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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung
3. Geschichtlicher Hintergrund
4. Grundannahmen
4.1 Erziehungsmittel und Erziehungsziele
4.2 Übertragung
4.3 Sexualerziehung
4.4 Lern- und Leistungsstörungen
4.5. Erziehen in Gruppen
4.6 Therapeutische Konzepte
5. Probleme
5.1 Psychoanalytische Pädagogik gibt es nicht
5.2 Das soziale Umfeld des Kindes bleibt unberücksichtigt
5.3 Hilfen sind beschränkt
5.4 Mangelnde Anwendung wissenschaftlicher Kriterien
5.5 Unstimmigkeiten in der Standortbestimmung
6. Ausblick
7. Fazit
8. Bibliografie
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1. Einleitung
Der Inhalt der vorliegenden Arbeit wird begleitend zu dem Seminar “Pädagogische Konzepte der Erziehungswissenschaft“ unter der Thematik „Bedeutung und Grundannahmen der psychoanalytischen Pädagogik“ bearbeitet. Diese schriftliche Bearbeitung kann und soll jedoch keine Einführung in die Thematik der Psychoanalyse ersetzen, die die Grundlage der psychoanalytischen Pädagogik bildet.
Im Zuge der Auseinandersetzung mit der vorgegebenen Thematik erkannten wir, dass es der Bedeutung der psychoanalytischen Pädagogik nicht gerecht wäre, sie in einen Gliederungspunkt zu pressen, da sie als „roter Faden“ in jedem Teilaspekt zum Tragen kommt.
Wir beginnen mit einer Begriffklärung, um das Themengebiet zu umreißen. Der anschließende ausführlichere geschichtliche Hintergrund dient Einem besseren Verständnis der bis heute andauernden In-Fragestellung dieses Gebietes. Die Grundannahmen der Psychoanalytischen Pädagogik geben einen kleinen Einblick in die ursprünglichen Ideen auf der psychoanalytisch basierenden Theorie Freuds, die für das Verständnis des zu behandelnden Themengebietes unerlässlich ist.
Im Folgenden stellen wir Probleme dar, die das Mark der Psychoanalytischen Pädagogik in Frage stellen und zum Teil bis heute in Fachkreisen diskutieren. Der Ausblick fasst die wesentlichen Bereicherungen Freuds Theorie zusammen und ein Fazit rundet die Arbeit ab.
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2. Begriffserklärung
Die Einschätzungen der Psychoanalytischen Pädagogik ist in der Literatur sehr widersprüchlich dargestellt 1 , womit eine eindeutige Definition unmöglich wird. „Manche Autoren sind der Auffassung, wenn Einzelergebnisse der Psychoanalyse in der pädagogischen Diskussion bedacht würden, wäre das bereits Psychoanalytische Pädagogik; - andere plädieren für eine vollständige Trennung von Psychoanalyse und Pädagogik.“ (Trescher, S.7)
Psychoanalyse wird auf drei Ebenen wirksam: Als „(...) Methode der psychologischen Untersuchung und Forschung, die es ermöglicht, seelische Vorgänge, Lebenszusammenhänge und Strukturen zu erkennen, die der Selbstwahrnehmung verborgen sind. „ (Görres, S.17) Sie ist damit ein „Verfahren zur Untersuchung seelischer Vorgänge (...)“ (Krüger, S.109 2 )
„Psychoanalyse ist sodann eine Summe von Aussagen über erfahrbare psychologische und psychophysische Befunde oder in der Erfahrung mitgegebene Sachverhalte, über Phänomene, Strukturen, Zusammenhänge und Gesetze des seelischen Lebens, die mit der analytischen und zum Teil auch mit anderen Methoden aufgewiesen werden können.“(Görres, S.17) Sie wird als Gesamtheit psychologischer und psychopathologischer Theoriebildung wirksam 3 und drittens, so Freud, als eine Behandlungsmethode neurotischer Störungen 4 , der bestimmte Thesen der Theorie zugrunde liegen.
Die Basis der Psychoanalytischen Pädagogik ist auf die Erkenntnis Freuds (Psychoanalytiker) zurückzuführen, dass bestimmte Verhaltensstörungen
Erwachsener 5 im frühen Kindesalter entstehen. Er beobachtete dies an hysterischen, neurotisch symptomatischen Patienten und Patientinnen. 6 Aufgrund seiner
1 s. dazu auch Susann Heenen-Wolff in Psychologie heute, S.44
2 Vgl. auch: Fachlexikon der Sozialen Arbeit, S.744
3 Fachlexikon, S.744f.
4 In Anlehnung an: Krüger, S. 109
5 „Reminiszenzen“ hieß das Krankheitsbild seiner zu behandelnden Patienten. Sie litten daran, dass längst vergangene Ereignisse, die häufig weit in die Kindheit hineinreichten „für sie in störender Weise gegenwärtig blieben“. (Füchtner, S.11)
6 ebd.
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Erforschung des Unbewussten wurde gleichzeitig die Psychologie des Kindes erforscht. Es begann sich ein Bewusstsein für die Wichtigkeit einer vorbeugenden Erziehung zu entwickeln: Jene Konflikte, die in späteren Jahren zu Störungen führen könnten, sollten vermieden oder zumindest bearbeitet werden. Der Psychoanalytischen Pädagogik kommt damit eine prophylaktische Bedeutung zu.
