GLIEDERUNG
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung
2. Themenblock I
Einblicke in Migrationserfahrungen und den Lebensalltag
eines türkischen Jugendlichen in Deutschland
2.1 Das Portrait - Arif der Grenzgänger.
2.1.1 Die Familiensituation
2.1.2 Zwischen Gruppe und Familie
2.1.3 Das Migrationsdilemma türkischer Familien in der Bundesrepublik
3. Themenblock II
Abweichendes Verhalten in der Gruppe (Gruppendelinquenz)
3.1 Der gemeinschaftliche Straßenraub
3.1.1 Die Vorgehensweise der Gruppe
3 1 2 D i e M o t i v e
3.1.3 Die Auswahl der Opfer
3.1.4 Reaktionen
3.1.5 Moralische Gesichtspunkte und die Rechtfertigung der Täter
3.1.6 Gewalttaten
4. Schlussfolgerungen
5 L i t e r a t u r v e r z e i c h n i s
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1. Einleitung
Hermann Tertilt hat in seinem Buch, „Turkish Power Boys - Ethnographie einer Ju-gendbande“, den Alltag einer türkischen Jugendgang in Frankfurt am Main beschrieben. Von 1990-1992 beobachtete und begleitete der Sozialwissenschaftler die Gruppe auf ihren Streifzügen durch die Frankfurter City. Die meisten der Jugendlichen sind in Deutschland geboren und aufgewachsen. Als Bande begehen sie Straftaten, konsumieren Drogen und geraten in einen Sog von Kriminalität und Gewalt. Tertilt lässt die Jugendlichen in Interviews selbst zu Wort kommen und zeichnet somit ein sehr plastisches Bild von der Lebensrealität der Gang. In Einzelportraits beschreibt Tertilt die sozialen und familiären Hintergründe von drei Jugendlichen. Dabei lenkt er ebenso den Blick auf die Migrationserfahrungen von türkischer Gastarbeitern in Deutschland.
Das Werk von Hermann Tertilt unterscheidet sich deutlich von den sonst üblichen Feldforschungen im sozialen Bereich. Er verzichtet dabei auf statistische Daten und die sonst üblichen Fragebogenauswertungen im „stillen Kämmerlein“. Tertilt begibt sich vom Schreibtisch auf die Straße und gewinnt somit einen realistischen Eindruck von der Lebenswirklichkeit einer Jugendgang. Es gelingt ihm Vertrauen zu den Jugendlichen aufzubauen und sich in ihren Kreisen zu bewegen. Hierzu zählen auch die Familien der Jugendlichen.
Auch wenn Tertils Ausarbeitung nicht repräsentativ ist, so gibt sie uns doch Erklärungsansätze mit auf den Weg. Er schafft es Theorie und Praxis miteinander zu verzahnen. Ein gutes Beispiel dafür das Wissenschaft und Praxis sich gegenseitig befruchten.
In dem nun nachfolgenden Portrait eines Bandenmitglieds, dem nach sechsmonatiger Mitgliedschaft der Ausstieg aus der Gang gelungen ist, wird der sozialpsychologische Hintergrund näher beleuchtet und in einem zweiten Schritt auf das Phänomen der Gruppendelinquenz näher eingegangen.
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Grundlage meines Referats sind die Ausführungen von Hermann Tertilt auf den Seiten 141-169 sowie 217-246 die ich in der nachfolgenden Zusammenfassung darstelle.
2. Themenblock I
Einblicke in Migrationserfahrungen und den Lebensalltag
eines türkischen Jugendlichen in Deutschland
2.1 Das Portrait Arif der Grenzgänger...
2.1.1 Die Familiensituation
Wohnen und Leben in Frankfurt: Arif wohnt mit seinen Eltern in einem Mietshaus der Stadtwerke in Frankfurter-Bornheim. Sein Vater arbeitet als Müllmann bei den Frankfurter Stadtwerken. Die Mutter arbeitet als Putzhilfe. Arif hat vier Geschwister: eine Schwester und ein Bruder, die jünger, und eine Schwester und ein Bruder die älter sind als er. Alle Geschwister sind in Deutschland aufgewachsen. Fünf Kinder sind in türkischen Familien keine Seltenheit. Emigration der Familie: Arifs Eltern stammen aus Adana in der südöstlichen Türkei. Die Eltern der Mutter waren reichere Bauern. Die Familie des Vaters stammt aus ärmeren Verhältnissen. Trotzdem kommt es Anfang der 60er Jahre zur Heirat. Der Vater eröffnet eine kleine Schneiderei in Adana, während die Mutter sich mit dem Gedanken trug, gemeinsam nach Europa auszuwandern.
Arif über die Mutter: „Meine Mutter wollte ja unbedingt raus, die war eigentlich so modernisiert, die wollte immer irgendwie herkommen, nur nicht im Dorf bleiben.“ (Tertilt, 1996, S. 144)
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Erst nach dem Tod des Großvaters mütterlicherseits, entschließt sie sich, gegen den Willen des Vaters, nach Europa auszuwandern. Gemeinsam mit ihrem Bruder reist sie in die Niederlande ein. Später kommt dann auch der Vater nach. Gemeinsam ziehen sie nach Frankfurt. Arif über seinen Vater: Arif beschreibt seinen Vater als eher rückständig und konservativ.
„Während Arif sich mit der weltoffenen Lebenseinstellung seiner Mutter, ihrer flexiblen und einfühlsamen Haltung identifiziert, grenzt er sich vom „altmodischen Denken“ und der konservativen Religiosität des Vaters ab. Dennoch ist für ihn der Vater „Herr im Haus“ und die unangefochtene Autorität in der Familie.“ (Tertilt, 1996, S. 144) Der Islam und die Religionspflichten: Arifs Vater ist ein frommer Moslem, ein sogenannter Hadschi („haci“), der bereits zum Grab des Propheten nach Mekka gepilgert ist. Mutter und Vater halten sich an die Religionspflichten. „Arif hat andere Vorstellungen, als dem streng religiösen Leben der Eltern nachzueifern. Zwar wünsche sich der Vater nichts sehnlicher, als dass sein Sohn sich auch einer islamischen Lebensführung zuwende, doch Arif betont, diese Pflichten ließen sich auch später noch erfüllen.“ (Tertilt, 1996, S. 145) Die Rolle der Mutter: Die Mutter ist Vermittlerin zwischen den Kindern und dem Vater. Also die Ansprechpartnerin der Kinder.
„Wenn ich Probleme mit meinem Vater kriegen sollte, dann spielt sie den Rechtsanwalt“, charakterisiert Arif den Rückhalt, den er bei der Mutter findet.“ „Der Vater dagegen erscheint nach den Schilderungen des Sohnes als Autorität die Vorgaben macht, gutheißt oder sanktioniert, nicht aber diskutiert. Trotz dieser unterschiedlichen Haltung der Eltern bleiben die Vorschriften des Vaters für Arif maßgebend. Denn innerhalb der Familie ist die Mutter an die traditionelle Rolle einer türkischen Frau gebunden und muss sich gegenüber ihrem Mann loyal verhalten.“ (Tertilt, 1996, S. 146)
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Arbeit zitieren:
Guido Diederich, 2001, Falldarstellung Turkish Powerboys - Ethnographie einer Jugendbande, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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