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Gliederung
1. Einleitung
2. Einführung in die Thematik
2.1 Definition des Begriffs „Adoleszenz“
2.2 Definition des Begriffs „Familie“
3. Die Familie als Lebenswelt des Adoleszenten
3.1 Die Bedeutung der Familie für Adoleszenten
3.2 Konfliktpotential zwischen Adoleszenten und Eltern
3.3 Die familiäre Interaktionsentwicklung
3.4 Elterliche Erziehungsstile fördern oder hemmen Verhaltensweisen ihrer
Adoleszenten
3.5 Erschwerende Familiensituationen und deren Auswirkung auf die
Entwicklungskrisen-Bewältigung des Adoleszenten
3.5.1 Geschiedene Elternsituation
3.5.2 Neu zusammengesetzte Familiensituation
3.5.3 Erwerbstätigkeit
3.5.4 Zusammenfassung
4. Ausblick
5. Bibliografie
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1. Einleitung
Der Inhalt der vorliegenden Arbeit wird begleitend zum Psychologie- Seminar mit dem Thema: „Entwicklungspsychologie der Adoleszenz“ bearbeitet.
Wir stützen uns primär auf Aussagen und Inhalte des Buches „Entwicklungspsychologie der Adoleszenz“ von Flammer / Alsaker. Hier fließen die Forschungsergebnisse der letzten Jahre zusammen, die ein neues Bild der Jugendlichen hervorbringen bezüglich des Stellenwertes der Jugendlichen in der Gesellschaft, zentraler Entwicklungsprozesse, wichtiger Lebenswelten der Jugendlichen, sowie Entwicklungsrisiken. Bei unseren Ausführungen stützen wir uns schwerpunktmäßig auf das Kapitel 8 mit dem Titel: „Adoleszente und ihre Familie“.
Für uns ergibt sich folgende Ausgangsfragestellung: Wie stellt sich gegenwärtig die Situation Jugendlicher in der Phase der Adoleszenz innerhalb der Familie dar?
Wir nähern uns der Thematik, in dem wir zunächst die Begriffe „Adoleszenz“ und „Familie“ definieren. Anschließend gehen wir konkret auf die Familie als Lebenswelt des Adoleszenten ein und diskutieren die Genese von Konflikten zwischen Jugendlichen und ihren Eltern. Im Rahmen der familiären Interaktionsentwicklung beschreiben wir Veränderungen bezüglich der Kommunikation in der Adoleszenz.
Bevor wir abschließend die Ergebnisse zusammenfassen und einen Ausblick auf die Zukunft wagen, stellen wir verschiedene erschwerende Familiensituationen dar und diskutieren die Frage: Wie wirken sich diese auf den Adoleszenten aus und wie kann er diese bewältigen.
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2. Einführung in die Thematik
Die Entwicklung im Jugendalter, die bedeutsame innere Vorgänge anstößt, ist für den Mensch eine prägende. 1 Führt die Wissenschaft die Erkenntnisse der Lernpsychologie, der Sozialpsychologie und der Tiefenpsychologie zusammen, so bringt dieses kompakte Modell eine klarere Vorstellung als ein biologisches, das weltanschauliche Vorannahmen verdeckt. Das Entwicklungsgeschehen kann mit den Begriffen Differenzierung (Ausgliederung von Details aus dem Ganzen), Integration (Fähigkeit, Details zusammenzufassen, einzuordnen), Zentralisation (zunehmende Steuerung der Handlung durch Pläne, Zielsetzungen und Werte), Strukturierung (Zusammenfassung zu in sich sinnvollen Ordnungen, die mehr als eine Addition von Details darstellen) und ähnlichen Begriffen beschrieben werden. In diesem Kontext müssen immer auch die Einflüsse der Umwelt diskutiert werden, denn Entwicklungsaufgaben ergeben sich u.a. aus einem kulturellen und historischen Kontext; 2 d.h. es gibt Unterschiede in der Entwicklung und Bewältigung der Entwicklungsaufgaben von männlichen und weiblichen Jugendlichen, die nicht auf das Geschlecht oder den individuellen Entwicklungsstand zurückzuführen sind, sondern auf den Lebensraum. 3 Bedenken wir die möglichen Entwicklungsrisiken in der Lebensphase der Adoleszenz, wird uns die Tragweite dieser Phasenbewältigung bewusst: Depression, gestörtes Essverhalten, Risikoverhalten wie beispielsweise der Umgang mit Drogen, Suizid und Unfälle. Der Familie als Ort der Zuflucht und Geborgenheit –da trotz jugendlichem Fehlverhalten diese nicht aus der Familie ausgeschlossen werden - kommt in diesem Alter eine besonders große Bedeutung zu.