Die Interessensschwerpunkte psychoanalytischer Pädagogen sind die „Sexualität des Kindes und ihre Erziehung, die psychoanalytische Entwicklungspsychologie des Kindes, „Kinderfehler“, Elternfehler, die Kritik der Erzieher und der Erziehungsmittel, die Erziehungsbereiche Familie, Kindergarten und Schule, sowie
Erziehungsberatung, Delinquenz und Massenpsychologie“. (Füchtner, S.14)
3. Geschichtlicher Hintergrund
Freuds Untersuchungen führten ihn unweigerlich auf einen Zusammenhang zwischen allen neurotischen Störungen und dem Wirken der Sexualität. Für ihn stand fest: Neurosen entstehen aufgrund der Verdrängung uneinsehbarer und unzumutbarer Versagung der kindlichen Triebbedürfnisse. Bei der damalig „herrschenden viktorianischen Moral“ (Füchtner, S.11) kritisierte er die Gesellschaft hart und setzte sich „die sittliche Befreiung des Menschen zum Ziel (...)“ (Füchtner, S.12). Bis zum Beginn der 20er Jahre hatte die Psychoanalyse aufgrund des gesellschaftlichen Umbruchs den Charakter einer gesellschaftsreformerischen Bewegung. 7 Und die Gesellschaft war aufgrund seiner Forschungsergebnisse schockiert - bis auf liberal eingestellte Angehörige der Mittel- und Oberschicht. Diese waren nach religiös verlorengegangenen Gewissheiten auf der Suche nach einem Ersatz.
Noch vor dem 1.Weltkrieg versuchte die erste Schülergeneration Freuds die Anwendung der Psychoanalyse in Form erzieherischer Beeinflussung mit analytischer Klärung. 8 Die neue Disziplin formte sich: „Es wurden erste systematische Versuche unternommen, eigene Konzepte und Methoden auf psychoanalytischer Basis zu entwickeln und praktisch zu erproben.“ 9 (Krüger, S.111)
7 Füchtner, S.12
8 in Anlehnung an Krüger, S.110)
9 in diesem Kontext ist das Aichhornche Experiment (1925) verwahrloster Jugendlicher, Schmidts
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Ihre Hoffnung wuchs, dass bei entsprechender Berücksichtigung der wissenschaftlichen Ergebnisse Freuds in der Pädagogik neurotische Erkrankungen verhindert werden können.
In der Zeit von 1927-1937 veröffentlichten 10 Anna Freud , Aichhorn und andere „das breite Spektrum der Forschungsaktivitäten sowie die Anwendungsvielfalt der Psychoanalyse in den Praxisfeldern der Pädagogik (...)“ (Krüger, S.111) 11
Hier wies Bernfeld im Kontext der Arbeit mit Heim- und Arbeiter- ,sowie verwahrlosten Kindern erstmalig auf die Grenzen der Erziehung hin. Er betonte dabei insbesondere den sozialen Aspekt, denn er und einige seiner Kollegen erkannten die Bedeutung des sozialen Ortes als Keim für Neurosen und Verwahrlosung. Den Fokus bildeten bis dahin das Kind mit seinem Triebleben, seinen Fehlern und deren Therapie. 12 Das sollte sich bald ändern: Seit Beginn der 30er führten diverse Aspekte zu einer Prüfung der Psychoanalytischen Pädagogik in Theorie und Praxis. 13
1932 begann sich die pädagogische Zielsetzung zu verschieben, von der Befreiung des Kindes zu einer Ich-Stärkung.
Bald darauf vertrieb der Faschismus die Psychoanalyse und die damit verbundene Diskussion zwischen den Vertretern der ärztlichen und sozialen Auffassung, weil die überwiegende Mehrheit Psychoanalytiker (inkl. Psychoanalytischer Pädagogen) emigrierte, 14 nicht wenige nach Amerika.
Experiment in einem Moskauer Kinderheim-Laboratorium und Bernfelds Versuch im Kinderheim auf der Grundlage psychoanalytischer Erkenntnisse zu erwähnen. Sie versuchten alternative Erziehungskonzepte umzusetzen. (Krüger, S.111)
10 in der „Zeitschrift für psychoanalytische Pädagogik“
11 Siegfried Bernfeld, ein Schüler Freuds zeigte 1925 erstmalig Möglichkeiten auf, „ (...) den gesamten pädagogischen Radius mit Hilfe psychoanalytischer Kategorien aufzuhellen, Probleme zu erkennen, die sich bei der üblichen Extraversion 11 gar nicht abzeichnen.“ (Füchtner, S.7)
12 ebd., S.14f.
13 Erfahrungen und Ergebnisse psychoanalytischer Erziehungsversuche waren z.T. enttäuschend, woraufhin skeptische Stimmen lauter wurden bis hin zu Redl`s Grundsatzfrage, ob es Psychoanalytische Pädagogik überhaupt geben kann. Ein weiterer Grund war die zunehmende Medizinalisierung der Psychoanalyse (bis hin zur Etablierung professioneller Ausbildung für Psychoanalytiker) (Krüger, S.111)
14 Damit ging die Psychoanalyse verschiedene Wege: in Deutschland arbeiteten die Analytiker in privaten Praxen, ohne engere Verbindung zu Kliniken oder zur allgemeinen Psychiatrie; In den USA kooperierten Analytiker mit Psychiatern, klinischen Psychologen und Fürsorgern, womit sie untereinander besser organisiert waren und engeren Kontakt zum Schulsystem und dem Lehrerberuf hatten. Nach 1938 war eine Ausbildung zum Psychoanalytiker für Pädagogen nicht mehr möglich, wodurch sie in die medizinischen orientierte Psychologie fiel. ( s. Füchtner, S.23)
Arbeit zitieren:
Guido Diederich, 2003, Bedeutung und Grundannahmen der psychoanalytischen Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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