GLIEDERUNG
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung
2. Soziale Interaktionen und Beziehungen
eine Begriffsdefinition
3. Die Peergruppe (Gleichaltrigengruppe)
3.1 Beziehung zu Gleichaltrigen als Entwicklungsaufgabe
3.2 Soziale Kompetenzen
3.3 Konfliktlösungsstrategien
3.4 Grenzen setzen
3.5 Sensibilität und Perspektivübernahme
3.6 Identitätsbildung
4. Kehrseiten der Peerbeziehungen
4.1 Soziale Isolation
4.1.1 Isolation und Mobbing
4.1.2 Gruppendruck und Gruppenselektion 8
5. Freundschaft und Intimität
5.1 Merkmale von Freundschaft und ihre Bedeutung
Für die Entwicklung in der Adoles zenz
5.2 Geschlechtsunterschiede in Freundschaften
5.2.1 Intimität
5.3 Die Kehrseite der Freundschaft
5.3.1 Wenn keine beste Freundin oder
kein bester Freund vorhanden sind
5.3.2 Wenn Beziehung und Intimität ausgenutzt werden
6. Liebesbeziehung und Sexualität
6.1 Der soziokulturelle Kontext
6.2 Sexuelle Orientierung
6.3 Die erste Liebesbeziehung romantische Beziehung
6.4 Sexualverhalten
6.4.1 Die Rolle der Hormone und der körperlichen Reifung
6.4.2 Die Rolle des soziokulturellen Umfeldes
6.4.3 Vom Händehalten bis zum Geschlechtsverkehr
6.4.4 Unterschiede zwischen den Geschlechtern
6.5 Sexualität und Risikoverhalten
6.5.1 Junges Alter und wenig Selbstvertrauen
6.5.2 Wenig Wissen und Kommunikation
6.5.3 Ungeplantes Sexualverhalten
6.5.4 Partnerwechsel
6.5.5 Alkohol und andere Drogen
7. Ausblick
8. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Die Eltern sind in der Regel die erste, aber keineswegs die einzige prägende Sozialisationsinstanz im Leben eines Menschen.
Zu den wichtigsten außerfamiliären Beziehungssystemen zählen neben der Schule vor allem die Gleichaltrigengruppe, die sogenannte Peergruppe. In diesen Gruppen wird die Freizeit verbracht, werden erste sexuelle Erfahrungen und Erlebnisse ausgetauscht, wird die Abgrenzung gegenüber der Erwachsenenwelt artikuliert und zum Teil auch in entsprechendes Verhalten kanalisiert. Diese Gruppen sind alters-, z. T. geschlechts- und größtenteils schichtspezifisch.
Welche Merkmale weisen die Kontakte zwischen Gleichaltrigen auf? Wie wirken Sie sich aus und auf welche Ursachen gehen sie zurück? Diese Fragen wollen wir in den nachfolgenden Betrachtungen näher beleuchten.
2. Soziale Interaktionen und Beziehungen
– eine Begriffsdefinition
Die Beziehungen zwischen gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen sind nicht auf jede Altersstufe gleich intensiv. Sie machen vielmehr eine Entwicklung durch.
Kleinkinder haben kaum Beziehungen zueinander. Sie können mit Gleichaltrigen meist noch wenig anfangen. Zwar nehmen sie voneinander lebhaft Notiz, aber trotz dieses gegenseitigen Interesses spielen Sie noch eher „nebeneinander“ als „mitein-ander“; es kommt zu keinen nennenswerten sozialen Interaktionen.
Um also in Beziehung zu treten sind soziale Interaktionen zwischen Menschen nötig. Der Mensch ist ein soziales Wesen, das in Interaktion (wechselseitige Beeinflussung von Individuen oder Gruppen) mit anderen Menschen steht.
Nicht alle Interaktionen sind allerdings für das Individuum von gleicher Bedeutung (vgl. Flammer, A. u. Alsaker, F. 2002, S. 194).
