INHALT
1. Einleitung 3
2. Gustave Le Bon und die „Psychologie der Massen“ 5
3. Institutionen der nationalsozialistischen Medienpolitik 10
3.1. Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr
Joseph Goebbels 10
3.2. Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda 12
3.3. Die Reichskulturkammer 14
4. Medien im Nationalsozialismus 16
4.1. Der Film am exemplarischen Beispiel der Wochenschau 16
4.2. Der Rundfunk 20
4.3. Die nationalsozialistische Presse am Beispiel des
„Völkischen Beobachters“ 24
5. Zusammenfassende Bewertung 27
6. Literaturverzeichnis 31
7. Anhang 36
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1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit Massenmedien im Dritten Reich zur Umsetzung politisch – ideologischer Ziele genutzt wurden. Sie soll dadurch in angemessenem Maße darlegen, welche massenmedialen Faktoren Einfluss auf den Erfolg der nationalsozialistischen Propaganda 1 hatten, was aus heutiger Sicht teils schwer nachvollziehbar ist.
Dabei wird im ersten Abschnitt zunächst ein Einblick in die sozialpsychologische Untersuchung „Die Psychologie der Massen“ von Gustave Le Bon gegeben, die Ende des 19. Jahrhunderts verfasst und von Adolf Hitler studiert wurde. Sie bildete den Grundstein aller im nationalsozialistischen Propagandaapparat verwandten Methoden und Leitsätze zur politisch – ideologischen Beeinflussung der Massen, die es schließlich vermochte, ein ganzes Volk in den Weltkrieg zu führen.
Der zweite Abschnitt der Arbeit stellt die zwei wichtigsten Institutionen der Medienkontrolle dar, durch die die von Hitler aufgestellten Leitsätze bis ins kleinste Detail organisiert und deren Umsetzungen in den Medien vorgegeben wurden. Zu ihnen zählen das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und die Reichskulturkammer.
Im darauf folgenden Teil werden schließlich die von den Institutionen der Medienkontrolle angeordneten Umsetzungen in den drei wichtigsten Bereichen der Massenmedien beleuchtet. Hierbei wird
1 Bussemer definiert den Begriff Propaganda „als die in der Regel medienvermittelte Formierung handlungsrelevanter Meinungen und Einstellungen politischer oder sozialer Großgruppen durch symbolische Kommunikation und als Herstellung von Öffentlichkeit zugunsten bestimmter Interessen“ (Bussemer 2005, S.29f). Sie sei charakterisiert durch ihr überhöhtes Selbstbild, die Denunzierung von Fremdbildern sowie ihrer immanenten Handlungsaufforderungen und ordne Wahrheit der Effizienz unter. (vgl. Bussemer 2005, S.30)
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ein Einblick in die politisch – ideologische Beeinflussung durch die Presse, am exemplarischen Beispiel des „Völkischen Beobachters“, den Rundfunk und den Film anhand der „Deutschen Wochenschau“ gegeben.
In der zusammenfassenden Bewertung wird versucht, die anfängliche Fragestellung anhand des „Medienzentrierten Modells“ der Wir-kungsforschung zu beantworten. Dabei soll gezeigt werden, mit welcher Akribie die von Hitler gewonnenen Leitsätze zur Beeinflussung der Massen aus der Studie Le Bons in den Institutionen organisiert und in den Massenmedien umgesetzt wurden. Des Weiteren soll in einem kurzen Ausblick dargestellt werden, warum der Erfolg der nationalsozialistischen Propaganda aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar ist.
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2. Gustave Le Bon und die „Psychologie der Massen“
Das dreiteilige, 1895 unter dem Originaltitel „Psychologie des foules“ erschienene, Werk von Gustave Le Bon, einem französischen Philosophen und Sozialforscher, bildete den Grundstein der propa-gandistischen Ideen Adolf Hitlers. Le Bon stellt darin die These auf, dass Sozialismus und Massenorganisationen zu immer mächtigeren Institutionen heranwachsen, die selbst die Kirche als geordnete Macht übersteigen (vgl. Donner 1995, S.10). Das von ihm aufgestellte „psychologische Gesetz der seelischen Einheit“ beschreibt das Verschmelzen von Intellektualität und Individualität in der Kollektivseele der Masse (vgl. Brockhaus 2006, „Die Psychologie der Massen“). Le Bon differenziert die Gefühle und die Sittlichkeit der Massen anhand von vier entscheidenden Grundcharakteristika:
§1. Triebhaftigkeit, Beweglichkeit und Erregbarkeit der Massen:
Le Bon stellt die These auf, dass innerhalb einer Masse jeder Einzelne nicht mehr rational, sondern reizgesteuert, beziehungsweise triebhaft, agiere und dieser somit „in demselben Augeblick von der blutigsten Grausamkeit zum unbedingtesten Heldentum“ (Le Bon 1953, S.22) überzugehen vermag. Innerhalb der Masse schwinde in Anbetracht ihres Ziels und ihrer Überzahl der Begriff des Unmöglichen. Dieses Machtbewusstsein übernähme jeder Einzelne, und er „wird der ersten Anregung zu Mord und Plünderung augenblicklich nachgeben. Ein unerwartetes Hindernis wird wütend zertrümmert.“ (Le Bon 1953, S.23).
