Inhaltsangabe
1. EINLEITUNG 3
2. DIE BIOGRAFIE 4
3. EXPOSÉ: ZUSAMMENFASSUNG UND INTERPRETATION 6
4. FAZIT 14
ANLAGEN 17
ANLAGE 1 17
ANLAGE 2 18
LITERATURANGABEN 19
2 NA
1. Einleitung
Die letzten Jahren seines Lebens lebte Walter Benjamin in Paris. Die Stadt war für ihn weniger eine Zwischenstation, als vielmehr Drehscheibe seines Lebens. Er kehrte oft nach Paris zurück. Als Deutschland für ihn kein Wohnort mehr war, wählte er hier sein Exil. Die große Arbeit, oft auch als „Passagenarbeit“ bezeichnet, erfasst die Erkenntnisse aus seiner Pariser Zeit. Benjamin sah in Paris den Geist des 19. Jahrhunderts lebendig. Auf seinen Spaziergängen durch die Straßen und über die Plätze fiel ihm auf, dass manche von ihnen noch Überreste der vergangenen Zeit in sich zu tragen schienen. Und er fand hier die Einkaufspassagen, in denen er den urgeschichtlichen Traum der Moderne vor sich sah. Dieser Traum schien ihm als Trug. Ebenso dessen Ursprung im frühen 19. Jahrhundert. Benjamin arbeitete an einer „Urgeschichte des 19ten Jahrhunderts“ 1 . Diese Themen hingen für ihn so eng mit Paris zusammen, wie dies auch die geplante Arbeit tat.
„Schreiben kann ich sie [...] vom ersten bis zum letzten Wort nur in Paris.“ 2
Aus diesem Umstand heraus schrieb Benjamin 1935 den als Exposé zu verstehenden Text: „Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts“. In diesem Text reißt er viele Aspekte an, ohne jedoch die resultierende Neugier zu befriedigen. Es ist ein Anfang ohne Ende, eine Sammlung und Aneinanderreihung von Gedanken und Beobachtungen. Dringt man jedoch tiefer in den Text ein, offenbart er weit mehr, als er zunächst vermuten lässt. So begibt es sich wohl auch mit der Philosophie Benjamins im Allgemeinen. Theodor W. Adorno drückte dies passend aus:
„Sucht man in Benjamins Philosophie nach dem, was herauskommt, so wird man notwendig enttäuscht; sie befriedigt nur den, der so lange darüber brütet, bis er findet, was ihr innewohnt.“ 3
Benjamin arbeitet im Exposé die Charakteristik der Moderne heraus und deutet sie als kollektiven Traum. Vom Eisenbau der Passagen kommt er auf die Utopie. Diese Utopie ist für ihn nicht etwa das Erwachen einer Epoche, sondern deren Traumschlaf. Die Frage meiner Referatsausarbeitung ist, wie Benjamin die Erkenntnis an den Dingen, beispielsweise dem
1
Vgl.: Bolz, Norbert; Witte, Bernd: Passagen: Walter Benjamins Urgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts, München 1984, S.43-48.
2 Benjamin, Walter: Gesammelte Schriften. [Bd. V2], Frankfurt am Main 1977, S. 1118. 3 Salzinger, Helmut: Swinging Benjamin, Frankfurt am Main 1973, S. 5.
3
Eisen der Passagen, abliest. Hierzu werde ich im zweiten Abschnitt den Exposé-Text zusammenfassen und interpretieren. Um der Tiefe seiner Aussagen gerecht zu werden, gehen einige Aspekte über seinen Text hinaus. Dies ist gleichzeitig der Versuch die Gedanken Benjamins im Kontext zu verdeutlichen. Dabei sind die einzelnen Begriffe und Textpassagen nicht immer stringent getrennt und können es auch nicht sein. Letztendlich hängt alles mit allem zusammen. Dies macht auch die Komplexität des Themas aus. Nichts desto trotz soll die Struktur des Textes beizubehalten werden, um Benjamins Gedanken „in Reihe“ aufzuzeigen.
Um den persönlichen Hintergrund Benjamins besser verstehen zu können beschäftigt sich der folgende Teil der Ausarbeitung mit seiner Biografie.
2. Die Biografie
Walter Benjamin wurde am 15. Juli 1892 als Sohn des Kunsthändlers Emil Benjamin und seiner Frau Pauline in Berlin geboren. Er wuchs in einem jüdisch-assimilierten Großbürgerhaushalt auf, besuchte das Gymnasium und absolvierte sein Abitur. Ab 1912 begann er dann das Studium der Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Freiburg im Breisgau. Von dort wechselte er aber schon bald nach Berlin. Nach Beginn des ersten Weltkriegs setzte er dann 1914 sein Studium erst in München und dann in Bern fort. Dort machte er die Bekanntschaft des Philosophen Ernst Bloch, sowie des Schriftstellers Hugo Ball. Im Jahr darauf lernte er Gershom Scholem, den späteren bekannten Religionsphilosophen, kennen. Mit ihm verband ihn eine langjährige freundschaftliche Beziehung. 4 Im Jahr 1917 heiratete Benjamin Dora Keller. Mit ihr bekam er einen Sohn. Die Ehe wurde allerdings bereits 1930 wieder geschieden. 1919 promovierte er dann mit seiner Arbeit über den „Begriff der Kunstkritik und der deutschen Romantik“ an der Universität Bern. Danach begann er seine Habilitationsschrift über das deutsche Barock-Trauerspiel. In dieser Zeit lernte er auch den Philosophen Theodor W. Adorno kennen und machte gleichzeitig Bekanntschaft mit dem Institut für Sozialforschung in Frankfurt.
4
Vgl.: O.V. : Walter Benjamin. [Biografie].
http://www.rasscass.com/templ/te_bio.php?PID=1122&RID=1 (27.11.2002).
4
Auch beeinflusst durch die lettische und kommunistische Regisseurin Asja Lacis begann er sich mit dem Marxismus zu beschäftigen.
Im Jahre 1925 wurde sein kunstkritischer und vielbeachteter Essay mit dem Titel „Goethes Wahlverwandtschaften“ ediert. Benjamins Habilitationsschrift wurde von der Frankfurter Universität mit der Begründung seiner für akademische Normen unüblichen Lebens- und Arbeitsweise abgelehnt. Inhaltliche Aspekte spielten bei der Ablehnung keine Rolle. Benjamin entschloss sich danach für eine Existenz als Berufsschriftsteller und Kritiker in Berlin. Er widmete sich dem Schreiben von Essays über klassische und moderne Literatur.
In den beiden darauffolgenden Jahren 1926 und 1927 hielt er sich in Moskau auf. Im Jahr 1928 erschien seine abgelehnte Habilitationsschrift dann unter dem Titel „Ursprung des deutschen Trauerspiels“. In dieser Zeit beginnt auch seine Freundschaft zu Bertolt Brecht.
Im Jahr der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 zog sich Walter Benjamin in die französische Metropole Paris zurück. Von dort aus besuchte er Bertolt Brecht insgesamt dreimal in Dänemark. In seiner Pariser Zeit lebte Benjamin einer finanziellen Notlage. Durch seine Mitarbeit an der „Zeitschrift für Sozialforschung“ von Max Horkheimer ab 1934, konnte er seine wirtschaftliche Situation wenigstens ein wenig verbessern. Im gleichen Jahr machte er die Bekanntschaft von Hannah Arendt, Kurt Weill und Hermann Hesse.
In der „Zeitschrift für Sozialforschung“ erscheint dann 1936 sein Aufsatz über: „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“. Darin stellt Benjamin vor allem das Abhandenkommen der Einmaligkeit von Kunst durch die technische Vervielfältigung fest.
Zudem verfasste er die autobiographischen Schriften „Berliner Kindheit um 1900“ und „Berliner Chronik“, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurden. Sein geplantes Hauptwerk: „Paris, die Hauptstadt des XIX. Jahrhunderts“ konnte er nicht vollenden. Die gesammelten Fragmente erscheinen später unter dem Titel: „Passagen-Werk“.
5
Nach der Besetzung Frankreichs durch Deutschland entschloss sich Benjamin in die USA zu emigrieren.
Er versuchte noch über Spanien aus Frankreich zu fliehen, wartet an der Grenze aber vergeblich auf ein Visum. Am 27. September 1940 nahm er sich, angesichts der drohenden Auslieferung an die Geheime Staatspolizei (Gestapo), mit einer Überdosis Morphium in dem spanischen Grenzort Port Bou das Leben. Dort wurde ihm 1993 eine Gedenkstätte errichtet. 5
3. Exposé: Zusammenfassung und Interpretation
Walter Benjamins Exposé-Text ist in sechs Abschnitte unterteilt. Diese sind jeweils thematisch getrennt, nehmen aber dennoch Bezug aufeinander. Ich werde versuchen mich in der folgenden Interpretation des Textes auf die mir wichtigsten Aspekte zu konzentrieren. Das Exposé enthält trotz seiner Kürze von nur fünfzehn Seiten eine umfangreiche Analyse, so dass es mir sinnvoll erscheint einen gezielten Schwerpunkt zu setzen. Die wichtigsten Begriffe sind hierbei meines Erachtens die Passagen, die Ware und der Flaneur.
Der erste Abschnitt nennt sich: „Fourier oder die Passagen“. Passagen sind nach einer zeitgenössischen Definition eines „Illustrierten Pariser Führers“:
„(...) eine neuere Erfindung des industriellen Luxus, sind glasgedeckte, marmorgetäfelte Gänge durch ganze Häusermassen, deren Besitzer sich zu solchen Spekulationen vereinigt haben.“ 6
Diese Definition lässt bereits eine Menge über das Erscheinungsbild der Passagen erahnen. Das Glas, aber auch das Eisen stellt in diesen für damalige Zeit neuartige Konstruktionen wichtige Bestandteile dar. Damit wurde es möglich straßenlange Dächer ganz aus Glas zu konstruieren. Für Benjamin gibt es zwei bedeutende Gründe für das Aufkommen der Passagen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/BenjaminWalter (27.11.2002).
6 Vgl.: Benjamin, Walter: Gesammelte Schriften. [Bd. V1], Frankfurt am Main 1977, S.45.
6
Arbeit zitieren:
M. A. Eric Horster, 2002, Walter Benjamin - Passagen, München, GRIN Verlag GmbH
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