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Wir unterscheiden zwischen „sozialen Interaktionen“ und „Beziehungen“:
Der Begriff „Interaktion“ kann genauer beschrieben werden:
Interaktion beschreibt zum Einen unterschiedliche und zeitlich begrenzte Ereignisse .
Ein weitere Aspekt ist die Verkettung von Interaktionsereignissen: Jede soziale Interaktion beeinflusst die nachfolgende Interaktion (Interaktionsmerkmale z.B. Situation, Emotionen etc. werden im Gedächtnis abgespeichert und in ähnlichen sozialen Situationen reaktiviert).
Was macht „Beziehung“ aus?
Die Grundlage von Beziehung ist die Interaktion. Diese gestaltet sich allerdings komplexer.
Individuen, die immer wieder aus unterschiedlichen Anlässen in Interaktion treten und deren Interaktion, die jeweils andere bzw. vorangegangene Interaktion beeinflusst. Die dabei entstehenden Wahrnehmungen, Befürchtungen und Erwartungen beeinflussen den weiteren Verlauf einer Beziehung. Bindung, Intention, Erwartungen von gemeinsamen Unternehmungen und eine gemeinsame Motivation, die Beziehung beizubehalten, kennzeichnen sowohl positive als auch negative Beziehungen.
Aus wiederholten Interaktionen kann in der Konsequenz eine Beziehung entstehen.
(Vgl. Flammer, A. u. Alsaker, F. 2002, S. 194 f.)
3. Die „Peergruppe“ (Gleichaltrigengruppe)
Die Beziehung zu den „Peers“ (Gleichaltrigen) hat ähnliche Funktionen wie die Beziehung zu den Erwachsenen. Beziehungen dienen der Selbsterfahrung und der Selbstdefinition.
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Die Peer-Gruppe bietet dabei andere Erfahrungsräume, nimmt andere Positionen ein, gibt andere Rückmeldungen als die Erwachsenenwelt bzw. die Eltern. Dies ist wichtig für die Entwicklung eines Selbstkonzepts, die Identitätsbildung und das Einüben sozialer Fertigkeiten.
Die „Peers“ sind auch ein Produkt unserer Zeit, da der Jugendliche heute viel länger im Bildungssystem verbleibt und somit hauptsächlich mit Gleichaltrigen verkehrt.
3.1 Beziehungen zu Gleichaltrigen als Entwicklungsaufgabe
Die Beziehungsmuster und die Beziehungsaufnahme zu Gleichaltrigen ist für den Jugendlichen nicht neu. Erfahrungen in und mit Gleichaltrigengruppen wurden bereits in der Kindheit erworben, auf die nun aufgebaut werden kann (Erworbene und entwickelte Sozialkompetenz).
Neu ist eine Erweiterung des sozialen Umfelds (Zugang zu mehr und unterschiedlichen sozialen Kontakten und Situationen außerhalb der Familie als jüngere Kinder) in der Phase der Adoleszenz. Beziehungen werden zunehmend differenzierter. Beziehungen bekommen neue Inhalte und Funktionen.
Kognitive Reifungsprozesse in der Adoleszenz sind gute Voraussetzungen für eine Neudefinition der Peerbeziehungen. Die Konzentrationsfähigkeit, Kooperationsfähig-
keit, Selbstreflexion (Differenziertes Denken), Einfühlungsvermögen, Kritikfähigkeit aber auch Verletzlichkeit (z.B. bei negativen Feedback) nehmen zu. (Vgl. Flammer, A. u. Alsaker, F. 2002, S. 195)
3.2 Soziale Kompetenzen
Die Peerbeziehungen unterscheiden sich in vielen Punkten von der Beziehung zu den Eltern. Innerhalb der Gruppe werden in den meisten Fällen Dominanzhierarchien ausgehandelt und auch ausgefochten.
