpasste Irland den in Europa einsetzenden Nachkriegsboom. Die irische Wirtschaft verlor mit einem Wirtschaftswachstum von lediglich 2% den Anschluss an Westeuropa, wo Raten von durchschnittlich 6% gemessen wurden (Walsh 2003a, S. 2).
In den 60er Jahren erfolgte schließlich eine Revidierung des Protektionismus, zum Beispiel in Form eines Freihandelsabkommens mit England. Die durchgeführte Liberalisierung führte, auf Grund des verstärkten Engagements von ausländischen Unternehmen in Irland, zu Beschäftigungswachstum und Produktionszuwächsen. Walsh (2003a, S. 3) verdeutlicht allerdings, dass in Irland beheimatete Unternehmen von diesem Boom nicht profitierten - unter anderem, weil sie sich nun gegenüber den ausländischen Unternehmen durchsetzen mussten, die ihnen ihren Anteil am irischen Markt streitig machten. Der Abbau von Arbeitsplätzen in einigen vorher stark geschützten industriellen Sektoren um bis zu 25% gehörte daher ebenso zu den Folgen der Liberalisierung (Honohan und Walsh 2002, S. 7). Generell gab die irische Wirtschaft in diesem Zeitraum aber durchaus auch Anlass zu Optimismus. Die Fiskalpolitik orientierte sich an der “goldenen Regel” lediglich öffentliche Investitionen über Schulden zu finanzieren und eine moderate Steuerpolitik
1 2004 erreicht Irland den 11. Platz in einem Lebensstandard-Ranking basierend auf dem Human Development Index (Pocket World in Figures 2005, S. 30)
5
2 Irlands wirtschaftliche Probleme von den 50er bis 80er Jahren
zu unterhalten. Einhergehend mit einem verhältnismäßig geringen Zahlungsbilanzdefizit erschien ein nachträgliches Aufholen der Entwicklung in England und Europa nicht abwegig.
Auch wenn die 60er Jahre von vielen Iren als Zeit des Booms empfunden wurde, fand keine wirkliche Konvergenz an englischen Standards statt. Als Irland 1973 der EU beitrat, galt das Land vor allem als arm mit einem unvorteilhaft stark ausgeprägten primären Sektor. Zusätzlich kam es im Zuge der ersten Ölkrise zu einer massiven Zunahme der Erwerbslosigkeit. 2 Englands Arbeitsmarkt - lange Jahre eine Ausweichmöglichkeit für irische Arbeitnehmer in Zeiten der Krise, litt unter dem selben Phänomen. Die 70er Jahre erwiesen sich als extrem schwierig für die irische Volkswirtschaft: Walsh (2003a) präsentiert neben dem Ende der vorteilhaften wirtschaftlichen Entwicklung in Europa auch eine verfehlte Wirtschaftspolitik als Grund für die schwierigen 70er Jahre Irlands. Vor dem Hintergrund des ersten globalen Ölschocks kam es auch zu einer starken Ausweitung der Staatsausgaben um eine Wiederbelebung der wirtschaftlichen Aktivität zu erreichen. In Folge dessen hatte sich bis 1977 die Staatsschuld soweit ausgeweitet, dass nur noch massive Steuererhöhungen den wachsenden Schulden Einhalt gebieten konnten. Zusammen mit einer leichten Redynamisierung der Wirtschaft erlaubte diese Maßnahme bis 1977 eine Halbierung des Budgetdefizit (Walsh 2003a, S. 5), wobei der Anteil der Staatsschuld am BIP trotzdem weiter stieg (Powell 2003, S. 434). Durch Wahlen im selben Jahr wurde jegliche Anstrengung von Konsolidierung allerdings wieder aufgegeben. Nach umfangreichen Wahlversprechen basierte die irische Wirtschaftspolitik in der darauffolgenden Zeit erneut primär auf keynesianischer Ausgabenpolitik mit dem Ziel die Wirtschaft zu stimulieren. Das Ergebnis dieser Politik von „Missmanagement der öffentlichen Ausgaben“ und „fiskalem Exzess“ war gemäß The Economist (1997) eine erdrückende Schuldenlast bei gleichzeitigem Ausbleiben von wirtschaftlichen Erfolg. 3 Zusätzlich negativ wirkte sich der allgemeine Zinsanstieg auf den hoch verschuldeten Staat aus. So kam es in den 80er Jahren nicht nur zu einem weltweiten Zinsanstieg; Kreditgeber schlugen zusätzlich auch eine Risikoprämie für die Schulden des irischen Staates auf die Zinsen auf (Honohan und Walsh 2002, S. 7). Die in England grassieren-
2 Zwischen1979 und 1986 stieg sie von 7% auf erdrückende 17%. Zwei Drittel der Arbeitssuchenden waren Langzeitarbeitslose (Walsh 2003b, S. 3)
3 Die Verschuldung stieg bis 1987 von 65% auf 120% in Relation zum Bruttoinlandsprodukt. Gleichzeitig betrug das irische Pro-Kopf Einkommen lediglich 63% des britischen.
