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Inhaltsverzeichnis
Teil I: Wolfgang Fritz Haug
Kurzbiographie
1) Einleitung
2) Kohärenz
3) Philosophie der Praxis
4) Marxismus
5) Fazit
Teil II: Stuart Hall
Kurzbiographie
1) Einleitung
2) Ökonomie
3) Rassismus
4) Hegemonie
5) Staat und Zivilgesellschaft
6) Ideologie und „Theoretisierung“ der Individuen
7) Nutzung von Perspektive und Standpunkt Gramscis
Abschlie ßende Bemerkungen
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Diese Verschriftlichung des Referats über die Geschichte der Gramsci-Rezeption konzentriert sich auf Wolfgang Fritz Haug und Stuart Hall. Antonio Gramsci als Person sowie detaillierte Aspekte seines Werkes abseits der Schwerpunkte Haugs und Halls sollen nicht dargestellt werden, da dies im Rahmen des Seminars bereits hinreichend geschehen ist. Die Auf- und Übernahme sowie die Verwertung seiner Gedanken durch Haug und Hall stehen dagegen im Mittelpunkt. Zudem sollen stattdessen die beiden Rezipienten kurz vorgestellt werden. Insbesondere Stuart Hall wählt einen interessanten Ansatz, zu dem leider aber nur wenig Literatur verfügbar ist. Von Wolfgang Fritz Haug hingegen gibt es eine Vielzahl an Quellen, die sich inhaltlich jedoch häufig wiederholen. Nach einer kurzen biografischen Vorstellung sollen die Gedanken Haugs und Halls getrennt erläutert werden. Beide Teile sind wiederum inhaltlich unterteilt. Abschließend soll eine kurze Bewertung vorgenommen werden.
Teil I
Wolfgang Fritz Haug
Wolfgang Fritz Haug wurde 1936 in Esslingen geboren. Nach der Schule studierte er u.a. Romanistik, Philosophie, Religionswissenschaft und Literatur und Geschichte in Deutschland, Frankreich und Italien. Von 1979 - 2001 war Haug Professor für Philosophie an der Freien Universität Berlin. Darüber hinaus hatte er diverse Gastprofessuren inne, u.a. an den Universitäten von Marburg und Zürich und der Universität der Vereinten Nationen in Tokio (1981-1986).
Darüber hinaus ist er weiterhin Herausgeber von „Das Argument - Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften“ (seit 1959). Die Geschäftsführung des gleichnamigen Verlags leitete er von 1959-1997. Zudem war er Mitglied des internationalen Beirats von Socialism in the World, Belgrad (1984 - 1989), Gründer der Berliner Volksuniversität (1980) und Gründungsvorsitzender des Berliner Instituts für kritische Theorie (InkriT) e.V. (1996-2001). Die wissenschaftliche Leitung des InkriT übernahm er 2001. Zudem ist Wolfgang Fritz Haug im wissenschaftlichen Beirat von ATTAC (www.wolfgangfritzhaug.inkrit.de).
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Bei der Rezeption Antonio Gramscis ist selbstverständlich von maßgeblichem Interesse, dass Haug zusammen mit Klaus Bochmann Herausgeber der deutschen Übersetzung der Gramscianischen Gefängnishefte ist.
1) Einleitung:
Wolfgang Fritz Haug bezeichnet Gramsci als „Klassiker der politischen Philosophie“, sein Denken gehe „weit über die Grenzen der Linken hinaus“. Die Gefängnishefte, die in der Zeit seiner Inhaftierung durch die italienischen Faschisten entstanden, würdigt Haug als „ein Hauptwerk der politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts das über Klassen- und Parteistandpunkte hinweg Anerkennung gefunden hat“ (Haug 1991: S.7-8). Damit wird die Bedeutung Gramscis und insbesondere die seines Hauptwerkes deutlich. Antonio Gramscis Denken bewege sich in unserem Alltag und sei im Wesentlichen experimentelles Denken, so Haug. Er hebt damit die Alltags- und Praxisorientierung hervor und stellt es somit in Gegensatz zum klassischem Denken. Noch Georg Friedrich Wilhelm Hegel bezeichnete die Philosophie als den „Sonntag des Lebens“ (Haug 2001: S.135). Als grundlegende philosophische Tatsache bei Gramsci macht Haug die Verständigung über Gestaltungsfragen unserer gesellschaftlichen Verhältnisse aus (Haug 2001: S.128). Das Werk Gramscis sei weder Popular- noch Akademische Philosophie, sondern „Philosophieren auf der Höhe der Denkmöglichkeiten seiner Zeit“. Wolfgang Fritz Haug bezeichnet es als einen „Brückenschlag um alle zu erreichen, nicht nur Einfache oder Intellektuelle für sich“ (Haug 1996: S.9-10).