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Erikson erkennt im Rahmen der Sozialisationsforschung die Wichtigkeit der Phase der Adoleszenz und damit einhergehender Auseinandersetzung mit dem Selbst und integriert sie in seinen Entwicklungsmodell. Er weiß um die Wichtigkeit der Entwicklungskrisenbearbeitung. In der Zeit der Adoleszenz entscheidet sich Zeitperspektive gegen Zeitdiffusion, Selbstgewissheit gegen peinliche Identitätsbewusstheit, Rollenexperimentieren gegen negative Identitätswahl, Zutrauen zur eigenen Leistung gegen Arbeitslähmung, Identität gegen Identitätsdiffusion, sexuelle Identität gegen bisexuelle Diffusion, Führungspolarisierung gegen Autoritätsdiffusion, Ideologische Polarisierung gegen Diffusion der Ideale.
2 s. auch Flammer/Alsaker, S.170 3 Dies wird deutlich in Abgrenzung zum englischen Sprachraum, wo der Begriff der Adoleszenz das Alter zwischen 12-21 Jahren umfasst, also das gesamte Jugendalter abdeckt. (in Anlehnung an das Fachlexikon der Sozialen Arbeit, S.7) Daraus lässt sich ableiten, dass die Gesellschaft anders als in Deutschland auf die Veränderungen der Adoleszenten reagiert und sie einen anderen Stellenwert in der Familie und der Gesellschaft haben.
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Die schwierige Aufgabe, die es seitens der Eltern in dieser Lebensphase zu bewältigen gilt, beschreibt Marcia wie folgt: „(...) to be emotional available, narcisstic and exhibitionistics trivings, to effect the transmutation of narcissm by withdrawing, in phase-appropriate ways, through a gradual selectivity of response, the mirroring support, thereby channeling the adolescent`s narcisstic needs in realistic directions (…) be empathetic, sensitive, and emotionally availabel (…) allow to individuate, to develop inner ressources and to regulate selfesteem in the light of optimal frustration.” 4 Im weiteren Verlauf dieser Arbeit gehen wir detaillierter auf die Bedeutung der Familie ein.
2.1 Definition des Begriffs „Adoleszenz“
Adoleszenz umfasst nach dem Fachlexikon der Sozialen Arbeit die Zeitspanne nach abgeschlossener Geschlechtsreife (Pubertät) und einer damit einhergehenden Zeit der zunehmenden Stabilisierung persönlicher und sozialer Orientierung, bis der Status des Erwachsenen erreicht ist. 5 Adoleszent ist demnach ein junger Mensch, der sich in der beschriebenen Phase befindet.
2.2 Definition des Begriffs „Familie“
Binnen- und transnationale Veränderungen haben das öffentliche Bewusstsein hin zu einer Pluralisierung gültiger Familienkonstellationen geführt, denn die „noch vor wenigen Jahren (...)“ (Fachlexikon der Sozialen Arbeit, S.312) übliche und gültige Familienform setzte sich aus einer Kleingruppe zusammen, die aus einem Ehepaar und seinen gemeinsamen (unmündigen, unverheirateten) Kindern bestand, in einer Haushaltsgemeinschaft zusammenlebend. Flammer / Alsaker gehen in diesem Kontext von einer „längerfristig angelegten Konfiguration von Beteiligten mindestens zweier Generationen“ 6 aus.