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Die Peerbeziehungen sind überwiegend freiwillig gewählt. Dieser Prozess verstärkt sich im weiteren Verlauf der Adoleszenz. Die Selbständigkeit, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe selbst bestimmen zu können bzw. Gruppen gezielt auszuwählen, nimmt zu. Hinzu kommt eine größere Beweglichkeit und Mobilität der Jugendlichen (Nutzung von Nahverkehrsmitteln, Mofa etc.) ohne auf die Eltern angewiesen zu sein.
Peers haben im Gegensatz zu den Eltern, trotz ihres großen Einflusses, keine formelle Verantwortung für die Erziehung. Die Reaktionen und Interaktionen laufen nicht aus erzieherischen Motiven heraus ab. Sie sind unkoordiniert, rücksichtslos und oftmals spontan. Durch diese unkontrollierten Reaktionen erhält der Jugendliche aber auch mannigfaltige Rückmeldungen auf sein Verhalten in der Gruppe. Hierbei eröffnen sich zahlreiche wichtige soziale Lernfelder über die Vielfalt menschlicher Reaktionen und Beziehungen. Es kommt also im Endeffekt zu einer wichtigen Erweiterung der sozialen Kompetenz.
(Vgl. Flammer, A. u. Alsaker, F. 2002, S. 195 f.)
3.3 Konfliktlösungsstrategien
Um Beziehungen unter Gleichaltrigen aufrecht zu erhalten (diese beruhen ja auf Freiwilligkeit) bedarf es sozialer Fertigkeiten und Konfliktlösungsstrategien, die in Peerbeziehungen entwickelt werden müssen.
Anders als in der Familie, (Überlegenheit der Eltern) stehen alle Beteiligten auf der gleichen Stufe, dementsprechend anders sind die Konfliktlösungsstrategien in einer Peerbeziehung. Auch können die Eltern in solchen Konf likten nicht mehr helfen (in der Kindheit war dies noch möglich). Die Jugendlichen sind hierbei auf sich alleine gestellt. Zusätzlich erfordert die Freiwilligkeit der Beziehungsstruktur auch mehr Einsatz für die Beziehung.
(Vgl. Flammer, A. u. Alsaker, F. 2002, S. 196)
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3.4 Grenzen setzen
Die Peers tragen weniger Verantwortung füreinander. Deshalb kommt es auch im Miteinander zu mehr Grenzüberschreitungen.
Der Einzelne in der Gruppe muss lernen, sich eigene Grenzen zu setzen (gegenüber unerwünschtem Verhalten von Peers) und diese auch zu verteidigen (Selbstschutz). Auch hierbei gibt es keinerlei Hilfestellung oder Schutz mehr von Seiten der Eltern.
Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass zwar physische Gewalt abnimmt, im Gegenzug aber psychologische Gewaltformen, also psychische Verletzungen und Angriffe, zunehmen.
(Vgl. Flammer, A. u. Alsaker, F. 2002, S. 196 f.)
3.5 Sensibilität und Perspektivübernahme
Die Peerbeziehung fördert eine zunehmende Sensibilität in zwischenmenschlichen Interaktionen. Dies wird vor allem durch die Spontaneität und Direktheit der Gruppe gefördert (Konflikte, Auseinandersetzungen, Interaktionen).
In diesen Auseinandersetzungen entwickelt sich soziale Sensibilität und die Fähigkeit der Perspektivenübernahme (Auseinandersetzung mit der Interpretation anderer). Dies ist für die Aufrechterhaltung der Beziehungen von besonderer Bedeutung. Die Motivation zur Perspektivübernahme ist die Stabilisierung der Beziehungsstruktur. (Vgl. Flammer, A. u. Alsaker, F. 2002, S. 197)
3.6 Identitätsbildung
Hierbei geht es um die Definition der eigenen Person, die Abgrenzung bzw. Unterscheidung von Anderen und die gleichzeitige Einbettung in einen sozialen Rahmen.
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Guido Diederich, 2001, Sozialisation in und durch die peer-group, Munich, GRIN Publishing GmbH
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