Auf die Frage, warum man sich heute mit Gramsci beschäftigen sollte, antwortet Haug: „Nicht weil er die konkreten Antworten auf unsere Fragen hätte“, wahrscheinlich kenne er sie noch nicht einmal, sondern weil es in seiner Denkwerkstatt „experimentell und nutzenorientiert“ zugehe. Haug sieht hier einen neuen Ursprung kritischen Denkens Marxscher Herkunft (Haug 1996: S.8).
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2) Kohärenz
Der Begriff der Kohärenz, des inneren Zusammenhangs des Individuums ist bei Gramsci von zentraler Bedeutung. Er geht davon aus, dass in jedem Individuum der Impuls lebt, „Führer seiner selbst zu sein und [sich] nicht einfach passiv und hinterrücks der eigenen Persönlichkeit von außen den Stempel aufdrücken zu lassen“. Jedes Individuum, so Gramsci müsse danach streben, aktiv an der „Hervorbringung der Weltgeschichte teilzunehmen“, solle es nicht „verkrüppeln“ (Haug 1996: 22).
Sobald die Individuen beginnen, bewusst und kritisch an der Ausformung der eigenen Weltauffassung zu arbeiten, beginnen sie ihre Kohärenz auszubilden. Der Begriff der Kohärenz ist eine praktikable Auffassung der Identität, die in die Zukunft gerichtet und nicht vergangenheitsorientiert ist (Haug 2001: S.126).
Die Kohärenz bei Gramsci leugnet nicht Widersprüchlichkeit oder Zerrissenheit der Individuen, sie setzt diese gerade zu voraus. Somit ist sie nicht als homogene Totalität, sondern als ein „Sich-zusammen-nehmen zur Handlungsfähigkeit“ zu verstehen (Haug 1996: S.26). Der Kohärenzsinn der Individuen, so Haug, sei bereits im aristotelischen Sinn entscheidend für die Gesundheit, die kein Zustand sondern ein Prozess sei, geradezu eine Produktion (Haug 2001: S.127). Ebenso ist Kohärenz nur durch Kommunikation zu erlangen: „Ich bleibe zusammenhangslos, wenn ich nicht andere einbeziehe. Die Frage, wie will ich leben, muss lernen, wir zu sagen“ (Haug 1996: S.27).
3) Philosophie der Praxis
Ebenso wie die Kohärenz nimmt die Philosophie der Praxis in dem Denken Gramscis eine zentrale Rolle ein. Inspiriert wurde er durch die „Thesen über Feuerbach“ von Karl Marx, die eine große Wirkung auf Gramsci haben, insbesondere auf seinen Begriff der „Philosophie der Praxis“, die „im Sinne eines sich entfaltenden Selbstverständnisses“ zu verstehen ist (Haug 1996: S.32). Antonio Gramsci erkannte, dass in den marxschen „Thesen über Feuerbach“ eine neue Art des Philosophierens auftaucht. Gramsci übersetzte sich die Thesen neu, von da an durchziehen sie sein Werk wie ein Motiv (Haug 2001: S.131).
Arbeit zitieren:
Tilman Dörr, 2005, Zur Geschichte der Gramsci-Rezeption: Wolfgang Fritz Haug und Stuart Hall, München, GRIN Verlag GmbH
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