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Marcia, zit. N. Fend, S. 221
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„Heute werden die Störungen in dem Verhältnis zum eigenen Selbst, die Suche nach dem künftigen Platz in der Welt, die Kritik an den Forderungen der Erwachsenen, die sie nicht glaubwürdig vertreten oder die jeder Stellungnahme ausweichen, neue Interessen und Formen des Lernens, die Neubewertung von Lernangeboten nicht mehr auf die biologische Umstellung zurückgeführt.“ (Fachlexikon der Sozialen Arbeit, S.7) Für O. Kroh, A, Busemann, E. Spranger, H. Roth hatte die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ich, seine Abgrenzung mit den Normen der Gesellschaft und der Entwurf eines eigenen Lebensplans wurden als Folge genetischer Programme betrachtet, als Folge der Triebentwicklung, die nur durch die jeweiligen Bildungschancen variierten. Empirische Belege für solche Modelle reichte z.B. H. Fend durch Befragungen nach.
6 Flammer / Alsaker, S.178
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Die Entstehungsbedingungen der „modernen Familie“ kann anhand bestimmter Merkmale charakterisiert werden: 7 Aufgrund des Selbstverständnisses der Frauen, das sich nicht mehr ausschließlich in der Mutterschaft erschöpft (wie das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch „üblich“ war 8 ), sind Frauen zunehmend beruflich tätig. Die Arbeitsorte haben sich kongruent dazu aus dem häuslichen Bereich ausgelagert, was eine Trennung zwischen Arbeit und Beruf mit sich brachte. Damit reduzierte sich der im Haus lebender Personen auf die der Kernfamilie. 9 Diese Zusammensetzung führte zur Isolation der Kernfamilie als Ort vergesellschafteter Privatheit. Sozialintegration wurde durch Systemintegration abgelöst. 10 Das „neue“ Selbstverständnis der Frauen wirkte sich weiterhin auf die Familiengröße aus, die sich minimierte. Der zeitliche Trend zeigt, dass das Durchschnittsalter gebärender Frauen tendenziell weiter ansteigt. Dies hat zur Konsequenz, dass immer mehr Frauen eher keine Kinder bekommen. 11 So beträgt beispielsweise die durchschnittliche Kinderzahl je Frau, betrachtet auf die gesamte Lebenszeit in der Schweiz 1999 nur noch 1,5 Kinder (in der BRD 1,4; in Österreich 1,3 Kinder) im Vergleich zu 1875, wo es noch 4,3 Kinder waren. Der gemeinsame Kern des Beziehungsgefüges Familie ist kleiner geworden. Familie kann „ (...) deshalb definiert werden als Lebensgemeinschaft von Menschen unterschiedlicher Generationen, die in einem (auch biologisch, rechtlich oder sozial begründeten) Nachkommenschaftsverhältnis zueinander stehen und die, soweit sie unterstützungsbedürftig sind (wie Kinder (...)) von anderen Mitgliedern die notwendige Unterstützung erwarten können.“ (Fachlexikon der Sozialen Arbeit, S.312) Weitere Gründe, die zu veränderten Familienkonstellationen führten und noch weiter führen, ist die zunehmende Scheidungsrate. Damit ergeben sich für die Kinder und Jugendlichen neue Familientypen. Dies stellt alle Betroffenen, besonders die Kinder und Jugendlichen vor neue Aufgaben.
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In Anlehnung an Lüscher, Schultheis, Wehrspaun, S.98
8
Ellen Key (Reformpädagogin) beschreibt in ihrem Buch „Das Jahrhundert des Kindes“ beispielsweise die Bedeutsamkeit dieser mütterlichen Aufgabe.
9 i.S.v. Lüscher, Schultheis, Wehrspaun, S.98 10 Modernisierung kann somit als Prozess der funktionalen Differenzierung erklärt werden. 11 Wobei sich Karriere und Kinder bei der Mehrheit der heutigen Jugend hinsichtlich eigener Lebensansprüche nicht ausschließen, sondern zwei zentrale Zielvorstellungen für die Lebensführung bilden, so die 14.Shell- Studie.
Quote paper:
Guido Diederich, 2003, Adoleszente und ihre Familie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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