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§ 2. Beeinflussbarkeit und Leichtgläubigkeit der Massen:
„Die erste klar zum Ausdruck gebrachte Beeinflussung teilt sich durch Übertragung augenblicklich allen Gehirnen mit und gibt sogleich die Gefühlsrichtung an“ (Le Bon 1953, S.25) und es heißt weiter, dass die Masse nach ihrer Beeinflussung darauf dränge, diese in die Tat umzusetzen, ohne sich dabei durch Vernunft widersetzen zu können. Sie sei demnach allen Beeinflussungen unterlegen und nicht in der Lage, diese kritisch zu hinterleuchten.
§ 3. Überschwang und Einseitigkeit der Massengefühle:
Le Bon beschreibt weiter, dass die Masse ihre Gefühle als sehr einfach und überschwänglich äußert. „Die Einseitigkeit und Überschwänglichkeit der Gefühle der Massen bewahren sie vor Zweifel und Ungewissheit.“ (Le Bon 1953, S.35). Eine beim Einzelnen vor-handene Abneigung wüchse dadurch in der Masse schnell zum Hass, der im Zusammenwirken mit der Gewissheit der Straflosigkeit schließlich in Gewalt münde. Weiter heißt es, dass die Masse nur durch übermäßige Empfindungen erregt würde, was deren Führer durch den Gebrauch starker Ausdrücke erreichten. „Zu den gewöhnlichen Beweismitteln der Redner in Volksversammlungen gehört Schreien, Beteuern, Wiederholen und niemals darf er den Versuch machen, einen Beweis zu erbringen.“ (Le Bon 1953, S.36).
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§ 4. Unduldsamkeit, Herrschsucht und Konservatismus der Massen:
Im Zusammenhang mit dem Grundbegriff der Rasse definiert Le Bon die Massen als herrschsüchtig und unduldsam. Die Massen würden dazu neigen, diese Gefühle in die Tat umzusetzen. Ferner hätten sie eine „fetischistische Ehrfurcht vor den Überlieferungen [und] einen unbewussten Abscheu vor allen Neuerungen“ (Le Bon 1953, S.41).
Im weiteren Verlauf seiner Studie beschreibt Le Bon die Führer dieser Massen, die er als Männer der Tat und nicht als große Denker charakterisiert, die sich grundsätzlich herausbilden, sobald eine gewisse Anzahl Menschen vereint seien. Diese Führer finde man „unter den Nervösen, Reizbaren, Halbverrückten, die sich an der Grenze des Irrsinns befinden“ (Le Bon 1953, S.98). Sie seien in der Lage die Masse durch „Schlagworte, große Gesten [und] geschickte Täuschungsmanöver“ (Donner 1995, S.10) zu lenken.
Adolf Hitler interpretierte die sozialpsychologische Studie Le Bons insofern, als er daraus Leitfäden der nationalsozialistischen Propa-ganda entwickelte. Zu ihnen zählen sowohl der emotionale Appell, die Reduktion der Informationen, die an die Rezipienten gesandt werden sollen, die klare Formulierung von Kampfansagen und deren ständige gleichmäßige Wiederholung, als auch der Versuch die Zuhörer emotional zu erregen (vgl. Donner 1995, S.11). Zudem durfte sich einerseits das gesetzte Ziel, das bei der Masse erreicht werden sollte, nicht ändern, andererseits jedoch eine Vielzahl unterschiedlichster Formen verwandt werden, in denen eben dieses unterschwellig präsentiert wird. Oberstes Ziel jedoch war es, die Propa-ganda unter keinen Umständen offensichtlich zu gestalten (vgl. Donner 1995, S.11).
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Patrick Gutsch, 2006, Politisch-ideologische Nutzung von Massenmedien im Dritten Reich, Munich, GRIN Publishing GmbH
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