6
2 Irlands wirtschaftliche Probleme von den 50er bis 80er Jahren
de Arbeitslosigkeit verringerte gleichzeitig die Möglichkeiten Beschäftigungsprobleme in Irland durch Ausweichen auf den englischen Arbeitsmarkt zu umgehen. Das Jahr 1987 wird von verschiedenen Quellen als Geburtsstunde der irischen Wirt-schaftsreformen angesehen. Trotz starker Abwanderungsbewegungen hatte die Arbeits-
Abbildung 2.1: Irisches Pro-Kopf Einkommen im europäischen Vergleich
Quelle: The Economist 1997
losigkeit Werte von 17% erreicht. Steigende Ausgaben für Sozialleistungen und eine Verteuerung der Schulden durch hohe Zinssätze belasteten den Staatshaushalt. Die irische Wirtschaftspolitik galt als gescheitert; die heutige Musterökonomie der europäischen Peripherie war ärmer als Spanien und nur wenig reicher als Portugal und Griechenland (The Economist 1997). Dabei bleibt zu erwähnen, dass die drastischen Sparprogramme der Fianna Fail Regierung keineswegs Teil einer politischen Agenda waren. Powell (2003, S. 4 ff) betont, dass dieselbe Partei vor den Wahlen ein populistisches Wahlmanifest gegen Ausgabenkürzungen propagierte und sich erst durch die erdrückenden Probleme der irischen Wirtschaft zu den Einschnitten gezwungen sah. Das ambitionierte Reformprogramm erwuchs somit aus einer Notsituation.
7
Arbeit zitieren:
Bachelor of Arts Nils-Hendrik Klann, 2005, Das Wirtschaftswunder in Irland: Eine Analyse seiner Einflussfaktoren, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die WTO und die neue Welthandelsrunde
Jura - Europarecht, Völkerrecht, Internationales Privatrecht
Wissenschaftlicher Aufsatz, 25 Seiten
Die räumliche Struktur der Ansiedlung internationaler Unternehmen in d...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Diplomarbeit, 118 Seiten
Vor- und Nachteile von Franchising aus der Sicht des Franchise-Nehmers...
Wissenschaftliche Studie, 26 Seiten
Nachhaltige Geldanlage - Kategorien, Umsetzungsprobleme und Lösungsvor...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Diplomarbeit, 87 Seiten
Methoden der statischen Investitionsrechnung im Überblick
BWL - Investition und Finanzierung
Hausarbeit, 15 Seiten
Finanzierungsalternativen für deutsche mittelständische Unternehmen im...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Diplomarbeit, 68 Seiten
Finanzierung mittelständischer Unternehmen im Wandel durch "Basel...
Masterarbeit, 54 Seiten
Nachhaltigkeitsberichte deutscher Unternehmen im Vergleich
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 51 Seiten
Nachhaltige Kapitalanlagen - Eine Antwort auf den Shareholder Value?
BWL - Investition und Finanzierung
Diplomarbeit, 91 Seiten
Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik
Rezension / Literaturbericht, 16 Seiten
Ethisch-ökologische Geldanlagen - Sozialethische Begründung und Proble...
BWL - Bank, Börse, Versicherung
Examensarbeit, 53 Seiten
Basel II - Chancen und Risiken in der Finanzierung klein und mittelstä...
BWL - Investition und Finanzierung
Diplomarbeit, 76 Seiten
Nils-Hendrik Klann's Text Das Wirtschaftswunder in Irland: Eine Analyse seiner Einflussfaktoren ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Nils-Hendrik Klann hat den Text Das Wirtschaftswunder in Irland: Eine Analyse seiner Einflussfaktoren veröffentlicht
Nils-Hendrik Klann hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare